Fred Endrikat – Höchst weltliche Sündenfibel (1939 – 1950)

TitelHeute kennt man ihn nicht mehr, vor etlichen Jahrzehnten hatte er durchaus einen guten Ruf als kabarettistischer Spötter:

Fred Endrikat (* 7. Juni 1890 in Nakel an der Netze; † 12. August 1942 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Dichter und Kabarettist. Seine humoristischen Kabaretttexte und -lieder waren seinerzeit sehr erfolgreich.

Endrikat, der Sohn eines Bergmanns war und auch selbst unter Tage arbeitete, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Eickel und Wanne.[1] In seinem Gedicht Heimkehr finden sich Reminiszenzen an seine Jugendzeit in Eickel und den dortigen Volkspark.[2] Danach lebte er lange in Berlin, bevor er nach München kam. U. a. im Schwabinger Kabarett Simpl stand er mit eigenen Texten auf der Bühne. Zuletzt lebte er in Leoni am Starnberger See.

Fred Endrikat starb 1942 mit 52 Jahren an einem Gehirntumor und liegt auf dem alten Teil des Münchener Waldfriedhofes begraben.

Fred Endrikats Werk, das in der Tradition Wilhelm Buschs, Christian Morgensterns und Joachim Ringelnatz‘ steht, besteht im Wesentlichen aus Texten für das literarische Kabarett. Hauptsächlich Versdichtung (Brettl-Lieder, Couplets) verfassend, aber auch Szenen und Einakter, schuf Endrikat kleine Werke, die als humoristisch, bisweilen satirisch, einzuordnen sind, ohne dabei jedoch allzu gesellschaftskritisch zu sein. Dem Dichter haftete seinerzeit das Etikett des witzigen, frivolen Spötters an, der nicht ganz ernstzunehmende Weisheiten präsentierte.

Endrikat veröffentlichte vier Bände mit Versen in Kürze zur Lebenswürze, die eine weite Verbreitung fanden. Die erste Sammlung von Gedichten, die er für das literarische

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Fred Endrikat, 1932

Kabarett schrieb und dort selbst vortrug, erschien mit Die lustige Arche (1935), einer unter dem Leitsatz „Die besten Menschen auf der Erde, das sind die Hunde und die Pferde“ stehenden „Tierfibel für Jung und Alt“. Es folgte die Höchst weltliche Sündenfibel (1939), welche „moralische“ und „unmoralische“ Versdichtungen des Autors zusammenstellte. Nach Liederliches und Lyrisches (1940) mit „Versen zum vergnügten Leben“ war 1942 der seine Reihe witziger Lebensweisheiten abschließende Fröhliche Diogenes (1942) die letzte Veröffentlichung vor seinem Tod. Er widmete der Bergmannskuh ein kurzes Gedicht.

Nach Endrikats Tod wurde noch manches mehr in Auswahlen und dem Band Sündenfallobst (1953) veröffentlicht.

Zu Endrikats Lebzeiten waren seine Verse besonders beim Kleinbürgertum sehr beliebt. Später wurden einige seiner Gedichtzeilen zu geflügelten Worten: so stammt zum Beispiel der bekannte Ausspruch „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen“ ursprünglich aus einem Gedicht Endrikats. Heute ist der Kabarettist, der die Sünde einst mit rotem Mohn im Ährenfeld verglich („Man jätet ihn als Unkraut aus und windet ihn zum Blumenstrauß“) weit weniger bekannt als mancher seiner Aussprüche oder Kabarettsongs. Das Hörbuch Fred Endrikat stellte 2004 eine Auswahl seiner Gedichte als Rezitation neu vor. In Buchform war Endrikats Werk nach einer kurzen Renaissance in den 1970er Jahren lange Zeit nicht mehr erhältlich, ehe 2011 ein Lesebuch mit seinen Texten zusammengestellt wurde.

In Wanne-Eickel, seit 1975 ein Stadtteil der Stadt Herne, wurde 1964 die Fred-Endrikat-Straße nach dem Schriftsteller benannt. (Quelle: wikipedia)

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Aber auch in seiner ursprünglichen Heimat erinnert man sich an ihn, noch bis heute:

Am 7. Juni 1890 erblickte der bekannteste Cranger Junge, Fred Endrikat, das Licht der Welt. Er war der einzige Knabe unter sechs Geschwistern in einem kleinen Haus auf der Heerstraße. In der Volksschule in Crange war er dem Zeichnen und der Poesie zugetan, auch las er viel und intensiv, was in dem kleinbürgerlichen, bildungsfernen Milieu seiner Familie eigentlich nicht üblich war. Der Vater war Bergmann. Mit 14 Jahren kam Fred in die Schlosserlehre, um einen soliden Handwerksberuf zu erlernen. Jedoch eignete er sich nicht dazu und brach die Lehre bald wieder ab. Auch als Pferdejunge auf

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Karikatur aus dem Jahr 1935

der Zeche Shamrock III/IV in Wanne, der Arbeitsstätte seines Vaters, hatte er keine Ausdauer und auch als Lehrhauer fand er keinen Zugang zu der Arbeit, die ihm angeboten wurde. Stattdessen schrieb er Gedichte, lustige Texte und Sketche, welche er auf der Kleinkunstbühne der Gaststätte Nehring in Wanne-Süd abends den Gästen vortrug. Fred Endrikat war völlig aus der Art geschlagen, die Eltern waren ratlos.
Offenbar suchte der junge Mann das Abenteuer außerhalb der Heimat und ihres Milieus, auf das er allerdings immer stolz blieb. Wie er den Weg nach München gefunden hat, teilte er nie genau mit. Es dürfte ein sehr beschwerlicher und entbehrungsreicher gewesen sein, ohne Beruf und ohne Geld. Ein Antrieb war wohl der Wille, dass er seinen Eltern beweisen wollte: Auch die Kunst ernährt ihren Mann, nicht nur das Handwerk. In den Künstlerkneipen Münchens, dem heutigen Schwabing, zeigte er Parodien und Satiren des „Kleinen Mannes“, wie er es auch schon in Wanne-Süd getan hatte. Seine Vorbilder wurden Joachim Ringelnatz und Karl Valentin. Trotz allem blieb er in seinem Herzen ein Cranger Junge, den das Heimweh plagte. Ein Gedicht „Es gibt ein Stück Erde“ drückt das trefflich aus. Es ist Crange gewidmet.

„Es gibt ein Stück Erde, an dem man klebt,
und das man im Herzen stets lieb behält.
Die Scholle, auf der man die Kindheit verlebt,
vergisst man niemals im Trubel der Welt.
Man kennt jedes Steinchen und weiß jeden Laut.
Es taucht vor uns auf, so lebendig und wach,
das Haus mit dem Gärtchen, so heimisch vertraut.

Die Tauben girren noch auf dem Dach.
Die rissige Mauer mit dem wilden Wein,
berankt bis zum Giebel grün und dicht.
Die Stare nisten am Dachfensterlein.
Der Vater kommt müde heim von der Schicht…“

Der Rat der Stadt Wanne-Eickel hat nach Fred Endrikat am 16. April 1964 eine Straße benannt und damit gewürdigt, dass er sich mit seiner Heimat immer verbunden fühlte, auch wenn er in der Ferne lebte. (Gerd Kaemper in lokalkompass Herne)

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Diverse Buchausgaben

Hier eines einer wohl bekanntesten Bücher (82 Seiten, Einbandzeichnung von Lisl Stich); ursprünglich ist es bereits 1939 erschienen, meine Ausgabe wurde dann 1950 gedruckt.

Kabarettist Fred Endrikat unterhielt schon zeitig sein Publikum mit eigenen Texten. Sein Wirken steht humoristisch unter anderem in der Tradition Wilhelm Buschs. Wer kennt nicht seinen bekannten Spruch: „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.“?

Dieser Spruchfindet sich dann auch in diesem Büchlein … So ganz erschließt sich mir diese Art von Humor nicht … aber das ist wohl dem Zahn der Zeit gesschuldet.

Dennoch: eine mehr als nette ‚Erinnerungen an einen Humoristen, der früher mal ganz schön angesagt war, in diesen Kneipen in Schwabing und anderswo.

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Man beachte die Auflagenzahl !

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Eine kleine Widmung in diesem Buch

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Die Fred-Endikrat-Straße in Herne