Martin Baxendale – Perfekter Sex – Ein Gebrauchsanleitung (2001)

TitelEigentlich dient dieser Beitrag viel eher dazu, den Blick auf den etliche Jahre sehr erfolgreichen Eichborn Verlag zu werfen, das hier präsentierte durchaus amüsante Büchlein ist quasi nur ein Vehikel.

Also, der Eichborn Verlag:

Der Eichborn Verlag ist ein Buchverlag in Frankfurt am Main. Name und Rechte des Verlags wurden zum 1. November 2011 an die Bastei Lübbe GmbH & Co. KG verkauft.

1980 gründeten der damalige Lektor des Fischer-Verlags Vito von Eichborn und Matthias Kierzek, Miteigentümer der Fuldaer Verlagsanstalt, den Verlag.

Erste größere Verkaufserfolge erzielten Bücher der Cartoonisten Erich Rauschenbach und Walter Moers. 1989 übernahm Eichborn die von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene Reihe Die andere Bibliothek des Greno-Verlags. Eichborn Hörbuch erschien bis 2009 unter dem Namen Eichborn Lido.

1992 nahm das Verlagsprogramm zusätzlich Merchandising-Produkte auf, was die inzwischen angeschlagene wirtschaftliche Lage nicht besserte.

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Vito von Eichborn stieg 1995 aus dem Verlag aus und übergab seine Anteile an den bisherigen Miteigentümer Matthias Kierzek. 2000 ging die Eichborn AG an die Börse. Im selben Jahr wurde das Berliner Büro für Berufsstrategie GmbH übernommen, bereits 2003 jedoch wieder an seinen Gründer zurückverkauft.

Das Unternehmen wechselte im Jahr 2010 vom General Standard des Regulierten Marktes in den Entry Standard (Open Market) an der Frankfurter Wertpapierbörse. Mehrheitsaktionär war 2011 eine Zeitlang Matthias Koch, Verleger des Aufbau-Verlags.

Für 2011 war im Rahmen einer Fusion mit dem Aufbau-Verlag ein Umzug des Eichborn Verlags nach Berlin geplant. Die 48 Mitarbeiter kämpften gegen den Umzug, da er mit betriebsbedingten Kündigungen verbunden sein sollte.[5] Am 16. Juni 2011 meldete der Eichborn Verlag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz an, womit die Fusion mit dem Aufbau-Verlag geplatzt war. Im November 2011 wurde jedoch bekanntgegeben, dass Die Andere Bibliothek als eigenständiger Verlag mit Sitz in Berlin innerhalb der Aufbau-Gruppe weitergeführt werden soll.

Ende September 2011 gab der Insolvenzverwalter bekannt, dass der Verlag zum 30. Juni 2012 endgültig eingestellt werden sollte, da der Gläubigerausschuss sämtliche Übernahmeangebote abgelehnt hatte. Ein Frühjahrsprogramm 2012 sollte es demnach nicht mehr geben, erste Mitarbeiter sollten bereits Ende 2011 den Verlag verlassen.[10] Dann jedoch übernahm die Kölner Bastei Lübbe Verlag rückwirkend zum 1. November den Verlagsnamen, das Verlagslogo, die Websites, das Warenlager, die Rechte des Verlages Eichborn sowie einige Mitarbeiter und Autorenverträge.[11] Als Verlagsleiter fungiert Felix Rudloff, der im September 2012 in der Geschäftsführung von Bastei Lübbe aufrückte.

Neben der Fliege waren Bilderbücher und Kalender über Yoga-Kühe, die einigermaßen akrobatisch daher kommen, fast ein Wahrzeichen. Die Bilderbücher wurden 2012 aus dem Verlags-Programm genommen, die Yoga-Kuh-Kalender erscheinen 2014. (Quelle: wikipedia)

Ich jedenfalls habe mir im Lauf der Jahre so etliche Veröffentlichungen dieser Verlages käuflich erworben und ich fand es damals jammerschade, dass ein kleiner Querdenker-Verlag das Handtuch werfen musste … und dass er eben beim Bastei-Lübbe-Verlag Unterschlupf gefunden hat, finde ich auch nicht sonderlich tröstlich.

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Website aus dem Jahr 2014

Aber nun zu diesem Büchlein. Sex sells, das dachte sich auch der Brite und veröffentlichte geradezu eine Flut von humoristischen Sex-Ratgebern, davon sind allein im Eichborn Verlag mindestens vier in einer deutschen Übersetzung erschienen. Und natürlich wird in diesem Büchlein (34 Seiten) jene Sex-Welle karikiert, bei der es darum ging, mit möglichst ausgefallenen „Varianten“ das eigene Sex-Leben aufzumöbeln … ich will jetzt gar nicht so tun, als wäre diese Sex-Welle völlig unbeeindruckt an mir vorbei

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Martin Baxendale

gerauscht … heute im Rückblick erlaube ich mir gelegentlich ein kleines Schmunzeln … über jene Torheiten (aber ich will auch nicht verhehlen: all diese Erfahrungen hatten schon auch irgendwie seinen Sinn … ). Aber genug der privaten Erinnerungen, hier ist sie:

Die ultimative Gebrauchsanleitung für das Lotterbett. Rüttel und schüttel Dich von Seite zu Seite, vom Anfang bis zum Schluß, denn hier gibt es viel zu sehen, noch mehr zu spüren und immer wieder etwas Neues zu lernen. Martin Baxendale weiß wovon er spricht: Perfekter Sex!

Und über den Autor weiß der Bastei-Lübbe Verlag zu berichten:

Martin Baxendale ist das Synonym für lustige Lösungen alltäglicher Probleme, vom neuen Baby bis zu Sex ab 50 – und fester Bestandteil des Eichborn-Programms. In bisher über 20 Büchern sind seine Tipps auf deutsch festgehalten, sie erscheinen auch in Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Tschechei, Polen und China.
Na denn, hier ein paar Beispiele aus diesem Büchlein, bevor es dann zur Präsentation geht:

 

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Aktuelle website

Andrea Schmidt-Niemeyer – Frauen zwischen Petticoat und Werkbank (2001)

TitelDass Dissertationen (diese hat 340 Seiten !) immer so sperrige Titel haben müssen ! Denn eigentlich heißt diese Dissertation: „Frauen zwischen Petticoat und Werkbank – Geschlechterverhältnisse in der deutschen Nachkriegsgesellschaft – Eine Analyse anhand exemplarischer Paardarstellungen (Schwerpunkt 1945-1960).“ Aber das ist auch nur eine Marginalie im Vergleich zu dem, was diese Dissertation aus dem Jahr 2001 zu bieten hat:

„Die vorliegende Arbeit versucht anhand des Motivs der Paardarstellungen in der Bildenden Kunst die Frage zu beantworten, ob und inwieweit sich die Sozialisation der Frauen in der Nachkriegszeit in den beiden deutschen Staaten unterscheidet. Bildanalysen und Exkurse, die z.B. die rechtliche Stellung der Frauen in der DDR und der BRD genauer untersuchen, wechseln dabei einander ab, sollen sich gegenseitig ergänzen und erweitern. Da in den frühen bundesrepublikanischen Jahren die ungegenständliche Kunst vorherrschend war, sind in manchen Zeitbereichen die DDR-Beispiele quantitativ überlegen – das wird u.a. dadurch etwas ausgeglichen, dass bei der „West-Kunst“ noch Bildmaterial aus dem Film- und Werbebereich hinzugezogen wird. Im Gesamten ist die Arbeit chronologisch gegliedert und dann nochmals in verschiedenen Themenschwerpunkten (Trümmerfrauen, Liebespaare, Artistendarstellungen o.ä.) unterteilt.“

Andrea Schmidt-Niemeyer leistet sich am Anfang ihrer Arbeit den notwendigen Luxus, auf die „Geschlechterkonstellationen in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus“ hinzuweisen und bereits da springt einen geradezu diese großartige Liebe zum Detail an.

Beispiel01Und so geht es dann weiter. Mit Akribie studiert sie die Geschlechterverhältnisse jener Jahre anhand der darstellender Kunst und es ist einfach nur ein Genuss, dieses Werk zu lesen .. das kann man auf einmal kaum bewältigen, aber in Häppchen ist das möglich und mehr als gewinnbringend für jemanden, der sich für geschichtliche Entwicklungen – die ja auch ihren Bedeutung für private Beziehungen hat – interessiert.

Und ganz besonders imponiert hat mir ihr Schluss-Plädoyer:

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Und nun noch ein paar Illustrationen (insgesamt sind es 166 Illustrationen) aus dieser mehr als wertvollen Dissertation (leider in eher geringer graphischer Qualität, das ist aber auch der einzige Schwachpunkt dieser Dissertation):

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Nun aber zur Präsentation:

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Roland Wolf – Das schönste Land – Historische Lieder aus dem deutschen Südwesten (2001)

TitelEin prachtvolles Beispiel für gelungene musikalische Heimatkunde ist diese Broschüre, die im Rahmen der Reihe “Politik & Unterricht” von der “Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg” aufgelegt wurde.

Und ausnahmsweise darf ich mal aus dem Grußwort der für dieses Projekt zuständigen Ministerin zitieren:

„Was mögen sie gefühlt haben, die Bauern, als sie nach dem vergeblichen Kampf gegen adlige und geistliche Herrschaften, die althergebrachte bäuerliche Rechte schmälerten, das „Triumphlied über die Bauern“ hörten – gesungen vielleicht von Soldaten in einer Dorfschenke? Ein Lied, in dem das Strafgericht und die Rache der Sieger gefeiert wurden, in dem die Bauern verspottet und gedemüdigt wurden?

Welche Trauer und welches Entsetzen mögen die Calwer gespürt haben, wenn sie das „Klaglied über die Zerstörung Calws“ sangen und die Verwüstung ihrer Stadt im Dreißigjährigen Krieg in der Erinnerung lebendig wurde?
Und noch ein drittes Beispiel: Da singt eine Mutter ihrem Kind ein „Badisches Wiegenlied“, ein Lied voller Grausamkeiten, voller Bedrohungen,
voller Ironie – ein Schlaflied, das keines ist, sondern eine politische Botschaft, verborgen hinter einem zunächst harmlos scheinenden Kinderlied. Was lässt sich hier vom politischen Klima der Restauration spüren, von der Angst und der Wut der Menschen, aber auch von ihrem Aufbegehren und ihrer Sehnsucht nach Freiheit?
Besser als viele andere Quellen lassen Lieder die Gefühle erkennen und verstehen, die hinter den historischen Ereignissen stehen, lassen sie die Menschen vergangener Zeiten erahnen, ihre Freude, ihre Wut, ihre Trauer und ihr Entsetzen. Deshalb bringen historische Lieder nicht nur methodische Abwechslung in den Geschichtsunterricht, sondern ermöglichen oft auch eine andere Sichtweise auf die Geschichte, einen Einblick in die Herzen der Menschen.
Das Besondere des vorliegenden Heftes der Landeszentrale für politische Bildung ist – neben der methodischen Anregung für einen anschaulichen und lebendigen Unterricht – der regionale Bezug: es sind Lieder aus dem Land, die hier vorgestellt werden, Materialien, die in gängigen Werken kaum zu finden sind. Sie ermöglichen, sich mit einem Stück Lokal- und Regionalgeschichte auseinanderzusetzen und die „große“ Geschichte im Nahbereich deutlich zu machen.  (Johanna Seebacher, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport)

Und auch der Autor macht nochmal deutlich, in welchem Kontext man diese Beschäftigung mit historischen Volkslieder sehen sollte:

„In Liedern kristallisieren sich individuelle Gefühle und Ansichten, aber auch soziale und historische Erfahrungen. Deshalb enthalten sie viele Möglichkeiten, Einblicke in eine Zeit zu bekommen. In mancher Hinsicht sind sie rein verbalen Quellen überlegen:
1. Sie stehen oft den Ereignissen besonders nahe. Sie sind häufig wenig distanziert, deutlich perspektivisch und damit authentisch.
2. Viele Lieder entstanden in Schichten, über die auf andere Art und Weise wenig Erkenntnisse möglich sind.
3. Die Musik spricht nicht nur den Verstand an. Es werden Emotionen, Affekte, Appelle an Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl von Gruppen vermittelt. Diese Bereiche lassen sich in anderen Quellen kaum gleich gut fassen, damit werden mentalitätsgeschichtliche Erkenntnisse möglich.
4. Lieder können schlagwortartig Informationen für die Zeitgenossen transportieren, oft mit einer deutlichen Wertung versehen.“

Eine wirklich lohnenswerte Lektüre, die einen dazu verleiten kann, mal wieder in dem großartigem „Anti-Geschichtsbuch“ von Bert Engelmann zu schmöckern … auf dass man nicht vergessen … ihr wisst schon: Ihr da oben – wir da unten …

Hier ein paar Beispiele aus dem Heft (59 Seiten):Beispiel1

Beispiel2Beispiel3

Beispiel4Beispiel5Ich habe dem Informationspäckchen dann noch gleich 3 Lieder aus diesem Heft beigelegt:

Titel:
01. Loblied der Badener 3.10
02. Der reichste Fürst 3.40
03. Hohenzollernlied 2.07

Autor dieses Heftes:
Roland Wolf, Studiendirektor, Bildungszentrum Nord Reutlingen, Lehrbeauftragter für Geschichte am Staatlichen
Seminar für Schulpädagogik (Gymnasien), Tübingen; Fachberater des Oberschulamtes Tübingen;

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Siegfried Völlger (Hrsg.) – Es fielen Töne in die Stille – Musik und Poesie (2001)

TitelVielleicht wird es solche kleinen, liebevoll zusammengestellten Büchlein bald nicht mehr geben,

Aber ein Buch mit dem Untertitel „Musik und Poesie“ musste damals im Jahr 2001 natürlich mein Interesse wecken. Die poetischen Zeilen zusammengestellt hat Siegfried Völlger (Buchhändler in Augsburg und ebenfalls im lyrischen Bereich aktiv).

Und so finden sich hier meist eher leise Gedanken von

  • Friedrich Hölderlin
  • Rainer Maria Rilke
  • Michael Hamburger
  • William Carlos Williams
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Gotthold Ephraim Lessing
  • Theodor Storm
  • Theodor Fontane
  • Novalis
  • Heinrich Heine
  • Friedrich Nitzsche
  • Wilhelm Busch

Diese Aufzählung ist natürlich nicht abschließend … Wie gesagt: kein Bestseller, in den Spiegel-Charts war das Büchlein sicher auch nie, und dennoch: Gerade solche Kleinigkeiten erfreuen mein Herz.

Beispiel02

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