Nikolaus Harnoncourt – Concentus Musicus Wien – Brandenburgische Konzerte (1964)

FrontCover1Für mich ein zentrales Werk im Schaffen des Johann Sebastian Bach:

Die Brandenburgischen Konzerte sind eine Gruppe von sechs Instrumentalkonzerten von Johann Sebastian Bach (BWV 1046–1051). Die erhaltene Partitur von 1721 ist dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734) gewidmet, den Bach im Winter 1718/1719 in Berlin kennengelernt hatte.

Der Titel Brandenburgische Konzerte wurde von Philipp Spitta in seiner 1873–1879 verfassten Bach-Biografie geprägt und hat sich heute allgemein durchgesetzt. Bachs Originaltitel lautet „Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten“, auf Französisch:

Six Concerts Avec plusieurs Instruments.
Dediées A Son Altesse Royalle Monsigneur
CRETIEN LOUIS. Marggraf de Brandenbourg &c:&c:&c:
par Son tres-humble & tres obeissant Serviteur
Jean Sebastien Bach, Maitre de Chapelle de S. A. S.
Prince regnant d’Anhalt-Coethen.

Auf der Rückseite des Titelblatts folgt eine Widmung an den Markgrafen, ebenfalls in französischer Sprache.

Die sechs Konzerte weisen eine hohe stilistische und strukturelle Vielfalt auf. In ihrer Mischung der verschiedenen historischen und zukunftsweisenden Elemente bilden sie eine persönliche und trotzdem allgemeingültige Ausdrucksform.

Als Bach 1721 die Partitur der sechs Konzerte an den Markgrafen von Brandenburg-Schwedt schickte, hatte er die Werke zu diesem Anlass nicht eigens komponiert. Vielmehr hatte Bach die Sammlung aus Kompositionen zusammengestellt, die nicht alle erst in Köthen, sondern zum Teil wohl bereits in seiner Weimarer Amtszeit (1708–1717) entstanden waren.

Briefmarke

Es ist davon auszugehen, dass Bach die am Köthener Hof entstandenen Werke nur mit Erlaubnis seines Arbeitgebers Fürst Leopold einem anderen Fürsten widmen durfte.[1] Doch besteht kein Grund, an dessen Einverständnis zu zweifeln – von ihm kann sogar die Initiative ausgegangen sein, da er nur ein halbes Jahr zuvor dem Fürsten schon einen kristallenen Kronleuchter hatte überreichen lassen.

In Köthen begann Bach, seine Kompositionen zu umfangreichen Zyklen zusammenzustellen, die Ordnungsprinzipien folgten, wie etwa planvolle Abfolgen von Tonarten oder Einzelsätzen – Beispiele sind das Wohltemperierte Clavier oder die Englischen und Französischen Suiten. Von einer derartigen durchgehenden Gestaltung eines Zyklus ist bei den Brandenburgischen Konzerten aber noch nichts zu bemerken – außer in dem Bestreben, jedes damals gängige Instrument mit einer – in vielen Fällen auch solistischen – Partie zu bedenken.

Von fünf der Konzerte sind Abschriften unabhängig von der Widmungspartitur erhalten;

Christian_Ludwig_Markgraf_von_Brandenburg

Christian Ludwig, Markgraf von Brandenburg-Schwedt

keine davon enthält aber mehrere Werke. Man darf davon ausgehen, dass Bach die Sammlung nur für die Widmungspartitur zusammenstellte und die Einzelkonzerte weder davor noch danach als zusammengehörig betrachtete. Die Konzerte bilden also nur eine lose Sammlung ohne jeden Versuch einer weiteren Gestaltung als eine Gesamtheit – Bach wäre es wohl nicht in den Sinn gekommen, die Konzerte zusammen aufzuführen. Eine Gegenthese ist in der aktuellen Inszenierung in Graz vorhanden. Dass Bach in diesem Zyklus die Tugenden barocker Fürsten im Gewand der Mythologie verherrlicht haben könnte, ist keine neue, aber eine ausgesprochen reizende Idee: Der Fürst als Jäger (1), Krieger (2), Musenfürst (3), der Fürst als Hirte seines Volkes (4), Liebhaber (5) und Gelehrter (6). Die Jagdhörner der Diana, die Flöten des Pan, die Geige des Apollo und die neun Musen mit ihren Streichinstrumenten sind ja offensichtliche Anspielungen. Stefan Gottfried schöpft aus diesem Schatz antiker Symbolik, wenn er die „Brandenburgischen“ bei der Styriarte neu interpretiert.

Umgekehrt zeigt sich Bachs sorgfältige Arbeit und damit die Wertschätzung, die er den Konzerten entgegenbrachte, in der Überarbeitung vieler Details der zugrundeliegenden Partituren – etwa die feine Differenzierung der Partien von Violoncello, Violone und Continuo, die er oft mit getrennten Stimmen bedenkt. Auch die gründliche Schreibweise der Partitur lässt sein Engagement für das Werk deutlich erkennen: Die Taktstriche sind fast ausnahmslos mit dem Lineal gezogen. Bach mag sich von der Widmung den Titel eines Hofkapellmeisters und die damit verbundenen lukrativen Kompositionsaufträge versprochen haben.

Neben dem Widmungsexemplar besaß Bach von den einzelnen Konzerten auch Kompositionspartituren, die er in einigen Fällen für spätere Fassungen, etwa als Einleitungssinfonien in Kantaten, nutzte. Keine dieser Kompositionspartituren ist erhalten. Indizien sprechen dafür, dass sein Sohn Carl Philipp Emanuel von einigen Konzerten Abschriften besaß und diese Musik in Berlin bekannt machte. Die Widmungspartitur lag zunächst bis 1850 unentdeckt in der Bibliothek des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt und dann in der Königlichen Bibliothek in Berlin (heute Staatsbibliothek zu Berlin). Sie wurde erst bei Erscheinen der Bach-Gesamtausgabe allgemein bekannt.

Original Deckblatt

Das Original Deckblatt der Kompositionen von Bach löst bei mir schon ganz viel Ehrfurcht aus

Die Konzerte sind hochgradig individuell in Instrumentation und allen kompositorischen Details. Dennoch lassen sich stilistisch einzelne Gruppen unterscheiden:

Das erste und dritte Konzert folgen der Form einer italienischen Ouvertüre aus Konzertsatz, langsamem Mittelsatz und Tanz – das erste Konzert in seiner Urform BWV 1071 ist wohl auch als eine solche Ouvertüre verwendet worden. Die langsamen Sätze enden hier jeweils mit einem phrygischen Halbschluss. Beide Konzerte vertreten deutlich die ältere Form eines Gruppenkonzerts, in dem nicht solistische Instrumente einem Orchester, sondern Orchestergruppen einander gegenübergestellt werden. Dabei erhalten aber auch hier die Stimmführer der einzelnen Instrumentalgruppen Gelegenheit, solistisch hervorzutreten. Nach heutigem Forschungsstand sind die beiden Werke sicher vor 1715, also noch in Weimar, geschrieben worden.
Das fünfte und sechste Konzert sind die stilistischen Extreme der Sammlung; aus heutiger Sicht können sie aber durchaus in zeitlicher Nähe entstanden sein, wohl 1718/1719. Bach gelingt es hier, innerhalb der dreisätzigen italienischen Konzertform und mit ihren Mitteln deutlich auf einen bestimmten Nationalstil anzuspielen: Im fünften Konzert ist es der zeitgenössischen höfischen französischen Musik, im sechsten Konzert die Musik der Generation von Bachs deutschen Vorgängern, so dass das sechste Konzert lange als das älteste des Zyklus angesehen werden konnte.

OriginalNoten

Beide Konzerte setzen drei Soloinstrumente ein, stellen diesen aber nur ein sehr kleines, dreistimmiges Tutti gegenüber: Im fünften in der Urfassung nur Violine, Viola und Violone (was Bach später durch ein Violoncello ergänzte, nicht aber um eine zweite Violine); im sechsten besteht die Begleitung nicht einmal aus Instrumenten der Violinfamilie, sondern aus zwei Gamben und Violone. In beiden Werken wird der Mittelsatz von den Soloinstrumenten alleine oder mit Continuo bestritten.
Das zweite und vierte Konzert stellen eine kleine Gruppe von Soloinstrumenten einem Streichorchester gegenüber und repräsentieren damit die moderne Form eines Konzerts für mehrere Soloinstrumente; hier sind die Schlusssätze immer mehr oder weniger voll ausgebaute Fugen. Auffällig ist, dass jeweils das Instrument, das die Ecksätze dominiert (Trompete im zweiten, Violine im vierten Konzert), im Mittelsatz ganz schweigt oder auf eine rein begleitende Funktion reduziert ist; Bach legte offenbar noch andere Maßstäbe an als eine aus heutiger Sicht saubere Trennung instrumentaler Funktionen. Das zweite und vierte Konzert dürften aus heutiger Sicht die jüngsten der Sammlung sein, dies legt bereits die geringe Zahl an Korrekturen in der Widmungspartitur nahe.

Wenig bekannt sind Max Regers Bearbeitungen der Brandenburgischen Konzerte für Klavier zu vier Händen (1905) (wikipedia)

Und hier die Interpretation von Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus Wien (veröffentlicht in einer schicken Box mit ausführlichen Begleittexten)

Nikolaus Harnoncourt (* 6. Dezember 1929 in Berlin; † 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau; eigentlich Johann Nikolaus Harnoncourt, adelshistorisch auch als Johann Nikolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt bekannt) war ein österreichischer Dirigent, Cellist, Musikschriftsteller und einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis

Alice+Nikolaus Harnocourt

Alice & Nikolaus Harnoncourt

Für mich eine ganz und gar überzeugende Darbietung, die natürlich gewiss ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, denn die Verwendung von „historischen Musikinstrumente“ mag angesichts des doch ein wenig veränderten Klangspektrums, verwirren.

Ich hätte mir von Herrn Harnoncourt mehr erwartet. Das Orchester müht sich durch die einzelnen Sätze und ich habe immer den Eindruck, dass es bei jedem Stück eine Aufwärmzeit brauchen, bis es richtig spielt. Leider springt nie der Funke gleich von Beginn an über. Erst nach 5 /6 Takten ist das Orchester im Werk. Da gibt es wirklich konzentriertere und dadurch bessere Aufnahmen (Martin)

Aber:
Hier zeigt sich, dass zupackende Sinnlichkeit und das Bewusstsein für die historischen Bedingungen und Parameter eines Werks sich nicht ausschließen. Wie die Streicher zum Beginn des Dritten schwingen und weich auslaufen, widerspricht allen Klischees trockener Aufführungspraxis.« (Fono Forum 05 / 16)

Concentus Musicus Wien

Concentus Musicus Wien

Dem schließe ich vorbehaltslos an !

Na ja, und weilich´s nicht lassen kann, gibt´s dann am Ende dann noch die Version „Brandenburger“ von The Nice mit dem großartigem Keith Emerson an der Orgel. Denn just diese Fassung hat mich damals  dazu bewegt, mich diesem Werk von Bach zu nähern.

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Besetzung:
Georg Fischer (harpsichord)
Hans Fischer (horn)
Otto Fleischmann (bassoon)
Siegfried Führlinger (violin)
Alice Harnoncourt (violine, violino piccolo)
Nikolaus Harnoncourt (cello, viola da gamba)
Walter Holy (trumpet)
Eduard Hruza (violone)
Ernst Knava (viola da gamba)
Stefan Plott (violine)
Hermann Rohrer (horn)
Jürg Schaeftlein (oboe)
Josef de Sordi (violin)
Leopold Stastny (flute)
Kurt Theiner (viola)

Musikalische Leitung: Nikolaus Harnoncourt

Booklet02A

Titel:

LP 1:

Concerto 3 G-dur, BWV 1048:
01. Allegro 6.20
02. Adagio 0.30
03. Allegro 5.00

Concerto 1 F-dur, BWV 1046:
04. Allegro 4.22
05. Adagio 4.31
06. Allegro 4.40
07. Menuet – Trio – Menuet – Polonaise 9.16

Concerto 4 G-dur, BWV 1049:
08. Allegro 7.30
09. Andante 4.08
10. Presto 5.01

LP 2:

Concerto 6 B-dur, BWV 1051:
01. Allegro 5.53
02. Adagio Ma Non Troppo 4.47
03. Allegro 6.08

Concerto 5 D-dur, BWV 1050:
04. Allegro 11.07
05. Affetuoso 6.04
06. Allegro 5.53

Concerto 2 F-dur, BWV 1047:
07. Allegro 6.25
08. Andante 3.47
09. Allegre Assai 3.34
+
The Nice: Brandenburger (1969; studio version) 4.24

Musik: Johann Sebastian Bach

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Concentus musicus Wien – Sacro-profanus concentus musicus (Johann Heinrich Schmelzer) (1970)

FrontCover1.JPGUnd nun wirklich zauberhafte Musik aus einer längst vergangenen Epoche … Musik, die aber heue noch berühren kann … zumindest Mensche wie mich und diesmal ist es der Komponist Johann Heinrich Schmelzer, ein Name der mir bis dato gänzlich fremd war:

Johann Heinrich Schmelzer (* um 1623 in Scheibbs; † zwischen 29. Februar und 20. März 1680 in Prag) war ein österreichischer Violinist, Komponist und Kapellmeister; er zählte zu den bekannteren Violinisten Österreichs. Schmelzer war der führende österreichische Komponist von Instrumentalmusik vor Heinrich Ignaz Franz Biber und hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von Sonate und Suite.

Sein Vater Daniel Schmelzer war Bäcker und Bürger von Scheibbs. Schmelzer wuchs offenbar im Feldlager auf, da sein Vater angeblich während des Dreißigjährigen Kriegs Offizier war. Wann genau J. H. Schmelzer nach Wien kam, ist nicht bekannt, ebenso wenig, bei wem er seine musikalische Ausbildung erhielt, möglicherweise waren dies Antonio Bertali, Burckhardt Kugler oder Giovanni Sansoni. Das früheste Dokument, in dem er erwähnt wird, ist mit seiner ersten Hochzeit am 28. Juni 1643 verbunden; in ihm wird er als Cornettist am Wiener Stephansdom aufgeführt. Eine kaiserliche Resolution von 1674 besagt jedoch, dass er seinen Dienst an der Wiener Hofmusikkapelle 1635 oder 1636 begann, wahrscheinlich als Violinist. Am 1. Oktober 1649 wurde er offiziell als Violinist am Hof-Orchester eingestellt. Seine Position und Funktionen während der darauf folgenden zwei Jahrzehnten sind nicht restlos geklärt. Aus der sehr begrenzten Anzahl von vorhandenen Quellen kann man jedenfalls schließen, dass er ein sehr produktiver Komponist war und auch als Violinist einen ausgezeichneten Ruf hatte.

1658 war er Leiter der Instrumentalmusik im Gefolge Leopolds I. bei dessen Krönung in Frankfurt. Sein enges Verhältnis zum Kaiser brachte ihm vor allem einen finanziellen Vorteil, machte ihn aber auch zu dessen musikalischem Ratgeber, der dem Kaiser bei seinen Kompositionen half. 1665 wurde er zum Ballettkomponisten ernannt, weshalb er künftig den Hof mit Balletti zu versorgen hatte. Einige dieser Ballettmusiken wurden als Divertissements in die Opern von Antonio Cesti und Antonio Draghi eingesetzt.

Am 13. April 1671 wurde er Vizekapellmeister in der Hofkapelle Leopolds I. Von dieser Zeit an hatte er auch immer mehr Aufgaben des kränkelnden Kapellmeisters Giovanni Felice Sances zu übernehmen. Seine Effizienz in dieser Position, verbunden mit vorherigen Errungenschaften und seinem ständig wachsenden Ruhm, dürften für Leopold I. also eher ausschlaggebend für die Zustimmung zu seiner Adelung 1673 gewesen sein als der Militärdienst seines Vaters, welchen er in seiner Petition beschrieb. Schmelzer01In den Adelsstand erhob ihn der Kaiser 1673 mit dem Beinamen „von Ehrenruef“, ein Titel, welcher auch von seinen Söhnen übernommen wurde, wie etwa von seinem ältesten Sohn Andreas Anton (1653–1701), der ebenfalls Komponist und Violinist war. Jedoch wurde J. H. Schmelzer erst am 24. November 1679, nach Sances‘ Tod, als erster Nicht-Italiener offiziell zum Kapellmeister ernannt. Sein Antrag für den Posten, datiert vom 18. Dezember 1679 und beim Kaiser in Prag eingereicht, wohin der Hof vor der Pest geflohen war, erforderte die Anstellung rückwirkend vom 1. Juli an; sie wurde jedoch nur vom 1. Oktober an gewährt. Lange hatte er seine neue Position aber nicht inne; denn er fiel im Jahre 1680 der Pest zum Opfer, die inzwischen auch Prag erreicht hatte.
Musik
Zusammen mit seinen älteren Zeitgenossen Sances und Bertali und mit dem jüngeren Draghi war Schmelzer einer der bedeutendsten Musiker am Habsburger Hof zwischen 1655 und 1680. Er war für die Entwicklung der Sonate und der Suite von großer Bedeutung. Ohne sein Wirken wären die Leistungen seines Schülers Heinrich Ignaz Franz Biber oder die eines Johann Jakob Walther nicht möglich gewesen. In diesem Licht ist auch seine Anstellung dort als erster deutschsprachiger Kapellmeister im 17. Jahrhundert zu betrachten. Er hinterließ ein sehr reichhaltiges Oeuvre, war aber lediglich als Komponist von Instrumentalmusik einflussreich (Ballett-Musik, Kammermusik). Seine zahlreichen liturgischen Werke (von denen die meisten nicht erhalten sind; 173 Werke sind im Distinta specificatione dell’archivio musicale per il servizio della cappella e camera cesarea, dem Katalog von Kaiser Leopolds Privatsammlung, aufgelistet) stammen aus den 1670er Jahren, also aus seiner Zeit als Vize-Kapellmeister. Die wenigen, die erhalten sind, lassen venezianischen Einfluss erkennen, welcher unter seinen italienischen Zeitgenossen vorherrschend war. (Quelle: wikipedia)

Und wenn dann ausgewählte Werke des Johann Heinrich Schmelzer von einem Nikolaus Harnoncourt (weiterhe Information über diesen großartigen Musiker finden sich hier) und seinem damaligem Ensemble „Concentus musicus Wien“ dargeboten werden, dann weiß man, hier musizierten wieder mal Meister ihres Fachs.

Und wie so oft, habe mir es hier wieder mal die unterschiedlichen Bläser besonders angetan …

Aber diese LP aus der Reihe „Das alte Werk“ ist insgesamt ein Genuss der besonderen Art … da komponierte einer der im 17. Jahrhundert gelebt hat, Musik … die mich heute noch – ob ihre Zartheit und inneren Harmonie, aber auch ob ihrer Virtuosität – anrührt … einfach nur unglaublich !

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Besetzung:
Otto Fleischmann (dulcian, bassoon)
Karl Gruber (oboe)
Hermann Höbarth (cello)
Alice Harnoncourt (violin)
Nikolaus Harnoncourt (viola da gamba)
Ernst Hoffmann (trumpet)
Eduard Hruza (violone)
Bernhard Klebel (oboe)
Elli Kubizek (viola da gamba)
Walter Pfeiffer (violin)
Stefan Plott (violin)
Hans Pöttler (trumpet)
Richard Rudolf (trumpet)
Jürg Schaeftlein (oboe)
Peter Schoberwalter (violin)
Josef de Sordi (violin)
Don Smithers (cornett)
Josef Spindler (trumpet)
Leopold Stastny (recorder)
Herbert Tachezi (organ, harpichord)
Helga Tutschek (recorder)
Kurt Theiner (viola)
Andrea Wenth (trumpet)

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Titel:
01. Sonata Natalitia a 3 Chori 2.54
02. Sonata II A 8 Duobus Choris 5.16
03. Sonata A 4 „La Carolietta“ 6.18
04. Sonata I A 8 3.52
05. Sonata A 3 4.35
06. Sonata IV A 6 4.22
07. Sonata A 5 6.59
08. Sonata A 3 5.46
09. Sonata A 3 Violini 7.05

Musik: Johann Heinrich Schmelzer

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Nikolaus Harnecourt – Bauern-Kantate + Kaffee-Kantate (Bach) (1968)

FrontCover1Gevatter Bach war ja ein musikalischer Tausendsassa. Neben all seinen Suiten und kirchlichen Werken schuf er auch noch die sog. „weltlichen Kantaten“. Hier haben wir zwei seiner wohl bekanntesten:

Bauernkantate:
Mer hahn en neue Oberkeet (BWV 212) ist eine der bekanntesten weltlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bekannt ist sie unter der Bezeichnung „Bauern-Kantate“; Bachs originale Bezeichnung war „Cantate burlesque“. Hochdeutsch lautet ihr Titel „Wir haben eine neue Obrigkeit“.

 

Der Text der Kantate stammt von Christian Friedrich Henrici (genannt Picander) und entstand für den 30. August 1742. An diesem Tag feierte der Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Carl Heinrich von Dieskau, kurfürstlich-sächsischer Kammerherr, auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig mit einem großen Feuerwerk seinen 36. Geburtstag und nahm gleichzeitig, wie damals üblich, die Huldigung der ihm untergebenen Bauern entgegen.

Picander hatte in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Stadt-Trank-Steuereinnahme, Weininspektor und Visir im Kreis Leipzig den Kreissteuerinspektor Dieskau zum Vorgesetzten. Sein Text trägt volkstümlich-derbe und manchmal ironische Züge und spielt auf eine Reihe lokaler Personen und Ereignisse der damaligen Zeit (z. B. Verletzung von Fischerei-Recht) an, wobei auch die Nachbarorte Knauthain und Cospuden genannt werden.

Es gilt als möglich, dass Picander Bach bat, seine Dichtung in Musik umzusetzen. Bei der Bauernkantate handelt sich um die Bach-Kantate mit dem spätesten feststellbaren Entstehungsdatum.

ErinnerungstafelBauernkantate

Erinnerungstafel am Ort der Uraufführung (auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig

Es finden Feierlichkeiten statt, zu denen der Kammerherr Bier ausschenken lässt. Dies ist der Anlass für ein Gespräch zwischen einem namentlich nicht genannten Bauern (Bass) und der Bäuerin Mieke (Sopran), deren Dialog nach dem rein instrumentalen Eingangsstück die ganze Kantate prägt. Sie freuen sich über das Fest, tauschen teils zweideutige, teils eindeutige erotische Angebote aus und sprechen auch über die Machenschaften des Steuereinnehmers (Schösser); das Hauptthema ist jedoch das Lob des Gutsherrn Dieskau; auch dessen Frau und ihre Sparsamkeit werden erwähnt. Stellenweise wird dabei obersächsische Mundart verwendet („Guschel“ = Mund, „Dahlen“ = Liebesspiel, „Ranzen“ = Bauch, „prinkel“ = bisschen, „Neu-Schock“ = 60 Groschen).

Entsprechend dem Charakter des Textes schuf Bach eine relativ schlicht gehaltene Komposition mit kurzen Sätzen und meist einfacher Begleitung. Mehrfach griff er auf populäre Tanzformen und volkstümliche Melodien zurück (zum Beispiel das Volkslied „Mit dir und mir ins Federbett, mit dir und mir aufs Stroh“) sowie Teile aus früheren eigenen Stücken (Satz 14 aus BWV Anhang 11 und Satz 20 aus BWV 201/7).

Die Ouvertüre besteht aus einer groben Aneinanderreihung verschiedener höfischer Tänze ohne Übergänge, ohne Rücksicht auf Takt- und Tonartenwechsel (von A-Dur nach a-Moll und wieder zurück). Diese gewissermaßen bäuerliche Kompositionsart wird gelegentlich als ironische Anspielung auf die Thematik seitens Bachs interpretiert.

Die Arie Dein Wachstum sei feste und lache vor Lust! stammt ursprünglich aus der Kantate Der Streit zwischen Phoebus und Pan, wo Pan sie mit den Worten Zu Tanze, zu Sprunge, so wackelt das Herz vorträgt.

Concentus musicus Wien

Concentus musicus Wien

Kaffeekantate:
Schweigt stille, plaudert nicht (BWV 211), auch bekannt als Kaffeekantate, ist eine weltliche Kantate von Johann Sebastian Bach.

 

Dem Werk liegt eine Dichtung von Picander zugrunde, die dieser 1732 veröffentlichte. Vermutlich entstand die Kantate 1734, um im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig aufgeführt zu werden. Der Text muss zur damaligen Zeit populär gewesen sein, da er neben Bach von mindestens zwei weiteren Komponisten aufgegriffen wurde, wobei nur Bachs Interpretation einen zusätzlichen Schlussteil aufweist, dessen Urheberschaft durch Picander oder Bach selbst nicht gesichert ist. Es wird davon ausgegangen, dass Bach die Uraufführung der Kantate im Leipziger Café Zimmermann geleitet hat.

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Zimmermannisches Caffee-Hauß (rechts) in Leipzig

Im Gegensatz zu den meisten anderen weltlichen Kantaten Bachs ist dieses Werk keine Huldigung an die Obrigkeit, sondern skizziert humorvoll-ironisch eine Szene aus dem bürgerlichen Leben der Leipziger: Herr Schlendrian (Bass) versucht mit wütenden Drohungen seiner Tochter Liesgen (Sopran) die Unsitte des täglichen Kaffeetrinkens abzugewöhnen. Erst als er ihr die Erlaubnis zur Heirat in Aussicht stellt, lenkt die eigenwillige Tochter zunächst in der Arie „Heute noch, lieber Vater tut es doch“ ein, lässt aber im anschließenden Rezitativ des Erzählers heimlich verbreiten, dass sie nur einen Mann akzeptiert, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. Mit einem ironisch-versöhnlichen Trio der drei Gesangssolisten „Die Katze lässt das Mausen nicht“ endet die Kantate. (Quelle: wikipedia)

Dargeboten werden diese beiden Werke von dem Concentus musicus Wien unter der Leitung vom großen Nikolaus Harnoncourt:

Nikolaus Harnoncourt (* 6. Dezember 1929 in Berlin als Johann Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt;  † 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau) war ein österreichischer Dirigent, Cellist, Musikschriftsteller und einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis.(Quelle: wikipedia)

„Historische Aufführungspraxis“ hieß dann bei Harnoncourt dass er sein Ensemble mit historischen Instrumenten spielen ließ … finde ich total faszinierend, denn diese Instrumente hatten ja ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel.

Ursprünglich erschienen diese Aufnahmen im Jahr 1968 (eingespielt bereits 1967) … Diese Ausgabe war kostengünstig („Sonder-Ausgabe 10,– DM“)  und diente wohl auch Werbezwecken. In dem aufwendig gestaltetem Begleitheft gab es es ausführliche Übersicht über das Kantatenwerk von Bach … natürlich mit entsprechenden Kaufhinweisen.

Sei´s drum … eine nette Ergänzung zum Gesamtwerk von Bach (das ja kaum zu überblicken ist) sind diese Aufnahmen allemal.

NikolausHarnoncourt

Nikolaus Harnoncourt

Besetzung:
Concentus musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt
+
Max Van Egmond (Bass)
Kurt Equiluz (Tenor bei 02.)
Rotraud Hansmann (Sopran)

Booklet03A

Titel:
01. Mer hahn en neue Oberkeet (BWV 212) („Bauernkantate“) BWV 212 / 29.33
02. Schweigt stille, plaudert nicht („Kaffeekantate“ ) BWV 211 /  27.00

LabelB1

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OriginalLPFront+BackCover

Front + Back Cover der Erstausgabe aus dem Jahr 1968

 

 

 

Jürg Schaefflein + Concentus musicus – Originalinstrumente – Oboe (1977)

FrontCover1Wenn ich für dieses Album das Prädikat „wunderbar gediegen“ vergebe, ist das wahrlich kein negatives Prädikat.

Zu Gehör gebracht werden Oboenkonzerte, vornehmlich aus der Barockzeit … dargeboten von Jürg Schaefflein.

Und das österreichische Musiklexikon online weiss da zu berichten:

Schaeftlein, Jürg (eig. Hans Georg)
* 15.5.1929 Graz, † 15.2.1986 Wien. Oboist. Mitglied der Wiener Symphoniker und von N. HarnoncourtsConcentus musicus Wien. Er war Prof. für Oboe an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst (ab 1970 Lehrbeauftragter bzw. Gastprof.). Seine Schwester Elisabeth (* 18.4.1927 Graz, † 26.7.1993 Aspangberg-St. Peter/NÖ) unterrichtete dort 1952–93 (ab 1979 o. Prof.) Blockflöte (Flöte) und war auch solistisch tätig.

Begleitet wird er von dem Ensemble „Concentus musicus “ unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt, einem der Pioniere der sog. historischen Aufführungspraxis:

Historische Aufführungspraxis, auch „historisch informierte Aufführungspraxis“ oder

Nikolaus Harnoncourt (1980)

Nikolaus Harnocourt, 1980

HIP (von engl. historically informed performance oder historically informed performance practice), nennt man die Bemühungen, die Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben.

Ursprünglich bezog sich der Begriff auf die Alte Musik, auf die Interpretation der vor etwa 1830 entstandenen Werke.

Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich die historische Aufführungspraxis zunehmend mit Werken der Romantik und Spätromantik und des frühen 20. Jahrhunderts. (Quelle: wikipedia)

Bei den Titeln findet man das Kürzel „B.c.“ … das steht für „Basso continuo „:

Der Basso continuo (ital. „fortlaufender, ununterbrochener Bass“; kurz: Continuo) bildet das harmonische Gerüst in der Barockmusik. Wegen der großen Bedeutung des Generalbasses in dieser Zeit wird diese Epoche nach Hugo Riemann auch Generalbasszeitalter genannt. (Quelle: wikipedia)

Ich erinnere mich noch, wie mal Jack „Jazz“ Bruce (mein großes Bass-Vorbild) in einem Interview meinte, als Bassist habe man die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich just mit diesem Basso continuo zu beschäftigen, sonst würde man sein Handwerk nicht verstehen … Da habe ich aber geschluckt …

So nun aber genug der Informationen: Lasset uns schwelgen …

Jürg Schaeftlein01

Jürg Schaeftlein

Besetzung:
Jürg Schaeftlein (oboe)
+
Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt
Alice Harnoncourt (violin bei 04.)
Nikolaus Harnoncourt (Cello, violoncello)
Walter Pfeiffer (violin bei 11.)

BackCover1

Titel:

George Friedrich Händel: Concerto G-moll für Oboe, Streicher und B.c.:
01. Grave 2.34
02. Allegro 1.54
03. Sarabande, Largo 2.15
04. Allegro 1.58Antonio Vivaldi: Concerto A-moll (F. VII/13) (P.89) für Oboe, Streicher und B.c.:
05. Allegro 3.24
06. Largo 3.08
07. Allegro 2.55Johann Sebastian Bach: Konzert für Oboe D’amore, Streicher und B.c. :
08. (Allegro) 4.37
09. Larghetto 5.06
10. Allegro Ma Non Tanto 4.16Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio C-dur KV 580a Für Englischhorn, 2 Violinen Und Violoncello:
11. Adagio C-dur KV 580a Für Englischhorn, 2 Violinen Und Violoncello 4.34
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