Dieter-Thomas Heck – Es ist Mitternacht, John (1981)

FrontCover1.jpgIch fand ihn damals unsäglich … unerträglich … Und dennoch: als ich gestern von seinem Ableben erfahren habe … schluckte ich ein wenig:

Dieter Thomas Heck, eigentlich Carl-Dieter Heckscher (* 29. Dezember 1937 in Flensburg; † 23. August 2018), war ein deutscher Moderator, Schlagersänger, Schauspieler, Showmaster, Produzent und Entertainer.

Heck wurde in Flensburg geboren, wo seine Eltern im Stadtteil Mürwik in der Tirpitzstraße 109 wohnten. Hecks Vater Nils Heckscher war ein außerehelicher Sohn des Carl Gustav zu Ysenburg und Büdingen (1875–1941). Als Heck vier bis sechs Wochen alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Hamburg, da sein Vater als Verkaufsleiter einer Limonaden-Firma dorthin versetzt worden war. Daher wuchs Dieter Thomas Heck in der Hansestadt auf. Als er im Oktober 2012 auf seine Geburtsstadt Flensburg angesprochen wurde, äußerte er sich:

„Gelebt habe ich hier nicht. Ich bin später einmal im Deutschen Haus aufgetreten und bei der Eröffnung des Ladens Kloppenburg.“ (Dieter Thomas Heck: Interview mit der shz.de am 7. Oktober 2012)

Heck01

Der Heck im Jahre 1966

Im Alter von fünf Jahren wurde er bei einem nächtlichen Bombenangriff in Hamburg unter einer Kellertreppe verschüttet. Wegen dieses Traumas begann Heck nach seiner Rettung zu stottern, was er mit einer Gesangsausbildung wieder ablegte. Diese führte auch zu seiner Fähigkeit als Schnellsprecher. Nach Abschluss der Mittelschule und einer technischen Oberschule absolvierte er eine Ausbildung zum Technischen Kaufmann bei der Hamburger Borgward-Generalvertretung und war dort anschließend noch einige Zeit als Automobilverkäufer tätig, verließ das Unternehmen aber noch vor dem Konkurs der Borgward-Gruppe.

Single3.jpg

Die erste Single, 1959

Unter dem Namen „Dieter Heckscher“ trat er 1959 in Peter Frankenfelds Talentshow toi, toi, toi als Sänger mit dem Peter-Alexander-Titel Ein bisschen mehr in der Harburger Friedrich-Ebert-Halle auf und sang 1961 in der Vorentscheidung des Grand Prix Eurovision de la Chanson, dem heutigen Eurovision Song Contest. Um seine Gesangskarriere zu forcieren, wechselte er für 400 DM Monatsgehalt zu einem Plattenverlag. Bei einem Besuch des Südwestfunks in Baden-Baden am 26. November 1963 bat ihn Herbert Falk, der Abteilungsleiter Rundfunk, gleich im Studio als fiktiver Gast ein Interview zu geben, da der eigentliche Gast ausgefallen sei. Der Moderator stellte dabei derart ungeschickte Fragen, dass Heck das Gespräch selbst in die Hand nahm und daraufhin von Falk ein Angebot für eine Radiosendung erhielt. Fortan ging Heck jeden Samstag für 90 Minuten auf Sendung.

CDUWerbeplakat1972Im Frühjahr 1964 rief Camillo Felgen mit der Bitte um eine Urlaubsvertretung beim Südwestfunk an. Der Urlaubsvertretung folgte dann von Februar 1965 bis zum September 1966 eine Zeit bei Radio Luxemburg. Dort war es üblich, sich beim Vornamen zu nennen. Weil es aber schon einen Charly und einen Dieter gab, kam Heck auf die Idee, für sich einen neuen Namen suchen zu lassen. Hierzu startete die Jugendzeitschrift Bravo einen Aufruf unter der Überschrift: „Diskjockey ohne Namen“. Die Leser fanden den Namen Thomas am passendsten, woraufhin sich der heute bekannte Name Dieter Thomas Heck ergab, wobei Thomas zunächst noch in Anführungszeichen gesetzt war, diese aber sehr bald entfielen. Bei Radio Luxemburg arbeitete er mit Frank Elstner zusammen, mit dem er bis ans Lebensende freundschaftlich verbunden war.

Die Zeit bei RTL endete rasch, da es den Moderatoren sowohl verboten war, eigene Platten zu spielen, als auch eigene Werbeverträge einzugehen. Es folgte das Engagement bei der Europawelle Saar des Saarländischen Rundfunks. Heck forcierte dort den deutschen Schlager, ein unter den meisten Moderatoren unbeliebtes Segment. Seine Sendung Die deutsche Schlagerparade geriet dabei überaus erfolgreich, woraufhin mehrere Schlager-Schallplatten mit seinen Moderationen erschienen. Zusammen mit seinem Chef erfand Heck überdies 1967 die Goldene Europa, einen Preis, der die deutschen Sänger würdigte.

Heck02.jpg

Dem Rundfunk- und Fernsehregisseur des Saarländischen Rundfunks Truck Branss sagte die Musik, welche Die deutsche Schlagerparade spielte, nicht zu. Ihn beeindruckten aber die zwei Millionen Zuhörer. Deswegen bot er Heck eine Fernsehsendung an. Die beiden ersannen ein Konzept und schickten es dem Saarländischen Rundfunk. Dieser hatte an einer Fernsehsendung aber kein Interesse, während der ZDF-Unterhaltungschef zusagte. Daraufhin präsentierte Heck von 1969 bis 1984 insgesamt 183 Mal (ohne Sonderausgaben) die ZDF-Hitparade. Nach anfänglicher Kritik der Medien etablierte sich die ZDF-Hitparade schnell zu einer der wichtigsten Musiksendungen der 1970er und 1980er Jahre.

Heck moderierte für das ZDF auch 4 gegen 4 (1971–1973), Die Pyramide (1979–1994), Schwarz auf Weiß, Ihr Einsatz bitte – Made in Germany (1987–1988), das Wunschkonzert Musik liegt in der Luft (1991–1998), Das ist ihr Leben (1994–1996), Das große Los (1996–2000), Showpalast (1999–2000), Das Sommer-Hitfestival (1999–2007, ab 2002 Das ZDF-Sommerhitfestival), Das Silvester-Hitfestival (einmalig 2001) sowie auch die Melodien für Millionen (1985–2007) und die Gala für die Deutsche Krebshilfe.

Heck03

Dieter Thomas Heck 1967 als Hörfunkmoderator bei Radio RTL

Das ZDF ehrte ihn am 19. Dezember 2007 mit einer Überraschungsshow unter dem Motto „Danke, Dieter Thomas Heck!“ zu seinem 70. Geburtstag, moderiert live aus Berlin von Johannes B. Kerner. Dabei waren viele Künstler, die bei Heck in der ZDF-Hitparade aufgetreten waren, unter anderem Costa Cordalis, Bernd Clüver, Udo Jürgens, Paola und Rolf Zuckowski.

Im Zuge der Programmreform kündigte das ZDF an, Hecks Unterhaltungs- und Benefiz-Sendungen (Das Sommerhitfestival, Melodien für Millionen) einzustellen. Der Ende 2007 auslaufende Vertrag mit Heck wurde nicht verlängert. Am 18. November 2007 gab der Moderator nach 38 Jahren und genau 11 Monaten seinen Rücktritt von der Bühne bekannt und verabschiedete sich von seinem Publikum.

Heck04.jpg

Heck war Moderator von Hundert,6, einem der ersten beiden privaten Hörfunksender in Berlin. Der von 1981 bis 2007 vergebene Preis Goldene Stimmgabel wurde von ihm initiiert.
Dieter Thomas Heck im Jahr 1972 auf einem Ankündigungsplakat für eine Musikveranstaltung der CDU in Ravensburg

1970 spielte Heck den Showmaster im vielbeachteten Fernsehspiel Das Millionenspiel. Als Schauspieler trat er in Gastrollen in Fernsehkrimiserien wie z. B. Tatort und Die Rosenheim-Cops oder in der Vorabendserie Praxis Bülowbogen auf.

Er moderierte 1982 bis 1989 beim SWF die Sendungen Gute Laune aus Südwest und Vom Telefon zum Mikrofon sowie beim BR 13 Jahre die Sendung Fröhliches Wochenende. Er war erster Schirmherr des Aktions- und Gedenktages „Tag des Deutschen Schlagers“ (2009).

Heck05

Heck war bekennender CDU-Anhänger und nahm für seine Partei oft aktiv an Wahlkampfveranstaltungen teil. Er engagierte sich für den Tierschutz, und war Mitglied im Verein Deutsche Sprache.

Privat sammelte er Oldtimer der Marke Borgward, für die er selbst als Verkäufer gearbeitet hatte, und war Ehrenmitglied einer Interessengemeinschaft für Borgward-Autos.

Dieter Thomas Heck ließ sich 1974 von seiner ersten Frau Edda Heckscher († 2000) scheiden. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne. 1976 heiratete Heck Ragnhild Möller. Das Paar hatte eine Tochter. Bis 2009 lebte Heck, insgesamt 23 Jahre lang, in Schloss Aubach in Lauf in Baden-Württemberg. Danach hatte er seine Wohnsitze in der Schweiz und in Águilas (Spanien). Heck litt an einer chronischen Lungenerkrankung; er starb am 23. August 2018 im Alter von 80 Jahren. (Quelle: wikipedia)

Heck07

ASngesichts seiner traumatischen Kindheitserlebnissen erspare ich mir jetzt ein paar Späßchen … aber natürlich war er ein recht schräger Vogel in der deutschen Unterhaltungsindustire … und natürlich war er so ne Art Leuchtgturm für die leichte, seichte Unterhaltungsmusik …

Von daher passt diese schräge LP gut dazu und ich weiss nicht, wer auf diese Idee zu dieser LP gekommen ist:

Dieter-Thomas Heck „singt“ Grusel- und Geistlieder, dass es nur so kracht:

Hüllentext

Schaurig, schaurig … kann ich da nur sagen. Und es gibt – man glaubt es kaum – Leute, die finden dieses Album so richtig Klasse:

Ich finde,man hört das Heck Spaß dran hatte,diese leicht morbid-gruseligen Texte einzusingen bzw.sprechen.Vor allem das Titelstück mit seinen Big-Ben Glockenschlägen versetzt einen direkt ins nebelige schwarz-weiss London der Edgar Wallace Filme.Die Platte ist zudem sehr gut produziert und klingt ausgezeichnet..Fazit: Meine Empfehlung für jeden,der einen etwas morbiden Humor hat,für Edgar Wallace Seher und für Freunde des etwas schrägeren Schlagers. (Mr.Bad Taste)

MC1.jpg

Dieter Thomas Heck … als tiefgründiger und eindrucksvoller Interpret. Besonders die Ballade „Es ist Mitternacht, John“ gibt soviel Wirklichkeit und Angstgefühl, ein hervorragender Background gesang untermalt die schaurige Geschichte von Dave Walten und John Robertson. Heck könnte auch heute noch gesanglich mehr geben, als diejenigen, die er im Fernsehen ansagt. Ein muß für Fans der deutschen Musik. (Ein amazon Kunde)

Ganz so euphorisch bin ich nun wahrlich nicht … Aber in die Skurillitäten-Kiste gehören diese Aufnahmen allemal !

Singles

Besetzung:
Dieter-Thomas Heck (vocals)
+

eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

Booklet

Titel:
01. Es ist Mitternacht, John… (Pacemaker) 3.52
02. Phantom 4 (Munzberger/Müller-Franz) 3.46
03. Henkersmahlzeit (Munzberger/Rittersporn) 3.31
04. Alcatraz (Müller-Franz) 4.51
05. Das weiße Haus (Pacemaker) 3.12
06. Die Fahrt der „Queen Anne“ (Müller-Franz) 5.48
07. Engel im Parka (Pacemaker) 4.19
08. Die Zeitung (Müller-Franz) 3.58
09. Madame Tussaud (Müller-Franz/Rittersporn) 5.41

LabelB1.jpg

*
**

Heck06

Dieter Thomas Heck
 (* 29. Dezember 1937  – † 23. August 2018)

Ulkig der Ansager: Jürgen von der Lippe:

Verschiedene Interpreten – Welthungerhilfe (1974)

FrontCover1Tja … Benefizplatte wie diese haben schon jeher bei mir ein arg zweispältiges Gefühl in mir ausgelöst … speziell wenn das Thema „Welthungerhilfe“ heißt.

Denn der Hunger in der Welt hat natürlich auch etwas mit unserem Wirtschaftssystem und mit unserem Wohlstand zu tun, das war damals so und das ist heute noch so …

Wenn man auf dem inlet liest „Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948)“ bleibt einem das Lachen im Halse stecken, insbesondere weil der damalige Bundesminister für ür Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der FDP angehörte, jener Partei also, die dem „freien“  Spiel der Märkte verpflichtet war und ist und genau jene Philosophie für die Ausbeutung der sog. 3. Welt Verantwortung trägt.

Andererseits: glaubt man dem Covertext, haben die Vorgänger-LP´s dieser Initiative 3 Miollion DM eingebracht und unterstellt man, dass dieses Geld auch tatsächlich entsprechend dem Verwendungszweck eingesetzt wurde … ist das ja auch nicht so schlecht.

Auf diesem Album gibt es eine skurille Mischung aus bekannten („I´m A Believer“ oder „Warum nur warum“) Titeln und verblüffend unbekannten Titeln („Over And Over“ oder auch „Hell wie die Sonne“) … und – das härt man ja auch nicht alle Tage – einen Dieter Thomas Heck, der „Carolina“ trällert …

BackCover1

 

Den besten Kommentar zu diesem Album liefert dann aber Reinhard Mey mit seinem Klassiker „Die heisse Schlacht am kalten Büffet“:

Gemurmel dröhnt drohend wie Trommelklang, gleich stürzt eine ganze Armee,
die Treppe herauf, und die Flure entlang, dort steht das kalte Buffet.
Zunächt regiert noch die Hinterlist, doch bald schon brutale Gewalt,
da spießt man, was aufzuspießen ist, die Faust um die Gabel geballt.
Mit feurigem Blick und mit Schaum vor dem Mund kämpft jeder für sich allein,
und schiebt sich in seinen gefräßigen Schlund, was immer hineinpaßt, hinein.

Bei der heißen Schlacht am kalten Buffet, da zählt der Mann noch als Mann,
und Aug‘ in Auge, Aspik und Gelee, hier zeigt sich, wer kämpfen kann, hurra!
Hier zeigt sich wer kämpfen kann.

Da blitzen die Messer, da prallt das Geschirr mit elementarer Wucht.
auf Köpfe und Leiber, und aus dem Gewirr, versucht ein Kellner die Flucht.
Ein paar Veteranen im Hintergrund tragen Narben auf Stirn und Gesicht,
quer über die Nase und rings um den Mund, wohin halt die Gabel sticht.
Ein tosendes Schmatzen erfüllet den Raum, es rülpst und es grunzt und es quiekt.
Fast hört man des Kellners Hilferuf kaum, der machtlos am Boden liegt.

Bei der heißen Schlacht…

Da braust es noch einmal wie ein Orkan, ein Recke mit Übergewicht
wirft sich auf’s Buffet im Größenwahn, worauf es dann donnernd zerbricht.
Nur leises Verdauen dringt noch an das Ohr, das Schlachtfeld wird nach und nach still.

Aus Trümmern sieht angstvoll ein Kellner hervor, der längst nicht mehr fliehen will.
Eine Dame träumt lächelnd vom Heldentod, gebettet in Kaviar und Sekt,
derweil sie, was übrigzubleiben droht, blitzschnell in die Handtasche steckt.

Das war die Schlacht am kalten Buffet, von fern tönt das Rückzugssignal.
Viel Feind, viel Ehr‘ und viel Frikassee, Na denn: „Prost“ bis zum nächsten Mal, hurra!
Na denn: „Prost“ bis zum nächsten Mal!

Das war die Schlacht am kalten Buffet, und von dem vereinnahmten Geld
gehn zehn Prozent, welch noble Idee, als Spende an „Brot für die Welt“, hurra!
Als Spende an „Brot für die Welt“.

Inlet01A

Titel:
o1. Daniel Boone: Beautiful Sunday (Boone/McQueen) 3.00
02. Katja Ebstein: Das Glück hat viele Namen (Bruhn/Buschor) 3.43
03. The James Boys: Over And Over (Boone/McQueen) 2.20
04. John Kincade: Hell wie die Sonne (Carter/Shakespeare/Schäubele) 3.12
05. Neil Diamond: I´m A Believer (Diamond/Gems) 2.48
06. Cindy & Bert: Ich komm bald wieder (Scharfenberger/Feltz) 2.55
07. Manuela: Twingel Dingel Dee (Twardy/Loose) 2.44
08. Kincade: Dreams Are Ten A Penny (Carter/Shakespeare) 2.39
09. Udo Jürgens: Warum nur, warum (Jürgens) 2.38
10. Shuki & Aviva: Listen (To All Of The Children) (Danova/Elias/Schwarz) 4.23
11. Dieter Thomas Heck: Carolina (Bauer/Arnie) 2.18
12. Reinhard Mey: Die Schlacht am kalten Büffett (Mey) 3.16

LabelA1
*
**

Inlet02A

Welch´ frommer Wunsch !