Verschiedene Interpreten – Jazz-Festival (Siemens Edition) (1987)

FrontCover1Ja, ja … kleine Geschenke erhalten die Freundschaft … dass dachte sich auch die Werbeabteilung von der Siemens Zweigniederlassung München im Jahr 1984 und ließ ein Jazz-Album pressen:

„Mit dieser Schallplatte, die wir für die Freunde unseres Hauses eigens prägen ließen, hoffen wir, Ihnen eine kleine Freude zu bereiten.“

Ich gehöre zwar nicht zu den Freunden des Hauses Siemens (das wüsste ich ja), aber diese LP bereitete mir durchaus große Freude, denn hier hören aus den Archiven des legendäre US Jazzlabels Verve etliche Klassiker und Höhepunkte aus der Geschichte des Jazz und wir hören auch die ganz großen Namen jener vergangenen Jazzdekade, die aber heute noch aufhorchen lassen.

Apropos Geschenke:

„Wer sich mit Korruption in der deutschen Wirtschaft beschäftigt, kommt am Siemens-Konzern nicht vorbei. Im Herbst 2006 stürmten mehrere hundert Beamte in Siemens-Geschäftsräume an zahlreichen Standorten sowie in Privatwohnungen hoher Mitarbeiter. Die Razzia bildet den Auftakt zur wohl größten Korruptionsaffäre der deutschen Wirtschaftsgeschichte.“ (Quelle: Manager Magazin)

Aber wie gesagt … die Musik ist dennoch ein wunderbarer Einstieg in die noch wunderbarere Welt des Jazz.

Einer der Höhepunkte ist ganz sicher „Girl From Ipanema mit einer begnadeten singenden Astrud Gilberto und einem Saxophon Solo von Stan Getz …. da bleibt einem die Spucke weg. und Ellington´s „Caravan“ ist natürlich auch unschlagbar !

Booklet1

Titel:
01. Benny Goodman: Big John´s Special 3.25
02. Wes Montgomery: Caravan 2.39
03. Syd Lawrence: St. Louis Blues 4.02
04. Count Basie: Ma, He´s Making Eyes At Me 2.16
05. Benny Goodman: Oh, Lady Be Good 5.37
06. Oscar Peterson: The Shadow Of Your Smile 5.03
07. Erroll Garner: Misty 2.49
08. Dinah Washington: What A Difference A Day Makes 2.30
09. Buddy Rich: 9:20 Special 4.37
10. Johnny Hodges & Billy Strayhorn: Jeep´s Blues 3.21
11. Count Basie: Red Roses For A Blue Lady 2.50
12. Stan Getz & Astrud Gilberto: Girl From Ipanema 5.14
13. Sarah Vaughan: Lullaby Of Birdland 4.02
14. Bill Evans: I´ve Got You Under My Skin 3.24
15. Ella Fitzgerald: Mack The Knife 5.08

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SiemensgebäudeInMünchen

Siemens Gebäude in München in den 80er Jahren

 

Caroline Gerlach – Pop Musik (1984)

titelSchade, dass man so gar nichts über die Autorin Caroline Gerlach erfahren kann, denn sie hat sich mit diesem Band über die Geschiche der „Popmusik“ wirklich viel Mühe gegeben. Erschienen ist das Buch (164 Seiten) im  „VEB Lied der Zeit, Musikverlag Berlin“.

„Wollte man versuchen, all die verschiedenen Arten von Musik aufzuzählen, die man sich unter dem Begriff Popmusik vorstellen kann, es würde kein Ende nehmen: Von Rock, Schlager, Beat, Blues und so weiter müßte die Rede sein, aber das Schlimmste ist, daß jeder etwas anderes damit meint und logischer Weise die Streiterei groß wäre. Also muß man sich an das Gemeinsame halten, mit dem man sich über moderne populäre Musik, kurz Popmusik, verständigen kann.

Woher kommt es nun, daß Popmusik so ganz anders klingt, als beispielsweise Musik, die man im Konzert oder in der Oper hört ? Sie ist auf ganz andere Weise entstanden, und sie hat andere Vorfahren als die europäische Kunstmusik. Ihre wichtigste Quelle ist die Musik der farbigen Amerikaner, die afro-amerikanische Musik. (aus dem Vorwort).

Und dann folgte die Präsentation der wichtigesten Musikstilem, die man eben der Popmusik zuordnen kann, als da wären:

Blues – Jazz – Rock n Roll – Beatmusik – Folksong – Diskomusik – Punk und New Wave –

Und natürlich wird der Musikentwicklung in der DDR viel Raum eingeräumt … Ich bin auf diesem Gebiet nicht sonderlich versiert, aber möglicherweise gab es damals nicht so viele zusammenhängende Darstellungen dieser Art.

Von daher darf man getrost von einer Fleißarbeit sprechen, die die Autorin mit viel Herzblut und Akribie geleistet hat.

Natürlich gibt es diverse Hinweise zu sozialistischen Sichtweisen … und wenn ich da mal eherlich sein darf: So ganz verkehrt ist das ja auch nicht … denn natürlich kann man die Geschichte auch als die Geschichte der Klassenkämpfe sehen (vermutlich muss man sogar Geschichte so sehen) und natürlich hatte Musik auch immer wieder politisches Potential (ok, gilt jetzt nicht für Abba oder so *ggg*) oder war Ausdruck revolutionärer Bestrebungen.

Interessant: Dass der Jazz in seinen Anfängen auch die klassische Musik in den Bordells war, findet keine Erwähnung.

Nicht überraschend: Dass die Geschichte der DDR Beat/Rockmusik geschönt wird …

Ärgerlich: Die Titelgestaltung …  zum Thema Popmusik hätte man wahrlich ein besseres Motiv für die Vorder- und Rückseite des Buches finden können …

Dennoch: Ein für mich sehr interessantes Fundstück, dass ich hier präsentieren kann.

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Die jahrelange Verbannung der Beatmusik wird in dem Buch natürgemäß nicht thematisiert

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Als selbsternannter Archivar liebe ich natürlich solche Quellennachweise …

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Die Rückseite des Buches … das darf man getrost sexistisch nennen … oder ?