Stefan Diestelmann – Folk Blues Band (1978)

Ifrontcover1ch stelle mir vor: Da sitzt einer wochen- monate- jahrelang herum und versucht sich am Blues auf der Gitarre – bis die Finger bluten … und dann hat er es geschafft:

Stefan Diestelmann (* 29. Januar 1949 in München; † 27. März 2007 in Tutzing) war ein Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler, Textautor, Komponist und Filmproduzent. Von 1961 bis 1984 lebte er in der DDR. Seine jahrelange praktische Erfahrung, die intensive Beschäftigung mit den Ausdrucksformen im Blues und Jazz und die gemeinsamen Auftritte mit Bluesmusikern wie Louisiana Red, Memphis Slim, Alexis Korner und Phil Wiggins machten ihn zu einem versierten Bluesmusiker.

Stefan Diestelmann kam 1949 als Sohn des Schauspielerehepaares Hildegard und Jochen Diestelmann zur Welt. Er beschäftigte sich schon frühzeitig mit dem Blues und brachte sich seine Fähigkeiten autodidaktisch bei. 1961 siedelte er auf Wunsch der Eltern, die beide für die DEFA arbeiteten, zusammen mit ihnen in die DDR um. Als Zwölfjähriger erhielt er von seinen Eltern die erste Gitarre geschenkt und begann zu spielen, sammelte Schallplatten und studierte Literatur über das Leben und Wirken afroamerikanischer Bluesinterpreten. Seine ersten Auftritte hatte Stefan Diestelmann bei den Teddys. Danach spielte er in verschiedenen Amateurbands, bis ihn 1975 Axel Stammberger in dessen Band Vai hu holte. Seiner Neigung zu authentischem, urwüchsigem Blues konnte er jedoch bei Stammberger nicht entsprechen. So gründete er im Mai 1977, nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Bluesband Engerling, seine eigene Band. Zur Gründungsbesetzung der Stefan Diestelmann Folk Blues Band gehörten:

Stefan Diestelmann (Gitarre, Gesang, Mundharmonika)
Dietrich Petzold (Violine, Perkussion)
Rüdiger Phillipp (Bass)
Bernd Kleinow (Mundharmonika).

diestelmann01Dietrich Petzold hatte sein Handwerk bei Klaus Lenz und Uschi Brüning erlernt, bevor er mit Diestelmann zusammen spielte. Rüdiger Phillipp kam ebenfalls von Uschi Brüning zunächst zu Vai hu. Obwohl sich die Stefan Diestelmann Folk Blues Band durch ihre betonte Anlehnung an die afroamerikanischen Bluesmusiker (T-Bone Walker, Muddy Waters, B. B. King) und stilistisch (zum Beispiel durch den Verzicht auf ein Schlagzeug) deutlich von anderen Bands wie Engerling, Monokel oder Freygang unterschied, fand sie in der Blueserszene der DDR großen Anklang. Die Nähe zum Publikum und seine Texte brachten Stefan Diestelmann zunehmend den Unmut der DDR-Staatsmacht ein und führte in einigen DDR-Bezirken zu Auftrittsverboten. Bereits am 5. März 1967 war Stefan Diestelmann wegen „Staatsverleumdung“ und „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Seine Texte (Der Alte und die Kneipe oder Hof vom Prenzlauer Berg) spiegelten den Alltag wider und erzählten von verfallenen Häusern, dem Kohlenmann, Kneipen und Besoffenen, und passten nicht in das offizielle Bild der DDR.

Anfang Oktober 1977 trat er auch im Rahmen eines Jugendgottesdienstes der oppositionellen „Offenen Arbeit“ um Pfarrer Christoph Wonneberger in der Dresdner Weinbergsgemeinde sowie 1980 gemeinsam mit „Holly“ Holwas bei der Blues-Messe in der Ost-Berliner Auferstehungskirche auf

Dennoch erhielt Stefan Diestelmann die Möglichkeit zu Rundfunkproduktionen, Auslandsgastspielen und Auftrittsmöglichkeiten bei offiziellen Veranstaltungen, beispielsweise im Berliner Palast der Republik, wo er am 25. Mai 1978 gemeinsam mit Memphis Slim auf der Bühne stand. 1978 erschien bei Amiga seine erste LP, auf der als Gäste Wolfgang Fiedler und Volker Schlott von der Jazz-Rock-Band Fusion zu hören sind. Ein Jahr später trat er in Der Mann aus Colorado 2 erstmals im DDR-Fernsehen auf, und 1981 spielt Diestelmann an der Seite von Dean Reed im DEFA-Film Sing, Cowboy, sing einen Barkeeper. 1984 erhielt Stefan Diestelmann, allerdings ohne die Band, die Möglichkeit, in Hildesheim in der Bundesrepublik Deutschland aufzutreten. Von diesem Konzert kehrte der „Blueskönig der DDR“ nicht mehr in die DDR zurück.

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Jürgen Kerth + Stefan Diestelmann

Er lebte seitdem am Ammersee in Bayern. In der Bundesrepublik konnte er nicht an seine Erfolge in der DDR anknüpfen. Mitte der 1990er Jahre beendete er seine musikalische Laufbahn, um die Firma Diestelfilm zu gründen. Diestelfilm produzierte Präsentations- und Dokumentarfilme.

Diestelmann starb 2007. Sein Tod wurde erst Ende 2011 durch einen Artikel des Journalisten Steffen Könau bekannt. (Quelle: wikipedia)

Und irgenwie steht man dann fassungslos vor dieser Biographie …

Und hier dieses legendäre Debütalum … Stefan Diestelmann behauptete mal, dies sei das erste Amiga-Album gewesen, auf dem englischsprachige gesungen werden durfte … klingt gut, ist aber falsch: Die Puhdys waren mit ihrem „Rock N Roll Music“ früher dran … und wenn ich an all die Amiga Alben von irgendwelchen internationalen Song-Festivals denke … da wurde schon auch englisch gesungen.

Das mindert den Wert dieser LP allerdings in keinster Weise !

Intensiver akustischer Blues tönt aus den Boxen und beileibe nicht nur ein Blues der tradtionellen Art (was ja wahrlich nicht das Schlechteste wäre) … man höre sich da mal „Flamenco“ an, da wird ganz heftig experiementiert … spannend ohne Ende.

Und ich werde mich weiterhin auf die Spurensuche begeben, denn: Dieser Stefan Diestelmann scheint mir eine der traurigsten Geschichten zu sein, die der deutsche Blues zu bieten hat.

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Besetzung:
Stefan Diestelmann (guitar, vocals, harmonica, percussion)
Bernd Kleinow (harmonica, percussion)
Dietrich Petzold (vocals, percussion, handclaps bei 02.)
Rüdiger Philipp (bass, percussion)
+
Gerhard Eitner (guitar bei 08.)
Wolfgang Fiedler (piano bei 04., 05., 08. + 09.  mellotron bei 06. + 09., handclaps bei 02.)
Detlev Kessler (drums bei 08.)
Claus-Dieter Knispel (trumpet bei 08.)
Jürgen Kratzenberg (bass bei 08.)
Max Pflugbeil (trumpet bei 08.)
Signor Rotbarth (trumpet bei 08.)
Volker Schlott (saxophone bei 08. + 09.)
Memphis Slim (piano, vocals bei 08.)
Bernd Swoboda (trombone bei 08.)

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Titel:
01. Reichsbahn-Blues (Diestelmann) 4.08
02. Ma Babe (Dixon) 4.13
03. Blues für Kinder (Diestelmann) 2.37
04. Key To The Highway (Broonzy) 3.20
05. Caldonia (Moore) 4.40
06. Flamenco (Diestelmann) 9.06
07. Blues Für Memphis Slim (Diestelmann) 4.40
08. Rockin‘ The House (Slim) 3.06
09. Stormy Monday Blues (Walker) 4.35

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Stefan Diestelmann im Westen: Vermutlich eines der letzten Fotos (im Boot auf dem Ammersee/Obb.)

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