Christian Görlitz – Fleisch ist mein Gemüse – Eine Landjugend mit Musik (DVD Rip) (Heinz Strunk) (2008)

Beispiel104Also … damals habe ich weder das Buch noch diesen Film mitbekommen …

Fleisch ist mein Gemüse ist ein Film des deutschen Regisseurs Christian Görlitz aus dem Jahr 2008, der am 17. April 2008 in den deutschen Kinos anlief. Der in Hamburg und Umgebung gedrehte Film wurde von der neuen deutschen Filmgesellschaft und dem NDR nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Heinz Strunk produziert.

Mitte der 1980er Jahre lebt der junge arbeitslose Hobbymusiker Heinz Strunk mit seiner psychisch kranken Mutter in einem Reihenhausviertel in Hamburg-Harburg. Er leidet unter seiner extremen Akne und hat, abgesehen von der depressiven Nachbarin Rosi, kaum soziale Kontakte. Als er die Gelegenheit erhält, als Saxophonist bei „Tiffany’s“ einzusteigen, einer mittelmäßigen Tanzmusik-Kapelle, die im Umland auf diversen Dorf- und Schützenfesten, in Altenheimen und auf Hochzeiten mit Stimmungsmusik unterhält, kann er sich damit zwar finanziell über Wasser halten. Er träumt aber davon, selbst geschriebene Songs zu veröffentlichen, was in seiner von Sänger Gurki straff geführten Stimmungsband unmöglich ist. Als seine Mutter zunächst vorübergehend in eine geschlossene Einrichtung kommt, kann er – bei allem Stress, der für ihn damit verbunden ist – die mütterliche Wohnung als Proberaum nutzen. Eine weitere Zusammenarbeit mit Sängerin Anja erübrigt sich, als sie zum Studium fortzieht. ‚Castings‘ weiterer Sängerinnen, darunter der linksalternativen Jette, bleiben erfolglos. Nach dem Tod seiner Mutter und seiner Nachbarin Rosi am Tiefpunkt angelangt, ergibt

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Das Buch aus dem Jahr 2004

sich für Heinz eine neue Chance, als er lockeren Kontakt zu einem Musikmanager knüpft, dessen alterndem Ex-Star er bei einem Feuerunfall zu Hilfe gekommen ist. Er gewinnt Jette für einen gemeinsamen Anlauf zu einem eigenen Popsong, der prompt ein Hit wird.

Diese Handlung bildet den Rahmen für einen intensiven Blick auf das mit lakonischem Humor und ironischer 80er-Jahre-Nostalgie dargestellte Milieu: Schützenfeste und andere mit Alkohol und Stimmungsmusik gesättigte Feierlichkeiten des von Durchhaltewillen und Resignation geprägten ‚einfachen Volkes‘.

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat „Wertvoll“. Diese Auszeichnung wurde in einem dazugehörigen Gutachten folgendermaßen begründet:

„Sehr lebensnah und realistisch der Blick in das Leben des jungen Heinz Strunk, seine Beziehung zu seiner Mutter mit berührenden Momenten, zu seiner Nachbarin und seine gescheiterten Versuche, mit diversen Sängerinnen Musikproduktionen aufzubauen. […] Dass Heinz Strunk gemeinsam mit einem Hirsch das teilweise wilde Leben und Treiben zusätzlich kommentiert, verstärkt noch den Spaß am Zuschauen. Nicht zu vergessen der Hinweis auf die gute Kameraführung, eine pfiffige Montage und reizvolle Übergänge mit Schrifteinblendungen sowie die Auswahl des Soundtracks, ohne den der Spaß nur halb so groß gewesen wäre.“

Die Schauspieler Susanne Lothar und Andreas Schmidt wurden für den Deutschen Filmpreis 2009 in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ nominiert. Schmidt gewann den Preis. (Quelle: wikipedia)

Also … der reine Spaß ist der Film aber nun nicht wirklich: Sehr abrupte schwankt er zwischen der Tristesse einer Tingel-Tangel Band, einer häusliche Lebenssituation, die nur deprimierend ist und dann all jenen Hoffnungen, über die Musik neue Perspektiven zu bekommen (nach dem Motto: We´ve gotta get out of this place“).

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Die Schauspielerinnen Anna Fischer (li.), Susanne Bormann und Nikola Kastner (re.) bei der Film-Premiere

Glaubt man Heinz Strunk, dann war das Leben im Hamburg-Harburg der 80er Jahre wie ein Gewaltmarsch durch Dantes Inferno. Nur schlimmer
Heinz Strunk ist ein musikalischer Mensch und wäre gern Pop-Produzent. Leider lebt er mit seiner manisch-depressiven Mutter (Susanne Lothar) in einem maroden Reihenhaus in Hamburg-Harburg, ist sozial leicht unterentwickelt, extrem antriebsarm und obendrein gern besoffen. So verdient sich Heinz (Maxim Mehmet) bloß ein paar Kröten als Mitglied der Band Tiffany’s, die auf Schützenfesten und Konfirmationen schrammelt.

Eine echte Karriere als Musiker ist für ihn ebenso unwahrscheinlich wie Glück bei irgendeinem Mädchen. Denn Heinz leidet unter derart extremer Akne, dass sein von Pusteln, Beulen und Narben übersätes Gesicht aussieht wie die topografisch präzise Nachbildung der Gerölllandschaft westlich von Kandahar.

Als Buch war die (halbwegs) wahre Geschichte von Heinz Strunk ein Bestseller. Der Film ist nun so klug, die Story nicht zum fröhlichen Kalauermarathon glattzu­bügeln, sondern so bitter, grell und makaber zu lassen, wie ihre Fans sie lieben. Die dissonante Ballade vom Gemüsefleisch ist ein einziges, langes Fremdschäm-Erlebnis. Ein schmerzhaft komisches Panoptikum äs­thetischer Zumutungen, zwischenmenschlicher Inkompetenz und geplatzter Träume.

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Doch bei aller bösen Komik verrät die Harburger Horrorshow ihre Figuren nicht. Heinz und seine Mit-Loser sind vielleicht keine liebenswerten Kreaturen, aber schützenswert sind sie allemal.

Was auch ein Verdienst der exzellent gewählten Akteure ist. Von Hauptdarsteller Maxim Mehmet, der hier schauspielerisch erheblich höher fliegen darf als zuletzt im Helden­epos „Der rote Baron“, über den ebenso tragikomischen wie größenwahnsinnigen Bandleader Gurki (Andreas Schmidt) bis zur quirligen Sängerin Jette (Anna Fischer), die mit Heinz an ihrer Popkarriere bastelt. Ein echt guter, böser Blues.

Eine hingebungsvolle Zeitreise in die Albtraum-Ära der 80er Jahre. Diese Bestseller-Verfilmung trifft den Ton. (cinema.de)

Und leider habe ich die traurige Pflicht, diese Präsentation mit dem Hinweis zu ergänzen, dass zwei der Darsteller mittlerweile verstorben sind:

Susanne Lothar (* 15. November 1960 in Hamburg; † 21. Juli 2012 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin. Bekannt wurde sie als Darstellerin schwieriger und gebrochener Charaktere auf der Theaterbühne wie auch in Film und Fernsehen. Sie starb einen Tag vor dem 5. Todestag ihres Ehemanns Ulrich Mühe.

Andreas M. Schmidt (* 23. November 1963 in Finnentrop-Heggen; † 28. September 2017 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler und Regisseur. Er verstarb nach einen langen Krebserkrankung.

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Darsteller:
Klaus Baumgart (‚Klaus und Klaus‘ Imitator)
Susanne Bormann (Anja)
Martin Brambach (Gewehrverkäufer)
Martin Brauer (Torsten)
Oliver Bröcker (Norbert)
Victor Choulman (Grieche Schorsch)
Timo Dierkes (Arzt)
Ulrich Faulhaber (Alter Schützenbruder)
Anna Fischer (Jette)
Sylvester Groth (Oliver Bendt)
Stephan Kampwirth (Polizist)
Nikola Kastner (Sonja)
Dayan Kodua (Soulsängerin)
Susanne Lothar (Mutter)
Maxim Mehmet (Heinz Strunk (jung))
Jona Mues (Jens)
Jacques Palminger (Schütze)
Marie Pohl (Gurkis Flirt)
Livia S. Reinhard (Nachbarin Rosi)
Heidemarie Rohweder (Wirtin Krall)
Rocko Schamoni (Schützenkönig)
Andreas Schmidt (Gurki)
Heinz Strunk (Er selbst)
Veit Stübner (Schützenwirt)

Regie: Christian Görlitz
Drehbuch: Christian Görlitz
Produktion: Susanne Freyer
Musik:  Jeo Mezei – Heinz Strunk
Kamera: Andreas Höfer

Und weil ich selten einen Film gesehen habe, deren reiche Bildersprache mich derart in den Bann gezogen hat … every picture tells a story … habe ich mir die Freiheit genommen, eine ganz und gar üppige Vorschau dieser Tragikkomödie zu basteln:

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Der Autor (links) höchstpersönlich

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Die Mutter

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Alltag bei der Familie Strunk: viel trostloser geht´s nicht.

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Die Tiffany spielen auf zum Seniorentanz

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Gurki, der Bandleader

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Der entscheidende Anruf …

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Ein weiterer Nervenzusammenbruch der Mutter

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Und hier geht´s zum Übungsraum

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Im Übungsraum

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Musik: Lebenselixir und Therapeutikum

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Skepsis bezüglich der Wohngegend des Heinz Strunk

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Auch ne Möglichkeit, Socken zu trocknen

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Die Mutter: Mittlerweile in der Psychiatrie

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Früh übt sich …

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Und hier tobt der Bär …

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Der Bräutigam kann´s kaum erwarten …

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Derweil die Nachbarin Rosi …

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… ziemlich verzweifelt ist

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Auch der Mutter fehlt mittlerweile der Lebensmut …

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Ein blonder Engels namens Sonja erscheint: Sie will vorsingen …

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… und macht das auch

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Und da will sie der faszinierte Heinz Strunk mit gutem Essen verwöhnen

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Die Rosi beäugt die jungen Leute … voller Neid auf deren vermutetes Lebensglück

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Auf zum nächsten Gig

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Man verhandelt mit dem Veranstalter

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Diesmal ist ein Schützenfest angesagt

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So schaut einer, der ne Abfuhr erteilt bekommen hat …

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And the band plays on …

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Bietet sich ja an: Auf einem Schützenfest ein neues Gewehr zu verkaufen

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Das Fest endet, wie es enden muss

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Beim masturbieren erwischt

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Sonja hat derweil andere Pläne: Germanistik-Studium, heiraten will sie auch und schwanger ist sie dann auch noch

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Da bleibt einem nur noch der Blues

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Im Hintergrund taucht eine neue Frau auf

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Der Bassist der Band

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Der Wirt der griechischen Stammkneipe

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Ziemlich verloren schaut man all den jungen Frauen nach

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Da träumt wohl einer

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Die Mutter: Nachdem Fenstersturz in der Rahe … weiterhin verzweifelt

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Verzweifelt bemüht sie sich, eine „gute Mutter“zu sein

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Weitere Damen singen vor

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Sängerin Jette: vorerst rebellisch

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Der nächste Gig …

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… diesmal eine Faschingsparty …

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Man kommt sich näher …

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Prösterchen ! Und wie geht´s nun weiter ?

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… und macht auch gleich den Anfang …

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Aber so recht will es nicht klappen …

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Aber jetzt wird die Dame energisch …

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… um dann festzustellen, dass das alles ziemlich öde ist

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Was bleibt ist die Musik … diesmal ein Miss-Wahl

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Ein nicht unwichtiges Demo-Tape von Jette

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Heinz Strunk kommentiert sein Leben

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Die Mutter kommt in dem Pflegheim „Deutsches Haus“ unter

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Ist das nicht Jack Nicholson ?

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Frohe Weihnachten !

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Rosi hat es geschafft: Sie hat sich erfolgreich das Leben genommen

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Ein ehemals erfolgreicher Schlagersänger tingelt über die Land

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Party !

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Da meldet sich ein Musikproduzent und macht Hoffnungen …

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Jette flirtet gar ein bisschen …

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… schließlich willigt sie ein, Demoaufnahmen zu machen

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Der Tod der Mutter kommt dazwischen

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Und das bleibt von so einem Leben …

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Die Demoaufnahmen beginnen

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Und so sieht dann Glück aus

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Und jetzt hat´s gefunkt

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Vorsprache bei der Record Company („MGW Records“)

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Das Demo-Tape fällt herunter …

 

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… und der Plattenboss ist begeistert

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Ein Video-Clip wird gedreht und aus der rebellischen Jette wird ne Disco-Maus

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Und Heinz Strunk schaut dem Treiben zu

 

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Und auch Gurki bekommt seinen Einsatz

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Heinz Strunk verabschiedet sich von den Protagonisten seines Films

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Heinz Strunk im Jahr 2018: Hier bei einer Lesung im Münchner Volkstheater am 20.10.2018 (er präsentierte sein neues Buch „Das Teemännchen“)