Friedrich Gulda – Vienna Jazz Workshop (1962)

FrontCover1Keine Frage: er war auch einer der ganz großen deutschsprachigen Jazzmusiker mit internationalem Ansehen.

In jungen Jahren entdeckte Gulda auch die Liebe zum Jazz, den er als die maßgebliche Richtung moderner Musikentwicklung ansah. 1951 lernte er den gleichaltrigen Jazz-Musiker Joe Zawinul kennen.Ab Mitte der 1950er-Jahre erarbeitete er sich einen Ruf als Jazz-Interpret und -Komponist. In seinen Konzerten bemühte er sich immer mehr um Aufhebung der Trennung zwischen E-Musik und U-Musik. 1971 veröffentlichte er bei Papageno in Wien einen 110-seitigen Band mit eigenen Werken unter dem Titel „Klavier-Kompositionen“ (dieser enthält u. a. die Werke: Play Piano Play, Sonatine, Prelude and Fugue, Variationen über Light My Fire und Variations). Von 1972 bis 1978 spielte er im Trio Anima mit Paul Fuchs und Limpe Fuchs und später zu zweit mit der Sängerin und Perkussionistin Ursula Anders hauptsächlich frei improvisierte Musik.

Gulda1963

Friedrich Gulda (saxophone) im Fatty´s Saloon, Wien (1963)

Er komponierte Jazz-Klavierstücke und kombinierte in seinen Konzerten klassische Musik und Jazz. Gleichwohl blieb ihm hierfür echte Anerkennung versagt. So schreibt der Musikkritiker Robert Fischer: „Friedrich Guldas Ausflüge in den Jazz wurden einst von den Hohepriestern der Klassik nur mit spitzen Fingern angefasst wie etwas, das man allenfalls zu erdulden habe, weil er doch so schön Mozart spiele.“ (wikipedia)

Und hier die frühe Jahre des Friedrich Gulda  als Jazzmusiker in einem kurzen Abriss:

Der frühe Gulda

(aus: Der Pianist und Komponist Friedrich Gulda: Studien zu Repertoire und kompositorischem Schaffen
Der Pianist und Komponist Friedrich Gulda: Studien zu Repertoire und kompositorischem Schaffen von Friedhelm Flamme, 2006)

Und wie großartig das dann damals so um 1962 klang, kann man hier hören.  Gulda definitiert sich als Teil des Ensembles (nd er spielt auch Saxophon !), weniger als ich-bezogener Exzentriker und das ist ein Gewinn … ein wunderbares Beispiel aus den frühen Jahren des Nachkriegs-Jazz in Österreich … und dieser Hans Rettenbacher brilliert auch ein ums andere mal am Bass.

BackCover

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano, saxophone, recorder)
Viktor Plasil (drums)
Hans Rettenbacher (bass)
+
bei 01. – 04.:
Fatty George (clarinet)
Erich Kleinschuster (trombone)
Hans Koller (saxophone)
Dick Murphy (trumpet)
Hans Salomon (saxophone)
Robert Politzer (tuba)

JapanPressung

Die Japan (!) Pressung des Albums

 

Titel:
01. The Horn And I (Gulda) 7-25
02. My Funny Valentine (Rodgers/Hart) 5.00
03. Sto-Vie-Lon (Koller) 1.12
04. Blue Most (Gulda) 8.58
05. The Opener (Gulda) 6.03
06. East Of The Sun (Bowman) 5.56
07. Margaret Rose (Koller) 7.07
08. Cherokee (Noble) 5.09

LabelB1

*
**

AlternativesFrontCover2

Alternatives Frontcover

 

Friedrich Gulda – Spielt Beethoven, Debussy, Gulda, Mozart, Schubert, Strauss (2004)

FrontCover1Im Jahr 2004 veröffentliche die „Süddeutsche Zeitung“ im Rahmen ihres Verlagesprogramms die 10teilige Edition „Klassik“. Editiert wurde sie von dem Kritiker Papst Joachim Kaiser:

Joachim Kaiser (* 18. Dezember 1928 in Milken, Kreis Lötzen, Ostpreußen; † 11. Mai 2017 in München) war einer der einflussreichsten deutschsprachigen Musik-, Literatur- und Theaterkritiker seiner Zeit. Seit 1959 arbeitete er als leitender Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung; von 1977 bis 1996 war er Professor für Musikgeschichte an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Stuttgart.

Joachim Kaiser wurde 1928 als Sohn eines Landarztes geboren. Im Alter von acht Jahren begann er mit dem Klavierspiel. Das gemeinsame Musizieren mit seiner Familie zählte er später zu den glücklichsten Momenten in seinem Leben. Literatur und Musik begannen ihn früh zu interessieren. Nach der Flucht aus Ostpreußen zu Kriegsende besuchte er das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg. Anschließend studierte er Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Soziologie in Göttingen, Frankfurt am Main und Tübingen. Zu seinen Kommilitonen gehörten die Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus und Rudolf Stephan.

Im Juni 1951 begann er seine journalistische Laufbahn als Theater-, Literatur- und Musikkritiker. Den Weg dazu ebnete ihm die Besprechung einer Veröffentlichung von Theodor W. Adorno: Musik und Katastrophe. Über die „Philosophie der Neuen Musik“. Adorno empfahl Kaiser Alfred Andersch vom Hessischen Rundfunk, was wiederum die Frankfurter Hefte aufmerksam machte. Mathias Döpfner bezeichnete ihn als einen „der bekanntesten und erfolgreichsten Adorno-Schüler überhaupt“. Auf Einladung von Hans Werner Richter durfte Kaiser ab 1953 an Veranstaltungen der Gruppe 47 teilnehmen. 1958 wurde er in Germanistik an der Universität Tübingen über das Thema Franz Grillparzers dramatischer Stil promoviert. Auf Initiative des damaligen SZ-Journalisten Erich Kuby konnte Kaiser ab 1959 in der Kulturredaktion der Süddeutschen Zeitung arbeiten. Er war Mitglied in der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland.

Joachim Kaiser01

Joachim Kaiser

Kaiser zählte neben Marcel Reich-Ranicki zu den einflussreichsten Kritikern Deutschlands. Sein Buch Große Pianisten in unserer Zeit wird gelegentlich als „Klavier-Michelin“ bezeichnet. Neben wegweisenden Pianisten wie Artur Rubinstein, Vladimir Horowitz, Glenn Gould, Swjatoslaw Richter oder Friedrich Gulda stellte er junge Interpreten vor und erläutert Entwicklungen in der Klavierkunst.[2] Kaiser fühlte sich in besonderer Weise dem Werk Richard Wagners verbunden und unterstützte und begleitete den Neubeginn der Bayreuther Festspiele im Jahre 1951 unter der Regie der Wagnerenkel Wieland und Wolfgang Wagner.

Joachim Kaiser war seit Dezember 1958 mit der Übersetzerin und Romanautorin Susanne Kaiser († 2007) verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte: die Regisseurin Henriette Kaiser (* 30. Dezember 1961) und den Sportredakteur Philipp (* 29. August 1963). Sein Domizil befand sich in München am Rande des Englischen Gartens.

2009 übergab er sein umfangreiches Privatarchiv dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar als Vorlass. Neben Briefen von Theodor W. Adorno und Alfred Andersch enthält es Korrespondenz mit Ingeborg Bachmann, Ernst Bloch und Heinrich Böll. Von Mai 2009 an beantwortete Kaiser in seiner Video-Kolumne Kaisers Klassik-Kunde auf der Website des SZ-Magazins wöchentlich Fragen der Leser. Infolge einer Erkrankung musste er dies im Januar 2011 aufgeben. Die Reihe wurde seitdem nicht mehr fortgesetzt. (Quelle: wikipedia)

SZ Edition Klassik

Die Gesamt-Edition „Klassik“

Und im Rahmen dieser Edition gab es dann auch als Folge „Friedrich Gulda spielt Beethoven, Debussy, Gulda, Mozart, Schubert, Strauss“.

FriedrichGulda 1949

Friedrich Gulda, 1949

Friedrich Gulda (* 16. Mai 1930 in Wien; † 27. Jänner 2000 in Weißenbach am Attersee) war ein österreichischer Pianist und Komponist.

Für mich ist Friedrich Gula einer der begnadesten Wanderer zwischen diversen musikalichen Welten … manche meinte, mit der Klassik hätte ihn eine Art Hassliebe verbunden. Und als Jazzmusiker hatte er auch weltweit seinen guten Ruf !

Hier hören wir ihn überwiegend als Interpreten von klassischen Klavierkonzerten … und am Ende von CD brilliert an der mit zwei eigenen Kompositionen … da lacht wieder mal das Herz.

Und dann – ganz am Schluss können wir ehrfürchtig der Laudatio von Joachim Kaiser auf Friedrich Gulda lauschen … und ja, der „Klavier-Kaiser“ hat da shon was zu erzählen, so ist das nicht.

Booklet01A

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado (CD 1: 01.-06.)
London Symphonie Orchester unter der Leitung von Anthony Collins (
CD 1: 07.)
+
Manfred Josel (drums bei CD 2: 06. + 07.)
Robert Politzer (bass bei CD 2: 06. + 07.)

Booklet03A
Titel:

CD 1: 

Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Klavies und Orhester Nr.  20 d-moll KV 466 (1975):
01. Allegro – Cadenza (Beethoven) 15.26
02. Romance 9.57
03. Rondo: Allegro Assai 7.43

Ludwig van Beethoven: Kalviersonate Nr. 16 G-dur Op. 31/1 (1968):
04. Allegro Vivace 5.58
05. Adagio Grazioso 7.56
06. Allegretto – Adagio – Presto 5.57

Richard Strauss (1954):
07. Burlesque D-moll O.Op. AV 85 / 17.54

CD 2 (Ausschnitt des Jubiläumskonzerts vom Dezember 1966):

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 32 C-moll Op.111:
01. Maestoso – Allegro Con Brio Ed Appasionato 9:07
02. Arietta: Adagio Molto Semplice E Cantabile 16:30

Franz Schubert:
03. Impromptu Nr. 4 As-dur D 899 5:46

04. Gulda conferiert 1:17

Claude Debussy:
05. La terrasse des dudiences du clair de lune 4:27

Friedrch Gulda:
06. Shuffle 4:28
07. Neuer Wiener Walzer

08. Erläuterungen von Joachim Kaiser (Mit Musikbeispielen) 16.57

CD2A

*
**

Hüllentext1

Wer im Jahr 2004 bei einem Musiker wie Friedrich Gulda noch immer zwischen E und U Musik unterscheidet … hat eigentlich nicht mehr alle Tassen im Schrank

 

Friedrich Gulda – Klavierkonzerte Nr 25 + Nr 27 (Wolfgang Amadeus Mozart) (1976)

FrontCover1Friedrich Gulda, der begnadete und geniale Wanderer zwischen Jazz und Klassik hat hier eine wahrlich famose Einspielung von 2 Klavierkonzerten Mozarts vorgenommen:

Überwältigt war der Schreiber bei der Wiederbegegnung mit einer sehr lange nicht mehr gehörten Aufnahme dieses Werks, entstanden im Mai 1975 (zusammen mit dem Konzert KV 595) im Großen Wiener Musikvereinssaal in Wien. Den Konzerten KV 466 und KV 467, im Jahr zuvor eingespielt, ließen Claudio Abbado, die Wiener Philharmoniker und der extrem verantwortungsbewusste Friedrich Gulda nun eine weitere LP mit zwei Mozart-Konzerten folgen 1974.

Konnte sich Abbado im Jahr zuvor noch im Philharmonischen Klang zurückziehen und nobel begleiten, war er bei diesem Konzert quasi „gezwungen“, das Orchester voll aufblühen zu lassen. Und wie die Wiener Philharmoniker da aufblühen, sie können ihren ganzen Farbenreichtum zur Entfaltung bringen, und Abbado muss auch Gulda, da das Orchester vielfach „führt“, einiges vorgeben. Die drei (Solist, Dirigent und Orchester) sind so wie ich es höre ein Herz und eine Seele.
Die Demut, die Gulda dem hörbar ehrfürchtig und innig geliebten Mozart zuteil werden lässt, die Subtilität des Anschlags findet so jemand wie der Schreiber dieser Zeilen staunenswert für sich. Man weiß ja, wie Gulda loslegen kann wenn er will, umso mehr besticht hier die (mögliche) Selbstzügelung. So eine Persönlichkeit wie Gulda könnte selbst bei einem solchen Konzert ein Orchester an die Wand spielen, er tut es nicht, er ist Teil eines Ganzen, nicht mehr und nicht weniger. Seine Kadenz zum ersten Satz fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept. Wie Klavier und Orchester im Andante ineinandergreifen – man kann es beim ersten Mal Durchhören gar nicht erfassen, was da alles drinsteckt. Und wie unwiderstehlich delikat Gulda das Finale hinwirft – das ist Musik, einfach nur vollendete Musik. (Alexander in capriccio-kulturforum.de)

Da kann man dann nur noch anfügen, dass Aufnahmen aus dem Hause „Deutsche Grammophon“ seit jeher als hochwertigen Aufnahmen bekannt sind.

CD Ausgabe, 1987

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado

BackCover

Titel:

Konzert Für Klavier Und Orchester Nr. 25 C-Dur, KV 503:
01. 1. Satz: Allegro Maestoso 16.24
02. 2. Satz: Andante 8.20
03. 3. Satz Allegretto 9.45

Konzert Für Klavier Und Orchester Nr. 27 B-Dur, KV 595:
04. 1. Satz: Allegro 14.45
05. 2. Satz: Larghetto 8.14
06. 3. Satz: Allegro 9.18

LabelA1.jpg

*
**

Friedrich Gulda – Friedrich Gulda spielt Beethoven (1968)

FrontCover1Es begab sich jenen Tagen des Jahres 1968, dass der talentierte Friedrich Gulda ins Studio marschierte und nichts geringeres voratte, als sämtliche (32 an der Zahl) Klaviersonaten von Beethoven einzuspielen.  Und dies tat er für das österreichische Label „Amadeo“, die dann das Ergebnis in einer Box mit sage und schreibe 11 LP´s veröffentlichte !

Und darüber geräte der Münchner Musikkritiker und Gulda-Exeget Joachim Kaiser, für seine Verhältnisse gerade zu ins Schwärmen:

„Endlich hat Friedrich Gulda, der 1930 in Wien geborene Pianist, „zu einer Zeit“, wie er meint, „in welcher der Geist schon funktioniert und die Technik noch immer“, alle Beethoven-Sonaten für die Schallplattenindustrie eingespielt. Seit Gulda 1953, also 23jährig. mit dem Zyklus sämtlicher Beethoven-Sonaten hervortrat, galt er als der fesselndste, umstrittenste, zumindest manuell begabteste Beethoven-Spieler seiner Generation.

Nur für die deutschen Schallplatten-Firmen, die ihm anfangs eine Chance gaben und dann keine mehr. da sie lieber weit schlechtere Pianisten verpflichten in der idiotischen, aber festen Überzeugung, falsche künstlerische Entscheidungen seien die ökonomisch ergiebigsten, existierte der längst weltberühmte Gulda in den frühen sechziger Jahren kaum.

Jetzt hat die Firma Amadeo das Wagnis Gulda unternommen — und es ist ein Ereignis daraus geworden. Freilich: Kein Pianist kann Beethoven ganz gewachsen sein. Das hängt nicht mit den Grenzen auch der großen Pianisten unserer Zeit zusammen, sondern vielmehr mit der immer wieder in neuem Licht sich darbietenden Grenzenlosigkeit der Werke.

Was fehlt nun, soweit man es aufgrund von Konzert-Erfahrungen und Schallplatten beurteilen kann, auch den Beethoven-Interpretationen der allerfrömmsten Hohenpriester dieses Neuen Testaments unserer Klaviermusik? Selbst Schnabel mangelte es manchmal an architektonischer und pianistischer Kraft, selbst Kempff gebricht es manchmal an Härte und Konsequenz. Backhaus liegen der Charme, die Nervosität und die leidenschaftliche Vitalität des frühen Beethoven wohl weniger.

Dem britischen Beethoven-Spieler Solomon, einem Spätwerk-Spezialisten, gerät der mittlere Beethoven zu karg, zu golemhaft, die in Amerika geschätzte Gesamteinspielung von Alfred Brendel bleibt bei aller obertonreichen Brillanz etwas hausbacken.

Die meisten Pianisten wagen es ohnehin nicht, mit allen 32 Sonaten an die Öffentlichkeit zu treten. Der alte Rubinstein hat zwar wunderschön über die Hammerklavier-Sonate gesprochen, aber gespielt hat er sie nicht; Serkin scheint das von ihm expressionistisch durchglühte Spätwerk zu bevorzugen, Glenn Gould rast oft genialisch, aber doch aberwitzig manieriert gegen den Strich, bei Gileis fehlt es trotz Brillanz und russischer Seele an Innenspannung, Swjatoslaw Richter neigt zu romantischer Hysterie. Benedetti Michelangeli versucht tonschön. Beethoven in einen überlebensgroßen apollinischen Scarlatti zu verwandeln.“

Die Original Box (Deutschland - Pressung), 1968

Die Original Box (Deutschland – Pressung), 1968

„Das Niveau, auf dem seine Interpretationen sich vollziehen, ist freilich so hoch, die Ergebnisse sind oft so überraschend und bewußtseinsverändernd, daß kein musikalischer Mensch es sich leisten darf, auf Guldas Amadeo-Einspielungen zu verzichten, zumal wenn er daneben noch Kempff, Schnabel, Solomon oder Barenboim seine Aufmerksamkeit schenken kann.

Und, es wirkt immer wie ein Wunder: Manchmal löst sich Guldas rhythmische Strenge. Den ersten Satz der Mondschein-Sonate spielt er mit unvergleichlich zarter Empfindung, ein halbes Nachtstück voller Valeurs und verhaltener inniger Stimmungen

Die Appassionata wird zum beherrscht-furiosen Ausbruch. Bei den späten Scherzes ist er in der Tempo-Wahl lahmer als Glenn Gould. Dem Adagio der 101 bleibt er jenes zugleich volksliedhafte und weltabgewandte vergeistigte Gewicht schuldig, das ein Schnabel und ein Arrau da herstellen. Aber die überlegene Ruhe, mit der er im zweiten Satz der Sonate Opus 111 Beethoven das Werl gibt, macht ein selbständiges, in vielen Fällen auch selbstverständliches Interpretations-Ideal erkennbar, das Gulda sich und uns gewonnen hat.“ (Joachim Kaiser)

Na, wenn das so ist, kann ich diese deutsche Pressung, mit 3 der Sonaten nur dringend empfehlen. Und fast bin ich geneigt, im Laufe der Zeit all diese Aufnahmen hier zu präsentieren, denn sie sind in der Tat mehr als bemerkenswert !

FriedrichGulda

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)

BackCover1

Titel:

Sonate Nr. 8 C-moll, Op. 13 „Pathétique“ (1798-99):
01. I. Grave – Allegro Di Molto E Con Brio 8.19
02. II. Adagio Cantabile 5.18
03. III. Rondo: Allegro 4.20

Sonate Nr. 14 Cis-moll, Op. 27, 2 „Mondschein-Sonate“ (1801):
04. I. Adagio Sostenuto 6.30
05. II. Allegretto 2.31
06. III. Presto Agitato 6.54

Sonate Nr. 23 F-moll, Op. 57 „Appassionata“ (1804-05):
07. I. Allegro Assai 7.35
08. II. Andante Con Moto 5.33
09. III. Allegro Ma Non Troppo – Presto 7.24

LabelB1.JPG

*
**

Verschiedene Interpreten – Jazz Workshop Concert – Ruhrfestspiele (1962)

DeutschesFrontCover1Und auch das gehört zur kulturellen Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland:

Der NDR Jazzworkshop ist zunächst eine 1958 begründete Veranstaltungsform des Norddeutschen Rundfunks Hörfunk, später auch Fernsehen in Hamburg, bei der Jazzmusiker aus verschiedenen Bands und unterschiedlichen Szenen zusammenarbeiteten und nach mehrtägiger Probentätigkeit ihre Arbeitsergebnisse im Konzert vorstellten. Die gleichnamige Sendereihe des NDR blieb später für die Dokumentation von aufgezeichneten Jazzkonzerten bestehen.

Hans Gertberg entwickelte 1958 auf Anregung Rolf Liebermanns aus der seit 1952 bestehende Studio-Jazzkonzert-Reihe das Konzept des NDR Jazzworkshops. Die Rundfunkanstalt lud führende Jazzmusiker verschiedener Länder zu sich ein, gab ihnen für eine Woche Räumlichkeiten und die Aufgabe, gemeinsam ein Konzertprogramm zu erarbeiten. So entstand ein Podium für die Jazzmusiker, „ihre Kunst frei von kommerziellem Druck zu entwickeln“.

Hans Gertberg.jpg

Hans Gertberg

In den resultierenden Konzerten, die dann in Radio- und später auch Fernsehsendungen übertragen wurden, hatte das Publikum Gelegenheit, „Jazz von internationalen Musikgrößen, die normalerweise niemals aufeinander getroffen wären“, zu erleben. Jährlich dreimal wurden zwischen zehn und 20 Musiker pro Jazzworkshop eingeladen. Seit 1961 fand mehrere Jahre lang jährlich ein NDR Jazzworkshop außerhalb des Sendegebietes statt – im Rahmen der Ruhrfestspiele. 1962 stellte sich in Recklinghausen eine internationale Bigband um Fatty George vor, für Gerstberg ein „kleiner Völkerbund im Zeichen des Jazz“. Wes Montgomery und Johnny Griffin tauschten sich im April 1965 mit Martial Solal, Hans Koller, Ronnie Scott und Ronnie Ross aus. Auch nach Kollers Ausscheiden als Leiter wurden neben ihm österreichische Musiker wie Fritz Pauer oder Erich Kleinschuster bei den internationalen Gipfeltreffen berücksichtigt.

TVBild

Auch um Friedrich Gulda herum fand ein NDR Jazzworkshop statt. Trotz Kalten Krieges gelang es Gerstberg, auch Jazzmusiker aus Osteuropa zu den NDR Jazzworkshops zu holen: Anfang 1967 traf die polnische Band von Andrzej Trzaskowski auf Amerikaner wie Nathan Davis und Dave Pike sowie Palle Mikkelborg, Albert Mangelsdorff und Ronnie Stephenson. Auch sonst war Raum für ungewöhnliche Konstellationen: 1970 erweiterte sich beispielsweise das Dave Pike Set (mit Volker Kriegel, Hans Rettenbacher und Peter Baumeister) für einen NDR Jazzworkshop um Sängerin Karin Krog.

TVBild2

Unter Leitung von Redakteur Michael Naura veränderte sich ab 1971 die Ausrichtung des NDR Jazzworkshops, aber auch seine Frequenz. Immer häufiger wurden reguläre Bands zu Rundfunkkonzerten eingeladen. So trat am 14. Juni 1972 das Trio von Keith Jarrett mit Charlie Haden und Paul Motian (Hamburg ’72), am 17. Mai 1973 Soft Machine in der regulären Besetzung auf, nachdem am 26. Januar desselben Jahres Volker Kriegel die Songs seines Albums Missing Link mit verändertem Line-Up (u. a. Zbigniew Seifert, Stan Sulzmann, Peter Warren und Joe Nay) vorstellte. Im 100. NDR Jazzworkshop, der am 18. April 1974 in Hannover stattfand, traf Keith Jarrett auf Jan Garbarek, Jon Christensen und Palle Danielsson, sein späteres europäisches Quartett, nachdem Garbarek bereits im Winter Jarrett besucht und mit ihm Kompositionen festgelegt hatte.[2] Noch für den 105. Jazzworkshop im November 1974, der als Gemeinschaftsveranstaltung mit der Reihe „das neue werk“ durchgeführt werden konnte, wurden aber Manfred Schoof und Alexander von Schlippenbach beauftragt, Kompositionen für das Globe Unity Orchestra zu schreiben (Schlippenbach setzte auch den NDR Chor ein).

TVBild3
Die Konzert- und Sendereihe galt als innovativ und trug entscheidend dazu bei, die neuen Entwicklungen im Jazz im Gebiet des Senders bekannt zu machen. Unter dem Titel „Notizen aus der Jazzwerkstatt“ wurde von Mitte 1961 an gelegentlich im Fernsehen über die Probenarbeit im NDR-Studio 10 berichtet; später wurden die Konzerte im NDR Fernsehen dokumentiert. Einige Konzerte wurden auch von Sendern in anderen europäischen Staaten übernommen: Zum Beispiel wurde der NDR Jazzworkshop vom 28. März 1969, bei dem Charles Tolliver, Herb Geller, Albert Mangelsdorff, Gilbert Dall’Anese, Wolfgang Schlüter und Ralf Hübner auf Juhani Aaltonen, Eero Koivistoinen, Eero Ojanen und Pekka Sarmanto trafen, auch vom finnischen Rundfunk übertragen; vier weitere Workshops entstanden in Kooperation mit dem tschechischen und polnischen Rundfunk. (Quelle: wikipedia)

Und 1962 traf man sich dann in illustrer Runde bei den sog. „Ruhrfestspielen“:

Die Ruhrfestspiele (Ruhrfestspiele Recklinghausen) sind das älteste und zugleich eines

BuchRuhrfestspiele1958

Ein Buch über die Ruhrfestspiele aus dem Jahr 1958

der größten und renommiertesten Theaterfestivals Europas. Das Festival ist ein kulturelles Ereignis des Ruhrgebietes, das seine Ursprünge in der Nachkriegszeit hat und seit 1965 im eigens dafür erbauten Ruhrfestspielhaus auf dem „grünen Hügel“ in Recklinghausen stattfindet.

Die Ruhrfestspiele werden jährlich von der Ruhrfestspiele Recklinghausen GmbH veranstaltet. Die Gesellschaft wird zu je 50 % von der Stadt Recklinghausen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund getragen, die jährlich jeweils etwa 1,1 Millionen € beitragen. Die Ruhrfestspiele verfügen über kein festes Ensemble. Inszenierungen der Festspiele sind Koproduktionen mit bekannten europäischen Künstlern und Vorführungen von Gastgruppen. Erklärtes Ziel ist es, dadurch eine Zusammenführung verschiedener Kunstformen, Sprachen und Kulturen zu erreichen. Hauptspielort ist das Ruhrfestspielhaus.

Postkarte Ruhrfestspiele

Und dort, bei der Ruhrfestspielen trafen sich eben die Freigeister jener Jahre. Und Hans Gertberg erläutert in seinem informativen Hüllentext den Zusammenhang  zwischen dem NDR Jazz Workshop und den Ruhrfestspielen:

Hüllentext1.jpg

Na also … dann ist das auch geklärt und wir hören die Elite des damaligen deutschen Jazz (ok, der Doldinger war noch nicht dabei …) in trauter Zweisamkeit mit internationalen Größen des Jazz …

Und due Aufnahmen sind über jeden Zweifel erhaben … wir hören Jazz vom Feinsten … und so wundert es auch nicht, dass dieses Album auch in england veröffentlicht wurde. Und ich weiss nicht warum … wir hören ziemlich zeitlose Musik !

UKFront+BackCover.jpg

UK Ausgabe

Besetzung:
Fatty George (clarinet)
Friedrich Gulda (piano, saxophone)
Egil Johansen (percussion)
Robert Plitzer (tuba)
Georg Riedel (bass)
Rolf Schneebiegl (horn)
Toots Thielemans (guitar, harmonica)
+
saxophone:
Arne Domnérus – Herb Geller – Ronnie Ross – Hans Koller

trombone:
Erich Kleinschuster – Nat Peck – Willi Meerwald

trumpet:
Ack Van Rooyen – Bengt-Arne Wallin – Rob Pronk – Rolf Ericson – Ron Simmonds

DeutschesBackCover1

Tracklist:
01. Brassilia (Riedel) 2.41
02. Airegin (Rollins) 5.06
03. Training (Koller) 5.52
04. Good Morning Judge (Ross) 4.50
05. Free Way For Horns (Koller) 5.14
06. The Air From Another Planet (Gulda) 6.22
07. Feeling Certain (Geller) 4.36
08. Die alte Baßgeige (Riedel) 4.36
09. Eva (George) 4.41
10. H.G.-Blues (Koller) 2.28

DeutschesLabelB1

*
**

HansKoller01.jpg

Hans Koller

Friedrich Gulda – Vienna Revisited (1969)

FrontCover1Keine Frage: er war einer der ganz großen deutschsprachigen Jazzmusiker mit internationalem Ansehen:

Friedrich Gulda (* 16. Mai 1930 in Wien; † 27. Januar 2000 in Weißenbach am Attersee) war ein österreichischer Pianist und Komponist.

Gulda begann im Alter von sieben Jahren mit dem Klavierspiel. 1942 nahm er ein Musikstudium bei Bruno Seidlhofer (Klavier) und Joseph Marx (Musiktheorie und Komposition) an der Wiener Musikakademie, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, auf. Mit 16 Jahren reüssierte er beim Internationalen Genfer Musikwettbewerb und gelangte danach rasch zu Weltruhm. Seine äußerst exakten, um besondere Werktreue bemühten Mozart- und Beethoven-Interpretationen gelten bis heute als Meilensteine in der Musikgeschichte. Charakteristisch für Gulda ist ein äußerst präzises und rhythmisch akzentuiertes Spiel.

Sein Repertoire umfasste Werke von J. S. Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Debussy und Ravel, wobei vor allem seine Interpretationen der Klaviersonaten Beethovens und des Wohltemperierten Klaviers von Bach Aufsehen erregten. In seinen Konzerten spielte er Werke Bachs häufig originalgetreu auf einem Clavichord.

Gulda hatte ein hervorragendes Gedächtnis. Er brauchte sich zum Beispiel (wie Workshopteilnehmer berichten) den Notentext von Robert Schumanns „Waldszenen“ nur wenige Minuten lang anzuschauen, um das Werk dann auswendig zu spielen.

Eine der berühmtesten Schülerinnen Guldas ist die argentinische Pianistin Martha Argerich.

Gulda betätigte sich auch als Komponist und schrieb unter anderem für Heinrich Schiff ein Konzert für Violoncello und Blasorchester mit den Sätzen Ouverture, Idylle, Cadenza, Menuett, Finale alla marcia. 1967 vertonte er einige der Galgenlieder von Christian Morgenstern und veröffentlichte sie gemeinsam mit Georg Kreisler (Gesang) und Blanche Aubry (Gesang). Einige „moderne Wienerlieder“ veröffentlichte er zusammen mit dem ihm auffällig ähnelnden Sänger Albert Golowin, der sich von ihm im Wesentlichen durch schwarzen Vollbart und dickrandige Brille unterschied – erst nach Jahren fanden einige Kritiker heraus, dass Albert Golowin und Friedrich Gulda identisch waren.

FriedrichGulda01

In jungen Jahren entdeckte Gulda auch die Liebe zum Jazz, den er als die maßgebliche Richtung moderner Musikentwicklung ansah. 1951 lernte er den gleichaltrigen Jazz-Musiker Joe Zawinul kennen.Ab Mitte der 1950er-Jahre erarbeitete er sich einen Ruf als Jazz-Interpret und -Komponist. In seinen Konzerten bemühte er sich immer mehr um Aufhebung der Trennung zwischen E-Musik und U-Musik. 1971 veröffentlichte er bei Papageno in Wien einen 110-seitigen Band mit eigenen Werken unter dem Titel „Klavier-Kompositionen“ (dieser enthält u. a. die Werke: Play Piano Play, Sonatine, Prelude and Fugue, Variationen über Light My Fire und Variations). Von 1972 bis 1978 spielte er im Trio Anima mit Paul Fuchs und Limpe Fuchs und später zu zweit mit der Sängerin und Perkussionistin Ursula Anders hauptsächlich frei improvisierte Musik. Er komponierte Jazz-Klavierstücke und kombinierte in seinen Konzerten klassische Musik und Jazz. Gleichwohl blieb ihm hierfür echte Anerkennung versagt. So schreibt der Musikkritiker Robert Fischer: „Friedrich Guldas Ausflüge in den Jazz wurden einst von den Hohepriestern der Klassik nur mit spitzen Fingern angefasst wie etwas, das man allenfalls zu erdulden habe, weil er doch so schön Mozart spiele.“

Gelegentlich gab er gemeinsam mit Joe Zawinul in den 1980er Jahren Konzerte.

FriedrichGulda03

Friedrich Gulda + Joe Zawinul

Guldas Auftreten auf der Bühne war unkonventionell. So spielte er einmal auf der Bühne nackt die Blockflöte. Auch wich er in Konzerten immer wieder vom angekündigten Programm ab und trug andere Werke vor. 1969, anlässlich der Verleihung des Beethoven-Rings durch die Wiener Musikakademie, kritisierte Gulda in seiner Dankesrede vor Direktoren, Professoren und Studenten den aus seiner Sicht verstaubten und verknöcherten Ausbildungsbetrieb. Wenige Tage später gab er den Ehrenring zurück. Im Sommer 1973 spielte Gulda beim 5. Internationalen Musikforum in Viktring das Eröffnungskonzert, doch statt des angekündigten Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach begann der Pianist (begleitet von Paul und Limpe Fuchs) mit ungewöhnlichen Klängen. Als der Musikvortrag nach zweieinhalb Stunden endete und der größte Teil der in Abendgarderobe gekommenen Gäste den Saal verlassen hatte, spielte Gulda zwei Stunden lang aus dem angekündigten Wohltemperierten Klavier. Im Winter 1980/81 spielte er in einer Serie von Konzert-Matineen an der Bayerischen Staatsoper sämtliche Klaviersonaten von Mozart.

1999 gab Gulda im Wiener Konzerthaus eine Paradise Night, die er Wochen vor seinem tatsächlichen Ableben nach einer von ihm selbst lancierten Falschmeldung seines Todes als Auferstehungsfest veranstaltete und bei der er durch Tänzerinnen, die Paradise Girls, und DJs unterstützt wurde.

FriedrichGulda02

Laurinho Bandeira, Michael Honzak, Friedrich Gulda, Barbara Dennerlein, Joe Zawinul

Friedrich Gulda war von 1956 bis 1966 mit Paola Loew verheiratet, aus der Ehe gingen die Söhne David Wolfgang und Paul hervor. 1967 heiratete er auf seiner Japan-Tournee Yuko Wakiyama, aus der Ehe ging Sohn Rico hervor; diese Ehe ging 1973 auseinander. Seit 1974 lebte und arbeitete er mit der Musikerin Ursula Anders zusammen. Seine Söhne Paul und Rico Gulda wurden Pianisten.

In späteren Jahren wurde der Kettenraucher Friedrich Gulda schwer herzkrank und hatte sich mehreren Bypass-Operationen zu unterziehen. Wie der Cover-Beschreibung seiner letzten Schubert-Einspielung vom August 1999 zu entnehmen ist (unter seinem eigenen Label Paradise erschienen), wusste Gulda seinerzeit schon von seinem unmittelbar bevorstehenden Tod. Er starb am 27. Januar 2000, dem Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart, den er unter allen Komponisten am meisten verehrt hatte, und wurde auf dem Friedhof in Steinbach am Attersee in Österreich begraben.

Im Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg in Kremsmünster wird das künstlerische Schaffen und die internationale Karriere des Künstlers dokumentiert. Den Mittelpunkt bildet sein Domizil in Weißenbach am Attersee, in dem er am 27. Januar 2000 verstarb. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist der Diskografie und den Originalinstrumenten Friedrich Guldas gewidmet. (Quelle: wikipedia)

Hier eines seiner kleinen Meisterwerke, diesmal sogar mit Gesang … Und seine Erläuterung zur Cover-Abbildung erscheint mir auch bemerkenswert:

„Bassena – der Wasserauslauf für mehrere Mieter war das Symbol für die Massenquartiere in Zinshäusern der Gründerzeit vor allem in den Randbezirken Wiens.“

BackCover1

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Albert Golowin (vocals bei 05.- 08.)
Manfred Josel (drums bei 05. – 08.)
J. A. Rettenbacher (bass bei 05. – 08.)
Inlet02A

Titel:
01. Sonatine 1. Satz (Gulda) 5.05
02. Sonatine 1. Satz (Gulda) 6.20
03. Sonatine 1. Satz (Gulda) 3.25
04. Die Reblaus (Marischka/Föderl) 3.40
05. Wann i geh (Gulda) 11.14
06. Du und i (Gulda) 3.40
07. Wann du mi einmal loswerd’n willst (Gulda/Weiser) 3.03
08. Auf Visit‘ (Gulda) 4.15

LaberlB1

*
**

HörZuBlackLabelEdition

Die Hör Zu Black Label Ausgabe
(Eine Leihgabe aus dem großartigem Dr. Fu Man Chu Schallarchiv)

 

Friedrich Gulda – Gulda Festkonzert für die Hilda-Heinemann-Stiftung (1973)

frontcover1Anfang der 70er Jahre war die Bundesrepublik Deutschlnd so ziemlich in fester Hand der Sozialdemokratie.

Wir hatten nicht nur mit Willy Brandt den ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler (und wenn man mich fragt, den bisher besten sozialdemokratischen Bundeskanzler), nein, wir hatten auch den ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten .. Gustav Heinemann hieß er ((und wenn man mich fragt, den bisher besten sozialdemokratischen Bundespräsidenten)

Der brachte es fertig, auf die Frage von Hermann Schreiben (Der Spiegel), ob er den Staat Deutschland nicht liebe,  zu antworten:

„Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“

Schon erstaunlich, eine solche Antwort in jenen Jahren …

Nun ja …. und seine Frau war dann eben die Hilda Heinemann ( (* 15. September 1896 in Bremen; † 5. Mai 1979 in Essen) ) und die gründete dann … als ihr Mann in Amt und Würden war (zuvor war er Justizminister in der ersten großen Koalition und zwar von 1966 – 1969) die „Hilda-Heinemann-Stiftung“.

„Ihre ureigene „Hilda-Heinemann-Stiftung“ für geistig behinderte Erwachsene funktioniert, wenngleich mit raren Mitteln: das Werk ist, so geht die Vermutung, noch zu

schaukelpaule

Der Schaukelpaule von Loriot

unbekannt, und bisher war das Fernsehen, das bei weitem wirkungsvollste Medium für derlei Unternehmungen, dafür noch nicht zu erwärmen. Bei einem Besuch des Ehepaares Heinemann im Ammerlander Atelier des Humoristen Victor von Bülow, genannt Loriot, entstand die Idee zu einer „Leitfigur für geistig Behinderte“. Es ist „Schaukelpaule“, ein acht Zentimeter großes Stehaufmännchen, das zum Preis von 5,50 Mark feilgehalten wird: 80 Pfennig kriegt die Stiftung (mehr als das Vierfache schluckt allein der Handel, der Künstler übrigens vorläufig gar nichts). Zusammen mit Loriot hat Hilda Heinemann kürzlich in Hamburger Kaufhäusern vier Stunden lang das Maskottchen zur Einführung signiert.“ (Die Zeit, 10. Mai 1974)

Auch wenn das Fernsehen sich für die Hilda Heinemann Stiftung nicht erwärmen konnte … ein anderer konnte das und zwar kein geringerer als Friedrich Gulda, jene großartige Wanderer zwischen den musikalischen Welten von Klassik und Jazz.

Am 29. November 1972 zelebrierte er in Düsseldorf (anders kann man das gar nicht ausdrücken) gemeinsam mit dem Münchner Philharmoniker sein ganz spezielles Konzert für die „Hilda Heinemann Stiftung“.

Gottlob wurde das Konzert mitgeschnitten und dann auf MPS Records (damals noch im Vertrieb von BASF, man glaubt es kaum) veröffentlicht.

Und, ausnahmsweise mal ganz knapp: Es war ein triumphales Konzert … ganz sicher ein Höhepunkt im Schaffen von Friedrich Gulda… Anhören ist da schon fast Pflicht !

Ein großartiges Tondokument eingespielt für die Stiftung einer wohl großartigen Frau.

Was aus der Stiftung geworden ist … ich habe es nicht herausfinden können … aber eine  Hilda Heinemann Schule gibt es (und zwar in Bochum).

hullentext

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Münchner Philharmoniker unter derLeitung von Rudolf Kempe

booklet1

Titel:

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg:
01. Vorspiel 9.47

Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert B-Dur KV 595:
02. Allegro 14.14
03. Larghetto Cantibile 7.01
04. Allegro 9.31

Anton Dvořák: Sinfonie Nr. 8 (4) G-Dur Op. 88:
05. Allegro Con Brio 9.55
06. Adagion 10.22
07. Allegretto Grazi 5.58
08. Allegro 9.16

labelc1

*
**

Wer an weiterführenden Informationen, die zur Vertiefung
der einzelnen blog-Beiträgen dienen, interessiert ist,  benötigt ein Passwort.
Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

 

logohildaheinemannschule