Frank Gala – Das Leben ist ´ne Session (2013)

TitelEinen ungewöhnlich ungeschminkten Einblick in die Musikszene der DDR bietet Frank Gahler in seinem e-book. Frank Gahler war der u.a. der Frontman von der großartigen Bluesformation Monokel … und er hat wirklich viel zu erzählen …

Frank Gahler, der von allen, wahrscheinlich der Berliner Maulfäule wegen, seit frühester Kindheit immer nur GALA genannt wird, stand genau genommen schon mit 5 Jahren auf den Brettern, die seine Welt werden sollten. Immer hat unser Singezahn im Chor gesunden und mit 8 sogar – auf Anraten umnebelter Musikpädagogen- Geige zu lernen angefangen – GEIGE! Na das Ding flog sehr schnell in die Ecke!
Dann kam die Gitarre – jaaa, dis war schon besser. Crosby, Stills, Nash and Young, irische Folklore (!), Folkrock, Lindenberg, Pink Floyd und vor allem Led Zeppelin bildeten den Soundtrack für all die Bilder, die im Kopf eines aufmüpfigen Jungmenschen herumschwirren. Eines Tages klaute er seinem Freund Peter eine Hohner Blues Harp – naja, und als er anfing dieses kleine Instrument zu beherrschen ließ ihn der Blues nicht mehr los.
1976 gründete er mit Freunden MONOKEL. Diese Band sollte nun nach sehr kurzer Zeit zu einem derartigen Underground Publikumsmagneten werden, dass auf der einen Seite die Staatsmacht Angst demonstrierte und auf der anderen Seite der Grundstein zu einem legendären Ruf gelegt wurde. Völkerwanderungsähnliche Zustände begleiteten diese Band und MONOKEL Veranstaltungen gerieten zu schwer kontrollierbaren Happenings größten Ausmaßes.
GALA nahm 1982 das Angebot von Georgi Gogow und Gisbert Piatkowski (City) an, um ne gemeinsame Band zu gründen – „NO 55“. Feine Sache das! Tourneen durch ganz Europa (Ost und West), TV Präsenz dass sich die Balken bogen und mehrere Plattenproduktionen vermittelten den Eindruck größten Erfolgs. In dieser Zeit entwickelte GALA ein unnachahmliches Gespür für Kompositionen und Texte, dass ihm das Leben nicht immer leichtmacht. Leider gab es zwischen GALA und dem Bandmanagement zu viele politisch unterschiedliche Auffassungen, so dass es eines Tages knallte und Gala ausstieg.
In dieser Größenordnung kann man allerdings nicht einfach aussteigen. Man sollte einen anderen Beruf ergreifen oder das Land verlassen. Zur Umschulung hatte GALA keine Lust. Umsiedlung nach Westberlin! Zum Glück zerbröselte kurz danach die Mauer, der Grund fürs Fortgehen war dahin, GALA ging wieder in den Osten. Nachdem nun zwischenzeitlich ein Soloprojekt mit der Stuttgarter Firma Intercort um den Produzenten Mick Jackson eher mäßigen Erfolg zeigte, stieß Gala wieder zu MONOKEL. „Wir saufen wieder zusammen, also könn wa ooch wieder zusammen musizieren.“

Frank Gala, Warschau 1980

Frank Gala, Warschau 1980

Und so kündigte Frank Gahlker sein Buch auf seiner facebook Seite selber an:

„Liebe Facebookgemeinde, liebe Freunde… Nun ist es endlich soweit – nachdem mein Buch trotz vollmundiger Ankündigung bei BUSCHFUNK im Verlagseigenen Katalog (mit Bestellnummer, feiner Kurzbeschreibung und Preis) vom Verleger aus Angst vor dem Inhalt schier in letzter Minute schnell zurückgezogen wurde, haben wir es jetzt doch geschafft das Machwerk als e-book zu veröffentlichen.

Im Augenblick ist „DAS LEBEN IST `NE SESSION“ zu erhalten unter: Das Leben ist ´ne Session – Frank Gahler – epubli zu erhalten. Auf vorwiegend schwachsinnige Weise beschreibt GALA sein Leben bei MONOKEL und NO55 – ein Leben zwischen Selbstdisziplin und Orgie, zwischen Arroganz und Selbstzweifel – ein Leben eben, das genau genommen in die Hände fähiger Psychiater gehört. Weitersagen und vieeeel Spaß!“

Sein Erzählstil ist ziemlich schnoddrig, und seine Zeilen  lesen sich auch deshalb sehr authentisch … und das allseits beliebte Motto „Sex, Drugs & Rock N Roll“ ist auch hier förmlich zu greifen, wobei das Wörtchen Drugs natürlich mit Alkohol zu übersetzen ist. Was die Musiker um „Gala“ gesoffen haben … ist unglaublich …

Hier ein Auszug aus dem Buch, der sehr typisch für den Stil seiner Schreibe ist:

„Eine relativ kurze Zeit probierten wir eine Besetzung mit Piano. Leider funktioniert das Ganze nur mit einem Pianisten! In diesem Fall handelte es sich um Ludwig Endesfelder. Er selbst hielt sich für den begabten Bruder von Thelonius Monk und somit selbstverständlich auch für unersetzbar und sah mit seinem störrischen roten Haar und seinem wilden, ebenso roten Bart eher wie ein germanischer Krieger auf der Suche nach versprengten römischen Legionären aus. Von Rhythm & Blues hatte der olle Krieger soviel Ahnung wie `ne Kuh von Stabhochsprung und die Mitgliedervollversammlung seines persönlichen Fanclubs konnte mühelos in einer Telefonzelle abgehalten werden. Dass er schlecht Cello spielte, riss den Karren auch nicht mehr aus’m Dreck.
Es war also nur `ne Frage der Zeit – kurzer Zeit – dass Ludwig Endesfelder die Band unter unwürdigstem Gezeter, und der Erkenntnis, dass die Friedhöfe voll sind von unersetzbaren Menschen, verlassen musste. Ich denke mal, die Erfahrung mit DIESEM anstrengenden Zeitgenossen als Pianisten hat bei uns einen derart starken Eindruck hinterlassen, dass wir noch sehr, sehr lange auf Piano, Keyboards und vor allem auf die großen Künstler, die diese Instrumente bedienen, verzichtet haben.“

Das Buch bietet intensive Einblicke in den Alltag einer DDR-Band: staatlicher Regulierungswahn und persönliche Reifungsprozesse … geben sich hier Seite um Seite die Hand.

Und um es kurz zu machen: wer sich für die Entwicklung deutscher Musik in der DDR interessiert, kommt an diesem Buch schlicht und ergreifend nicht vorbei …

Und wie üblich bei Druckerzeugnissen, die ich hier präsentiere, ein paar optische Anreize, bevors dann zur Präsentation geht:

Beispiel01

Beispiel02

 

Beispiel03

 

Beispiel05

Beispiel06

Beispiel07
Beispiel08

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