Verschiedene Interpreten – Lehrlinge halten zusammen (1969)

FrontCover1Um diese ambitionierte, engagierte und klassenkämpferische LP besser zu verstehen, muss man sich zumindest ein wenig vergegenwärtigen, wie sich Ende der 60er Jahre die wirtschaftliche und soziale der „Lehrlinge“ darstellte. Deshalb hier den Anfang einer „Spiegel“ Titelstory aus dem Jahr 1970, die sich eben ausführlich mit dieser Situation auseinandersetzte:

Der Lehrling soll „es wissen und fühlen, daß er eben noch zu lernen hat“. Der „Begriff des Gehorchenmüssens“ soll „erhalten bleiben“.

Der Lehrling soll sich „treu, fleißig, ehrlich“ verhalten, „seinem Meister und andern ihm vorgesetzten Personen … mit gebührender Achtung und Bescheidenheit“ begegnen.

Der Lehrling soll sich „eines frommen und sittlichen Lebenswandels … befleißigen“ und sich „des Besuches öffentlicher Schankhäuser … während seiner Lehrzeit gänzlich enthalten“.

Der Lehrling soll einer „straffen Zucht“ unterworfen und vor „Phrasen über „Freiheit“, geschützt werden, sonst würde er rasch „die zuverlässigste Phalanx der Agitatoren bilden“.

Lehlings-Demo in Hamburg, 1970

Gutachter — Professoren und Wirtschaftsführer, Handwerksmeister und Gewerbevereinsfunktionäre — haben solche Maximen in einem Sammelband niedergeschrieben. Das war im Jahre 1875. Seitdem hat sich nicht viel geändert.

Fast hundert Jahre später soll der Lehrling zur „Folgsamkeit erzogen werden“ und sich „nicht länger als unbedingt notwendig im Bad aufhalten“. Er soll sich „vor keiner Arbeit drücken“ und „sich zum Aufsuchen der Toilette“ beim Ausbilder ab- und zurückmelden — so stand es noch letztes Jahr beispielsweise in den Lehrlings-Vorschriften der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF).

Und weiter hieß es da: Der Lehrling soll „den Wert des … Pfennigs schätzenlernen“ und „zeitig zu Bett gehen“. Er soll „Ordnung beim Stechen“ (Stechuhren) wahren und „immer an seine Zukunft denken“.

DerSpiegel (18_1970)„Ein froher und höflicher Gruß innerhalb und außerhalb des Betriebes“ gehörte laut BASF-Ordnung „zu jedem anständigen Lehrling“. Hingegen: „Eine Künstlermähne (Beatle-Frisur), gezüchtete Backenhaare oder sogenanntes Philosophenbärtchen sind eines frischen und lebendigen Lehrlings unwürdig.“

Noch immer herrschen in Westdeutschlands Lehrbetrieben strikte Hierarchie und materielle Ausbeutung, wie sie die Bildungsprivilegierten an den Gymnasien und Hochschulen niemals erfahren haben.

Noch immer dürfen Lehrlinge nicht streiken, Lehrlinge unter 18 Jahren nicht an Wahlen zum Betriebsrat teilnehmen. Ihre Jugendvertreter genießen keinen Kündigungsschutz wie etwa Betriebsratsmitglieder.

Noch immer verdienen die meisten Handwerkslehrlinge nur ein Drittel des Hilfsarbeiter-Lohns (100 bis 250 Mark), obgleich sie häufig, spätestens im dritten Lehrjahr, dem Unternehmer soviel einbringen wie Gesellen.

„Noch immer … erfüllt die Lehre in vielen westdeutschen Betrieben“, urteilen die Soziologen Wolfgang Lempert und Heinrich Ebel, „ihre herkömmliche Doppelfunktion, wirkt sie zugleich als Werkzeug der Erziehung zum Untertanen und als Waffe des unlauteren Wettbewerbs.“ Der Spiegel 18/1970)

AufrufNun, ich war zwar nie in der Situation, ein Lehrling zu sein, aber in meinem damaligen Bekanntenkreis kannte ich schon einige, die vom Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ihr ganz spezielles Lied singen konnten.

Und von daher war das Anliegen dieses Samplers mehr als ehrenwert und natürlich ein typisches Produkt jener Jahre aus dem Pläne-Verlag … und die paar versprengten DKP-Mitglieder hatten vielleicht nun die Hoffnung, dass es zum Aufschrei und Aufstand der proletarischen Massen kommen könnte. Rockmusik als Transportmittel „radikaler“ Ideen.

Nun, wie wir wissen, war diese Hoffnung trügerisch … Und schon damals hegte ich den Verdacht, dass man mit einer derartigen Musik (Stichwort: wir werden immer mehr) genau jene Massen nicht erreichen kann und wird.

Dehmist dieser Sampler natürlich musikhistorisch ziemlich interessant: Neben dem schon damals durchaus bekannten Dieter Süverkrüp und der Polit-Rock-Gruppe Floh De Cologne sind auch so „Eintagsfliegen“ wie „Die Conrads“, „Interpol“ oder „Vorschlaghammer“ mit ihren Songs zu hören.

Und dann gibt´s noch den Barden Lerryn … und hieter diesem Namen verbirgt sich kein geringerer als Dieter Dehm, der bis heute sich aktiv in Politik und Kultur einmischt. Ursprünglich war er ein langjähriges SPD Mitglied, war entscheidend an dem Erfolg der „Bots“ in Deutschland beteiligt und wechselte dann 1998 zur PDS („Die Linke“) und ist für diese Partei bis heute Mitglied des Deutschen Bundestages.

Der Dehm hat wirklich einen schillernden, zuweilen recht zweifelhaften Lebenslauf hingelegt (es scheint mittlerweile geklärt zu sein, dass er als IM für die Stasi arbeitete). Und damals veröffentlichte er bei Pläne auch eine eigene Single, bei neben dem auf dem Sampler enthaltenen Song „Lehrlings-Machtgebeat“ auch das Lied „Der Gummiknüppelsong“. Und diesen Song habe ich dann noch als Bonus-Titel ergänzend dazugepackt …

Ach ja, mehrfach wird als Texterin Lieselotte Rauner genannt: Lieselotte Rauner war eine deutsche Schriftstellerin, die 1970 den „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ gründete.  Ihr literarisches Werk schilderte vor allem Arbeitsleben und Alltag der westdeutschen Arbeiterschaft schildert und sie zählt für mich zu den eher vergessenen Schriftstellerinnen dieser Zeit.

Allen, die in diesen bewegten Zeiten so allmählich groß gewurden sind schicke ich angesichts dieser zuweilen drolligen Texten einen lieben Gruß !

BackCover1

Titel:
01. Die Conrads: Hoch vom Dach (Die Conrads/Kollektiv SDAJ) 3.28
02. Floh De Cologne:  Hallo Stift (Floh De Cologne)
03. Interpol:  Schaffen sie sich einen Lehrling an (Interpol) 3.47
04. Vorschlaghammer:  Ballade von den bösen Lehrlingen (Vorschlaghammer/Bücher) 2.52
05. Vorschlaghammer: Armer Anton (Vorschlaghammer) 1.12
06. Die Conrads: Nach dreißig Jahren (Die Conrads/Rauner) 1.45
07. Die Conrads/Hannes Stütz: Dick und Doof in der Fabrik (Stütz) 2.53
08. Dieter Süverkrüp: Das Lied vom Nutzen (Süverkrüp) 2.51
09. Floh De Cologne:  Lehrherr unser (Floh De Cologne) 1.52
10. Interpol: Ich bin so glücklich (Interpol) 3.15
11. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Was ein Lehrling alles lernt (Süverkrüp/Siebert) 0.29
12. Die Conrads: Betriebsgeheimnis (Die Conrads/Rauner) 0.59
13. Lerryn / Dadazuzu: Lehrlings-Machtgebeat (Lerryn/Günther) 3.12
14. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Lehrlingsbilanz (Süverkrüp/Rauner) 0.33
15. Münchner Songgruppe: Lehrlinge zusammenhalten (Münchner Songgruppe) 3.21
16. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Wer hat den Lehrling gemacht (Süverkrüp) 2.26
17. Floh De Cologne:  Wir werden immer mehr (Floh De Cologne) 2.08
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18. Lerryn und Dadazuzu: Gummiknüppelsong (Lerryn) 5.57

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LerrySingelHülle

Floh De Cologne – Fließbandbaby’s Beat-Show (1970)

FrontCover1Damals waren sie ganz sicher eine Instituion in der deutschen Polit-Rock-Szene und auch wenn heute so manches antiquiert klingen mag, sie waren es damals zu recht !

Aber erstmal ein kleiner geschichtlicher Abriß (so viel Zeit muss sein !):

Floh de Cologne war eine zwischen 1966 und 1983 aktive Kölner Politrock-Band und Kabarettgruppe der linken außerparlamentarischen Opposition und des Umfelds der Neuen sozialen Bewegungen in der westdeutschen Bundesrepublik.

Floh de Cologne wurde am 20. Januar 1966 von Kölner Studenten zunächst als Politkabarett gegründet. Die Band stammte aus der Kölner APO um den SDS, ihre politische Ausrichtung veränderte sich über die Jahre hinweg zu einer klar dialektisch-marxistischen Position; unabhängig voneinander traten die Mitglieder der Band zwischen 1970 und 1973 in die DKP ein. Ihr legendärster Auftritt bleibt wohl der auf dem Fehmarn-Festival am 6. September 1970 nach Jimi Hendrix; dies war dessen letzter Auftritt vor seinem Tod. 1973 trat Floh de Cologne als musikalischer Teil einer westdeutschen Abordnung bei den X. Weltfestspielen der Jugend in Ost-Berlin auf. Ab 1980 waren Teile der Band (Vridolin Enxing als Vorsitzender) aktiv bei Rock gegen Rechts, im selben Jahr erhielt die Gruppe den Deutschen Kleinkunstpreis zusammen mit Gerhard Polt. 1983 löste sich Floh de Cologne auf.

Als die ursprünglich konventionelle Kabarettgruppe bei den Essener Songtagen 1968 Undergroundbands wie die Mothers of Invention, die Fugs und die Edgar Broughton Band erlebt hatte, orientierte sie sich mit ihrem dritten Programm „SimSAlabimbambaSAladUSAladim“ stilistisch um und verband agitatorische Texte mit Beatmusik und einer Bühnenshow zu sogenannten „Agitations-Revuen“[2] und entwickelte sich zu einer der führenden Politrock-Bands. 1969 schloss Floh de Cologne einen Exklusiv-Plattenvertrag mit dem Label Ohr/Metronome für die Produktion „Fließbandbabys-Beatshow“ und weitere Produktionen ab. Der seinerzeit legendäre Metronome-Produzent Rolf-Ulrich Kaiser, Szenenname: „Kosmischer Kurier“, war maßgeblich beteiligt am Aufbau der so genannten Krautrock-Szene dieser Jahre.

1971 schuf Floh de Cologne die erste deutschsprachige Rockoper namens „Profitgeier“. In der dreisätzigen „Geyer-Symphonie“ von 1973 arbeitete die Band in ihre Musik Originalausschnitte aus Politikerreden anlässlich des Begräbnisses des deutschen Großindustriellen Friedrich Flick ein. Mit der Kantate für Rockband „Mumien“ reagierte die Band schon im Jahr 1974 auf den Putsch in Chile, unter anderem mit einer Vertonung der letzten Rede des gestürzten Präsidenten Salvador Allende. Im selben Jahr erarbeitete der „Floh“ zusammen mit Hans Werner Henze alternative Vertonungen des Chilelieds („Dieser chilenische Sommer war süß“; 1974), Text: Rudi Bergmann (* 1950), Uraufführung am 31. Mai 1974 Essen (Grugahalle: Gedenkkonzert für Victor Jara, zugleich Solidaritätsveranstaltung für den Widerstand in Chile). Grenzüberschreitend war ebenfalls die Zusammenarbeit mit Mauricio Kagel bei den „Kölner Kursen für Politische Musik“ (1975). In der Rockoper „Koslowsky“, für die die Band ein Jahr lang vor Ort recherchiert hatte, zeichnete Floh de Cologne 1980 das Schicksal eines Arbeiters aus dem Ruhrgebiet nach, der nach Bayern zur Maxhütte kommt.

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Weniger bekannt, aber wesentlich für die Entwicklung der Band, waren ihre Arbeiten für das Theater. So entstanden in Zusammenarbeit mit Roberto Ciulli am Kölner Schauspielhaus: „Ein Neuer Florentinerhut“ nach Eugene Labiche (1976 Rowohlt-Theaterverlag), mit dem Markgrafen-Theater Erlangen und dem Staatstheater Wiesbaden: „Rotkäppchen – ein Märchen mit viel Rock und Pop und Rum-ta-ta“ nach Jewgeni Schwarz (1977/1980 Kiepenheuer & Witsch-Theaterverlag). Weitere Arbeiten erfolgten in verkleinerter Besetzung nach der Auflösung (Dick Städler, Theo König, Vridolin Enxing): Am Grillo-Theater Essen zusammen mit David Esrig eine Neufassung von „Der Krieg“ von Carlo Goldoni (1984 Sessler-Verlag Wien), „Babette oder peu a peu“ mit Helmut Ruge am Markgrafen-Theater Erlangen (1986), ebenfalls dort: „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (1986).

Die Kritik reagierte auf die Band meist zwiespältig, so resümierten Graves/Schmidt-Joos: „Die durchaus wegweisende Musikagitation mit harten Fakten wurde […] stets durch Beigabe unnützer Fiktionen über Ausbeutung, Arbeiterelend, Klassenkampf und ein sozialistisches Utopia geschwächt“, erkannten aber an: „Immerhin gelang es Floh de Cologne als erster deutscher Rock-Band, der nach ihren ethnischen und sozialen Ursprüngen motivierbaren Aggressivität, Spontaneität und Emotionalität des Rock ’n’ Roll mit annähernd gleichwertigen Texten gerecht zu werden.“

Nach über 3000 Konzerten in Deutschland und Europa seit der Gründung löste Floh de Cologne sich im Mai 1983 nach einer Abschiedstournee auf. Das Abschiedskonzert in der Kölner Sporthalle am 17. Mai 1983 hatte 6.000 Zuschauer und dauerte 14 Stunden unter der Beteiligung zahlreicher bekannter Musiker wie Hannes Wader, Dieter Süverkrüp, Franz-Josef Degenhardt, Hanns-Dieter Hüsch, BAP und Ina Deter.

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Der Floh de Cologne hat Kabarettgeschichte gemacht, und dies mehrfach: Als ersten kam ihnen das alte Nummernkabarett zu zerfleddert und unverbindlich vor; sie bauten kompakte Programme mit durchgehendem Tenor. Als erste begannen sie, multimedial Musik als wirklich gleichberechtigten Bestandteil sowie Dia und Film ins Programm einzubauen. Als erste begannen sie, richtige Programmgeschichten, abendfüllende Bühnenwerke satirischen Inhalts zu fertigen – zumindest für Deutschland sind sie die Erfinder der Rockoper. Schließlich noch waren sie es, die engagierte Texte der Liedermacher-Aura entkleideten und saftige Songs und Schlager daraus machten; so sind sie schließlich die Großväter aller neueren deutschen Wellen geworden. (SZ vom 7. April 1983)

Zu jedem Bühnenprogramm von Floh de Cologne gab es ein programmatisches (Werbe) Plakat. Die Rückseite enthielt den gesamten Text des Programmes und gegebenenfalls „Anweisungen“ zum Handeln und Literaturhinweise für weiterführende „private revolutionäre Tätigkeit“. Die Vorderseite wurde von befreundeten Künstlern gestaltet. Unter ihnen sind zu nennen: Hansruedi Giger, Dieter Süverkrüp, Stefan Siegert, Wolfgang Niedecken u. a. Diese Plakate und die LPs wurden nach den Veranstaltungen von den „Flöhen“ persönlich verkauft, so wie sie im übrigen alles selber machten; professionelle Aufbauhelfer (Roadies) gab es nicht. Es gehörte zum Ehrenkodex der Gruppe, die eigene Arbeit, so es möglich war, selber zu machen und dadurch die Eintrittspreise so niedrig zu halten, dass die Zielgruppen (Lehrlinge, junge Arbeiter, Studenten, Schüler) möglichst problemlos Zugang fanden. Zitat aus einem Programmheft von 1978: Floh de Cologne, das ist keine Goldene Schallplatte und keine goldene Nase, kein Platz in der Hitparade und dem Abendprogramm des Fernsehens, kein Kunst- oder Kulturpreis und keine Subvention. Das ist Pech.

Logo

Logo entworfen von Wolfgang Niedecken

Und wie so viele Alben dieser Zeit verbinden so etliche damit so ganz persönliche Erfahrungen. So berichtet z.b. ein“green-brain“ in dem Forum „musik-zirkus“ folgendes:

„Fließbandbabys Beatshow“, das zweite Album von Floh De Cologne, war das erste Album, das auf dem legendären Ohr-Label erschien! Seitdem ich damals ein paar Tracks davon auf der legendären „Ohrenschmaus“-Doppel-LP gehört habe, bin ich ein Fan dieses großartigen Albums!

Die Instrumente werden sparsam aber effektiv eingesetzt. Die Musik ist beatig und meliodiös und dient als Vehikel für die kritischen, aber dennoch sehr witzigen Texte. Die Texte spiegeln den damaligen Zeitgeist wieder und machen dem Hörer auf verblüffende Weise klar, wie sehr sich die Einstellung zum Thema „Arbeit“ im Laufe der Jahre verändert hat.

Ich erinnere mich an eine Autofahrt vor ca. 30 Jahren, als ich zum ersten Mal das Lied „Hey Johnny“ hörte. Der Text ist sehr lustig und sehr „versaut“, und das war irgendwie so lustig, das ich an den Straßenrand fahren mußte, weil ich Tränen in den Augen hatte. Meine Beifahrer und ich haben ca. 5 Minuten gebraucht, bis wir uns wieder beruhigt hatten.“

Das tragisch-traurige ist ja – wenn man sich diese LP wieder mal anhört – wie verdammt aktuell die Texte z.T. auch heute noch sind: Man höre sich „Komm mit mir ins Wegschmeißwunderland“ und man weiß, was ich meine.

Und „Hey Jonny“ ist wirklich starker Tobak für die damalige Zeit (da wundert man sich, dass nicht die Bundesstelle für jugendgefährendes Zeug aktiv geworden ist !) Und auch „Mädchen, mach die Beine breit“ (…. „Mädchen macht die Beine breit, der Strauß braucht CSU-Wähler“ oder: „Wer behauptet ficken ist ungesund, der ist krank“ … ) ist auch nicht von schlechten Eltern.

Und musikalisch waren die Burschen durchaus aufgeweckte Bürschen … einerseits orientierten sie sich an klassischen Beat-Motiven, andererseits waren ihre musikalischen Ideen sogar ein wenig avantgardistisch: Eine tolle Mischung !

Also: Reinhören und sich diese Zeitreise gönnen … und wenn sich so manchen Text arg bissig anhört: Hatten sie nicht recht ?

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Besetzung:
Hansi Frank (drums, organ)
Dieter Klemm(guitar, bass)
Markus Schmidt (bass, guitar, organ)
Dick Städtler (guitar, organ, bass)
Gerd Wollschon (guitar, organ)

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Titel:
01. Fließbandbaby 6.23
02. Fließbandbaby, manchmal träum ich 4.30
03. Komm mit mir ins Wegschmeißwunderland 3.57
04. Sei ruhig, Fließbandbaby + Ford Capri 3.51
05. Hey Johnny 2.36
06. Arbeit macht frei 1.51
07. Wenn Springer mal rülpst + Armer junger Krupp 3.14
08. Die oberen Zehntausend 3.30
09. Fließbandbaby, wir sind wieder wer 3.52
10. Mädchen, mach die Beine breit 3.05
11. Fließbandbaby, du sitzt im Gefängnis 1.33

Texte und Musik: Floh de Cologne

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Floh De Cologne & Dieter Süverkrüp – Vietnam (1968)

FrontCover1Und jetzt kommt Politrock … und zwar von einer Gruppe, die sich wohl als erste so ganz konsquent ausschließlich politischen Themen zuwandte:

Floh de Cologne war eine zwischen 1966 und 1983 aktive Kölner Politrock-Band und Kabarettgruppe der linken außerparlamentarischen Opposition und des Umfelds der Neuen sozialen Bewegungen in der westdeutschen Bundesrepublik.
Floh de Cologne wurde am 20. Januar 1966 von Kölner Studenten zunächst als Politkabarett gegründet. Die Band stammte aus der Kölner APO um den SDS, ihre politische Ausrichtung veränderte sich über die Jahre hinweg zu einer klar dialektisch-marxistischen Position; unabhängig voneinander traten die Mitglieder der Band zwischen 1970 und 1973 in die DKP ein.

Ihr legendärster Auftritt bleibt wohl der auf dem Fehmarn-Festival am 6. September 1970 nach Jimi Hendrix; dies war dessen letzter Auftritt vor seinem Tod. 1973 trat Floh de Cologne als musikalischer Teil einer westdeutschen Abordnung bei den X. Weltfestspielen der Jugend in Ost-Berlin auf. Ab 1980 waren Teile der Band (Vridolin Enxing als Vorsitzender) aktiv bei Rock gegen Rechts, im selben Jahr erhielt die Gruppe den Deutschen Kleinkunstpreis zusammen mit Gerhard Polt. 1983 löste sich Floh de Cologne auf. (Quelle: wikipedia)

Floh de Cologne im Jahr 1969: v.l. Gerd Wollschon, Hansi Frank, Markus Schmid, Dick Städtler, Dieter Klemm
Floh de Cologne im Jahr 1969: v.l. Gerd Wollschon, Hansi Frank, Markus Schmid, Dick Städtler, Dieter Klemm

Auf diesem Debütalbum war dann auch noch ein gewisser Dieter Süverkrüp , der sich schon damals einen Namen als kritischer Geist und Liedermacher gemacht hatte, während Floh de Cologne noch die klassischen Nobodies waren.
Die Musik mag ja aus heutiger Sicht ein wenig hölzern wirken … die Texte jedoch waren und sind bitter, böse und leider mehr als zutreffend.

Für mich war das damals eine einerseits schmerzliche Zeit … musste ich doch Abschied nehmen von den „großen USA“, die mir Kaugummi und Cocal Cola (und den Blues) gebracht haben …  dieser Erkenntnisprozeß war mühsam … aber notwendig und begleitete dann auch noch meine Pubertätszeit …  Die Zeit war damals reif, sichvon Illussionen zu verabschieden.

Texte wie diese haben entscheidend dazu beigetragen.
Dieter Süverkrüp

Dieter Süberkrüp, 1963

 Besetzung:
Britta Baltruschat (vocals)
Hans-Jörg Frank (drums, vocals)
Dieter Klemm (bass, Percussion, vocals)
Markus Schmidt (guitar, bass, vocals, piano)
Gerd Wollschon (vocals, bass, percussion)
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Dieter Süverkrüp (vocals, guitar)
BackCover1

Titel:
01  Einführung (Schmidt/Baltruschat/Frank/Klemm/Wollschon) 1,34
02. Ansprache (Weiss) 1.32
03. Zuerst kommen… (Schmidt/Wollschon) 3.18
04. Tango (Hitler/Springer/Lodge/Satre/Johnson/Taylor/McNamara/Thant) 3.34
05. Western-Ballade (Süverkrüp) 1.40
06. Kinderlied I (Traditional/Schmidt) 0.13
07. McNamara 62 (Dallas Morning News/Express International/cNamara) 1.35
08. Kinderlied II (Traditional/Schmidt) 0.09
09. Partisanenbekämpfung (Süverkrüp) 1.05
10. Kinderlied III (Traditional/Schmidt) 0.09
11. Interview (McNmara/The Sun) 0.30
12. Hexenverbrennung (Süverkrüp) 1.46
13. Vater unser (Wollschon) 0.31
14. Rein technisches (Süverkrüp) 0.53
15. Zitat (The New York Times) 0.45
16. Viet-Test (Schmidt/Der Spiegel) 3.35
17. Führung (Russell) 1.16
18. Wirtschaftsbericht (Süverkrüp) 0.43
19. Kapitalismus, 1. Teil (Süverkrüp) 2.18
20. Jack Miller (Schmidt) 3.54
21. Sprüche (Goldberg/Schmidt/Baltruschat/Frank/Klemm/Wollschon/Ball/Lodge/Johnson/Thant) 1.08
22. Kapitalismus, letzter Teil (Süverkrüp) 3.25

LabelB1

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GerdWollschon

Gerd Wollschon (* 11. Februar 1944 in Zobten; † 9. September 2012) war ein deutscher Autor, Musiker und Kabarettist.

Wollschon war bis 1978 Texter der Rock- und Kabarettgruppe Floh de Cologne (auch Bass, Percussion, Gesang) und danach Autor seines „Solokabaretts für Staatsfeinde“ (1979). Die FAZ sah Wollschon hierin ein „vielfarbiges Bild“ entwickeln, eine „prächtige Kulisse gesellschaftlicher Zustände; seine Akteure – Polizisten, Nationalisten, Feministen und Sozialisten“ – lasse er „schonungslos nach seiner satirischen Pfeife tanzen“. Der Hessische Rundfunk hob den „formalen Einfallsreichtum“ des Programms hervor. Für Hanns Dieter Hüsch verfasste der Satiriker überdies die TV-Serie Der goldene Sonntag mit.
Mit seiner Frau Saskia war Wollschon in den 1970ern auch Herausgeber der Sudelbücher mit Texten von satirischen Liedermachern wie Franz-Josef Degenhardt, Franz Hohler, Hanns Dieter Hüsch, Diether Dehm oder Hannes Wader. Als Buchautor zeichnete er verantwortlich für die Sudel-Lexika (1977 und 1983) und für eigene Satirebände. Wollschon wanderte in die Karibik aus. Die letzten Jahre lebt er u. a. in Altea an der Costa Blanca.
Gerd Wollschon verstarb am 9. September 2012 nach längerer schwerer Krankheit.