Gerd Albrecht – Erklärt und dirigiert „Der Zauberlehling“ von Paul Dukas (1986)

FrontCover1Selten traf für mich das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ so zu, wie bei diesem musikalischem Hörbuch des Dirigenten Gerd Albrecht:

Seit über 30 Jahren moderiert Gerd Albrecht spezielle Konzerte für Kinder, in denen er große Werke der Musikgeschichte spannend und anschaulich erklärt. Zahlreiche Aufnahmen solcher Konzerte erhielten Auszeichnungen. Seine Erzählversion von Paul Dukas‘ Tondichtung nach Goethes Ballade Der Zauberlehrling gehört in diese Reihe.

Dukas‘ Tondichtung eignet sich besonders gut, um musikalische Ausdrucksmittel zu erklären. Die Musik an sich ist schon so bildhaft, dass sie die Phantasie der Kinder mit Leichtigkeit anregen kann. Zunächst erzählt Gerd Albrecht jeweils den außermusikalischen Inhalt des Werkes und weist auf verschiedene Stilmittel und Effekte in der Musik hin. Danach folgt die zusammenhängende Interpretation des Zauberlehrlings mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin.

Der französische Komponist Paul Dukas folgt in seinem „Scherzo nach der Ballade von Goethe“ dem Gedicht teilweise ganz genau, teilweise verweilt er in großartigen musikalischen Bildern. Die angstvolle Stimmung des Zauberlehrlings beispielsweise („Kommt der Alte wieder? Was wird geschehen?“) charakterisiert das Orchester durch die mit Dämpfer spielenden Violinen, die Harfe spielt die Melodie mit abgedämpften Handballen und das angstvolle Herzflattern des Kleinen kommt in den Holzbläsern zum Ausdruck. Der Besen hat sein eigenes Instrument, nämlich das Fagott und die Zauberformel sprechen die abgedämpften Trompeten und Hörner. Außerdem weist Albrecht auf ein meisterlich zur Spannungssteigerung eingesetztes Mittel von Dukas hin: Die Pausen. Dieses Wissen um die Bedeutung der einzelnen Instrumente und Stilmittel steigern Wiedererkennungswert und Hörgenuss für Jung und Alt ungemein. Desgleichen gelingt Gerd Albrecht mit seiner schelmischen Erklärung des Till Eulenspiegel. Er verrät und erläutert die versteckten musikalischen Streiche des Komponisten, die der Hörer mit geschärften Ohren nachvollziehen kann.

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Diese Original-LP enthält dann auch noch eine sehr liebevoll gestaltetes Booklet mit wirklich reizenden Illustrationen und diversen Zusatzinformationen … dieser Augenschmaus erhöht das gesamte Vergnügen ungemein.

„Gerd Albrecht fasst es als sein zentrales Anliegen auf, die Musik dem Publikum nicht nur vorzusetzen, sondern sie ihm begreifbar zu machen. Anders als bei gewissen Jugendkonzerten wird bei Albrecht nicht einer kompakten Werkdarbietung einfach ein Referätchen oder eine Plauderei vorangestellt. Vielmehr bricht er die Werkstruktur auf, leuchtet in sie hinein, erklärt Motive und Themata so präzis wie musikalische Formabläufe. Das Besondere liegt darin, dass die Musik auf dieser Weise nicht zerfassert, dank Albrechts konzisen und packenden Erläuterungen. Selbst wer das Stück schon lange kennt, vermag sich der eigenartigen Faszination solcher Musik-Verdeutlichungen nicht zu entziehen“ (Christoph Winzeder)

So und nicht anders ist es … Eine Paradebeispiel gelungener Musikvermittlung, von der man eigentlich gar nicht genug bekommen kann. Und zur Vertiefung habe ich 2 pdf-Dateien, die sich mit dieser Kompositon beschäftigen, beigelegt.

Und leider, leider muss ich diesen Beitrag mit dieser Information schließen:

„Mit großer Trauer teilen wir mit, dass Gerd Albrecht in den Abendstunden des 2. Februar 2014 nach schwerer Krankheit in Berlin verstorben ist.“  (website) … Was für ein Verlust !

GerdAlbrecht

* 19. Juli 1935 in Essen; † 2. Februar 2014 in Berlin

Besetzung:
Radio-Symphonie Orchester Berlin unter der Leitung von Gerd Albrecht

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Titel:
01. Gerd Albrecht erklärt den Zauberlehrling von Paul Dukas (Dukas/Albrecht) 27.50
02. Der Zauberlehrling (Dukas) 10.22

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