Berliner Philharmoniker – Aus der neuen Welt (Dvorak) (1966)

FrontCover1.JPGDie 9. Sinfonie e-Moll op. 95 (B 178) Antonín Dvořáks trägt den Namen Aus der Neuen Welt (Z nového světa), da sie von Dvořáks dreijährigem Amerika-Aufenthalt inspiriert wurde. Sie wurde zu Lebzeiten des Künstlers als seine 5. Sinfonie bekannt.

Als Antonín Dvořák 1892 amerikanischen Boden betrat, um der Berufung zum Direktor des National Conservatory of Music of America Folge zu leisten, war er bereits ein weltbekannter Komponist. Seinen Ruhm begründete er mit den Kompositionen Die Erben des Weißen Berges (1872), früheren Sinfonien, den Mährischen Duetten und den Slawischen Tänzen. Es war daher nicht verwunderlich, dass Jeannette Thurber, die Witwe eines wohlhabenden Kaufmanns und Mitbegründerin des New Yorker Instituts, ihm diesen lukrativen und prestigeträchtigen Posten anbot.

Mit der 9. Sinfonie, die während seines dreijährigen Amerika-Aufenthaltes entstand, schuf Dvořák sein wohl populärstes sinfonisches Werk. Obwohl Dvořák als Dirigent und Lehrer die Aufgabe übernommen hatte, eine junge Musikergeneration heranzubilden, die einen national-amerikanischen Musikstil entwickeln sollte, ist seine 9. Sinfonie keinesfalls amerikanische Musik. In einem Zeitungsinterview erklärte er seine Vorgehensweise:

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Antonín Dvořáks

„Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl Indianischer Melodien, die mir ein Freund gab, und wurde gänzlich durchtränkt von ihren Eigenschaften – vielmehr ihrem Geiste. Diesen Geist habe ich in meiner neuen Sinfonie zu reproduzieren versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden. Ich habe schlichtweg originäre Themen geschrieben, welche die Eigenheiten der Indianischen Musik verkörpern, und mit den Mitteln moderner Rhythmen, Harmonie, Kontrapunkt und orchestraler Farbe entwickelt. […]
Nun, ich stellte fest, dass die Musik der Neger und die der Indianer praktisch identisch war.“ (Antonín Dvořák)

Der letzte Satz illustriert, dass Dvořáks Kenntnis authentischer Musik von Indianern und Schwarzen nicht sehr tiefgehend gewesen sein kann. Die Einflüsse sind dennoch in verschiedenen harmonischen und rhythmischen Eigenheiten der Sinfonie erkennbar. So basiert die Englischhorn-Melodie des 2. Satzes auf der halbtonlosen fünftönigen Skala der Pentatonik, die in der Musik der Indianer gebräuchlich war. (Wichtiger ist aber die große Rolle, die Longfellows Dichtung über Hiawatha – das ist der Häuptling, der den Irokesen-Bund der Indianer begründete – in der Sinfonie spielt, siehe unten.) Rhythmisch fallen auch die für Negro Spirituals typischen Synkopen auf (1. und 3. Hauptthema des 1. Satzes). Daneben zeigt sich unverkennbar der böhmische Musiker mit seiner in der heimatlichen Volksmusik verwurzelten Tonsprache, wie z. B. beim gemütvollen Ländler des Scherzo-Trios.

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Die Themen der Ecksätze sind kurz und prägnant und der oben erwähnten Grundkonzeption zyklisch untergeordnet: das 1. Hauptthema des 1. Satzes erscheint in allen folgenden Sätzen. Im Finale sind außerdem die Hauptthemen des 2. und 3. Satzes andeutungsweise verarbeitet.

1. Satz: Adagio – Allegro molto:
Der erste Satz beginnt mit einer wehmütigen langsamen Einleitung. Das durch ein Unisono der Streicher und harte Paukenschläge sich allmählich entwickelnde Allegro ist von mitreißendem Schwung erfüllt. Das Hauptthema steigt in den Hörnern auf und wird sogleich vom ganzen Orchester aufgenommen. Ein zweites Thema erscheint zunächst in den Holzbläsern, bevor es gesteigert und rhythmisch verändert wird. Gleichen Charakters tritt hiernach ein Seitengedanke in der Flöte auf, der beide Themen zu verbinden sucht. Beide Themen werden ausführlich verarbeitet. Die Coda bricht mit Urgewalt herein und beendet den Satz in donnerndem e-Moll.

2. Satz: Largo:
Der zweite Satz wurde vom Komponisten als „Legende“ bezeichnet. Dieser bewegende Trauergesang ist nach Dvořáks eigenen Worten durch eine Szene aus Longfellows schon erwähntem Poem „Hiawatha“ angeregt worden und vertont gleichsam die Totenklage Hiawathas, dessen treue Gefährtin Minnehaha dahingeschieden ist. Diese amerikanische Dichtung hatte Dvořák durch die Übersetzung seines Landsmannes Josef Vaclav Sladek kennengelernt. In schmerzlicher Melancholie singt das Englischhorn die Hauptmelodie, mit der dieser Satz in erhabener Ruhe an- und ausklingt.

Ein neuer Gedanke taucht auf und wird wirkungsvoll von Streichertremoli begleitet. Dieses etwas schnellere, ebenfalls gesangliche Thema wird schließlich geschickt mit der Totenklagemelodie verbunden. Wenig später löst eine heitere, an Vogelgesang erinnernde Flötenmelodie einen Stimmungswechsel aus, der sofort vom hervorbrechenden Hauptthema des ersten Satzes unterbunden wird. Das Englischhorn trägt wieder das Hauptthema des Largos vor, mit dem der Trauergesang verklingt.

Originalnoten

3. Satz: Scherzo, molto vivace:
Das Scherzo beginnt mit einem rhythmisch markanten Thema, das den Festtanz der Indianer zur Hochzeit Hiawathas vorbereitet. Wieder ist eine Szene aus Longfellows Epos musikalisch nacherlebt. Dennoch ist die Thematik böhmisch und volkstümlich. Das Scherzo hat einen lyrischen Mittelteil und ist damit komplizierter gebaut als die anderen Scherzi Dvořáks und wurde in dieser Konzeption auch von Anton Bruckner verwendet. Zwischen Scherzo und Trio klingt in den tiefen Streichern leise und bedrohlich das Hauptthema des ersten Satzes an. Das Trio-Teil besteht aus einer anmutigen Walzermelodie, die in ihrer sprunghaften Rhythmik typisch tschechisch ist. Dieser Satzteil bringt die Sehnsucht nach der Heimat zum Ausdruck; er unterbricht vorübergehend das Bild des Freudentanzes der Indianer. Kurz vor dem Ende setzt sich mit aller Kraft wieder das Hauptthema des ersten Satzes durch.

4. Satz: Allegro con fuoco:
Der letzte Satz ist von einer Dynamik erfüllt, wie sie Dvořák zuvor wohl nur in seiner 7. Sinfonie erreicht hatte. Vom vollen Orchester wird das marschartig energische Hauptthema vorgetragen, das pathetisch von der „Neuen Welt“ kündet. Das zweite Thema in den Klarinetten dagegen drückt Dvořáks Sehnsucht nach seinem Vaterland aus.

Kaum ist es verklungen, spitzt sich das Geschehen zu und das erste Thema setzt sich weiter durch. In der Folge wird es mannigfaltig verarbeitet; in diesem Prozess tauchen immer wieder auch Motive aus den ersten drei Sätzen auf. Ein Orchestertutti schmettert anschließend das Hauptthema nahezu gewaltsam heraus, ein Vorgang, der das musikalische Geschehen fast zum Erliegen bringt und durch das zweite Thema fortgesetzt wird. Wieder bricht sich das Hauptthema seine Bahn und führt den Satz zu einem alles mitreißenden Höhepunkt, dem nach einem letzten Innehalten die triumphale Coda folgt. Der Satz wird mit einigen Akkorden beendet, von denen der letzte von den Bläsern ausgehalten wird, was statt eines abrupten Endes ein langsames Verklingen zur Folge hat.

Die Weltpremiere der Sinfonie spielten am 16. Dezember 1893 die New Yorker Philharmoniker in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung von Anton Seidl. Dvořák schrieb über das Konzert: „Die Zeitungen sagen, noch nie hatte ein Komponist einen solchen Triumph. […] Die Leute applaudierten so viel, dass ich aus der Loge wie ein König!? alla Mascagni in Wien mich bedanken musste.“ Die erste Aufführung der Sinfonie Aus der neuen Welt auf dem europäischen Kontinent erfolgte am 20. Juli 1894 in Karlsbad. Die Sinfonie wurde allerorten gefeiert und schnell zum größten Erfolg des Komponisten in dessen Laufbahn.

Die Sinfonie ist heute das bekannteste Werk Dvořáks und gehört zu den meistgespielten Sinfonien weltweit. Dvořák schrieb und plante nach diesem Werk keine weitere Sinfonie mehr. Er begab sich 1895 nach Europa zurück. (Quelle: wikipedia).

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Hier das Werk in einer seltenen Einspielung der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Otto ‚Gerdes:

Otto Gerdes (* 20. Januar 1920 in Köln; † 15. Juni 1989) war ein deutscher Dirigent und Musikproduzent.

Gerdes studierte an der Musikhochschule Köln. Im Jahr 1946 gründete er in Köln ein Tanzorchester, bestehend aus 15 Musikern, das dann als „Kölner Rundfunk-Tanzorchester“ dem NWDR Köln zur Verfügung stand, der damals Nebenstelle des in Hamburg residierenden NWDR war und eine einzige Mittelwelle betrieb.

Das Orchester wurde im Herbst 1947 aufgelöst. Otto Gerdes übernahm beim Sender Koblenz des im Aufbau befindlichen Südwestfunks (SWF) die Dirigentenstelle des Unterhaltungsorchesters. Infolge des Umzugs der Landesregierung von Rheinland-Pfalz von Koblenz nach Mainz ergaben sich beim Sender Koblenz ebenfalls Umstellungen.

Gerdes übernahm später Dirigate bei anderen Orchestern, nun aber im Gegensatz zur Kölner Tätigkeit immer im E-Bereich, also der sogenannten „ernsten“ Musik. Er war als Dirigent, Musikproduzent und künstlerischer Leiter bei Opernhäusern in Berlin und Otto Gerdes01München tätig und ging 1956 in gleicher Eigenschaft zur Deutschen Grammophon.

Der Musikkritiker Norman Lebrecht berichtet in einem seiner Bücher, Otto Gerdes sei aus den Diensten der Plattenfirma entlassen worden, kurz nachdem er morgens den Dirigenten Herbert von Karajan jovial mit „Herr Kollege“ begrüßt habe.

Mit den Rundfunk-Sinfonieorchestern Berlin und Leipzig spielte er für das DDR-Label „Eterna“ verschiedene Titel ein und war dem Vernehmen nach auch für die tschechoslowakische „Supraphon“ tätig.

Otto Gerdes war verheiratet mit der Opernsängerin Margot Janz (1920–2008). Die Ehe wurde in den 1960er Jahren geschieden.

Gerdes erhielt im Jahre 2001 posthum den Ehrenorden der freien Musiker-Loge Baden-Baden für sein Lebenswerk. (Quelle: wikipedia)

Dieser ganz sicher nicht immer knisterfreie Vinyl-Rip ist dennoch beeindruckend und dient quasi als Appetithappen … für diverse andere Interpretationen, die man dann irgendwo auch knisterfrei bekommen kann.

Prädikat: furios !

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Besetzung:
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Otto Gerdes

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Alternatives Front + Back Cover aus UK

Titel:
01. 1. Satz: Adagio: Allegro Molto 9.24
02. 2. Satz: Largo 12.37
03. 3. Satz: Molto Vivace 8.00
04. 4. Satz: Allegro Con Fuoco 11.02

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Junge Philharmonie Köln (Leitung: Volker Hartung) – Ouvertüre zur Oper Die verkaufte Braut + Cellokonzert h-moll op 104 (2009)

FrontCover1Ich habe ja bekanntermaßen einen Faible für Privatpressungen und hätte hätte ich mal eine im Angebot aus dem Bereich der klassischen Musik und die Rede ist von der Jungen Philharmonie Köln unter der Leitung von Volker Hartung:

Die Geschichte der Jungen Philharmonie Köln beginnt im Jahre 1972. Erich Kluge, Solo-Kontrabassist des Tonhalle-Orchesters Zürich, war es leid, als festangestellter Musiker zu arbeiten. Stattdessen wollte er „Musik als Abenteuer“ erleben, wie er es in einem frühen Interview mit dem WDR-Fernsehen formulierte. Was tun? Kluge trommelte junge Talente zusammen und gründete mit ihnen zusammen ein Ensemble. „Das Orchester, das zunächst gewissermaßen als Hausensemble an der Pädagogischen Hochschule Köln wirkte, war das Alternativorchester in Deutschland schlechthin“, erinnert sich Volker Hartung, der damals noch als Bratschist im Orchester spielte. Als 17-Jährigen hatte Kluge den heutigen Chefdirigenten in sein „Abenteuerorchester“ eingeladen. 14 Jahre später trat Hartung die Nachfolge des frühverstorbenen Gründers an.

Jenseits ausgetretener akademischer Pfade will die Junge Philharmonie Köln ihren ganz persönlichen Weg zur Musik gehen. Das war die Idee von Erich Kluge, der Volker Hartung bis heute treu geblieben ist. „Erich war eine ungeheuer facettenreiche Persönlichkeit. Ein Entdecker und Pionier, der für die Sache seines Orchesters gebrannt hat“, meint Hartung über seinen Vorgänger, den er als großes Vorbild sieht.

 

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Volker Hartung

Das gefiel auch einem gutaussehenden älteren Herrn in weißem Anzug, der seinen Pudel spazieren führte und sich folgendermaßen vorstellte: „Hallo, ich bin Cary Grant – hättet ihr Lust, beim Filmfestival in Cannes zu spielen?“ – Gesagt getan.Gerne erinnert sich Volker Hartung an die im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerlichen Anfangszeiten und die manchmal verschlungenen Wege, auf denen das Orchester zu sich fand. Als die Musiker von ihrer Tätigkeit in Köln genug hatten, entschieden sie sich, die Stadt zu verlassen und reisten erst einmal an die Côte d’Azur. Dort bekamen Einheimische wie Touristen ein Kammerorchester zu sehen, das auf den Promenaden von Cannes und Saint-Tropez unter freiem Himmel im Frack aufspielte.

Zurück in Deutschland wurde aus dem Festival- ein Fernsehorchester: In Alfred Bioleks Kultsendung „Bio’s Bahnhof“ spielte die Junge Philharmonie Konzerte für junges Publikum oder auch einmal Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 unter dem Stab eines prominenten Gastdirigenten, dem britischen Ex-Premier Sir Edward Heath.

Auf ihren Reisen rund um den Globus leisten die Musiker oft genug Pionierarbeit: Wenn es zum Beispiel nach Australien geht, dann spielt die Junge Philharmonie Köln nicht nur im berühmten Opernhaus von Sydney, sondern unternimmt ausgedehnte Konzertreisen durch Dörfer und Kleinstädte, in denen sich sonst nie ein ausländischer Klangkörper verirrt. Abenteuerlich bleibt es für Junge Philharmonie Köln nicht zuletzt aber auch, weil das Orchester bis heute ohne Subventionen auskommt. Im ständigen Austausch mit dem Publikum sucht es den Ausgleich zwischen Innovation und Tradition.

Das Hauptanliegen der jungen Menschen, die in diesem Orchester spielen, ist es, die sinnlichen und emotionalen Triebkräfte der Musik hörbar zu machen – egal ob sie Musik der Romantik spielen oder sich in die Gefilde der sogenannten U-Musik vorwagen, Filmmusik von Bernard Hermann unter Spannung setzten oder sich auf die Spuren des Kölner Barden Willi Ostermann begeben. Weil diese Gratwanderung gelingt und die Instrumentalisten ihre Liebe zur Musik hörbar machen, begeistert die Junge Philharmonie Köln seit 40 Jahren ihr Publikum.

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Und noch ein paar Informationen zu dem Dirigenten, Volker Hartung:

Geboren in Köln, begann Volker Hartung das Erlernen der Violine und Viola im Alter von neun Jahren. Er studierte an der Musikhochschule Köln mit Lehrern wie Gérard Ruymen und Rainer Moog, sowie dem Amadeus-Quartett.

Im Jahr 1980 ermöglichte ihm ein amerikanisches Stipendium das Studium an der Juilliard School of Musik in New York City unter Meistern wie Ivan Galamian, Joseph Gingold und dem Juilliard String Quartet.

Anschließend studierte er am California Institute of the Arts in Los Angeles, mit Alan de Veritch und William Primrose. Zurück in Deutschland, studierte er Dirigieren bei Andreas Brockmann in Wuppertal und Sergiu Celibidache in München.

Volker Hartung ist seit 1986 Chefdirigent der Jungen Philharmonie Klöne, mit der er in weltweiten, erfolgreichen Konzertreisen auf allen Kontinenten und auf zahlreichen internationalen Musikfestivals bekannt wurde.

Hier nun ein weiteresAlbum von diesem Ensemble. Geboten wird Friedrich Smetana und Antonin Dvoràk … es handelt sich dabei um Liveaufnahmen und deshalb wird im Text darauf auch ingewiesen:

Hinweis
Und in der Tat, die Lebendigkeit dieser Aufnahmen überwiegt bei weitem … viel Genuss darf ich wünschen !

 

Booklet1Besetzung:
Junge Philharmonie Köln unter der Leitung von Volker Hartung
Guido Schiefen (violoncello)

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Titel:

Friedrich Smetana:
01. Ouvertüre zur Oper „Die verkaufte Braut“ 6.05

Antonin Dvorak: Cellokonzert h-moll op. 104
02. Allegro 15.06
03. Andante semplice 12.01
04. Finale Allegro con brio 13.09

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Klassische Musiker mal ganz leger

Berliner Symphoniker – Symphonie Nr. 9 – Aus der neuen Welt (Dvořák) (1992)

FrontCover1Hier mal wieder ein Klassiker der klassischen Musik:

Die 9. Sinfonie e-Moll op. 95 (B 178) Antonín Dvořáks trägt den Namen Aus der Neuen Welt, da sie von Dvořáks dreijährigem Amerika-Aufenthalt inspiriert wurde. Sie wurde zu Lebzeiten als 5. Sinfonie des Künstlers bekannt.

Als Antonín Dvořák 1892 amerikanischen Boden betrat, um der Berufung zum Direktor des National Conservatory of Music of America Folge zu leisten, war er bereits ein weltbekannter Komponist. Seinen Ruhm begründete er mit den Kompositionen „Die Erben des Weißen Berges“ (1872), früheren Sinfonien, den „Mährischen Duetten“ und den Slawischen Tänzen. Es war daher nicht verwunderlich, dass Jeannette Thurber, die Witwe eines wohlhabenden Kaufmanns und Mitbegründerin des New Yorker Instituts, ihm diesen lukrativen und prestigeträchtigen Posten anbot.

Mit der 9. Sinfonie, die während seines dreijährigen Amerika-Aufenthaltes entstand, schuf Dvořák sein wohl populärstes sinfonisches Werk. Obwohl Dvořák als Dirigent und Lehrer die Aufgabe übernommen hatte, eine junge Musikergeneration heranzubilden, die einen national-amerikanischen Musikstil entwickeln sollte, ist seine 9. Sinfonie keinesfalls amerikanische Musik. In einem Zeitungsinterview erklärte er seine Vorgehensweise:

„Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl Indianischer Melodien, die mir ein Freund gab, und wurde gänzlich durchtränkt von ihren Eigenschaften – vielmehr ihrem Geiste. Diesen Geist habe ich in meiner neuen Sinfonie zu reproduzieren versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden. Ich habe schlichtweg originäre Themen geschrieben, welche die Eigenheiten der Indianischen Musik verkörpern, und mit den Mitteln moderner Rhythmen, Harmonie, Kontrapunkt und orchestraler Farbe entwickelt. […]
Nun, ich stellte fest, dass die Musik der Neger und die der Indianer praktisch identisch war.“

Titelblatt

Titelblatt der Partitur von Dvořáks 9. Sinfonie

Der letzte Satz illustriert, dass Dvořáks Kenntnis authentischer Musik von Indianern und Schwarzen nicht sehr tiefgehend gewesen sein kann. Die Einflüsse sind dennoch in verschiedenen harmonischen und rhythmischen Eigenheiten der Sinfonie erkennbar. So basiert die Englischhorn-Melodie des 2. Satzes auf der halbtonlosen fünftönigen Skala der Pentatonik, die in der Musik der Indianer gebräuchlich war. (Wichtiger ist aber die große Rolle, die Longfellows Dichtung über „Hiawatha“ – das ist der Häuptling, der den Irokesen-Bund der Indianer begründete – in der Sinfonie spielt, siehe unten.) Rhythmisch fallen auch die für Negro Spirituals typischen Synkopen auf (1. und 3. Hauptthema des 1. Satzes). Daneben zeigt sich unverkennbar der böhmische Musiker mit seiner in der heimatlichen Volksmusik verwurzelten Tonsprache, wie z. B. beim gemütvollen Ländler des Scherzo-Trios.

Die Themen der Ecksätze sind kurz und prägnant und der oben erwähnten Grundkonzeption zyklisch untergeordnet: das 1. Hauptthema des 1. Satzes erscheint in allen folgenden Sätzen. Im Finale sind außerdem die Hauptthemen des 2. und 3. Satzes andeutungsweise verarbeitet. (Quelle: wikipedia)

In den USA

Antonín Dvořák in den USA (ca. 1895)

Hier in einer Einspielung mit den Berliner Symphonikern unter der Leitung von Alun Francis zu hören.

Keine Referenzaufnahme, aber dennoch … in einem Klassik-Forum schreibt ein Waler Krause folgendes:

„Zwar nicht unter den Spitzenleistungen, aber auch nicht so schlecht klingt in meinen Ohren die Aufnahme mit Alun Francis und den Berliner Symphonikern. Zu Beginn klingt sie zwar nicht besonders, aber dann steigern sich Dirigent und Orchester und finden zu einer recht ansprechenden Leistung. Was der Einspielung im Vergleich schadet, ist die nicht so spitzenmäßige Tonqualität. Da das Bessere bekanntlich des Guten Feind ist, war von der Francis-Aufnahme meines Wissens nur in einem anderen Dvorak-Thread und eher abwertend die Rede.

Übrigens: Der Dirigent stammt aus Wales, wurde 1943 geboren und hat eine ziemlich bunte Karriere in Europa und Amerika gemacht. Zuletzt war er, soweit mir bekannt, wieder in Deutschland tätig.“

Übrigens: Selten habe ich eine so lieblose Präsention eines klassischen Albums gesehen …

Na ja … immerhin gibt´s dann noch als Zugabe die Konzertouvertüre Othello, ebenfalls von Dvořák komponiert.

Neue Welt

Hat Antonín Dvořák die neue Welt jemals so gesehen ?

Besetzung:
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Alun Francis

Booklet01A

Das Begleitheft präsentiert ausschli0elich andre Aufnahmen des Labels

Titel:

Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 9 – Aus der neuen Welt:
01. 1. Satz: Adagio – Allegro molto 11.49
02. 2. Satz: Largo 12.59
03. 3. Satz: Scherzo, Molto vivace 7.33
04. 4. Satz: Allegro con fuoco 11.08

Antonín Dvořák: Othello:
05. Konzertouvertüre fis-moll op. 93

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Alun Francis

Alun Francis

 

Friedrich Gulda – Gulda Festkonzert für die Hilda-Heinemann-Stiftung (1973)

frontcover1Anfang der 70er Jahre war die Bundesrepublik Deutschlnd so ziemlich in fester Hand der Sozialdemokratie.

Wir hatten nicht nur mit Willy Brandt den ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler (und wenn man mich fragt, den bisher besten sozialdemokratischen Bundeskanzler), nein, wir hatten auch den ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten .. Gustav Heinemann hieß er ((und wenn man mich fragt, den bisher besten sozialdemokratischen Bundespräsidenten)

Der brachte es fertig, auf die Frage von Hermann Schreiben (Der Spiegel), ob er den Staat Deutschland nicht liebe,  zu antworten:

„Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“

Schon erstaunlich, eine solche Antwort in jenen Jahren …

Nun ja …. und seine Frau war dann eben die Hilda Heinemann ( (* 15. September 1896 in Bremen; † 5. Mai 1979 in Essen) ) und die gründete dann … als ihr Mann in Amt und Würden war (zuvor war er Justizminister in der ersten großen Koalition und zwar von 1966 – 1969) die „Hilda-Heinemann-Stiftung“.

„Ihre ureigene „Hilda-Heinemann-Stiftung“ für geistig behinderte Erwachsene funktioniert, wenngleich mit raren Mitteln: das Werk ist, so geht die Vermutung, noch zu

schaukelpaule

Der Schaukelpaule von Loriot

unbekannt, und bisher war das Fernsehen, das bei weitem wirkungsvollste Medium für derlei Unternehmungen, dafür noch nicht zu erwärmen. Bei einem Besuch des Ehepaares Heinemann im Ammerlander Atelier des Humoristen Victor von Bülow, genannt Loriot, entstand die Idee zu einer „Leitfigur für geistig Behinderte“. Es ist „Schaukelpaule“, ein acht Zentimeter großes Stehaufmännchen, das zum Preis von 5,50 Mark feilgehalten wird: 80 Pfennig kriegt die Stiftung (mehr als das Vierfache schluckt allein der Handel, der Künstler übrigens vorläufig gar nichts). Zusammen mit Loriot hat Hilda Heinemann kürzlich in Hamburger Kaufhäusern vier Stunden lang das Maskottchen zur Einführung signiert.“ (Die Zeit, 10. Mai 1974)

Auch wenn das Fernsehen sich für die Hilda Heinemann Stiftung nicht erwärmen konnte … ein anderer konnte das und zwar kein geringerer als Friedrich Gulda, jene großartige Wanderer zwischen den musikalischen Welten von Klassik und Jazz.

Am 29. November 1972 zelebrierte er in Düsseldorf (anders kann man das gar nicht ausdrücken) gemeinsam mit dem Münchner Philharmoniker sein ganz spezielles Konzert für die „Hilda Heinemann Stiftung“.

Gottlob wurde das Konzert mitgeschnitten und dann auf MPS Records (damals noch im Vertrieb von BASF, man glaubt es kaum) veröffentlicht.

Und, ausnahmsweise mal ganz knapp: Es war ein triumphales Konzert … ganz sicher ein Höhepunkt im Schaffen von Friedrich Gulda… Anhören ist da schon fast Pflicht !

Ein großartiges Tondokument eingespielt für die Stiftung einer wohl großartigen Frau.

Was aus der Stiftung geworden ist … ich habe es nicht herausfinden können … aber eine  Hilda Heinemann Schule gibt es (und zwar in Bochum).

hullentext

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Münchner Philharmoniker unter derLeitung von Rudolf Kempe

booklet1

Titel:

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg:
01. Vorspiel 9.47

Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert B-Dur KV 595:
02. Allegro 14.14
03. Larghetto Cantibile 7.01
04. Allegro 9.31

Anton Dvořák: Sinfonie Nr. 8 (4) G-Dur Op. 88:
05. Allegro Con Brio 9.55
06. Adagion 10.22
07. Allegretto Grazi 5.58
08. Allegro 9.16

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