Lebrecht Heidenreich + Jürgen Kleinsorge – Jona – Singspiel für Kinder (1991)

FrontCover1Jetzt werfen wir mal einen musikalischen Blick in das Alte Testament und zwar in das „Buch Jona“:

Das Buch Jona (hebr. יוֹנָה (jona); griech.-lat./kath.: Jonas, ÖVBE/evang. Jona) ist eine vier Kapitel umfassende, relativ kleine Schrift und gehört zum Zwölfprophetenbuch des jüdischen Tanach bzw. des christlichen Alten Testaments.

Innerhalb dieser Gruppe kommt ihr dadurch eine Sonderstellung zu, dass es sich nicht um eine Sammlung von Prophetenworten handelt, sondern um eine Erzählung über die Sendung des Propheten Jona nach Ninive. Seine engeren Parallelen hat das Jonabuch damit nicht in den anderen Schriften der Zwölfprophetensammlung, sondern in den Berichten über die Propheten Elija und Elischa im 1. Buch der Könige:

1. Kapitel

Die biblische Erzählung beginnt damit, dass Jona von Gott den Auftrag erhält, nach Ninive zu gehen und der Stadt und ihren Bewohnern ob ihrer Bosheit ein Strafgericht Gottes anzudrohen. Jona macht sich zwar auf den Weg, aber nicht nach Ninive (heutiger Irak), sondern nach Jaffa (Jafo), wo er ein Schiff nach Tarsis (Tarschisch, vermutlich Tartessus im heutigen Spanien) besteigt; er flieht also von Israel aus gesehen in die entgegengesetzte Richtung. Gott entfacht einen gewaltigen Sturm, durch den das Schiff in Seenot gerät. Durch das Los wird Jona als Verantwortlicher entlarvt, der seine Schuld bekennt und vorschlägt, sich ins Meer werfen zu lassen. Nachdem die Männer zunächst ergebnislos versucht haben, durch Rudern an Land zu kommen, werfen sie Jona doch noch ins Meer. Da der Sturm augenblicklich aufhört, bekehren sich die Seeleute zu JHWH.

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Der Prophet Jona wird vom Fisch bei Ninive ausgespien, aus „Hortus Deliciarum“ der Herrad von Landsberg (um 1180)

2. Kapitel

Jona wird von einem großen Fisch verschlungen. In dessen Bauch betet er und wird nach drei Tagen und drei Nächten wieder an Land ausgespien.

3. Kapitel

Jona erhält nun noch einmal denselben Auftrag wie zu Beginn; diesmal geht er tatsächlich nach Ninive, um dort zu verkündigen, dass nur noch vierzig Tage bis zur Zerstörung der Stadt bleiben. Diese Ankündigung löst bei den Niniviten eine Bußbewegung aus, die die ganze Bevölkerung einschließlich der Tiere umfasst. Die Buße führt dazu, dass Gott die Stadt begnadigt, das angekündigte Gericht also nicht vollstreckt.

4. Kapitel

In Jona löst diese Begnadigung der Stadt großen Zorn aus. Er sei zur Flucht nach Tarsis aufgebrochen, weil er wusste, dass Gott ein gnädiger und barmherziger Gott ist, der das Gericht über die Stadt letztlich nicht vollstrecken wird. Nun, nach der Begnadigung Ninives, wünscht er sich den Tod.
Rizinusstaude

Offenbar in einer Rückblende wird daraufhin erzählt, wie Jona nach der Verkündigung in Ninive die Stadt verließ und sich außerhalb eine Laubhütte erbaute, um das Kommende abzuwarten. Gott ließ über diese Hütte eine Rizinusstaude wachsen, wodurch er Jona Schatten verschaffte und ihn erfreute. Aber am nächsten Morgen ließ Gott den Rizinus verdorren. Zusätzlich ließ er einen heißen Ostwind aufkommen, der bei Jona Ohnmacht und den Wunsch zu sterben hervorrief. Im Blick auf diese „Rizinusepisode“ fragt nun Gott den über die Begnadigung Ninives erzürnten Propheten:

„Dich jammert die Staude, um die du dich nicht gemüht hast, hast sie auch nicht großgezogen, die in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb; und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen sind, die nicht wissen, was rechts und links ist, dazu auch viele Tiere?“ (Jona 4, 10 f. nach der revidierten Luther-Übersetzung von 1984).

Damit endet die Erzählung, ohne dass eine Antwort oder anderweitige Reaktion Jonas auf diese Frage berichtet würde. (Quelle: wikipedia)

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Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621

Und diese Geschichte wurde als „spannendes biblisches Singspiel“ vertont. Ob sie nun wirklich „spannend“ ist, lass ich mal dahingestellt sein. Ganz sicherlich ist es ein engagiertes Projekt von überzeugten Christen, auch wenn hier natürlich wieder mal biblischer Hokuspokus zum besten gegeben wird (das Thema „strafender Gott“ und was damit bei den Menschen angerichtet wurde, ist mehr als abendfüllend). Und nachdem ich mich nicht (mehr) zu dieser Spezies von Mensch zähle, lauschte ich dieser CD mit einer gewissen Distanz und Skepsis. Musikalisch baute man auf die altbewährte und erfolgreiche Rolf Zuckowski Methode (eingänglich und zugleich hörenswerte Melodien) und das überraschende für mich war dann doch, dass die Musik (insbesondere die instrumentalen Teile) wirklich superb eingespielt wurden. Und so konnte ich mich – unabhängig vom Inhalt – wirklich an diverse Musikpassagen (z.B. an z.T. traumhaft schönen Saxophonosolos) erfreuen.

Lebrecht Heidenreich + Jürgen Kleinsorge haben dann noch weitere CD´s veröffentlicht , z.B. „Rudi Ringelschwein“.

BackCover1

Besetzung:
Christoph Demmer
Martin Dorra (Sprecher)
Lebrecht Heidenreich (guitar)
Frieder Jost (guitar)
Herbert Kleinsorge (drums)
Markus Martitz (keyboards)
Peter Schulte (saxophone)

Gesang
Titel:
01. Geh – geh nach Ninive 5.05
02. Wellen 3.47
03. Fluchtversuche 3.35
04. Dunkel der Tag 3.12
05. Ruf mich an 3.34
06. In meiner Not 3.40
07. Geh – geh nach Ninive (Wiederholung) 0.57
08. Nach seinem Umweg durch die See 3.31
09. Weisst du nicht 4.10
10. Dass du hüpfen kannst und springst 1.54
11 Jona lebt heute 2.29

Musik: Lebrecht Heidenreich
Text: Jügen Kleinsorge

CD1

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Liederheft+Notenblatt

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