Connie Francis – Melodien die die Welt erobern (1966)

frontcover1Freiweg von der Leber: In den 60er Jahren war als 10jähriger Steppke von diversen Schlagersängerinnen hellauf begeistert, ich schmachtete sie geradezu an … dazu zählte dann auch die Connie Francis. Und so ging der Connie Francis Hype in Deutschland los:

In den USA war sie schon ein Star, in Deutschland sollte sie es werden: Connie Francis flog ein, nahm „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ in deutscher Sprache auf und flog wieder ab. Und hinterließ der Plattenfirma ein großes Problem, dass nur dank einer Schere gelöst werden konnte.

Während sich Connie Francis in den USA innerhalb kurzer Zeit zum Superstar entwickelte, verliefen in Deutschland die Verkäufe ihrer Schallplatten etwas schleppend. Man wusste mit der englischen Sprache noch nicht viel anzufangen, daher war die Nachfrage nach ausländischen Produktionen eher mäßig. Auch im Rundfunk – abgesehen von Radio Luxemburg – wurde kaum fremdsprachige Musik gesendet. Doch der Plattenproduzent Gerhard Mendelson erkannte mit seinem Gespür für Trends und Talente das Potential der jungen Sängerin, holte sie über den großen Teich und ließ sie auf deutsch singen.

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Das Repertoire der MGM wurde in Deutschland unter dem Dach der Polydor veröffentlicht. Die Original-Single von 1960 mit der „gekürzten“ Fassung – Connie Francis wurde von einem Orchester unter der Leitung von Joe Sherman begleitet.

Aufhänger für ihren Besuch war die erste Fernsehshow, die Peter Kraus selbst produzierte: „Herzlichst, Ihr Peter Kraus – Ein musikalisches Autogramm“. Im Mai 1960 wurde die Sendung mit Connie Francis als Stargast aufgezeichnet – ein eindrucksvoller Auftritt, wie in der „Bravo“ stand: „Es war nur ein Trick. Aber was für einer: da standen am oberen Ende einer schlichten Treppe mehrere hohe Spiegel. In den Spiegeln erschien die Gestalt der singenden Connie Francis. Zweifach, dreifach…. Sie sang über Playback „My Happiness“ mehrstimmig und bewegte sich so zwischen den Spiegeln, dass es dem Zuschauer nicht möglich war, zu erraten, was Spiegelbild und was die wirkliche Connie war“.

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Peter Kraus mit Connie Francis

Bei dieser Gelegenheit entstand auch Connie Francis’ deutschsprachiges Plattendebüt. Ihr Hit „Everybody’s somebody’s fool“ wurde mit einem deutschen Text versehen. Ralph Maria Siegel, der Vater von Ralph Siegel, dichtete „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Gerhard Mendelson ließ Connie Francis im Plattenstudio den deutschen Text auf das bestehende Playback singen. Dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und ihr die Aussprache des Textes Schwierigkeiten bereitete, fiel zunächst nicht ins Gewicht. Schließlich waren deutsch singende Ausländer en vogue und und ein Akzent hatte ja auch einen gewissen Charme.

Als Mendelson das fertige Band abhörte, schlug die anfängliche Begeisterung jedoch um und er wollte den Titel nicht mehr veröffentlichen. Der Grund war Francis’ deutsche Aussprache, die größtenteils unverständlich war. Was läge in solch einem Fall näher, als die Aufnahme einfach zu wiederholen? Dies war allerdings unmöglich, da bestehender Termindruck dafür sorgte, dass Connie Francis unmittelbar nach dem Einsingen bereits wieder im Flieger saß. Ein Rückruf der Künstlerin wäre viel zu teuer geworden, so dass ein Aufnahmeband zurückblieb, welches nicht verwendbar war.

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Der Anfang: Ihre frühen Singles

 

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ wäre somit in den Archiven verstaubt, hätte das Band nicht ebenfalls eine Reise angetreten. Ziel war der Sitz der Polydor in Hamburg, wo sich der Produzent Bobby Schmidt der Sache annehmen sollte, um zu retten, was zu retten ist. Über seine Aufgabe erzählte er in einem Interview: „Ich hörte mir das Ganze noch ein paar Mal an, ging dann ins Studio, stellte mich selbst vors Mikrofon und synchronisierte Francis nach. Allerdings nur einzelne Laute, vor allem die „s-Laute“, wie „sp“ oder „st“. Dann haben wir diese „s-Spur“ zum Rest gemischt. Es hatte geklappt, man konnte nun dem Text bestens folgen“.

Die erste Strophe des Liedes war allerdings nicht zu restaurieren. Diese fiel rigoros der Schere zum Opfer. Dies erklärt, dass „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ zu den wenigen Titeln gehört, die mit dem Refrain und einem Tonartwechsel beginnen. Dass sich die Mühe gelohnt hatte, belegten die Verkäufe bald nach der Veröffentlichung. Das Stück wurde ein Superhit , belegte im Oktober 1960 für zwei Wochen den 1. Platz und fand sich auch in der Jahresauswertung unter den zehn meistverkauften Singles. (Quelle: swr.de)

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Na ja … und dann ging´s Schlag auf Schlag und dass sie in Deutschland in der ersten Hälfte der 60er Jahre sehr erfolgreich wurde, zeigt auch die Tatsache, dass man ihr dann 1966 einen Sampler  spendierte.

Es handelte sich dabei um eine Zusammenstellung bereits früher erschienenen Titel. Meist wurden dafür die Originalaufnahmen aus den USA genommen und die deutsche Gesangsspur im overdub Verfahren addiert.

Ein Blick auf die Titelliste lohnt sich … da hören wir nicht nur „O mein Papa“ sondern auch „Over The Rainbow“ und selbst die Titelmusik des Filmes „Alexis Sorbas“ gibt es hier als „Zorbas Tanz“.

Und abseits meiner damaligen kindlichen Schwärmereien … ein nettes Stückchen Zeitgeschichte aus dem Bereich des deutschen Schlagers der 60er Jahre.

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Besetzung:
Connie Francis (vocals)
+
diverse US Orchester

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Titel:
01. Wenn du in meinen Träumen bei mir bist (Somewhere Over The Rainbow) (Arlen/Harburg/Verch) 3.52
02. Malagueña (Lecuona) 3.10
03. Deine Liebe (True Love) (Porter/Glando) 3.13
04. Heißer Sand (Feltz/Scharfenberger) 3.02
05. Für immer (Moon River) (Mancini/Mercer/Relin) 2.44
06. Zorbas Tanz (Theodorakis/Bader) 3.23
07. Drei Münzen im Brunnen (Three Coins In The Fountain) (Styne/Cahn/Beckmann) 3.10
08. O Mein Papa (Burkhard) 3.32
09. Sag, weißt du denn was Liebe ist (Love Is A Many Splendored Thing) (Webster/Fain/ Verch) 2.49
10. Blaue Nacht am Hafen (Jealous Heart) (Carson/Wilke) 2.31
11. Vay Con Dios (Pepper/James/Russel/Feltz) 3.18
12. Romantica (Verde/Bonifay/Rascal/Berthier) 3.10
+
13, SWR Radio Portrait (anlässlich ihres 80. Geburtstag am 12.12.2018) 3.45

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Verschiedene Interpreten – Halbstark – Die wilden 50er und 60er (1991)

FrontCover1Da haben wir auf der einen Seite so einen „billigen“ Sampler, der 1991 erschienen ist und von dem Privatsender „Pro 7“ promoted wurde und dann haben wir auf der anderen Seite einen Sampler, der letztlich das musikalisch kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation repräsentiert … einer Generation die mittlerweile in Rente ist (oder demnächst in Rente gehen wird … ) Und natürlich ist hier nur von der pre-Beat-Ära die Rede … denn als Liverpool musikalisch die Welt eroberte, erloschen viele dieser Schlagerstars …

Und dennoch: Es wird nicht nur mir so gehen: Viele Titel sind mehr als gut bekannt, viele Titel haben uns in der späten Kindheit/frühen Jugend begleitet und keine Frage: So etliche Songs enthielten erste Attacken auf jene bigotte Spießbürger-Welt, die es galt , aus den Angeln zu heben. „Schuld war nur der Bossa Nova“ war eine Provokation, „Halbstark“ war erst recht ein weitere Provokation. Und mit der deutschen Fassung von „Tobacco Road“ versuchten sich die Lords als sozialkritische Kapelle. Und auch „Wenn ich ein Junge wär“ von Rita Pavone war eine kaum verhohlene Attacke auf die damaligen Geschlechterrollen. Und der Gitte Song „Ich will einen Cowboy als Mann“ ist hier noch gar nicht enthalten..

Über dieses Album habe ich dann noch eine interessante Besprechung gefunden:

„Wilde“ deutschen Songs aus den Jahren 1958-65 — das ist natürlich ein Widerspruch in sich. Erst Mitte der 1960er begannen einige Beat-Bands wie die Boots, tatsächlich mal ein bisschen zu rocken und nicht nur weichgespülte Schlagersoße auszudünsten. Trotzdem muss man der Auswahl zugutehalten, dass zumindest versucht wurde, „fetzige“, „pfiffige“ Stücke auszuwählen, und es sind auch einige nette Songs vertreten (u.a. von den Yankees, Drafi Deutscher und Benny Quick). Allerdings ist auch viel dabei, was ich persönlich schwer ertrage, oftmals unsäglich eingedeutschte Coverversionen. Trotzdem — es gibt sicherlich wesentlich schlechtere Sampler dieser Richtung; wer noch Material zum Beschallen einer Kitsch-Kult-Schlager-Oldie-Party sucht, der wird hier fündig. (Die zweite Teil Halbstark, Folge 2: Teenagermelodien zum Shaken, Twisten und Knutschen ist genauso „gut“. (Herr „Dr. Kurt Euler“ Offler)

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So ganz kann ich dem wertem Dr. da nicht folgen. Natürlich gab es auch vor den Boots „wilde Songs“, denn das „Halbstarken-Milieu“ in Deutschland war definitiv vorhanden, und die bürgerliche Presse hatte immer wieder seine Gründe, sich darüber aufzuregen. Zu weiteren Vertiefung dieses Themas habe ich dieser Präsentation den lesenswerten Aufsatz der Historikerin Vanessa Erstmann „Halbstark! – Generationskonflikte in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik“ (Quelle: aventinus nova Nr. 23 [04.08.2010] / Perspektivräume Jg. 1 (2010) Heft 1, S. 57-91) beigelegt.

Und mehr als einmal wanderten meine Gedanken zu der Frage, was aus all den Jugendlichen geworden ist, die damals ihre Münzen in die Musik-Box warfen, um ihre wilden aber auch sentimental-kitschigen Hits zu hören … Nun ja …, meinen Werdegang kenne ich ja *ggg*

Und um das Paket komplett zu machen, habe ich mir die „Mühe“ gemacht, alle Single-Hüllen der hier vertretenen 36 Lieder in eine eigene „Cover-Galerie“ zu packen.

SingleHüllen

Wie gesagt: Für die einen einfach eine nostalgische Schmunzeltour, für die anderen aber auch die Möglichkeit inne zu halten und über die Fragen „Wie wir wurden, was wir sind“ zu reflektieren. Für mich war bei der Beschäftigung mit diesem Sampler beides möglich. Und natürlich will ich darauf hinweisen, dass sich auf diesem Sampler auch so etliche Raritäten befinden wie z.B. „He, Little Blondie“ (von Steff und dahinter versteckt sich der spätere Liedermacher Stephan Sulke), „Wilhelm Tell Twist“ (von den rätselhaften Charly Cotton und seine Twist-Makers; dahinter versteckte sich Christian Bruhn, dem späteren Ehemann von Katja Ebstein) oder „Der Twist (The Twist)“ (von Oliver Twist & The Happy Twistler; über die weiß man eigentlich gar nichts …) … und … und … und …

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Titel:

CD 1:
01. Die Yankees: Halbstark (Adamowsky,/Bartelt 2.15
02. Drafi Deutscher: Marmor, Stein und Eisen bricht (Bruhn/Loose) 2.41
03. Benny Quick: Motorbiene (Laudis/Helmer) 2.36
04. Manuela: Schuld war nur der Bossa Nova (Weill/Mann/Buschor) 2.30
05. Rex Gildo: Speedy Gonzales (Kaye/Lee/Hill/Gerard)  2.37
06. The Swinging Blues Jeans: Tutti Frutti (deutsche Version) () 2.03
07. Ted Herold: Da Doo Ron Ron (Spector/Barry/Greenwich/Niessen/Alzner) 2.23
08. Connie Francis: Ich geb‘ ne Party heut‘ Nacht (Bush/Hunter/Vincent) 2.18
09. Ricky Shayne: Ich sprenge alle Ketten (Moroder/Holm)  2.13
10. Teddy Parker: Nachtexpress nach St. Tropez (Mayer/Niessen) 2.27
11. Rita Pavone: Wenn ich ein Junge wär (Buchholz/Loose) 2.14
12. Charly Cotton und seine Twist-Makers: Wilhelm Tell Twist (Weinzierl/Rieden) 1.56
13. Jan & Kjeld: Hello, Mary Lou (Pitney/Blecher) 2.14
14.  Rita Pavone & Paul Anka: Kiddy, Kiddy Kiss Me (Munro/Arnie) 2.42
15.  Conny Froboes: Diana (Anka/Strtöm) 2.15
16.  Detlef Engel:  Mr. Blue (Nicolas/Blackwell) 2.23
17.  Oliver Twist & The Happy Twistler:  Der Twist (The Twist) (Ballard/Helmer) 2.42
18.  The Lords: Tobacco Road (Loudermilk/Moesser) 2.11

CD 2:
01. Drafi Deutscher: Shake Hands (Relin/Gaze) 2.15
02. Manuela: Ich geh‘ noch zur Schule (Traditional/Bruhn/Loose) 2.29
03. Benny Quick: Twist um Mitternacht mit Susi (Hertha/Götz/Hellmer) 2.21
04. Rex Gildo: Liebe kälter als Eis (Devil In Disguise) (Kaye/Giant/BaumBuchenkamp) 2.18
05. Connie Francis: Schöner fremder Mann (Nicolas/Gordon/Hosey) 2.41
06. Five Tops: Rag Doll (Bader/Crewe/Gaudio) 2.52
07. Steff:  He, Little Blondie (Little Honda) (Wilson/Nicolas/Love) 2.12
08. Helen Shapiro: Frag‘ mich nicht warum (Tell Me What He Said) (Barry/Siegel) 2.48
09. Peter Kraus: Sugar Baby (Scharfenberger/Busch/v.Pinelli) 2.30
10. Tommy Kent: Susie Darlin‘ (Luke/Moesser) 2.34
11. James Brothers: Wenn (When) (Evany/Reardon/May/Blecher) 2.20
12. Lil Malmkwist: Bobby’s Girl (Klein/Hofman/Felming) 2.21
13. Ted Herold: Moonlight (Scharfenberger/Busch) 2.42
14. Oliver Twist & The Happy Twistler: Steiler Zahn (Crier/Schwabach) 2.43
15. Hans Blum: Charly Brown (Blecker/Leiber/Stoller) 2.26
16. Swinging Blue Jeans: Good Golly Miss Molly (Deutsche Version) (Marascalgo/Martinez/Blackwell/Retter) 2.04
17. Conny Froboess: I Love You Baby (Anka/Siegel) 2.10
18. Johnny Hallyday + The Rattles: Das alte Haus in New Orleans (House Of The Rising Sun) (Traditional/Price/Hellmer) 3.58

Horst Buchholz in dem Film "Die Halbstarken" (1956)

Horst Buchholz in dem Film „Die Halbstarken“ (1956)

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Verschiedene Interpreten – Schlager-Auslese 1965 (1965)

FrontCover1Tja, die wunderbare Welt des deutschen Schlagers in den 60er Jahren … voller Widersprüchlichkeiten, voller falscher Versprechen und voller Gefühl …

Dann wollen wir mal reinhören, was uns damals s alles präsentiert wurde:so alles präsentiert wurde:

Freddy Quinn … klar mit einer Heimweh/Fernsucht Melodie … und dann die Wencke Myhre … mit einem ganz und gar pfiffig-frechem Song (“ … Männer gibt es viele, Männer gibt´s genug … „).

Routiniert und souverön dann der Bert Kaempfert … und Roy Black … nun gut … sein „Du bist nicht allein“ ist ein Klassiker … macht aber den Song nicht besser …. Ilussionsmusik eben …

Der Lolita Song wurde ja eigentlich unter dem Titel „Männer, Masten und Matrosen“ unters Volk gebracht … erneut eine sehnsüchtige Melodie hinssichtlich des „perfekten Manns“ …

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Und dem völlig unbekannten Orchester Konstantin Hellmer wurde es ermöglicht, den Film-Hit „Zorba“ zum Besten zu geben (das Original ist mir lieber), ach ja … der Sonnyboy Thomas Fritsch hatte ne wirklich samtene Stimme … und Willy Millowitsch singt über all die „kleinen Sünderlein“ … der Mann war damals sowas von populär ….

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Na ja … die Connie Francis fand ich mindest so scharf wie die Peggy March (ich hatte allerdings 1965 noch keine Ahnung, was „scharf“ eigentlich bedeutet).  Und warum es  Jay & The Americans versteh ich bis heute nicht … ihr Song „Cara Mia“ wurde zwar auch bei uns in Deutschland veröffentlicht … einen großen Eindruck haben sie allerdings nicht gemacht.

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Das kann man von „Wooly Bully“ nicht behauoten …. das war schon ein veritabler Chart-Erfolg bei uns in der BRD  und – ob man es glaubt oder nicht – der Song ist noch heute gut anzuhören.

Na ja … und „Taxi nach Texas“ habe ich damals geliebt … kein Wunder, meine Wild West Romantik war damals mehr als intensiv … huingegen habe ich den „Letkiss“ damals eher gehasst … musst ich doch zu diesem Song  in der Theatergruppe, der ich damals angehört … just zu diesem Song tanzen und das auch noch mit einem Mädchen ,,. und den Kuss sollten wir allerdings nur andeuten, allein das war mir damals mehr als suspekt … na ja … diese Haltung hat sich dann im Laufe der Jahre geändert.

Da war der Sacha Distel damals schon weiter … dieser Charmeur wusste es, wie man Damen umgarnt …

Und mit der „Abschiedsmelodie (Il Silencio)“ endet diese LP mit dem damals unverzichtbarem Schmachtfetzen … und noch heute löst diese Melodie bei mir ne Gänsehaut aus …

Also: Willkommen in der wunderbare Welt des deutschen Schlagers der 60er Jahren … voller Widersprüchlichkeiten, voller falscher Versprechen und voller Gefühl …

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Titel:
01. Freddy Quinn: 5 000 Meilen von zu Haus (Bare/Williams/Loose) 2.30
02. Wencke Myhre: Sprich nicht drüber (v.d.Dovenmühle/Nobach) 2.25
03. Bert Kaempfert & His Orchestra: Red Roses For A Blue Lady (Tapper/Brodsky) 2.20
04. Roy Black: Du bist nicht allein (Arland/Hertha) 2.27
05. Lolita: Mohavana (Olias/Rothenburg) 2.43
06. Orchester Konstantin Hellmer: Zorba (Theodorakis) 2.49
07. Thomas Fritsch: Das hab‘ ich so gerne an dir (Scharfenberger/Feltz) 2.35
08. Willy Millowitsch: ‚S war immer so (Wir sind alle kleiner Sünderlein) (Traditional) 2.42
09. Peter Alexander: Fräulein Wunderbar (Shannon/Sheeley/Feltz) 2.06
10. Connie Francis: Hast du Heimweh (Scharfenberger/Busch) 2.41
11. Jay & The Americans: Cara Mia (Trapani/Lange) 2.34
12. Sam The Sham & The Pharaohs: Wooly Bully (Samudio) 2.23
13. Martin Lauer: Taxi nach Texas (Peeters/Feltz) 3.02
14. Orchester Robert Delgado: Letkiss (Lehtinen) 2.19
15. Sacha Distel: Frauen und Rosen (Laine/Feltz) 2.28
16. Heinz Schachtner: Abschiedsmelodie (Il Silencio) (Rosso/Brezza) 3.11

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Verschiedene Interpreten – In Hamburg sagt man tschüss (2013)

FrontCover1Vor vier Jahren war ich mal in Hamburg.  Und da wollte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, einen Rundgang durch St.Pauli bzw. die Reeperbahn zu unternehmen. Und so schlenderte ich auch an dem Lokal „Zum Silbersack“ vorbei, aber erst im „St. Pauli Museum“ erfuhr ich dann ein wenig mehr über dieses Lokal:

„Zum Silbersack ist eine Kneipe in St. Pauli in der Nähe der Reeperbahn.

Gegründet wurde das Lokal 1949 vom Ehepaar Erna und Friedrich Thomsen in Hamburg-St. Pauli auf einem Trümmergrundstück nahe der Reeperbahn. 1958 starb Friedrich Thomsen, Ehefrau Erna führte den Betrieb nun alleine weiter. Die Gaststätte wurde bald zu einer Kult-Kneipe. Auch Prominente wie Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Hans Albers, Freddy Quinn und Hildegard Knef gehörten zu den Gästen.

Am 9. Mai 2012 starb Erna Thomsen im Alter von 88 Jahren an Herzversagen und der

ErnaThomsen

Erna Thomsen

„Silbersack“ wurde geschlossen, da weder Sohn Gerd Thomsen, noch die in Schottland lebende Schwester Heidrun Thomsen die Kult-Kneipe weiterführen wollten.

 

Stammgäste, Anwohner, die Interessengemeinschaft St. Pauli, der St. Pauli Bürgerverein von 1843 und sogar das Bezirksamt Hamburg Mitte und eine Facebook-Initiative mit bald mehr als 1.300 Mitgliedern setzten sich für einen Erhalt ein. Durch Vermittlung des Bezirksamtsleiters Andy Grote wurde die Kneipen-Immobilie mit dazugehörigem Wohngebäude an die „Freunde des Silbersack GmbH & Co. KG“, eine Gesellschaft von 20 Hamburger Immobilien-Kaufleuten, darunter Andreas Rehberg (Grossmann & Berger), Frank Schmidt (Quantum), Stefan Wulff (Otto Wulff Bauunternehmung) und Andreas Fraatz (Fraatz-Bartels-Unternehmensgruppe), Immobilien-Finanzier Christian Holle um geschätzte eine Million Euro verkauft.

Der „Silbersack“ wurde neu verpachtet. Pächter ist der Dortmunder Dominik Großefeld, der 2010 als Mitarbeiter in der Kneipe begann und als Ziehsohn der verstorbenen Silbersack-Wirtin gilt. Er hat mit der neuen Eigentümergruppe einen Vertrag über 10 Jahre mit Option auf weitere 10 Jahre geschlossen.

Silbersack
Das Gebäude mit seiner farbenfrohen, ungewöhnlichen Fassade wurde von verschiedenen Künstlern abgebildet, darunter dem Hamburger Szenemaler 4000, der den „Silbersack“ für seine St. Pauli-Serie malte. (Quelle: wikipedia)

So weit so gut …
Und dann erschien heuer der Sampler „In Hamburg sagt man tschüss“ und liest man sich die Titelliste durch, so kommt man nicht umhin, ein wenig erstaunt zu sein … aber die Erklärung ist eigentlich ne ganz einfache.

Jukebox

Die Jukebox im Silbersack

„Die Geschichte von Erna Thomsen ist gelebte Bundesrepublik. 1949 eröffnete sie mit ihrem Ehemann Friedrich auf einem Trümmergrundstück mitten auf dem Kiez ihre Kneipe Zum Silbersack. Ein Hafen für die Menschen auf St. Pauli, ein Anker für die Gestrandeten der Nacht. Nur neun Jahre nach dem Start starb ihr Weggefährte, und Erna betrieb das Lokal alleine weiter. Mit Hirn, mit Herz und mit Musik.

Die Jukebox, die die legendäre Wirtin mit ihren Lieblingshits bestückte, ist ebenso wie der Silbersack selbst ein ursprüngliches Stück Hamburg, das es zu bewahren gilt. Zu Ehren von Erna Thomsen, die am 9. Mai 2012 im Alter von 88 Jahren starb, veröffentlicht Sony Music nun eine CD mit den favorisierten Songs aus der Musikkiste, die den Schankraum in der Silbersackstraße 9 ein ums andere Mal mit nostalgischem Charme auflud. Der Titel ist schnörkellos wie der Kiez (nur leider in Hamburg-untypischer Orthografie): „Silbersack – in Hamburg sagt man Tschüss!“

Zu den 22 Nummern, mit denen Erna Lebewohl gesagt wird, gehört auch das „Silbersack Lied“ von Jens Rainer Kalkmann. „Mit sicherer Hand lenkt sie ihr Schiff und hat das Ruder fest im Griff“, wird die Tresenfrau da zum Schunkelsound besungen. In ähnlichem akustischen Fahrwasser bewegt sich Vorzeige-Hamburger Jan Fedder mit den Big Balls und der Feierhymne „Rum aus Jamaika“. Das Retro-Gemüt munter ins Schwingen bringen Gottfried & Lonzo mit „Hamburg ’75“. Und auch mit Nummern von Rolf Zuckowski, Heidi Kabel und Hans Albers, mit „Das Herz von St. Pauli“ und „De Hamburger Veermaster“ wird mächtig ins lokalpatriotische Horn gestoßen. Allerdings gab und gibt es hinter der bunt gekachelten Fassade zwischen Echt- und Bierblumen auch Klänge, die sehnsuchtsvoll in die Ferne locken.

Danke

Adamos „Es geht eine Träne auf Reisen“ oder Elvis‘ „Any Day Now“ dürften bei so manchem, der sich zu später Stunde bei Erna ausheulte, das Fass respektive die Seele zum Überlaufen gebracht haben. Für kleine musikalische Stürme im Schnapsglas wiederum sorgen auf der CD Bill Haley mit seinem „Rock Around The Clock“ oder Bill Ramsey mit seiner Anbagger-Ode „Flotter Dampfer“.

Nach Erna Thomsens Tod war einige Zeit unklar, ob nicht der Zapfhahn trocken bleiben und die Jukebox verstummen wird. Mittlerweile hat sich eine Gruppe von Investoren gefunden, die gemeinsam mit den Erben beschlossen hat, die Leitung der Kult-Kaschemme an den langjährigen Mitarbeiter Dominik Großefeld zu übergeben. So können die Gäste dann weiterhin im Silbersack Gerhard Wendlands Zeilen singen: „Tanze mit mir in den Morgen“. (Hamburger Abendblatt)

Und: mir hat diese skurille Musikmischung (aus der Abteilung: aberwitzig) durchaus gefallen … und aller hanseatischen Klischees zum Trotz – die Liebe zu einer Kneipe und zu einer Stadt, die mehrere Generationen durchs Leben begleitet hat … diese Liebe ist hörbar … und das finde ich großartig !

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Titel:
01. Jens Rainer Kalkmann:  Das Silbersacklied  (Kalkmann) 3.01
02. Jan Fedder & Big Balls: Rum aus Jamaika (Gerner/Tölcke) 2.59
03. Gottfried & Lonzo: Hamburg ’75  (Westphal/Böttger) 3.39
04. Rolf Zuckowski: Ich liebe diese Stadt (Mein Hamburg) (Zuckowski) 3.14
05. Hamburg Allstars: Mit der Nase im Wind (Lingnau/Jeske) 3.56 (*)
06. Hildegard Knef: Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmid/Knef) 3.10
07.  Heidi Kabel: In Hamburg sagt man „Tschüss“ (Lindau/Winterberger) 2.42
08. Hans Albers: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (Roberts) 3.05
09. Liselotte Malkowsky: Das Herz von St. Pauli (Jary/Albers/Gillo) 3.02
10. Lale Anderson: Lili Marleen (Schultze/Leip) 3.31
11. Elvis Presley: Any Day Now (Hilliard/Bacharach)  2.59
12. Bill Haley & The Comets: (We’re Gonna) Rock Around The Clock (Freedman/De Knight)) 2.09
13. Original Nilsen Brothers:  Aber dich gibt’s nur einmal für mich (Pit/Guley) 3.07
14. Margot Eskens: Cindy oh Cindy (Barron/Feltz) 2.46
15. Hannes Priesterjahn und die Hamburger Straßenmusikanten: De Seilerstroot  (Priesterjahn)     2.26
16. Timm Hein: De Hamburger Veermaster (Traditional) 2.52
17. Bill Ramsey: Flotter Dampfer (Gietz/Bradtke) 2.35
18. Connie Francis: Die Liebe ist ein seltsames Spiel (Greenfield/Keller/Siegel) 2.15
19. Peggy March: Mit 17 hat man noch Träume (Korn/Gerig) 2.43
20. Henry Valentino mit Uschi: Im Wagen vor mir (Blum) 3.28
21. Adamo: Es geht eine Träne auf Reisen (Adamo/Blecher) 2.58
22. Gerhard Wendland: Tanze mit mir in den Morgen (Goetz/Hertha) 2.53

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Eine wunderbare Hymne der „Hamburg Allstars“ auf die Hansestadt Hamburg:

 

(*) Gesungen wurde diese Hymne von

Bill Ramsey – Carlo Von Tiedemann – Corny Littmann – Dagmar Berghoff – Heidi Kabel – Inga Rumpf – Jan Fedder – Jasmin Wagner – Karl Dall – Lilo Wanders – Rolf Zuckowski – Udo Lindenberg – Ulrich Tukur – Wilhelm Wieben