AFET – Zur Heimerziehung im Zeitraum 1945 – 1970 (2010)

TitelWas sich im Nachkriegsdeutschland in den Erziehungsheimen abgespielt hat, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. In den Jahren 1967 u.f. wurde das Thema zwar von deutschen Zeitschriften (Quick, Stern) aufgegriffen, führten aber zu keinen nennenswerten Reaktionen. Einen weiteren Versuch unternahm Ulrike Meinhoff mit dem Film „Bambule“, der ursprünglich am 24. Mai 1970 in der ARD ausgestrahlt werden sollte. Dazu kam es aber nicht, da Ulrike Meinhoff sich nur zehn Tage zuvor an der Befreiung von Andreas Baader beteiligt hatte und damit in den Untergrund abtauchte.

Erst viel, viel später wurde das Thema „Heimerziehung“ ein Thema, das eine breitere Öffentlichkeit fand. Die Opfer fanden den Mut, jene z.T. barbarischen Erziehungsmethoden zu thematisieren, zu veröffentlichen.

Es begann eine breite gesellschaftliche Debatte über die Verantwortung für die Zustände in diesen zurückliegenden Jahrzehnten.

Und natürlich waren alle die  Wohlfahrtsverbände und Erziehungsorganisationen im Blickpunkt und man forderte zu Recht Aufklärung (und Entschädigung).

Einer dieser Verbände war der A.F.E.T.:

1906 wurde der erste Allgemeine Fürsorge-Erziehungs-Tag (A.F.E.T) nach Breslau einberufen, um wie es der damalige Vorsitzende Seiffert formulierte  sich gegenseitig und mit den Dezernenten über mancherlei Fragen zu orientieren und zur  gegenseitigen Förderung beizutragen.

1912 wurde der A.F.E.T. e.V. in das Vereinsregister eingetragen mit dem satzungsgemäßen Zweck  persönliche Fühlung  zu schaffen und die Sache der Fürsorge- (Zwangs-) Erziehung auf jede Weise zu fördern.

Im Laufe seines Bestehens gab der AFET wesentliche Impulse zur Qualifizierung öffentlicher Erziehung und öffnete sich über die Einrichtungen hinaus für Dienste, Behörden und Verbände der Erziehungshilfe.

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Eine generelle Neuorientierung und Umstrukturierung der Hilfe für Kinder, Jugendliche und ihre Familien mündete 1990/91 in die Einführung des SGB VIII, damit zum Wandel von der Fürsorgeerziehung zur Erziehungshilfe.
Dieser Entwicklung trug der Verband durch eine Namensänderung Rechnung: Der Allgemeine Fürsorge-Erziehungs-Tag wurde umbenannt in Arbeitsgemeinschaft für Erziehungshilfe

In den Folgejahren veränderten sich die Anforderungen an die Fachpraxis gravierend. Die damit einhergehenden, sich verändernden Erfordernisse an verbandliche Arbeit führten zur Umstrukturierung des Verbands und zur Anpassung der Satzung an diese Veränderungen im Jahr 2004. In diesem Zusammenhang wurde der Name nochmals verändert in AFET – Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. (Quelle: Selbstdarstellung)

Im Jahre 2009 reagierte der Verband auf die gesellschaftliche Diskussion zum Thema Heimerziehung:

Der AFET hat eine Expertise unter dem Titel „Zeitgenössische Positionen des AFET-Allgemeiner Fürsorgeerziehungstag e.V. (bis 1971) und seiner Nachfolger: Arbeitsgemeinschaft für Erziehunghilfe (AFET sowie AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. zur Heimerziehung im Zeitraum 1945 bis 1970“ in Auftrag gegeben.

Die Expertise wurde von Dipl. Päd. Melanie Mangold unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Schrapper von der Universität Koblenz-Landau erstellt.

Und um genau diese Expertise geht es hier nun:

Einleitung

Hier ein paar Passagen aus der Expertise:

Passage01
Passage02

AusschnitteAusZeitschriften.jpg

Ausschnitte aus den Zeitschriften Quick + Stern (1967 – 1969)

Passage03

Passage04Und man darf in diesem Zusammenhang schon mal daran erinnern, dass es (wieder mal) die „68er Generation“ war, die sich damals am lautesten zu diesem bedrückendem Thema äusserten, auch wenn dies erst viele, viele Jahre später dann „erfolgreich“ war.

Ein trauriges Kapitel; hier kann man sich darüber ein wenig informieren (das schadet keinem, sag ich mal provozierend, denn die Augen vor diesem Thema haben wir zu lange geschlossen gehabt). Und von daher wird uns das Thema hier noch öfters beschäftigen.

Schlafsaal.jpg

Schlafsaal in einem Kinderheim (50er Jahre)

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WirBittenUmVerzeihung

Stellungnahme der Kinder- und Jugendhilfe Westuffeln (ehemals: Evangelischen Knabenheim Westuffeln)