Verschiedene Interpreten – Lachkabinett (1979)

FrontCover1Mit dem Humor ist es so eine Sache.

Der eine oder andere kann sich über den einen oder anderen Humoristen köstlich amüsieren, während dem anderen sich der Humor einfach nicht erschließt.

Ich zähle zur jenen Spezies, die den sog. „schrägen“ Humor mehr als zu schätzen weiß. Und überraschenderweise hatten die „alten“ Humoristen früherer Jahrzehnte jede Menge von diesem schrägen Humor zu bieten … und dieser Sampler von K-tel bietetet etliche Beispiele, die zur Gattung des schrägen Humors gezählt werden dürfen.

Da ist der Peter Frankfeld mit seiner Schildungerung „seiner“ Zeit bei dem Barras (ein Beitrag, den man durchaus subversiv nennen kann).

Heinz Erhardt, war eh ein genialer Sprachverdreher, Walter Reichert scheint mir heute ziemlich vergessen zu sein (was eigentlich ne Schande ist). Die Österreicher Fritz Muliar, Helmut Qualtinger und Hans Moser (sein „Der Dienstmann“ ist längst ein Klassiker) waren jemals in ihrem Metier unschlagbar …

ValentinKarlstadt.jpg

Karl Valentin und Liesl Karlstadt

Aus der Abteilung boarisch/müchnerischer Humor hören wir den Weiß Ferdl, den Fritz Straqssner (beide kann man immer wieder mal hören) und die legendären Karl Valtentin/Lisl Karstadt und dann noch den damaligen Jungspund den Fredl Fesl, der für die humoristischen Szene in Bayern wirklich eine Bereicherung war.

 

Und es gab für mich auch neues zu entdecken: Ernst Waldbrunn (noch so ein Österreicher) war mir bisher völlig unbekannt und glänzt auf dieser LP als „Portier“ im Hotel Meran.

BackCover1

Titel:
01. Peter Frankenfeld: Etwas über Ballistik 4.22
02. Heinz Erhardt: Schalk im Nacken – Frisch vom Rill, Teil 1  4.19
03. Wilhelm Bendow und Franz-Otto Krüger: Auf der Rennbahn 4.03
04. Wilhelm Reichert und Oscar Heiler: Der Zeuge 7.10
05. Fritz Muliar: Fremdenverkehr 0.40
06. Ernst Waldbrunn: Hier spricht der Portier 7.05
07. Hans Moser: Der Dienstmann 6.33
08. Fritz Muliar: Der Verdacht 0.22
09. Weiß Ferdl: Linie 8   9.27
10. Fritz Strassner: Ein Münchener im Himmel 8.56
11. Fritz Muliar: Die Folianten 2.01
12. Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner: Travnicek im Urlaub 1.53
13. Karl Valentin und Liesl Karlstadt: Im Schallplattenladen  3.12
14. Fritz Muliar: Am Totenbett 1.49
15. Heinz Erhardt: Schalk im Nacken – Frisch vom Rill, Teil 2   4.32
16. Fredl Fesl: Fußball-Lied 2.11

LabelB1.JPG

*
**

Loriot – Nimm´s leicht (1963 /1973)

NimmsLeicht_01AEin weiteres Schmankerl aus dem prallen Lebenswerk des Loriot:

„Schon beim flüchtigen Durchblättern dieses Bildbandes wird der Betrachter auf Darstellungen stoßen, die ihm seltsam vertraut sind … #Das erste Blatt, ein Knoten im linken Bundesbahngleis zwischen Celle und Lüneburg, beleuchtet einen ärgerlichen Zwischenfall, der, obwohl ungewöhnlich anmutend, fast täglich zur Verstimmung westdeutscher Streckenwärter führt.

Auch alle folgenden Beispiele sind aus dem Leben gegriffen und aus einem Personenkreis, dr für westdeutsche Verhältnisse als repräsentativ angesehen werden kann“ (Klappentext)

Nicht immer wird Loirot´s Humor verstanden bzw. geschätzt, wie folgender Leserbrief auf lovelybooks.de zeigt:

„Den Humor verstehe ich nicht immer, aber das ist auch nicht verwunderlich, da ich viele sarkastische Witze nicht so verstehe. Nicht immer geht es darum, dem Leser ein Lächeln zu entziehen, sondern darum, vertraut, bekannte Situationen vom Alltag jeder Person noch ein mal in Erinnerung zu rufen, um etwas darüber zu grübeln. Der Effekt: „Ach, das kenne ich! “

Ich seh das natürlich ganz anders. Und dieses Büchlein lenkt den Blick auf auf eine „andere Seite“ von Loriot:

AlternativesFrontCoverLoriot hat sich nicht nur als legendärer Unterhalter einen Namen gemacht. Vor allem zu Beginn seiner Karriere war er als Werbegrafiker aktiv. ie meisten Werbeaufträge nahm Loriot in den Jahren nach 1955 an. So arbeitete er unter anderem für die Tabakmarke Stanwell, für Paderborner Bier, für Agfa und für Scharlachberg.

Und der damalige Scharlachberg-Slogang lautet eben „Nimm´s leicht“ … von daher ist dieses Buch quasi ne Zeitverwertung seine damaligen Karikaturen für Schalarchberg.

Das Buch erschien erstmalig 1963, meine Ausgabe ist dann die 6. Ausgabe (76.-91. Tausend) aus dem Jahre 1973.

Bevor´s zur Präsentation geht noch 2 Gedanken aus der „Welt“, denen ich mit sehr gerne anschließe:

„Von-Bülow-Loriot versöhnte die Deutschen mit sich selbst. Nicht nur, dass er sie ausnahmslos alle auf irgendeine Art erreichte und zum Lachen brachte – er trat auch den Beweis an, dass das Deutsche per se irgendwie verschroben-sympathisch, ja sogar auf feinsinnige Art sturzkomisch sein kann. Eine Erfahrung, die nach zwei Weltkriegen und einer menschenverachtenden Diktatur für viele dann doch eher überraschend war. “

„Kaum auszudenken, was mit einer Gesellschaft geschehen soll, die sich irgendwann nicht mehr an Vicco von Bülow und sein erhabenes Werk erinnert . Wir müssen es in aller Deutlichkeit und in Anlehnung an ein großes Lob des Mopses an dieser Stelle sagen: Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

Hier ein paar Beispiele zum erinnern und dann geht´s – wie gewohnt – zur Präsentation:

 

NimmsLeicht_05A
NimmsLeicht_08A
NimmsLeicht_11A
NimmsLeicht_14A
NimmsLeicht_16A
NimmsLeicht_17A
NimmsLeicht_20A
NimmsLeicht_30A
NimmsLeicht_33A

 

Das Büchlein ohne Schutzhülle

Das Büchlein ohne Schutzhülle

*
**

Scharlachberg-Werbung

Scharlachberg-Werbung

Herbert Hisel – Der Stammtischbruder (1963)

FrontCover1Höchste Zeit wieder mal dieses fränkische Urvieh zu Wort kommen zu lassen.

Die EP „Der Stammtischbruder“ war die 3. Schallplatte von Herbert Hisel … also eines seiner Frühwerke, mit denen er damals – zu Recht – viel Aufmerksamkeit erregte.

Zu Recht deshalb, weil sein Humor für die damalige Zeit vermutlich arg schräg war.

Und auch heute noch, ist sein (Sprach)-Witz schon noch beeindruckend … da ist diese Mischung aus Klamauk und zuweilen abenteuerlichen humoristischen Wendungen (z.B. wenn der Arzt einem Patienten Bewegung verordnet). Oder: Hisel verbreitete stets einen Hauch von absurdem Humor … und reiht sich damit ein in die Galerie jener Humoristen von Karl Valentin bis hin zu Gerhard Polt.

Und er war sich damals nie zu schade, sich selbst auf die Schippe zu nehmen … eine Tugend, die ich doch sehr schätze.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Singles von ihm enthält diese nur eine Nummer, eben den „Stammtischbruder“ und diese passt so ganz herrlich zur närrischen Zeit, denn auch wir Bayern können gelegentlicht lachen … z.B. über Herbert Hisel. Viel Vergnügen !

HerbertHisel

Besetzung:
Herbert Hisel (Sprecher)

BackCover1
Titel:
01. Der Stammtischbruder (Teil 1) 7.21
02. Der Stammtischbruder (Teil 2) 5.41

LabelB1.jpg

*
**

Hape Kerkeling – Hurz ! ! ! (1992)

FrontCover1Der Hape Kerkeling hat im Laufe seiner Karriere ganz schön viel unterschiedliche Facetten zum blühen gebracht. Und natürlich war die des gnadenlosen Komikers eine ganz besonders ausgeprägte Facetten.

Ein Prachtbeispiel seines Humors ist dieser Werk. Und so kam es dazu:

1989 gestaltete Kerkeling zusammen mit dem Pianisten Achim Hagemann und Angelo Colagrossi als Co-Autor mit seiner medienkritischen Sendung Total Normal ein Comedy-Format, für das er mit der Goldenen Kamera, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Zwei Aktionen sind auch Jahre nach dem Ende der Sendung in Erinnerung geblieben: Verkleidet als Königin Beatrix gelang es Kerkeling am 25. April 1991, vor laufender Kamera in einem Wagen vor Eintreffen der echten Königin im Schloss Bellevue vorzufahren.

Außerdem trug Kerkeling in der Maske eines polnischen Opernsängers zur Klavierbegleitung von Achim Hagemann ein „expressives Stück“ vor, eine Parodie auf Neue Musik, die in dem lauten und unvermittelten Ausruf „Hurz!“ mündete. Das nicht eingeweihte Publikum nahm die Darbietung ernst und ließ sich anschließend zu einer intellektuellen Diskussion über die Aussage des Stücks verleiten. Dabei wagte nur eine Teilnehmerin offen auszusprechen, dass sie mit seiner Darbietung überhaupt nichts anfangen konnte. Kerkeling antwortete daraufhin bewusst hochnäsig, dass ihr wohl „der intellektuelle Zugang“ fehle. Hurz! erschien 1992 als Single.

Hier diese Single die drei Hurz Versionen enthält und die ihren Reiz eigentlich nur dann hat, wenn man eben diesen Auftritt im Fernsehen gesehen hat. Ich habe ihn deshalb einfachmal dazugepackt, damit das Hurz Thema auch komplett ist.

Und natürlich reizt es mich mal wieder, bei diesem Hape Kerkeling auf Spurensuche zu gehen … das könnte ein sehr spannendes Thema sein. Und da hat der Hape Kerkeling ja mittlerweile auch jede Menge von sich schon preis gegeben.

BackCover1

Besetzung:
Achim Hagemann (piano)
Hape Kerkeling (vocals)
+
Kerstin Yvonne Lohausen (vocals)
Karin Wanjelik (vocals)

Hape+Achim

Hape Kerkeling + Achim Hagemann bei Hurz im TV

Titel:
01. Hurz !!! 3.22
02. Hurz !!! (Engl. Version) 3.22
03. Hurz !!! (Habicht Mix feat. MC Lurch) 5.29

CD1.jpg

*
**

Gabi Decker – Leibhaftig ! (2004)

FrontCover1Eigentlich krieg ich ja von Kabarett nie genug und deshalb legte ich mir eines Tages die Gabi Decker auf:

Gabi Decker (* 5. Juli 1956 in Ratingen, Nordrhein-Westfalen) ist eine deutsche Kabarettistin, Moderatorin und Sängerin.

Nachdem sie in Bokensdorf in Niedersachsen aufgewachsen war, brach sie Ausbildungen zur Bauzeichnerin in Wolfsburg und zur Reisebürokauffrau in Braunschweig ab. 1981 ging Gabi Decker nach Berlin. Dort verdiente sie sich mit Jobs als Kellnerin oder Zimmermädchen ihren Lebensunterhalt und trat nachts als Jazz-Sängerin in Bars auf, wo sie auch entdeckt wurde. Ohne größeren Erfolg veröffentlichte Gabi Decker 1983 und 1984 drei von Ralph Siegels Schallplattenfirma produzierte Singles: Unter der Dusche –
Ich werd’ wahnsinnig und Allein.

Von 1985 bis 1994 arbeitete sie als Radiomoderatorin für den SFB und war im bundesweiten ARD-Nachtexpress zu hören. Seit Mai 2013 ist sie wieder im Radio auf Top20Radio zu hören.

GabiDecker
Als Gagschreiberin war sie nebenbei für Mike Krüger, Harald Schmidt, Gerd Dudenhöffer und Hans Werner Olm tätig, bevor sie 1994 mit Ich wär‘ so gerne Chauvinist ihr erstes Solo-Programm auf der Bühne präsentierte. 1998 war sie zusammen mit Isabel Varell in der sechsteiligen ZDF-Comedyshow Varell und Decker zu sehen. Es folgten weitere TV-Auftritte, darunter Quatsch Comedy Club, Mitternachtsspitzen und Blond am Freitag, wo sie seit 2001 als regelmäßiger Gast zu sehen war. Mit ihrem Bühnenprogramm Leibhaftig war Gabi Decker seit Juni 2004 deutschlandweit auf Tournee. Im August 2010 startete im Berliner Kabarett-Theater Die Wühlmäuse ihr aktuelles Bühnenprogramm Das Beste – Zugabi.

AutogrammkarteGabi Decker ist Schirmherrin der Berliner Schwulenberatung. (Quelle: wikipedia)

Und eigentlich krieg ich ja von Kabarett nie genug und deshalb legte ich mir eines Tages die Gabi Decker auf und war irgendwie ziemlich irrititert. Einerseits ist die Dame ja altersmäßig in meiner Preisklasse anzusiedeln (schaut allerdings im Gegensatz zu mir deutlich jünger aus !)  und andererseits kann man durchaus feststellen, dass sie jede Menge ganz pfiffiger Ideen hat. Und auch ihre stimmlichen Parodien haben ihren Reiz.

Dennoch: Irgendwie bleibt ihr Auftritt (im Theater „Die Wühlmäuse“, Berlin; 18.6.2004) schal, hohl und arg bemüht … irgendwie ein Abklatsch von dem, was gutes Kabarett ausmachen könnte.

Aber natürlich sehen das andere ganz anders:
Gabi Decker besitzt das Talent, ihr Publikum mit den direktesten, härtesten und hemmungslosesten Pointen zu verwöhnen und dabei das Objekt ihrer Begierde, sprich den jeweiligen Promi, ihr Heimatdorf oder allerlei Begebenheiten in ihrem abwechslungsreichen Leben verbal zu zerlegen! Wortwitz und kluge Spontanität erledigen den Rest und man lacht sich kaputt, sobald Frau Decker die rasierklingenscharfe Zunge erbeben lässt. Ob „Bokelsdorf“, „Promi“, „Kondome“ oder gelungene Gesangsdarbietungen zwischen den Stücken, zusammen ergeben alle Programmpunkte die stimmige Unterhaltung mit Köpfchen!

Sehr empfehlenswert! Mein Rat: Für alle die genug von schlechten, platten Schenkelklöpfern haben und endlich mal wieder aus Herzenslust lachen wollen… (Markus Mildner)

Und daher meine Empfehlung: Man bilde sich ein eigenes Urteil !

Tray1

Besetzung:
Gabi Decker (Sprecherin)

Booklet1
Titel:

01. Good to Gabi 2.59
02. Eröffnung 3.18
03. Reiseleitung 7.35
04. Promis 11.33
05. Kondome 6.46
06. Bokensdorf 6.33
07. Familie 9.04
08. Freude am Alter 9.51
09. Liedergeschichte 15.32

Alle Texte: Gabi Decker

CD1

*
**

Axel Hacke & Michael Sowa – Der Weisse Neger Wumbaba (2004)

TitelDer Axel Hacke war lange Zeit so ne richtige Kultfigur für das liberale Bürgertum … und das hatte natürlich seinen Grund:

Axel Hacke (* 20. Januar 1956 in Braunschweig) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Axel Hacke wuchs in seiner Geburtsstadt Braunschweig auf, wo er sich in seiner Jugend politisch bei den Jungdemokraten engagierte. In seiner Kindheit trug er die evangelische Kirchenzeitung aus, seine Eltern glaubten, er werde Pfarrer. Nach Abitur am Wilhelm-Gymnasium und Wehrdienst begann Hacke 1976 zunächst ein Studium in Göttingen, zog dann aber bald weiter nach München, wo er die Deutsche Journalistenschule besuchte und Politische Wissenschaften studierte. Von 1981 bis 2000 arbeitete er als Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, zunächst vier Jahre lang als Sportreporter, danach als politischer Kommentator, vor allem aber als einer der Autoren des „Streiflichts“ auf der ersten Seite der SZ und als Autor vieler Reportagen auf der Seite Drei des Blattes. Er berichtete, schrieb Porträts (zum Beispiel über den Modeschöpfer Wolfgang Joop), berichtete über den politischen Alltag in Bonn und Berlin sowie über die Wendezeit in der DDR und den neuen Bundesländern und war Korrespondent bei vielen Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften. Seit 2000 ist er als Kolumnist und Schriftsteller freiberuflich tätig.

Hacke2004

Axel Hacke, 2004

1991 erschien sein erstes Buch Nächte mit Bosch, ein Sammelband von Erzählungen, Reportagen und Glossen, in deren Titelgeschichte zum ersten Mal eine von Hackes berühmtesten Figuren auftritt, der sprechende Kühlschrank Bosch. Bereits 1990 veröffentlichte Hacke im SZ-Magazin der Süddeutschen Zeitung (das im gleichen Jahr gegründet worden war) seine erste Kolumne Der kleine Erziehungsberater, Geschichten aus dem Alltagsleben einer Familie mit drei kleinen Kindern. Die gesammelten Texte erschienen 1992 unter dem gleichen Titel in Buchform, wurden seither mehr als eine Million Mal verkauft und standen zwei Jahre lang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Nach diesem Vorbild sind seither ungezählte Bücher und Kolumnen zum Thema Erziehung erschienen. „Hacke hat für die aufgeschriebene Vaterschaft Ähnliches geleistet wie Wolfram Siebeck für die aufgeschriebene Feinschmeckerei“, schrieb der ZEIT-Kolumnist Harald Martenstein.

Hacke2006.jpg

Axel Hacke, 2006

Hacke hat seither zahlreiche Bücher sowohl für Kinder als auch für Erwachsene veröffentlicht, von denen viele der Berliner Maler Michael Sowa illustrierte. Gleichzeitig schrieb er in den Jahren 2001 bis 2007 unter dem Titel Und was mache ich jetzt in der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesspiegels eine wöchentliche Kolumne sowie im Bayerischen Rundfunk seine Geschichten wie Du und Ich. Große Bekanntheit erlangte seine Rubrik Das Beste aus meinem Leben, in der er seit 1997 jeden Freitag im SZ-Magazin „sein“ Leben als Mann schildert, umzingelt von Alltag, Frau und Kindern und Bosch, dem sprechenden Kühlschrank. Das Beste aus meinem Leben war im Jahr 2007 Grundlage für eine achtteilige ARD-Fernsehserie mit Oliver Mommsen und Elena Uhlig und wurde im SZ-Magazin Anfang August 2008 abgelöst von der aktuellen Kolumne Das Beste aus aller Welt.

Hacke1

Im Jahr 2004 erschien eines der erfolgreichsten Bücher Hackes, Der weiße Neger Wumbaba. Er behandelt darin auf amüsante Weise das Thema „Missverstandene Liedtexte“, wobei schon der Buchtitel auf einen Verhörer zurückgeht, Matthias Claudius’ berühmtes Abendlied, in dem es heißt: „Der Wald steht schwarz und schweiget / und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel wunderbar.“ Der letzte Vers wurde hier als „Der weiße Neger Wumbaba“ missverstanden. Ein zweites Buch zu diesem Thema erschien 2007 unter dem Titel Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück, ein drittes 2009 unter dem Titel Wumbabas Vermächtnis. 2017 gelang Axel Hacke mit Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen ein Bestseller, der Ende 2017 auf Platz 1 der Sachbücher des Magazins Der Spiegel zu finden war.[4] Hackes Bücher wurden bisher in 17 Sprachen übersetzt. Einige, zum Beispiel Der kleine König Dezember, waren auch in Japan Bestseller.

Hacke ist mit der Sängerin und Drehbuchautorin Ursula Mauder verheiratet. Er hat vier Kinder und lebt mit seiner Familie in München und dem Chiemgau.

Auf seinen zahlreichen Lesungen entscheidet Axel Hacke erst im Laufe des Abends, welche Texte er vorträgt, denn sein Prinzip ist es, einen möglichst großen Querschnitt seiner Texte auf die Bühne zu bringen. Einen Schwerpunkt bildet dabei jeweils das jüngst erschienene Buch. Seine Auftritte führen ihn auf Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Während der Adventszeit tritt er unter dem Titel Alle Jahre schon wieder in Erscheinung. (Quelle: wikipedia)

Hacke2

Und hier einer seiner „Mega-Besteller“, illustriert von Michael Sowa:

Michael Sowa (* 1. Juli 1945 in Berlin) ist ein deutscher Maler und Zeichner.

Michael Sowa lebt seit seiner Geburt in Berlin. Nach Abschluss eines Kunstpädagogikstudiums ist er seit 1975 als freier Maler und Zeichner tätig. Unter anderem veröffentlichte er im Satiremagazin Titanic, illustrierte zahlreiche Zeitschriften, Bücher und Buchcover. Viele seiner Werke hat er mit gemeinsam mit Axel Hacke publiziert. Pseudonym: Heinz Obein

Einem breiteren Publikum wurde der Künstler auch durch den Erfolg des Films Die fabelhafte Welt der Amélie bekannt, in dem einige seiner Werke gezeigt wurden. Vielen Zuschauern blieben die ungewöhnlichen Gemälde wie Filmhund und Geflügel mit Perlen in Erinnerung, die er eigens für diesen Film schuf.

Michael Sowa

Michael Sowa

Im Jahre 1995 wurde er mit dem Olaf-Gulbransson-Preis ausgezeichnet. 2004 erhielt er für das Buch Prinz Tamino den Berliner Buchpreis in der Kategorie Kinderbuch. 2013 erhielt er den Göttinger Elch als Würdigung seines satirischen Lebenswerkes sowie den Sondermann-Preis.

2009 wurden 130 seiner Werke in einer Ausstellung in Japan gezeigt (Tokio, Kyōto und Yokohama).

„Michael Sowa weiß, was Kinder lieben: einen abgefahrenen Plot mit Happy End und deftigen Humoreinlagen. All das liefert der Autor und Künstler ihnen jetzt im Kinderbuch Stinkheim am Arschberg. Hoffen wir, dass das außen und innen schön gestaltete Büchlein trotz des für zarte Gemüter sich provozierenden Titels seinen Weg in die Kinderzimmer findet. […] Und während der große Mensch beim Vorlesen unablässig grinsen muss, schwelgt der kleine Betrachter in den typisch Sowa´schen skurrilen Details seiner akkuraten, an den realistischen Stil alter Meister erinnernden Malweise.“ (Heike Byn)

Axel Hacke und Michael Sowa

Michael Sowa + Alex Hacke

Und nun zu diesem Büchlein:

Kinder können nicht zuhören. Und wenn sie es tun, dann schlägt ihnen die Phantasie oft ein Schnippchen, das sie — oft bis zum Tod — mit falschen Liedtexten leben lässt. Denn vor allem Kinder sind grausame Verhörer  so wie Frau J. aus Stephanskirchen, die als junges Mädchen felsenfest davon überzeugt war, dass der eigentlich klischeehafte Satz eines mittelmäßigen Seemannslieds (Stürmisch die Nacht und die See geht hoch) tatsächlich Stürmisch die Nacht und die Säge tobt laute. Für den Münchner Autor und Kolumnisten Axel Hacke sind diese Verhörer von teils schrecklicher Schönheit die eigentliche Quelle unerschöpflicher Poesie: Der Verhörende schafft sich gewissermaßen aus der Unverständlichkeit der Welt heraus einen eigenen Kosmos, ein Beweis für die kindlich-dichterische Kraft, die vielen von uns innewohnt, ohne dass wir eigentlich etwas von ihr ahnen“, heißt es in dem von Michael Sowa wieder einmal kongenial illustrierten Buch Der weiße Neger Wumbaba. Hackes Meinung nach haben Liedtexter gar die Aufgabe, zum Fehlhören zu animieren.

FrontCover.jpg

Gibt´s natürlich auch als Hörbuch … demnächst hier in diesem Ramschladen … 

 

In seiner Kolumne Das beste aus meinem Leben für die Süddeutsche Zeitung erwähnte Hacke einmal einige schöne Exempel für die Freudschen Fehler des Gehörs — mit der Folge, dass ihn immer neue Zuschriften seiner Leser ereilten, darunter die wirklich überzeugende Umdichtung des Evergreens Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius, dessen vertonte Gedichtzeilen und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar“ das Gehirn eines Musikenthusiasten folgendermaßen verwandelte: und aus den Wiesen steiget / der weiße Neger Wumbaba. Dieses ungleich größere Zitat ziert nun als Titel ein Buch, die Hackes Originalkolumne sowie seine zahlreichen Nachfolger versammelt. Selbst wenn man sich bei manchen der eingesandten Verhörern etwas ohrenreibend fragt, wie das Hirn derlei phonetisch-semantische Kapriolen zustande bringt, so ist Der weiße Neger Wumbaba doch der beste Beweis für die im Buch aufgestellte These, dass die besseren Liedtexte in den Köpfen der Hörer entstehen.Und das ist auf zauberhafte Weise sicher war. (Thomas Köster)

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Jugndsünde meinerseits. In jenen Jahre hörte ich nur zu gerne bei dem Hendrix Klassiker „Foxy Lady“ …. „Fuck the lady“ (ähm … räusper … schäm)

Unabhängig: dieses Büchlein erhält von mir das Prädikat amüsant.

Beispiel01

Beispiel02.jpg

Beispiel03

Beispiel04.jpg

Beispiel05

Beispiel06.jpg

Beispiel07.jpg

Auch dieses Rätsel wird gelöst … 

Beispiel08.jpg

Beispiel09.jpg

Beispiel10.jpg

Beispiel11.jpg

Beispiel12.jpg

Beispiel13.jpg

Beispiel14.jpg

*
**

Beispiel15.jpg

Harry Rowohlt – Rumba, Rumba, Rumba ist modern (2011)

FrontCover1.jpgAch ja, der Harry Rowohlt … :

Harry Rowohlt (* 27. März 1945 in Hamburg als Harry Rupp; † 15. Juni 2015 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Kolumnist, Übersetzer, Rezitator und Schauspieler.

Rowohlts Vater war der Verleger Ernst Rowohlt. Seine Mutter, die Schauspielerin Maria Pierenkämper, war bei seiner Geburt in dritter Ehe mit dem Maler Max Rupp verheiratet. Erst Mitte der 1950er Jahre ließ sie sich von Rupp scheiden und heiratete 1957 den über 20 Jahre älteren Ernst Rowohlt, der bereits 1960 starb.
Harry Rowohlt (Oktober 2003)

Harry Rowohlt wuchs an verschiedenen Orten auf, besuchte das Walddörfer-Gymnasium in Hamburg und machte dort sein Abitur. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main, wo er seine spätere Ehefrau Ulla auf einem Ball kennenlernte,[2] und war anschließend Volontär im nunmehr von seinem Halbbruder Heinrich Maria Ledig-Rowohlt geleiteten Rowohlt Verlag und bei der New Yorker Grove Press. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zeitweise als Werbetexter in der Werbeagentur GGK. Ab 1971 war er freiberuflicher Übersetzer aus dem Englischen. Die erste Übersetzung war ein Kinderbuch von Alexander Sutherland Neill, das bis dahin als unübersetzbar galt; es erschien unter dem Titel Die grüne Wolke beim Rowohlt Verlag und wurde sogleich ein Bestseller.[4] Daneben wurde er bekannt als Vorleser der von ihm übersetzten Werke, als Autor der Kolumne Pooh’s Corner in der Wochenzeitung Die Zeit und als Darsteller des Obdachlosen Harry in der Fernsehserie Lindenstraße. Zu hören war er außerdem als Sprecher des Bären in Wenzel Storchs Spielfilm Die Reise ins Glück.

Harry2

Er erbte 49 Prozent des Verlags von seinem Vater, lehnte es aber ab, in das Verlagsgeschäft einzusteigen. 1982 verkauften die beiden Brüder schließlich das Unternehmen an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Anfragen zum Verlag wehrte er mit einem Formschreiben ab: „Ich habe drei Rundschreiben. Rundschreiben 1 lautet: Ich bin ja schon froh, dass ich nicht Kiepenheuer und Witsch heiße. Wenn Sie was vom Rowohlt-Verlag wollen, wenden Sie sich an den Rowohlt-Verlag und nicht an mich. Weitersagen!“.

Rowohlts Kolumne Pooh’s Corner erschien bis 1998 in Abständen von drei bis zehn Wochen. Zwischen der ersten 1998er Corner (in der zweiten Kalenderwoche) und der zweiten lag über ein halbes Jahr. In den beiden folgenden Jahren kam je nur eine einzige Kolumne zu Stande, bis er schließlich, ohne weitere Erklärung, zunächst keine weiteren mehr schrieb. Ohne vorherige Ankündigung erschien in der Zeit Nr. 51/2005 vom 15. Dezember 2005 eine neue Pooh’s Corner, in der Rowohlt einleitend erklärte, er habe seine letzten Kolumnen mit wachsendem Unmut gelesen, weshalb er sie niemandem mehr zumuten mochte. Seitdem erschienen in loser Folge weitere von Rowohlts Corner-Beiträgen, der letzte im März 2013.

"In-Schwimmen-zwei-VËgel"

Rowohlt war außerdem für seine exzessiven Solo-Bühnenauftritte bekannt, die selten weniger als vier, manchmal sogar mehr als sechs Stunden dauerten. Er unterbrach die Lesungen häufig mit Kommentaren zu den Texten, abschweifenden Bemerkungen, Anekdoten, autobiografischen Erzählungen, Dialogen mit dem Publikum und vielem mehr, sodass die gelesenen Texte eher im Hintergrund standen. Die solcherart aufgelockerten Veranstaltungen nannte er lange Zeit „Schausaufen mit Betonung“, da er während der Lesung alkoholische Getränke zu sich nahm, wozu er erläuterte: „Das Publikum hat ein Anrecht darauf mitzuerleben, wie der Referent sich zugrunde richtet“.[8] Zu seinem unverwechselbaren Aussehen erklärte er in einem Interview: „[…] wenn man als junger Mensch so aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen selbst treu geblieben ist, sieht man als alter Sack aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.“

Harry5.jpg

Harry Rowohlt als „Penner“ in der „Lindenstraße“

Im Juni 2007 gab Rowohlt bekannt, dass er an der nicht heilbaren Krankheit Polyneuropathie leide, die seine Gehfähigkeit stark beeinträchtigte. Die eigene Krankheit kommentierte er sarkastisch: „Ich brauch’ mich als passionierter Stubenhocker nicht groß umschulen zu lassen.“ Seine Rolle in der Lindenstraße wollte Rowohlt weiterführen, notfalls im Sitzen, wie er dem Produzenten unverzüglich mitteilte. Nach längerer weitgehender Alkoholabstinenz gab Harry Rowohlt seit 2009 wieder Lesungen. Da ausschließlich Wasser auf dem Tisch stand, nannte er die Veranstaltungen nun „Betonung ohne Schausaufen“.

Rowohlt lebte zuletzt mit seiner Frau in Hamburg-Eppendorf. In seinen letzten Lebensjahren litt Rowohlt auch an Lungenkrebs, an dessen Folgen er 2015 in Hamburg im Alter von 70 Jahren starb. Er wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt. Der Grabstein ist ein Findling, auf dem neben einer Wiedergabe von Rowohlts Autogramm sein Geburts- und Sterbejahr eingemeißelt wurden.

80. Jahrestag der B¸cherverbrennung

Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek äußerte, Rowohlt sei nicht nur ein begnadeter Kinderbuchübersetzer gewesen, sondern auch ein Vermittler irischer Literatur: „Man könnte sagen, dass er das Karl-Kraus-Diktum befolgt hat: ‚Übersetzen? Üb: ersetzen‘. Er hat also Bücher neu geschaffen durch seine Übersetzung, kongenial in den deutschen Slang aus der irischen Alkoholsprache übertragen.“

Die Übersetzungstätigkeit Rowohlts wurde in einem Cartoon des Zeichnerduos Hauck & Bauer gelobt, in dem ein Buchhandlungskunde zum anderen sagt: „Das Buch musst Du in der Übersetzung von Harry Rowohlt lesen. Im Original geht da viel verloren.“

Lit.Cologne - Harry Rowohlt

Aus der Jurybegründung für die Verleihung des Sonderpreises des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk als Übersetzer: „Ein All-Age-Übersetzer wie Rowohlt, der im erwachsenen und kinderliterarischen Bereich tätig ist“, so die Jury in ihrer Begründung, „kann den Blick für literarische Qualitäten schärfen, die Werke der Kinder- wie die der Allgemeinliteratur gleichermaßen auszeichnen und so die ohnehin durchlässige Grenze zwischen den Bereichen überschreiten. Es sind Qualitäten wie ausladende Komik, Schrägheit, Hintersinn, Skurrilität, Absurdität, Übertreibung und Genialität, die das gesamte Übersetzungs-Oeuvre Rowohlts durchdringen. Sein ganzes Schaffen zeichnet sich aus durch höchste Ansprüche an sich selbst und Sprachverliebtheit bis zur Sprachbesessenheit.“ (Quelle; wikipedia)

Grabstein

Harry Rowohl als geniales Unikum zu bezeichnen ist schon fast eine unverzeihliche Untertreibung.

Übersetzer, Sprecher, Kolumnist, Schauspieler. Harry Rowolt ist vielseitig, ein bekennender Genussmensch und eine zottelige Rampensau. Seine Lesungen sind meist schon viele Wochen vorher ausverkauft. Jetzt kann man eine als Doppel-CD nachhören.

Mit „Moin, moin!“ begrüßt Harry Rowohlt das Publikum seiner Göttinger Lesung. Die wurde für das Hörbuch „Rumba, Rumba, Rumba ist modern“ mitgeschnitten:

„Ich sage Ihnen das, damit Sie wissen, dass, wenn Sie zu laut ‚Buh‘ schreien, das nach dem neuesten Stand der Technik alles wieder rausgefriemelt wird.“

Das schickt Harry Rowohlt, der dicke Mann mit weißem Rauschebart und Nickelbrille, vorweg. Und auch, dass er schon länger keinen Alkohol mehr trinkt. Der übermäßige Konsum, besonders gerne auch während seiner Lesungen, hat dazu geführt, dass der 66-Jährige nun eine neurologische Krankheit hat, die seine Bewegungsfähigkeit stark einschränkt. Aber selbst darüber scherzt er. Keinen Spaß versteht der Sohn des Verlagsgründers Ernst Rowohlt allerdings, wenn man meint, er selbst sei Verleger:

„Wenn ich irgendwo reinkomme, sage ich als Allererstes: Nein, ich habe nichts mit dem Rowohlt-Verlag zu tun. Nein, ich habe nicht abgenommen. Ja, ich spiele bei der ‚Lindenstraße‘ mit. Da ist dann was für jeden Geschmack dabei. Und wenn mich jemand fragt, was man denn tun muss, um veröffentlicht zu werden – möglichst in meinem renommierten Verlag – sage ich:

Machen Sie es wie ich: Ich schreibe nur auf Bestellung und brauche mir dann um die Veröffentlichung keine Sorgen zu machen! Darauf erwidern die Autoren einer wie der andere, als hätten sie es untereinander abgesprochen: Dädädädädä!“

Harry
Übersetzer, Rezitator, Schriftsteller, Schauspieler ist Harry Rowohlt. Und ein äußerst meinungsfreudiger Kolumnist. Das Hörbuch besteht vor allem aus Kolumnen, die Rowohlt für „Die Zeit“ geschrieben hat. Allerdings unterbricht er sich laufend selbst. So auch, als er über die Rechtschreibreform und das Magazin „Focus“ spricht:

„Ich find‘ diesen Untertitel, ‚Das moderne Nachrichtenmagazin‘, so albern. Das letzte Mal, als mir das Wort ‚modern‘ eingeleuchtet hat, war in dem Lied (singt wie Max Raabe): Komm, lass uns einen kleinen Rumba tanzen, denn Rumba, Rumba, Rumba, Rumba ist modern … „

Selbst wenn er schief singt, hört man ihm gerne zu. Und man wartet geradezu darauf, dass ihm beim Lesen eine Assoziation kommt, eine Brücke zum Abschweifen. Denn in seinen Anekdoten ist der gebürtige Hamburger mit der voluminösen, rauchigen Stimme noch erdiger, noch komischer als in seinen ohnehin schon großartigen Kolumnen:

„Ich hab‘ übrigens gestern wieder einen starken Lokalpatriotismus-Schub verpasst gekriegt. Bei Edeka auf’m Eppendorfer Baum habe ich mir lange vor der Zeit, aber mir war so sommerlich, ein Capri-Eis gekauft. Und die Schlange vor der Kasse war so lang, dass ich dachte: Das Ding schmilzt. Ich ess‘ es schon mal.Und wenn mich die Kassenfee anschnauzt, dann halte ich ihr den abgelutschten Spatel und die Tüte vor und zahle still. Und dann ging es aber etwas schneller. Und statt mich anzuschnauzen, sagte die Kassenfee zu mir: Oller Naschbär!“

Harry1

Man sieht sie vor sich, die Kassiererin. Harry Rowohlt zieht bei Lesungen alle Register seiner Stimme, scheint sämtliche deutsche Dialekte zu beherrschen und auch andere Sprachen:

„Im Hotelzimmer sehe ich mir einen der 48.000 fabelhaften Fernsehsender an, die man reinkriegt. Auf dem flämischen Kanal Eén einen britischen Krimi mit niederländischen Untertiteln: Der englische Kommissar sagt: Quite frankly, I’ve got to admit, I am finding it increasingly difficult to get a grasp on all this. Auf Niederländisch steht drunter: Ik pak dat niet!

Man fasst es nicht, wie Harry Rowohlt es schafft, in keinem einzigen Augenblick seiner Live-Lesung Langeweile aufkommen zu lassen: Egal, ob er einen Witz erzählt oder eine Anekdote, eine uralte Kolumne liest oder einen Nachruf auf seinen Freund Frank McCourt. Wer beim Hörbuch „Rumba, Rumba, Rumba ist modern“ nicht lacht, dem ist nicht mehr zu helfen:

„Auf dem Frankfurter Hauptbahnhof fragt mich ein Mann: Haben Sie mal 80 Cent? Ich gebe ihm eine 2-Euro-Münze. Er betrachtet sie und sagt: Na gut.“ (Quelle: leider unbekannt)

Ein weiterer Kommentar ist zwecklos …

Aber der Hinweis: Seine Interpretation von Jan Neumann´s „Knolls Katzen“ ist ein genialer Höhepunkt jenes Humors, der mir Tränen vor Lachen in die Augen treibt …

Oder aber auch: Ein Leben ohne Harry Rowohlt ist möglich, aber sinnlos …

InletA

Besetzung:
Harry Rowohlt (Sprecher)

BackCover1.jpg

Titel:

CD 1:
01.  Stramme Ethanol-Karenz  3.36
02.  Nieder mit Neuschreib! (Teil 1) 5.22
03.  Rumba,Rumba,Rumba ist modern 0.52
04.  Nieder mit Neuschreib! (Teil 2) 2.44
05.  Bericht von der Frankfurter Buchmesse 9.58
06.  Oller Naschbär 13.59
07.  3 Witze und 3 Hymnen 11.43
08. Bielefelder Lieblingserlebnis  7.52

CD 2:
01.  Halle an der Saale 13.04
02. Nachruf:Ach,Francis 9.55
03. Der Hund meines Lebens 8.24
04. Knolls Katzen 25.17

Alle Texte: Harry Rowohlt
mit Ausnahme von Knolls Katzen: Jan Neumann

CDs

*
**

Neumann