Joe Sachse – One Take (2010)

FrontCover1Wer an zeitgenössischem, durchaus avantardistischem Jazz Interesse hat, wird hier fündig:

Dreh- und Angelpunkt ist Gitarriste Joe Sachse, „dem Jimi Hendrix der DDR“.

Helmut „Joe“ Sachse (* 28. Oktober 1948 in Mittweida) ist ein deutscher Jazzgitarrist.

Sachse studierte von 1973 bis 1978 an der Hochschule für Musik Weimar. Schon früh trat er in verschiedenen Gruppen von Manfred Schulze auf, etwa in der Gerhard-Stein-Combo.

Mitte der 1970er Jahre gründete er sein eigenes Quartett, das sich bald zum Quintett Osiris erweiterte, dem Manfred Hering, Hannes Zerbe, der Bassist Christoph Winkel und Wolfram Dix angehörten. Osiris ging mit Charlie Mariano und Toto Blanke auf DDR-Tournee.

Ende der 1970er Jahre spielte er im Duo mit Uwe Kropinski, das später mit Hannes und Conny Bauer zum Doppelmoppel erweitert wurde (Schallplatte 1980) und auf zahlreichen internationalen Festivals, etwa auf dem Moers Festival spielte; in dieser Gruppe und bei Soloprojekten hat Sachse auch zur Querflöte gegriffen.

Anfang der 1980er Jahre spielte er in der Heinz Becker Group (Schallplatte 1982), und mit Ernst-Ludwig Petrowsky, Heinz Becker und Klaus Koch im Quartett, aber auch im Trio mit Petrowsky und im Duo mit Manfred Hering. Im weiteren arbeitete er mit George Lewis, David Moss, John Tchicai, Maggie Nicols, Peter Kowald, Fred Van Hove, Paul Rutherford und Peter Brötzmann. (Quelle: wikipedia)

Oder so:

„Helmut „Joe“ Sachse (*1948 in Mittweida), entstammt musikalisch der ostdeutschen Jazzszene, mit deren Vertretern er fast ausnahmslos zusammenspielte. Darüberhinaus trat er mit anderen internationalen Musikern auf:
Carmell Jones, Leo Wright, Mighty Flea Conners, Charlie Mariano, John Tchicai, John Marshall, David Moss, Peter Brötzmann, Tony Oxley, Jack Bruce, Han Bennink und Albert Mangelsdorff. Ab den 90er Jahren begann er Standards auch aus der Rockmusik zu übernehmen. Seine charakteristische Spielweise brachte ihm Etikettierungen wie „Jimi Hendrix der Jazzgitarre“, „Hohepriester“ oder „Hexenmeister“ der Elektrogitarre ein. Die Frankfurter Rundschau schließlich kührte ihn zum „Größten unbekannten Gitarristen Deutschlands“.
1990 wurde seine zweite Soloplatte mit der „Goldenen Amiga“ ausgezeichnet. „(Selbstdarstellung Joe Sachse)

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Nun aber zu diesem Album, dass er live mit keinen geringerne Musikern als John Marshall (wer erinnert sich: Soft Machine, Nucleus ?) und Fred Thelonious Baker (ebenfalls ex-Soft Machine und ein musikalischer Wegbegleiter vieler Jazzmusiker auf der ganzen Welt).

Die Augen der Zuschauer vermögen der Schlagzahl der rechten Hand auf der Gitarre kaum zu folgen, wenn Joe Sachse sich in rasanten Läufen gemeinsam mit John Marshall am Schlagzeug und Fred Baker am Bass dem Trio-Crescendo nähert. Sachse hat die klassische Arbeitsteilung der Hände beim Gitarrenspiel aufgegeben und entwickelte eine beidhändige polyphone Fingertapping- und Percussionstechnik, die er auf Saiten und Korpus reißt und schlägt sowie mit verzerrtem Sound kombiniert. Zusätzliche Soundeffekte mit Glissandowirkung zaubert Sachse mit Hilfsmitteln wie einem Schraubenzieher auf den Stahlsaiten. Solche ebenso kreative wie virtuose Klangschöpfungen lassen sein Spiel artistisch wirken. Doch man nimmt ihm ab, dass er diese zirzensischen Läufe nicht als Selbstzweck praktiziert. In seinen Sound-Basteleien sind die Bezüge zu Jimi Hendrix zu erkennen, dem Sachse zwei CDs widmete und die ihm einst den Titel „Hendrix der DDR“ einbrachten.

Auf diesem Album integriert sich Sachses Spiel in die energetische und ausschweifende Jazz-Rock-Konzeption des Trios mit dem früheren Soft-Machine- und Nucleus-Drummer John Marshall sowie dessen Freund aus der Soft Machine Legacy-Zeit, dem Bassisten Fred Thelonious Baker. Extreme Dynamiksprünge, selten zarte Gitarrenläufe und swingende Beats, meistens dagegen rasend schnelle und rhythmisch vielschichtige Interaktionen prägen das Spiel von Sachse, Marshall und Baker. „Nasobem“, eine Komposition nach einem Gedicht von Christian Morgenstern hebt mit einem hart rockenden Up-Tempo-Lauf an, wechselt zu einer melodischen Passage, um dann wiederum abrupt in ein Hochgeschwindigkeits-Crescendo zu münden und mit einem Schlagzeug-Solo zu enden. Sachses Bewunderung gilt nach eigener Aussage Marshall, der die Phrasen der Themen umspielt und dabei, nie wiederholend, die Kompositionen „kommentiert“. Das Lob schießt auch Baker ein, der mühelos zwischen Basslinien und Melodie wechselt sowie frei kontrapunktisch Läufe zupft. Bakers Soli überzeugen mit reizvollen harmonischen Wendungen und Verzierungen des Themas und laufen nur selten straight im Grundrhythmus.

Live
Ins Ohr gehen vor allem die Flamenco-gesättigten Kompositionen wie „Der Geist von Toledo“ oder „Für Oki“ mit den eingängigen Gitarren-Läufen und den melodischen Bass-Linien. Dann kann Sachse sein doppelt percussives Spiel auf der Gitarre ausleben. Der Gitarrist klopft auf die Rückseite des Gitarrenhalses, während er zugleich die rhythmisch verzwickten Saitenläufe anreißt und beides mit Glücksschreien quittiert. Eingeschoben zwischen die schnellen Jazzrock-Stücke sind etwa beim „Altersswing“ Experimente mit Sound-Collagen auf Gitarre und Bass, die vom frei pulsierenden Schlagzeug abgerundet werden. (Quelle: jazzpages.com)

Macht ganz schön neugierig eine solche Konzertbeschreibung … wie gesagt: für Freunde eher avantardistischer und exzellenter Klänge !

Aufgenommen wurde diese Album im Kreiskulturhaus Berlin, am 30. Januar 2010 (und zwar durch den Radiosender RBB)

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Besetzung:
Fred T. Baker (bass)
John Marshall (drums)
Joe Sachse (guitar)

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Titel:
01. Nasobem (Sachse) 5.56
02. Blues für Kati (Sachse) 8.09
03. Der Geist von Toledo (Sachse) 7.02
04. Alterswing (Sachse) 6.53
05. Für Oki (Sachse) 9.3506. Freie Improvisation – Riff (Sachse) 5.54
07. Round Midnight (Monk) 5.45
08. Kang Ding Quin Ge (Sachse) 10.36
09. Weber (Sachse) 3.28
10. One Line Springworm für Jürgen Haufe (Sachse) 5.27
11. Swinool (Sachse) 8.19

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