Hugo von Hofmannsthal – Der Tor und der Tod (1920)

DerTorUndDerTod01ADie Insel-Bücherei ist ein Paradebeispiel, wie man des Sammlers Wahn, alles besitzen zu müssen, anfeuern kann, dass es eine wahre Freude ist. Aber der Reihe nach:

Die Insel-Bücherei ist eine seit 1912 bestehende Buchreihe aus dem Leipziger, dann auch Wiesbaden/Frankfurter und jetzt Berliner Insel Verlag. In der Reihe wurden zunächst kleinere Werke aus Lyrik, Prosa und Essayistik klassischer Autoren und zeitgenössischer Verlagsautoren ediert. Später traten Kunst- und Naturdarstellungen, Texte der Märchen- und Sagenwelt sowie Lizenzausgaben von Autoren anderer Verlage hinzu. Typografie und Ausstattung der Pappbände sollten bei einem moderaten Verkaufspreis stets hohen buchästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Die durch ihre farbigen Musterpapiere sowie ihr Titel- und Rückenschild weitgehend einheitlich gestaltete Reihe überstand aufgrund ihres durchdachten verlegerischen Konzepts alle wirtschaftlichen und politischen Fährnisse insbesondere im Ergebnis der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts sowie der Inflation, der nationalsozialistischen Diktatur und der deutschen Teilung, so dass bis Herbst 2014 Bände bis zur Nummer 1401 erscheinen konnten. (Quelle: wikipedia)

Hat man man angefangen, sich mit dieser so ganz speziellen Bücherei zu beschäftigen, so kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Das ist aber auch nicht verwunderlich, bedenkt man, dass wir es hier mit einer Buch-Reihe zu tun haben, die es seit über 100 Jahren gibt und eben insgesamt über 1.400 Bände gibt.

Und so hat sich diese Serie wahrhaft zu einem Kultobjeklt von Sammlern bibilophiler Kostbarkeiten entwickelt und das Internet ist voll von „Fanseiten“ und diversen Abhandlungen zu Insel-Bücherei.

Diverse Ausgaben der Insel-Bücherei

Und es wird wohl wenig Leser dieses blogs verwundern, wenn diese Serie auch hier eine kleine Heimat finden mag und wird. Ich fang mal an mit dem Band Nr. 28: Die erste Auflage erschien 1913 und ich kann zumindest hier die 7. Auflage aus dem Jahre 1920 präsentieren.

Hugo von Hofmannsthal, 1893

Hugo von Hofmannsthal, 1893

Der Tor und der Tod ist ein kurzes Drama in Versen („lyrisches Drama“) von Hugo von Hofmannsthal, verfasst 1893. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1894, die erste Buchausgabe 1900. Die Uraufführung am 13. November 1898 erfolgte unter der Leitung von Ludwig Ganghofer. Insgesamt gab es bis 2000 43 Auflagen (mit knapp 400.000 Exemplaren) (!)

Das Stück spielt laut Angaben des Autors in den 1820er Jahren und handelt von der Begegnung des Edelmanns Claudio mit dem Tod. Der Tod kommt zu Claudio, um ihn aus dem Leben abzuführen, und konfrontiert ihn mit wichtigen Menschen aus seinem Leben – seiner Mutter, seiner ehemaligen Geliebten und einem Jugendfreund. In den Begegnungen wird ihm klar, dass er zu diesen Menschen keine tieferen Bindungen entwickelt hat. Er lebte gegenüber anderen Menschen in einer ästhetisch-distanzierten Haltung, ohne sich auf sie einzulassen und sie an sich heranzulassen. Der Moment des Sterbenmüssens macht ihm dieses Defizit bewusst und paradoxerweise ist erst die Todesstunde voller emotionaler Lebendigkeit. „Da tot mein Leben war, sei Du mein Leben, Tod“. Claudio sinkt am Schluss tot nieder; die letzten Verse des Todes lauten:

Wie wundervoll sind diese Wesen,
Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
Was nie geschrieben wurde, lesen,
Verworrenes beherrschend binden
Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.

Beigefügt habe ich dann noch ein Figurenlexikon zu Der Tor und der Tod von Katharina Meiser aus dem Portal Literaturlexikon online, und zwecks der leichteren Lesbarkeit die Gutenberg-Ausgabe dieses Textes.

Und so viel ist sicher: Dies wird nicht der letzte Beitrag zu dieser mehr als verwunderlichen Buch-Serie sein.

DerTorUndDerTod02A
DerTorUndDerTod04A
DerTorUndDerTod06A
DerTorUndDerTod07A
DerTorUndDerTod17A
DerTorUndDerTod19A
DerTorUndDerTod21A

*
**

Alternatives Titelbild

Alternatives Titelbild