Steffen Maretzke (Hrsg.) – Städte im demografischen Wandel – Wesentliche Strukturen und Trends des demografischen Wandels in den Städten Deutschlands (2008)

TitelSeit jeher interessieren mich sehr viele Themen (eigentlich bräuchte ich ja eh einen 48 Stunden Tag) und bereits in den frühen 70er Jahren begann ich micht intensiver mit Kommunalpolitik zu beschäftigen. Einfach deshalb, weil Kommunalpolitik an unmittelbarsten nicht nur in das Leben von Menschen einggreift, sondern das Leben von Menschen gestaltet und prägt.

Und zu einer „vernünftigen“ Kommunalpolitik gehört es halt unverzichtbar dazu, auch eine vorausschauende Städteplnung zu betreiben. Und die aktuelle Städteplanung steht wohl ganz im Zeichen des sog. „demographischen Wandels“.

Und mit diesem beschäftigte sich auch eine Fachtagung im Jahe 2008. Veranstalter war das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Der dazu gehördene Materialband (125 Seiten) steht hier nun zur Einsicht bereit.

Aus der Ankündigung dieses Materialbandes:

Um ein realistischeres Bild über die demographische Entwicklung zu erhalten und die Vielfalt städtischer Entwicklungen zwischen Suburbanisierung und Reurbanisierung herauszuarbeiten, haben der Arbeitskreis „Städte und Regionen“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Bonn gemeinsam vom 6. – 7. Dezember 2007 in Berlin eine Tagung initiiert. Dort wurden auf die vielen offenen Fragen anhand von Fakten und Trends kompetente Antworten diskutiert.

In letzter Zeit mehren sich positive Aussagen über die Entwicklung der Städte: „Wohnen in der Stadt wird zunehmend wieder beliebt“; „Wir erleben eine Renaissance der Innenstädte“ − so oder ähnlich lauten die Überschriften vieler aktueller Beiträge.

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland, dann zeigt sich eine Gleichzeitigkeit von Städten mit wachsender, stagnierender oder schrumpfender Bevölkerung. Die Prognosen unterschiedlicher Forschungsinstitute lassen erwarten, dass wir es auch in Zukunft mit einem Nebeneinander von Schrumpfung, Stagnation und Wachstum zu tun haben werden. Geht also die Zeit der Stadtflucht, der Prozess der Suburbanisierung allmählich zu Ende? Gibt es Anzeichen für eine anhaltende, echte Trendwende, für vermehrte Land-Stadt-Wanderungen, für eine Rückwanderung in die Stadt und damit für eine zunehmende Reurbanisierung?

Demographische Entwicklung in Deutschland

In der vorliegenden Arbeit stellen Referenten dieser Tagung die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vor, die sie im Rahmen der Tagung präsentierten. Die Palette der Beiträge ist dabei groß. Neben zentralen Themen wie Suburbanisierung und Reurbanisierung werden auch kleinräumige Strukturen und Trends der demographischen Entwicklung diskutiert. Zahlreiche konkret stadtbezogene Analysen und Prognosen illustrieren, wie vielfältig die demografische Entwicklung der Städte ist. Die Strukturen und Trends der demographischen Entwicklung werden hier auch im innerstädtischen Kontext thematisiert. Hervorhebenswert ist im Zusammenhang mit dieser Tagung auch, dass es den Organisatoren im Vorfeld gelungen ist, gemeinsam mit der Mehrzahl der beteiligten Referenten eine kurze Diskussionsgrundlage zu den wesentlichen Strukturen und Trends des demographischen Wandels in den Städten Deutschlands zu formulieren, in der sie sich gemeinsam zu vielen der relevanten Fragen positionieren. Der Verlauf der Tagung zeigte, dass dieses Vorgehen von den Teilnehmern sehr positiv aufgenommen wurde, was sie den Beteiligten mit einer aktiven und differenzierten Diskussion dankten. Diese „Thesen“ wurden der vorliegenden Publikation vorangestellt.

Die Tagung, die von der Fachöffentlichkeit mit großem Interesse aufgenommen wurde, wird im Dezember 2008 ihre Fortsetzung finden. Dann werden die Ländlichen Räume im Mittelpunkt des Interesses stehen, die im Ergebnis der Bevölkerungsentwicklung ja vor nicht weniger großen Herausforderungen stehen.

Bei diesem Materialband handelt es sich um Heft 125 des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (2008).

Und weil die hier diskutierten Themen eben nicht stastisch sind, muss man ergänzen, dass sich die Frage des Einflusses der demographischen Entwicklung auf die Städteplanung nun um mindestens ein Thema erweitert haben muss: Durch den stark ansteigenden „Zustrom“ von Migraten (EU-Bürger und Asylbewerber) verändern sich die Fragestellung z.T. radikal.

So wird die Beschaffung von Wohnraum ein zunehmend drängenderes Thema, denn gerade Menschen mit eher geringem Erwerbseinkommen werden es zunehmend schwieriger haben, geeigneten Wohnraum zu finden. Und wenn dann diese noch spärlich vorhandene Wohnraum auch noch durch „Ausländer“ beansprucht werden wird, dann steckt hier ganz sicher ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Ich kommen ja auch München und weiss, von was ich da rede.

Und wenn daher dieser Materialband ein wenig veraltet ist, es lohnt sich dennoch darin zu blättern. Bietet er doch neben allgemeinen, wissenschaftlich vermutlich fundierten Thesen auch ganz praktische Beispiele (z.B. aus den Städten Hamburg, Hannover, Kiel und Mannheim).

Klar, die Materie mag einem staubtrocken vorkommen, doch, es führt kein Weg daran vorbei: Eine verantwortungsvolle Städteplanung, die sich an den Bedrüfnissen der Menschen (gleichgülitg in welcher Lebensphase sie sich befinden) ist der Kern unserer Zukunft (und ich als Vertreter der reiferen Jugend füge hinzu: ist Kern der Zukunft meiner Kinder und Kindeskinder).

Hier ein paar erste Eindrücke zu diesem Band, bevor es dann zur Präsentation geht:

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Aus dem Inhaltsverzeichnis (Auszug)

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Many fantastic colors (fast schon ein Kunstwerk)

Many fantastic colors (fast schon ein Kunstwerk)

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Weihnachten 2019: Aldi – Inspiriert 04/2008 (Kundenzeitschrift)

TitelIch weiß, es mag gewagt sein, hier eine Kundenzeitschrift des Discounters Aldi zu präsentieren.

Und ja, ich kenne alle nur denkbaren Kritikpunkte an Aldi, Lidl & Co.

Ich weiß aber auch, dass all die biobewussten „Ernährungsaposteln“ (ich nenn´ das jetzt mal so keck) sich schon auch klar machen müssen, dass diese so ganz bewusste Ernährung schon auch einen gewissen fetten Geldbeutel voraussetzten und ich weiß nur zu gut, dass dieser bei all zu vielen Menschen eben nicht vorhanden ist.

Und von daher: ja … auch Aldi hat hier seinen Platz, zumal mich die Aldi Kundenzeitschrift ein paar begleitet hat (das waren all jene Jahre, in denen ich einen Single-Haushalt zu organisieren hatte und ich meinen Töchtern aber auch meinen damaligen Partnerinnen schon auch kulinarisch ein wenig bieten wollte).

Und ich fand die Anregungen, die in den jeweiligen Kundenzeitschriften enthalten war für mich, als eher unbedarften Hausmann immer sehr praktisch.

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Weitere Kundenzeitschriften von Aldi aus den Jahren 2006 und 2007

Und ich weiß, Weihnachten/Sylvester 2019 steht vor der Tür (kann man ja auch in all den Geschäften, ob sie nun Aldi, Rewe heißen, sehen … auch die Biomärkte haben längst „aufgerüstet“).

Diese Kundenzeitschriften erschien damals bei Aldi vierteljährlich und man konnte sie kostenlos mitnehmen … Hier das Heft IV/2008 … das sich thematisch auf Weihnachtsrezepte aus den Ländern Deutschland, Österreich und die Schweiz bezieht.

Und auch heute noch finde ich interessante Anregungen und nachdem ich heuer wohl die für Familienfeier für die Nachspeise zuständig bin … habe ich mich bereits inspirieren lassen … mehr verrate ich aber nicht …

Gefunden habe ich das Heft nicht im Keller, sondern in unserer kleinen Kochbibliothek in der Küche.

Und natürlich: Die Aldi – Marktstrategen verstanden ihr Handwerk … mit all ihren stimmungsvollen Bildern …

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Recherche International e.V. (Hrsg.) – Die dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Unterrichtsmaterialen zu einem vergessenem Kapitel der Geschichte) (2005) (2. Auflage 2008)

Titel.jpgUnd nun eine Präsentation, die nicht nur hier viel Raum einnahmen wird, sondern eine Präsentation, die mich in den letzten Tages sehr heftig beschäftigt hat:

Die hiesige Geschichtsschreibung wie die gängigen Schulbücher über das Zwanzigste Jahrhundert stellen den Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich aus europäischer Sicht dar. Früh übt sich so nicht nur Eurozentrismus, sondern auch Geschichtsrevisionismus. Birgit Morgenrath und Karl Rössel stellen historische Fehlwahrnehmungen dar und korrigieren sie.1

Mit der eher symbolischen als realen Entschädigung von Zwangsarbeitern durch die im Jahre 2000 begründete Bundesstiftung „Erinnern, Verantwortung und Zukunft“ versuchte schließlich auch die Bundesregierung, einen Schlussstrich unter die deutsche Verantwortung für die faschistischen Verbrechen zu ziehen. Tatsächlich waren, als die Stiftung ihre Zahlungen 2007 einstellte, die meisten der Opfer längst verstorben. Dass Millionen Kolonialsoldaten aus aller Welt gegen die deutschen Kriegstreiber kämpfen mussten und für die Befreiung Deutschlands und Europas vom Faschismus ihr Leben ließen, spielte in den historischen Debatten hierzulande bis in die jüngste Vergangenheit ebenfalls keine Rolle. Nicht einmal die deutschen Kriegsverbrechen an gefangenen Kolonialsoldaten waren ein Thema. Selbst die viel diskutierte „Wehrmachtsausstellung“ beschränkte sich auf Dokumente über deutsche Kriegsverbrechen in Osteuropa in den Jahren 1941 bis 1944. Dabei verübte die deutsche Wehrmacht auch schon 1940 bei ihrem vermeintlich „sauberen“ Westfeldzug zahlreiche Massaker an afrikanischen Kolonialsoldaten, die auf französischer Seite gekämpft hatten und in deutsche Gefangenschaft geraten waren.

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Ebensowenig bekannt ist, dass auch die deutsche Wehrmacht Tausende Soldaten aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Indien sowie Hunderttausende aus den besetzten muslimischen Provinzen im Süden der Sowjetunion für Fronteinsätze rekrutierte. Tatsächlich gab es im Zweiten Weltkrieg in der Dritten Welt nicht nur Opfer, sondern auch Sympathisanten der faschistischen Mächte, die zu Mittätern wurden. Dazu gehörten z.B. politische und religiöse Führungspersönlichkeiten in Palästina und anderen arabischen Ländern, die mit den Nazis kollaborierten, sowie die Militärregenten Thailands und Teile der indischen Unabhängigkeitsbewegung, die auf Seiten Japans in den Krieg zogen. Obwohl diese Facetten der Geschichte in den Konflikten im Nahen Osten und in der Politik autoritärer Militärregimes in Asien noch in der Gegenwart nachwirken, werden sie wenig beachtet.

So beginnt zum Beispiel in einem Schulbuch über die Zeit „vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gegenwart“ eine „Chronik des Nahost-Konflikts“ erst 1948/49 mit der „Gründung des Staates Israels“.3 Damit wird sowohl der Holocaust als zentraler Grund für die Massenflucht von Juden nach Palästina ausgeblendet als auch die Politik arabischer Kollaborateure des NS-Regimes, die drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Palästina erneut zum „Krieg gegen die Juden“ aufriefen. Ein weiteres Schulbuch enthält zwar ein gesondertes Kapitel über den „außereuropäischen Kulturraum Indien“ und dessen Kolonialgeschichte. Aber auch darin kommt der Zweite Weltkrieg nicht vor, obwohl 2,5 Millionen indische Soldaten auf Seiten der Alliierten kämpften und einige Tausende auch in einer Indischen Legion der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS. Dass die indische Unabhängigkeitsbewegung mit ihrer Mobilisierung gegen die militärische Ausplünderung des Subkontinents während des Zweiten Weltkriegs das Ende der britischen Kolonialherrschaft einläutete, erwähnen die Autoren des Indienkapitels für den Schulunterricht nicht. Ihre Version der Geschichte lautet: „Es dauerte lange, bis die britische Regierung endlich erkannte, dass Indien als Kolonie nicht zu halten war. 1947 erhielt Indien seine Unabhängigkeit zurück.“

Beispiel53.jpgErinnerungslücken:

Die Verbündeten Nazideutschlands gingen mit ihrem Anteil an Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg ähnlich fragwürdig um. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, griffen italienische Historiker erst in den 1990er Jahren bis dahin unterbelichtete Aspekte der Geschichte auf – wie etwa die Rolle Italiens im Krieg der Achsenmächte, die italienischen Kriegsverbrechen in besetzten Ländern wie Jugoslawien und Griechenland sowie die Verfolgung italienischer Juden. Die Massenmorde in Nordafrika, wo italienische Truppen in der Region um die Stadt Tripolis und in der Wüstenprovinz Cyrenaika ab 1922 mit brutaler Gewalt gegen die aufständische Bevölkerung vorgingen, bis sie das Land 1934 endlich als „vereinigte“ Kolonie Libyen unter ihre Kontrolle gebracht hatten, blieben ein halbes Jahrhundert lang ebenso unbeachtet wie die Kriegsverbrechen in Äthiopien in den Jahren der italienischen Besatzung von 1935 bis 1941. Erst 1996 räumte das italienische Verteidigungsministerium erstmals den systematischen Einsatz von Giftgas während des „Abessinienkriegs“ ein. Verantworten musste sich dafür niemand.

Ähnlich wie in Deutschland fühlten sich auch in Japan viele Überlebende des Zweiten Weltkriegs eher als Opfer – etwa der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, an die in jedem Jahr mit großem Aufwand erinnert wird – denn als Täter. Erst im Jahre 1989, nach dem Tod von Kaiser Hirohito, der nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt im Amt geblieben war, gab es eine öffentliche Auseinandersetzung über Japans Militarismus, Imperialismus und Kriegsschuld. Dennoch besuchten die Premierminister und andere Regierungsvertreter auch weiterhin den berüchtigten Yasukuni-Schrein, in dem auch Kriegsverbrecher wie General Matsui, der Verantwortliche für das Nanking-Massaker, geehrt werden.

Selbst über offizielle Proteste der Volksrepublik China und anderer asiatischer Regierungen setzten sich bis in die jüngste Vergangenheit Jahr für Jahr bis zu 150 japanische Parlamentarier und Minister hinweg, die an den Wallfahrten zu diesem Schrein teilnahmen. Zwar hat sich im Jahr 2005, zum 60. Jahrestag der Kapitulation Japans, Premierminister Junichiro Koizumi offiziell bei den Staaten Asiens, insbesondere China und Korea, für das ihnen im Zweiten Weltkrieg zugefügte Unrecht entschuldigt. Aber im Jahr darauf beteiligte auch er sich wieder an dem provozierenden Ritual am Yasukuni-Schrein.

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Die Koizumi-Regierung ist auch dafür verantwortlich, dass das Nanking-Massaker und die Verschleppung von rund 200.000 asiatischen Frauen in Bordelle der japanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs nur noch in einem von acht neu veröffentlichten Geschichtsbüchern für die japanischen Schulen erwähnt wird, was ebenfalls zu Protesten in China und Korea führte.5

Alliierte Verdrängungen:

Auch die Staaten der antifaschistischen Kriegskoalition haben ihre Kolonien während des Zweiten Weltkriegs durch massenhafte Zwangsrekrutierungen, Zwangsarbeit und Zwangsabgaben militärisch ausgenutzt und sich dabei zahlreicher Kolonial- und Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Auch in ihren Geschichtsschreibungen war davon bis jüngst kaum die Rede. Noch im Februar 2005 entwarf z.B. die französische Regierung ein Gesetz, wonach Geschichtsbücher in Frankreich „die positive Rolle der französischen Präsenz in seinen überseeischen Kolonien, insbesondere Nordafrika, anerkennen“ sollten.6 Die staatlich verordnete Geschichtsklitterung, die sich vor allem auf die französische Kolonialvergangenheit in Algerien beziehen sollte, löste in der französischen Öffentlichkeit eine erregte Debatte aus. Schließlich hatte Frankreich in Algerien nicht nur Zehntausende Soldaten für den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie für seinen Kolonialkrieg in Indochina (zwangs-)rekrutiert, sondern französische Truppen hatten in dem Befreiungskrieg, den die Algerier von 1954 bis 1962 für die Unabhängigkeit ihres Landes führen mussten, auch ein Sechstel der algerischen Bevölkerung umgebracht, fast eineinhalb Millionen Menschen. Die nordafrikanischen Einwanderer in Frankreich erinnerten an diese keineswegs positiven Aspekte der Geschichte; und die Jugendrevolte in den Migrantenvierteln der Banlieus Ende 2005 brachte den Plan der Pariser Regierung zur Beschönigung der französischen Kolonialgeschichte zu Fall. Bei ihren Protesten verwiesen Jugendliche, deren Familien aus dem Maghreb stammten, auch darauf, dass ihre Väter und Großväter für Frankreich in den Krieg gezogen waren, aber niemals angemessene Renten und Entschädigungen dafür bekommen hatten, und dass auch Kinder und Enkel von Veteranen heute ein Visum beantragen müssten, um das Land zu betreten, für das ihre Vorfahren ihr Leben eingesetzt hätten.

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In Frankreich dauerte es sechs Jahrzehnte, bis die Regierung erstmals offiziell der afrikanischen Kolonialsoldaten gedachte und französische Kriegs- und Kolonialverbrechen in Afrika nicht mehr schlichtweg leugnete. Dazu gehörten z.B. ein Massaker im Jahre 1944 an Kriegsheimkehrern aus dem Senegal, die ihren Sold forderten, und die Ermordung Tausender Algerier, die am Tag des Kriegsendes, dem 8. Mai 1945, für die Unabhängigkeit ihres Landes demonstrierten.

Auch ein Aufstand gegen die französische Kolonialherrschaft in Madagaskar im Jahre 1947 war eine direkte Folge des Zweiten Weltkriegs. Denn neben Bauern waren es vor allem demobilisierte Kolonialsoldaten, die mit dem Sturm auf eine französische Garnison den Kampf um ihre nationale Befreiung einleiteten. Bei der Niederschlagung dieser Revolte durch französische Truppen kamen bis zu 40000 Aufständische ums Leben. Bei einem Staatsbesuch in Madagaskar im Juli 2005 gestand der französische Präsident Chirac dieses Massaker zumindest indirekt erstmals ein, als er sagte: „Man muss über diese dunklen Kapitel unserer Geschichte sprechen. Man muss die Opfer ehren, die ungerechtfertigt ihr Leben verloren haben. Man darf sie nicht vergessen.“ Entschuldigt hat er sich nicht.

Auch die britische Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg und die Rolle des britischen Empires darin sparte Jahrzehnte lang die Auswirkungen des Kriegs auf die Kolonisierten aus. John Hamilton, im Krieg Zugführer und Fernmelde-Offizier in der 81. westafrikanischen Division, kritisiert, dass selbst die ausführlichste englischsprachige Geschichte über die Schlacht um Burma die 65000 Kolonialsoldaten aus Westafrika, die dort auf Seiten der Alliierten gekämpft haben, in gerade mal vier Zeilen abhandelt.

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Im Jahr 1998 wurde der „Memorial Gates Trust“ gegründet, eine Stiftung, die Geld sammelte, um endlich auch die Millionen „Freiwilligen“ aus Indien, Afrika und der Karibik, die unter britischem Kommando im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, mit einem Denkmal zu ehren. 57 Jahre nach Kriegsende, am 6. November 2002, weihte die britische Königin, Queen Elisabeth, den kleinen Gedenkpavillon ein. Ein Jahr später erschienen – unter dem Titel „We also served“ („Auch wir haben gedient“) – die ersten Unterrichtsmaterialien für britische Schulen über den Beitrag von Kolonialsoldaten im Zweiten Weltkrieg.8

Aus der Geschichtsschreibung über US-amerikanische Kolonialsoldaten (aus Hawaii, Guam und den Philippinen) und australische (aus Neuguinea und von den Inseln der Torres-Straße) sowie über die Diskriminierung schwarzer Soldaten in den USA (Afro-Amerikaner) und Australien (Aborigines) ließen sich weitere Beispiele für die Verdrängung kolonialen Machtmissbrauchs während des Zweiten Weltkriegs hinzufügen. Nur in den ehemaligen Kolonien selbst, in den betroffenen Ländern der Dritten Welt, waren und sind die Auswirkungen und Folgen dieses Kriegs bemerkenswert präsent.

Lebendige Erinnerungen:

In Afrika, Asien und Ozeanien erinnert bis heute vieles an den Zweiten Weltkrieg. So gibt es z.B. in zahlreichen afrikanischen Städten von Casablanca über Dakar und Ouagadougou bis nach Kapstadt Treffpunkte und Zentren von Kriegsveteranen. In den frankophonen Ländern Afrikas heißen sie „Maisons des anciens combattants“, in den anglophonen „Clubs for Ex-Servicemen“. Vergleichbare Einrichtungen finden sich auch in Indien und auf pazifischen Inseln wie Tahiti. Zahlreiche Sachbücher, Fotobände, Romane und Biographien, populäre Spielfilme, Dokumentationen, Fernseh- und Rundfunksendungen, Ausstellungen, Gedichte und Lieder in vielen Sprachen und aus vielen Ländern der Dritten Welt erinnern an die Einsätze von Kolonialsoldaten auf Kriegsschauplätzen in Europa, Nordafrika, Asien und Ozeanien. In der nordvietnamesischen Stadt Hanoi steht ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und des darauf folgenden dreißigjährigen Befreiungskriegs. In Hongkong dokumentiert ein Museum die Gräuel der japanischen Besatzungszeit. In Thailand erinnert eine Gedenkstätte an das Schicksal der Hunderttausend Zwangsarbeiter, die japanische Militärs beim Bau der Bahnlinie nach Burma zu Tode geschunden haben. Auf philippinischen Friedhöfen stehen Gräber für gefallene Partisanen der antijapanischen Widerstandsorganisationen und auf pazifischen Inseln finden sich Mahnmale für einheimische Freiwillige, die zum Sieg der Alliierten über die japanischen Besatzer beigetragen haben.

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Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist in der Dritten Welt schon deshalb so präsent, weil seine Folgen vielerorts bis in die Gegenwart nachwirken. So führte z.B. in Afrika die Zurichtung der Wirtschaft auf die Bedürfnisse der kriegführenden Mächte zu ökonomischen Abhängigkeiten, die bis heute nicht überwunden sind. Die politische Nachkriegsentwicklung prägten in vielen Kolonien maßgeblich Kriegsheimkehrer, die neben Europäern an der Front gekämpft hatten und nach ihrer Rückkehr gleiche Rechte wie diese forderten. Von Algerien über Ghana bis nach Kenia und Südafrika übernahmen Veteranen führende Rollen in den jeweiligen Unabhängigkeitsbewegungen. Frantz Fanon, Sprecher der algerischen Befreiungsbewegung FLN (Front de Libération Nationale), und Leopold Senghor, langjähriger Präsident des Senegal, sind nur zwei der prominentesten Beispiele dafür. In Asien ging der Zweite Weltkrieg unmittelbar in Befreiungskriege über – so z.B. in Vietnam, Malaysia, Indonesien und den Philippinen – und ehemalige Kolonialsoldaten nutzten dabei ihre im Krieg erworbenen militärischen Erfahrungen. In Ozeanien erwiesen sich die alliierten „Befreier“ nach der japanischen Niederlage als neue Besatzer: Die USA, Großbritannien und Frankreich beschlagnahmten auf zahlreichen Inseln Land für Militärstützpunkte und Atombombentests.

Die Nachkriegsgeschichte der meisten Länder Afrikas, Asiens und Ozeaniens lässt sich aus den genannten Gründen kaum angemessen behandeln, ohne ihre Rolle im Zweiten Weltkrieg zu kennen und zu berücksichtigen. Darum sollte das Thema endlich auch Eingang in den hiesigen Schulunterricht finden. Zwar gehören die Außenpolitik des NS-Régimes, die Judenverfolgung und der Holocaust sowie die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in allen Bundesländern zu den zentralen Lehrinhalten. Aber die Behandlung dieser Themen im Unterricht bleibt weitgehend eurozentriert, allenfalls ergänzt um Exkurse über Japan als Bündnispartner Nazideutschlands, den Feldzug der deutschen Wehrmacht in Nordafrika und die USA als bedeutendste Macht in der antifaschistischen Kriegskoalition der Alliierten. Die Kolonialpläne der Nazis sowie die von Nazisympathisanten unterstützten politischen Interventionsversuche des NS-Régimes in vielen Teilen der Welt bleiben ebenso außen vor wie die Folgen des antisemitischen Verfolgungswahns für Juden außerhalb Europas. Dabei erließen auch die Bündnispartner Nazideutschlands (die Kollaborationsregierung von Vichy in Frankreich, das faschistische Italien und Japan) in den von ihnen kontrollierten Ländern antisemitische Dekrete, die zur Ausgrenzung, Verfolgung und Inhaftierung Hunderttausender Juden führten. Allein in Nordafrika unterhielten die faschistischen Mächte während des Zweiten Weltkriegs mehr als 100 Straf- und Arbeitslager. In Tunesien traf ein Spezialkommando der SS 1942 konkrete Vorbereitungen für den Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Nordafrikas und Palästinas. In Indochina erteilte die französische Kolonialverwaltung jüdischen Beamten Berufsverbote und noch im fernen Shanghai trieben die japanischen Besatzer – auf Druck deutscher Gestapo-Funktionäre – Zehntausende jüdische Flüchtlinge, die vor dem Naziterror aus Europa nach China geflohen waren, in einem Ghetto zusammen, und es kursierten Pläne zu ihrer Ermordung in Gaskammern oder auf abgelegenen Inseln. (Quelle: Forum Wissenschaft 1/2009 – Dieser Beitrag ist die überarbeitete und gekürzte Fassung der Einleitung des Buches Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte, Köln 2008)

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Und diese „Unterrichtsmaterialien“ wurden auch bundesweit in Ausstellungen präsentiert … und natürlich blieb da der Ärger nicht aus:

»Die Ausstellung gibt es ganz oder gar nicht«
Seit dem 1. September ist in Berlin die Ausstellung »Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg« zu sehen. Sie fußt auf Recherchen, die in mehr als 30 Ländern Asiens, Ozeaniens und Afrikas von dem Kölner Journalistenkollektiv »Recherche international« durchgeführt wurden. Einige Tage vor der Ausstellungseröffnung in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen teilte die Geschäftsführerin der Institution, Phi­lippa Ebéné, nach Medienberichten mit, sie werde von ihrem »Hausrecht« Gebrauch machen, wenn nicht ein Teil der Ausstellung aus dieser entfernt werde. Karl Rössel hat sich an den Recherchen für die Ausstellung beteiligt und kuratiert sie.

In dieser Woche beginnt die Ausstellung »Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg«, die auf Tournee durch diverse deutsche Städte geht. Was ist darin zu sehen?

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Auch diese Karte liegt der Präsentation bei

Es geht im Prinzip um die vergessene Hälfte der Geschichte des Zweiten Weltkriegs – nicht um Marginalien, sondern um Millionen von Kolonialsoldaten, Zwangsrekrutierten, Zwangsarbeitern, Zwangsprostituierten, die in unserem Geschichtsdiskurs bis heute kaum vorkommen. Um nur ein Beispiel zu nennen, um welche Dimensionen es hier geht: Allein in China gab es mehr Op­fer als in Deutschland, Italien und Japan zusammen. China stellte 12,5 Millionen Kolonialsoldaten, in der britischen Armee waren von 11 Millionen Soldaten fünf Millionen aus den Kolonien, insgesamt waren es wohl mehr Soldaten aus der Dritten Welt, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben, als aus Europa. Diese Soldaten wurden mehr oder weniger vergessen, und ihre Opfer wurden nicht gezählt. Zum Teil wurden sie ganz bewusst nicht gezählt, weil sie als französische, britische, US-amerikanische oder auf der anderen Seite als deutsche oder italienische Opfer unter deren Opferzahlen subsumiert wurden, weil sie als Kolonisierte nicht als eigenständige Opfer galten.
Unser Hauptziel ist es, der eurozentristischen Geschichtsbetrachtung des Zweiten Weltkriegs die fehlende Perspektive der Welt entgegenzusetzen, die außerhalb Europas, der USA und Japans liegt. Das versuchen wir in der Ausstellung darzustellen, die insgesamt aus 96 Tafeln besteht.

Die Ausstellung sollte in der Werkstatt der Kulturen in Neukölln eröffnet werden, nun ist sie in den Uferhallen im Wedding zu sehen. Was ist passiert?

Birgit-Morgenrath

Birgit Morgenrath

Es gab den Versuch der Geschäftsführung der Werk­statt der Kulturen in Neukölln, die Ausstellung zu zensieren, und zwar um einige Tafeln, die Nazikollaborateure aus arabischen Ländern präsentieren. Es gibt in der Ausstellung zwei kleinere thematische Unterkapitel, das eine behandelt Judenverfolgung außerhalb Europas, weil es beispielsweise auch Lager in Nordafrika gab und ein jüdisches Ghetto in Shanghai und die Nazis sowohl in Nordafrika wie auch in Shanghai versuchten, die Judenvernichtung außerhalb Europas fortzusetzen. Und es gibt ein kleines Unterkapitel zum Thema Kollaboration.
All das ist der Werkstatt der Kulturen seit Anfang des Jahres bekannt, die Konzeption der Ausstellung, mit dem Abschnitt zur Kollaboration, lag im Januar vor, sie ist auf einem Wochenendseminar mit Beteiligung von Afric Avenir, unserem Kooperationspartner, diskutiert worden. Und dann erfuhren wir am 21. August – nicht direkt, sondern über den Umweg über Afric Avenir –, dass Frau Philippa Ebéné, die Geschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen, damit gedroht hat, im Zwei­fel von ihrem »Hausrecht« Gebrauch zu machen, um zu verhindern, dass die Tafeln zu Nazikollaborateuren aus arabischen Ländern in der Werkstatt der Kulturen aufgehängt werden.

Ging es bei der Intervention von Frau Ebéné um alle Tafeln zu Kollaborateuren aus der Dritten Welt?

Es ging nur um die drei Tafeln zum Nahen Osten. Die Darstellung von Kollaborateuren aus Asien, die bei uns wesentlich mehr Platz einnimmt – es geht etwa um das thailändische Militär oder Teile der Unabhängigkeitsbewegung Indonesiens, die mit den Japanern kollaboriert haben, um Burma oder China –, das scheint sie alles nicht zu tan­gieren, auch nicht die Kollaboration in Argentinien.

Hat sie ihre Forderung begründet?

Uns gegenüber hat sie bis jetzt gar nichts begründet. Wir haben dann erklärt, dass die Ausstellung entweder ganz oder gar nicht, keinesfalls aber in einer zensierten Form aufgehängt werden würde.
Es gehört einfach zur historischen Redlichkeit, dass man nicht so tut, als hätte es überall nur Antifaschisten und Befreiungskämpfer und Opfer gegeben, vielmehr gab es rund um den Globus auch Kollaborateure, es gab auch überzeugte Faschisten, es gab Freiwillige in der Waffen-SS auch aus Ländern der Dritten Welt, es gab eine arabische Legion der deutschen Wehrmacht und eine indische, und es gab zahllose Politiker aus verschiede­nen Kontinenten, die in Nazideutschland im Exil waren. Unter anderem der Führer der

Karl Rössel

Karl Rössel

Palästinenser vor dem, während dem und nach dem Zweiten Weltkrieg, der oberste Repräsentant der Araber Palästinas, Hadj Amin al-Husseini.
Und das scheint die Tafel zu sein, die Frau Ebéné besonders stört. Al-Husseini war ja ein überzeugter Faschist, ein fanatischer Antisemit, der den Nazis schon 1933 zur Machtübernahme gratuliert hat, der später einen profaschistischen Putsch im Irak mitinszeniert hat, von 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland im Exil war, eine Residenz hier in Berlin hatte in einem »arisierten« jüdischen Haus, Zehntausende muslimische Freiwillige auf dem Balkan für die Waffen-SS rekrutierte. Und er war am Holocaust beteiligt.

Der Tagesspiegel zitierte Frau Ebéné mit den Worten, »für eine Völkerschau nach dem Motto ›Edler Wilder, böser Wilder‹ stehe die Werkstatt nicht zur Verfügung. Auch bei anderen Ge­denkveranstaltungen« – wobei sie pikanterweise auf solche zu Stauffenberg verweist – »zeige man nicht auf die Kollaborateure. Dass Rössel dies gemacht habe, sei ›rassistisch‹.« Was ist davon zu halten?

Das ist natürlich unerhört, dass sie ausgerechnet uns jetzt Rassismus vorwirft, während sie sich in eine Position begibt, als Leiterin eines interkulturellen Zentrums die Kritik an Nazikollaborateuren zu verhindern. Ich sage es ganz deutlich: Wer die Auseinandersetzung mit Nazikollaborateuren, ganz egal welcher Herkunft, zu unterdrücken versucht, hat in so einer Position nichts verloren. Es kann doch nicht rassistisch sein, wenn man sich mit den Rassisten der Geschichte auseinandersetzt. Wenn es Leuten wie Husseini, dem Palästinenserführer, mit seinen Nazifreunden gelungen wäre, den Krieg zu gewinnen, würde es keine Werkstatt der Kulturen geben, es würde überhaupt keine Migranten in diesem Land geben, um die sich Frau Ebéné dann bemühen könnte.

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Sie hatten mit genau diesem Thema, der Kollaboration in den arabischen Ländern, schon einmal einen Konflikt, im Rahmen einer Hörfunkreihe des SWR 2. Was ist da geschehen?

Es gab eine Auseinandersetzung mit dem Zentrum Moderner Orient (ZMO), die Forschungsstelle hier in Berlin, die mit Landes- und Bundesgeldern die meisten Publikationen zum Thema arabische Welt und Faschismus/Nationalsozialismus herausgebracht hat. Sie entzündete sich an drei Features zu Nazikollaborateuren und ihren deutschen Apologeten für den Südwestrundfunk, und das erste behandelte den Nahen Osten, als Paradebeispiel dafür, wie deutsche Historiker, die sich ansonsten herzlich wenig um die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg kümmern, erstaunlich viel publiziert haben, um Kollaborateure reinzuwaschen und sie als nationale Freiheitskämpfer zu präsentieren.
Das skandalöseste Werk ist das von René Wildangel, einem ehemaligen Mitarbeiter des ZMO, der inzwischen Nahost-Experte der Bundestagsfraktion der Grünen ist und ein Buch über Palästina und den Nationalsozialismus geschrieben hat, in dem sich erstens der Satz findet, es habe unter der arabischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs einen »Konsens« gegeben, an der Seite der Alliierten zu stehen, was jedem, der sich mit dem Thema beschäftigt, lächerlich erscheinen muss, und zweitens behauptet wird, dass Husseini durch sein Exil in Nazideutschland zum Kriegsende völlig abgewirtschaftet hätte und diskreditiert gewesen sei in Palästina und des­halb für keine Funktion mehr in Frage hätte kommen können.
Dass Husseini 1946 zurückkehrte, in der Arabischen Liga wieder zum obersten Repräsentanten der Palästinenser ernannt wurde, vom Palästinen­sischen Nationalrat 1948 zum Präsidenten gewählt wurde, Präsident der Weltmuslimkonferenz war in den sechziger Jahren und sich bis zu seinem Tod 1974 nie von seiner faschistischen Ver­gan­genheit distanziert hat und noch 2002 von Arafat trotz allem als palästinensischer Held gefeiert wurde, das kommt in dem Buch nicht vor. Das habe ich in der Sendung kritisiert. Das ZMO hat eine Gegendarstellung beim SWR verlangt, das Justitiariat des Senders sah dafür keinerlei Grund­lage, aber die Redaktion der Sendereihe »Wissen« hat dann aus der Sendung, die immer noch im Internet stand, sechs Minuten herausgekürzt. Das betraf die Kritik am ZMO. Wildangel hat in der Zeitschrift IZ3W eine Antwort auf meinen Beitrag veröffentlicht, in der neuen Ausgabe habe ich eine Replik darauf publiziert. Die Debatte geht also weiter.

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Welche politische Schlussfolgerung lässt sich aus diesen Erfahrungen, jetzt mit der Werkstatt der Kulturen in Berlin, zuvor mit dem Zen­trum Moderner Orient, ziehen?

Die Gemeinsamkeit ist, dass es in diesem Land eine erschreckend starke Lobby von Leuten gibt, die ich als internationale Geschichtsrevisionisten bezeichnen würde. Die einfach versuchen, einen Teil der Geschichte auszuklammern, auszublenden, umzudeuten, umzuschreiben und so zusammenzuflicken, dass sie auch aktuelle Diskussionsprozesse nicht negativ tangieren kann. Das ist ja die Befürchtung, die die Leute bei Palästina haben.
Aber es ist natürlich klar: Wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt, müsste man aus ihr Konsequenzen ziehen. Und mich verwundert es, dass noch keines dieser ganzen Institute, dieser Islamwissenschaftler, Arabisten, Historiker in diesem Land auf die Idee gekommen ist zu untersuchen, welchen Einfluss es auf den Nahost-Konflikt hatte, dass er nach 1945 wesentlich und an führenden Stellen von Faschisten geführt wurde, oder von Sympathisanten der Nazis, die ihr militärisches und ideologisches Handwerkszeug im nazideutschen Exil erlernt oder mit dem NS-Regime kollaboriert hatten. (Bernd Beier in jungle.world)

Und gerade, dass auch das Thema Kollaborateure nicht ausgeblendet wurde, macht dieses Buch (234 Seiten) so wertvoll … denn dieses ausgeblendete Kapitel des II. Weltkrieges hat einfach auch diese Facette, so bedauerlich man das auch finden mag.

Für mich, als historischer Laie ist dieses Band geradezu vorbildlich hinsichtlich seiner Aufbereitung eines nun wirklich nicht einfachen Themas … von daher verdienen Birgit Morgenrath und Karl Rössel (Rheinisches JournalistInnenbüro) und all die anderen Mitstreiter das größte Lob.

Und die bitterste Erkenntnis dieses Buches ist wohl: Dass wir aus der Barbarei dieser Jahre nicht gelernt haben, denn die Barbarei geht weiter …

P.S. Vorwarnung: Nicht alle Bilder sind für zarte Gemüter geeignet … aber so war, dieser Weltkrieg ….

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Eine der vielen Zeittafeln

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Der Präsentation liegt dann auch noch die CD mit den Originaltönen der beragten Zeitzeugen (Sichtwort: „oral hisotry“) bei:

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Und dann auch noch diese Information:

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… ich habe fertig …

Marilis Lunkenbein + Angela Lenz – Indianer (Frag mich was) (1995 – 2008)

BoxFrontCover1Hier wurden ja immer wieder mal auch alte Kinderbücher präsentiert (und das wird auch so bleiben). Diesmal aber ein etwas „jüngeres“ Kinderbuch, das wohl 1995 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, und dann 2003 und dann auch noch 2008 …

Klar, hier geht´s um Indianer und das besondere an dieser Ausgabe ist, dass es neben einem Buch auch eine CD gibt, die einem dann auch noch akustische entsprechend informiert (garniert mit kindgerechten Liedern zum Thema; Prädikat: nett).

Keine Frage,  beide Autorinnen haben sich viel Mühe gegeben, über alle nur erdenklichen Bereiche indianischen Lebens kind- und sachgerecht zu informieren.

Und man ist schon ein wenig (angenehm) überrascht, wie viel Detailwissen dabei aufblitzt. Aber das wäre dann ja  nicht ich, wenn ich  doch nur zu  gerne am Ende des Buches zumindest ein kleines Quellenverzeichnis hätte finden können, in dem eben die Quellen für all dieses Wissen benannt worden wären.

Abgesehen von diesem Mangel vermute ich mal, dass das Ganze pädagogisch ansprechend aufbereitet wurde, ich hätte allerdings die „lustigen Zeichnungen“ (irgendwelche Indianerknilche turnen über all die Seiten) auch nicht gebraucht.

Aber … ich bin natürlich auch nicht die Zielgruppe dieses „Multimedia“ Werkes *ggg*.

Und die Zielgruppe bekommt es dann morgen überreicht … Mein neunjähriger Enkelsohn muss demnächst für die Schule im Rahmen einer Projektarbeit etwas über den Wilden Westen und Indianer machen … da kann ihm dieses Werk schon ein wenig helfen, vermute ich mal.

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Besetzung:
Angela Lenz (Sprechern)
+
Mathias Hagenah (vocals bei 03.)
Toni Sänger (vocals bei 01. + 05.)

Texte: Angela Lenz
Musik: Mathias Hagenah

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FRont+Back Cover der CD

Titel:
01. Lied: Lied – Hören, staunen und wissen … 1.14
02. Tapfere Häuptlinge und mutige Frauen 10.05
03. Lied: Komm mit in das Land der Indianer 3.38
04. Über Tipis, Wigwams und Wicks – ups – wo wohnten die Indianer 14.01
05. Lied: Indianerkinder 3.01
06. Manitu – die Macht der Natur 2.08
07. Lied – Komm mit in das Land der Indianer (Outro) 1.55

CD1

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Hach, was liebe ich solche heroischen Abbildungen … 

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Dass auch Frauen zu Häuptlingen gewählt werden konnten, war mir z.B. neu (da hätte ich allerdings auch mal gerne ne Quellenangabe gehabt)

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Ein bisschen mehr hätte das Buch über das „Ende“ der Indianer schon berichten können.

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Die Rückseite der Box

Beim Betrachten dieses Buches kam mir dann jener Pur Text in den Sinn, der sich der kindlichen Freude an Indianern und deren „Ideale“ beschäftigt hat:
Wo sind all die Indianer hin
wann verlor das große Ziel den Sinn

Dieses alte Bild aus der Kinderzeit
zeigt alle Brüder vom Stamm der Gerechtigkeit
Wir waren bunt bemalt und mit wildem Schrei
stand jeder stolze Krieger den schwachen bei
Unser Ehrenwort war heilig
nur ein Bleichgesicht betrog
und es waren gute Jahre
bis der erste sich belog
Wo sind all die Indianer hin
wann verlor das große Ziel den Sinn
So wie Chingachgook für das Guten stehn
als letzter Mohikaner unter Geiern nach dem Rechten sehn
Der \“Kleine Büffel\“ spielt heute Boß
er zog mit Papi´s Firma das große Los
\“Geschmeidige Natter\“ sortiert die Post
und in seiner Freizeit sagt er meistens \“Prost\“
Und die Friedenspfeife baumelt über´m Videogerät
wieviel Träume dürfen platzen
ohne daß man sich verrät
Wo sind all die Indianer hin
wann verlor das große Ziel den Sinn
So wie Chingachgook für das Guten stehn
als letzter Mohikaner unter Geiern nach dem Rechten sehn
Es gib noch ein paar wenige vom Stamme der Schoschonen
die finden sich, erkennen sich am Blick
und deren gute Taten kann man nur durch Freundschaft belohnen
sie nehmen ein Versprechen nie zurück

 

 

Busch – Wie wir wurden, was wir sind – Die Geschichte der Firma Busch, Modellspielwaren, Viernheim (2008)

TitelIch mag sie einfach … diese Firmengeschichten und auch wenn ich nie ein so richtiger Modellbauer war, so finde ich diese Miniaturen des Modellbaus (es gab da ja nicht nur die Firma Faller) irgendwie drollig und nett anzusehen … wissend, dass mit all diesen Modelle auch jene heile Welt verkauft wird, die eigentlich nichts anderes als ne „verlogene“ Welt ist …

Hier ein kurzer Abriss der Firmengeschichte „Busch“ (so wie sich die Firma halt selbst darstellt):

Die Firma Busch wurde mit Vertrag vom 1.10.1955 von der Familie Ernst Busch in Mannheim gegründet. Gegenstand des Unternehmens war zunächst die Herstellung und der Handel mit pyrotechnischen Artikeln (Feuerwerkskörper).

Nachdem die gesetzlichen Vorschriften immer strenger wurden und immer größere behördliche Auflagen gemacht wurden, beschloss man 1957 das Feuerwerksgeschäft aufzugeben. Die Firma wurde nach Viernheim verlegt und es sollten von jetzt an Kunststoffartikel hergestellt werden. Es wurde eine Spritzgussmaschine angeschafft und die Produktion von Eierlöffeln und Teilen für Nähmaschinen für Fremdfirmen aufgenommen.

Nachdem die Produktion für andere Firmen nicht rentabel war, begann man mit der Entwicklung von eigenen Produkten. Auf der Spielwarenmesse 1958 in Nürnberg hatte die Firma Busch ihren ersten Messestand und das erste Produkt: Ein Flugzeugmodell – die ME 109 – wurde präsentiert. Gleichzeitig wurden 2 weitere Flugzeuge angekündigt, die noch in der Entwicklungsphase waren.

Als nächstes kam der Vertrieb der englischen Timpo Figuren hinzu. Nach einem guten Start, lief es aber mit diesen Figuren nicht so richtig weiter. Man suchte nach neuen Produktideen. Zubehör für elektrische Modelleisenbahnen war die gefundene Marktlücke. Tiefgezogene Landschaftsteile (1960), Streumaterial, Sand und Kieselsteinchen, eine Miniatur-Wasserpumpe, Schiffsmodelle, H0-Straßenlampen und das H0-Freileitungssystem waren die ersten Modellbahn-Zubehör-Artikel. Kurze Zeit später (1962) kamen die ersten elektrostatisch beflockten Geländeteile und Geländeteppiche mit richtiger Grasimitation. Schon 1965 wurden bei Busch realistisch aussehende Modellbäume produziert bei denen die Stämme und Äste in der modernen Spritzgusstechnik hergestellt wurden. 1966 wurde diese Technik verfeinert und »Super-Modell-Bäume« angeboten, die aus bis zu 8 Einzelspritzlingen bestanden.

Beispiel01Mit Wirkung vom 1.1.1966 konnte sich Herr Hans Vallen (seit 1956 bei der Firma Busch für Einkauf, Produktentwicklung und Verkauf zuständig) an der Firma beteiligen. Die Produktlinie Modellbahn-Zubehör wurde zügig ausgebaut. Hit der Spielwarenmesse 1971 war Toporama, die naturgetreue Modellbahnlandschaft von der Rolle. Ein Artikel, der in den folgenden Jahren (auch in Zusammenarbeit mit Modellbahnherstellern) sehr erfolgreich verkauft wurde.

1971 wurde ein eigenes Grundstück in der Heidelberger Straße erworben. Im Sommer 1973 wurde das erste eigene Fabrikgebäude bezogen.

Neben den Modellbahn-Zubehör-Artikeln wurden ab 1972 weitere Produktlinien aufgebaut: Auf der Spielwarenmesse wurde ein Kasperle-Theater aus Kunststoff, Segelflugzeugmodelle und das erste Recorder- und Cassetten-Programm für Kinder präsentiert. 1975 kamen Tippigolf – ein Tisch-Minigolfspiel – und 3-D Poster neu ins Programm.

1975 schied die Familie Busch aus der Firma aus, sie wurde komplett von der Familie Vallen übernommen.

1976 kamen elektronische Experimentierkästen hinzu. Davon abgeleitet wurden 1977 die ersten Micro-Elektronik-Artikel für die Modellbahn auf den Markt gebracht. Höhepunkt dieser Entwicklung war dann 1981 die Vorstellung des Experimentier-Computers Microtronic.

Aber auch im nichttechnischen Bereich tat sich einiges. 1976 präsentierte BUSCH das damals größte Märchen- und Abenteuerprogramm für Kinder auf Schallplatten und Cassetten mit über 250 Titeln.

1977 kam BIGI – ein kleines Stoffpüppchen und KARINA mit ihrer großen Modekollektion hinzu. 1984 wurde auf der Spielwarenmesse zu dem damals sensationellen Preis von ca. EUR 10.000,– unter dem Namen BUSCH Data-Service ein spezielles Warenwirtschaftssystem für den Spielwarenhandel präsentiert. Mittlerweile hat Busch Data die meisten Computerinstallationen und Kassensysteme beim Spielwarenfachhandel.

1994 wurde die in Konkurs gegangene Firma Praliné mit ihrem Modellautoprogramm übernommen. Nach einer kompletten Neuorganisation des Betriebes, Qualitätsverbesserungen in allen Bereichen und Überarbeitung des Gesamtsortiments, wurden ab Sommer ’94 die ersten »Busch Automodelle 1:87« ausgeliefert. BUSCH Automodelle und der größte Teil des Modellbau-Programms werden heute im eigenen Zweigbetrieb in Schönheide (Erzgebirge, Sachsen) hergestellt. Neben einem eigenen Werkzeugbau, Kunststoffspritzgießerei, Druckerei befindet sich dort seit 2008 auch eine moderne Laser-Cut-Abteilung.

Beispiel02Viele Busch Produkte kamen in den letzten Jahrzehnten auf den Markt. Heute ist Busch in folgenden Bereichen tätig:

Modellwelten:
Über 900 Modellbau-Artikel für den Dioramenbau und als Zubehör für Modelleisenbahnen vom preiswerten Streupulver bis zu technisch aufwendigen Elektronikprodukten und Computerprogrammen.
Automodelle:
Über 400 verschiedene Typen und Varianten in den Maßstäben 1:87 und 1:160. Vom ersten Auto, dem Benz-Patent-Motorwagen, bis zum aktuellen Smart-Modell findet sich ein reichhaltiges Angebot.
Sound und Funk:
Walkie Talkies, Cassettenabspielgeräte, CD- und MP3-Player für Kinder.
Elektronische Experimentierkästen:
6 verschiedene Basiskästen erklären alles vom einfachen Stromkreis bis hin zur Digital- und Computertechnik.
Mädchenspielzeug:
KARINA Ankleidepuppen Collection mit fast 250 Artikeln, wie Puppen (29 cm groß) mit passenden Kleidern, Tieren, Möbeln usw. und die Made-by-You-Bastelkollektion.
Busch Data-Service:
Warenwirtschaftssysteme für die Verwaltung von Spielwaren- und anderen Fachgeschäften mit integrierten Kassensystemen werden angeboten. Die Software wird von BUSCH entwickelt.
Vertrieb Hörspiel-Cassetten, CDs und DVDs:
Fast 5000 ausgesuchte Artikel von Kinderhörspiel-Cassetten, CDs und DVD-Videos. Aus der Vielzahl der am Markt erhältlichen Titel werden die Besten ausgewählt, für den Handel übersichtlich aufbereitet und »Alles aus einer Hand« an die Spielwarenfachgeschäfte vertrieben.

Soweit die offizielle Lesart der Firma und was mir an ihrer Jubiläumsbroschüre schon sehr gut gefällt ist, dass sie nicht nur sehr liebevoll gestaltet ist, sondern auch etliche und nicht unwichtige Eckpunkte deutscher und internationaler Geschichte in ihre Broschüre integrieren …

Das Firmengelände in Viernheim

Zum schmökern, staunen, schmunzel und geniessen enthält dieses Päckchen

a) die Jubiläumsbroschüre aus dem Jahr 2008 und

b) den ersten Katalog der Firma Busch aus dem Jahr 1960 …

… und wie gewohnt hier ein paar Appetithäppchen aus beiden Broschüren …

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Und hier geht´s zur Präsentation:

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Busch

Und es gibt sie immer noch, die Firma Busch (aktueller screenshot der website)

Verschiedene Interpreten – Hör dich hin und weg – 15 Jahre der Hörverlag (2008)

FrontCover1Was liegt näher als zum 15jährigen Jubiläum eines Hörbuch-Verlages ein ganz spezielles Hörbuch herauzubringen ?

Natürlich als „große Hörbuch-Aktion mit Gewinnspiel“.Und so muss man sich die ersten drei Ausschnitte von Hörbüchrn genau anhören um die Fragen zu beantworten, die einem vielleicht das unverschämte glück einbrachen, einen „brandneuen Fitat 500“ zu gewinnen. 3 Städtereisen waren auch noch im Angebot.

Diese Ausgabe der Sonderedition wurde über die Buchkette Hugendubel vertrieben.

Und als Bonus gab´s dann noch 13 weitere Auszüge aus den Hörbüchern des Verlages und da ist schon eine interessante Mischung dabei herausgekommen.

Von Thomas Mann bis Mankell erstreckt sichdie Bandbreite und natürlich soll das Ganze auch Apptit auf mehr machen. Ob deshalb das Buch „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ oder „Kulinarische Kriminalgeschichten“ mit auf dieser CD zu hören sind ?

Wie auch immer, die Liste der Sprecher/innen ist nicht nur lang, sondern auch beeindruckend: Katharina Wackernagel, Christoph Walz Elke Heidenreich, Axel Milberg versprechen eben Qualität.

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Also, reinhören und sich inspieren lassen, sofern man dem Medium Hörbuch eine Chance geben will oder an diesem Medium Gefallen findet, auch wenn man am Gewinnspiel nicht mehr teilnehmen kann.

Booklet02A

Titel:
01. Konrad Beikircher, Jan Weiler u.v.a.: Maria, ihm schmeckt nicht (Jan Weiler) 1.32
02. Axel Milberg, Ulrike C. Tscharre u.v.a.: Tod in den Sternen (Henning Mankell) 1.23
03. Florian Lukas, Bjanre Mädel u.v.a.: Herr Lehmann (Sven Regener) 1.27
04. Tom Schilling, Katharina Wackernagel u.a.: 19 Minuten (Jodi Picoult) 3.04
05. Katharina Wackernagel: Die Säule (Karin Fossum) 21.39
06. Matthias Schweighofer: Slam (Nick Hornby) 2.50
07. Christoph Walz: Das sag ich dir (Hanif Kureishi) 3.02
08. Boris Aljinovic: Zähne und Klauen(T.C. Boyle) 2.58
09. Jasmin Tabatabai, Heikko Deutschmann + Oliver Brod: Bod Monkey (Matt Ruff) 3.08
10. Andrea Wolf: Gratin letal (Sybille Schrödter) 9.48
11. Stefan Kaminski, Robert Missler u.v.a.: Die abenteuerliche Welt der Piraten (Volker Präkelt) 3.10
12. Amelie Fried: Schuhhaus Pallas (Amelie Fried) 3.24
13. Gert Heidenreich: Der Hobbit (J.R.R. Tolkien) 3.46
14. Elke Heidenreich: Ihr kennt ja all die Liebe nicht (Else Lasker-Schüler) 1.18
15. Felix von Manteuffel, Peter Fricke u.v.a.: Reise ans Ende der Nacht (Louis-Ferdinand Celine) 4.09
16. Hanns Zischler, Werner Wölbern u.v.a.: Doktor Faustus (Thomas Mann) 3.58

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Mechthild Müser – Nazi-Swing als Propaganda – Charlie and his Orchestra (2008)

Label1Schon seit längerer Zeite habe ich ein umfangreiches Audio-Archiv der deutschen Jazz Kapelle Charlie And His Orchestra … Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, diese Musik hier zu präsentieren. Der Grund ist einfach: Diese Kapelle war ein Propagandainstrument der Nationalsozialisten, das seit 1939 eingesetzt wurde, um im Rahmen des Auslandsrundfunk eingesetzt wurde, um die „Gegenseite“ zu demoralisieren. Allein die Texte sind so widerlich, dass es sich verbot, diese Musik hier unkommentiert zu präsentieren.

Dann habe ich neulich einen Rundfunkmitschnitt zu diesem Thema gefunden und diesen will ich nun hier präsentieren:
„Charlie and His Orchestra

Ein fast unbekanntes Stück nationalsozialistischer Radiogeschichte

Sie haben es lange geschafft, im Dunkeln zu bleiben, die Musiker jener geheimnisvollen Big Band, die sich „Charlie and His Orchestra“ nannte. Als einzige deutsche Band spielte sie im offiziellen Auftrag jene Musik, die in Nazi-Deutschland nicht gespielt werden durfte: Swing.

Den Augen und Ohren der Öffentlichkeit verborgen nahmen bekannte Musiker wie Lutz Templin, Willy Berking und Freddy Brocksieper mit dem Sänger Karl Schwedler und weiteren europäischen Elite-Musikern in schallgedämpften Studios beliebte amerikanische Hits auf – und mischten nationalsozialistische Propaganda-Texte in englischer Sprache dazu, häufig in Anbindung an das aktuelle Kriegsgeschehen. Ziel war es, mit dieser heiklen Mischung über Rundfunksendungen die Bevölkerung im sogenannten Feindesland zu infiltrieren.

FreddieBrocksieper

Freddy Brocksieper

Als Texter fungierten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, des Reichspropaganda-Ministeriums und der englischsprachigen Sendungen verschiedener deutscher Kurzwellensender. Sie waren erfolgreich. Zu Beginn des Krieges soll jeder vierte Engländer das Programm „Germany Calling“ gehört haben – amüsiert oder empört. Die BBC setzte sogar einen Ausschuss ein, um zu untersuchen, wie „groß die Gefahr der Sendungen“ sei und was man dagegen tun könne.

Mehr zufällig waren Jahre nach Kriegsende Plattenaufnahmen von „Charlie and His Orchestra“ entdeckt worden, dann machten sich Jazz-Kenner gezielt auf die Suche. Inzwischen sind zahlreiche Titel auf CD erhältlich und die Namen der Beteiligten aufgedeckt. Aus Scham oder Angst vor den Folgen hatten sie ihre Arbeit für Goebbels verschwiegen. Erst in hohem Alter gaben einige der Musiker zu, dass die Lust am Swing, das Geld und die Freistellung vom Wehrdienst schwerer gewogen hätten als ihr schlechtes Gewissen.“ (Quelle: Deutschlandfunk)

Dass über dieses Thema derart viel fundiertes Material vorhanden ist, haben wir eben dem deutschen Jazz-Sammler Rainer Lotz zu verdanken. Der hat in seinem famosen Archiv in Hamburg neben 1000 anderen Raritäten ebenauch über all die Jahe diverse Aufnahmen dieses Orchesters zusammengetrangen

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Der Jazz-Sammler Rainer Lotz

 

In diesem hörenswerten Radiobeitrag hört mann dann nicht nur ihn, sondern es kommt auch Coco Schumann, der deutsche Jazzgitarrist, der wegen seiner jüdischen Abstammung im III. Reich so einiges erleben und erleiden musste.

Aber auch der Schlagzeuger Freddy Brocksieper kommentiert jene Zeiten im O-Ton.

Ich kann diesen Radiomitschnitt nur empfehlen und um das Thema abzurunden, habe ich dem Info-Päckchen neben dem Radiomitschnitt noch das Sendemanuskript, einen ausführlichen „Spiegel“-Artikel zu dem Thema sowie einen Zeitungsbericht über Rainer Lotz hinzugefügt.

 

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CD´s von Charlie & His Orchestra

 

Selten war mir so speiübel, wenn ich Jazz gehört habe …

 

SendeManuskript

Sendemanuskript

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