Aktuelle Musiker – Zeitung – Nr. 11 – November (1980)

Aktuelle-Musiker-ZeitungNovember1980_01AVielleicht lag es ja an dem sperrigen Titel „Aktuelle Musiker – Zeitung“, dass dieses engagierte Magazin nicht sonderlich erfolgreich war (so jedenfalls mal meine Vermutung). Vielleicht lag es aber auch daran, dass das „Fachblatt“ einfach alle Zeitschriften ähnlicher Machart in die Tasche steckte.

Gegründet wurde dieses Magazin von Karl Heinz Schroth im November 1979. Dieser hatte wohl bald die Lust daran verloren und so übernahm ein Hans Thoma im fränkischen Schwabach das Heft. Hand Thoma war ein Dipl-Ing (FH) und von daher lag es wohl nahe, dass er mit großer Begeisterung Testberichte zu all nur denkbare technischen Gerätschaften für die Musikerzeugung verfasst. In diesem Heft (60 Seiten) ist dann auch ein Ausblick auf die „Digitale Audiotechnik“ („Die Technik von morgen“ zu finden. Herausgeber war dann (vermutlich seine Frau) Gertraud Thoma und für den Bereich Gitarren war dann auch noch einer Werner Thoma zuständig.

Und natürlich kommt die Musik auch nicht zu kurz und auch wenn die Allman Brothers das Cover zieren, es wird schon auch viel über deutsche Musik berichtet.

Aktuelle-Musiker-ZeitungNovember1980_03AGelegentlich erinnert das Design des Heftes an eine Schülerzeitung, aber da sollte mich halt darüber im klaren sein, dass die Erstellung solcher Hefte ziemlich zeitraubend war und nur möglich war, wenn man das entsprechende Maß an Leidenschaft und Begeisterung für Musik hat.

Wie lange es dieses Magazin gab, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen (ein paar weitere Exemplare liegen bei mir noch im Keller) und was aus Franz Thoma wurde, weiß ich auch nicht so genau.

Aber der vorhin erwähnte Werner Thoma ist heute noch musikalisch aktiv (er betreit mit diversen weiteren „Thomas“ eine Musikschule und auf youtube findet man ein paar wirkliche ansprechende Beiträge.

Und mit dem Duo „Windsheimer Schulmassder“ (die sich neuerdings „Minnestrello“ nennen) zelebriert er auf eine ganz angenehme Weise (südländische) Musik aus dem Mittelalter.

Aber hier drehen wir jetzt mal die Uhr zurück … in das Jahr 1980 …. wie gewohnt ein paar Vorschaubilder und dann geht´s ab zur Präsentation:

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Werner Ahrens – Die erste Deutsch Rock Diskographie (1980)

ErsteDeutschRockDiskographie01AWer auch immer Werner Ahrens aus Westerstede ist, er hat mit diese „Diskographie“ eine unglaubliche Fleißaufgabe hingelegt. Er schreibt in seinem Vorwort auch ein wenig über seine Vorgehensweise:

„Dies dürfte die erste annähernd vollständige Deutschrockdiskographie sein. Sie beinhaltet alle (mir) bekannten LPs und Singles die bis einschließlich 1977 aufgenommen wurden. Aufgenommen sind nur solche Produktionen, die zur Richtung Deutschrock gerechnet werden können.

Produktionen, die mehr in die Musikrichtung Blues, Folk oder Jazz, einzuordnen sind, wurden generell nicht aufgeführt.“

Und von dieser Fleißaufgabe kann man sich dann auf 120 Seiten übrzeugen.

Im Internet findet man über dieses kleine Meisterwerk so gut wie keine Informationen. Außer der wohl sehr sortierte „monoblue“ (alias Mr. Schnickschnack) kommenteirt diese Ausgabe so:

In mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und handgeschnitzt von Werner Ahrens.
1.Auflage: 100 Exemplare
Das Vorwort ist vom November 1980, was vermuten läßt, daß das Buch (oder richtiger gesagt: Heft) noch im selben Jahr oder Anfang 1981 unters Volk gebracht wurde, im wesentlichen wohl über die Zeitschrift „Oldiemarkt“, die damals noch „Chatterbox“ hieß.

Was soll ich da noch schreiben: Einem passioniertem Sammler wie mir schlägt da das Herz schneller, man schnalzt mit der Zunge …

Ob es zu den angekündigten Nachträgen kam, entzieht sich meiner Kenntnis, ich glaube es aber nicht, da ich damals den deutschen Sammlermarkt sehr intensiv beobachtet habe … aber wer weiss …

Hier wieder mal ein paar Eindrücke, bevor es zur Präsentation geht:

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Bei einer Eigenproduktion wie dieser waren damals die gestalterischen Möglichkeiten noch sehr gering. Daher erwartet den geneigten Leser die klassische Bleiwüste.

 

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Konkret (Zeitschrift) – April 1980

TitelAm 27. Februar 2018 schrieb ich anlässlich der ersten Präsentation eines konkret Heftes folgendes:

„Weitere Hefte folgen … versteht sich fast so selbst …“

Nun, da habe ich mir jetzt aber schon verdammt viel Zeit gelassen, jetzt ist es aber soweit:

Um Wiederholungen zu vermeiden kann man sich hier über die Geschichte dieses linken Polit-Magazins informieren.

In diesem Heft (56 Seiten) vom 27. März 1980  dreht sich fast alles um den damals aufstrebenden CSU Generalsekretär Edmund Stoiber (das blonde Fallbeil), sowie um die Frage, wie die westdeutsche Linke mit diesen komischen Ökofreaks, die in so einer kleiner Splitterpartei namens „Die Grünen“ umgehen sollte/wollte, zumal bei denen so ein DDR-Dissident namens Rudolf Bahro mitmischte.

Hier mal das Inhaltsverzeichnis:

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Überrascht war ich über die Vielzahl der diversen Anzeigen von „linken Verlagen“, eine solche Vielfalt an unterschiedlichen Verlagsangeboten hatte ich nicht mehr in Erinnerung.

Und – nachdem der Satirezeitschrift „pardon“ allmählich die Puste ausging, finden sich hier auch etliche satirische Beiträge, z.B. von Henning Venske und Horst Tomayer.

Ansonsten gilt: es ist wieder mal angerichtet … und bis hier das nächste konkret Heft erscheint, dauert es nicht mehr so lange …

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Links: die damals berüchtigte Hermann L. Gremliza Kolume; rechts wirbt die SPD für ihre Parteizeit „Vorwärts)

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Die „Radikalauer“ von Winfried Thomsen waren wirklich fabelhaft

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Gremliza Abrechnung mit Stoiber

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Auch „konkret“ selbst bot diverse Bücher und Tonträger zum Kaufe an

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Zum Tod von Alfred Andersch

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Die Rubrik „konkret ex-press“ war meist eine hämische Abrechnung mit der bürgerlichen Presse

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Die Rückseite des Heftes

Albert Barillé + Jean Barbaud – Es war einmal ein Mensch – Ein deutscher Kaiser erobert Europa (Band 5) (1980)

TitelJetzt mal ein Blick in die deutsche Fernsehgeschichte, auch wenn diese Zeichentrick-Serie ja eigentlich aus Frankreich stammt; aber in Deutschland war sie wohl so erfolgreich, dass man – quasi als Zweitverwertung – eine kleine Buch-Serie (so im Pixi-Format) auf den Markt brachte:

Es war einmal … der Mensch (Originaltitel: Il était une fois… l’Homme) ist eine französische Zeichentrickserie, die 1978 entstand und sich mit der Geschichte der Menschheit beschäftigt. Erfunden wurde sie von dem französischen Regisseur und Produzenten Albert Barillé. Sie hatte zum Ziel, Kinder gleichermaßen zu unterhalten und zu unterrichten und stand am Beginn einer Reihe von Serien unter dem Titel Es war einmal …

Hauptfigur ist „Maestro“ – ein bärtiger, weiser alter Mann, der stets im Hintergrund die passenden Geschichten erzählt, aber oft auch Teil der Geschichte ist. Fünf Milliarden Jahre vor unserer Zeit zeigt Maestro die Entstehung der Erde und erklärt die Entstehung des Lebens, der Dinosaurier, der Neandertaler und des Menschen. Die Serie geht dabei immer wieder auf Theorien ein, die zur Zeit der Entstehung der Serie aktuell waren. Im späteren Verlauf behandelt sie wichtige Epochen, Ereignisse und Personen der Geschichte. (Quelle: wikipedia)

Der von mir sehr geschätzte Joseph Meinrad übernahm in der deutschen Synchronisation die Sprecher-Rolle.

Hier nun Band 5 dieser Büchlein-Serie mit den Themen „Ein deutscher Kaiser erobert Europa“ (Karl der Große) und „Die Wikinger“. Diese Serie erschien im Schweizer Verlag Todos, Zürich, den Vertrieb für Deutschland übernahm die Axel Springer Verlag AG (nun ja … )

Kinder die Geschichte der Menschen nahe zu bringen wird vermutlich wohl nur über solche Medien möglich sein … und Geschichte zu vermitteln ist aus meiner Sicht ein unverzichtbarer Bestandteil von Erziehung. Von daher: eine gute Sache !

Und nachdem dieses Büchlein mit 20 Seiten arg dürftig ist für eine Präsentation, habe ich den ersten Teil der Zeichentrick-Serie als avi. Datei beigelegt und dann noch den kompletten Titelsong „1000 Jahre sind ein Tag“ (gesungen von Udo Jürgens) beigelegt. Damit es sich auch lohnt.

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Gerhard Seyfried – Invasion aus dem Alltag (1980)

TitelIch habe ihn geliebt, ich liebe ihn noch immer … Gerhard Seyfried … dieser unverzichtbare Chronist jener Tage, als man mit dem Begriff „Sponti“ noch was anfangen konnte:

Gerhard Seyfried (* 15. März 1948 in München) ist ein deutscher Comiczeichner, Karikaturist und Schriftsteller.

Gerhard Seyfried absolvierte zunächst von 1963 bis 1967 eine Lehre als Industriekaufmann, der sich eine weitere Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker in München anschloss. 1967 begann er ein Studium der Malerei und Grafik an der Münchner Akademie für das Graphische Gewerbe. Ende 1969 erfolgte sein erzwungener Austritt aus der Akademie wegen Streiks gegen die Notstandsgesetze und er war ab 1970 selbstständiger Grafiker und Karikaturist für Werbeagenturen, lokale Firmen und das Münchner Stadtmagazin Blatt.

Seit 1971 bezeichnet sich Gerhard Seyfried als freischaffender Karikaturist und seit 1976 lebt er in West-Berlin, das seither den Hintergrund seiner Comics und Cartoons bildet. Die Geschichten sind in der linksalternativen Hausbesetzerszene angesiedelt, die Seyfried satirisch aufs Korn nimmt. Von 1978 an verbrachte er mehrere Studienaufenthalte in den Vereinigten Staaten. 1990 lernte er die Berliner Autorin und Zeichnerin Ziska kennen, mit der er vier Comic-Alben veröffentlichte. Insgesamt veröffentlichte er elf Comic-Alben.

1996 schrieb er mit Mathias Bröckers Hanf im Glück. Nach einem Arbeitsaufenthalt in Solothurn (Schweiz) kehrte er 2004 nach Berlin zurück.

Seyfried zeichnete u. a. ein satirisches „Conspiracy Diagramm“ für das 9/11-Buch von Mathias Bröckers, das 2002 zweimal wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen beschlagnahmt wurde.

Gerhard Seyfried arbeitete gelegentlich auch als Grafiker, Übersetzer, Modellbauer, Fotograf und Journalist. Berühmt, aber nicht öffentlich, ist seine internationale Polizeistern-Sammlung.

Seyfrieds dritter historischer Roman 2008 schildert abermals einen Aufstand von Unterdrückten, diesmal den sogenannten Boxeraufstand 1900 in Peking.

2013 unterstützte Seyfried Die Linke im Wahlkampf. (Quelle: wikipedia)

Gerhard Seyfried, 2004

Als diese Buch 1980 erschien, schrieb „Der Spiegel“ folgendes:

„Nun hat es auch den Zeichner der „Szien“, den Lieblings-Cartoonisten von WGs, von Hausbesetzern und Schwarzfahrern, erwischt: Gerhard Seyfried, 33, ist endgültig zum Bestseller-Comicer avanciert.

War schon sein erstes Buch „Wo soll das alles enden“ (SPIEGEL 48/1978) mit inzwischen 130 000 verkauften Exemplaren ein Renner, so sprengt der neue Seyfried selbst die optimistischen Umsatzerwartungen, die man beim Berliner Rotbuch-Verlag hatte.

Innerhalb von sechs Wochen wurde „Invasion aus dem Alltag“ 57 000mal verkauft, 40 000 weitere Exemplare sind gerade nachgedruckt worden.

Seyfried gehört nicht zu jenen Linken, die gleich ein schlechtes Gewissen kriegen, wenn sie Erfolg haben und mit ihren Fähigkeiten auch gutes Geld verdienen.

Beispiel01Nein, er ist „nicht unglücklich darüber“, daß er jetzt freier arbeiten kann und nicht mehr, wie bei seinem ersten, eigens ein Buch machen muß, um sich S.127 eine Reise ins Heimatland der Comics zu finanzieren.

Was ihn an seinem Erfolg lediglich stört, ist die Tatsache, daß er in der Berliner Szene ins Gerede kommt, daß da nun Leute herumspekulieren, „wie reich oder nicht reich ich bin“, und ihn gar „mit Investitionsvorschlägen“ behelligen.

In Seyfrieds Buch freilich ist von Schwierigkeiten oder Identitätsstörungen eines Bestseller-Freaks, der in einem vor zwei Jahren besetzten Haus in Kreuzberg lebt, nichts zu merken.

So hat Seyfried, ohne sich vom eigenen Aufstieg einschüchtern zu lassen, mit besonderer Sorgfalt gerade auch die Aufsteiger unter den Aussteigern, die „Freak-Aristokratie“ karikiert.

Cool und gelangweilt sitzen da zwei Angehörige der „linken Oberschicht“ im Garten vom „Cafe EinStein“: Er im teuren „la Rinascente“-Hemd, dazu rote Jeans und Turnschuhe, im Gesicht die Sonnenbrille für 75 Mark vom Flohmarkt, am Arm die ultra-elektronische Uhr, die am Stuhlbein lehnende Mappe, „1939, Erbstück mit Messingbeschlag“, enthält „diverse politische und moderne Bücher, Flugplan, Terminkalender (roter), Scheckheft“; sie posiert im rosa Hemd, einem „Ex-Unterrock (1940)“, erstanden für ganze 3 Pfund auf dem Londoner Fleamarket, dazu die sündhaft teuren Cowboy Boots von Bloomingdale“s zeigen die ganze Schärfe, mit der die Freak-Aristokratie den Klassenkampf am eigenen Leib austrägt.

Obwohl Seyfried in seinen Zeichnungen die Moden, die Lebens- und Ausdrucksformen der buntscheckigen Szien verspottet, sind seine Arbeiten doch allemal Liebesgrüße ans eigene Milieu.

Wenn er etwa ins alternative Bücherregal als Parodie auf die Alles-selbermachen-Wut auch ein Selbsthilfewerk mit dem Titel „Selber atmen“ hineinmogelt oder wenn er sich in einer Kleinanzeige — „Wer hilft uns bei der Müsli-Ernte? Barbara Bescheid sagen“ — über Bio-Dogmatiker belustigt, dann fügt seine Ironie der Szene eben etwas hinzu statt ihr durch denunziatorischen Witz etwas wegzunehmen.

Während die „offiziellen“ Medien über Hausbesetzer, Punker oder Stadtindianer mit besorgter Verständnislosigkeit für Lebensgewohnheiten ohne Krawattenzwang berichten und die Szene im Verdächtigungs-Stil von sachdienlichen Hinweisen auf Latzhose, Müsli, Softie reduzieren, schildern Seyfrieds autobiographische Comic-Reportagen die Normalität des freaklichen Lebens.

Seine Figuren legen Tarot, trinken Milch, reichen ein „Frustschutzmittel“, sprich: einen Joint herum, sie tragen den Müll runter, sehen vor Langeweile fern, sind Mitglieder der „Vishy-Vashy“-Sekte oder suchen gerade das Teesieb.

Ihre Haare sind gelb oder kurz, rot oder lang, man sieht sie in Jeans, Latzhose oder Frack, sie gehen zu Fuß, fahren Auto oder Skateboard.

Als „Alternativling“ oder sonst etwas Bestimmtes vermag Seyfried denn auch weder sich selbst noch seine in den Comics verewigten Freunde zu begreifen: „Wir essen sowohl Müsli als auch Knackwurst, wir gehen demonstrieren und bleiben auch zu Hause.“

Das tägliche Leben, und nicht nur das der Freaks, von eindeutigen Bestimmungen und steckbrieflichen Ordnungsmustern zu befreien, geregelte Realitäten penibel in Unordnung zu bringen, von der Lust am Unglaublichen leben Seyfrieds Zeichnungen.

Beispiel02Diese Lust äußert sich mal in absurden Details, wenn etwa im Bodensee, dem konspirativen Standort eines untergetauchten RAF-Kämpfers, neben anderen Fischen auch Fischstäbchen herumschwimmen.

Mal bringt sie lupenreinen Nonsens hervor, in Gestalt eines eigens angebrachten verkehrsamtlichen Warnschildes beispielsweise, auf dem zu lesen ist: „Vorsicht Schild“.

Und wer, wie Seyfried, vor der Enge verordneter Realität lieber das Weite sucht, der zieht es natürlich auch vor, sich die Welt mal etwas anders vorzustellen, als sie zu sein scheint.

So malt er in der karnev+alistischen Bildergeschichte „Invasion aus dem All“, die das Zentrum des Buches bildet, eine wünschenswert verkehrte Welt aus, in der die Menschen „absolut unregierbar“ geworden sind und „Gehorsam S.130 und Angst“ sich in „Hohn und Spott“ verwandelt haben.

Der solchermaßen das Bewußtsein revolutionierende Wirkstoff, enthalten in einer Bombe, ist das Gastgeschenk von Ufos, ein Dank an die Freaks, die als einzige den hohen Freundschafts-Besuch in Berlin höflich empfangen, während die zuständigen Politiker in Panik aus dem Schöneberger Rathaus getürmt sind und dabei ein Chaos zurücklassen, daß ein Chaot nur staunen kann: „So sieht also der Senat aus. Genauso schlampig wie wir.“

Die Szien und die Ufos schließen einen interstellaren Freundschaftsvertrag, die Bombe mit dem Anarchie-Stoff wird übergeben, nicht ohne die ausdrückliche Auflage, sie nur als Druckmittel zu benutzen. Weil aber in Seyfrieds Zeichnungen immer irgendwas auf dem Boden herumliegt, stolpert der Freak, der die Bombe gerade in Sicherheit bringen will, über eine Flasche: Das Ding fällt zu Boden und geht hoch, der Planet ist ab sofort unregierbar.

In Amerika kauert nun der Präsident zitternd auf der Straße und fürchtet sich vor dem Mann von seiner Body Guard, der dann aber doch seiner Wege geht und mit verächtlichem Daumen auf die zurückbleibende Jammergestalt weist: „Irgendwie finde ich Präsidenten plötzlich überflüssig.“

Der Chefpilot im Flugzeug erntet auf den wiederholten Befehl „Ich hab“ gesagt: Fahrwerke raus“ von seinem Ko-Piloten nur ein ungerührtes „Du siehst doch, daß ich lese“. Und als er, die Bruchlandung vor Augen, den zweiten Mann im Cockpit anherrscht „du mußt“, vertieft der sich noch mehr in seine Lektüre: „Dann sag “bitte“.“

Klar, daß in dieser von Herrschaft und Vorgesetzten befreiten Welt auch die Soldaten den Appell zum Antreten überhaupt nicht verstehen und allenfalls, ohne von der Zeitung aufzublicken, mit einem „Gar net ignorieren“ beantworten.

Am nachhaltigsten aber wirkt der Stoff in Berlin. Da sehen sich Motorrad-Rocker unversehens von Greisen mit Rauschebart und Krückstock umzingelt, die „den Ofen da“ — „Her damit, Alter“ — mal ausgeliehen haben wollen. Eine Oma erkundigt sich bei einem bunthaarigen Punker mit hochgedrehten Zöpfen: „Sag mal Kindchen, wie macht man so “ne Frisur?“ Eine Schere hat sie gleich mitgebracht.

Beispiel03Auch die Polizei ist wie umgewandelt. Statt Demonstranten schleppen uniformierte Beamte nun Plündergut in ihre Bullis, höflich und bürgernah geben sie Auskunft auf die Frage, „wo man hier noch was plündern kann“. Und dienstlich wie ehedem reagieren die Freunde und Helfer jetzt nur, wenn etwa Freaks zur Besetzung eines Hauses anrücken, das ihre Kollegen schon besetzt haben.

Doch die Invasion aus dem All mit ihren Folgen im Alltag war leider nur der Traum einer WG, die über dem Fernsehprogramm eingeschlafen war und die am Ende der Geschichte bei den Spätnachrichten wieder aufwacht.

Da verliest der Sprecher gerade mit schadenfroher Miene die Meldung, daß es sich bei den seltsamen Himmelserscheinungen über der Bundesrepublik „lediglich um völlig harmlose Nachtübungen der Bundesluftwaffe“ gehandelt habe — eine Nachricht, die Seyfried mit dem Stilleben eines dampfend dahingeschiedenen, von einer Axt bis tief ins Gekröse getroffenen Fernsehers quittiert.

Ein Bild, das sich TV-Moderatoren, Politiker und wer sonst den telegenen Dialog mit der Jugend sucht, genau ansehen sollten.“ (Christian Schultz-Gerstein)

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Sounds (Zeitschrift) – Januar 1980

TitelSie war definitiv das Flagschiff des deutschen Rockmusik- Journalismus ! Die Rede ist von dem legendärem Magazin „Sounds“:

Wer mehr über die Geschichte dieses großartigen Musikmagazins (1966 – 1983) wissen will, kann ja mal hier klicken.

Und hier ein weiteres Heft aus der Spätphase (ich bin ja mal gespannt, wann ich die Ordner aus den frühen 70er Jahren finden werde … dann aber !)

Das Heft haute mich damals wie heute nicht vom Hocker… Wie anderweitig schon beschrieben, man war wohl voll dabei, die alten Stammleserschaft zu vergraueln.

Ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch dieses Heft eben Abbild jener Zeit war und von daher allemal interessant.

Die wichtigsten Beiträge in diesem Heft:

  • Eno (von Lester Bangs)
  • Ellen Foley
  • Reggae i n London
  • The Records
  • Mods Teil 1 und Teil 2
  • Devo
  • Der Autor Joris Karl Huysmans
  • sowie die üblichen Rubriken (Dies & Das, Filme, Platten …)

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Teja Schwaner wundert sich und eine Renate Zappel aus Heidelberg lässt es verbal krachen

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Ein typisches Intro für „Sounds“

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Wer kennt die noch ?

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Wer kennt ihn noch ?

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Kennt auch keiner mehr …

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Legendär … das Sounds Plattenbuch …. zu dick, um es zu scannen und die Seiten waren hauchdünn …

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Eine meiner damaligen Lieblingsversandhäuser (gibt´s heute noch unter dem Namen „Rock Info“)

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Damals ganz gefragt, Zigaretten zum selber drehen …

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Schräge Vögel wie dieser Autor fanden immer ein Plätzchen im „Sounds“

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Unvergessen: Ingeborg Schober

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Gemeint ist die Sängerin Nicolette Larson

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Die Rückseite des Heftes

Taxim (Zeitschrift) – Nr. 20 (August-September 1981)

TitelTaxim ? Taxim .. wie bitte ?

Nun, der anspruchsvolle Sammler dieser Jahre kam an Taxim ja überhaupt nicht vorbei …

Taxim war ne Art Verkaufszeitschrift: Einerseits gab es seitenlange Verkaufsanzeigen von raren, obskuren und zumeist sehr anspruchsvollen Schallplatten, vornehmlich aus dem anglosprachlichen Raum, und dann garnierten die Macher diese Verkaufszeitschrift mit ausführlichen Musiker Portraits, bei denen dann auch ausführliche Discographien fester Bestandteil waren … oftmals auch mit den sog. Stammbäumen (Pete Frame sei gepriesen !) versehen.

Taxim Records wurde von 1977 von Hans-Jürgen Pohle und Bernd Jürgen Link in Bremen gegründet.

Anfangs gab es „nur“ diesen Schallplattenvertreib … späte rkam dann auch noch das eigene Label dazu und dieses hatte so etlichen Perlen auf Lager …

Na jedenfalls, war Taxim für Sammler meiner Statur ein Eldorado für Vinyl-Junkies … Bis vor kurzem gab es das Label und den Vertrieb noch, aber die website zeigt z.Zt. folgendes:

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Leider fehlt mir angesichts des bevorstehenden Trips nach Amsterdam die Zeit für aufwendigere Recherchen … aber nachdem in meinem Keller noch diverse weitere Taxim Ausgaben lagern, hole ich das dann irgendwann mal nach.

Hier zum Einsteig in die wunderbare Welt von Taxim ein paar Vorschaubilder aus diesem Heft:

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TeximNr.20_0033

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Da konnte man dann fröhlich mitbieten ….

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Reviews … zumeist von völlig unbekannten Bands und Musikern

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„Little Boy Blue“ = Walter Horton !

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„Wilderness Road“ … kennt auch keine Sau ….

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Und dann gab´s noch Schallplatten bis zum abwinken … diverse Sammelgebiete wurden dabei angeboten:

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Und dann gab´s diese Bleiwüsten, die bei mir noch heute ne trockene Kehle und verschwitzte Hände auslöst:

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Beispiel19

Also, „medium“ würde mir heute vermutlich nicht mehr passen … *ggg*