Johann Wolfgang von Goethe – Urfaust (Hörspiel) (2007)

FrontCover1Hm, jetzt wird es ein wenig kompliziert … denn wenn ich ich auf Johann Wolfgang von Goethe zu sprechen komme, dann bleibt es nicht aus, dass meine familiären Prägungen arg heftig durchschlagen.

Mein Vater war ein Germanist der alten Schule und über Goethe lies er nichts kommen. In meiner persönlichen Sturm- und Drangphase blieb es nicht aus, dass ich da meinen Vater wohl auf das heftigste provozieren musste. Er schwärmte wieder mal von all den Liebesgedichten, die Goethe verfasst hat, da hatte ich nichts besseres zu tun, als seinen Schwärmereien mit folgenden Worten zu kontern: „Ach, der Goethe wollte halt all die Frauen eh nur vögeln“ (ja, ja … so hab ich das damals wohl gesagt). Es folgte ein Tobsuchtsanfall meines Vaters …

Nun in meinen Tagen in Weimar marschierte ich dann natürlich auch in das „Goethe-Haus“ und bestaunte in den 18 zugänglichen Räumen all die originalen Möbeln und anderen Ausstattungsstücken des Haushaltes sowie die persönlichen Erinnerungsgegenstände und zahlreiche Objekte aus allen Sammlungsbereichen Goethes. Gezeigt wurden auchHandzeichnungen, Gemälde, Plastiken, Bronzen und Majoliken, Münzen und Medallions. Anordnung und Einrichtung entsprechen wohl weitgehend dem Zustand in den letzten Lebensjahren des Dichters. Höhepunkte der Besichtigung war dann das authentisch eingerichtete Arbeitszimmer Goethes und der Blick in die angrenzende Privatbibliothek.

GoethesBibliothek

Blick in Goethes Privatbibliothek

Und natürlich beschäftigte ich mich ein wenig mit dem atemberaubenden literarischem Werk von Goethe (er war ja darüber hinaus ein Universalgenie: siehe seine Farbenlehre und diverse weitere naturwissenschaftlichen Arbeiten). Und wollte ich es genauer wissen, was es mit dem „Urfaust“ so auf sich hat:

Unter dem Urfaust (auch als Faust. Frühe Fassung oder Faust in ursprünglicher Gestalt bekannt) versteht man Goethes ersten Entwurf für sein späteres Theaterstück Faust. Er entstand, parallel zu Die Leiden des jungen Werthers, in den Jahren zwischen 1772 und 1775 in Frankfurt am Main. Auslöser für die stoffliche Bearbeitung war die Verurteilung und Hinrichtung der Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt, deren Gerichtsprozess Goethe verfolgt haben muss, wie die nach seinem Tod bei ihm gefundenen Kopien von Prozessakten zeigen.

GoetheIm Jahre 1775 las Goethe erstmals am Hof zu Weimar, danach unter anderem auch im Erfurter Schloss Stedten, das im Besitz der mit ihm befreundeten Familie Keller war, aus dem Urfaust vor. Das Publikum war von der unkonventionellen Form und Sprache begeistert. Goethe wurde im Anschluss immer wieder auf Fertigstellung des Stückes gedrängt, unter anderem von seinem Freund Friedrich Schiller.

Es existiert nur eine Abschrift des Urfaust, sie stammt aus dem Besitz von Luise von Göchhausen und enthält in der heute noch erhaltenen Version einige der Szenen, die dann später in Faust I eingearbeitet wurden. Im Urfaust sind viele Passagen noch in Prosa verfasst, während im Faust I nur noch die Szene Trüber Tag. Feld ohne Versform auskommt. (Quelle: wikipedia)

Der Urfaust ist die frühere Fassung des „Faust“ und erzählt hauptsächlich von der Liebe zwischen Faust und Margrete. Zu Beginn des Stücks denkt Faust über sich und sein Wissen nach. Ein bekannter Ausschnitt dieser Szene ist dieses Zitat:
„Da steh‘ ich nun ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor“

In den ersten zwei Szenen geht es nur um Weisheit und um die Geisterwelt, (= Gelehrtentragödie). Ab der dritten Szene beginnt die Geschichte mit Margrete. Als Faust Margrete auf einer Straße begegnet, ist er sofort von ihr hingerissen. Nun wendet er sich an Mephistopheles, der ihm helfen soll an Gretchen zu gelangen. Mephistopheles geht darauf ein und beschafft ein wundervolles Schmuckstück, welches er und Faust dann in Margretes Zimmer bringen. Als ihre Mutter den Schmuck entdeckt, nimmt sie ihn Gretchen weg, doch Faust beschafft sofort etwas Neues. Gretchen ist diesmal vorsichtiger und zeigt den Schmuck nur ihrer Nachbarin Marthe. Inzwischen schmieden Faust und Mephistopheles einen Plan um zu Gretchen zu gelangen. Sie finden die Lösung: Mephistopheles muss sich an Marthe halten. Deshalb macht er sich auf den Weg zu Marthe um ihr zu sagen, dass ihr Mann gestorben sei. Sie will jedoch einen Beweis und er verspricht ihr, einen Zeugen zu besorgen. Er sagt, er wolle ihn noch am selben Abend mitbringen. Natürlich spielt Faust den Zeugen, denn Gretchen ist schließlich bei Marthe, und das ist seine Chance. Dort kommen sich Faust und Gretchen näher. Schließlich gesteht er ihr seine Liebe. Sie läuft davon und versteckt sich im Gartenhäuschen. Faust folgt ihr und es kommt dort zu ihrem ersten Kuss. Dann muss Faust gehen. Später will Faust bei Gretchen übernachten, doch sie hat Angst, dass die Mutter etwas bemerken könnte. So gibt ihr Faust einen Schlaftrunk, den Gretchen ihrer Mutter geben soll.

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Titelblatt des Fragmentes «Faust» von 1790 anlässlich der ersten Gesamtausgabe von Goethes Werken

Zwischendurch fehlen immer wieder einzelne Szenen. Es wird aber deutlich, dass Margrete ein Kind von Faust erwartet. In ihrer Verzweiflung ertränkt sie es und auch ihre Mutter stirbt an dem Schlaftrunk, den ihr Gretchen verabreicht hat. Sie wird wegen Doppelmordes eingesperrt und soll erhängt werden. Als Faust dies erfährt, will er ihr helfen und schleicht sich in den Kerker zu seiner Geliebten. Sie will sich aber nicht retten lassen. Sie will für ihre Sünden sterben. Faust hat keine Wahl – er muss sie zurücklassen.
Interpretation

Den „Urfaust“ schreibt Johann Wolfgang von Goethe in der Sturm- und Drangphase. In der damals politisch unruhigen Zeit hat das Stück jedoch keine große Bedeutung. Das Drama ist nicht in Akte, sondern in Szenen gegliedert. Es gibt mehrere Schauplätze, die das ganze Stück lebhafter erscheinen lassen. Auch durch die Charaktereigenschaften der Haupt- und Nebenrollen wird das Stück etwas aufgelockert.

So ist Faust einerseits der Weise, der sich nur auf Bildung konzentriert, andererseits aber der unbändige Liebhaber, der sich auf etwas einläßt, ohne sich Gedanken über eventuelle Konsequenzen zu machen. Gretchen ist die Unschuldige, die sich durch ihre Verliebtheit selbst zur Schuldigen macht. Und Mephistopheles ist der, der zwar weiß, was falsch und was richtig ist, der aber trotzdem mehr das „Falsche“ unterstützt. Alle diese Personen haben also zwei völlig verschiedene Charaktere, die im Stück deutlich werden. (Sie haben einen Sinn für das Rechte, handeln aber alle falsch.)

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Der Hof des Anwesens vom Goethe

Goethe hat den „Urfaust“ in zwei Teile gegliedert. (Gelehrtentragödie und Gretchentragödie). Der „Urfaust“ ist aber auf die Gretchentragödie fixiert und vernachlässigt Fausts Probleme. Mit der Gelehrtentragödie beginnt das ganze Drama und die Handlung steigt, sobald Gretchen auftaucht. Zum Schluss vermischen sich beide Konflikte und es ist schwer zu sagen, was Goethes Botschaft ist. Vielleicht soll es eine Art Warnung sein. Man denkt, man sei weise, doch in manchen Situationen bemerkt man nicht, dass des Herz stärker ist als der Verstand. Man braucht nicht nur Theorien um weise zu sein. Das alleine genügt nicht. Oder Goethe wollte durch die Personen, die im „Urfaust“ vorkommen, vermitteln, dass wir alle gute und schlechte Seiten haben und immer in der Lage wären die richtige Entscheidung zu treffen. (Quelle: .bhak-bludenz.ac.at)

Um es mal auf den Punkt zu bringen: So richtig warm werde ich auch heute (obwohl meine diesbezügliche Sturm und Drangphase längst vorgangen ist) nicht mit dem Goethe. Vielleicht liegt es daran, wie oben zu lesen ist, man nicht so recht weiss, worauf Geothe eigentlich hinaus wollte, vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir der doch gewaltige Pathos des Werkes auf den Senkel geht … man verzeihe meine flapsige Wortwohl.

Mein weiterhin bestehendes Unbehagen liegt aber ganz sicherlich nicht an der Darbietung dieses Hörspiels … Hochengagiert und sehr abwechslungsreich wurde dieses Stoff inszeniert … und die Sprecher sind allesamt hinsichtlich ihres Könnens über jeden Zweifel erhaben.

Also: an denen lag´s nun wirklich nicht …

Salve
Besetzung:

Sven Erik Bechtoff (Mephistopheles)
Winnie Böwe (Brückenverse)
Traugott Buhre (Geist)
Philipp Hochmair (Student)
Meigel Hoffmann (Siebel)
Stefan Kaminsiki (Brückenverse)
Oliver Materlik (Brandner)
Ulrich Matthes (Faust)
Astrid Meyerfeld (Martha)
Thoams Neumann (Wagner)
Lars Rudolph (Frosch)
Thomas Schmidt (Alten)
Katharina Schüttler (Margarethe „Grechtchen“)
Jeanette Spassova (Liesgen)

Booklet01ATitel:
01. Hab nun, ach! Die Philosophey 6.47
02 Es zuckt eine rötliche Flamme 4.20
03 Faust selbst gräbt nach Würmern 6.27
04 Auerbachs Keller in Leipzig 4.52
05 Der Doktor kriegt jeden Kredit 6.06
06 Margarethe mit einer Lampe 6.25
07 Nachbarin Haus 7.36
08 Wie ist’s? 7.18
09 Faust taumelt von Begierde 8.46
10 Am Brunnen 3.54
11 Das Liebesnest 5.59
12. Ist’s einmal heimlich 10.13

Text: Johann Wolfgang von Geothe
Brückenverse: Wilhelm Bartsch
Musik: Uwe Hilprecht

CD1

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Fenster im Goethehaus

Eines der vielen Fenster im Goethehaus

Verschiedene Autoren – Der unbegabte Goethe (1998)

TitelAlso … jetzt wird aber gewaltig an einem Denkmal gekratzt …

Und darum geht´s:

»Solch einen Quark mußt du mir künftig nicht mehr schreiben; das können die anderen auch«, befand Goethes Freund Merk nach einer unerfreulichen Lektüre. Über Geschmack soll man zwar nicht streiten, hier aber wird es trotzdem getan: Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe die etwas andere Festschrift: Gesammelte Verrisse eines Dichterfürsten, den inzwischen jeder lobt – mit farbigen Bildern von Hans Traxler zum Schmunzeln. (Verlagankündigung)

Der unbegabte Goethe erschien zum ersten Mal in einer Auswahl von Leo Schidrowitz (Basel 1932). Unsere Sammlung stutzt sich auf diesen Band, auf die Kommentare zur Münchner Ausgabe von Goethes Werken (Hanser 1985 ff.) sowie die im Text angegebenen Quellen. (Klappentext)

In diesem 48 Seiten starken Büchlein sind witzige, wenn auch unwirsche Zeugnisse einiger Zeitgenossen Goethes gesammelt, darunter Friedrich der Große, August von Kotzebue, Friedrich Klopstock, August Wilhelm Iffland, August Wilhelm Schlegel, Christian Dietrich Grabbe, Christoph Martin Wieland, Johann Heinrich Jacobi, Ludwig Börne, Heinrich Heine, etc. Die Idee für diese Anthologie stammt von keinem Geringeren als: Johann Wolfgang von Goethe: In Folge eines seiner Zeit erschienenen Buches „Goethe

Ausgabe1932A

Die Leo Schidrowitz Ausgabe (1932)

in den wohlwollenden Zeugnissen der Mitlebenden“ riet Goethe mit guter Ironie, ein Gegenstück zu besorgen: „Goethe in den misswollenden Zeugnissen seiner Mitlebenden“.
Die Gegner sind sich einig: „Goethe kann kein Deutsch!“ Verwechselte er doch ‚Worte‘ und ‚Wörter‘ oder ‚mir‘ und ‚mich‘ oder benutzte unsagbare Wörter wie ‚augenfällig‘, ‚Eindringling‘, ‚Enttäuschen‘, ‚Provinzler‘ (besonders ärgerlich für solche Leute!), und schlimmst: ‚Samstagabend‘ statt ‚Sonnabend‘! All dies verrät den Sprachverhunzer par excellence!

Ein köstliches Büchlein, bei dem ich mir allerdings vergeblich wünschte, diese teilweise erstaunlichen Gegenstimmen in nicht aktualisierter Orthographie zu lesen. Nach alter, damaliger Rechtschreibung käme so Manches gewiss als noch bemerkenswerter vor. (Basileus Bibliophilos)

Die Illustrationen zu diesem Büchlein stammen übrigens von dem großartigen Hans Traxler:

Hans Traxler (* 21. Mai 1929 in Herrlich, Tschechoslowakei) studierte Malerei und Lithografie in Frankfurt und war Mitbegründer der Satirezeitschriften Pardon und Titanic. Er publizierte und illustrierte zahlreiche Bücher, darunter „Der große Gorbi“ (1990) und „Wie Adam zählen lernte“ (1993) sowie Werke von Eugen Roth. 1999 war er der Herausgeber und Illustrator des Buches „Roda Roda. Rote Weste und Monokel“. Im Hanser Kinderbuch sind Komm, Emil, wir gehn heim! (2005), Franz – Der Junge, der ein Murmeltier sein wollte (2009), Willi – Der Kater, der immer größer wurde (2014) sowie Sofie mit dem großen Horn (2015) erschienen. 2017 folgte das Bilderbuch Eddy – Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte.

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Nun, ich bin wahrlich kein Goethe Kenner (werde es vermutlich auch nicht mehr werden), aber ich kann mir lebhaft vorstellen, dass dieses Büchlein für jeden Goethe-Liebhaber eine amüsante Ergänzung sein kann.

Und auch der nicht minder großartige Robert Gernhardt (Stichwort: Frankfurter Schule) hat noch seinen Senf zu diesem Büchlein gegeben:

„Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen …“, hat Schiller ahnungsvoll gedichtet, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann liefert ihn der diesjährige 250. Geburtstag seines Kollegen und Briefpartners Goethe. 1932 bereits hatte Leo Schidrowitz unter dem Titel „Der unbegabte Goethe“ auf über 200 Seiten Stimmen mäkelnder Zeitgenossen des Dichters gesammelt, beispielsweise die Karl August Böttigers, der sich 1809 in der Bibliothek der redenden und bildenden Künste den Faust vorgeknöpft hatte:

„Einige Verse hätte der Dichter doch wohl verbessern sollen, zum Beispiel:

Wo faß ich dich, unendliche Natur?

Euch Brüste, wo? Ihr Quellen allen Lebens,

An denen Himmel und Erde hängt,

Dahin die welke Brust sich drängt,

Ihr quellt, ihr tränkt, und ich schmacht so

vergebens?“

Wie ekelhaft, dass Faust die Natur bei ihren Brüsten fassen will! Diese Brüste verwandeln sich in Quellen und an diesen hängt Himmel und Erde, Fausts welke Brust drängt sich an diese Brüste der Natur, als Quellen allen Lebens, sie quellen, sie tränken, aber dem armen Faust kommen sie nicht zugute. Da ein Dichter, wie Goethe, solche Verse in die Ausgabe seiner Werke von letzter Hand aufnimmt, darf man sich wohl wundern, wenn die Franzosen den Deutschen den Ungeschmack zum Vorwurf machen?“

Nachlesen kann man den Veriss in einer leider arg gekürzten, nur noch 48 Seiten starken, dafür von Hans TraxIer schön bebilderten Neuausgabe von „Der unbegabte Goethe“, die der Hanser Verlag herausgebracht hat. Im Original ist Böttigers Schelte etwa dreimal so lang; auch die Attacken Heines, Menzels und Börnes wurden stark gekürzt oder ganz getilgt – schade. (Quelle: literaturkritik.de)

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Johann Wolfgang von Goethe in his own words

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Lutz Görner – Trunken von Gedichten (2000)

FrontCover1.jpgAlso eigentlich bin ich mit der deutschen und sonstigen Lyrik weder vertraut, noch wurde ich bisher mit ihr  besonders warm (mit wenigen Ausnahmen) … Das änderte sich ziemlich schlagartig, als ich diese Doppel-CD hörte:

Lutz Görner (* 1. Januar 1945 in Zwickau) ist ein deutscher Rezitator.

Görner wuchs im Rheinland auf und stand als Schüler in Statistenrollen und als Tänzer im Stadttheater Aachen auf der Bühne. Er wollte zunächst Theaterintendant werden, studierte in Köln Theaterwissenschaft, Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie und besuchte dort die Schauspielschule. Es folgten Tätigkeiten an verschiedenen deutschen Bühnen als Bühnenarbeiter, Requisiteur, Schauspieler und Regisseur. Politisch organisierte sich Görner viele Jahre in der DKP.

LutzGörner1977

Lutz Görner, ca. 1977

Mitte der 1970er Jahre war Görner zunächst in München als Rezitator der Werke Heinrich Heines tätig. 1981 unternahm er zusammen mit Tahsin İncirci eine Tournee durch Deutschland unter dem Titel Ich liebe mein Land als Rezitator der Werke Nâzım Hikmets. Bis 1988 arbeitete er eng mit Ulrich Türk zusammen, der seine Programme und LPs musikalisch ausgestaltete. Programme wie Goethe für alle öffneten ihm die Stadttheater und Spielstätten auf der ganzen Welt. Görners Interpretation von Heinrich Heines Gedicht Deutschland – Ein Wintermärchen hatte im Großen Saal der Glocke in Bremen seine 1.000 Aufführung. Görner ging mit Programmen wie Droste für alle, einem Brecht-Programm (musikalisch begleitet von Oliver Steller, Dietmar Fuhr und Bernd Winterschladen) und über Friedrich Schillers Opiumschlummer und Champagnerrausch (mit Stefan Sell) auf Tournee. Von 1992 bis 1999 leitete Görner in Köln sein eigenes „Rezitheater“.

LutzGörner1994

1994 – Lasker-Schüler: Deutsche Dichterin

Im Fernsehen war Görner von 1993 bis 2010 durch die 200-teilige Serie „Lyrik für alle“ vertreten, eine kleine gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik vom Barock bis heute, die jeden Sonntagmorgen bei 3sat gesendet wurde.

Seit 2012 tritt Görner im Rahmen von ihm inszenierter und begleiteter Klavierabende auf. Diese Abende sind eine Mischung aus Literatur und Musik von Komponisten, meist des 19. Jahrhunderts. Bisher sind Programme über Franz Liszt, Frédéric Chopin, Richard Wagner, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert sowie italienische Musik von Rossini, Donizetti, Bellini, u. a. unter dem Titel Eine italienische Nacht entstanden.

Lutz Görner lebt im Oberbergischen bei Köln. (Quelle: wikipedia)

LutzGörner1998

1998 – Zauberlehrling & Co von li Gerd Harder, Marcel Mader, Lutz Görner, Oliver Steller.

Und hier ein Querschnitt seines Schaffens … diese Doppel-CD trägt daher auch den Untertitel „Die fünfzig schönsten Texte aus fünfundzwanzig Jahren Rezitation“. Und es entfaltet sich vor uns ein wahrlich prachtvolles Kaleidoskop überwiegend deutscher Sprachgewalt, gewaltig diese Brandbreite … veredelt durch diesen Lutz Görner … ein Meister seines Fachs, wie er all diese Sprachklänge modulieren kann … betonen und somit den Kern einer Lyrik herausarbeitet … das ist wirklich famos !

Doch damit nicht genug: Görner nutzt dieses Best Of Album auch für sehr persönliche Rückschau auf seine Karriere wirft und dabei auch die Rückschläge nicht unter den Tisch fallen lässt.

Interessant auch sein Wandel vom politischen Rezitator hin zu einem, der sich auch an die deutschen Klassiker heranwagte. Und Görner bezeichnet sich im übrigen auch weiterhin als ein „68er“. Da steht mal wieder einer zu seiner Biographie und seinen Prägungen.

LutzGörner2003

2003 – Pessefoto Brecht-Programm. (v.l. Oliver Steller, Lutz Görner, Bernd Winterschladen, Dietmar Fuhr)

Von daher ein ganz besonderes Album. Leider lag meinem Exemplar (gebraucht erworben) kein Begleitheft bei, eigentlich ganz und gar nicht vorstellbar bei dem hochwertigem Naxos Label … Sehr schade !

Na, jedenfalls wird sich hier zukünftig mehr Lyrik tummeln und der Lutz Görner ist daran schuld !

Zwei erste und zwar dringende Empfehlungen: „Die Wahlesel“ (Heinrich Heine, passend zur Landtagswahl in Bayern) und „Krieg dem Kriege“ (Kurt Tucholsky, passend zur Weltlage).

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2013: Lutz Görner im Wagner-Museum in Bayreuth

Besetzung:
Lutz Görner (Sprecher)

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Titel:

CD 1:
01. Robert Gernhardt: Seht mich an, der Fuß der Zeit… 2.21
02. Christian Hoffmann: Von Hoffmannswaldau bei Antretung des 55. Jahres 1.49
03. Heinrich Heine: Vorrede zu „Geschichte der Philosophie“ 2.23
04. Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte 1.04
05. Novalis: Wenn Nicht Mehr Zahlen Und Figuren… 0.41
06. Joseph von Eichendorff: Schläft ein Lied in allen Dingen… 0.29
07. Robert Gernhardt: Gedichte sind Beschissen… 2.57
08. Heinrich Heine: Die Wahlesel 6.08
09. Kurt Tucholsky: Krieg dem Kriege 6.03
10. Bertolt Brecht: Diese Arbeitslosigkeit 2.11
11. Theodor Storm: Der Lump 2.23
12. Nazim Hikmet: Ich liebe mein Land 1.58
13. Nazim Hikmet: Die Mehrzahl der Menschen 1.34
14. Nazim Hikmet: Das Meer muß man sein 1.35
15. Louis Fürnberg: Das Nußbaumblatt 2.25
16. Johann Wolfgang von Goethe: Monolog aus Faust II.Teil 7.12
17. Unbekannt König Salomo: Aus dem Buch Prediger: Es ist alles ganz eitel… 6.32
18. Wilhelm Busch: Vorwort aus „Maler Klecksel“ 6.36
19. Wilhelm Busch: Der alte Narr 1.35
20. Wilhelm Busch: Verlust der Ähnlichkeit 1.49
21. Heinrich Heine: Die Launen der Verliebten 3.20
22. Johann Wolfgang von Goethe: Über allen Gipfeln ist Ruh… 1.15
23. Theodor Fontane: Herr von Ribbeck auf Ribbeck… 3.07
24. Peter Maiwald: Das Meer 0.56

CD 2:
01. Robert Gernhardt: Folgen der Trunksucht 1.46
02. Berns: Lob der Schwarzen Kirschen 2.02
03. Robert Gernhardt: Ein Gleichnis 1.18
04. Robert Gernhardt: Monolog des Prinzen von Hamburg 3.14
05. F. W. Bernstein: Aus dem Schmatzkästlein… 4.32
06. Hadamar von Laber: Kometorik 1.47
07. Gotthold Ephraim Lessing: Der über uns 3.52
08. Clemens Brentano: Singet leise, leise, leise… 0.43
09. Clemens Brentano: Hörst du, wie die Brunnen rauschen… 2.18
10. Eduard Mörike: An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang 2.28
11. Matthias Claudius: Der Mensch 1.19
12. Matthias Claudius: Die Sternseherin Lise 2.20
13. Else Lasker-Schüler: Ein Alter Tibetteppich 1.16
14. Else Lasker-Schüler: Mein blaues Klavier 1.43
15. Annette von Droste-Hülshoff: Mondesaufgang 4.45
16. Joachim Ringelnatz: Seepferdchen 2.13
17. Joachim Ringelnatz: Überall 1.01
18. Joachim Ringelnatz: Cassel 2.33
19. Christian Morgenstern: Die Schildkröte 1.08
20. Christian Morgenstern: Der Hecht 0.43
21. Christian Morgenstern: Das Wasser 0.39
22. Christian Morgenstern: Das Butterbrotpapier 2.47
23. Christian Morgenstern: Drei Hasen 2.03
24. Johann Wolfgang von Goethe: An Den Mond 3.01
25. Joachim Ringelnatz: Zum Aufstellen der Geräte (live) 2.33
26. Kurt Tucholsky: Ein deutsches Volkslied (live) 8.57
27. Johann Wolfgang von Goethe: Umsonst (live) 2.25
28. Patrizia Fortenkopp: Ohne Titel (live) 1.36

CD2A

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Das Schönste an Lutz Görner ist, dass er unprätentiös mit ein paar gebrochenen verspielten Gesten seine gut pointierten Texte spricht und mit ironischem Spaß die Dichtung und das Leben der Dichter zu trennen und aufeinander zu beziehen weiß. (Süeddeutsche Zeitung)

 

Johann Wolfgang von Goethe – Das römische Carneval (1978)

TitelUnd nun zu Gevatter Goethe und einem bemerkenswerter „Italienischer Reise“:

„Das Römische Carneval“ gehört zu den wenigen Einzelschriften, die Goethe schon bald nach der Rückkehr von der Italienreise und lange vor der Redaktion der „Italienischen Reise“ veröffentlichte.

Goethes Abhandlung über das närrische Treiben inRom, 1788 geschrieben und ein Jahr später veröffentlicht, erschien zuerst als Buch mit 20 kolorierten Kupfertafeln. Der Text wurde, ohne die Tafeln, von dem Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747-1822) in dessen Zeitschrift „Journal des Luxus und der Moden“ 1790 wieder abgedruckt. Ebenfalls 1790 erschien eine Sonderausgabe der 20 illuminierten Kupfer unter dem Titel „Masken des römischen Carnevals. Weimar und Gotha, in Commission bey C. W. Ettinger. 1790.“

Bei der hohen Wertschätzung, die Goethe immer wieder der Anschauung entgegenbrachte, kamen ihm die Illustrationen als künstlerische Ergänzung seines Textes sehr entgegen. Die Zeichnungen lieferte Goethes römischer Hausgenosse Johann Georg Schütz.

Originalausgabe

Titelbild der Originalausgabe

Doch so ganz begeistern konnte sich Goethe für diesen römischen Frohsinn scheinbar nicht:

„Nun ist der Narrheit ein Ende. Er konnte dem Treiben und den Possen nicht viel abgewinnen. Er fand zwar unglaublichen Lärm, aber keine Herzensfreude. Das Karnaval in Rom muß man gesehen haben, um den Wunsch völlig loszuwerden, es je wieder zu sehen.“

Originalausgabe1
Dennoch beeindrucken seine feinsinnigen Beobachtungen dieses Evants und die hier vorliegende Ausgabe erschien 1978 als Faksimilie in der famosen Edition der „bibliophilen Taschenbücher“.

Und hier ein paar Eindrück von dieser bibliophilen Kostbarkeit:

Beispiel01

Beispiel02

Beispiel03

Beispiel04

Beispiel05

Beispiel06

Beispiel07
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Rückseite

Die Rückseite des Buches