Verschiedene Interpreten – 20 Jahre Wahrheiten über Deutschland (2014)

FrontCover1Früher, in einem Land vor unserer Zeit, gab´s Silvester regelmässig die Kabarett-Sendung „Schimpf vor zwölf“ dem jeweils aktuellen Kabarettprogramm der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, in dem auf das jeweilige Jahr zurückgeblickt wurde. Mitwirkende waren Dieter Hildebrandt, Ursula Noack, Hans-Jürgen Diedrich, Jürgen Scheller und Klaus Havenstein. In der letzten Sendung 1971 waren Diedrich und Havenstein nicht mehr dabei, für sie wirkten jetzt Horst Jüssen und Achim Strietzel mit.

Nun, ein solches Format ist natürlich heutzutage so gar nicht mehr denkbar.

Aber, als kleine Erinnerung an diese Zeit hier ein kabarettistischer Rückblick auf die Jahre 1994 – 2014 … der zuweilen so richtig bitter böse ist und zuweilen sowas von erschreckend aktuell („Nationale Identität“, „Der Türke im Heimatverein“, „Schweizer Nummernkonto“, „Rechte Gefahr & Heldenopfer“

Znd wir dürfen uns bedanken und amüsieren bei Kabarettisten wie (in der Reihe ihres Auftritts):

Jürgen Becker – Lisa Fitz – Richard Rogler – Ingo Insterburg – Improvisationstheater Springmaus – Horst Schroth– Dieter Nuhr – Urban Priol – Bullemänner – Helmut Schleich – Andreas Rebers – Wolfgang Nitschke – Hennes Bender – Luise Kinseher – Serdar Somuncu – Wilfried Schmickler – Dagmar Schönleber – Hagen Rether – Wolfgang Nitschke – Claus von Wagner – Horst Evers – Christoph Sieber – Mathias Tretter – Wilfried Schmickler – Jochen Busse & Henning Venske – Martin Sonneborn – Sebastian 23 – Matthias Reuter – Max Uthoff – Carolin Kebekus – Sebastian Pufpaff – Gayle Tufts – Abdelkarim – Wiglaf Droste – Jess Jochimsen

Viele der Namen sind nicht mehr so geläufig, aber etliche der Namen sind bis heute unterwegs, um als das Salz in der Suppe unseren privaten wie politischen Alltag giftig zu kommentieren.

Von daher dient dieser Sampler zu einem amüsanten Auftakt in das Jahr 2015 ! Und: es gibt so etliche Perlen des exquisiten Spotts !

Und was der Helmut Schleich mit seinem „Der Körperhasser“ abliefert, ist ein Feuerwerk der Extraklasse !

Und dann noch die Lisa Fitz mit ihrer „Nationale Identität“, Martin Sonneborn sitzt inzwischen im Europäischem Parlament … und bei „Hier spricht ihr Kapitän“ …. bekommt man eine trockene Kehle ,,, angesichts der Realität, als ein Pilot seine Maschine gegen eine Felswand steuerte …

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Titel:

CD 1:
01. Jürgen Becker: Fred Fussbroich 3.05
02. Lisa Fitz: Nationale Identität 2.41
03. Richard Rogler: Tom 4.35
04. Ingo Insterburg: Ich hab mein Herz verliehn 4.35
05. Improvisationstheater Springmaus: Hier spricht ihr Kapitän 3.27
06. Horst Schroth: Raucher sind die besseren Menschen 3.38
07. Dieter Nuhr: Antiautoritäre Erziehung und Rentner 2.51
08. Urban Priol: Früher war Fußball auch irgendwie anders 2.32
09. Dieter Nuhr: Fresse halten 0.46
10. Richard Rogler: Derrick 1.43
11. Bullemänner: Der Türke im Heimatverein 1.43
12. Horst Schroth: Der Mann und sein Spieltrieb 1.29
13. Helmut Schleich: Das Jahr 2000 1.38
14. Andreas Rebers: Tauchstation 3.18
15. Wolfgang Nitschke: Von Austern in kleingehackten Hoden über Aphrodite 6.22
16. Urban Priol: Deutschland goes Dienstleistung 4.31
17. Helmut Schleich: Der Körperhasser 4.32
18. Hennes Bender: Botschafter des Potts 2.01
19. Luise Kinseher: Schweizer Nummernkonto 2.40
20. Serdar Somuncu: Rechte Gefahr & Heldenopfer 10.56
21. Wilfried Schmickler: Am kölschen Tresen soll die Welt genesen! & Freundlicher Faschist 6.17

CD 2:
22. Dagmar Schönleber: Bombä? (Gülay + Chantal) 6.17
23. Dieter Nuhr: Der freie Mensch im Fernsehen 2.15
24. Hagen Rether: Humana Ikea 3.05
25. Wolfgang Nitschke: Weltjugendtag 2.08
26. Claus von Wagner: Wenn ein Bayer Gottes Stellvertreter wird 1.46
27. Horst Evers: Pforzheim 2.22
28. Christoph Sieber: Grillt Knut 4.40
29. Mathias Tretter: Einbürgerung 2.17
30. Wilfried Schmickler: Wir sind wir 1.34
31. Helmut Schleich: Alte Helden 3.33
32. Jochen Busse & Henning Venske: Sprachregelung 4.10
33. Martin Sonneborn: Die Kampa 5.05
34. Horst Evers: Wohnungseinrichtung 1.36
35. Sebastian 23: Ich lüge immer 2.10
36. Matthias Reuter: Matschfarben 1.26
37. Max Uthoff: Europa 1.57
38. Carolin Kebekus: Programmverbrechen 2.56
39. Dieter Nuhr: Der Mensch glaubt alles 2.21
40. Philip Simon: Gleisch Soße in Oranje 1.17
41. Sebastian Pufpaff: Die Wahrheit über Ikeas Bälle 3.10
42. Hagen Rether: Orwell 1.07
43. Claus von Wagner: Finanzkrise 2.53
44. Gayle Tufts: Hysterie 3,32
45. Dieter Nuhr: Alles ist möglich 1.12
46. Abdelkarim: Die NPD und ihr Hass im Ärmel & Gastarbeiter 2.01
47. Urban Priol: 65 Jahre Grundgesetz 4.34
48. Wiglaf Droste: Spinnen im Netz 1.18
49. Jess Jochimsen: Ich möchte lieber nicht 3.07
50. Hagen Rether: Regenbogen 2.18

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Illustration

Lisa Fitz – Heil! – Vom Therapiechaos zur deutschen Ordnung (1994)

frontcover1Tja, die Lisa Fitz …

…entstammt der bayrischen Künstlerdynastie Fitz – wie auch Veronika, Michael, Florian David und Sohn Nepo Fitz, die sich in den Bereichen Schauspiel und Musik einen großen Namen gemacht haben.

Lisa Fitz studierte Musik, Ballett, Schauspiel und klassische Gitarre, bevor sie nach vielen Auftritten ihre ersten Soloprogramme in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zum Besten gab.

Dem breiten Publikum wurde sie durch Auftritte in Fernsehshows, TV-Filmen und Kabarettsendungen bekannt. Auf der Bühne steht Lisa seit dem 10. Lebensjahr.

Seit 1981 wesentlich an der Entwicklung des deutschen Kabaretts beteiligt, präsentierte sie als erste Frau in Deutschland Soloprogramme mit eigenen Texten. Zahlreiche Engagements folgten als Schauspielerin auf der Bühne und in Filmen. Sie wurde u.A. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Sigi-Sommer-Taler und der Ludwig-Thoma-Medaille ausgezeichnet.

Lisa Fitz hat die Frauenbewegung in Deutschland nachhaltig beeinflusst und unterstützt. Eine ihrer Stärken war dabei seit jeher der Humor. Ungleichheiten in der gesellschaftlich-sozialen Stellung von Mann und Frau deckt sie mit Witz und Ironie – bissig, jedoch ohne Verbissenheit oder Frustration – auf.

LisaFitz02Lisa Fitz ist als Freigeist bekannt für liberale Gesinnung, d.h. dafür, überparteiliche und überkonfessionelle Satire zu schreiben, trotzdem aber politisch Stellung zu beziehen.

In gut 30 Jahren Kabarett sahen ihre Shows Millionen begeisterte Zuschauer und bilden eine große Fangemeinde in BRD, Österreich und der Schweiz. Konzertauftritte an bis zu 120 Tagen im Jahr.

Eine Besonderheit ihres Kabarett-Stils ist, Weisheiten & Provokantes mitunter in einer volkstümlichen Sprache zu verstecken, so dass sie

von der Form her leicht verdaulich wirken, wenn auch der subversive
Inhalt oft nicht leicht zu schlucken ist… (Quelle: muenchner-kabarettschule.de)

Hier ein frühes Programm (ihr drittes) … das wirklich einen weiteren Höhepunkt im Schaffen der Lisa Fitz darstellt …

„Lisa Fitz verarbeitet in diesem Programm ihre vergangene Liebesbeziehung zu einem gutaussehenden, verheirateten Typen, einem „geföhnten, porschefahrenden Steiger“. Wie konnte so etwas einer so selbstbewußten, selbständigen Frau wie ihr überhaupt passieren, hä?!
Die Selbstanalyse führt natürlich – wie sollte es bei ihr anders sein – zu einem allgemeinen Philosophieren über Seelenheil, Therapien und Sinnsuche. Und das auf ihre temperamentvolle, beherzte, provokante, sehr bayerisch-derbe Art – herrlich! Ihre enorme Bühnenpräsenz hilft ihr dabei.
In rasendem Tempo wechseln sich scharfsinnig-intellektuelle Gesellschaftsanalysen und laute persönliche Befindlichkeitsäußerungen ab. Fitz fordert dabei die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers, will ihn wachrütteln, aber auch echte Lebensfreude vermitteln. Niemand entkommt ihr. Fazit dieses Programms (und ihrer Programme überhaupt) ist: Der konsumgeile, vollgefressenen Vollkasko-Deutsche muß wieder an etwas Sinnvolles glauben können (!)
Die Songs zwischendrin sind witzig, flott, temperamentvoll und profitieren von ihrer Musikalität.
Hinhören lohnt sich – man hat am Ende das Gefühl, die Welt von dieser Querdenkerin mal so richtig erklärt bekommen zu haben…
Übrigens enthält das Booklet ein sehr schönes Vorwort von ihrem „Fan“ Konstantin Wecker – sehr lesenswert“ (Ein Amazon-Kunde)

oder, kurz und knapp:
Knackig und als handfestes „Rock-Kabarett“ inszenierte Lisa Fitz ihr Programm Heil! Die Bayerin fabuliert, daß Liebe kreuzigt, skizziert den Therapie-Terror oder den Porschefahrer – ganz schön deftig! (Audio)

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So harmlos, wie sie hier ausschaut, war und ist sie ganz sicher nicht …

Köstlich ihre Auseinandersetzung mit jenem Porschefahrer, der ihr Herz gebrochen hat … köstlich die Reaktionen der Umwelt darauf … (Lisa Fitz war übrigens tatsächlich in einer psychosomatischen Klinik wegen dieser Affäre)

Und dann, am Ende einer wahrer Klassiker: „Nationale Identität“ … viel zeitloser geht´s nicht mehr wie b ei dieser Aufnahme, die nunmehr 22 Jahre alt ist ! Heute wertvoller, denn ja !

Und ja … der Text von Konstantin Wecker … bringt es auf seine Weise so richtig fein auf den Punkt.

Aber Achtung: Lisa Fitz ist manchmal nichts für zarte Nerven … zuweilen ist sie vulgär und abszön … direkt und schamlos … und das ist gut so !

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Lisa Fitz im „Schulmädchen-Report“, 1970

Besetzung:
Lisa Fitz (vocals)
Christopher Rockingham Gill (keybords, saxophone)
Werner Schultheiß (guitar)

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Titel:
01. Vernissage 9.05
02. Trostsysteme 4.00
03. Das Lied vom Glauben 4.30
04. Der Porschefahrer 8.09
05. Liebe kreuzigt 4.00
06. Bücher & Sprüche 7.23
07. I bin bläd 3.02
08. Therapie Terror 13.24
09. Ich bin doch kein Säufer 4.10
10. Sartre 5.12
11. Das Glück is a Vogerl 2.56
12. Nationale Identität 8.00

Musik und Texte: Lisa Fitz

Idee und Konzeption: Lisa Fitz, Frank Herrath, Ali Khan-Halmatoglu
Textmitarbeit: Klaus-Peter Schreiner, Frank Herrath, Ali Khan-Halmatoglu
Künstlerische Mitarbeit: Günther Fischer
Regie: Lisa Fitz & Ali Khan-Halmatoglu

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