Hubert von Goisern & Die Alpinkatzen – Aufgeigen statt niederschiassen (1992)

FrontCover1.jpgHubert von Goisern (* 17. November 1952 in Goisern, Oberösterreich), eigentlich Hubert Achleitner, ist ein österreichischer Liedermacher und Weltmusiker. Seine Mischung von Rockmusik mit Elementen traditioneller Volksmusik macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Neuen Volksmusik, genauer des Alpenrock. Der Künstlername „von Goisern“ spielt auf seinen Heimatort an.

Als Jugendlicher trat Achleitner der örtlichen Blasmusikkapelle bei, in der er Trompete spielte. Nach Konflikten über das Repertoire und weil dem Kapellmeister die langen Haare des jungen Musikers missfielen, verließ er die Kapelle. Dann lernte er, Gitarre und Klarinette zu spielen. Die Steirische Harmonika, auf die ihn sein Großvater aufmerksam gemacht hatte, erlernte er im Selbststudium erst Mitte seiner dreißiger Jahre.

Mit 20 Jahren wurde es ihm in Österreich kulturell und gesellschaftlich zu eng und er zog mit seiner Freundin nach Südafrika, wo er als Chemielaborant arbeitete. Er engagierte sich gegen die Apartheid, kehrte aber, nicht zuletzt wegen der Rassentrennung, nach etwas mehr als drei Jahren wieder nach Österreich zurück. Hier heiratete er seine aus Kanada stammende Frau und nahm ihren Familiennamen Sullivan an.

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Mit 27 entschied er sich, fortan als Musiker zu arbeiten. In Toronto studierte er zwei Jahre lang Gitarre und lernte Flamenco zu spielen. Nach der Trennung von seiner Frau ging er erneut auf Reisen und blieb längere Zeit auf den Philippinen, wo er das Spielen der Nasenflöte erlernte und durch den Austausch der jeweiligen Volksmusiken langsam einen Zugang zu seinem eigenen musikalischen Stil fand – der Öffnung seiner traditionellen heimatlichen Musik für Einflüsse aus anderen, fremden Stilen und Richtungen.

1984 wieder in Österreich angekommen, arbeitete er als freier Musiker und Komponist und studierte an der Wiener Musikhochschule Elektroakustik und experimentelle Musik. 1986 gründete er mit Wolfgang Staribacher die Band „Original Alpinkatzen“ und nahm den Künstlernamen Hubert von Goisern an; Staribacher war Wolfgang von Wien. Zuerst spielten sie, mitunter vor einem Publikum von nur fünf Zuhörern, in Lokalen und Clubs. Die erste Veröffentlichung war das Album Alpine Lawine von „Alpinkatzen featuring Hubert von Goisern“ im Jahr 1988.

Goisern02.jpgZusammen mit Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz, Manfred Tauchen gingen die Alpinkatzen 1991 auf die Watzmann-Tournee, eine Bühnenadaption des Hörspiels Der Watzmann ruft. Im Anschluss kam es zur Trennung von Staribacher. Hubert von Goisern, den Künstlernamen behielt er bei, führte das Projekt Alpinkatzen mit neuen Musikern weiter: Stefan Engel an den Keyboards, Wolfgang Maier am Schlagzeug, Reinhard Stranzinger als Gitarrist und Sabine Kapfinger (Alpine Sabine, später Zabine) als Sängerin. Von Kapfinger, die anfangs nur im Studio mitwirkte und erst nach ihrem 18. Geburtstag auch auf der Bühne auftrat, lernte er das Jodeln.

Der Durchbruch gelang 1992 mit dem Album Aufgeigen stått niederschiassen, auf dem erstmals die Lieder Heast as nit (dialektal für Hörst du es nicht), Weit, weit weg und nicht zuletzt Koa Hiatamadl (dialektal für Kein Hirtenmädchen) zu hören waren. Koa Hiatamadl wurde vielfach im Radio gespielt und entwickelte sich zu einem Chart-Erfolg (14 Wochen in den Top Ten der österreichischen Single-Hitparade). Die Alpinkatzen tourten durch den gesamten deutschsprachigen Raum und wurden zu einer der erfolgreichsten Formationen des Alpenrocks. (‚Quelle: wikipedia)

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Und hier „Aufgeigen stått niederschiassen“ sein zweites Album  aus dem Jahr 1992.

Das Album entstand nach der Trennung von Wolfgang Staribacher, der beim ersten Album Alpine Lawine mitwirkte. Allerdings war er als Produzent für diesen Longplayer tätig.

Der Longplayer selbst erreichte die Spitzenposition in Österreich und konnte zudem 4-fach-Platin-Status erreichen. In Deutschland und in der Schweiz waren die jeweiligen Chartsplatzierungen 47 und 25 zu verbuchen.

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Die erste Auskoppelung des Albums war die Single Sepp bleib då, die sich ca. 1000 mal verkaufte.
Der große Durchbruch für die Band folgte schließlich mit der zweiten Singleauskoppelung Koa Hiatamadl, die es bis auf Platz 2 der österreichischen Charts schaffte und auch international Erfolge erzielen konnte. Das Lied sollte für lange Zeit, nämlich bis zum Erfolg von Brenna tuat’s guat im Jahr 2011, der einzige große Single-Hit Hubert von Goiserns bleiben.

Booklet01A.jpgDie dritte Singleauskoppelung Heast as nit schaffte ursprünglich zwar nicht den Einstieg in die Charts, entwickelte sich aber im Laufe der Jahre zu einem der populärsten Lieder Hubert von Goiserns. Als zum Beispiel im Rahmen der „Austro-Pop-Show“ im Jahr 2004 das beliebteste Austropop-Lied aller Zeiten gekürt werden sollte, schaffte es Heast as nit bis auf Platz 2 und wurde schlussendlich nur knapp von Rainhard Fendrichs Hit „I am from Austria“ geschlagen. Im Oktober 2011 erreichte das Lied fast 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung im Zuge des Erfolgs von Brenna tuat’s guat Platz 43 der österreichischen Charts.
Wildschütz Räp war die vierte und letzte Singleauskoppelung dieses Albums.

Ich brauche keine $ wurde ebenso wie die beiden Instrumentalstücke Benni und Neu-Ausseer als Single-B-Seite verwendet. (Quelle: wikipedia)

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Diese Scheiblette war der Beginn der eigentlichen Revolution, von der allerersten Platte „Alpine Lawine“ (1988) einmal abgesehen, welche dieselbe so langsam ins Rollen brachte.

Es war eine friedliche, aber lautstarke Revolution. Und es war eine verbale Revolution, was allein der Titel „Aufgeigen statt niederschiassen“ ausdrückte. Die Revolution war sehr laut, aber sie war auch sehr leise zugleich. Denn zwischen dem Gaudi-Hit „Koa Hiatamadl“ und dem abgründigen „Heast as nit“ liegen Welten. Ebenso zwischen dem satirischen „Wildschütz Räp“ und einem der besten Songs dieser Erde „Weit, weit weg“. Welches Lied kann wohl unendliche Sehnsucht besser ausdrücken und definieren…?
Spätestens in „Sepp bleib do“ wird’s auch noch politsch… und „iawaramoi“ bringt es auf den Punkt …“ob krawaten (Hochdeutsch: Kroaten?) oder serbn, alle müaßen sterben, ob serb oder krawat, um an jeden is schad.“

Ich hab‘ ja noch gar nix über die Musik geschrieben, fällt mir auf. Tja, ist auch schwierig, denn wie soll ich beispielsweise meinen Kindern ein Mittelding zwischen Lawine und Wundstarrkrampf erklären!? Der Waaahnsinn!
Wirbelsturm in der Bauernstube. Volksmusik trifft Granatwerfer, oder so ähnlich. Alpe’n’Roll eben!!! (Thomas und Maria Lawall)

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Oder in meinen Worten: Prädikat furios … Da geht´s mit alpinen Gesängen los … damit dann eine Schwermetall-Gitarre den Blues-Rock zelebriert, und gejodelt wird dann auch, nur um dann wieder mit einer ekstatisch aufspielender Orgel zu zeigen, wo der „Bartl a Mot holt“ wie wir hier in Bayern sagen.

In weiteren Stücken kommt dann auch ne süffige Slide-Guitar zum Einsatz und dass er es auch zärtölich kann, zeigt sich in Liedern wie „Heast as nit“ odem vorhin bereits erwähnten „Weit, weit weg“.

Und dann lässt er wieder krachen und zwar so, dass die Schwarte kracht“) … das ist der Wahnsinn pur ! Und witzig kann er dann auch noch sein.

Eine musikalische Mischung die wirklich seinesgleichen sucht …

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Besetzung:
Stefan Engel (keyboards)
Hubert von Goisern (vocals, accordeon, guitar)
Wolfgang Maier (drums)
Reinhard Stranzinger (guitar)
+
Sabine Kapfinger (jodler)

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Titel:
01. Koa Hiatamadl (Staribacher/v.Goisern) 5.20
02. Wildschütz Räp (v.Goisern) 4.01
03. Heast as nit (Staribacher/v.Goisern) 4.29
04. Benni (Staribacher/v.Goisern) 3.28
05. Ich brauche keine $ (Staribacher/v.Goisern) 4.41
06. Kurt gib nicht auf (Staribacher/v.Goisern) 3.37
07. Neu-Ausseer (Staribacher/v.Goisern) 3.40
08. Sepp bleib da (Staribacher/v.Goisern) 3.24
09. Weit, weit weg (v.Goisern) 5.16

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Hubert von Goisern – Haut und Haar (2009)

FrontCover1Er bleibt ein Ausnahmemusiker aus der alpenländischen Region !

Man muss ihn respektive seinen Crossover schon mögen: Alpenrock bleibt unterm Strich auch im Jahr 2009 die passende Beschreibung für Hubert Von Goiserns Musik – ohne dass jede Nummer Mundart, Ziehharmonika und Rock verbinden würde. Im Gegenteil: Weltmusik, Jazz, östliche Folklore oder Dub passen ebenfalls ins Konzept.

Vorliegende Doppel-CD bildet nun so etwas wie den logischen Abschluss eines (Groß-)Projekts, aus dem erst ein Studio- und nun ein Livealbum resultierte: Hubert schipperte in zwei Etappen vom Schwarzen Meer bis nach Holland, nahm dafür junge Musiker an Bord, mit denen er zwischendurch noch ein Album einjammte.

Herausforderung gesucht – und ihr in jeder Hinsicht gerecht geworden, lässt sich wohl abschließend konstatieren. Denn mit besagter junger Band ließ sich derlei locker stemmen, wie der Zusammenschnitt aus dreizehn europäischen Konzertorten von Antwerpen bis Zürich zeigt.

Timing, Zusammenspiel, Soli: Die sieben Musiker (Drums, Bass, Gitarre, Keyboard, zwei Violinen, Percussion samt Backing Vocals) haben die Songs verinnerlicht und reproduzieren die meist überlangen Versionen quasi in Studioperfektion.

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Von Goiserns Wille zur Weiterentwicklung dokumentiert der Keyboard gestützte Live-Dub „Auseinandertreiben“ oder der Weltmusik-Jodler „Juchitzer“. Dass Quetschkommode, Jodeln und Weltmusik-Soundscapes vorzüglich harmonieren, ja geradezu die Nerven beruhigen, beweist „Schönberger“: Jede gut gemachte Musik hat eben ihre Berechtigung.

Tracks wie „Regen“ oder „Die Liab“ verzichten dagegen auf Experimente und bieten statt dessen gepflegte Abendunterhaltung mit textlichem Tiefgang und zuweilen dosierter Skurrilität („Weltuntergang“). Am Ende bleibt das Gefühl, dass man nach diesen Konzertabenden positiv gestimmt nach Hause gegangen ist – und darauf kommts an. (Eberhard Dobler)

Ich habe ja vorhin geschrieben, dass Hubert von Goisern zu den Ausnahmemusikern der alpenländischen Region zählt. Hört man sich dieses Album an, muss mann einfach feststellen, dass ihm die Region längst zu eng geworden ist … ein Ausnahmekünstler bleibt er dennoch.

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Besetzung:
Hubert von Goisern (vocals, accordion, guitar, horn)
David Lackner (keyboards)
Maria Moling (percussion, vocals)
Alexander Pohn (drums)
Helmut Schartlmüller (bass)
Elisabeth Shuen (violin, vocals)
Marlene Schuen (violin, vocals)
Severin Trogacher (guitar)
Darinka Tsekova (gadulka)

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Titel:

CD 1:
01. Applaus 0.19
02. Showtime (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 3.36
03. Auseinandertreiben (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 7.54
04. Regen (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 9.41
05. Juchitzer (v.Goisern) 8.06
06. Herschaun (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 6.32
07. Haut & Haar (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 7.14
08. Die Liab (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 6.45
09. Siagst As 10.58

CD 2:
01. Fön (v.Goisern) 10.46
02. Neuer Tag (v.Goisern/Frauenlob) 8.32
03. Schönberger (Traditional/v.Goisern) 4.39
04. Leben (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 4.17
05. Poika (v.Goisern) 4.59
06. Mercedes Benz (Joplin(McClure/Neuwrth) 6.22
07. I bi an (v.Goisern) 12.52
08. Weltuntergang (v.Goisern/Lackner/Pohn/Schartlmüler/Trogbacher) 3.11

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