Gerd Augustin – Die Beat-Jahre – Musik in Deutschland – die Sechziger Jahre (1988)

DieBeatJahre001AWenn jemand über das Thema „Die Beat-Jahre – Musik in Deutschland – die sechziger Jahre“ schreiben kann, dann ist das der Gerd Augustin, auch wenn er heute wohl eher in Vergessenheit geraten ist.

Aber die profunden Kenner der deutschen Beat-Szene der 60er Jahre wissen natürlich, wer Gerd Augustin ist … ich sag da bloß mal „Beat-Club“.

„Gerhard Augustin, geb. 1941, wanderte Anfang der Sechziger Jahre aus nach Amerika, wo er ins Musik-Business gelangte. Nach seiner Rückkehr  avancierte er zum ersten „Disc-Jockey Deutschlands“, moderierte den „Beat Club“ von Radio Bremen, war dann Manager von Ike und Tina Turner, hielt sich wieder in Amerika auf, kehrte wieder nach Deutschland zurück, um hier verschiedene Musikgruppen, darunter Amon Düül, Can,Hongkonk Syndikate zu managen.“ (Verlags-Biographie)

Weiß der Teufel, was ausgrechnet den Goldmann Verlag dazu gebracht hat, die Erinnerungen des Gerd Augustin in seiner „Jugend-Reihe“ Blitz zu veröffentlichen, man kann diesem Verlag eigentlich nur dankbar sein, dass er es getan hat.

Denn dieses Buch (224 Seiten) hat es in sich … denn viel genauer kann man wohl nicht jenes Jahrzehnt, zumindest aus musikalisch-deutscher Sicht zusammenfassen. Und angereichert wird es mit etlichem, eher unbekannten fotografischem Material.

Hier ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

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Von daher gilt: zugreifen …

Und – wie gewohnt – hier ein paar Vorschaubilder ,,, bevor es zur Präsentation geht:

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Lässigkeit in Person: Vor seiner Abfahrt von Rotterdam nach Amerika machte Gerd Augustin am 15. Februar 1962 in einem Passbildautomaten dieses Foto.

Lässigkeit in Person: Vor seiner Abfahrt von Rotterdam nach Amerika machte Gerd Augustin am 15. Februar 1962 in einem Passbildautomaten dieses Foto.

Helme Heine – Gruß und Kuß (1988)

GrußUndKuß01AUnd wieder mal so ein kleines Büchlein, dass sich damals einfach als Mitbringsel bei Freunden geradezu angeboten hat, denn es bietet einfach viel vergnügte Kurzweil:

Helme Heine (* 4. April 1941 in Berlin) ist ein deutscher Schriftsteller, Kinderbuchautor, Illustrator und Designer. Er lebt seit 1990 in Neuseeland, schreibt Hör- und Drehbücher und schafft satirische Grafiken und Skulpturen.

Helme (Helmut) Heine wurde 1941 in Berlin geboren, seine Eltern waren Gastronomen und Hoteliers. Helme Heine ist der Bruder des Architekten und Schriftstellers Ernst Wilhelm Heine. Seine Jugend verbrachte er unter anderem in Lübbecke und ab 1953 in Wülfrath, bis zum Abschluss 1958 besuchte er dreizehn Schulen. Als Schüler zeichnete ihn ein „spielerisch nonkonformes sowie vielseitig künstlerisches Talent“ aus. Anschließend studierte er Betriebswirtschaft und Kunst.

Mitte der 1960er Jahre zog er nach Südafrika. Dort blieb er über ein Jahrzehnt, gründete in Johannesburg das politisch-literarische Kabarett „Sauerkraut“, brachte eine satirische Zeitschrift heraus, zeichnete und arbeitete als Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler.

1975 entstand Helme Heines erstes Kinderbuch „Das Elefanteneinmaleins“. Noch im selben Jahr knüpfte er auf der Frankfurter Buchmesse Kontakte zur Verlegerin Gertraud Middelhauve, die „Das Elefanteneinmaleins“ 1976 in den Handel brachte. Das Buch wurde von der Stiftung Buchkunst mit dem Preis „schönste deutsche Bücher“ ausgezeichnet und erschien auf der Ehrenliste des „Premio Grafico“. Mit „Na warte, sagte Schwarte“ folgte 1977 der erste große Erfolg.

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1977 kehrte Heine mit seiner Familie nach Deutschland zurück und veröffentlichte mehr als 50 Kinder- und Jugendbücher, die vor allem bei Middelhauve, Diogenes, Hanser und Beltz erschienen und in 35 Sprachen übersetzt wurden. Berühmtestes Werk ist „Freunde“ aus dem Jahr 1982. Die Weltauflage seines Gesamtwerkes beträgt über 25 Millionen. Mit dem Heye Verlag schuf er eine Kalenderreihe mit einer Auflage von 4,5 Millionen, zu der Anfang der 90er Jahre der erste Familienplaner gehörte.

Helme Heine machte Theater- und Musicalarbeit für die Weltausstellung in Osaka, gestaltete einen Themenpark für den Zoo in Hannover und hatte zahlreiche Ausstellungen in Europa, USA und Asien.

TaschenbuchausgabeSeit 1983 entwickelte Helme Heine zudem mit dem Musiker Peter Maffay und dem Texter Gregor Rottschalk die Figur des kleinen grünen Drachens Tabaluga. Dabei gab er diesem Fantasiewesen eine zeichnerische Gestalt, verfasste eine passende Tabaluga-Geschichte und beeinflusste die Story und schuf Kostüme für das Tabaluga-Musical, das in verschiedenen Tourneefassungen in allen großen Hallen Deutschlands aufgeführt wurde. Als en-suite-Produktion wurde das Musical „Tabaluga und Lilli“ 1999 im damaligen Theatro Centro (heute Metronom Theater des Centro Oberhausen) uraufgeführt.

Ende der 1980er Jahre ging Heine nach Irland und schließlich nach Neuseeland, wo er heute mit seiner Frau Gisela von Radowitz in Russell in der Bay of Islands lebt und arbeitet. Dort schreibt er Romane für Erwachsene, Hör- und Drehbücher für Funk, Film und Fernsehen wie den Kinofilm „Mullewapp“, malt und zeichnet, schafft Skulpturen und entwirft unter anderem Möbel, Theater-Kostüme sowie Porzellan. In seiner Freizeit gärtnert, segelt und angelt er.

Helme Heine engagiert sich für die nach seinem erfolgreichsten Bilderbuch benannte „Freunde“-Stiftung mit dem Ziel, die Lebenskompetenz von Kindern im frühen Kindergartenalter umfassend zu fördern und Gewalt und Suchtproblemen vorzubeugen.

Als Autor und Illustrator zählt Helme Heine heute weltweit zu den renommiertesten Buchkünstlern der Gegenwart. Seine Arbeiten erhielten zahlreiche nationale und internationale Preise. (Quelle: wikipedia)

Und hier eines seiner eher unbekannteren Bücher, die natürlich mit viel Witz und Pfiff drollig-spaßige Tierepisoden zum Inhalt haben … und zwar ganz schön keck. Nein, natürlich braucht man solche Bücher nicht unbedingt, aber ohne solche Bücher wäre unser Leben definitiv viel, viel langweiliger …

Hier ein paar Vorschaubilder … :

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Der Präsentation habe ich noch ein ausführliches Interview aus dem Jahr 2009 mit Helme Heine beigelegt.

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Zukunftsvision: Meine Frau Gemahlin im Jahre 2035 (und ich lege dann „Smoke On The Water“ auf):

Zukunftsvision: Meine Frau Gemahlin im Jahre 2035 (und ich lege dann "Smoke On The Water" auf)

Werner A. Wiedmann – Die Bodenseehanse – Aus der Geschichte der grossen Ravensburger Handelsgesellschaft (1988)

TitelAlso, dieser Teil süddeutsche (Wirtschafts) Geschichte war mir bis dato gänzlich unbekannt:

Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft (lateinisch: Magna Societas Alamannorum) wurde um 1380 durch Kaufleute aus den Familien Humpis (aus Ravensburg), Mötteli (aus Buchhorn) und Muntprat (aus Konstanz) gegründet. Sie war bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts eines der bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des Spätmittelalters.

Anfangs diente die Gesellschaft wohl vor allem der Vermarktung des heimischen Tuchs (vor allem Leinen und Barchent). Als 1402 in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen errichtet wurde, kam ein weiteres Eigenprodukt dazu; ebenso handelte man aber mit Gewürzen aus dem Orient, Wein und Öl aus dem Mittelmeerraum, Erzen aus Osteuropa und anderem mehr. Die Große Handelsgesellschaft ist vermutlich auch der Grund, dass Heimatforscher in Ravensburg keine historische Tracht ausfindig machen konnten; wer es sich leisten konnte, trug schon damals italienische Mode, und wer sich das Original nicht leisten konnte, schneiderte sich Kopien.

Durch die Errichtung von Niederlassungen (so genannten Geliegern) in Spanien, Frankreich, Italien und Osteuropa gewann die Handelsgesellschaft bald an gesamteuropäischer Bedeutung. Neben der in Ravensburg angesiedelten zentralen Leitung und der Niederlassung in Konstanz bestanden Verbindungen zu Memmingen, Biberach, Lindau, St. Gallen, Kempten, Ulm und anderen Städten der Umgebung. Niederlassungen, Kontore und Faktoreien hatte die Gesellschaft in der Blütezeit unter anderem in Antwerpen, Brügge, Lyon, Avignon, Genf, Wien, Venedig, Mailand, Genua, Barcelona, Saragossa und Valencia. Auch in den wichtigen Messestädten Frankfurt am Main und Nürnberg war sie präsent.

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Grabstein des Ravensburger Kaufmanns Henggi Humpis († 1429)

Über 100 Familien aus etwa 10 Städten des Bodenseegebietes waren an der Gesellschaft beteiligt. Die bedeutendsten waren die Humpis (die auch die meisten Regenten der Gesellschaft stellten), Mötteli, Muntprat, Ankenreute und Holbein.

Es gibt Hinweise darauf, dass sich auch die Fugger auf ihren ersten Italienfahrten Handelszügen der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft anschlossen.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts machten Familienstreitigkeiten innerhalb der führenden Familien und Abspaltungen von Handelsfamilien, die Konkurrenz der St. Galler Diesbach-Watt-Gesellschaft, der Memminger Vöhlin-Welser-Gesellschaft sowie vor allem der Augsburger Fugger und Welser der Ravensburger Handelsgesellschaft zunehmend zu schaffen.

Beschleunigt wurde der Niedergang sicher auch durch eine ungenügende Anpassung an die von der Wiederentdeckung des amerikanischen Kontinents veränderten Wirtschaftsbedingungen und durch die von hohen Goldimporten hervorgerufene Inflation.

Die Schwerfälligkeit der Ravensburger Organisationen einerseits und das Fehlen qualifizierten und risikofreudigen Nachwuchses andererseits verhinderten ein Gegensteuern. So scheuten die Ravensburger auch die Aufnahme von Bankgeschäften, die entscheidend zum späteren Reichtum der Konkurrenz etwa aus den Häusern der Fugger und Welser beitrugen. Stattdessen nutzten sie den erworbenen Reichtum, um die Stadt zu verlassen und nach dem Vorbild des Adels auf Landsitzen zu wohnen und selbst Adelstitel zu erwerben.

1530 erlosch die Handelsgesellschaft sang- und klanglos, als nicht mehr genügend Gesellschafter zur Erneuerung der jeweils nur auf Zeit geschlossenen Gesellschaftsverträge bereit waren.

Wer auf die Karte klickt, kann sie in ganz groß ansehen:

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Lange Zeit wussten Wirtschaftshistoriker und Lokalhistoriker recht wenig über den genauen Aufbau und die Geschäfte der Handelsgesellschaft. Wilhelm Heyd stellte die Geschichte der Gesellschaft anhand der wenigen erhaltenen Akten 1890 erstmals in einer Monographie dar. Die Kürze dieser Monographie symbolisiert, wie er auch selbst schreibt, den absoluten Mangel an bis dahin aufgefundenen und der Öffentlichkeit freigegebenen Quellenpapieren. 1909 wurden im Schloss Salem überraschend zahlreiche Akten der Gesellschaft gefunden, die – als unnütze Handelssachen deklariert – vorher jahrhundertelang unbeachtet geblieben waren. Die Papiere behandeln die Zeit zwischen 1427 und 1480, sowie von 1497 bis 1527 und sind für die Forschungsarbeit an der großen Handelsgesellschaft von enormen Wert. Hinterlassen wurden uns die Quellenpapiere von dem Enkel des letzten Buchhalters der Handelsgesellschaft mit dem Namen Alexius Hilleson. Die Quellen beschreiben zwar nicht lückenlos die Geschichte und die Tätigkeiten der Handelsgesellschaft von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende, geben jedoch stellenweise tiefe Einblicke in die Arbeit und Organisation der Gesellschaft. Aloys Beispiel37Schultes grundlegendes dreibändiges Werk von 1923 beruht auf diesen Akten und leitete eine tiefere Beschäftigung mit der Handelsgesellschaft ein.

In dem historischen Roman Der junge Herr Alexius von Otto Rombach wird das abenteuerliche Leben des Ravensburger Kaufmanns Alexius Hilleson auf seinen Reisen durch Europa geschildert. Obwohl sich Rombach in vielen Details auf Schulte stützt, ist der Roman doch weitgehend fiktiv.

In Ravensburg selbst erinnern viele Bauwerke, Wappen und Straßennamen an die Zeit der Handelsgesellschaft. Beim jährlichen Rutenfest werden ihre Geschäfte durch Kostümgruppen am Festzug dargestellt. Außerdem wurde in der Stadt ein offenes Stadtmuseum erbaut, welches aus sieben Gebäuden besteht, deren Räume aus der Zeit von 1435 bis 1508 stammen und in der Vergangenheit die Wohnquartiere der Familie Humpis bildeten. (Quelle: wikipedia)

Und genau um jene Zeit, in denen die Ravensburger Handelsgesellschaft groß und mächtig war, handelt dises Buch (66 Seiten). Herausgegeben wurde es von der Bayerischen Vereinsbank in der Serie „Bavaria Antiqua“

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Diverse Ausgaben der Serie „Bavaria Antiqua“

Verfasst wurde dieses Buch von Werner A. Wiedmann:

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Bei historischen Büchern dieser Art bin ich mir so ganz sicher, ob sie nicht arg beschönigend geschrieben wurde. Freilich fehlen mir die Zeit und die historischen Kenntnisse um das mal zu überprüfen. Der Niedergang dieser Mini-Hanse (die großen Hansestädte an der Nord-  und Ostsee können ob des kleinen Bruders aus Süddeutschland eh nur schmunzeln) erschließt sich mir z.B. noch nicht so recht.

Dennoch: Ganz sicher ein kenntnisreiches Buch, hübsch illustriert und natürlich vergesse ich darüber hinaus nicht die „Fragen eines lesenden Arbeiters (Brecht) und den Bernt Engelmann sowie nicht.

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links: Der Florenzer Tuchmarkt (14. Jhrd.); rechts: Herzog Heinrich der Löwe + Frau Gemahlin

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Der Veitsberg oberhalb von Ravensburg (Ölgemälde von Johann Andreas Rauch, 1622)

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Das ist ja ein drolliges Kerlchen aus der Kategorie Miesepeter, oder ?

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Lug und Trug im Mittelalter

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Der (Geselle Oswald Kröll, gemalt von Albrecht Dürer, 1499) schaut ja fast wie Ritchie Blackmore aus.

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The times, they are a-changing …

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Ein historisches Buch ohne Quellenangaben würde ja auch gar nicht gehen …

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Die Vorder- und Rückseite des Buches

 

Deutsches MAD – Nr. 233 (September 1988)

Titel.jpgDie Amis haben uns ja nicht nur mit Coca Cola, Jazz und Rock N Roll beglückt, nein, es gab dann auch noch des völlig durchgeknallte Magazin „Mad“:

MAD ist ein US-amerikanisches Satiremagazin. Es wird außerhalb der USA auch in vielen anderen Ländern herausgegeben.

Im Sommer 1952 brachten die amerikanischen Comic-Verleger Harvey Kurtzman und William M. Gaines die erste Ausgabe der Zeitschrift MAD, damals noch unter dem Titel Tales Calculated To Drive You Mad, heraus. Was zunächst als Parodie auf klassische Superhelden-Comics gedacht war, entwickelte sich bald zu einem Satire-Magazin, das sich über Politik, Gesellschaft, Film und Fernsehen lustig machte. 1956 erschien auf dem Titelblatt von MAD zum ersten Mal ein grinsendes Gesicht mit Segelohren, Sommersprossen und Zahnlücke: Alfred E. Neumann, gezeichnet von Norman Mingo und Frank Kelly Freas. Seitdem ist er der Coverboy der Zeitschrift und auf fast jeder Ausgabe zu sehen. Die Figur an sich ist viel älter und das Bild des Jungen wurde schon im 19. Jahrhundert auf Postkarten publiziert.

Im Verlauf der Jahre wurde MAD zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Kultur. Viele der Zeichner, Charaktere und Rubriken sind legendär (Don Martin, Dave Berg, Al Jaffee, Spion & Spion, das Faltbild, Sergio Aragonés etc.). Berühmtheit erlangte das Magazin vor allem auch durch Mort Druckers satirisch-überdrehte Parodien auf aktuelle Kinofilme und Fernsehserien. „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ war der erste und letzte Film, der vom MAD-Magazin gelobt wurde.

Das erste deutsche MAD erschien im September 1967. Da es auf dem deutschen Markt guten Absatz fand, konnte die Auflage rasch gesteigert werden. Nach 32 Ausgaben wurde Herbert Feuerstein Chefredakteur des Magazins und prägte dessen Stil maßgeblich, woran seit 1975 auch der textende Zeichner Ivica Astalos großen Anteil hatte. Ein wichtiges Merkmal des deutschen MAD war, dass auch deutschsprachige Autoren und Zeichner (I. Astalos, Dieter Stein, Nils Fliegner, Rolf Trautmann und Gunther Baars) Beiträge verfassten und MAD somit einen deutschen Anstrich verliehen.

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Herbert Feuerstein

In den 1970er Jahren wurde die Zeitschrift auch im deutschsprachigen Raum endgültig zum Kult. Einige von Feuerstein geschaffene, sogenannte Inflektive („lechz“, „würg“) wurden fester Bestandteil der Jugendsprache. 1992 verließ Feuerstein die Zeitschrift zugunsten seiner TV-Karriere. Anfang der 1990er Jahre ging die Auflage von 300.000 auf 30.000 Exemplare zurück. Der Verleger Klaus Recht führte das Heft noch drei Jahre weiter, ehe es 1995 nach 300 Ausgaben eingestellt wurde, was vor allem auf das mangelnde Interesse der jungen, fernsehverwöhnten Generation zurückgeführt wurde.

Am 7. Oktober 1998 wagte der Stuttgarter Dino-Verlag einen Neuanfang und brachte ein neues deutsches MAD heraus, das bis zum Dezember 2009 monatlich erschien und seit Februar 2010 alle zwei Monate herausgegeben wird. Im Gegensatz zum früheren deutschen MAD ist die neue Ausgabe nicht mehr frei von Werbung und durchgängig farbig.

Seit dem 31. Dezember 2002 wird das MAD-Magazin von der Panini Verlags GmbH herausgegeben, die den Dino-Verlag übernommen hat. Zuständige Redakteure sind Mathias Ulinski und Jo Löffler.

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Weitere Ausgaben

Mit der 100. Ausgabe des MAD-Magazins ist im Dezember 2006 eine Spezialausgabe erschienen, die den doppelten Umfang an Seiten hat. Im Januar 2007 erschien das dreizehnte Spezialmagazin mit dem Besten aus 100 Ausgaben.

Als Kernzielgruppe benennt der Verlag 13- bis 18-jährige Jungen, die verkaufte Quartalsauflage lag im zweiten Quartal 2012 bei knapp unter 22.000 Exemplaren (laut IVW II/2012) und ist seit Jahren rückläufig. Seit dem 3. Quartal 2012 werden die Verkaufszahlen nicht mehr der IVW gemeldet. (Quelle: wikipedia)

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Aus dem Inhalt dieses Heftes (34 Seiten):

  • Titelbild Rolf Trautmann 
  • MADs Monatlicher Almanach (Herbert Feuerstein)
  • Fragen Sie Alfred / Leserbriefe / MAD-Kettenbrief (Herbert Feuerstein)
  • Don Martin Neulich, an der Küste (Don Martin)
  • (Sch)Weißbuch MAD-Besuch beim Body-Building (Dieter Stein/Frank Vielmeister)
  • Eid-Genossen Drama auf Seite 9 (John Caldwell)
  • Regel mit Köpfen Wenn die ungeschriebenen Verhaltensgesetze unserer Gesellschaft tatsächlich aufgeschrieben werden (George Woodbridge/Mike Snider)
  • Schwarz auf Weiß Spion & Spion (Antonio Prohias)
  • Fromme (Wider)Sprüche Ein MAD-Blick auf die Logik der Regierung /Harry North/ Mike Snider)
  • Quak-Käse Die Geschichte des Froschkönigs (Ivica Astalos)
  • Zum Abschluss freigegeben MAD ist zu Besuch bei einer Abiturfeier (Sergio Aragones)
  • Schüttel-Frust Händeschütteln, das man lieber vermeiden soll (Al Jaffee / Idee: Frank Jacobs)
  • Werbmasse Der MAD-Mini-Markt
  • Duck & Doof Duck Edwing humpelt in die Erste-Hilfe-Station (Duck Edwing)
  •  (Ein)Fallstudie Der große MAD-Report: Kreativität (Apichai Bhakdibutr/Gunter Baars)
  • Kippenbekenntnis Neue Warnungen auf Zigarettenschachteln (Joe Raiola/Charlie Kadau)
  • Jeder Stuss ein Treffer! MADs übersichtliche, klare und praktische Ergebnis-Tabelle aus dem täglichen Leben (Nils Fliegner/Paul Petersdorf)
  • Eigenwerbung / Vorschau auf das nächste Heft / Impressum 
  • MAD-Faltblatt (Al Jaffee)
  • Anzeigenparodie: Bauchkiller 

Muss man niht mögen, aber wer total abgefahrenen shrägen Humor mag, ist auchbei diesem Heft gut bedient.

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Die Rückseite des Heftes

Und noch heute wird „Mad Alfred“ gerne für aktuelle Personen der Zeitgeschichte verwendet:

 

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Kurt Halbritter – Die freiheitliche rechtliche Grundordnung (1988)

TitelUnd jetzt ist es mir wieder mal eine ganz besondere Freude, diesen großartigen Kurt Halbritter vorstellen zu dürfen:

Kurt Halbritter (* 22. September 1924 in Frankfurt am Main; † 21. Mai 1978) war ein deutscher satirischer Zeichner und Karikaturist.

Der Barfüßer, nach einer Zeichnung von Halbritter gefertigte Skulptur in Frankfurt am Main
Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Nachdem Halbritter eine Ausbildung als Chemigraf abgeschlossen hatte, besuchte er von 1948 bis 1952 die Werkkunstschule in Offenbach am Main, heute Hochschule für Gestaltung. Seit 1954 arbeitete er als Illustrator und Autor.

Bekanntheit erlangte er durch Karikaturen im Satiremagazin pardon (Halbritters Halbwelt) und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Halbritter erfand die Frankfurter Dialekt sprechenden („babbelnden“) Werbefiguren Schorsch und Schaa (hochdeutsch Georg und Jean) für die Binding-Brauerei.

Halbritter starb auf einer Schiffsreise nach Irland an einem Herzinfarkt.

Auszeichnungen, Ehrungen:
1968 bekam Halbritter für drei Pardon-Beiträge einen Preis der Zille-Stiftung.

1970 wurde ihm der Joseph-E.-Drexel-Preis zugesprochen.

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2014: Umfangreiche Ausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt am Main, Haus der Neuen Frankfurter Schule, die Halbritter mitprägte.

2016: Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, wo Halbritter lange Zeit lebte, wurde eine Grünanlage nach ihm benannt, die Kurt-Halbritter-Anlage. Dort steht seitdem die Bronzeskulptur Der Barfüßer, angefertigt vom Bildhauer Siegfried Böttcher nach einer Zeichnung Halbritters aus dem Jahr 1975. Die Skulptur ist Teil der Reihe Komische Kunst im Frankfurter Grüngürtel. (Quelle: wikipedia)

Und nun Kurt Halbritter über sich selbst:

Ich wuchs in einer Zeit auf, von der man behauptet (damals wenigstens), sie sei eine „große“. Mein Beruf war eigentlich das erste, was ich frei wählen durfte, und ich wählte prompt falsch.
Karikaturist wurde ich erst viel später. Es war sozusagen der Anfang meines zweiten Lebens. Krieg, Kriegsgefangenschaft, dann die Heimkehr und die Frage: Was nun? Wieder zurück in den alten Beruf, oder endlich tun, wonach mein Herz verlangte – zeichnen, malen, illustrieren?

Das mit der Malerei war eine Seifenblase. Sie zerplatzte ganz still und lautlos. Dagegen öffnete sich mir ein Gebiet, das an keiner Akademie oder Werkkunstschule gelehrt wird. Das Stiefkind der großen Kunst, die Karikatur, hatte ihr Opfer – mich.

Es kam nicht einmal überraschend. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich zu Bleistift und Papier ein inniges Verhältnis. Das erste meines Lebens überhaupt. Wenn meine „Erstlingswerke“, die Bildnisse von damals, alle einen Hauch des Lächerlichen aufwiesen, so war es nie Absicht. Die „Zeichenstunde“ war das Schönste an der Schule und versöhnte mit mancher Stunde, die mit „nützlicheren“ Fächern belegt war. Ich begreife heute noch nicht jene Menschen, die in ihrer Schulzeit die schönste und sorgenloseste Zeit ihres Lebens erblicken. Meine Sorgen jedenfalls waren im Verhältnis zu heute kaum geringer.

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Die anderen wurden Dr. med., Bankbeamter, Verkäufer, Regierungsrat, Autohändler, ich wurde Karikaturist: ein Mensch, der Männchen malt, – ulkige, versteht sich. Sie haben ihre Kollegen und ich die meinen, und jeder übertreibt auf seine Weise, wobei noch dahingestellt bleibt, wer die Übertreibung besser beherrscht. Das Übertreiben ist ganz anderen Leuten vorbehalten als ausgerechnet einem Karikaturisten, der nur zeichnet, was er sieht, hört, erlebt und denkt. Die Welt ist voller Übertreibungen, die kein Zeichner, und sei er noch so sehr Karikaturist, erreichen könnte. Die gute Karikatur kommt mit der Hälfte der Übertreibungen aus, deren sich ein schlechter Politiker bedient.

Karikatur ist Ausdruck eines „humoristischen“ Verhaltens für die, die nicht mehr darin sehen oder hineinlegen wollen. Sie ist Kritik, Kommentar und Angriff für jene, die in der Karikatur mehr sehen als Unterhaltung und Auflockerung einer Zeitungsseite. Die Karikatur beginnt, wo das Wort seinen Wert verliert, und endet, wo sie durch das Wort ersetzt werden kann. Einen Kompromiß gibt es allenfalls, wo sich Wort und Zeichnung die Waage halten.

Eine Karikatur ist noch lange nicht schlecht, weil man nicht über sie lachen kann, aber sie ist auch nicht deshalb gut, weil man über sie lacht.

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Eine Karikatur zu verstehen, ist nicht immer leicht. Einen Karikaturisten zu verstehen, fast unmöglich. Nun sollte ein Karikaturist zwar seine Arbeit ernst nehmen, nicht aber sich. Das erspart ihm manchen Ärger und verhilft ihm zu einer besseren Einstellung gegenüber seiner Umwelt, die ihm letzten Endes zu seinem Beruf verholfen hat. Er wird außerdem mehr Verständnis für seine Mitmenschen aufbringen müssen, als diese für ihn.

Und das Caricatura Museum, Frankfurt würdigt ihn natürlich auch:

Er gilt als Vorbild der Zeichner der Neuen Frankfurter Schule. Zu Lebzeiten war er weithin bekannt als Karikaturist und Werbegrafiker. Doch nach seinem frühen Tod ist Kurt Halbritter in Vergessenheit geraten.

Das Zeugnis der Werkkunstschule Offenbach (der heutigen Hochschule für Gestaltung) lobte im Juli 1952 einen disziplinierten und fleißigen Studenten, gewährte ihm in seinem Studienfach Grafik allerdings nur ein „Befriedigend“. Das mag möglicherweise mit der etwas lax aufgefassten Anwesenheitspflicht zu tun gehabt haben. Kurt Halbritter hat die Werkkunstschule ohne Abschluss verlassen, aber trotzdem seinen Weg gemacht. Als Illustrator und Karikaturist gehörte er bald zu den bekanntesten Zeichnern in Deutschland.

Die einen kannten ihn als Verfasser der „Schmunzelbücher“, andere als Karikaturisten der einst immens erfolgreichen Satirezeitschrift „Pardon“, zu deren Gründungsredaktion er gehörte. Und selbst wer zu keiner dieser Publikationen griff, dürfte in den 1960er Jahren Halbritters Strich gekannt haben – zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Der 1924 im Frankfurter Stadtteil Rödelheim geborene Zeichner illustrierte nämlich die Werbekampagne „Dir und mir – Binding-Bier“, in der unter anderem die „Frankfodderisch“ parlierenden Figuren „Schorsch und Schaa“ auf Bierdeckeln und Postkarten ihren Schabernack trieben.

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Von prägendem Einfluss war Halbritter aber weniger auf Bierfreunde als vielmehr auf eine junge Gilde angehender Satiriker und Karikaturisten, mit denen er in der „Pardon“-Redaktion zusammenarbeitete. Der einst für „Pardon“ und später für den „Stern“ tätige Reporter Gerhard Kromschröder erinnerte sich gestern in Frankfurt an seinen Kollegen: „Kurt Halbritter war für uns Junge der arrivierte Buchautor, der sich aber eine Haltung bewahrt hatte. Er war ja noch im Krieg als Marinesoldat und dann in Gefangenschaft. Er ist als Pazifist zurückgekehrt und hat sich fortan stets für eine entmilitarisierte Gesellschaft eingesetzt.“ Diese Haltung und ein teils skurriler Humor imponierten auch Zeichnern wie F.W. Bernstein, Chlodwig Poth, F.K. Waechter, Robert Gernhardt und Hans Traxler, mit denen er bei „Pardon“ wirkte und die später als „Neue Frankfurter Schule“ berühmt werden sollten. Hans Traxler bezeichnet ihn als Vorbild jener Schar, die das Satiremagazin „Titanic“ gründen sollte. Halbritter war dabei nicht an Bord. Er war überraschend am 21. Mai 1978 während einer Irlandreise gestorben. Er wurde 54 Jahre alt.

Mit der Zeit geriet der Zeichner in Vergessenheit, allerdings nicht ganz. Halbritters Nachlass ging an das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, das in den vergangenen Jahren Arbeiten zukaufte und nun über rund 5000 Exponate verfügt. Eine Auswahl davon war bereits 1999 in der noch von Robert Gernhardt kuratierten Schau „Mann unter Strom“ im Karmeliterkloster zu sehen.

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Selbstportrait, 1977

Sie führt Halbritters Vielseitigkeit mit solch unterschiedlichen Figuren wie dem gutmütigen Häftling Johannes, der frechen „Minderjährigen“ oder auch den Zwergen aus „Heimat deine Zwerge“ vor. Als wichtigstes Vermächtnis ist aber sein 1968 erschienenes Buch „Adolf Hitlers Mein Kampf“ zu werten, das auf frappierende Weise die Mitläufer des Nazi-Regimes karikiert. Es zeigt die kleinbürgerliche Idylle, die Halbritter in seiner Jugend erlebte und in der doch der spätere Wahnsinn der NS-Zeit eine wichtige Quelle hatte. Gerhard Kromschröder nennt das lange vergriffene Buch ein „Epochenwerk“, das nun rechtzeitig zur Ausstellung neu aufgelegt worden ist, ebenso übrigens wie „Halbritters Tier- und Pflanzenwelt“, das den Künstler abseits seines politischen Wirkens zeigt. Auch diese grotesk-humorige Seite Kurt Halbritters lohnt das Wiederentdecken. (Christian Riethmüller)

Und um genau dieses Wiederentdeckens geht es mir in diesem Beitrag. Es war ja schon erstaunlich, dass der Goldmann Verlag dieses Buch (ca. 110 nicht numerierte Seiten), das ursprünglich 1985 im Carl Hanser Verlag, München/Wien erschien, nochmals auf den Martk brachte und das 10 Jahre nach seinem Tod.

Und so etliche dieser Karikaturen aus den 70er Jahren sind – erschreckend genug – auch heute noch aktuell … das macht mich wieder mal sehr nachdenklich … gesellschaftliche Veränderungen dauern halt ihre Zeit, verdammt nochmal !

Und mehr als einmal bleibt einem wiedermal das Lachen im Hals stecken, so treffend und so pointiert trifft er den Nagel auf den Kopf.

Und auch sein Pinselstrich ist – aus meiner Sicht – von besonderer Güte.

Dieser Beitrag zu erstellen war schon ein wenig aufwendig … aber das war mir der Kurt Halbritter allemal wert… denn er spricht mir so aus dem Herzen und er sollte nun wahrlich nicht vergessen werden.

Und hier nun eine kleine Auswahl aus dem Buch:

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Aus dem Vorwort von Klaus Staeck

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Hier stehen ja Sachen drin, wo wir vom Verfassungsschutz nicht mal eine Ahnung haben

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Ich habe nichts gegen Ausländer, nur ih mag sie nicht

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Himmel, Arsch und Zwirn, diese Atheisten ! Wenn sie es schaffen, daß in den Schulen nicht mehr gebetet wird, müssen wir es womöglich wieder zu Hause tun.

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Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit müssen wir zurückweisen, schließlich haben wir die Stelle des dritten Beirats mit einer Frau besetzt.

 

Beispiel09

Pscht – mach die Tür zu, wir wollen über Umweltschutz reden

Beispiel10

Bei allem Verständnis für moderne Lernmethoden halte ich ein gewisses Maß an Strenge und Autorität für erforderlich. Bei allem Verständnis für …

Beispiel11

Eine moderne Frau in einer modernen Küche an einem supermoderen Herd, was willst du noch mehr

Beispiel12

Ich verbiet dir, das Wort „Sexualaufklärung“ im Munde zu führen ! Merke: Dein Vater hat dich nicht aus Lust gezeugt

Beispiel13

Sie werfen mir Frauenfeindlichkeit vor – Glauben sie, ich hätte geheiratet, wenn das so wäre ?

Beispiel14

Mit dem Antrag  sind Sie bei mir völlig falsch, da müssen Sie in die Hauptstelle Rosenplatz, die sagen Ihnen dann, wohin Sie sich wenden können.

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… und hilf auch dem Atheistenbengel zum rechten Glauben, Amen!

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Jeder Scheiß wird heutzutage gedruckt, nur meine rnicht

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Na Alterchen, dich brauchen sie wohl nicht mehr

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Von denen wollen bestimmt einige in den öffentlichen Dienst, die werden sich wundern

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Erst wirb man und verkauft uns den ganz Scheiß, jetzt sollen wir Energie sparen

Beispiel20

Ohrfeige wegen eines freundlichen Klaps auf den Po – wo leben wir denn !

Beispiel21

Wäre das ein Hund, könnten wir den Tierschutz anrufen, doch hier sagt man: Kümmern Sie sich um Ihre Angelegenheiten.

Beispiel22

Ein schreckliches Kind ! Jedesmal wenn du ihn fragst, was er sich wünscht, sag er : „Weiß ich nicht !“

Beispiel23

Jeden Morgen tut er so, als ginge er zur Arbeit, dabei ist er seit sehs Monaten schon seine Stelle los.

Beispiel24

Wenn da Kommunisten unterschrieben haben, unterschreibe ich nicht.

Beispiel25

Wenn es unseren Politikern gelingt, die Krisenherde dort zu halten, wo sie sind, geht es uns gar nicht so schlecht.

Beispiel26

Unsere Entwicklungshilfe nehmen sie, aber der Service hier ist zum Kotzen.

Beispiel27

Natürlich muß diese Gesellschaft verändert werden, aber nicht jetzt und auf unsere Kosten.

Beispiel28

Muß ich ihm die Hand geben ?

Beispiel29

Wenn ich was zu sagen hätte, gäbe es keine dreckigen Gammler mehr, keine schmutzigen Italiener und keine stinkenden Türken. Dann wär´ aich die Luft wieder sauber.

Beispiel30

Bis vor kurzem glaubte ich noch, unsere Jugend sei restlos verdorben.

Beispiel31

Als Vertreter dieser Partei wehre ich mich gegen den Begriff Sozial-Liberal. Wir sind liberal.

Beispiel33

Es weht ein neuer Geist des Machbaren über die Ruinen begonnener Atomkraftwerke.

Beispiel34

Wenigstens über die Feiertage könnten sie ja das Schießen einstellen.

Beispiel35

Hätte man denen als Kind öfter mal den Arsch versohlt, gäb´s heute keine Terroristen.

Beispiel36

Die Gründung dieser Bürgerinitiative richtet sich in keiner Weise gegen die Behinderten-Anstalt, sondern den Ort hier, den wir für völlig ungeeignet halten.

Beispiel37

Diese Antikernkraftmolukken sollte an vergasen, die gefährden nur unsere Arbeitsplätze.

Beispiel38

Die größte Angst, habe ich vor der Angst.

Beispiel39

Habe ich euch zu viel versprochen ? Dort ist Sonne.

Beispiel40

 

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Beispiel41

Beispiel43

Das Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Friedrich Hagen – FKK zwischen Ostsee und Vogtland (1988)

TitelJetzt mal ein kleiner Reiseführer der ganz besonderen Art: „FKK zwischen Ostsee und Vogtland“ ein Bändchen, das innerhalb weniger Jahre (kurz vor der „Wende“) wegging wie warme Semmeln (oder Brötchen). In einem Artikel namens „Baden ohne“ von Siegfried Lokatis“ in der „Berliner Zeitung“ vom 21.07.2004 wird ein wenig ausführlicher über die Geschichte von Reiseführern in der DDR und insbesonders von „Nackedei-Reisebüchern“ berichtet:

Für die Zensurbegutachtung von Urlaubsbüchern war 1958 die „Abteilung Feriendienst und Kuren“ des FDGB zuständig. Dorthin wanderte auch das Manuskript „Zwischen Fichtelberg und Hiddensee“ von Lothar Kempe. Der FDGB-Gutachter tadelte, dass dieser im Urlaub nur „Lehrer, Techniker und Medizinalräte“ kennen gelernt habe. In den Erholungsheimen der Gewerkschaften erholten sich vielmehr in allererster Linie „die besten Arbeiter aus den Fabriken, Schächten und vom Lande“; deren „gewaltige Taten beim sozialistischen Aufbau“ berechtigten sie, den „ersten Platz in unserer Literatur einzunehmen“. Der Autor sollte auch einarbeiten, dass die Seebrücke in Heringsdorf „durch Agenten in Brand gesteckt und völlig vernichtet“ worden sei. „Ziel dieser Brandlegung war, den von der See kommenden Wind auszunutzen, um gleichzeitig mit der Seebrücke das größte Erholungsheim der Gewerkschaften in Heringsdorf ,Solidarität‘ mit in Brand zu stecken und Verwirrung und Unruhe unter den Urlaubern hervorzurufen.“

Durch diesen Einschub ließe sich „überzeugend darlegen, dass es den imperialistischen Kreisen nicht in ihre Rechnung passt, dass so viele Werktätige der DDR durch den FDGB 13 Tage Erholung für nur 30.- DM finden.“ „Die Drehorgeln spielen ,Die Zeit steht für ein himmelblaues Weilchen still‘.“ Diesen besinnlichen Satz hatte der Autor als eine Art Motto in die Einleitung geschrieben und damit einen schweren ideologischen Fehler begangen. Denn der FDGB-Urlauber sollte „nicht abschalten, sondern sich aktiv für das Zeitgeschehen interessieren“: „Es würde sicher in den Kram der imperialistischen Kreise passen, dass ein großer Teil der Menschheit während ihres Urlaubs die Zeit still stehen lässt.“

Nun, die Zeit bewegte sich. Neben dem kämpferischen FDGB-Ferienbetrieb etablierte sich eine weniger uniformierte Urlauber-Massenbewegung. Sechs Auflagen mit insgesamt 650 000 Exemplaren wurden in den 80er-Jahren von „Baden ohne“ verkauft, dem FKK-Führer „zwischen Mövenort und Talsperre Pöhl“, den Lutz Rackow unter dem Pseudonym Friedrich Hagen verfasste. Die Gutachter lobten einhellig diese unter „großer Mühewaltung“ recherchierte, so informative wie anschauliche Pionierleistung, die zunächst 46, in der späteren Fassung „Zwischen Ostsee und Vogtland“ sogar 72 Camping- und Badeplätze erfasste: ein „Motor“ der FKK-Bewegung! Die Publikation spreche „für die Weite und Ungezwungenheit sozialistischer Lebensweise in der DDR“,

Merkel

Frau Merkel (nicht textilfrei)

zumal „mit dem erforderlichen Feingefühl argumentiert“ werde. Allerdings müssten „politisch-ideologische und rechtliche Zusammenhänge zutreffend berücksichtigt“ werden. Es gehe nicht an, „die Entscheidungen der Staatsorgane in Sachen FKK, Umweltschutz, Dienstleistungen zu beurteilen oder gar zu schelten.“ Auch die ehrgeizige Absicht des Cheflektors des Tourist-Verlages, das Nacktbaden zu einer „Prinzipienfrage der marxistischen Weltanschauung oder des realen Sozialismus hoch zu stilisieren“ wurde zurückgewiesen.

Die kulturhistorischen FKK-Traditionen in der deutschen Arbeiterbewegung seien konkret bedingt und „weder allgemeine Verhaltensmuster“ gewesen noch „weltanschaulich fehlerfrei“. Die „Generaldirektion Reisebüro der DDR“ begrüßte besonders die praktischen Hinweise unter den Überschriften „An gemeinsamer Tafel“ und „Nackend um jeden Preis“, die sicher noch durch Themen wie „FKK im Alter“ oder „Die Wirkung von FKK auf das heranwachsende Kind“ ausgedehnt werden könnten. Die Generaldirektion lobte den Hauptzweck des Buches, „von den ohnehin schon überfüllten Stränden an der Ostseeküste auf näher liegende Möglichkeiten im Binnenland zu orientieren.“ Genau gegen diese Tendenz wehrten sich jedoch die „BAT“, die Bezirksausschüsse für Tourismus des Binnenlandes und versuchten das Erscheinen des Buches durch die HV Verlage verhindern zu lassen. Wozu gab es eine Zensurbehörde? Sie äußerten „ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Schaffung zusätzlichen Bedarfs an FKK-Stränden, wobei bereits jetzt nicht die materiell-technischen Voraussetzungen für die Befriedigung der Bedürfnisse gegeben“ seien. Die HV stellte sich jedoch hinter das Buch und genehmigte Riesenauflagen. Immerhin gelang es der Leipziger Polizei zu verhindern, dass die Kiesgrube Naunhof erwähnt wurde. Dort blockierten die parkenden Autos der Nacktbader auch ohne Touristenführer die Autobahn.“

Soweit zur Geschichte dieses Büchleins (108 Seiten)

Lutz Rackow alias Friedrich Hagen

Lutz Rackow alias Friedrich Hagen

Angesichts der weitverbreiteten Prüderie in der ehemaligen BRD hatte das Thema „FKK in der DDR“ für mich und andere schon seinen – ich gestehe es freimütig –  speziellen Reiz. Dass es im DDR Alltag nicht immer leicht war, diese Art von Urlaub zu realisieren zeigt ein ausführlicher Artikel (siehe Präsentation) von Rainer Knapp aus dem Online Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik „Kulturation“ aus dem Jahr 2009.

Zurück zu diesem Buch: Wirklich lesenswert sind die „kulturhistorischen“ Betrachtungen zu dem Thema, dem sich dann auch gesundheitliche Aspekte (Stichwort: UV-Strahlen) anschließen. Und dann folgen detaillierte Beschreibungen der einzelnen FKK-Möglichkeiten in der DDR … Wahrlich eine Fleißarbeit !

Und hätte ich die Zeit, würde ich gerne all die Orte abfahren, um zu sehen, was aus diesen Bademöglichkeiten mittlerweile geworden ist. Die Zeit habe ich aber nicht und deshalb verweise ich auf dieses Buch: Auf das es Anregungen der unterschiedlichsten Art gebe … gewidmet all den werktätigen Menschen der damaligen Zeit.

 

Und wie üblich bei Publikationen, die ich hier präsentiere ein paar Beispiele aus diesem Buch:

 

Beispiel01

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Beispiel03

Beispiel05

Beispiel04

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel10

Beispiel08

Beispiel09

Beispiel11

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Auszug aus dem Buch (Seite 14)

Alexander Fuhrmann – Es brennt, Brüder, es brennt… – „Reichskristallnacht“ – 9.10. November 1938 (TV Dokumentation) (1988)

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Mit den Novemberpogromen 1938 trieben die Nationalsozialisten ihren „Krawallantisemitismus“ auf die Spitze und gingen zum offenen Terror über. Hunderte Synagogen brannten nieder, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, 91 Menschen starben. Tausende Juden wurden in KZ verschleppt.

„Reichskristallnacht“ nannte der Volksmund die Ausschreitungen gegen Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Die Propaganda des Joseph Goebbels sprach vom „spontanen Volkszorn“, doch die Terrorakte waren reichsweit bestens organisiert. Aktivisten der NSDAP zündeten hunderte Synagogen an, zerstörten jüdische Geschäfte und Wohnungen. Es kam zu Plünderungen, 91 Menschen wurden getötet, rund 30.000 jüdische Männer vorübergehend in Konzentrationslager verschleppt. Als Vorwand für die Aktionen diente die Ermordung des deutschen Legationsrates Ernst vom Rath in Paris. Mit dem Attentat hatte der 17-jährige Jude Herschel Grynspan auf die Abschiebung seiner Familie aus Deutschland nach Polen reagiert.

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Die Sendung beleuchtet nicht nur Ursachen und Geschehnisse der “Reichskristallnacht”, sie macht auch deutlich, dass der rassistische Antisemitismus Staatsdoktrin im „Dritten Reich“ war. Die Hetz- und Diffamierungskampagnen der Nationalsozialisten fielen auf einen fruchtbaren Boden, viele Deutsche beteiligten sich an der Judenverfolgung und profitierten von der „Arisierung“ jüdischen Besitzes. Zwei Zeitzeugen kommen zu Wort: Alfred Jachmann, der später nach Auschwitz deportiert wurde, und die Berliner Ärztin Hertha Nathorff, der es gelang, Deutschland zu verlassen. (Quelle: Pressetext)

Das Thema ist hinlänglich bekannt, daran zu erinnern bleibt dennoch eine vordringliche Aufgabe.

Und auch bei dieser Dokumentation wird überdeutlich, dass die erst subtile, späer dann brutale Verfolgung der Juden land auf, landab öffentlich propagiert wurde.

Von wegen: „Ich habe von nichts gewusst“.

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Besetzung:

Sprecher:
Anja Buczkowski
Gert Heidenreich

Buch und Regie: Alexander Fuhrmann

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Die Synagoge in der Frankfurter Altstadt (Max Beckmann)

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Die Synagoge in der Frankfurter Altstadt (09.11.1938)

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Er überlebte Ausschwitz … er verstarb dann im Juli 2002

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„Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein
Jud
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
(Martin Niemöller)