Verschiedene Interpreten – Das goldene Hackbrett-Album (1974)

FrontCover1Und jetzt wenden wir uns mal einem Instrument zu, das wohl wie kein zweites Instrument für alpenländische Musik steht … und jetzt folgt erstmal ne Prise geballtes Wissen über dieses Instrument:

Das Hackbrett ist ein Typ einer Kastenzither, deren Saiten mit Klöppeln angeschlagen werden. Die Klöppel oder Schlägel bestehen aus Holz und können mit Leder oder Filz überzogen sein. Hackbretter sind Saiteninstrumente, die nach der Art der Tonerzeugung auch zu den Schlaginstrumenten gezählt werden. Zwischen Nordamerika, West- und Osteuropa, dem Mittleren und dem Fernen Osten sind regional unterschiedliche Formen von Hackbrettern verbreitet. Unter der deutschen Bezeichnung „Hackbrett“ werden im engeren Sinn Formvarianten verstanden, die in der alpenländischen Volksmusik beheimatet sind.

Das Instrument kann Trapez-, Halbtrapez-, Rechteck- oder Flügelform aufweisen. Moderne Instrumente haben die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Darüber laufen meist über zwei Stege Metall-Saiten. Pro Ton sind in der Regel zwei, drei oder mehr Saiten gruppiert, das Hackbrett ist also zwei-, drei-, vier- oder fünfchörig. Die Saiten werden mit Stimmwirbeln gestimmt. Bauart und Auswahl der Schlägel haben eine wesentliche Auswirkung auf die Klangfarbe. Zur Erzielung besonderer Effekte kann man die Saiten auch mit den Fingern zupfen (Pizzicato).

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Engelsdarstellung mit Hackbrett im Kloster Himmelkron

Das Hackbrett könnte aus dem Byzantinischen Reich nach Europa gekommen sein, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts gibt es jedoch kaum Hinweise auf seine Existenz. Die älteste bekannte Abbildung, die sich zuverlässig als Hackbrett identifizieren lässt, ist ein Medaillon auf dem Elfenbeindeckel des byzantinischen Melisende-Psalters, der um 1140 datiert wird. Darauf ist König David zu sehen, der mit zwei Stöckchen ein trapezförmiges Saiteninstrument schlägt. Ein direkter organologischer Bezug zu den erst 300 Jahre später, Anfang des 15. Jahrhunderts, in Mitteleuropa auftauchenden, rechteckigen Hackbrettern ist zweifelhaft. Als eher wahrscheinlich gilt eine eigenständige europäische Entwicklung dieses Typs mit dieser Spielweise.

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Hackbrett nach Virdung 1511

Paul M. Gifford (2001) meint, Voraussetzung für die Schlagtechnik bei Saiten sei ein gezogener Stahldraht, den es erst seit dem 14. Jahrhundert gebe. Geschmiedeter Draht sei für Musikinstrumente ungeeignet, und Darmsaiten ergäben gezupft einen besseren Klang. Ein Einfluss aus dem Nahen Osten liegt allerdings für einen der Vorläufer des Hackbretts nahe, das Psalterium. Gifford datiert das Psalterium seit dem 11. Jahrhundert, es wurde aus den genannten Klanggründen eher gezupft als geschlagen.

Die Version, die sich in Frankreich aus dem Psalterium entwickelte, wurde auf Französisch doulcemèr genannt, dieser Name stammt vermutlich vom lateinischen dulce melos, „süßes Lied“ oder „lieblicher Klang“. Im englischen Sprachraum heißt das Hackbrett heute noch dulcimer. Anscheinend wurde die deutsche Bauform jedoch populärer als die französische. Zweifelsfrei belegt ist das Hackbrett seit 1370 in einer Reihe mitteleuropäischer Darstellungen als langgestrecktes Bassinstrument, das zunächst mit nur einer, später mit bis zu drei Saiten bezogen ist. Der Korpus des Instruments wurde beim Spielen an der Schulter angelehnt. Dieses mitteleuropäische (deutsche) Hackbrett hat sich aus der string drum, dem tambourin à cordes oder Saitentamburin entwickelt, einem mit einem Stock geschlagenen Instrument, oft nur mit einer Saite, das auch heute noch in der Provence von Musikanten gespielt wird, die gleichzeitig dieses Instrument und eine Einhandflöte (galoubet) spielen. Daraus entstand das heute überwiegend gespielte Hackbrett.

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Um 1450 werden die Bezeichnungen Dulce Melos (lateinische Traktate), Doulcemer und Hackbrett (1447 in einem Zürcher Ratsbuch) verwendet. Ein Kupferstich von 1470 zeigt ein weiterentwickeltes Instrument, gespielt von einer Dame höheren Standes. Es ist mit vier Saiten über zwei Teilungsstegen ausgestattet und somit auf eineinhalb Oktaven (diatonische Stimmung) erweitert. „Dulce Melos“ ist die Bezeichnung des Hackbretts in der lateinischen Gelehrtensprache des 15. Jahrhunderts. Sie findet sich zuerst in einer unbetitelten Handschrift des Arztes und Astronomen Heinrich-Arnold von Zwolle, verfasst um 1440 in Dijon. Behandelt sind darin Harfe, Orgel, Cembalo und Clavichord. Das außerdem erwähnte Dulce Melos sei ein Saiteninstrument, das mit einem Stab geschlagen werde („cum baculum fit contactus cordarum“). Die gleiche Bezeichnung kommt auch im „Tractatus de musica“ (verfasst ca. 1460) des Paulus Paulirinus de Praga vor. Danach war das Dulce Melos ein rechteckiges Instrument mit einer Schallöffnung, über dessen Resonanzboden Metallsaiten gespannt waren. Wenn diese mit einem Stäbchen (ligniculo) oder einem Plektrum (penna)angeschlagen würden, ergäben sich die süßesten Töne und Klänge.

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Ein Altarblatt des holländischen Malers Oostzanen bezeugt bereits 1512 die wechselweise Saitenführung über einen Teilungssteg und durch dessen Öffnungen hindurch. Auch das oben gezeigte Bild von Virdung (1511) lässt diese Saitenführung erahnen.

Unter der Bezeichnung Dulcimer ist das Hackbrett 1470 in England nachweisbar, die amerikanische Variante hammered dulcimer ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt. Sie unterscheidet sich vom Appalachian dulcimer, einer schlanken, amerikanischen Bordunzither. Das iranische Hackbrett Santur wurde im 17. Jahrhundert erstmals dargestellt, sein Name ist jedoch älter. In den 1950er-Jahren fand der Santur Eingang in die nordindische klassische Musik. Das thailändische Hackbrett heißt Khim. Ab dem 18. Jahrhundert gelangten mit Schlägeln geschlagene Kastenzithern wahrscheinlich von Europa nach China (Yang-Qin). Eine andere Theorie besagt, dass die iranische Variante des Hackbretts (Santur) den Landweg über Zentralasien eingeschlagen habe. Dem steht jedoch entgegen, dass die Wirbel des Yang-Qin wie beim europäischen Hackbrett auf der abgeschrägten Deckplatte angebracht, beim iranischen wie beim irakischen Santur jedoch an der Flanke angebracht sind. Von China aus verbreitete es sich weiter nach Korea (Yanggum), Japan (Sangen Dakin), Vietnam und Kambodscha (Khîm).

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Das osteuropäische Cymbal ist erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts in Ungarn belegt. Es wird seit 1637 auch von jüdischen Wandermusikanten genutzt, die in Prag die böhmische Cymbaltradition anstoßen. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts bringen Wandermusikanten unterschiedlicher Provenienz das Instrument als Bandura in die Ukraine und nach Weißrussland. Die Entwicklung des zu seiner Zeit legendären pantalonischen Cymbals 1697 von Pantaleon Hebenstreit fußt auf böhmischer Tradition. Es war etwa viermal so groß wie das normale Hackbrett, hatte einen doppelten Resonanzboden und verwendete sowohl Metall- als auch Darmsaiten.

1717 fasste das englische Dulcimer an der Küste Nordamerikas Fuß, gleichzeitig wird es in China als Yangqin (yang ch’in, fremde Zither) adaptiert. Währenddessen fand das Hackbrett in der Gestalt des Salterio (salterio tedesco, wörtlich deutsches Psalterium), Eingang in die italienische und spanische Barockmusik. Nach zögerlichen Anfängen kam das Hackbrett im Verlauf des 18. Jahrhunderts in einigen Regionen Österreichs (Kärnten, Salzkammergut, Osttirol und Steiermark) sehr in Mode.

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Ein E-Hackbrett

1874 erfand Venczel József Schunda in Budapest das in kürzester Zeit sehr erfolgreiche Pedalcymbalon, kurz Zymbal genannt, in chromatischer Stimmung und einem Saitenaufbau ähnlich dem Salzburger Hackbrett, jedoch teilweise noch diatonisch. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelten der Salzburger Tobi Reiser und der Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner ein vollchromatisches Hackbrett ohne Teilungsstege, das zu den 6-plus-6-Instrumenten zählt. (wikipedia)

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Und nach dieser prallen Ladung an Hintergrundwissen nun eine pralle Ladung Hackbrettmusik.

Auf dieser Doppel-LP hören wir sage und schreibe 24 Musiktitel, bei denen das Hackbrett im Mittelpunkt seht und kein Gesang stört den Klang dieses Instruments. Und so können wir diesen wirklich interessanten und beeindruckenden Klang in Reinkultur hören … meist begleitet von dezenter Begleitmusik.

Und so manches komt z.B. ziemlich pfiffig daher, wie z.B der „Kuhstall-Boarischer“.

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Titel:

Ebersberger Volksmusik:
01. Hackbrett-Boarischer (Krammer) 2.21

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
02. Im goldenen Tal (Kulzer/Linner) 2.12

Ebersberger Volksmusik:
03. D’Rumpelies (Krammer) 3.07

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
04. Landerusch (Kulzer/Linner) 2.20

Ebersberger Volksmusik:
05. Barbara-Tanzerl (Krammer) 2.18
06. Hackbrett-Stück’l (Krammer) 1.35

Die Geisskopf Musikanten:
07. Bayerischer Zwiefacher (Traditional) 3.27

Ebersberger Volksmusik:
08. Da Sensauer (Krammer) 2.42
09. Lieserl-Walzer (Krammer) 2.30

Leitzachtaler Musikanten und Irmi Huber:
10. Der Schneidige (Kulzer) 2.51

Ebersberger Volksmusik:
11. A‘ Landerischer (Krammer) 2.36
12. Schoßgeigen-Menuett (Krammer) 1.37
13. Zither-Polka (Krammer) 1.40
14. Ebrachtaler-Walzer (Krammer) 2.29

Die Geisskopf Musikanten:
15. Geißkopf-Ländler (Kraus) 1.59

Ebersberger Volksmusik:
16. In der Gunk’l-Stub’n (Krammer) 2.56

Nahringer Hackbrettmusik:
17. Kuhstall-Boarischer (Kulzer) 3.08

Ebersberger Volksmusik:
18. A‘ stade Weis‘ (Krammer) 1.56

Leitzachtaler Musikanten und Irmi Huber:
19. Tanzboden (Kulzer) 2.38

Ebersberger Volksmusik:
20. Der Tegernauer (Krammer) 2.30
21. Schoßgeigen-Polka (Krammer) 1.47
22. Der Schneider-Boarischer (Krammer) 2.06

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
23. Stammtisch-Polka (Sonnauer/Franzten) 2.14

Ebersberger Volksmusik:
24. A‘ bnoarisch Tanzerl (Krammer) 1.58

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