Herbert Michl – Franziskus von Assisi (Hörbuch) (1960)

FrontCover1.JPGDieses Hörbuch – mich damit zu beschäftigten löste dann doch sehr zwiespältige Empfindungen in mir aus, handelt es doch um den Hl. Franziskus von Assisi:

Obwohl Franz von Assisi vor 800 Jahren gelebt hat, besitzt er noch heute eine besondere Ausstrahlungskraft. Radikal trat er für die Inhalte der Bibel ein. Als Nachfolger der zwölf Apostel lebte er in absoluter Armut und verkündete das Evangelium. Er beschwor die Solidarität aller Geschöpfe miteinander. Zu Recht trägt der Mann aus Umbrien auch den Titel „grüner Heiliger“.

Francesco Bernardone wurde 1181 als Sohn einer Französin und eines italienischen Tuchhändlers geboren. Da sein Vater sehr wohlhabend war, erlebte Franziskus eine unbeschwerte Kindheit. Als junger Mann wurde er in die kriegerischen Auseinandersetzungen der beiden Nachbarstädte Assisi und Perugia hineingezogen. Ein

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Das älteste, noch zu Lebzeiten entstandene Bild Franziskus’ von Assisi,
Fresko im Sacro Speco in Subiaco

Jahr verbrachte er in Gefangenschaft. Wieder in der Freiheit pilgerte er, so erzählt es die Franziskus-Vita, nach Rom und gab einem Lepra-Kranken eine Geldmünze. Der Aussätzige gab sich als Christus zu erkennen.

Der Gekreuzigte erschien Franziskus ein weiteres Mal in der Kapelle San Damiano in der Nähe von Assisi und sprach zu ihm: „Siehst Du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät?“ Daraufhin verkaufte Franziskus einige Stoffballen seines Vaters, um die einsturzgefährdete Kapelle zu renovieren. Sein Vater, empört über den Diebstahl und enttäuscht von seinem Sohn, stellte ihn zur Rede. In aller Öffentlichkeit zog Franziskus seine Kleider aus. Mit den Worten „Weder Geld noch Kleider will ich von dir, jetzt habe ich nur noch einen Vater, den dort oben im Himmel!“ kehrte Franziskus der zivilisierten Welt den Rücken. Zwei Jahre führte er das Leben eines Eremiten. In der Einsamkeit renovierte er zwei weitere verfallene Kirchen. Laut der Legende soll er in San Damiano abermals die Stimme Gottes gehört haben. Sie forderte ihn auf, entsprechend dem Matthäus-Evangelium ein Leben in Armut zu führen und allen weltlichen Vergnügungen zu entsagen.

Die Gottesvisionen waren der Auslöser zur Gründung des Franziskanerordens. Franziskus gab sich und seinen Mitbrüdern eine Ordensregel, die sich an der direkten Nachfolge Christi orientierte. 1218/19 machte sich Franziskus auf den Weg zum Sultan von Ägypten. Diese Reise markiert den Beginn der Franziskanischen Missionsarbeit. Immer wieder trat Franz von Assisi für ein Miteinander aller Geschöpfe ein. In alle Tieren, selbst in dem gefährlichsten Wolf, erkannte er seine „Brüder“. Berühmt ist sein „Sonnengesang“, den er am Ende seines Lebens verfasste. Darin preist er Gott für die Schöpfung der Erde und des gesamten Kosmos.

BookletFrontCover1Franziskus soll nach der Legende auch der erste Heilige gewesen sein, der im Beisein seiner Mitbrüder 1224 die Wundmale Christi an Händen, Füßen und am Körper empfing. Zwei Jahre später starb Franziskus entkräftet in der kleinen Klosterkirche Portinuncula, die heute von einer großen Kirchenanlage der Santa Maria degli Angeli in Assisi überbaut ist. (www.planet-wissen.de; Sabine Kaufmann)

Soweit so gut.

Anfangs war ich wenig irritiert, über wie viele persönliche Details aus dem Leben des Franz von Assisi berichtet wurde. Dann stellte ich allerdings fest, dass in der Tat sein Leben bereits von Thomas von Celano (1190–1260) erstmalig dokumentiert wurde.

Dass man bei diesem „Hörbild“ sich diverser Ausschmückungen bediente … geschenkt, so war das damals halt.

Mir ist dieser Heiligen-Hokus Pokus der Katholischen Kirche weiterhin mehr als suspekt (wenn ich das mal so frevelhaft sagen darf). Von daher auch meine gemischten Gefühle bei dieser Präsentation.

Freilich als Kind hatte ich dann so ein Franziskus Buch (liegt vielleicht noch in meinem Keller), und seine Haltung zu den Tieren aber auch sein bewusster Weg zu einem Leben ohne Prunk und Pracht hat mir damals schon imponiert …

Der katholische Christopherus Verlag (gegründet 1935) hat sich bei diesem Album viel Mühe gegeben. Da gab es nicht nur ein Begleitheft, sondern auch eine „Farblichtbildserie“ (damit ist wohl ne Dia-Serie gemeint) mi insgesamt 43 Bildern. Diese liegt mir allerdings im Gegensatz zum Begleitheft nicht vor.

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Aus dem Begleitheft

Und den Verlag bit es heute noch, heute freilich bietet er ausschließlich Ratgeber zu den Themen Handarbeiten, Basteln, kreatives Gestalten und Kunst sowie zum Dekorieren und Heimwerken an.

Und den Franzsikaner Orden gibt es auch noch … siehe unten … the times, they are a changin´ …

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Der Franziskaner Orden bemüht sich heutzutage auch um eine Auseinandersetzung mit den damaligen Kreuzzügen

Interessant, dass wir auf diesem 1960er Album auch ein paar musikalische Miniaturen des  John Dunstable hören:
John Dunstable oder John Dunstaple (* um 1390; † 24. Dezember 1453 in London) war ein englischer Komponist, dessen harmonische Neuerungen großen Einfluss auf die Musikentwicklung in der Frührenaissance ausübten.

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Sprecher:
Hanns Bernhard – Friedrich von Bülow – Kurt Ebbinghaus

Regie: Heiner Schmidt
Musik: Hans Ludwig Schilling + John Dunstable

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Titel:
01. Franziskus von Assisi (Teil 1) 25.41
02. Franziskus von Assisi (Teil 2) 21.42

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