In Extremo – Sünder ohne Zügel (2001)

FrontCover1.jpgJetzt wird´s ganz schön heftig:

In Extremo ist eine deutsche Band, die dem Mittelalter-Rock zugeordnet wird. Die siebenköpfige Gruppe wurde 1995 in Berlin gegründet. Mit über 1,5 Millionen verkauften Tonträgern ist sie die kommerziell erfolgreichste Formation im Bereich des Mittelalter-Rock/Mittelalter-Metal.

In Extremo (kurz InEx) entstand aus zwei anfangs voneinander unabhängigen Projekten: einer namenlosen reinen Mittelalter-Band und einer Rockband. Bekannt wurde die Formation durch häufige Präsenz auf Mittelaltermärkten und anderen Veranstaltungen, auf denen die Musiker ihre Akustikstücke spielten. Während der Proben für die Saison 1995 erfand Michael Robert Rhein (alias Das Letzte Einhorn) den lateinischen Projektnamen „In Extremo“, der auf Deutsch „zu guter Letzt“ beziehungsweise „in Vollendung“ bedeutet. Die Band ist bekannt für die auf ihren Konzerten verwendete Pyrotechnik.

Gründungsmitglieder der Mittelalter-Band waren: Das letzte Einhorn, Flex der Biegsame, Conny Fuchs, die allerdings schon vor dem offiziellen Gründungsdatum aufgrund ihrer Schwangerschaft für Dr. Pymonte Platz machte, und Sen Pusterbalg, der kurze Zeit nach der offiziellen Gründung durch Yellow Pfeiffer ersetzt wurde. Die Rockband bestand ursprünglich auch aus den Mitgliedern mit den Bühnennamen Thomas der Münzer, der Morgenstern und die Lutter.

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Die steigenden Besucherzahlen, Druck vom damaligen Plattenlabel und das eigene Interesse brachten In Extremo schon im Jahr 1995 dazu, einen Versuch zu starten, Dudelsäcke mit Rockgitarren zu verbinden. Dafür wurde eine Rockgruppe dazugeholt, die moderne Instrumente wie Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre in die Akustikstücke integrierte.

Im August 1996 begannen die Arbeiten für das erste In-Extremo-Album, das bereits zwei Tracks des neuen Rockprogramms beinhaltete. Da das Album keinen offiziellen Namen hatte, wurde es wegen des goldenen Covers In Extremo Gold genannt. Erst bei der Wiederveröffentlichung im Jahr 2006 erhielt das Album später den offiziellen Namen Die Goldene. Ab Februar 1997 wurde es, ebenso wie die Single Der Galgen, in Eigenregie auf Mittelaltermärkten vertrieben.

In Extremo spielten weiter getrennt als Mittelalter- und als Rockformation, bis sie am 29. März 1997 ihr erstes gemeinsames Live-Rock-Konzert gaben; daher gibt die Band dieses Datum als Gründungsdatum an. 1998 wurde das zweite Mittelalter-Album Hameln veröffentlicht sowie das Mittelalter-Live-Album Die Verrückten sind in der Stadt.
1998–2000: Erste Jahre als Mittelalter-Rock-Band.

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Im Januar 1998 wurden die beiden Projekte offiziell zusammengelegt und am 11. April 1998 fand auf Burg Rabenstein in Brandenburg das erste In Extremo-Konzert in „großer Besetzung“ statt. Das Berliner Independent-Label Vielklang wurde daraufhin auf In Extremo aufmerksam, die Band unterschrieb ihren ersten Künstlervertrag und nahm zwei Monate nach ihrem letzten Studioaufenthalt in nur zwölf Tagen ihr Mittelalterrock-Debüt Weckt die Toten! auf. Das Album besteht hauptsächlich aus mittelalterlichen Liedern, die teilweise in mittelalterlichen Sprachen verfasst sind. Nur wenige Lieder wurden von In Extremo selbst geschrieben. Darauf folgte eine Tour in Deutschland, während die Leser des Magazins Rock Hard die Band zum „Newcomer des Jahres“ wählten.

Zum Jahreswechsel nahm man das nächste Album in Angriff. Im Frühjahr 1999 unterschrieben In Extremo beim Major-Label Mercury/Universal. Zum zweijährigen Geburtstagskonzert der Band erlitt der Frontmann Michael Robert Rhein alias „Das letzte Einhorn“ im Mannheimer Capitol schwerste Verbrennungen bei einer Feuerspuck-Showeinlage. Zwei Monate später betrat „Das letzte Einhorn“ auf dem Dynamo-Festival in Holland wieder die Bühne zum ersten Auslandskonzert der Band.

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Die Promo-CD, eine Cover-Version des The-Sisters-of-Mercy-Klassikers This Corrosion mit zugehöriger Videoclip-Premiere, läutete das folgende Album Verehrt und angespien ein. Überraschend erreichte das Album Platz 11 in den deutschen Charts. Nach der Veröffentlichung des letzten Albums ging In Extremo in Deutschland und im Ausland auf Tour. Der Gitarrist Thomas Mund alias Thomas der Münzer litt an schweren Depressionen, so dass er sich in eine Klinik einweisen ließ. Sein Nachfolger wurde Sebastian Oliver Lange alias Van Lange.

Mit der Veröffentlichung der Single Vollmond wurde das nächste Studioalbum Sünder ohne Zügel angekündigt, welches 2001 erschien. Erstmals erreichten In Extremo die Top Ten der deutschen Albumcharts und die Albumcharts von Österreich. Danach hatten In Extremo ihren ersten und einzigen virtuellen Auftritt in dem deutschen Erfolgscomputerspiel Gothic des deutschen Computerspieleentwicklers Piranha Bytes mit der Akustikversion des Lieds Herr Mannelig vom Album Verehrt und Angespien. In Extremo gaben daraufhin eine kleine Festival-Tournee, während der auch das Live-Video zur Promo Wind entstand. Bassist Lutter ließ sich einen Tag vor Beginn der Herbsttournee ins Krankenhaus einliefern und erhielt die Diagnose Darmkrebs. Die Tour wurde vorerst verschoben, später aber, mit dem Bassisten Toddy von der Band BOON, als Vertretung doch noch durchgeführt. Bei der nächsten Weihnachtstournee stand der Bassist Die Lutter wieder auf der Bühne. Die Band wurde für den ‘Echo’ in der Sparte ‘National NU Metal/ Alternative Rock’ nominiert, den aber Rammstein gewann. Daraufhin wurde die erste Live-DVD Live – 2002 veröffentlicht, welche Konzerte vom Kyffhäuser- und vom Taubertal-Festival enthielt. Parallel dazu wurde auch eine passende Live-CD sowie -DVD veröffentlicht. Für die DVD wurde der Band 2011 die Goldene Schallplatte verliehen.

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Das nächste und insgesamt siebte Studioalbum wurde 2003 unter dem Titel Sieben veröffentlicht. Es erreichte Platz 3 der deutschen, der schweizerischen und der österreichischen Albumcharts. Für das Album wurde der Band noch im selben Jahr die Goldene Schallplatte verliehen. Die Videos zu den Singles Küss mich und Erdbeermund wurden oft im Fernsehen gesendet. Die darauf folgende Tour war die bis dato erfolgreichste von In Extremo.

2005 wurde dann das nächste Studioalbum Mein rasend Herz mit der Single Nur ihr allein veröffentlicht, zu dem ein Musikvideo mit echten japanischen Touristen gedreht wurde. Im Video spielte auch Michael Robert Rheins Tochter Jaella mit. Das gleichnamige Album erreichte wie Sieben Platz 3 der deutschen, der schweizerischen und der österreichischen Album-Charts. Die nächste Tour war noch erfolgreicher und anschließend wurde die Single Horizont veröffentlicht. Die Band veröffentlichte eine Live-CD und -DVD von der Tournee mit dem Titel Raue Spree 2005; für die DVD wurde im Jahr 2007 eine Goldene Schallplatte vergeben.

Im Juni 2005 spielten In Extremo ein etwa einstündiges Set beim Vaya-con-Tioz-Festival auf dem Lausitzring, welches gleichzeitig das Abschiedskonzert der Band Böhse Onkelz war.

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Anfang 2006 spielte In Extremo erstmals in Russland. Im Februar waren In Extremo bei TV Total zu Gast, um die nächste Single Liam, ein Song vom letzten Album Mein rasend Herz, und die Teilnahme am Bundesvision Song Contest mit diesem Titel sowie die Live-DVD Raue Spree vorzustellen. Die DVD und die parallel veröffentlichte Doppel-CD verkauften sich sehr gut und das Video zur Single Liam war der Live-Mitschnitt von der letzten DVD. Beim Bundesvision Song Contest erreichte In Extremo für Thüringen den 3. Platz.

Später ging man wieder auf Tour, unter anderem auf dem Wacken Open Air (kurz W:O:A). Nach der Tour entschied sich In Extremo, die ersten beiden Studioalben In Extremo – Gold und Hameln unter den Namen Die Goldene 2006 und Hameln 2006 wiederzuveröffentlichen. Gleichzeitig wurde das Best of-Album Kein Blick zurück herausgebracht, welches neben von In Extremo neu eingespielten Liedern auch von den Fans ausgewählte sowie zwei bisher unveröffentlichte Lieder enthielt. Zudem wurde eine Limited-Edition-CD veröffentlicht. Auf dieser CD wurden bekannte In-Extremo-Lieder von anderen Bands und Musikern gecovert.

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Am 9. Mai 2008 wurde das neue Album Sængerkrieg veröffentlicht. Vorab erschien am 25. April 2008 die Single Frei zu sein, dessen Musikvideo eine Hommage an den Hollywood-Klassiker Einer flog über das Kuckucksnest ist. Mit dem Album Sængerkrieg (2008) kehrt In Extremo zu einem rockigen Stil zurück. Das Album erreichte als erstes Platz 1 der deutschen Charts und zusätzlich noch im Jahr 2010 die Verleihung einer goldenen Schallplatte. Im Sommer 2008 startete eine Tour unter dem Motto: Ius primae noctis – Das Recht der ersten Nacht, deren Auftrittsorte (unter anderen Merseburg, Creuzburg, Wasserschloss Klaffenbach) nach Angabe der Band vor allem im Hinblick auf ein stimmungsvolles Umfeld und die Publikumsreaktionen bei früheren Auftritten ausgewählt wurden. Am 31. Juli wurde ein Konzert in Bonn unverzögert im Internet übertragen.[1] Außerdem spielten In Extremo 2008 Konzerte in Österreich und Russland. Am 17. Oktober erschien die Single Neues Glück sowie am 28. Oktober das Akustikalbum Sængerkrieg Akustik Radio-Show, welches am 16. Oktober beim Radio Fritz Konzert aufgezeichnet und im Anschluss als CD veröffentlicht wurde. Im Dezember 2008 fand eine weitere Sængerkrieg-Tour statt, bei der die Band ihren Auftritt im Kölner Palladium aufzeichnete. Die zugehörige DVD mit dem Namen Am goldenen Rhein wurde am 15. Mai 2009 veröffentlicht.[2] Das Live-Album erreichte Platz 8, hielt sich insgesamt 12 Wochen in den Charts und errang im Jahr 2012 eine Platin-Schallplatte.

Im Februar 2010 verließ Der Morgenstern die Band wegen musikalischer Differenzen. Auf der folgenden sog. „Tranquilo“-Akustik-Tour sprang der Roadie Adrian Otto für ihn ein. Bei Rock im Park 2010 stellten In Extremo ihren neuen Schlagzeuger Specki T. D. (Florian Speckardt) vor, vormals Letzte Instanz.

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2010 spielten In Extremo ein 15-Jahre-Jubiläumsfestival in Erfurt mit Grüßaugust, Oomph!, Pothead, Fiddler’s Green, Korpiklaani und Ohrenfeindt als Vorbands. Während des Konzerts wurde die Band von Joey Kelly, In Extremo Gründungsmitglied Conny Fuchs und von Götz Alsmann unterstützt.

Am 25. Februar 2011 erschien das neue Album Sterneneisen, welches sich wie der Vorgänger auf dem ersten Platz der deutschen Album Charts platzieren und ebenfalls – im Jahr 2012 – eine goldene Schallplatte erringen konnte. Im April ging die Band auf große Sterneneisen-Tour quer durch Deutschland und Österreich und die Schweiz. Im November 2011 begab sich In Extremo auf große Europa-Tournee durch Russland, Ukraine, Tschechien, Slowakei, Niederlande, Portugal und Spanien. Im Dezember setzte die Gruppe ihre Sterneneisen-Tour mit einem zweiten Teil in den deutschsprachigen Ländern fort.

2012 spielten In Extremo u. a. auf dem 70000-Tons-of-Metal-Festival in der Karibik, auf dem Hellfest in Frankreich sowie als Headliner auf dem Metalfest. Weitere Konzerte gaben sie zudem in Italien, Tschechien, Deutschland (darunter das Wacken Open Air), Polen, Österreich, Ungarn, Kroatien und Mexiko.

Auf der Full Metal Cruise, dem Kreuzfahrt-Festival der Wacken-Open-Air-Veranstalter, gaben In Extremo am 19. Mai 2013 bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz bekannt, dass im September 2013 das neue Album Kunstraub erscheinen wird, im gleichen Atemzug folgte auch eine Tourbestätigung. Am 27. September 2013 wurde nach der Vorab-Single Feuertaufe das Album Kunstraub dann auch veröffentlicht. Eine dazugehörige gleichnamige Tour durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Frankreich, Tschechien und Luxemburg folgte dann von Ende Oktober bis Mitte Dezember. Das Jahr 2014 wurde durch die erste große Tour durch Russland und die Ukraine eröffnet (sechs Konzerte in Russland, zwei in der Ukraine), woraufhin die Festivalsaison folgte, unter anderem mit Rock am Ring, Rock im Park und dem Deichbrand Festival sowie 14 weiteren Festivals im In- und Ausland. Am 24. März 2014 sagte die Band aufgrund der unsicheren politischen Lage in der Ukraine die beiden geplanten Konzerte ab.

Nachdem In Extremo im Dezember 2014 eine Wintertour absolviert hatten und 2015 auf dem Wacken Open Air aufgetreten waren, führten sie am 4. und am 5. September 2015 auf der Freilichtbühne der Loreley zum 20-jährige Bestehen der Band ein Festival unter dem Namen 20 Wahre Jahre durch. Dabei waren als Gäste unter anderem: Schandmaul, Eisbrecher, Eluveitie, Fiddler’s Green, Die Krupps, Dritte Wahl, Russkaja, Omnia und Orphaned Land. Aus Anlass ihres Jubiläums veröffentlichte die Band am 4. September 2015 das Boxset 20 Wahre Jahre 1995–2015, das alle bis zu diesem Zeitpunkt erschienen Studio-Alben, das Album Die Verrückten sind in der Stadt, ein Raritäten-Album sowie das sonst unveröffentlichte Live-Album Tranquilo, einen nummerierten Kunstdruck und ein 60-seitiges Hardcoverbuch enthielt.

Am 24. Juni 2016 ist das Album Quid pro quo erschienen, das Platz 1 der deutschen Albumcharts belegte. Am 2. Dezember erschien das Livealbum Quid pro quo live, welches im Palladium in Köln aufgenommen wurde.

2017 spielte die Band als Vorgruppe von KISS. Am 15. September 2017 wurde das Best-Of-Album 40 wahre Lieder in mehreren Versionen veröffentlicht.

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Neben E-Gitarre, Bass und Schlagzeug zeichnen sich In Extremo durch – für eine Rockband – unkonventionelle Instrumente hauptsächlich mittelalterlicher Herkunft aus. Zu nennen sind Drehleier, Sackpfeife (ugs. Dudelsack), Schalmei, Nyckelharpa, Harfe, Cister, Trumscheit, Hackbrett, Tabla, Davul und Klangbaum.

Die Dudelsäcke wurden zum Teil selbst angefertigt (Dr. Pymonte), werden aber zum Teil auch von einem bekannten Sackpfeifenbauer gebaut. Selbstgebaut ist auch eine mit einer ganzen Pferdehaut bespannte Rahmentrommel, genannt „Das Pferd“. Die meisten anderen Instrumente werden nur noch von wenigen Instrumentenbauern gefertigt.
Texte
Viele Texte der ersten Alben und ein paar Texte der neueren Alben sind nicht von der Band selbst gedichtet, sondern stammen – wie die Instrumente – aus verschiedenen Regionen des europäischen Mittelalters (8. bis 15. Jahrhundert) und der frühen Neuzeit (bis 18. Jahrhundert). Daher sind sie in vielen verschiedenen Sprachen abgefasst, die von den Bandmitgliedern nicht alle beherrscht werden. Zu den Sprachen gehören Isländisch, Schwedisch (genauer Nysvenska), Alt-Französisch, Mittelhochdeutsch und Althochdeutsch, Latein, Hebräisch und viele weitere. Als bekanntester Verfasser einiger Texte ist der französische Dichter François Villon zu nennen (z. B. Rotes Haar oder Erdbeermund, in der deutschen Nachdichtung von Paul Zech). Aber auch Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe (Rattenfänger), Ludwig Uhland (Des Sängers Fluch – das In Extremo leicht veränderten und Spielmannsfluch nannten) und Frank Wedekind (Der Tantenmörder, von In Extremo in Albtraum umbenannt) sowie Texte aus dem mittelalterlichen Textbuch Carmina Burana wurden verwendet. Auf dem Album Mein rasend Herz haben In Extremo den selbstverfassten Text des Songs Liam erst auf Deutsch geschrieben und dann von Rea Garvey, der auch Gastsänger bei diesem Lied ist, ins Gälische übersetzen lassen. (Quelle: wikipedia)

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Und hier mal zum Einstieg in diese mir doch sehr fremde Welt ihr drittes Album:

Wenn eine Band wie IN EXTREMO ihr drittes Album vorlegt, das bekanntlich als das wichtigste gilt, weiß der Deibel warum, dann muß was Innovatives her. Und was gibt es an „Innovation“ auf dem Bereich des Mittelalter-Rocks? Richtig – SUBWAY TO SALLY haben es vorgemacht, IN EXTREMO ziehen nach: Moderne, hier in Form von moderneren Riffs und stellenweisem Einsatz von Elektronik. Innovativ ist das im übrigen nicht, im Gegenteil, es war vielmehr extrem vorhersehbar. Allerdings, schlecht ist das ebenfalls nicht, und so wich meine Skepsis bezüglich der ersten Klänge von „Sünder ohne Zügel“, dem „newmetallischen“ Riff von „Wind“, einer wohlwollenden Sympathie. „Weckt die Toten!“ war ein brilliantes Album, „Verehrt und Angespien“ wirkte ein wenig gelangweilt, einfallslos, und nun kommt „Sünder ohne Zügel“ zwar immer noch mit denselben Zutaten (wirklich verändert wurde am Konzept nämlich gar nichts), aber deutlich frischer daher. Songs wie das hymnische „Vollmond“ oder das ergreifende „Le ´or Chiyuchech“ sind spannend, und mit „Der Rattenfänger“ hat man zudem noch eine ausgezeichnete Mitsingnummer am Start, die bar aller moderner Stilmittel daherkommt und einfach nur Spaß macht.

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Auch der zweite Teil der „Merseburger Zaubersprüche“ ist gelungen. Woran das liegt? Nun, offenbar bringt der neue Gitarrist „Der Lange“ neue Einflüsse in die Band, sei es in den Harmonien oder bei den Riffs, welche nicht mehr so stumpf wirken wie noch bei einigen Songs des letzten Albums („In Extremo“ z.B.). Dies steht der Band gut zu Gesicht, und so wäre dies eigentlich ein wirklich gutes Album – wären da nicht stellenweise diese Momente, in denen man nur an die Skip-Taste denkt, beispielsweise Songs wie das lahme „Krummavisur“ oder „Nature nous semont“, die im Grunde nur biedere Rockmusik, aufgepeppt mit Dudelsäcken, bieten. Und eine Art BÖHSE ONKELZ mit Dudelsack braucht nun wirklich niemand – dafür aber sicherlich Songs wie die mitreißende Ballade „Die Gier“, bei der IN EXTREMO beweisen, daß sie auch wirklich gefühlvolle Songs schmieden können. Zwar wird das Album schwach beschlossen, aber dank einiger wirklich großer Lieder kann ich hier bedenkenlos von einem guten Album sprechen. Der Hype um die Band ist trotzdem unsinnig und muß wohl als gute Promotion verstanden werden, um ihn zu ertragen. Sei´s drum. Textlich griffen IN EXTREMO diesmal übrigens wieder viel auf alte Texte zurück, dafür wurde der Großteil der Musik von der Band selbst komponiert. Eine beachtliche Leistung. (Andreas Holz)

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Nun … für meinen Geschmack ist dieser eigentlich interessante Ansatz der Band auf diesemAlbum gründlich in die Hosen gegangen. Betrachtet man sic mal, die durchaus imposante Zahl von unterschiedlichen Instrumenten, über die die Musiker verfügen und hört man sich dann mal den heavy-Soundbrei ein … wünscht man sich auf der Stelle ein wesentlich differenzierteres Klangbild.

Statt dessen wird alles durch die übermächtige und verzerrte E-Gitare niedergeknüppelt, was sich ihr in den Weg stellt. Schade eigentlich. Und da hilfe es auch nichts mehr dass man aus „Carminia Burana“ zitiert und selbst der olle Goethe zu Wort kommt.

Von daher ist dieses Album wirklich nur was für hartgesottene … ich hab´ nun das Gefühl, ich bin ganz blöd im Kopf und das Heavy-Metal-Gewichse und dieser Mittelalter Hokuspokus geht mir nun ganz gewaltig auf den Senkel.

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Besetzung:
Sebastian Oliver „Der Lange“ Lange (guitar)
Kay „Die Lutter“ Lutter (bass, trumscheid)
Boris „Yellow Pfeiffer“ Pfeiffer (bagpipes, c-sack, schawm, flute, nyckelharpa)
Michael Robert „Das letzte Einhorn“ Rhein (vocals, arp, cyster)
Florian „Specki T.D.“ Speckardt (drums, percussion)
André „Dr. Pymonte“ Strugala  (bagpipes, shawn, flute, harp)
Marco Ernst-Felix „Flex der Biegsame“ Zorzytzky (bagpipes, d-sack, shawn, flute)
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Philipp Groth (synthesizer, programming)

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Titel:
01. Wind (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 4.25
02. Krummavísur (Traditional/Thoroddsen) 3.49
03. Lebensbeichte (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 4.40
04. Merseburger Zaubersprüche II (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 4.22
05. Stetit Puella (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 4.05
06. Vollmond (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky/Kay) 4.01
07. Die Gier (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 3.47
08. Omnia Sol Temperat (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 4.14
09. Le’Or Chiyuchech (Neemann) 3.11
10. Der Rattenfänger (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky/Goethe) 4.14
11. Óskasteinar (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky)/ Halldórsdóttir) 3.24
12. Nature Nous Semont (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky/ Beaumont) 4.32
13. Unter dem Meer (Lange/Lutter/Pfeiffer/Rhein/Speckardt/Strugala/ Zorzytzky) 5.12

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