Echt – Freischwimmer (1999)

FrontCover1Also gestern war ich noch beim Doldinger und heute präsentiere ich ne Band mit dem Namen „Echt“:

Echt war eine deutsche Popgruppe aus Flensburg, die 1994 gegründet wurde. Mit dem Lied Du trägst keine Liebe in dir hatte sie 1999 ihren größten Erfolg, bevor sie sich im Jahre 2002 auflöste.

Die Mitglieder von „Echt“ lernten sich an ihrer gemeinsamen Schule kennen und begannen ihre Karriere als Schülerband unter dem Namen Seven Up an der Kurt-Tucholsky-Schule (KTS) in Flensburg, die von dem damaligen Musiklehrer Dietmar Wagner betreut wurde. Die Besetzung blieb während der gesamten aktiven Zeit unverändert.

Das selbstbetitelte Debütalbum erschien 1998. Obwohl keine der ausgekoppelten Singles die Top-10 in Deutschland erreichte, liefen die Videos zu den Songs Alles wird sich ändern und Wir haben’s getan auf dem Musiksender VIVA Deutschland. Medien wie die Bravo versuchten das Image einer deutschen Boygroup zu etablieren, auch wenn die Band selbst dies ablehnte und ihren Ursprung als Schülerband betonte.

Den Gipfel ihres Erfolges erreichte die Gruppe im Jahr 1999 mit ihrem zweiten Album Freischwimmer und ihrem ersten Top-10-Hit Du trägst keine Liebe in dir. Schlagzeilen machten die Bandmitglieder unter anderem, als sie für die Dreharbeiten des Musikvideos zu dem Lied 2010 nackt über die Hamburger Reeperbahn rannten. Im Jahr 2000 war die Gruppe mit der Single Junimond, einer Coverversion des Titels von Rio Reiser, noch einmal erfolgreich.

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Hatte man bisher auf Kompositionen beruflicher Songwriter zurückgegriffen, schrieben die Musiker für das dritte Album Recorder erstmals alle Stücke selbst. Die Verkaufszahlen des Albums, das schließlich 2001 erschien, blieben hinter den Prognosen zurück. Auch der Kartenvorverkauf für die Tournee lief unbefriedigend, einige Shows wurden in kleinere Hallen verlegt, der geplante zweite Teil der Tour wurde abgesagt. Die vom Album Recorder stammende letzte Single der Band hieß Stehengeblieben und blieb ebenfalls erfolglos. Ein für 2002 angekündigtes neues Studioalbum kam nicht mehr zustande. Stattdessen wurde Ende 2002 die Trennung von „Echt“ bekannt gegeben.

Im Jahr 2011 stand die Band anlässlich eines Gedenkkonzerts für den verstorbenen Künstler Walter Welke noch einmal gemeinsam auf der Bühne. (Quelle: wikipedia)

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Und hier nun ihr zweite Album:

„Freischwimmer“ heisst das Album, das zweite der Flensburger Schulcombo Echt, die damit wohl beschlossen hat, ihr Reifezeugnis musikalisch abzulegen und die Schule lieber überreif werden zu lassen.

Und sich freischwimmen, das tun die Jungs tatsächlich: von netter Teenie-Mucke (ihr „Seepferdchen“ legten sie mit ihrem ersten Album „Echt“ ab) hin zu erstaunlich gereifter Musik, sie schwimmen sich textmäßig frei von alten Lieben und Banklehren und auf Welle Nummer eins der deutschen Charts schwimmen sie nun auch bald in Geld.

Recht so, denn produziert hat Franz Plasa (Selig und Falco) wirklich intelligent, die Musik bietet tollen Pop, entzückende Balladen und kräftigen Rock, runde Melodien und Texte, die – weil deutsch – wider Erwarten nicht peinlich sind, sondern auf eine angenehme Art Wichtiges und nicht so Wichtiges auf den Punkt bringen.

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„Denn Du trägst keine Liebe in dir…“ singt Kim, und ziemlich bald fängt man an, dieses „Du“ (diese blöde Schnalle) zu hassen und sich zu freuen, dass der dies erkennende und ergo gefühlsvolle, von den Streichern des London Session Orchestras begleitete Sänger trotz Goldenem BRAVO-Otto und ZDF-Hitparaden-Erfolg sich noch so intensiv mit Beziehungen auseinandersetzen kann.

„Es geht vorbei“ knüpft thematisch sowohl an den vorherigen Track an als auch musikalisch unverkennbar an Selig, aber das ist erstens nicht schlimm, zweitens siehe Produzent und drittens waren Selig für Echt besonders inspirierend und das soll man auch hören. „2010“ geht prima rockig rein und verrät, dass Echt im Jahre 2010 aufhören werden, Musik zu machen, eine Banklehre anfangen und dann Kinder kriegen werden, aber wahrscheinlich interpretiere ich das jetzt eh ganz falsch und gehe lieber zum nächsten Lied über, zu dem aber so viel auch nicht zu sagen ist, ausser, dass es nur „Halbwegs“ gut ist.

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Herauszuheben wäre dann noch „Romeos“: poppig, lustig, transpirativ („…wenn ich in der U-Bahn sitze / zwischen schwitzenden Männern schwitze…“) und wunderbar eingängig sowie die Schlußbalade „Weinst Du“, die den Kreis der Beziehungsprobleme der Anfangsstücke lückenlos schließt, die Gefühle nichtsdestotrotz nochmals aufwallen lässt, was dazu führt, dass man die Scheibe nochmal anhören muss und sich sehnlichst wünscht, jemand würde die so erzeugte Träne auch so liebevoll wegküssen, wie das da in dem Lied so besungen wird.

Scheiß beseite – „Freischwimmer“ ist eine Ladung guter deutscher Musik einer beachtlichen deutschen Band, die uns hoffentlich bis mindestens 2010 erhalten bleibt. (Gurly Schmidt)

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Tja, dieser Wunsch mit 2010 hat sich dann nicht erfüllt, denn die Band hat sich bereit 2002 aufgelöst (warum auch immer).

Aber ansonsten  gilt, dass dieses Album überraschend überzeugend rüber kommt. Nix Teenie-Pop, sondern z.T. durchaus deftige Rockmusik (man lausche mal den Riffs in „Kleine Wolke über einem französischen Mädchen“).

Und da sitz´ ich nun: gestern war ich noch beim Doldinger und heute empfehle ich ne vermeintliche Teenie-Band mit dem Namen „Echt“ …

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Besetzung:
Gunnar Astrup (keyboards)
Kai Fischer (guitar)
Kim Frank (vocals)
Andreas „Puffi“ Puffpaff (bass)
Florian „Flo“ Sump (drums)
+
William Allbright (french horn)
Michael Danner (trombone)
Frank Delle (saxophone)
Christoph M. Kaiser (programming)
Michael Leuschner (trumpet)
Corinna (Miss C.) Ludzuweit (percussion)
Thorsten Maaß (trumpet)
Hilko Schomerus (percussion)
+
Heul-Doch-Streicher (bei 12.)

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Titel:
01. Du trägst keine Liebe in dir (v.Dyke) 4.23
02. Es geht vorbei (v.Dyke) 4.18
03. 2010 (v.Dyke) 3.58
04. Halbwegs (Plasa/Astrup/Fischer/Frank/Puffpaff/Sump) 5.02
05. Kleine Wolke über einem französischen Mädchen (Plasa/Astrup/Fischer/ Frank/Puffpaff/Sump) 5.10
06. Lange Beine (Plasa/Astrup/Fischer/Frank/Puffpaff/Sump) 4.30
07. Vielleicht lieber Morgen (Puffpaff/Sump/Astrup/Löwenherz/Frank) 4.06
08. Romeos (v.Dyke) 4.19
09. Ein Winter lang (Plasa/Astrup/Fischer/Frank/Puffpaff/Sump) 4.29
10. Diese Nummer (Puffpaff/Sump/Astrup/Löwenherz/Frank) 3.46
11. Frunk (Plasa/Astrup/Fischer/Frank/Puffpaff/Sump) 3.32
12. Weinst du (+ skuriller „hidden track“ mit „Helge Schneider“) (Zuther/Kelber/Schlüter/Plogschties/Edrigkeit) 9.44

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Echt2018

Echt 2018 anlässlich der Premiere von Franks Film „Wach“