Collegium Aureum – Krönungsmesse – Gardisette Sonderausgabe (frühe 70er Jahre)

FrontCover1.JPGUnd gleich noch so ne Werbeplatte … diesmal von der Firma Gardisette:

Vier Jahre nach der Währungsreform (also 1952) war die Idee: Ein Gardinen-Angebot zu schaffen, das den Kunden Lösungen für Pflege- und Dekorationsprobleme liefert. Es gab neue Faserentwicklungen und entsprechende Maschinen, die es zu nutzen galt.

Neu war die Ausrichtung auf den verkaufsorientierten Käufermarkt mit einer konsequent gehandhabten Markenpolitik. Nicht der Kunde hatte zu kaufen, was der Hersteller produzierte, sondern der Hersteller hatte zu produzieren, was der Käufer brauchte. Dies war nun durch Schaffung einer Marke möglich. Gardisette etabliert die erste Marke in der Heimtextil-Branche: „Gardisette perfekt“.

In der ersten Werbekampagne, die der Heimtextilmarkt zu Gesicht bekam, stellte Gardisette die sensationell anmutende Eigenschaft von Pflegeleichtigkeit vor: „kein Spannen – kein Bügeln – kein Einlaufen mehr.“ Segensreiche Vorzüge die sich entsprechend verkauften. Bald nach dieser Einführung produzierte Gardisette den Stoff so breit, dass die Breite zur Höhe wurde und somit kein Zwischenhalt die Optik störte. Ein Jahr später folgte die Einführung des Beschwerungsbandabschlusses. Der Gardinen-Saum war überflüssig, das Beschwerungsband wurde bei der Produktion direkt eingearbeitet. Vorteil: ein makelloser Faltenfall. Um die Marke Gardisette beim Verbraucher unverwechselbar zu machen, wurde ein Silberfaden in das Combiflex-Band eingewebt. Passend zur Gardinen Kollektion wurde zusätzlich eine Dekostoff-Kollektion entwickelt, welche die gleichen Produktvorteile der Gardisette-Gardinen beinhaltete.

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Dieser neu eingeschlagene Weg im Produktbereich und die Ausrichtung auf eine Marke hatte zur Folge, daß auch die Vertriebsorganisation neu aufgebaut werden mußte. So wurden vertriebserfahrene Fachkräfte fest angestellt und zu Verkaufsberatern geschult. Wichtig war das Mitdenken von Markenartikelkategorien und den Handelspartner in seinen Absatzbemühungen zu unterstützen. Gardisette wird auch heute nur in Fachgeschäften des Einzelhandels, Fachabteilungen der Warenhäuser und Fachmärkten angeboten. Die gesamte Gardisette-Kollektion wird auf einem Vorwahlsystem präsentiert. Ein weiterer Vorteil für den Handel ist der kurzfristige Lieferservice für alle Dessins.

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Damit sich die Markt-Idee immer mehr durchsetzen konnte, wurde Werbung und Verkaufsförderung ein immer wichtigeres Instrument. Dabei bedient man sich allen möglichen Werbe-Medien um immer wieder interessante Produktverbesserungen mit ansprechender Werbung zu vermitteln. So konnte Gardisette sehr schnell an Profil gewinnen und wurde in der Heimtextil-Branche zur bedeutendsten Herstellermarke. Dieses einmal geschaffte Fundament stabilisiert bis heute die große Markenbekanntheit von Gardisette. (Quelle: gardisette.jab.de)

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Ein frühes Logo der Firma Gardisette

Allen Erfolgen zum Trotz konnte sich die Firma auf Dauer dann noch nicht halten. Im Jahre 2004 wurde die Firma der Firmengruppe JAB Anstoetz in Bielefeld einverleibt.

Sei´s drum … für mich war diese Firma all die Jahre ein exemplarischer Ausdruck der bundesdeutschen Spießigkeit …

Aber bei dieser Werbeplatte (vermutlich für die Partner im Handel) mache ich ne Ausnahme.

Denn hier spielt das famose Collegium Aureum die „Krönungsmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart:

Das Collegium Aureum war der Name eines 1962 gegründeten und bis zu seiner Auflösung in Köln ansässigen Kammerorchesters.

Das Collegium Aureum entstand auf Initiative der Freiburger Produktionsfirma Deutsche Harmonia Mundi als freie Vereinigung hochqualifizierter und bekannter Instrumentalsolisten, die sich das Ziel gesetzt hatten, Musikwerke des 17., 18. und (ab 1976) auch des beginnenden 19. Jahrhunderts zur Erzielung eines sogenannten „gerechten Klangbildes“ für die Schallplatte zu produzieren. Die Mitglieder des Ensembles wollten ihren eigenen Beitrag zur Wiederbelebung der Historischen Aufführungspraxis leisten und ausprobieren, wie die Musikwerke sowohl der Alten Musik als auch der Klassik und frühen Romantik klingen, wenn sie auf alten Instrumenten, mit alter Spieltechnik und stets in stilgerechten Räumen aufgeführt werden.

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Das Collegium Aureum in den frühen Jahren

Im Fuggerschloss zu Kirchheim in Schwaben fanden die Musiker eine akustisch geeignet erscheinende Wirkungsstätte zum Proben und Produzieren. Im Zeichen des Goldenen Schnitts des aus der Renaissance stammenden Zedernsaals im Schloss Kirchheim fanden sich die musizierenden „Kollegen“ zusammen zum goldenen Kollegium, dem Collegium Aureum, wie sie sich fortan nannten.

Im Jahre 1962 erschienen die ersten Aufnahmen auf dem Schallplattenmarkt. Öffentliche Konzertveranstaltungen folgten, bald auch Produktionen bei Funk und Fernsehen. In den folgenden Jahren verschaffte sich das von Konzertmeister Franzjosef Maier als primus inter pares angeführte Collegium Aureum einen weltweiten Ruf. Konzertreisen führten nach England, Frankreich, Japan, Lateinamerika, Nordafrika, die Niederlande, die damalige UdSSR und die Staaten des Mittleren Ostens.

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Bekannte Ensemble-Angehörige waren u. a. Gustav Leonhardt (Cembalo), Hans-Martin Linde (Flöte), Franz Beyer (Viola), Reinhard Goebel (Violine) und Wolfgang Preissler (Pauken).

Die in über drei Jahrzehnten entstandene umfangreiche Diskografie belegt den künstlerischen Rang dieses Spezialensembles. In den 1990er Jahren löste sich das Ensemble allmählich auf. (Quelle: wikpedia)

Diese Aufnahme entstand im Jahre 1970 (und zwar im sog. Zedernsaal von Schloß Kirchheim) und wurde dann eben – vermutlich kurz dannach – von Gardisette für ihre Werbezwecke übernommen.

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Historische Darstellung des Fuggerschlosses Kirchheim in Schwaben im 17. Jahrhundert

Die Krönungsmesse in C-Dur, KV 317 ist eine Messe von Wolfgang Amadeus Mozart und sie zählt wohl zu den bekannntesten Kompositionen aus seiner Feder.

Der Name Krönungsmesse ist erstmals 1862 in der Erstauflage des Köchelverzeichnis schriftlich nachgewiesen. Sehr wahrscheinlich wurde die Messe für den Ostergottesdienst 1779 am Salzburger Dom, der auf den 4. April fiel, komponiert. Mozart datierte die Partitur auf den 23. März 1779, womit er vermutlich die Fertigstellung der Komposition kennzeichnete. Unmittelbar nach Mozarts Tod wurde die Messe KV 317 zur bevorzugten Komposition für Gottesdienste bei Kaiser- und Königskrönungen sowie bei Dankgottesdiensten. Zum ersten Mal dürfte sie im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten

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Der Dirigent bei dieser Aufnahme: Franzjosef Maier

für Kaiser Franz II. verwendet worden sein. Die wahrscheinlich ursprünglich kapellinterne Bezeichnung Krönungsmesse ist, von der Wiener Hofmusikkapelle ausgehend, bald Allgemeingut geworden. Der Umstand, dass die Mozarts der Wallfahrtskirche Maria Plain in tiefer Frömmigkeit verbunden waren, veranlasste 1907 den Mozart-Enthusiasten Johann Evangelist Engl zu der unbeweisbaren Feststellung, die Krönungsmesse wäre für das alljährliche Maria-Plainer-Krönungsfest, das im Jahre 1779 am 27. Juni begann, komponiert worden – eine sich hartnäckig haltende Legende.

Charakteristisch für diese Messe sind die sinfonischen Elemente. Solostimmen und Chor werden sehr deutlich voneinander getrennt. (Quelle: wikipedia)

Gardisette hin, Gardisette her … hier hören wir wiedermal diesen großartigen Mozart, und zwar von einem wahrlich bedeutendem Ensemble bundesdeutscher Musikgeschichte.

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Die Originalnoten von Mozart

Besetzung:
Collegium Aureum unter der Leitung von Franzjosef Maier
+
Jörg Demus (piano)

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Titel:
01. Allegro 13.53
02. Larghetto 6.30
03. Allegretto 10.22

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

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Der Zedernsaal im Schloß Kirchheim

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