(Gerhard) Wahrig – Deutsches Wörterbuch (1968)

TitelJetzt steigen wir mal tiefer in die deutsche Sprache ein, und das hat auch einen ganz persönlichen Grund, denn mein Vater war ja nicht nur Lehrer, sondern er definierte sich auch als Germanist. Und so prägte er uns drei Brüder wohl auch …

Und da war der „Wahrig“ für ihn natürlich ein Standardwerk:

Gerhard Wahrig (* 10. Mai 1923 in Burgstädt; † 2. September 1978 in Wiesbaden) war ein deutscher Sprachwissenschaftler und Lexikograph. Besonders bekannt wurde er als Begründer und Herausgeber des Titels Wahrig – Deutsches Wörterbuch, auch weit verbreitet „Der Wahrig“ bzw. „Der große Wahrig“ genannt, der heute mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren als Standardwerk unter den einbändigen deutschen Wörterbüchern gilt.

Gerhard Wahrig besuchte die Volksschule in Burgstädt und das Realgymnasium in Chemnitz. Von 1941 bis 1945 wurde er als Bordfunker bei der Luftwaffe zum Wehrdienst verpflichtet. Nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft immatrikulierte sich Wahrig an der Universität Leipzig für die Fächer Anglistik (im Hauptfach) sowie Romanistik und Philosophie (im Nebenfach). 1951 wurde er mit der Arbeit Die Ausdrücke des Lachens und des Spotts im Alt- und Mittelenglischen durch Werner Krauss promoviert. Zwischen 1951 und 1959 war Wahrig als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bibliographischen Institut Leipzig tätig, wo er das Lexikon A–Z (einbändig 1955, zweibändig 1958) bearbeitete. Seit 1953 war Wahrig Leiter der Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts. Im März 1959 floh Wahrig mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland, wo er ab September 1959 für den Langenscheidt-Verlag in GerhardWahrig2Berchtesgaden und ab März 1960 für den Bertelsmann-Verlag in Gütersloh als Leiter der Lexikon-Redaktion tätig war. 1969 wurde Wahrig als Professor an die Monash University in Melbourne berufen, lehnte diesen Ruf jedoch ab und trat stattdessen eine Stelle als Cheflektor des Franz Steiner Verlags in Stuttgart an. Nach seiner 1972 erfolgten Habilitation wurde Wahrig 1973 an der Universität Mainz zum außerordentlichen und schließlich zum ordentlichen Professor für allgemeine und angewandte Linguistik ernannt.

Gerhard Wahrig arbeitete an Semantik, Grammatik und Lexikographie. Außerdem gehört er zu den Pionieren der Computerlinguistik.

Sein Hauptwerk trägt den Titel Deutsches Wörterbuch. Dieses 1966 erstmals erschienene Werk stellt – nach dem Vorbild des Larousse in Frankreich und dem Concise Oxford in Großbritannien – den ersten Versuch eines Bedeutungswörterbuchs der deutschen Sprache dar und hat sich besonders unter Deutsch-Studenten im In- und Ausland einen Namen gemacht. Seit dem Jahr 1986 wurden die von Gerhard Wahrig begründeten Wörterbücher unter der Leitung seiner Tochter Renate Wahrig-Burfeind überarbeitet GerhardWahrig1und aktualisiert und zuletzt vom Wissen Media Verlag bis zu dessen Geschäftsaufgabe 2014 vertrieben.

Neben der Erstauflage des Deutschen Wörterbuchs sind vor allem die achte Auflage aus dem Jahr 2006 zum 40-jährigen Jubiläum des Deutschen Wörterbuchs zu nennen, die die zum 1. August 2006 verbindlich gewordenen Schreibungen der amtlichen Rechtschreibregelung im Zuge der Rechtschreibreform enthält. Im September 2011 erschien die neunte Auflage des Werkes, das grundlegend überarbeitet und um wichtige Neologismen ergänzt wurde. (Quelle: wikpedia)

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Dieses Standardwrk diente meinem Vater aber nicht nur für die Verrichtung seiner täglich Arbeit, sondern auch als eine Art kleine Vorratskammer für diverse Artikel, die sich mit dem Umgang der deutschen Sprache beschäftigten.

All diese Artikel, die in dem Buch lagen beklagen quasi den Verfall der guten Sitten, also jenen sträflichen Leichtsinn, mit denen die „Modernisierer“ jener Jahre an der deutschen Sprache bzw. Schriftweise herumdoktern wollten. Stichwort waren da „permanente Kleinschreibung“ oder „Fremdwörter nehmen überhand“.

In dem Buch fanden sich aber auch Verkaufsanzeigen, die mein Vater mit dem Bleistift markierte … ob er diese jeemals wirklich bestellt hat … da fehlt mir die Erinnerung.

Un natürlich erinnere ich mich noch genau daran, wie unser Vater uns stetig und permanent auf den korrekten Umgang mit der deutschen Sprache hinwies. Auch von daher, muss ihm die Beat-und Rockmusik ein gewaltiger Dorn im Auge gewesen sein, denn diese „Negermusik“ führte ja auch dazu, dass sich bei uns jungen Rebelle die Sprache veränderte.

Und dann auch noch die 68er mit all ihren „Sit Ins“, „Teach Ins“ und was es da sonst noch so gab.

Hier eine kleine Auswahl dieser Artikel …

Und alle Schnipsel, die in dem Buch lagen, gibt es dann in der Präsentation.

Und nein, ich habe dieses Werk mit seinen knapp 4.200 Seiten nicht digitalisiert (ich bin zwar bescheuert, aber so bescheuert nun auch wieder nicht).

Man könnte ja auch sagen, so crazy bin ich auch wieder nicht, das lasse ich aber lieber, nicht dass sich mein ehrwürdiger Vater noch im Grabe umdrehen muss.

Na ja, und heute rege ich mich über dieses „denglisch“ auf … da gibt es ein „Come Together“ für den Stehempfang und eine „Kick Off Event“ für eine Auftaktveranstaltung und ich kann mich da fürchterlich aufregen …

Siehste mal, Papa … steter Tropfen höhlt den Stein …

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Die hauchdünnen Seiten des Buches sorgen dafür, dass bei einem scan die Rückseiten durchschimmern

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Der „Wahrig“ … von A- Z (hier die Kurzfassung)

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Weitere lexikalische Angebote des Bertelsmann Verlages für sprachinteressierte Kunden

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Das „Streiflicht“ gibt es heute noch in der Süddeutschen Zeitung

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Eine sarkastische Polemik gegen den inflationären Einsatz von Fremdwörtern

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Ein Beitrag der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahr 1973

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Also, für Schönheitspflege hat sich mein Vater ganz sicher nicht interessiert

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Auf der Rückseite eines Artikels befand sich Bericht über die erste französische Buchhandlung, die ausschließlich Literatur von Frauen anboten – geschrieben von der legendären deutschen Jounalistin Ursula von Kardorff (* 10. Januar 1911 in Berlin; † 25. Januar 1988 in München)

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Schon unfreiwilig komisch: „Schaugespräche“ statt „Talk-Show“

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Ja, ja … Vaterland und Muttersprache …

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Die Rückseite des Buches