Lisa Fitz – Heil! – Vom Therapiechaos zur deutschen Ordnung (1994)

frontcover1Tja, die Lisa Fitz …

…entstammt der bayrischen Künstlerdynastie Fitz – wie auch Veronika, Michael, Florian David und Sohn Nepo Fitz, die sich in den Bereichen Schauspiel und Musik einen großen Namen gemacht haben.

Lisa Fitz studierte Musik, Ballett, Schauspiel und klassische Gitarre, bevor sie nach vielen Auftritten ihre ersten Soloprogramme in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zum Besten gab.

Dem breiten Publikum wurde sie durch Auftritte in Fernsehshows, TV-Filmen und Kabarettsendungen bekannt. Auf der Bühne steht Lisa seit dem 10. Lebensjahr.

Seit 1981 wesentlich an der Entwicklung des deutschen Kabaretts beteiligt, präsentierte sie als erste Frau in Deutschland Soloprogramme mit eigenen Texten. Zahlreiche Engagements folgten als Schauspielerin auf der Bühne und in Filmen. Sie wurde u.A. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Sigi-Sommer-Taler und der Ludwig-Thoma-Medaille ausgezeichnet.

Lisa Fitz hat die Frauenbewegung in Deutschland nachhaltig beeinflusst und unterstützt. Eine ihrer Stärken war dabei seit jeher der Humor. Ungleichheiten in der gesellschaftlich-sozialen Stellung von Mann und Frau deckt sie mit Witz und Ironie – bissig, jedoch ohne Verbissenheit oder Frustration – auf.

LisaFitz02Lisa Fitz ist als Freigeist bekannt für liberale Gesinnung, d.h. dafür, überparteiliche und überkonfessionelle Satire zu schreiben, trotzdem aber politisch Stellung zu beziehen.

In gut 30 Jahren Kabarett sahen ihre Shows Millionen begeisterte Zuschauer und bilden eine große Fangemeinde in BRD, Österreich und der Schweiz. Konzertauftritte an bis zu 120 Tagen im Jahr.

Eine Besonderheit ihres Kabarett-Stils ist, Weisheiten & Provokantes mitunter in einer volkstümlichen Sprache zu verstecken, so dass sie

von der Form her leicht verdaulich wirken, wenn auch der subversive
Inhalt oft nicht leicht zu schlucken ist… (Quelle: muenchner-kabarettschule.de)

Hier ein frühes Programm (ihr drittes) … das wirklich einen weiteren Höhepunkt im Schaffen der Lisa Fitz darstellt …

„Lisa Fitz verarbeitet in diesem Programm ihre vergangene Liebesbeziehung zu einem gutaussehenden, verheirateten Typen, einem „geföhnten, porschefahrenden Steiger“. Wie konnte so etwas einer so selbstbewußten, selbständigen Frau wie ihr überhaupt passieren, hä?!
Die Selbstanalyse führt natürlich – wie sollte es bei ihr anders sein – zu einem allgemeinen Philosophieren über Seelenheil, Therapien und Sinnsuche. Und das auf ihre temperamentvolle, beherzte, provokante, sehr bayerisch-derbe Art – herrlich! Ihre enorme Bühnenpräsenz hilft ihr dabei.
In rasendem Tempo wechseln sich scharfsinnig-intellektuelle Gesellschaftsanalysen und laute persönliche Befindlichkeitsäußerungen ab. Fitz fordert dabei die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers, will ihn wachrütteln, aber auch echte Lebensfreude vermitteln. Niemand entkommt ihr. Fazit dieses Programms (und ihrer Programme überhaupt) ist: Der konsumgeile, vollgefressenen Vollkasko-Deutsche muß wieder an etwas Sinnvolles glauben können (!)
Die Songs zwischendrin sind witzig, flott, temperamentvoll und profitieren von ihrer Musikalität.
Hinhören lohnt sich – man hat am Ende das Gefühl, die Welt von dieser Querdenkerin mal so richtig erklärt bekommen zu haben…
Übrigens enthält das Booklet ein sehr schönes Vorwort von ihrem „Fan“ Konstantin Wecker – sehr lesenswert“ (Ein Amazon-Kunde)

oder, kurz und knapp:
Knackig und als handfestes „Rock-Kabarett“ inszenierte Lisa Fitz ihr Programm Heil! Die Bayerin fabuliert, daß Liebe kreuzigt, skizziert den Therapie-Terror oder den Porschefahrer – ganz schön deftig! (Audio)

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So harmlos, wie sie hier ausschaut, war und ist sie ganz sicher nicht …

Köstlich ihre Auseinandersetzung mit jenem Porschefahrer, der ihr Herz gebrochen hat … köstlich die Reaktionen der Umwelt darauf … (Lisa Fitz war übrigens tatsächlich in einer psychosomatischen Klinik wegen dieser Affäre)

Und dann, am Ende einer wahrer Klassiker: „Nationale Identität“ … viel zeitloser geht´s nicht mehr wie b ei dieser Aufnahme, die nunmehr 22 Jahre alt ist ! Heute wertvoller, denn ja !

Und ja … der Text von Konstantin Wecker … bringt es auf seine Weise so richtig fein auf den Punkt.

Aber Achtung: Lisa Fitz ist manchmal nichts für zarte Nerven … zuweilen ist sie vulgär und abszön … direkt und schamlos … und das ist gut so !

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Lisa Fitz im „Schulmädchen-Report“, 1970

Besetzung:
Lisa Fitz (vocals)
Christopher Rockingham Gill (keybords, saxophone)
Werner Schultheiß (guitar)

booklet1

Titel:
01. Vernissage 9.05
02. Trostsysteme 4.00
03. Das Lied vom Glauben 4.30
04. Der Porschefahrer 8.09
05. Liebe kreuzigt 4.00
06. Bücher & Sprüche 7.23
07. I bin bläd 3.02
08. Therapie Terror 13.24
09. Ich bin doch kein Säufer 4.10
10. Sartre 5.12
11. Das Glück is a Vogerl 2.56
12. Nationale Identität 8.00

Musik und Texte: Lisa Fitz

Idee und Konzeption: Lisa Fitz, Frank Herrath, Ali Khan-Halmatoglu
Textmitarbeit: Klaus-Peter Schreiner, Frank Herrath, Ali Khan-Halmatoglu
Künstlerische Mitarbeit: Günther Fischer
Regie: Lisa Fitz & Ali Khan-Halmatoglu

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