Anna Maerzalek + Monika Bednarek – Die Emaille-Fabrik von Oskar Schindler (2014)

EmailleFrabrikVonOskarSchindler_01AVor 5 Jahren war ich mal in Krakau … und dort waren wir so ziemlich die ganze Zeit unterwegs. Eine der Unternehmungen war eine dreistündigen Führung, die sich den jüdischen Wurzeln dieser Stadt widmete. Am Ende der Führung standen wir dann vor der ehemaligen „Emaille-Fabrik von Oskar Schindler“:

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau erinnert nun an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden.
Eine Straßenszene aus dem Krakau der Vorkriegszeit (Foto: Muzeum Historyczne Miasta Krakowa)

Eine Zeitreise durch das Krakau der 30er und 40er Jahre

Das Museum befindet sich in einem Industriegebiet in Krakau. Es ist kein typischer Ort für Touristen. Trotzdem strömen zahlreiche Besucher in diese Gegend. Touristenbusse kurven durch die holprigen Straßen. Der Grund: Hier befindet sich die ehemalige Fabrik Oskar Schindlers.

Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg hatte den deutschen Industriellen berühmt gemacht. Er drehte 1993 an den Originalschauplätzen in Krakau den Film ‚Schindlers Liste‘, der vom heldenhaften Einsatz des Unternehmers zur Rettung seiner jüdischen Belegschaft erzählt. Damals standen die Besucher vor verschlossenen Toren und schauten sich das Fabrikgelände von außen an. Seit dem Sommer dieses Jahres steht das Gebäude allen Besuchern offen.

Die Stadt Krakau hat das ehemalige Fabrikgelände zu einem Museum umgewandelt und in diesem Sommer die erste ständige Dauerausstellung über das Leben in dem von den Nazis besetzten Krakau unter dem Motto „Krakau – Okkupationszeit 1939-1945“ eröffnet.

Das Fabriktor im Jahr 1942

Das Fabriktor im Jahr 1942

 

Die Ausstellung zeige die Geschichte der Person Oskar Schindlers und seiner Arbeiter. „Sie sind Hauptprotagonisten dieser Ausstellung. Aber nicht die Einzigen.“ Stellt Monika Bednarek, Kuratorin der Dauer-Ausstellung, klar. Die Ausstellung ist allen von der Nazi-Okkupation in der Stadt Betroffenen gewidmet. Das Schicksal der jüdischen Arbeiter und Angestellten in Schindlers Fabrik wird in diesem Gesamtkontext dargestellt.

Oskar Schindler lebte von 1908 bis 1974. Er war als Sohn einer deutschen Fabrikantenfamilie geboren worden. Im Oktober 1939 – nach der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland – erwarb er in Krakau eine Emaillewarenfabrik, die bis zur angeordneten Arisierung in jüdischem Besitz gewesen war. Er produzierte Blechgeschirr und später Hülsen und Zünder für die Rüstungsindustrie.

Schindler profitierte von der Arisierung jüdischen Besitzes und verdiente durch Schwarzhandel in den kommenden Jahren ein Vermögen. Trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft wurde sich Schindler der grausamen Lage der Juden zunehmend bewusst. Er beschäftigte in seiner Fabrik rund 1.200 Zwangsarbeiter, die er auf seine berühmte Liste setzte und damit als ‚unerlässlich‘ für die Kriegsproduktion der Nazis deklarierte. Dadurch rettete er seine jüdischen Mitarbeiter vor dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern.

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Nach dem Krieg wurde Schindlers Emaillenfabrik verstaatlicht und 1947 übernahm der Telekommunikations-Ausrüster ‚TELPOD‘ die Anlagen. Im Jahr 2002 gab Telpod die dortige Fabrikation auf. Drei Jahre später kaufte die Stadt Krakau das Fabrikgelände und der Stadtrat beschloss, die Fabrik in ein Museum umzuwandeln. Mit Hilfe von EU-Geldern wurde das Gebäude renoviert. Die Ausstellung selbst finanziert sich aber ausschließlich aus der Stadtkasse, erklärt die Kuratorin Bednarek.

Die Ausstellung beginnt im Krakau der 30er Jahre, in einem Fotoatelier. Auf den Fotos sind schicke Frauen beim Spaziergang und gut gelaunte Juden auf dem Weg zur Synagoge zu sehen. Es herrscht die noch fröhliche Stimmung der Vorkriegszeit. „Wir zeigen zuerst die Geschichte vor dem Krieg, so wird verständlicher, was sich während des Krieges hier ereignete“, erklärt Bendarek das Konzept der Ausstellung.

Am 6. September 1939 marschierten deutsche Soldaten in die polnische Stadt ein. Chronologisch erzählt die Ausstellung die Geschichte der Stadt Krakau während des 2. Weltkrieges. So erfährt der Besucher von der Festnahme der fast 200 Wissenschaftler an der Universität Krakaus durch die Nazis im November 1939. Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird der Besucher eindrucksvoll in einen Bunker, in das jüdische Ghetto oder in den Hauptbahnhof der Stadt versetzt, von wo aus die jüdische Bevölkerung deportiert wurde.

Bühnenbildner und Theaterregisseure haben die Ausstellung gestaltet. Lebensgroße Wandbilder, digitale Displays und Multimedia-Touchscreens sollen dabei helfen, die Gräueltaten dieser Zeit visuell und akustisch zu vermitteln.

Mit dieser Technik hoffen die Ausstellungsmacher auch Jugendliche auf direkterem Wege zu erreichen und besser anzusprechen. „Das macht die Ausstellung für sie attraktiver“, ist Grzegorz Jezowski überzeugt, der die Ausstellung mitgestaltet hat.

Die Person Oskar Schindler selbst kommt in der Ausstellung nur kurz vor. Seine Geschichte wird im ehemaligen Sekretariat seiner Fabrik anhand von Fotos, Dokumenten und Originalmöbeln erzählt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer durchsichtiger Würfel gefüllt mit Blechtöpfen, -schüsseln und -tellern, die damals in Schindlers Fabrik produziert wurden. Diese Installation soll die Geschichte des Unternehmers und seiner Arbeiter symbolisieren. Im Inneren hängen die Namen von rund 1200 jüdischen Zwangsarbeitern, denen Schindler das Leben gerettet hat.

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau hält nun ihrerseits die Erinnerung an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden auf eindruckvolle Weise am Leben. (Justyna Bronska, Deutsche Welle)

Und zu recht kommt die Person „Oskar Schindler“ in dieser beeindruckenden und zugleich deprimierenden Ausstellung nur beiläufig vor. Viel wichtiger war und ist die ausführliche Dokumentation jener Jahre, die bis heute unfassbare Jahre sind.

Und der Oskar Schindler, ja, er war wohl eine facettenreiche Person, Hedonist und Weiberheld (seine Ehe blieb kinderlos, dafür hatte er von der Sekratärin seines Vaters gleich 2 nicht eheliche Kinder !) und sein Wandel vom Saulus zum Paulus (sofern man überhaupt soweit gehen möchte) geschah wohl bei dem Umgang der Nazischergen mit Kindern im Krakauer Ghetto.

Leopold Page + Oskar Schindler

Leopold Page + Oskar Schindler

Unabhängig von seiner ganzen Zwiespältigkeit hat er dann nach dem Krieg viel Dankbarkeit erlebt. Stellvertretend für so viele sagte z.B. Leopold „Poldek“ Pfefferberg (* 20. März 1913 in Krakau; † 9. März 2001 in Beverly Hills, Los Angeles), auch bekannt unter dem Namen Leopold Page, einer der geretteten Juden in aller Schlichtheit: „Schindler rettete mir mein Leben, und ich versuche nun, ihm Unsterblichkeit zu geben“. Und dies war ihm Motivation genug, die „Oskar Schindler Humanities Foundation“ zu gründen. Er begründete dies mit den Worten: „Nur wenn diese Organisation Wirklichkeit ist, werde ich meine Verpflichtungen erfüllt haben. Denn wenn ich nicht mehr am Leben bin und die Schindler-Juden ebenfalls verstorben sind, wird diese Organisation und ihr Zweck immer noch bestehen“. (Quelle: wikipedia)

Wichtiger erscheint mir da fast der Apotheker Tadeusz Pankiewicz (* 21. November 1908 in Sambir; † 5. November 1993 in Krakau) war ein polnischer Pharmazeut, Absolvent der Jagiellonen-Universität und Besitzer der Apotheke Pod Orłem (Unter dem Adler) in Krakau. Als nach der deutschen Besetzung Polens in Krakau ein „jüdisches Wohnviertel“ eingerichtet wurde, fand sich seine Apotheke im abgezäunten Bereich des Krakauer Ghettos wieder. Da Pankiewicz sich erfolgreich, unter anderem mit Schmiergeld, gegen eine Verlegung der Apotheke wehrte, überstand die Apotheke die zweieinhalb Jahre des Ghettos von 1941 bis 1943. Die Apotheke überstand auch die weiteren Kriegsjahre und wurde 1951 in der Volksrepublik Polen verstaatlicht. In den 1980er Jahren wurde ein kleines Museum eingerichtet.

Für seinen Einsatz und die Hilfe bei der Rettung von Juden, vor ihrer Ermordung im Holocaust, wurde Pankiewicz 1983 mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Seine Kriegserinnerungen beschrieb er in dem Buch Apteka w getcie krakowskim (Erstausgabe 1947). Sein Grab befindet sich auf dem Rakowicki-Friedhof in Krakau. (Quelle: wikipedia)

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Von daher wird hier nochmals ganz sicher ein wenig ausführlicher von diesem Oskar Schindler die Rede sein, jetzt aber erstmal – weil eben wichtiger – der deutsche Museumskatalog zu o.g. Ausstellung:

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Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

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Schlossbrauerei Stein – Ausgezeichnete Bierspezialitäten (2014)

SchlossbrauereiStein01AAuch wenn ich eigentlich ja gar nicht der ganz große Biertrinker bin, habe ich schon seit längerer Zeit einen Faible für all jene kleinen Regionalbrauereien, die den Großen dieser Branche (wie z.B. Augustiner, Paulaner etc. hier in Bayern) einfach frech die Stirn bieten und meist mit Mut und Witz ihre Biere auf dem Markt plazieren.

Eine dieser unzähligen Brauereien, die noch nicht das Handtuck geschmissen haben, ist die Schlossbrauerei Stein in 83371 Stein an der Traun (am Waginger See und in der Nähe des Chiemsee) in Oberbayern.

Und diese Brauerei kann auf eine wahrlich lange Geschichte zurückblicken:

1489: Ältestes nachzuweisende Dokument besagt:

Betreiberwechsel in der sog. Steiner „Taverne“ auf dem Burgareal. Hier kamen bereits Steiner Biere zum Ausschank.

15.-19. Jahrhundert:
Eigentümer waren damals das Adelsgeschlecht der Törringer (einige Jahrhunderte) danach Graf Carl Fugger von Kirchberg sowie die Freiherren von Lösch.

1845: Prinzessin von Leuchtenberg, Kaiserin on Brasilien, kauft Stein. Unter ihr und ihrem Neffen, dem Romanoff-Fürsten und Zarenenkel Nikolaus erlebt Schloss Stein die Zeit der rauschenden Feste und Bälle. Ihm verdankt Stein auch seine heutige Gestalt im englischen Stil.

1890: Schloss und Brauerei gelangen in den Besitz des Grafen Joseph zu Arco Zinneberg. In diese Zeit fiel auch der Neubau der Brauerei, wie sie sich heute präsentiert.

1934: Die Brauerei wird durch das Ehepaar Dr. Max und Ilse Wiskott sowie Herrn Otto Conix erworben.

1938: Die Brauerei wird zur Kommanditgesellschaft und firmiert seither als Schlossbrauerei Stein Wiskott GmbH & Co. KG.

Kriegsjahre: Es gab auch für die Schlossbrauerei große Rückschläge. Schäden an Produktionsstätten und Maschinen usw. verringerten den Bierausstoß auf ein Minimum. Man braute zunächst Dünnbier.

Ab 1949: In Bayern wird die Grädigkeit des Bieres wieder hinaufgesetzt. Dies erlaubte der Schlossbrauerei Stein nun auch die Produktion hochwertiger Biersorten.

bis heute: über 500 Jahre Erfahrung in traditioneller handwerklicher Braukunst im Einklang mit modernster Brautechnologie führen zu einer großen Vielfalt an Bierkreationen und sind unverwechselbare Markenzeichen der Schlossbrauerei Stein.

SteinerBier01Und genau über die Vielfalt an Bierkreationen will die hier präsentierte Image-Broschüre (8 Seiten) informieren. Das zu dem Sortiment inzwischen auch Bio-Bier gehört, macht mir die Brauerei gleich noch sympathischer.

Und dass man sich auch, zumindest in Ansätzen, ökologischen Themen zuwendet ist ebenfalls erwähnenswert.

Ein übermäßiger Bierkonsum verbietet sich dennoch, aber so hin und wieder – gerade im Sommer – ein kühles Blondes … hmmmm, das hat schon was.

(Weitere Kurzportraits von Betrieben mit regionalem Ansatz werden hier folgen)

Wer mal gerne einen Blick auf so ene Image-Borschüre werfen will, dass kann das hier tutn:

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Beispiel01
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Willkommen

Playmobil Katalog 2014

Titel.jpgGelegentlich gestatte ich es mir, ein wenig albern zu werden .. und dann erfreue ich mich z.B. an alten Spielzeug-Katalogen, so wie diesem von Playmobil aus dem Jahr 2014:

Playmobil ist ein System-Spielzeug und eine Marke der deutschen geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG (oder einfach Brandstätter-Gruppe) mit Sitz in Zirndorf bei Nürnberg. Hauptelement ist eine 7,5 cm große Spielfigur aus Kunststoff. Daneben gibt es seit 1981 auch 5,5 cm große Figuren, die Kinder darstellen sollen. Hände, Arme, Beine und der Kopf lassen sich bewegen. An die Hände können verschiedene Teile, wie Werkzeuge oder Waffen, angesteckt werden. Pro Jahr werden 100 Millionen Figuren hergestellt. Der Bundesgerichtshof bescheinigte den 7,5 cm großen Playmobil-Figuren, dass sie auf den Betrachter bzw. den Spieler die „Wirkung von einem Kind, nett und noch unsicher auf den Beinen“ entfalten, obwohl sie Erwachsene darstellen.

Die Markteinführung erfolgte 1974 mit den ersten Figuren Ritter, Indianer und Bauarbeiter. Erfinder von Playmobil ist der Mustermacher und damalige Chefentwickler

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Der erste Playmobil-Katalog aus dem Jahr 1974

Hans Beck, der die Idee eines neuen Spielsystems auf Wunsch von Firmeneigentümer Horst Brandstätter realisierte. Der Markenname „Playmobil“ geht ebenfalls auf Hans Beck und Horst Brandstätter zurück. Der charakteristische blaue Schriftzug wurde von dem Künstler und Grafikdesigner Rainer Willingstorfer entworfen. Neben Playmobil gehört seit 2000 auch die Marke Lechuza zur Brandstätter-Gruppe.

Das Unternehmen Geobra Brandstätter stellte das neu entwickelte Spielzeug erstmals 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vor. Den ersten Themen Baustelle, Wilder Westen und Ritterzeit folgten bis heute rund 40 verschiedene Themen mit umfangreichem Zubehör. 1976 kamen weibliche Figuren dazu, Kinder- und Babyfiguren wurden erstmals 1981 bzw. 1983 verkauft. Die Figuren wurden im Laufe der Jahre nur leicht modifiziert – so kamen bewegliche Hände und verschiedene „Haartrachten“ hinzu –, blieben aber immer an den ursprünglichen, in ihrer Reduziertheit unverkennbaren Formen ausgerichtet. Ab 1976 fertigte die griechische Firma Lyra das Playmobilsortiment in Lizenz von Geobra Brandstätter für den dortigen Markt und entwickelte auch eigene Produkte zu dem System. Das Unternehmen exportierte wohl auch in den Nahen Osten, 1986 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Ab 1982 fertigte die Firma Schaper die Produkte in Lizenz in den USA.

Nur wenige Jahre nach der Markteinführung von Playmobil wurde das Unternehmen Geobra Brandstätter der umsatzstärkste deutsche Spielwarenhersteller und rangiert seitdem an der Spitze. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 4400 Mitarbeiter.

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Die ersten Playmobil Figuren aus dem Jahr 1974

Playmobil-Figuren und -Gegenstände der Marke Playmobil sind industriell hergestellte Massenware der Gattung Aufstellfiguren und von ihrer Funktion her Nachfolger von Kinderspielzeug nach Art von Zinnsoldaten. Die sogenannten „Klickies“ sind technische Artefakte, die in großen Serien mit Spritzgussmaschinen aus einem Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) hergestellt werden. Menschen darstellende Playmobil-Figuren werden in Malta produziert. Sie bestehen aus einem Kopf, einer Perücke, zwei Armen sowie einem Rumpf mit Innenteil und Beinpaar. Werden sie in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt, genügt ein kräftiger Druck auf den Schädel, und alles klickt fest zusammen.

HorstBrandstatter + Hans Beck

Horst Brandstätter und Hans Beck, 1975

In einem Urteil vom 28. Oktober 1994 stellte das Landgericht Nürnberg-Fürth fest, dass Playmobil-Figuren als „Werke der angewandten Kunst“ eine „urheberrechtliche Werksqualität“ besitzen. In ihnen komme „künstlerische Individualität“ zum Ausdruck. Zitat: „Die ‚playmobil‘-Grundfigur ist grade nicht eine naturalistische Darstellung eines Menschen oder Menschentyps. Von der menschlichen Gestalt, ihren Proportionen und ihrem ‚normalen‘ Äußeren wurde in vielfacher Hinsicht abstrahiert und eine Merkmalskombination geschaffen, die in der Natur nicht vorgegeben ist. […] Demnach hat der Schöpfer der ‚playmobil‘-Grundfigur […] in Verwirklichung eigenständiger Vorstellungen eine auf ihre wesentlichen Elemente zurückgenommene, trotzdem aber noch natürlich wirkende menschliche Figur geschaffen. Dem Schöpfer des Klagemodells ist es gelungen, Modelle zu schaffen, die unter teilweiser Verwendung technisch bedingter und/oder bereits bekannter Kombinationselemente einen ästhetischen Gesamteindruck hervorrufen, der im vorbekannten Formenschatz noch nicht vorhanden ist.“

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Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums im Jahr 2014 fand von 1. Dezember 2013 bis 2. November 2014 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer die Sonderausstellung 40 Jahre Playmobil – Eine Abenteuerreise durch die Zeit statt. Diese wurde nach ihrem Ende in Speyer wie auch die Vorgängerausstellung an andere Orte weitergegeben. So war sie vom 29. März bis 25. Oktober 2015 im Landesmuseum Festung Ehrenbreitstein Koblenz und vom 21. November 2015 bis 21. Februar 2016 im Braunschweigischen Landesmuseum Vieweg-Haus/Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig und vom 18. oder 19. März bis 25. September 2016 im Maximilianpark Hamm zu sehen. Die letzte Station der Ausstellung folgt von 15. Oktober 2016 bis 27. August 2017 in Limburgsmuseum Venlo (Niederlande)[12]. Neben dieser Ausstellung fanden zwei weitere Ausstellungen zum 40. Jubiläum statt: Die Welt im Spiel – 40 Jahre Playmobil im Spielzeugmuseum Nürnberg von 19. April bis 19. Oktober 2014 und Happy Birthday! – 40 Jahre Playmobil im Städtisches Museum Zirndorf von 28. Juni 2014 bis 22. Februar 2015. Im September 2014 fand die Aktion 40 Jahre Playmobil – 40.000 Figuren – „Share the smile!“ in ausgewählten Großstädten auf der ganzen Welt statt. Bei einer weiteren Aktion Around the World schickte Playmobil den Mitgliedern von Playmobil Collectors Club eine Playmobil-Figur als Reisenden mit Namen Tim the Traveller in die ganze Welt.

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Am 3. Juni 2015 verstarb der Playmobil-Unternehmensinhaber Horst Brandstätter. Nach seinem Tod ging das Unternehmen in eine Doppelstiftung über: eine gemeinnützige Stiftung und eine Unternehmensstiftung, in der die wichtigsten Mitarbeiter vertreten sind. An der Geschäftspolitik der Firma hat sich seit dem Juni 2015 nichts Wesentliches geändert und seither herrscht auch ein Machtvakuum bzw. Führungsproblem: In der Süddeutsche Zeitung hieß es „Keiner der drei neuen Vorstände darf allein entscheiden, man belauere sich.“[15] Im März 2016 verließ Judith Weingart, eine der Vorsitzenden, die Firma wegen Problemen mit ihren Vorsitzpartnern. (Quelle: wikipedia)

Wem das noch nicht an Basisinformationen reicht, den verweise ich gerne auf den wikipedia-Beitrag, dort finden sich noch diverse Informationen zur Firmengeschichte.

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So z.B. wie sich die Figuren dem jeweiligen Zeitgeist anpassten:

Playmobil-Figuren wurde bereits mehrfach ein pädagogischer Mehrwert bescheinigt.[69] Allerdings wird auch regelmäßig Kritik an bestimmten Szenen oder Figuren in Playmobil-Sets von Kunden oder Pädagogen laut, auf die der Hersteller zumeist auch reagiert:

  • Laut Horst Brandstätter trinken Maurer „heute schon auch noch ihre Flasche Bier“. Trotzdem verschwand der Plastik-Bierkasten aus dem Bauarbeiter-Set, da das Biertrinken während der Arbeit nicht mehr den heutigen Vorstellungen von Arbeitssicherheit entspricht und das Nachspielen der Szene Kinder an die Vorstellung gewöhnt, regelmäßiger Alkoholkonsum, auch während der Arbeit, sei „normal“.
  • Obwohl im Mittelalter oft Tanzbären zur Schau gestellt wurden, wurde ein Tanzbär einem Mittelalter-Satz entnommen, nachdem es Proteste von Tierschützern gegeben hatte.
  • In den USA protestierten Eltern gegen das Set „Sicherheitsschleuse“.
    2015 protestierten Kunden in den USA gegen ein Piratenset, das einen schwarzen Seeräuber mit Sklavenkragen enthielt.

Andererseits wird Playmobil vorgeworfen, dass diejenigen Sets, die die Alltagsrealität abbilden sollen, genau diesem Anspruch nicht gerecht würden. Es gebe unter den Figuren „nicht einen schwer Erziehbaren. Keinen Alkoholiker. Nicht einmal einen nackten Hintern. Das penetrante Lächeln nervt selbst viele Kinder.“

Zur Realität gehöre es auch, dass es früher Piratinnen gegeben habe und heute Bankräuberinnen gebe. Auf diesen Einwand hin schuf Geobra Brandstätter eine weibliche Bankräuberfigur, auch damit Kinder lernen, dass Frauen wie Männer die Fähigkeit besitzen, „gemein und durchtrieben zu sein“, und damit Mädchen, die nicht immer „brav“ sein wollen (und sollen), eine Identifikationsfigur erhalten. Dazu merkt „Spiegel Online“ kritisch an, dass Bankräuberinnen insofern eine vernachlässigbar kleine soziale Gruppe bildeten, als nur fünf Prozent aller Banküberfälle von Frauen verübt werden.

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Nun gut … hier eben mal der Weihnachtskatalog aus dem Jahr 2014 … nicht dabei sind überraschender Weise keine Cowboys, Indianer, Ritter und Piraten.

Klar im Jahr 1974 hat mich so ein Katalog nicht die Bohne interessiert, als Kind hätte ich allerdings leuchtende Augen bekommen … die habe ich dann bei meinen Töchtern und Enkelkindern gesehen …

Und ja … ich weiß, Plastik ist problematisch … und so kommt einer wie ich dann selbst bei so einem vordergründig harmlosem Spielzeug-Katalog ins Grübeln.

Und ja … ich weiß, bei all diesen Figuren und Szenarien (vom Cowboy-Saloon bis hin zu Schlössern in pink) werden Geschlechtsrollen zementiert … und so kommt einer wie ich dann selbst bei so einem vordergründig harmlosem Spielzeug-Katalog ins Grübeln.

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Die Rückseite des Katalogs

Susanne Schüssler + Klaus Wagenbach – Buchstäblich Wagenbach (2014)

TitelDa lacht das Herz eines Archivaren und Chronisten !

„Ein Almanach mit der (Verlags- )Geschichte aus 50 Jahren, vielen Anekdoten, Fotos und Lesestücken aus dem Programm, besonders schön ausgestattet.

Wie überlebt man gute Bücher? Besser als schlechte. Das Beispiel liegt vor Ihnen:

Die Geschichte eines unabhängigen Verlags, dem seit 50 Jahren die stets gleiche wirtschaftsbesserwisserische Frage gestellt wird: Warum gibt es Sie eigentlich noch?
Gegenfrage: Wie viele nach allen Regeln der Kunst geleitete Verlage sind in
der gleichen Zeit in falsche Hände geraten, übernommen oder verkauft worden?
Die Frage nach dem Überleben ist also eine besonders raffinierte Verweigerung von Selbsterkenntnis.
Dieser Almanach ist eine Art kommentiertes Lesebuch über fünf Jahrzehnte und zugleich ein Vademecum fürs Überleben: Als Ermutigung, weder dem eventgejagten Mainstream noch der Verlockung »technischer Vorgaben« zu folgen, sondern dem Radikalen, Neuen, Unerhörten zur Seite zu springen und sich dem Genuss schön gemachter Bücher hinzugeben.“ (aus der Verlagsankündigung)
Liebe zum Widerspruch und zum Nebeneinander – diese Verlagsmaximen von Wagenbach findet Arno Widman in diesem Jubiläumsband zum 50. Geburtstag des Verlags wieder. Das gefällt ihm. Wenn der schmale, mit lauter kleinen Geschichten über und von Autoren, Verlagsmitarbeitern und -freunden gefüllte Band auch den Anschein erwecken mag, für die kleine Form zusändig zu sein, für Widmann steht fest: Dieser Verlag hat es faustdick hinter den Ohren. Die Intimität, die hier beim Blättern entsteht, findet er jedenfalls schön. (Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2014, Quelle: perlentaucher)

Der junge Klaus Wagenbach

Das Wort ‘Urgestein’ wird heute inflationär im Mund herumgeführt. Jeder Halbprominente, der seiner Sache zehn Jahre lang treu geblieben ist, ohne in einen Korruptionsskandal verwickelt worden zu sein, gilt als Urgestein. Wenn Superlative leichtfertig vergeben werden, mit welchem Titel soll man einen Mann ehren, der fünf Jahrzehnte in seiner Branche gegen den Wind gekreuzt ist? Der fünf Jahrzehnte seinen Verlag unabhängig nach seinem unkorrumpierbaren Kunst- und Politikverständnis geführt hat? Urgestein ist viel zu schwach für einen solchen Mann. Gottvater der unabhängigen Verlage, leuchtendes Beispiel der Integrität und vielleicht der einflussreichste Verleger der Bundesrepublik seit 1964: Das ist wohl das mindeste für den Wagenbach Verlag und seinen immer noch quicklebendigen Patron Klaus Wagenbach.
Der Klaus Wagenbach Verlag: Sprachrohr einer sich demokratisierenden Welt

Der Wagenbach Verlag und seine Anfänge: Hier ranken Legenden, hier spinnen sich Geschichten weiter, die tief in die Gesellschaftsstruktur der sich demokratisierenden Bundesrepublik reichen. Gegründet 1964, auf dem Vorplatz der Studentenunruhen und des RAF-Terrorismus, trat Klaus Wagenbach mit geschärftem kritischen Profil an. Hedonismus, Geschichtsbewusstsein und Anarchie: Ein Programm, dem er durch die Parteien bis heute treu geblieben ist. Apropos Hedonismus: Diese genussreiche, die weltlichen Dinge schätzende Geisteshaltung drückt sich nicht nur in Klaus Wagenbachs Italophilie aus, sondern auch in der Herstellungsqualität seiner Bücher. Gleich die ersten ab 1965 erscheinenden Bände fielen inmitten schludriger Taschenbücher-Mentalität durch ihr extravagantes Quartformat und die hochwertige Verarbeitung auf.

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Der alte Klaus Wagenbach

Nach eigener Aussage ist Klaus Wagenbach der am höchsten vorbestrafte Verleger der Bundesrepublik Deutschland. Die Veröffentlichung von Dissidenten-Werken wie Biermanns “Drahtharfe” brachte ihm ein DDR-Durchreiseverbot ein: Wagenbach überwand seine Flugangst und reiste fortan mit dem Flugzeug von seinem Berliner Verlagssitz in den Westen. Klaus Wagenbach verlegte Ulrike Meinhofs “Bambule”, druckte das Manifest der RAF und hielt Meinhofs Grabrede. Soviel zu seinen Vorstrafen. Jahrzehntelang war er Zielscheibe der Springer-Presse. Er brachte aber auch ein kritisches Buch zur Meinhof heraus und wandte sich gegen Linksdogmatiker. Er führte durch das Beispiel seines Lebens den Beweis, dass sich kritische Zeitgenossenschaft nicht auf eine politische Linie festlegen muss.

Mit Wagenbach-Autoren lassen sich ganze Literaturlexika füllen. Wer sich einen anregenden Überblick über 50 Jahre Verlagstätigkeit verschaffen will, dem sei der Jubiläumsband “Buchstäblich Wagenbach” empfohlen. Zwischen den Buchdeckeln versammeln sich Textauszüge der hellsten und schöpferischsten literarischen Köpfe: Vergnügen Sie sich mit Hannah Arendt, Michel Houellebecq, Ingeborg Bachmann, A. L. Kennedy oder Pier Paolo Pasolini – allesamt Wagenbach-Autoren. Wagenbach selbst, nebenbei Kafka-Spezialist und Besitzer der größten Kafka-Dokumente-Sammlung weltweit, hat sich 2002 von der Verlagsspitze zurückgezogen und die Leitung in die Hände seiner Frau Susanne Schüssler gelegt.

Im Hintergrund ist der große alte Mann der Verlagswelt kreativ und quicklebendig weiterhin tätig. Seine Entdeckungen und editorischen Großtaten sind längst Literatur-Legende: Die Einbürgerung des faszinierenden Michel Hoeullebecq; die 45bändige Vasari-Ausgabe; Erich Frieds “Liebesgedichte” von 1979 (mit über 250.000 Exemplaren eines der erfolgreichsten Bücher im Wagenbach Verlag); oder Alan Bennetts “Die souveräne Leserin” aus dem Jahr 2008, Wagenbachs großer Bestseller. Wir wünschen diesem Verlags-David von Herzen, sich weitere 50 Jahre zwischen den Goliaths der Branche behaupten zu können. (Anna Holz)

Susanne Schüssler, Klaus Wagenbach + Tochter Helene (2012)

Genug der lobenden Worte, bevor ich diese Leihgabe eines treuen Lesers (vielen Dank auch !!!) dieses blogs präsentiere, ein paar Eindrpcke aus diesem prachtvollem Buch (225 Seiten !):

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Der Tagesspiegel, 6.4.1965

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Wagenbach Verlag – Zwiebel – Jahresalmanach und Gesamtverzeichnis 2014/2015 (2014)

TitelDer Verlag Klaus Wagenbach wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet, beschäftigt heute 12 Mitarbeiter und veröffentlicht jährlich etwa 60 Bücher. Sitz ist Berlin. Der Umsatz des zu den mittleren Verlagen zu zählenden Unternehmens beträgt etwa 2 Millionen Euro. Ein literarischer Schwerpunkt des Verlags Klaus Wagenbach ist Italien.

Der Gründer des Verlages erlöste das Startkapital zur Verlagsgründung in Höhe von 100.000 DM aus dem Verkauf einer Wiese, die ihm sein Vater geschenkt hatte, sowie einiger beweglicher Güter seines Haushalts und den Einnahmen aus seinem zweiten Buch Franz Kafka in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Das Startkapital deckte jedoch lediglich die reinen Herstellungskosten der ersten elf Bücher und des kleinen Verlagsalmanachs – Miete und Gehälter, Vertriebs- und Vertreterkosten waren hierbei noch nicht eingeplant. Zu Beginn wurden die allgemeinen Grundsätze der eigenen Verlagsarbeit zusammen mit Autoren wie Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Hans Werner Richter und Johannes Bobrowski festgelegt:

  • Die Arbeit des Verlags dient nicht dem Profit, sondern folgt den inhaltlichen Absichten.
  • Allen Autoren wird Honoraregalität auf höchstem Niveau und Absicherung vor Missbrauch ihrer Rechte gewährt, sowie ein Maximum an Selbstverwirklichung, Mitsprache und Information zugesichert.
  • Die Bücher dürfen nicht überteuert sein.
  • Die Leser sollen nicht nur durch Texte über die Bücher, sondern auch durch Auszüge aus den Büchern informiert werden, mit einem kostenlosen jährlichen Almanach „Zwiebel“.

Eine ausführlichere Verlagsgeschichte finden sich dann hier.

Und hier einer dieser kleine „Zwiebel“ Katalog aus jenem Jahr, in dem man voller Stolz das 50jährige Jubiläum feiern konnte.

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Eine illustre Gesellschaft feiert das 50jährige Jubiläum

Und blättert man durch dieses kleine Büchlein (66 Seiten) so kann einem nur der Mangel an Zeit ins Auge springen … zu gerne hätte man mehr davon, um sich da mal gemütlich dieser internationalen Literatur hinzugeben … *seufz*

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Noch ziemlich altmodisch …. Bestellmöglichkeit mittels Postkarte:

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Und hier der Band „Überzeugungstäter im Wandel der Zeit (2014)“:

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Knax (Das Comic Magazin für jungen Sparkassenkunden) – Nr. 2 (2014)

Titel.jpgÜberrascht ja eigentlich nicht, dass Comics auch gerne für Werbezweck verwendet werden. Eine ganz besonders lange Tradition in dieser Hinsicht hat das Comix-Magazin „Knax)

Knax (offizielle Schreibweise: KNAX) ist ein Werbecomic, der seit 1974 vom Deutschen Sparkassenverlag (Stuttgart) produziert und in Sparkassen in Deutschland kostenlos an Kinder und Jugendliche abgegeben wird. Seither sind über 200 Knax-Hefte erschienen. Der Comic erscheint alle zwei Monate. Im Jahr 2009 betrug die Auflage 800.000 Exemplare pro Heft. Knax ist außer in Deutschland auch in Frankreich, Österreich, Luxemburg, Dänemark und Norwegen erhältlich. Die Zielgruppe des Comics sind „junge Sparkassenkunden“.

Der Comic spielt auf einer fiktiven Insel namens „KNAX“, auf der Dorfbewohner (die „KNAXianer“) in ihrem Dorf „KNAX“ in einer mittelalterlichen Dorfgemeinschaft leben. Außerdem gibt es hier eine Räuberbande, die „Fetzensteiner“, die unter ihrem Anführer Fetz Braun auf der „Burg Fetzenstein“ hausen und die KNAXianer regelmäßig überfallen und bestehlen wollen. Da die Räuber jedoch nicht sehr helle sind, unterliegen sie stets. Die Figuren von Knax stellen ein idealisiertes Bild der bürgerlichen Gesellschaft dar. Die Landwirtschaft ist ebenso vertreten wie die verschiedenen Handwerkszünfte, die Forst- und Seewirtschaft, die Gastronomie und der Handel. Die Finanzwirtschaft wird durch eine Sparkasse repräsentiert.

In den frühen Ausgaben von Knax wurde die Vorgeschichte erklärt. Demnach strandete ein Auswandererschiff an der Insel. Die Menschen nahmen die Insel in Besitz und gaben

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Die Nr. 1 aus dem Jahr 1974

ihr den Namen „nach dem Geräusch, das die Balken von sich gaben, als das Dorf erbaut wurde“. Die Siedler leben seither autark auf der Insel und offenbar ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Figuren des Comics sind die Nachkommen dieser gestrandeten Auswanderer. Das Wrack des Schiffs dient Backbert und Steuerbert als Behausung. Die Fetzensteiner sind ehemalige Piraten, die ebenfalls vor der Insel Schiffbruch erlitten und sich in der bereits vorhandenen Burg einnisteten.

Die Lebensweise und Bekleidung der Menschen auf Knax legt die Vermutung nahe, dass die Auswanderer wohl in der Renaissancezeit auf die Insel kamen. Ob der Comic in der Gegenwart spielt oder in der Vergangenheit, ist unklar. Didi und Dodo sind die einzigen Kinder auf der Insel und die einzigen, welche moderne Kleidung tragen. Sie leben zusammen und haben offenbar keine Eltern oder Erziehungsberechtigten auf Knax.

Ursprünglich enthielt jede Ausgabe nur eine einzige Geschichte, die gelegentlich an aktuelle Themen angelehnt wurde. In früheren Nummern wurden auf der Rückseite des Heftes noch Hintergrundinformationen zum Thema des Heftes abgedruckt.

Später enthielt jedes KNAX-Heft drei Geschichten, eine mit sieben Seiten, eine mit zehn und eine mit einer Seite Umfang. Die kurze siebenseitige Geschichte hatte stets einen inneren Konflikt in einer der beiden Gruppen zum Inhalt. Die zehnseitige Geschichte erzählte dagegen einen Konflikt zwischen den KNAXianern und den Fetzensteinern. Dazu kamen redaktionelle Seiten, z. B. Wissenswertes, Rätsel, Witze, eine Bastelecke und eine Kontaktseite für Brieffreundschaften.

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Ein paar Hefte aus den 70er Jahren

Seit dem Wechsel zu einem neuen Produktionsteam in der Ausgabe 3/2004 (siehe unten) wurde der Umfang auf zwei siebenseitige und eine einseitige Geschichte gekürzt. Dafür wurden die redaktionellen Seiten um drei erhöht, so dass das Heft weiterhin (mit Cover) 24 Seiten umfasst.

Es gab außer den kostenlos verteilten Heften auch mehrere KNAX-Taschenbücher, die je etwa 100 Seiten stark waren. In diesen war die erste Geschichte jeweils neu, der Rest waren Nachdrucke früher veröffentlichter Geschichten.

Jährlich erscheint ein großformatiger KNAX-Kalender. Die Exemplare aus den Jahren 1983 und 1984 wurden von André Roche gezeichnet.

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Ein paar Hefte aus den 80er Jahren

Das für die Sparkassen 1974 von Peter Wiechmann und dem Zeichner Erwin Frick erfundene Heft Knax wurde zunächst vom Kauka Verlag und bald darauf vom „Studio K“ produziert. Auch Manfred Klinke wird als einer der Miterfinder des Comics genannt. Zu Anfang erschien der Comic mit nur einer abgeschlossenen Geschichte auf 16 Seiten und einer Auflage von 100.000. Die Geschichten handelten zunächst vorwiegend von Themen wie Geld, Zins und Sparen. Im Laufe der Jahre rückten diese Themen aber immer mehr in den Hintergrund und der Comic wurde thematisch freier.

Ab 1980 übernahm das Studio Comicon unter der Leitung von Wiechmann und Fred Kipka die Produktion. Das Format wurde in ein klassisches Comic-Magazin geändert (24-seitig mit drei Geschichten und redaktionellem Inhalt wie Basteltipps, Rätsel und einer Brieffreundschaftenrubrik).

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Ein paar Hefte aus den 90er Jahren

Comicon wurde 1988 aufgeteilt und daraus entstanden die „neue“ Comicon S.L. und Kipkakomiks (mit Sitz in München). Hierbei ging die Produktion von Knax auf Kipkakomiks über, die auch jahrzehntelang andere bekannte deutsche Comics wie Fix und Foxi oder Teile von YPS produzierte. Der Chef von Kipkakomiks, Fred Kipka, verfasste selbst über 20 Jahre lang ausnahmslos alle Knax-Geschichten. Nach seinen Skripts wurde das Artwork von einem Team von Autoren, Zeichnern und Inkern in einem Studio in Barcelona erstellt. Die fertig getuschten Comicseiten kamen dann zurück nach Deutschland, wo ein Siebdruck angefertigt und die Seiten von Hand coloriert wurden. Dort wurden auch die Redaktionsseiten hinzugefügt, Satz, Lithografie und Druck gemacht. Der Vertrieb des Comics erfolgte anschließend über den Auftraggeber, den Deutschen Sparkassen Verlag.

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Ein paar Hefte aus den 00er Jahren

Seit Heft 3/2004 stammen die Knax-Storyboards von Götz Bachmann und werden von Roberto Freire, Boris Zatko und Ulf S. Graupner zeichnerisch umgesetzt. Die Titelbilder und die Knax-Kalenderbilder zeichnet Franz Gerg. Durch diesen Wechsel hat sich ab Heft 3/2004 das Erscheinungsbild des Comics verändert: bei Kipkakomiks war das Werk bis zuletzt komplett handgetuscht und handkoloriert, während das neue Team zwar die Lineart ebenfalls von Hand zeichnet und tuscht, die Kolorierung aber am Computer erstellt.

In Deutschland gibt es über 200 KNAX-Klubs, die von den Sparkassen organisiert werden und zusammen über eine Million Knax-Fans im Alter von ca. sechs bis dreizehn Jahren haben.

Unter dem Begriff Knaxiade werden Kinderfeste mit Spielen und sportlichen Wettkämpfen veranstaltet.

1984, 1987 und 1990 wurde je eine KNAX-Hörspielkassette von der Sparkasse herausgegeben. 1993 erschien das Werbespiel KNAX – Das Computerspiel für Amiga und C64. 1997 gab es eine KNAX Comic Disc für PC, auf deren Datenträger Programme sowie drei kurze Trickfilmepisoden und das Musikvideo Wir sind die Fetzensteiner (auch bekannt als Das KNAX Lied) zu Knax enthalten waren. Insgesamt fünf Knax-Trickfilmepisoden wurden veröffentlicht. Mit Uraufführung im Juni 2007 gibt es auch KNAX – Das Musical mit tollen Hits für schlaue Kids (auch als das KNAX-Musical bekannt).

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Ein paar Hefte aus den 10er Jahren

Der Erfolg von Knax inspirierte bald auch andere Zusammenschlüsse von Kreditinstituten zu eigenen Werbecomics wie Sumsi, Mike, der Taschengeldexperte (Volks- und Raiffeisenbanken, 1978–2007) und Marc & Penny (Genossenschaftsbanken, 1981–2007). Seit Juli 2007 erscheint als Nachfolger der beiden letztgenannten Werbecomics das Magazin VR-Primax. (Quelle: wikipedia)

Hier ein Heft aus dem Jahr 2014 … in diesem wird u.a. das 40jährige Jubiläum dieses Comic Magazins gefeiert …

Ansonsten kann man schon konsternieren, dass hier kein Billigprodukt auf den Markt geworfen wurde. Da waren schon Profis am Werk und deren Verbeugung vor Asterix & Co. ist spürbar.

Ärgerlich hingegen die Tatsache, dass diverse Produkte für Kinder im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung präsentiert werden … Ach, die armen Eltern …

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Erinnert irgendwie an ein gallisches Dorf …

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Das nenn´ ich Schleichwerbug …. 

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Die Rückseite des Heftes … mit dem Werbeaufdruck der örtlichen Sparkasse

Franz Smola – Werner Berg zum 100. Geburtstag (2004)

TitelBis gestern kannte ich ihn gar nicht, den Expressionisen Werner Berg. Aber gestern war ich in einer Ausstellung im bemerkenswerten Museum in Penzberg/Oberbayern („Sammlung Campendonk“) und da hae ich nicht schlecht gestaunt, ob des Lebenswerkes des Werner Berg … hier bei uns so ziemlich in Vergessenheit geraten, in Österreich hingegen ist er bis heute bekant und geschätzt, dabei wurde er ja eigentlich in Elberfeld (Wuppertal) geboren:

Werner Berg wurde am 11. April 1904 in Elberfeld (Wuppertal) in Deutschland, geboren. Obwohl er schon als Kind Maler werden wollte, zwangen ihn die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg zunächst eine Handelslehrte und anschließend ein Studium der Staatswissenschaften zu absolvieren; seit 1923 in Wien, wo er seine Studienkollegin Amalie Kuster kennenlernte, die er später heiratete.

Nach seiner Promotion begann Berg mit dem Studium der Malerei, 1927–29 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Karl Sterrer und 1929-31 an der Münchner Akademie bei Karl Caspar. 1930 erwarb er gemeinsam mit seiner Frau den Rutarhof, einen Bergbauernhof im Kärntner Unterland nahe der slowenischen Grenze, auf dem er mit seiner Familie und dem befreundeten Dichter Curt Sachsse im März 1931 einzog.

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Werner Berg war auf dem Rutarhof als Bauer und Maler tätig. Kunst und Leben bildeten für ihn eine untrennbare Einheit. Seine Motive waren weitgehend vom bäuerlichen Alltag geprägt. Besonders in seinen frühen Bildern stellte Werner Berg auch häufig seine heranwachsenden fünf Kinder dar. Mit einigen Ausstellungen wurde Berg in Deutschland früh bekannt. Sein extrem knapper, geradezu primitivistischer Stil stieß jedoch bei den Nationalsozialisten auf Widerstand. 1935 wurde seine Ausstellung im Kölner Kunstverein polizeilich gesperrt. Seine Gemälde wurden auf der berüchtigten Schmähausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. In den späten 1930er Jahren wurde seine Darstellungsweise dem Zeitstil entsprechend deskriptiver und entwickelte mehr Plastizität. Von 1942-45 war Werner Berg zur Landschaftsschilderung als Kriegsmaler in Skandinavien eingesetzt.

Beispiel18.jpgNach dem Krieg kehrte Werner Berg zu einem flächigen, nun oft die Konturlinien betonenden Stil zurück. Trotz seiner Tendenz zu Vereinfachung und Stilisierung beharrte Berg auf einer gegenständlichen Darstellungsweise. Vielen seiner Gemälde gingen Skizzen voraus, die Berg unmittelbar vor dem Motiv in Sekundenschnelle zu Papier brachte. Bereits in der Skizze legte Berg die Komposition bis ins Detail hinein fest. Berg wurde zum Chronisten der slowenisch-kärntnerischen Bevölkerung, der Bauern, Jahrmarktbesucher, Kirchgänger, Eisschützen, Busreisenden und Wartenden.

Zu einem Höhepunkt brachte Werner Berg das Prinzip der flächigen Darstellung auch in seinen zahlreichen Holzschnitten. Im Wechselspiel von hellen und dunklen Flächen erzielte er eine zwingende, auf höchste Konzentration bedachte Wirkung.

Nach dem Krieg folgten zahlreiche Ausstellungen. 1947 wurde Berg Mitglied des Art Club in Wien, 1950 war er Teilnehmer der Biennale von Venedig. 1956 folgte eine Ausstellung in der Österreichischen Galerie in Wien, 1957 in der Moderna Galerija Ljubljana und 1961 eine umfangreiche Schau im Münchner Lenbachhaus. 1968 wurde die Werner Berg Galerie der Stadt Bleiburg eingerichtet. Seit dem Tod des Künstlers 1981 als Stiftung geführt, zeigt diese nun als Museum ständig eine umfangreiche Werkschau Werner Bergs. (Quelle: wernerberg.museum)

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Ausstellungshinweis des Museums in Penzberg

Das ist allerdings nur ein ganz kurzer Abriss seines Lebens … ergreifend und spannungsreich wird es dann erst, wenn man wirklich ein paar Schichten tiefer schaut: Seine Freundschaft mit dem Maler Emil Nolde, seine verzweifelte und zum Scheitern verurteilte Liebschaft (Liebe ?) zur Schriftstellerin Christine Lavant (eigentlich Christine Habernig, geb. Thonhauser; * 4. Juli 1915 in Großedling bei St. Stefan im Lavanttal; † 7. Juni 1973 in Wolfsberg) …

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Werner Berg bei der Feldarbeit (1948) und mit seiner Ehefrau Mauki (1950)

Nolde und Lavant stehen stellvertretend für all die die Brüche in dem Leben des Werner Berg.

Über diese Brüche aber erst recht über sein Kunstverständnis gibt dieses pralle Buch (240 Seiten).

Es erschien anlässlich seines 100. Geburtstags im Jahre 2004.

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Der Rutarhof im Jahr 2015

Eine Besucherin der Ausstellung meinte, dass wir unseren Blick immer stets nach Westen ausrichten, den Osten hingegen eher ausblenden. Und meine Frau Gemahlin (der ich den Besuch dieser Ausstellung zu verdanken haben) ergänzte flüstern zu mir: „Weißt Du noch, als wir in Breslau waren, da haben wir ja auch jede Menge polnischer Expressionisten gesehen, die hier keiner kennt“.

Von daher: hier ein kleiner Beitrag meinerseits, um das ein wenig zu ändern.

Beestattet wurde er übrigens gemäß seinem Wunsch anonym auf dem Friedhof der Namenlosen in Salzburg. Mir scheint, viel besser kann es nicht zum Ausdruck bringen, dass er sich wohl auch ein ein entwurzelter Mensch erlebt hat, ein Mensch mit all seinen Brüchen …

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Christine Lavant (1950); eines der eindrucksvollsten Holzschnitte von Werner Berg; im Original sind dann diese Augen noch intensiver …

 

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Aus seiner Zeit als „Kriegsmaler“

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Ölgemälde und Skizze „Schlafender Landstreicher“ (1934)

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Selbstbildnis vor Orange (1936)

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Und nochmals: Christine Lavant

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Rhythmus der Bäume (1954)

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Nach dem Wiesenmarkt (1961)

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Thomasnacht (1964)

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Spieler (1964); für mich eines seiner eindrucksvollsten Werke

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Autobus (1965)

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Sonnenblume im Scheinwerferlicht (1971)

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11 Freunde / Lorenz Pfeiffer und Henry Wahlig – Verlorene Helden (2014)

TitelEine bemerkenswerte Beilage, die die Macher das famosen Fußball-Magazins „11 Freunde“ ihrer Februar 2014 Ausgabe (Nr. 148) beigefügt haben.

Aus dem Vorwort dieser Beilage:
Als der 13 Jahre alte Leo Weinstein im Frühjahr 1934 zum Training der Nachwuchsmannschaft des SV Werder Bremen kam, erlebte er den Schock seines jungen Lebens. Der Trainer teilte dem schon seit fünf Jahren im Klub aktiven Jungen mit,dass er ab sofort nicht mehr mitspielen dürfe: weil er Jude sei.
Ausgrenzungen solcher Art erlebten in Deutschland ab dem Frühjahr 1933 tausende jüdische Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre, Mäzene oder
einfache Mitglieder. Dabei hatten viele von ihnen sich in ihren Klubs über viele, hatten mitgeholfen, Deutsche Meisterschaften zu gewinnen, waren Nationalspieler oder sogar Gründungsmitglieder großer Vereine wie dem FC Bayern München, Eintracht Frankfurt oder dem 1. FC Nürnberg gewesen.
Die Vertreibung der Juden aus dem Sport ist die Geschichte eines großen Verlustes der jahrzehntelang fast vergessen gewesen ist. Das hat sich in den letzten
15 Jahren durch engagierte Forscher und Fan-Initiativen glücklicherweise allmählich geändert.

LeoWeinstein

Leo Weinstein (1921 – 2009)

Deshalb haben sich 11 FREUNDE und die Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes entschlossen, erstmals einen Überblick über die Lebensläufe von Juden im deutschen Fußball zu geben.
Die Sporthistoriker Professor Lorenz Peiffer und Henry Wahlig von der Universität Hannover haben auf Basis eigener Forschungen und dank der Vorarbeit und
Unterstützung vieler anderer Forscher die Biografien von 192 jüdischen Fußballern zusammengetragen, die Opfer der NS -Verfolgung waren. Diese Übersicht
jüdischer Protagonisten in den damals großen Vereinen kann und will nicht vollständig sein. Sie soll dazu anregen, weitere Nachforschungen anzustellen,
mit Zeitzeugen zu sprechen und dazu beizutragen, die jüdische Geschichte des deutschen Fußball fortzuschreiben.
Ermöglicht wurde die vorliegende Publikation durch die DFB -Kulturstiftung, eine Anzeige des Verlags »Die Werkstatt« sowie ein Preisgeld der Stiftung »Gegen Vergessen. Für Demokratie«, von der 11 FREUNDE für »die vorbildliche redaktionelle Arbeit« in Bezug auf Vergangenheitsaufarbeitung und Engagement gegen rechte Tendenzen im Fußball ausgezeichnet worden ist.

Diese Beilage fand eigentlich überall großen Beifall:

„Der DFB und die deutschen Fußballvereine haben erst spät damit begonnen, ihre nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Fußball-Magazin 11 Freunde hat nun 192 Lebensläufe jüdischer Fußballer und deren Verdrängung aus ihren Vereinen zusammengetragen.

Als Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Okkupation des Fußballs ist der legendäre Josef „Sepp“ Herberger nicht gerade in Erinnerung geblieben. Bereits am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei und erhielt dort die Partei-Mitgliedsnummer 2 208 548. Später kamen Mitgliedschaften in der deutschen Arbeitsfront, der NS-Volkswohlfahrt und dem Reichschutzbund hinzu. Ein ergebener Nazi war er deswegen wohl nicht. Vielmehr bemühte er sich als Assistent des Nationaltrainers Otto Nerz, den er nach dem Versagen der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen von 1936 ablöste, alles für den Aufbau einer funktionierenden Fußball-Elite zu tun. Dazu gehörten auch geschickte Abwehrkämpfe gegen verschiedene Gliederungen des NS-Apparats, die den Fußball gern für sich eingespannt hätten. Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), allen voran ihr opportunistischer Präsident Felix Linnemann, taten ohnehin das meiste dafür, dass der Fußball ein emsiges Rädchen im NS-Getriebe abgab.

Nach 1945 kam es dann darauf an, umfangreiche Entlastungserzählungen in Umlauf zu bringen. So heißt es, dass Herberger bis zu seinem Tod eine Freundschaft zum früheren Nationalspieler Gottfried Fuchs unterhielt. Dieser war neben Julius Hirsch einer von zwei jüdischen Sportlern, die je das Trikot des DFB übergestreift hatten. Als Herberger 1972 vorschlug, Fuchs zu den Olympischen Spielen nach München einladen zu lassen, stieß er jedoch auf Ablehnung. Beim DFB war man der Ansicht, „dass ein Präzedenzfall geschaffen würde, der auch für die Zukunft noch erhebliche Belastungen mit sich bringen könnte.“ Zu den DFB-Mannen, die derlei befürchteten, gehörten mehrere Funktionäre mit ambitionierter NS-Vergangenheit.

Fans des FC Bayern München würdigen ihren ehemalien (jüdischen) Präsidenten Kurt Landauer (2014)

Fans des FC Bayern München würdigen ihren ehemalien (jüdischen) Präsidenten Kurt Landauer (2014)

Die Aufarbeitung derselben durch den DFB musste noch einige Jahrzehnte warten. Eine verdienstvolle Recherche dazu hat nun die Fußballzeitschrift „11 Freunde“ in Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung des DFB veröffentlicht. In einer Beilage des aktuellen Heftes rekonstruieren sie 192 Lebensläufe jüdischer Fußballer, die zunächst aus ihren Vereinen verdrängt und viele von ihnen und später in deutschen Konzentrationslagern umgebracht wurden. In der Einleitung skizzieren die Sporthistoriker Lorenz Pfeiffer und Henry Wahlig den systematischen Verlauf dieser tödlichen Ausgrenzung. Ein Beitrag im regulären Heft gibt aber auch Auskunft darüber, welch enormen Zulauf die Vertreibung der Juden aus den deutschen Vereinen der Makabi-Bewegung jüdischer Vereine brachte. Der DFB hat sich sehr lange schwergetan, sich aufklärerisch zu seiner Institutionengeschichte zu verhalten. Die Beilage von „11 Freunde“ verweist nicht nur auf die „verlorenen Helden“, sondern auch auf die noch immer große Forschungslücke zu den Verstrickungen des deutschen Sports in die NS-Verbrechen.“

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Dieser Text ist - angesichts der geplannten Fußball-WM in Katar (2022) der reinste Hohn.

Mittlerweile haben wohl viele Vereine damit angefangen, ihre Vereinsgeschichte auch im Hinblick auf die Geschehnisse im III. Reich aufzuarbeiten … lang´ genug hat´s ja gedauert … und eine Broschüre wie sie von der Redaktion 11 Freunde veröffentlicht wurde, ist einfach nur vorbildlich !

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Arbeitsgemeinschaft Frauennotrufe in Bayern – Mit dem Trauma leben lernen (2014)

TitelDas ist jetzt ein Thema, das zwar einerseits heftig in der öffentlichen Diskussion steht, andererseits aber oftmals im privaten Bereich weiterhin tabuisiert und totgeschwiegen wird. (Sexualisierte) Gewalt gegen Frauen.

Und die Notwendigkeit, hier auch professionelle flächendeckend einzusetzen hat sich ja mittlerweile auch in Bayern herumgesprochen.

Und so gibt es auch seit geraumer Zeit die „Arbeitsgemeinschaft Frauennotrufe in Bayern“:

Die Arbeitsgemeinschaft Frauennotrufe in Bayern (FiB) arbeitet seit 1999 als Fachgremium zum Thema sexualisierte, körperlich und psychische Gewalt gegen Frauen und Kinder.

In der FiB haben sich Fachberatungsstellen zusammengeschlossen, die ausschließlich von freien Trägern der Wohlfahrtspflege (eingetragenen und gemeinnützigen Vereinen) betrieben werden.

Die FiB engagiert sich bayernweit

in der politischen Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen,
bei der Verbesserung der sozialen/rechtlichen Situation sowie der Stärkung von Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben,
bei der inhaltlichen und organisatorischen Vernetzung der Frauennotrufe in Bayern und auf Bundesebene.

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Die Homepage der Arbeitsgemeinschaft

Die Mitgliedseinrichtungen der FiB arbeiten parteipolitisch und konfessionell unabhängig. (Selbstdarstellung)

Und die haben dann 2014 diese Broschüre (28 Seiten) veröffentlicht.

Die Broschüre soll helfen, Verständnis für betroffene Personen zu wecken und näher bringen, was ein Trauma im Hinblick auf sexualisierte Gewalt bedeuten kann.

Mir als Mann fällt bei diesem Thema nur der Begriff des „fremdschämens“ ein und zugleich empfinden ich großen REspekt vor all den Beraterinnen, die landauf, landab sichtäglich diesem Grauen stellen.

Deshalb auch die Präsentation dieser Broschüre … das Thema bleibt auf der Tagesordnung !

Und: Dieses Thema geht uns – verdammt nochmal – alle an !

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Wagenbach Verlag – Überzeugungstäter im Wandel der Zeit (2014)

TitelHin und wieder bin ich ja aus beruflichen Gründen in Berlin und habe es bisher nicht geschafft, bei dem Wagenbach Verlag vorbeizuschauen. Eigentlich sehr schade, dennn dieser „kleine“ und famose Verlage feiert heuer sein 50jähriges Bestehen:

Der Verlag Klaus Wagenbach wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet, beschäftigt heute 12 Mitarbeiter und veröffentlicht jährlich ca. 60 Bücher. Sitz ist Berlin. Der Umsatz des zu den mittleren Verlagen zu zählenden Unternehmens beträgt etwa 2 Millionen Euro. Ein literarischer Schwerpunkt des Verlags Klaus Wagenbach ist Italien.

Der Gründer des Verlages erlöste das Startkapital zur Verlagsgründung in Höhe von 100.000 DM aus dem Verkauf einer Wiese, die ihm sein Vater geschenkt hatte, sowie einiger beweglicher Güter seines Haushalts und den Einnahmen aus seinem zweiten Buch „Franz Kafka in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“. Das Startkapital deckte jedoch lediglich die reinen Herstellungskosten der ersten elf Bücher und des kleinen Verlagsalmanachs – Miete und Gehälter, Vertriebs- und Vertreterkosten waren hierbei noch nicht eingeplant. Zu Beginn wurden die allgemeinen Grundsätze der eigenen Verlagsarbeit zusammen mit Autoren wie Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Hans Werner Richter und Johannes Bobrowski festgelegt:

Die Arbeit des Verlags dient nicht dem Profit, sondern folgt den inhaltlichen Absichten. Allen Autoren wird Honoraregalität auf höchstem Niveau und Absicherung vor Missbrauch ihrer Rechte gewährt, sowie ein Maximum an Selbstverwirklichung, Mitsprache und Information zugesichert.

Die Bücher dürfen nicht überteuert sein.
Die Leser sollen nicht nur durch Texte über die Bücher, sondern auch durch Auszüge aus den Büchern informiert werden, mit einem kostenlosen jährlichen Almanach.

1965 bis 1970

Der Klaus Wagenbach-Verlag bemühte sich von Anfang an um auffällige Formate und Gestaltung der Bücher. Die 1965 erschienen Erstwerke waren in strengem Schwarz gehalten und erschienen im Quartformat, was ihnen auch ihren Reihentitel „Quarthefte“ einbrachte. Beginnend mit Erinnerungen von Kurt Wolff wurden in dieser Reihe Texte von damals unbekannten Autoren wie Christoph Meckel und Johannes Bobrowski und von sehr bekannten wie Ingeborg Bachmann, Günter Grass und Hans Werner Richter veröffentlicht, die sich mit je einem Buch am Projekt dieses Verlags beteiligten. Durch das Serienformat wurden damals unbekannte Autoren von Buchhändlern mitbestellt, um die Serie vollständig zu halten. Klaus Wagenbach wollte von Beginn an eine Spaltung der Literatur in West- und Ostdeutschland nicht hinnehmen und veröffentlichte so den im Westen boykottierten Stephan Hermlin und den im Osten boykottierten Wolf Biermann. Biermanns Balladen, denen Wagenbach den Titel „Die Drahtharfe“ gab, sorgten dafür, dass der Verlag alle zugesagten Lizenzen aus der DDR verlor und dafür, dass Klaus Wagenbach ein Einreise-, später sogar Durchreiseverbot bis 1973 durch die DDR erhielt, so dass er Berlin nur mit dem Flugzeug verlassen konnte. Ferner waren hiermit alle „Pläne eines Ost-West-Verlages“ gescheitert.

Ebenfalls 1965 erschien mit „Atlas, zusammengestellt von deutschen Autoren“ die erste Anthologie, einem Genre, das der Verlag stets pflegte.

Wagenbachs erste Wirkungsstätte in der Jenaer Straße in West-Berlin. F. C. Delius (Zweiter von links) neben Klaus Wagenbach. Ganz rechts: Katja Wagenbach

Wagenbachs erste Wirkungsstätte in der Jenaer Straße in West-Berlin. F. C. Delius (Zweiter von links) neben Klaus Wagenbach. Ganz rechts: Katja Wagenbach

1966 lernte Klaus Wagenbach Erich Fried kennen, dessen Gedichtband „Und Vietnam und“ er im selben Jahr veröffentlichte. Der große Erfolg kam für Erich Fried erst 1979 mit der Veröffentlichung seines 17. Buches, den „Liebesgedichten“, die bis heute eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages sind und über 250.000-mal verkauft wurden. Klaus Wagenbach und Erich Fried blieben bis zu Frieds Tod 1988 Freunde.

Im Herbst 1967 erschien die erste „Quartplatte“ (8 Autoren lesen aus ihren Quartheften), die 1968 aufgrund breiteren Interesses in Serie ging. Im gleichen Jahr wurden u. a. die Sprechgedichte von Ernst Jandl als „Quartplatte“ veröffentlicht, den Wagenbach bei einer Autorenlesung kennengelernt hatte.

Ebenfalls im Jahr 1968 erschienen das „Lesebuch. Deutsche Literatur der sechziger Jahre“ (eine laut Verlag nonkonformistische Alternative zum gewöhnlichen Deutschschulbuch und bis heute eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages) und der erste „Tintenfisch“ (ein Jahrbuch für Literatur).

Auch die Gründung der Reihe „Rotbücher“ fand im Jahr 1968 statt. Die „Rotbücher“ waren eine ausschließlich der Neuen Linken und der außerparlamentarischen Opposition (APO) gewidmete Buchreihe, die eine politisch-theoretische Ergänzung der belletristischen Literatur darstellte.

1969 begann der Verlag mit der von verschiedenen anderen Verlagen abgelehnten Gesamtausgabe der Shakespeare-Übersetzungen von Erich Fried. Ab Sommer 1970 wurde die Vierteljahrsschrift „Kursbuch“ durch den Verlag Klaus Wagenbach verlegt und von Hans Magnus Enzensberger weiterhin herausgegeben, da der Suhrkamp Verlag es aus politischen Gründen abgelehnt hatte, die Zeitschrift fortzuführen. Zur Sicherung der Unabhängigkeit wurde eigens eine „Kursbuch GmbH“ gegründet.

Ende 1969 initiierte Klaus Wagenbach das Experiment einer kollektiven und solidarischen Verlagsarbeit. Dies beinhaltete, dass der Verlag als einer der ersten in der Bundesrepublik ein Statut bekam, das die Rechte und Pflichten aller Mitarbeiter – auch der Besitzer – klar und deutlich regelte. In seinen wesentlichen Punkten sah es eine weitgehende Mitbestimmung der Verlagsangehörigen bei allen ökonomischen Prozessen, gleiches Gehalt für alle Mitarbeiter und regelmäßige Besprechungen aller wichtigen Angelegenheiten vor. Bei dieser Verlagsverfassung wurde das Lektorat von der Kollektivierung ausdrücklich ausgeschlossen und erhielt eine autonome Verfassung. Manuskripte wurden dreifach lektoriert (also von allen 3 Lektoren) und nur bei Einstimmigkeit veröffentlicht. 1971 verwandelte Klaus Wagenbach seinen Verlag in eine GmbH mit 2 Gesellschaftern, wodurch er dem Kollektiv die Hälfte seiner Verlagsanteile schenkte.

1970 bis 1984
Im Jahr 1972 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über die autonome Lektoratsverfassung. Klaus Wagenbach hielt Entscheidungen über Manuskripte für nicht kollektivierbar und hatte zudem der Kollektivierung seines Verlags nur unter der Voraussetzung der Lektoratsautonomie zugestimmt. Am 13. Mai 1973 fand eine Generalversammlung unter Anwesenheit der Autoren statt, bei der nach fast 10-stündiger Diskussion einige Autoren die Spaltung des Verlages vorschlugen und sich alle bis auf drei für einen neuen Verlag Klaus Wagenbach entschieden. Klaus Wagenbach schied mit seiner Frau Katharina Wagenbach-Wolff und Wolfgang Dreßen unter großen finanziellen Verlusten aus dem Verlagskollektiv sowie der „Kursbuch-GmbH“ aus und verlor zudem den Serientitel „Rotbücher“ und den Namen des Verlagsalmanachs „Das schwarze Brett“. So entstanden auf der einen Seite der Rotbuch Verlag, auf der anderen blieb der Verlag Klaus Wagenbach.

Wagenbach031971 verlor Klaus Wagenbach einen Prozess wegen „Bambule“, dem Text eines Fernsehspiels von Ulrike Meinhof. Im selben Jahr veröffentlichte das Kollektiv in der Reihe „Rotbuch“ ein Manifest der RAF mit dem Titel „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“, das zusammen mit dem „Roten Kalender für Schüler und Lehrlinge, 1972“ die Berliner Staatsanwaltschaft dazu veranlasste, Hausdurchsuchungen im Verlag vorzunehmen und beide Publikationen sowohl im Verlag, als auch in den Buchhandlungen zu beschlagnahmen, da diese Schriften Aufforderungen zur Gewalt und kriminellen Vereinigung sowie Anstiftung zur Sachbeschädigung enthielten. Es folgten Klagen unter anderem auch wegen des „Roten Kalenders 1973“, in welchem Klaus Wagenbach die Erschießung zweier Studenten durch die Polizei als „Ermordung“ titulierte, was ihm eine Klage wegen Beleidigung einbrachte. Er wurde in erster Instanz freigesprochen, verlor aber, nachdem der Polizeipräsident Revision einlegte, und wurde zu einer Strafe von 1.800 DM und 20.000 DM Gerichtskosten verurteilt. Klaus Wagenbach verlor jeden seiner vier Prozesse zwischen 1974 und 75. Er wurde zu Geldstrafen und einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten auf Bewährung verurteilt.

1975 veränderte Wagenbach das Verlagskonzept: die neue Buchreihe „Wagenbachs Taschenbücherei“ (WAT) enthielt gegen den allgemeinen Trend literarische und politische Texte der jeweiligen Zeit. Diese Reihe erhielt das Motto: „Lasst uns Denken und Laune anstiften statt vorschreiben. Und den Kopf schütteln, das heißt lockern.“. Der Verlag begann seinen Schwerpunkt dahingehend zu verändern, dass er in zunehmendem Maße italienische Literatur veröffentlichte.

1979 erhielt Klaus Wagenbach seine erste öffentliche Anerkennung: Der „Verband der deutschen Kritiker“ verlieh ihm den „Kritikerpreis 1979 für Literatur“ für die Anthologie „Vaterland, Muttersprache – Deutsche Schriftsteller und ihr Staat“.

Bedingt durch schwindendes Interesse der Leser an politischer Literatur, gab der Verlag 1979 die Buchreihe „Politik“ auf, band allerdings deren wichtigste Bücher um und integrierte sie so in die Taschenbücherei und in das 1981 entstehende „Allgemeine Programm“. Dieses „Allgemeine Programm“ besteht bis heute und vereinigt umfangreiche wissenschaftliche Texte und großformatige Bücher, die den Absichten des Verlages entsprechen: also Kunst- und Sozialgeschichtliches, Philosophie und politisch-analytische Bücher mit linkem, emanzipatorischem Charakter, die andere Verlage abgelehnt hatten.

1984 wurde zum 20-jährigen Verlagsbestehen der „Fintentisch“ herausgegeben, ein umfangreicher Almanach zur Verlagsgeschichte mit ausgewählten Gedichten und Texten aus Publikationen vergangener Jahre.

In den 1970er Jahren verlegte Wagenbach weitere Tonaufnahmen der Gedichte Ernst Jandls, die in Druckform ihre Wirkung kaum entfalten.

1985 bis 2002
1987 gründete der Verlag die Reihe „SALTO“, deren Bücher nach klassischer handwerklicher Tradition hergestellt und in leuchtend rotes Leinen gebunden werden und somit Texte der zeitgenössischen Literatur in einer klassischen, traditionellen Form präsentieren. (z.B. Autoren wie Erich Fried, Carlo Emilo Gadda, Djuna Barnes, Virginia Woolf) Die Reihe „SALTO“ wurde ein voller Erfolg, auch im Bereich des Geschenkbuches. 1988 begründet Klaus Wagenbach die Reihe „Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek“, die hauptsächlich wissenschaftliche Essays enthält. 1989 erschien zum 25-jährigen Verlagsjubiläum der Almanach „Das schwarze Brett“, der auf dem „Fintentisch“ basierte.

Klaus Wagenbach mit Horst Köhler im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2006, im Hintergrund die bekannten roten Bücher der SALTO-Reihe

Klaus Wagenbach mit Horst Köhler im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2006, im Hintergrund die bekannten roten Bücher der SALTO-Reihe

1990 erhielt Klaus Wagenbach vom römischen Kulturgüterministerium den mit 33.000 DM (ca. 17.000 EUR) dotierten Preis „Il Premio Nazionale per la Traduzione“ für die Verbreitung italienischer Literatur im deutschen Sprachraum. 1993 begann das umfangreichste Projekt des Verlages: Die Veröffentlichung der Gesamtwerke von Erich Fried mit zum Teil bisher unveröffentlichten Texten des Lyrikers. 1997 fand eine Umgestaltung der Taschenbücher statt, 1998 wurde die CD/MC Reihe „Wagenbachs LeseOhr“ begründet.

2002 übergab Klaus Wagenbach die Leitung seines Verlags an seine Ehefrau Susanne Schüssler. Wagenbach ist jedoch im Verlag weiterhin als Lektor und Berater tätig und mit seiner Tochter Nina Wagenbach, die den Vertrieb leitet, Teil der Geschäftsführung.

2002 bis 2014
2004 erschienen die ersten Bände der berühmten Vite, mit denen Giorgio Vasari Mitte des 16. Jahrhunderts die europäische Kunstgeschichte begründete. Die Edition Giorgio Vasari mit 45 Bänden wird bearbeitet vom Kunsthistorischen Institut in Florenz.

Das Literaturprogramm internationalisiert sich mit Entdeckungen aus dem italienischen, spanisch-, französisch- und englischsprachigen Ausland, immer häufiger auch aus Übersee und Afrika. Die Reihe Salto feierte 2007 ihren 20. Geburtstag: Mit 1,4 Millionen verkauften Exemplaren, 150 erschienenen und davon 105 noch lieferbaren Titeln sind die Bände im roten Leinen längst zum Markenzeichen des Verlags geworden.

Nach 25 Jahren wurde die Reihe Politik bei Wagenbach 2008 zu neuem Leben erweckt: Die meinungsstarken Bücher für eine Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits werden herausgegeben von der Politikwissenschaftlerin Patrizia Nanz.

Im selben Jahr veröffentlichte der Verlag mit Die souveräne Leserin von Alan Bennett erstmals einen Bestseller, 230.000 Exemplare wurden allein in den ersten sechs Monaten verkauft. 2010 kam das Opus Magnum Vittorio Magnago Lampugnanis Die Stadt im 20. Jahrhundert mit 960 Seiten und 640 Abbildungen (davon die meisten farbig) heraus.

Die Autoren des Verlags wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem Daniel Alarcón mit dem Internationalen Literaturpreis, Horst Bredekamp mit dem Max-Planck-Forschungs- sowie dem Aby-M.-Warburg-Preis, Milena Michiko Flasar mit dem Literaturpreis Alpha, Sergio Pitol mit dem Cervantes, Tiziano Scarpa mit dem Premio Strega, Klaus Wagenbach mit dem Österreichischen Toleranzpreis und Victor Zaslavsky mit dem Hannah-Arendt-Preis.

Im Jahr 2014 feiert der Verlag seinen 50. Geburtstag, mit vielen neuen Autoren und Büchern. Ein Quartheft mit dem Titel „Buchstäblich Wagenbach“ bringt eine Leistungsschau des Verlags mit vielen seiner Autoren. Von Mai bis Juli 2014 fand eine Ausstellung über den Verlag in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin statt. (Quelle: wikipedia)

Der Verlag hat eine kleine pdf – Broschüre über seine Verlagsgeschichte veröffentlicht; die nehme ich mal zum Anlass, über diesen Querdenker-Verlag zu informieren. Ich habe dem Wagenbach-Präsentationspäckchen dann noch folgende Ergänzungen beigelegt:

  • Verlagsportrait Wagenbach – Wir waren von Anfang an auch konservativ (Die Welt, 2014)
  • Wagenbach – Liberaler als die Polizei erlaubt (brand eins Portrait, 2010)

 

Und wie immer, hier ein paar Beispiele aus der Verlagsbroschüre (21  Seiten):

 

Beispiel01
Beispiel02
Beispiel03
Beispiel04
Beispiel05
Beispiel06
Beispiel07
Beispiel08
Beispiel09
Beispiel10
Beispiel11
Beispiel12
Beispiel13

Und hier geht´s zur Präsentation:

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