Susan Weinert Band – Crunch Time (1994)

FrontCover1.jpgKommt ja auch nicht alle Tage vor, dass einem hier ne versierte Jazz-Rock Gitaristin über den Weg läuft:

Susan Weinert (* 24. Juni 1965 in Neunkirchen (Saar)) ist eine deutsche Jazzgitarristin, Komponistin und Produzentin.

Susan Weinert geht in ihrer Geburtsstadt zur Schule und durchläuft im Anschluss eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Nach Erlernen des Gitarrenspiels als Kind und Jugendliche zeichnet sich jedoch bereits in den 1980er-Jahren eine professionelle Laufbahn als Jazz-Musikerin ab. Susan Weinert nimmt Unterricht bei den Jazzmusikern David Liebman, Richie Beirach sowie den Gitarristen John Abercrombie und Mike Stern. Außer der musikalischen Prägung durch ihre Lehrer hat sie sich von Gitarristen wie Pat Metheny, Scott Henderson und Allan Holdsworth, aber auch von traditionellen Jazzmusikern wie Charlie Parker, Miles Davis, Wes Montgomery oder Sonny Rollins beeinflussen lassen.
Wirken
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Susan Weinert erhält Einladungen als Gitarristin in die Band Steps Ahead von Mike Mainieri sowie zu Bandprojekten des Bassisten Jimmy Earl oder des Keyboarders Michael Ruff.

SusanWeinert01.jpg1985 gründet sie mit ihrem Mann Martin Weinert als Bassisten und dem Kölner Schlagzeuger Hardy Fischötter die Susan Weinert Band. Werden in der Anfangsphase überwiegend Fremdkompositionen gespielt, beginnt Susan Weinert 1990 eigene Kompositionen zu schreiben. Bereits mit der Veröffentlichung ihrer ersten CD Mysterious Stories 1992 spielt die Band nur noch Stücke aus der Feder Susan Weinerts. Die Musik der Susan Weinert Band bewegt sich im Spannungsfeld von Jazz, Rock und Funk und lässt improvisatorischen Freiraum für jeden einzelnen Musiker. Der Sound der ersten CD wird beeinflusst durch die Verwendung eines über die E-Gitarre angesteuerten Synthesizers. Auf der zweiten CD Crunch Time aus dem Jahr 1994 wird das Trio durch den Keyboarder Oliver Heuss verstärkt, dessen Spiel jedoch fast ausschließlich begleitenden Charakter hat. Insgesamt ist die Gangart im Vergleich zur ersten Veröffentlichung etwas härter und rockiger. Im Gegensatz dazu wird das Klangbild der dritten Veröffentlichung The Bottom Line (1996) deutlich ruhiger und wärmer, was hauptsächlich dem Pianospiel von Rachel Z geschuldet ist. Einen etwas jazzigeren Sound liefert die darauffolgende CD Point Of View aus dem Jahr 1999, die eine Tendenz zum Einsatz akustischer Instrumente erkennen lässt. Ausnahme bildet lediglich die E-Gitarre der Bandleaderin. Da Susan Weinert mit etwas größerer Besetzung experimentieren möchte, war ursprünglich der Einsatz einer Bläser-Gruppe aus Saxofon und Trompete geplant. Nachdem sie jedoch den Sänger Michael Schiefel kennenlernte, wurde die Trompetenstimme durch dessen menschliche Stimme ersetzt. Den Saxofon- und Klavierpart übernahmen die beiden Franzosen Pierre Bertrand und Jean-Yves Jung.

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Nach dem Wechsel der Plattenfirma von VeraBra Records beziehungsweise von dem zur Schott Music Group gehörenden Label Intuition zu Skip Records wurden 2002 die erste Live-CD der Susan Weinert Band und die erste akustische Duo-Aufnahme (Synergy) zusammen mit ihrem Mann Martin Weinert am Kontrabass veröffentlicht. Sie spielte dabei eine akustische Gitarre mit Nylonsaiten, die ihr die deutschen Instrumentenbauer Albert & Müller individuell angefertigt hatten.

2004 gründeten Susan Weinert und ihr Mann das eigene Musiklabel Tough Tone Records, auf dem die Mini-CD Coming Out sowie die CD Running Out Of Time veröffentlicht wurden. Auf letztgenannter CD stieß der saarländische Sänger Francesco Cottone zum Trio, der erstmals die Musik Susan Weinerts mit englischen Texten versah. Dessen Stimme verstärkte 2006 auch die nächste akustische Veröffentlichung Dancing On The Water. 2007 erschien mit Tomorrow’s Dream eine akustische Aufnahme in Duobesetzung. 2010 folgte mit Thought & Memories ein akustisches Album in Trio-Besetzung zusammen mit dem Percussionisten David Kuckhermann.

SusanWeinert03.jpgDurch das Zusammentreffen mit dem Philosophen und Psychotherapeuten Dr. Mathias Jung entstand die Idee zu der 2012 entstandenen CD „Die Liebe – eine Himmelmacht“. Auf dieser CD wurden 18 Liebesgedichte vertont. Danach folgte 2015 die Veröffentlichung der CD Fjord mit unterschiedlichen Musiker aus Deutschland, Polen, und Norwegen wie z. B. der Sängerin Torun Eriksen, dem Pianisten Leszek Możdżer, der Pianistin Julia Hülsmann, dem Saxophonisten Andrzej Olejniczak..u.a.

Sowohl mit dem Band- als auch mit dem aktuellen Duoprojekt ist Susan Weinert aktiv. Sie hat Konzert- und Festivalauftritte in Deutschland und Europa. Eine kleinere Konzerttournee machte sie mit ihrer Band in den USA. Einladungen des deutschen Goethe-Instituts verschafften ihr Auftritte in Afrika und in Asien.

2018 war Susan Weinert mit ihrem Susan Weinert Rainbow Trio mit dem jungen Pianisten Sebastian Voltz unterwegs, um ihre 13. CD Veröffentlichung unter dem Titel Beyond The Rainbow vorzustellen. Die Live-Aufnahmen dazu entstanden anlässlich eines Konzertes im Juli 2018 im Rahmen der Studio-Konzert-Reihe in den Bauer Studios in Ludwigsburg. Das Mixing des Albums übernahm Gérard de Haro im Studio La Buissonne in der Nähe von Avignon in Südfrankreich. Parallel dazu tritt Susan Weinert bei Festivals in speziellen Projekten in Erscheinung, so z. B. mit den polnischen Musikern Leszek Możdżer und Adam Bałdych sowie der deutschen Pianistin Julia Hülsmann.

Weinert gibt auch Workshops für Nachwuchsmusiker. (Quelle: wikipedia)

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Hier ihr zweites Solo-Album (veröffentlicht auf dem rührigen VeraBra Label; die hatten damals u.a. auch die großartige Saxophonistin Barbara Thompson im Programm !) Man packte die CD  als Gimmick – in eine blaue Jewel Case Hülle.

Gitarristin Susan Weinert und ihre Jungs haben den Jazz-Rock in den Fingern. Mit konsequenten Schlägen treibt Hardy Fischötter die Band an, und knochentrocken zieht Martin Weinert auf dem dunkel und knackig eingestellten Elektrobaß mit. Oliver Heuss unterlegt Keyboard-Klänge und schafft damit eine wohlige Umgebung für die dominante Gitarre der Bandleaderin. Diese wiederum greift feurig, harsch und aggressiv in die Saiten und entwickelt eine in der sonst eher betulichen deutschen Jazz-Rock-Landschaft einzigartige Spielpower. (Audio)

Technisch auf hohen, höchstem Niveau zelebriert sie mit ihrer hervorragend besetzten Band High Energy Jazz-Rock und kann dabei ein ums andere Mal ihre scvhon damals ausgereifte Klasse beweisen.

Andererseits ist diese Musik – wie bei vielen anderen Musikern dieses Genres – doch gelegentlich ehrkalt, wenn nicht gar seelenlos … Mir scheint, die Demonstration technischer Fähigkeiten stand eher im Vordergrund als die emotionale Tiefe, die Musik vermitteln kann.

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Besetzung:
Hardy Fischötter (drums)
Oliver Heuss (keyboards)
Martin Weinert (bass)
Susan Weinert (guitar)

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Titel:
01. Don’t Try That Again 5.03
02. Hopeless Case 6.21
03. Don’t You Guys Know Any Nice Songs? 3.19
04. One For George 6.11
05. Members Of The Syndicate 3.52
06. The Crown 4.29
07. He Knows 3.59
08. Pacific Palisades 5.13
09. Maybe 7.25
10 Guess Who Called 0.48

Music composed by Susan Weinert

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Front + Back Cover im blauen Jewel Case

Brainstorm – Smile A While (1972)

FrontCover1Also, das Cover von diesem Debütlabum ist ja nun wirklich grottenschlecht … Gott sei dank, kann man das von der Musik nun wahrlich sagen:

Brainstorm ist eine aus der Region Baden-Baden stammende Jazz-Rock-Band.

1968 gründete Roland Schaeffer zusammen mit Eddy von Overheidt, Rainer Bodensohn, Joachim Koinzer, Helmut Rusch und Jürgen Argast die Rock-Formation Fashion Pink. Nach dem Ausscheiden von Rusch und Argast benannte man sich 1972 in Brainstorm um.

Das Repertoire der Formation reichte von Progressive Rock bis zum experimentellen Jazz-Rock. Brainstorm hatte zahlreiche Live-, Rundfunk- und Fernsehauftritte und war weit über die Grenzen Baden-Badens bekannt. Ihren humoristischen Jazz-Rock könnte man als eine Mischung aus Frank Zappa und Canterbury Sound bezeichnen.

Die Band existierte von 1972 bis 1975 und gab 2 LPs (Smile a while 1972 und Second smile 1973) heraus. Postum erschien mit „Bremen 1973“ der Mitschnitt eines Konzertes am 23. Juni 1973 in der TH Bremen, außerdem noch der eines Auftritts von 1974 unter dem Titel Last smile. (Quelle: wikipedia)

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Brainstorm waren eine Jazzrock-Combo aus dem angeblich recht schönen Baden-Baden, die aus der Band Fashion Pink entstand. Deren Bandname war zwar von Pink Floyd abgeleitet, musikalisch hatten Fashion Pink allerdings nicht einmal ansatzweise etwas mit Floyd zu tun. Ihre Palette reichte vielmehr von jazzigem, verspieltem Rhythm&Blues bis hin zu vertracktem Jazzrock mit klarem Übergewicht auf der jazzigen Seite. Dieser jazzige Stil wurde auch von Brainstorm übernommen, die sich immerhin einen Status erarbeiten konnten, der ausreichte, um ein Album aufzunehmen. Dem sollten dann sogar noch zwei weitere folgen.

Stilistisch ist die Musik wie bereits erwähnt auf teils eher frickeligem und aggressivem, teilweise aber auch locker dahinfließendem Jazzrock aufgebaut. Das erinnert massiv an die jazzige Phase der Canterbury-Combo Soft Machine so um deren viertes Album herum. Dabei drängen die abwechslungsreichen Soli, bei denen eine Vielzahl von Instrumenten zum Einsatz kommt, trotz aller Virtuosität nie aufdringlich in den Vordergrund. Dafür scheinen Brainstorm gelegentlich einem Prinzip zu folgen, dem zu Folge nur auf Primzahlen beruhende Takte wirklich guten Musikgenuss versprechen. Die Zugänglichkeit leidet dann auch manchmal unter diesem Element, dafür bleibt die Musik auch langfristig interessant. Für einen Rockfan wird Smile a While jedenfalls nicht als Jazzrock, sondern eher als Jazz durchgehen. Das Ganze nimmt sich irgendwie absolut nicht ernst, wie auch die Songtitel recht gut belegen. Gesungen wird gelegentlich auch, und zwar in englisch, allerdings sollte man von den Texten nicht wirklich etwas erwarten. Bei all dem fehlt allerdings eines: das sozusagen typisch spacige Element, mit dem die deutsche progressive Musik der Zeit eigentlich immer in Verbindung gebracht wird.

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Angenehm dürfte sicherlich die Laufzeit des Albums auffallen. Diese resultiert daraus, dass die sechs Stücke des eigentlichen Albums ergänzt werden durch einige live aus dem Radio aufgenommene Stücke der Band Fashion Pink aus dem Jahre 1971 und zwei weitere Bonustracks ohne genauere Herkunftsangaben. Die Fashion Pink-Stücke rutschen auch mal Richtung Blues ab, was aber absolut nicht stört.

Fazit: Smile a While ist eine rundum absolut gelungene Scheibe, die Fans des Jazzrock- und der Canterbury-Szene absolut überzeugen dürfte. Solche Leute sollten sich auch vom kultig-hässlichen Cover nicht abschrecken lassen, dass die Herren in enganliegender Damenunterwäsche zeigt. Wer sich sonst eher für „klassischen“ Prog interessiert und mal in die jazzige Ecke reinfühlen möchte, greife lieber zu etwas einfacherem. (Jochen Lohr)

Ergänzen mag ich noch, dass auch hier – wie so oft bei „progressiven“ deutschen Bands dieser Epoche – der Gesang nicht immer meisterlich ist (so z.B. bei „Snakeskin Tango“) und von daher die rein instrumentalen Passagen deutlich mehr überzeugen. Und da waren Brainstorm wirklich ganz große Klasse !

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Besetzung:
Rainer Bodensohn (flute, bass)
Joe Koinzer (drums, percusion)
Eddy van Overheidt (keyboards, vocals)
Roland Schaeffer (saxophone, clarinet, bass, guitar, vocals)
+
Harold Wagner (bass bei 07. – 09.)

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Titel:
01.  Das Schwein trügt (Schaeffer/v. Overheidt) 4.40
02.  Zwick Zwick (Schaeffer)  4.40
03. Watch Time Flow By (Schaeffer/v. Overheidt) 1.29
04. Bosco Biati Weib alles 8.59
04.1. Bosco Biati (Schaeffer)
04.2. Weib (Koinzer)
04.3. Alles (Schaeffer/v. Overheidt)
05. Snakeskin Tango (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer) 2.19
06. Smile A While 15.34
06.1. Intro (Bodensohn/Schaeffer)
06.2. Brainstorm (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer)
06.3. These (v. Overheidt)
06.4. Antithese (Schaeffer)
06.5. Morning Tune (Bodensohn)
06.6. Smile A While (Schaeffer/v. Overheidt/Sobelman)
07. You Are What’s Gonna Make It Last (Schaeffer/Sobelman) 3.30
08. Don’t Forget (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer) 0.25
+
09. Thesen & Antithesen (Schaeffer/v. Overheidt) 14.00
10. Einzug der Elefanten (Schaeffer/Bodensohn) 4.08
11. You knock me out (Schaeffer) 3.02

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Peter Herbolzheimer Rhythm Combination & Brass – Live im Onkel Pö (1975)

FrontCover1.jpgUnd wieder mal so ein Musiker, so ein Album aus der Kategorie “ … hätte ich schon längst hier mal präsentieren müssen“:

Peter Alexander Herbolzheimer (* 31. Dezember 1935 in Bukarest, Rumänien; † 27. März 2010 in Köln) war ein deutscher Jazz-Posaunist und Bandleader.

Peter Herbolzheimer kam als Sohn eines deutschen Vaters und einer rumänischen Mutter in Bukarest zur Welt. 1951 zog seine Familie nach Deutschland. Herbolzheimer lernte Gitarre und verbrachte vier Jahre in den USA, zunächst als Austauschschüler, später war er für General Motors in Detroit als technischer Zeichner tätig und gab nebenbei Gitarrenunterricht. 1956 kehrte er nach Deutschland zurück.

Nach einem Musikstudium in Nürnberg spielte er als Posaunist in verschiedenen Jazz-Formationen, unter anderem mit Udo Lindenberg in der 1969 gegründeten Formation Free Orbit. Lange Jahre gehörte er als Posaunist auch zum Orchester von Bert Kaempfert – zusammen mit Jazz-Größen wie Jiggs Whigham und Herb Geller, die er in seine Big Band, die 1969 gegründete Rhythm Combination & Brass, holte. In dieser Gruppe stand die Rhythmusgruppe (mit zwei Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Perkussion) den acht Bläsern (Allan Botschinsky, Dusko Goykovich, Palle Mikkelborg, Art Farmer, Herbolzheimer, Jiggs Whigham, Rudi Fuesers, Joe Gallardo usw.) gleichwertig gegenüber, während der Saxophonsatz meist auf einen einzigen Bläser (Herb Geller oder Heinz von Hermann, später Ferdinand Povel) reduziert war.

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Die Konzentration auf Blech ohne einen Saxophonsatz ermöglichte starke Kontraste zwischen präzisem Satz und solistischem Freiraum. Mit dieser Band trat er häufig in Funk und Fernsehen auf, unter anderem in Bio’s Bahnhof. Zunächst stand seine Musik für die Rhythm Combination & Brass eher dem Jazzrock nahe (und erschloss mit ihrer Verbindung von Latin, Straight-ahead-Jazz und Rock neue Hörerschichten). Später spielte er mit der Band auch andere Klangfarben und ein klassisches Big-Band-Repertoire.

Herbolzheimer arrangierte im Auftrag des Orchesterleiters Kurt Edelhagen mit Dieter Reith und Jerry van Rooyen die Einzugsmusik der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Von 1972 bis 1988 war Herbolzheimer immer wieder für die Bläsersätze in Udo Lindenbergs Panikorchester zuständig und spielte dort auch selbst Posaune.

Peter Herbolzheimer war in den 70erJahren festes, bestelltes Mitglied (Bass-Posaune) im Orchester von Bert Kaempfert (alle Aufnahmen im Polydor-Studio Hamburg 1970 – 1979 und auf Tourneen).

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Seit seiner Gründung im Jahr 1987 leitete Peter Herbolzheimer das Bundesjazzorchester mit großem Engagement bis Ende des Jahres 2006. Er war bis Ende 2006 erster Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ), die ihren Sitz in Bonn hat – und blieb bis zu seinem Tod Ehrenpräsident.

Neben seiner Tätigkeit als Bigband-Leiter war er einer der wohl besten deutschen Jazz-Arrangeure und schrieb auch für Herbie Hancock und Konstantin Wecker. Zur Eröffnung des Hauses der Geschichte arrangierte er 1994 das Deutschlandlied, die DDR-Hymne und die Europahymne zusammen in einem Stück.[2] Herbolzheimer war auch als Filmkomponist, etwa für Das Traumhaus (1980), Abgehauen (1998) und die Fernsehserie So lebten sie alle Tage (1984), tätig. Seinen eigenen Verlag betrieb er mit seiner Frau Gisela (3. September 1936 – 30. Mai 2017). Konzertreisen führten ihn quer durch Europa sowie nach Südafrika.

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Quincy Jones, Paul Kuhn & Peter Herbolzheimer

Herbolzheimer wurde für seine Arrangements zur Einmarschmusik der Olympischen Spiele 1972 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1974 gewann er den vom Fürstentum Monaco ausgeschriebenen Wettbewerb für Jazzkomponisten. Für sein Lebenswerk erhielt er 1998 den Frankfurter Musikpreis und 2001 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. 2007 erhielt er den Lehrer-Welsch-Sprachpreis. (Quelle: wikipedia)

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Peter Herbolzheimer, 1975

Und zum Einstieg in diese großartige Welt des Peter Herbolzheimer sein legendäres Live-Album aus dem nicht minder legendären Onkel Pö in Hamburg, eingespielt mit seinem international „Rhythm Combination & Brass“ Ensemble.

Heidewitzka (woher auch immer dieser Ausruf stammen mag) …. das nenn´ ich Jazz-Rock/Big Band Jazz vom Feinsten. Das Prädikat „zeitlos“ ist diesem Album gewiss !!!

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Alternatives Front + Back Cover

Besetzung:
Benny Bailey (trumpet)
Otto Bredl (trombone)
Todd Canedy (drums)
Rudi Fuesers (trombone)
Peter Herbolzheimer (trombone)
Sabu Martinez (percussion)
Palle Mikkelborg (trumpet)
Horst Mühlbradt (piano, clavinet, percussion)
Vincent Nilsson (trombone)
Ferdinand Povel (saxophone, flute)
Dieter Reith (keyboards, synthesizer)
Ack van Rooyen (trumpet
Ron Simmonds (trumpet)
Bo Stief (bass)
James Towsey (saxophone, flute)
+
Heinz Hobermann (trumpet bei 03.)
Jiggs Whigham (trombone bei 03.)

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Titel:
01. Corean Chick (Herbolzheimer) 5.34
02. P.M. (Herbolzheimer) 6.33
03. That’s Live (v.Rooyen) 5.55
04. The Catfish (Herbolzheimer) 6.48
05. Head-Egg (Reith) 5.46
06. Peyotl (Mühlbradt) 4.54

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Aera – The Bavarian Radio (BR) Recordings Vol. 2, 1977-1979 (2010)

FrontCover1Und hier Teil 2 der Live-Aufnahmen dieser großartigen Jazz-Rock Band aus Band, die mit Klaus Kreuzeder einen Ausnahmemusiker mit an Bord hatten:

Wie der Titel des 2010 veröffentlichten Archivalbums mit einem Radiokonzert von Aera aus dem Jahre 1975 (siehe „The Bavarian Radio recordings vol. 1, 1975“) schon vermuten lässt, gibt es dazu eine Schwester-CD. „The Bavarian Radio recordings vol. 2“ bietet drei verschiedene Aufnahmen, die im Zeitraum 1977-1979 entstanden sind und von einer ganz anderen Aera-Besetzung eingespielt wurden. Im Frühjahr 1977 hatte nämlich der Bandgründer, Leadgitarrist und Hauptkomponist Muck Groh Aera verlassen. Danach löste sich die Band im Grunde auf.

Klaus Kreuzeder, seit Anfang 1973 bei Aera, hielt das Projekt aber am Leben und rekrutierte neue Musiker, die zum großen Teil mehr oder weniger direkt von Missus Beastly kamen (Freddy Setz, Matz Steinke und Lutz Oldemeier). Die bayrisch-fränkische Jazzrockszene war in der zweiten Hälfte der 70er Jahre und Anfang der 80er überhaupt ziemlich promiskuitiv. Zwischen den Bands Embryo, Missus Beastly, Munju und eben Aera wechselten die Musiker jedenfalls häufig hin und her.

Zwei Konzertmitschnitte, oder Teile derselben (die Stücke der Auftritte, die vom Bayrischen Rundfunk dann auch gesendet wurden und deshalb im Archiv aufbewahrt wurden), sind auf „The Bavarian Radio recordings vol. 2, 1977-1979“ zu finden, aufgenommen am 17.11.1977 in Ungarn (die Tracks 1 und 2) bzw. am 20.03.1979 in Münnerstadt (die Tracks 3-5). Die letzten vier Nummern stammen von einer Radiosession vom Mai 1979. Der Klang des Ganzen ist durchweg exzellent.

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Zu hören ist hier die Besetzung, die auch das Studioalbum „Türkis“ eingespielt hat, von dem auch einige der Nummern stammen. Ein lockerer, leicht funkiger Jazzrock wird hier geboten, wie er eben für die oben schon umrissene süddeutsche Jazzrockszene der späten 70er typisch war. Munju und Missus Beastly, teilweise auch Embryo (wenn sie sich nicht gerade in weltmusikalischen Gefilden aufhielten) haben damals recht ähnliche Musik gemacht, wie auch dutzende andere weniger bekannte und heute fast schon wieder vergessene Formationen (wie z.B. die Real Ax Band, Moira, Sunburst oder Snowball).

Aera01Wie Kollege Thomas schon in seiner Rezension zu „Türkis“ feststellt, ist diese Musik zwar gut gemacht und virtuos vorgetragen, doch fehlt es dem Ganzen doch ein wenig an Kanten und Schmackes. Das kann man auch auf die hier zu findende Musik übertragen. Live wird diese zwar etwas rotziger und druckvoller vorgetragen, doch so richtig packen kann diese Musik nicht. In spieltechnischer Hinsicht gibt es natürlich nichts zu bemängeln. Vor allem Mats Steinkes Bassspiel ist hervorragend, der auch die meisten Stücke hier komponiert hat. Sein langes Solo in der Liveversion von „Draculas Frühstück“ ist sicher der Höhepunkt des Albums, was auch für eben jenes Stück gilt. Die am Ende des Albums zu findende Studioversion ist im Vergleich dazu deutlich unspannender ausgefallen. Ansonsten bestimmt Kreuzeder mit Sax und Flöte das Geschehen. Von Freddy Setz‘ Tasten ist nicht übermäßig viel zu hören, doch wirft auch er ab und zu (sehr prominent z.B. in „Rypdals Letzter Schrei“) ausladendere Soli ein. Erwähnenswert ist noch die doppelt besetzte Schlagwerkabteilung, die bisweilen ausgesprochen abwechslungsreich und druckvoll zu Gange ist.

„The Bavarian Radio recordings vol. 2“ ist ein unterhaltsames Album mit recht zeittypischem germanischen Jazzrock der späten 70er. Das ist alles toll gespielt und leidlich schwungvoll vorgetragen. So richtig spannend und mitreißend ist das nicht (bis auf ein paar Stellen der schon erwähnten Liveversion von „Draculas Frühstück“), flutscht aber recht gut durch die Gehörgänge. Wer die Musik von Aera und der anderen weiter oben erwähnten verwandten Bands schätzt und mehr davon möchte, der macht mit dieser Scheibe keinen Fehlkauf. Etwas packender als das Studioalbum „Türkis“ ist das hier Gebotene zudem auch! (Achim Breilling)

Und da widerspreche ich mal meinem Vorredner: Dieses Album ist so richtig spannend und mitreißend … eine Perle des deutschen Jazz-Rocks !

Liveaufnahme 17.11.1977, Nagykanizsa, Ungarn (01. + 02.)
Liveaufnahme 20.03.1979, Münnerstadt
Liveaufnahme 02.05.1979 im Studio Franken (Studio 1), Nürnberg, (08. – 09.)

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Besetzung:
Klaus Kreuzeder (saxophone, lyricon, flute)
Helmut Meier-Limberg (percussion, drums bei 06.)
Lutz Oldemeier (drums, guitar bei 06.)
Freddy Setz (organ, bass, percussion bei 06.)
Matz Steinke (bass)

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Titel:
01. Figerlink (Groh) 5.30
02. Hoffmanns – Tropfen (Richter)  6.30
03. Fetzenotto (Oldemeier) 5.50
04. You Need Some Speed (Steinke) 9.20
05. Dracula’s Frühstück (Steinke) 16.53
06. Rypdal’s letzter Schrei (Setz) 3.43
07. Rückwärts auf die Null (Steinke) 8:40
08. Annettchen (Steinke) 2.18
09. Dracula’s Frühstück (Steinke) 10.00

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Stefan Diestelmann – My Lights (1994)

FrontCover1.jpgFür mich war und ist er einer der begnadeste Bluesmusiker aus der DDR … und ein Mensch mit verdammt vielen Brüchen wohl auch, weil er ein Wanderer zwischen zwei Welten war …

In München geboren, prägte Stefan Diestelmann die Bluesszene in der DDR in den 70er- und 80er-Jahren wie kaum ein Zweiter. Sein Erfolg und seine deutlichen Worte machten ihm dort allerdings nicht nur Freunde.

„Wenn ich Blues spiele, geht es mir um zwei Dinge: Zum einen will ich den Blues als eigene Musik der schwarzen Bevölkerung Amerikas zu uns reinholen, zum anderen übertrage ich den Blues, versuche ihn mit unseren Problemen zu prägen und ihm mein europäisches Empfinden zu geben.“

Als Stefan Diestelmann diesen Satz sagt, lebt er bereits wieder in München. Hinter ihm liegen 23 Jahre DDR – und jede Menge Reibereien mit der Obrigkeit. Der Blueser und seine Musik haben die Machthaber dort zunehmend in Aufruhr versetzt. Eine Konfrontation mit Ansage.

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Jürgen Kerth + Stefan Diestelmann

Schwerer kann der Weg für einen 12-jährigen Jungen aus Bayern kaum beginnen: 1961, kurz nach dem Bau der Mauer, verlassen die Diestelmanns die BRD und siedeln aus beruflichen Gründen – Vater und Mutter sind Schauspieler und arbeiten beim DDR-Filmunternehmen DEFA – in den Osten um. Stefan beschäftigt sich intensiv mit dem Blues und bringt sich das Spielen von Gitarre und Mundharmonika bei. Auf diesem Weg findet er erste Bestätigung in seinem neuen sozialen Umfeld. Dabei profitieren er und viele andere Jugendlichen in der DDR von der Entscheidung der regierenden SED, den Blues als Musik der schwarzen Arbeiter Amerikas zu unterstützen und kulturell zu fördern. So kommt 1964 erstmals das American Folk Blues Festival ins Land und mit ihm schwarze Szene-Größen wie Lightnin’ Hopkins, Hubert Sumlin oder Howlin’ Wolf. Die Resonanz ist riesig, schnell entsteht aus der Begeisterung für die Originale eine eigene Szene. Die Jugendlichen bewundern den Blues vor allem für seine Echtheit und Ursprünglichkeit, im Freiheitskampf der Afroamerikaner sehen sie dazu offenkundige Parallelen zu ihrem eigenen Ringen. Stefan Diestelmann ist mittendrin. Schön früh bezeichnet er die DDR als das modernste Gefängnis der Welt, 1967 wird er wegen „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Stefan Diestelmann mit Alexis Korner

Musikalisch geht es für ihn in dieser Zeit nur langsam bergauf. Seine Vorliebe für authentischen, akustischen Blues teilen nur wenige seiner Kollegen, erst mit der Gründung der Stefan Diestelmann Folk Blues Band 1977 kann er seine Präferenzen ausleben und auf der Bühne umsetzen. Sein Handwerk hat er im Lauf der Jahre perfektioniert, seine Coverversionen von Blues-Klassikern wie „Stormy Monday Blues“ oder „Key to the Highway“ begeistern die Fans, auch wenn sie auf einiges Gewohntes verzichten müssen: Komplett ohne Schlagzeug und E-Gitarre serviert die Band urwüchsigen Blues im Stil der alten Meister. Einen von ihnen trifft Diestelmann bei den Aufnahmen zur Debüt-LP seiner Band höchst selbst: Für Memphis Slim komponiert er ein Stück, gemeinsam mit ihm interpretiert er dazu dessen Song „Rockin’ The House“. Die Staatsmacht beäugt das Treiben der Blueser mittlerweile kritisch. Die langhaarigen und häufig bärtigen Fans mit ihrem Hippie-artigen Erscheinungsbild weit abseits der von der Partei gewünschten Konformität sind ihr zunehmend ein Dorn im Auge, Diestelmann gilt ihnen als Aufrührer. Einer, der 200.000 Platten verkauft.

Stefan Diestelmann03Der Konflikt verschärft sich mit der zweiten LP „Hofmusik“. Diestelmann verzichtet hier auf Coverversionen und singt erstmals deutsch. Seine Texte schmecken der Staatsmacht nicht, Songs wie „Der Alte und die Kneipe“ oder „Hof vom Prenzlauer Berg“ zeichnen ein trist-reales DDR-Bild, das dem sozialistischen Selbstverständnis zutiefst widerspricht. Auch sein Auftritt bei einer der von der SED massiv bekämpften Blues-Messen in der Ostberliner Auferstehungskirche im Jahr 1980 trägt zur Eskalation bei. Schikane und Auftrittsverbote sind die Folge. Diestelmann trifft eine Entscheidung. Als er 1984 ohne Band zu einem Konzert nach Hildesheim reisen darf, vollendet er seine Republikflucht und kehrt als 35-Jähriger nach Bayern zurück. Sein Entschluss bleibt nicht ohne Folgen: In der DDR wird sein bereits auf Kassette ausgeliefertes drittes Album „Folk, Blues & Boogie“ aus dem Verkehr gezogen. Diestelmann hingegen bleibt noch ein Jahrzehnt musikalisch aktiv, ehe er sich von der Musik verabschiedet und eine Filmfirma gründet. Er stirbt zurückgezogen im Jahr 2007 – so zurückgezogen, dass der Tod eines der prägendsten Musiker der DDR-Bluesszene erst vier Jahre darauf publik wird. (Chris Hauke)

Und dann quasi als eines der letzten musikalischem Lebenszeichen die skurrile Zusammenstellung, Querschnitt seines Schaffens zwischen den Jahren 1978 – 1994.

Skurril auch deshalb, weil man hier seine Ausflüge in den Jazz-Rock hören kann, diese Ausflüge unternahm er gemeinsam mit einem_Roykey Wydh, seines Zeichens ein schräger Pradiesvogel der deutschen Musikszene:

Roykey Wydh

Roykey Wydh

Roykey Wydh (* 22. August 1955 auf Aruba; † 9. Dezember 2017 in München)[1] war ein niederländischer Musiker der Stilrichtungen Weltmusik, Jazz, Reggae, Roots und Ragga. In den letzten Jahren war er auch als Roykey Creo aufgetreten. (Quelle: wikipedia)

Da hören wir dann ganz überraschende Klänge wie z.B. „Gadd Away“

Aber seine intensiven Bluessongs wie z.B. „Blues And Trouble“ sind dann doch überzeugender. Und solistische fallen dann insbesondere auch die vielen grandiosen Saxophon-Solos auf …

Und der zynische „Tantchen’s Boogie“ spricht Bände …

Und man spürt hier ein um das andre Mal das enorme Potential … von dem sich Diestelmann damals verabschiedete um die „Diestelfilm“ zu gründen, um dann wiederum endgültig in der Versenkung zu verschwinden.

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Screenshot der website der Firma „Diestelfim“, 2004 (längst offline)

da stelle man sich einfach mal so vor … Da stirbt einer der profiliertesten Bluesmusiker aus deutschen Landen … und man bekommt das erst vier Jahre später mit … Viel trauriger geht gar nicht.

Und wenn ich mir vorstelle, dass ich quasi viele, viele Jahre bei ihm um die Ecke gearbeitet habe und auch nichts wusste …

Und dann fragt man sich noch, welche Dödel das völlig bescheuerte Cover konzipiert hat … Das könnte man getrost für ProgRock oder elektronische Aufnahme nutzen, aber doch bitte nicht für ein Bluesalbum !

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Aber … auch das gehörte wohl zu dem Stefan Diestelmann:

Diestelmann war menschlich gesehen ein großes Arschloch! Als er schon im Westen war, hat er seinen Keyboarder bei Vai Hu Thomas Abendroth (später „Onkel Tom“) überredet, auch nach dem Westen zu gehen und in seiner Band zu spielen. „Mein Haus ist auch Dein Haus“ hat er zu ihm gesagt. Als Tommy Abendroth dann per Ausreiseantrag in München angelangt war, hat Diestelmann ihn total abblitzen lassen! Von wegen „mein Haus ist auch Dein Haus“… Er könnte ja bei ihm mitspielen, aber ohne Gage! Ich weiß, was ich schreibe- Tommy Abendroth ist mein Schwager und er hat sehr darunter gelitten! Er hatte seine Band „Onkel Tom“ hier aufgegeben, um im Westen wieder mit Distelmann zu spielen… Obwohl er ein genialer Musiker ist, macht er seitdem keine Musik mehr. Die Enttäuschung über diesen „Freund“ war einfach zu groß! (Wilfried Woigk)

Die Geschichte des Stefan Diestelmann ist hier noch längst nicht auserzählt … gleiches gilt für die Blues-Szene in der DDR (ich sag da nur Jürgen Kerth & Co.). Warum auch immer … ich empfinde eine gewisse Scheu, mich diesem für mich eigentlich wichtigem Thema anzunähern …

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Besetzung:
Matthew Arnold (drums, percussion bei 01., 02., 04. + 12.)
Steve Arnold (bass bei 02., 04. + 12.)
René Decker (saxophone bei 06. – 08, + 10.)
Igor Flach (harmonica bei 01. + 13.)
Manfred Henning (keyboards, synthesizer bei 06. – 08, + 10.)
Andy Wieczorek (saxophone, oboe bei 02., 04. + 12.)
Roykey Wydh (guitar, synthesizer, bass, drumcomputer, percussion bei 06. – 08. + 10.)

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Titel:
01. Another Man Done Gone (Traditional/Diestelmann) (1993) 5.10
02. Blues And Trouble (Diestelmann/Hughes) (1985) 6.45
03. Gadd Away (Diestelmann) (1994) 3.57
04. Der Alte und die Kneipe (Diestelmann) (1980) 5.29
05. Tantchen’s Boogie (Diestelmann) (1994) 2.59
06. Erste Begegnung (Diestelmann) (1994) 4.30
07. Kneipenleben (Diestelmann) (1990) 4.59
08. Zwiegespräch (Diestelmann) (1990) 4.39
09. Rückblick (Diestelmann) (1984) 6.02
10. Auf ein Wort noch (Diestelmann) (1990) 5.32
11. Latin Moves (Diestelmann) (1994) 4.06
12. John Henry (Diestelmann/Traditional) (1993) 7.48
13. Reichsbahn Blues – Partout (Diestelmann) (1978) 6.09

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Stefan Diestelmann01

Stefan Diestelmann (* 29. Januar 1949 in München; † 27. März 2007 in Tutzing)

Und hier das vermutliche letzte Interview mit Stefan Diestelmann, aufgenommen auf dem Ammersee in Oberbayern:

Aera -The Bavarian Radio (BR) Recordings Vol. 1, 1975 (2010)

FrontCover1Er war ein großartiger Musiker und Mensch: Klaus Kreuzeder … Deshalb mal eine Rückbesinnung auf seine frühen Jahre, als er mit der Jazz-Rock Gruppe „Aera“ gnadenlos gute Musik fabrizierte:

Ins Leben gerufen wurde die „Musikgruppe AERA“ von Muck Groh (g) (Ex-„…ihre Kinder“) bereits Anfang September 1972. Damals bestand die Band, die damals noch den bezeichnenden Namen „NAME“ trug, aus sechs Musikern aus drei Ländern:
Muck Groh Gründer & Gitarrist – Deutschland
Heinz Schmitt Gitarre – Deutschland
Davy Crocket Bass – England
Steve Robinson Orgel – Deutschland
(richtiger Name: Reiner Geyer) (vorher bei 2066 AND THEN)
Martin Roscoe Schlagzeug – England
(vorher bei 2066 AND THEN und NINE DAYS WONDER )
Ditch Cassidy Vokal – Irland

In dieser Besetzung wurde im Oktober 1972 eine Irlandtournee absolviert, die einen Monat dauerte.
Am Ende dieser Tour stieg Ditch Cassidy aus und blieb in seiner Heimat.

Kurz danach verließ auch Davy Crocket die Band, tauchte auf der LP von MIDNIGHT CIRCUS auf und ging zur Sekte “Jesus People“. Dies geschah Ende 1972.
Darauf folgte eine schwere Zeit von dauernden Musikerwechseln. In dieser Zeit spielten unter anderem:

Peter Malinowski am Bass
Carsten Bohn am Schlagzeug von FRUMPY
Karl Mutschlechner am Bass aus Österreich von NINE DAYS WONDER
Sidhatta „Dada“ Gautama Schwitzki Schlagzeug aus Indonesien
Paolo Grobben am Bass aus Holland
Dieter Bauer am Bass von 2066 AND THEN

Aera1973

AERA (1973) von links nach rechts:
Steve Robinson, Paolo Grobben, Klaus Kreuzeder (vorne),
Sidhatta Gautama, Muck Groh

Im November 1973 geschah in Höchstadt ein schwerer Autounfall bei dem der Sidhatta und Paolo verletzt wurden. Paolo müsste mit schweren Verletzungen für 4 Monate ins Krankenhaus.Steve Robinson hatte dann die Idee zu einem neuen Bandnamen , schlug ihn Muck Groh vor und damit war AERA geboren.
1973 stieß Klaus Kreuzeder (sax), von „Ex Ovo Pro“ kommend, dazu. Man zog sich in ein altes Herrenhaus in Mechelwind bei Erlangen zurück, weil man erkannt hatte, daß die menschlichen Grundlagen genauso wichtig sind wie die musikalischen. Es bildete sich eine Kommune, die zum harten Kern von AERA wurde.

Dies war der Moment in dem sich Dieter Bauer endgültig entschied bei AERA fest einzusteigen.
Im Dezember 1973 verließen Dada und Steve Robinson AERA und gingen zu NINE DAYS WONDER.
Über Anzeigen in Sounds + Riebe’s Fachblatt meldete sich Wolfgang Teske und schloss sich der Band an.
Im Dezember 1974 wurde der legendäre Musikgruppe AERA-Bus von den Nürnberger Symphonikern gekauft.

Wie wichtig den Musikern die menschliche Seite war, drückte sich schon im Titel der ersten LP aus, die am 8., 9. und 10. November 1974 im Tonstudio Hiltpoltstein von der Gruppe selbst produziert wurde: „AERA Humanum Est“
Zu dieser Zeit bestand die Gruppe neben Groh und Kreuzeder aus Wolfgang Teske (dr), Dieter Bauer (bg) und zeitweise Peter Malinowsky (bg).
Nach der nächsten Umbesetzung entstand vom 14. bis 18. September 1976 die zweite Platte „Hand und Fuß“ mit Groh, Kreuzeder, Malinowski (jetzt mit „i“ am Ende), Christoph Krieger (vi) und Lucky Schmidt (dr) von der Erlanger Band „Wind“ wieder im Tonstudio Hiltpoltstein. Als Gast spielte Onkel Latzi Bariton-Sax + Oboe.

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Der große Erfolg kam dann nach einer nochmaligen Umbesetzung, aus der die Konstellation mit drei(!) Schlagzeugern hervorging. In der Besetzung Lutz Oldemeier (dr u.a.) (ehemals MISSUS BEASTLY), Freddy Setz (dr u.a.), Helmut Meier-Limberg (perc), Matz Steinke (bg) und Klaus Kreuzeder (sax, Lyrikon) erhielt AERA im November 1978 beim Nachwuchswettbewerb der Deutschen Phono-Akademie in München den ersten Preis im Bereich Jazz, für den sich etwa 80 Gruppen beworben hatten.
Im selben Jahr gab es dann in gleicher Besetzung (mit den Gästen Muck Groh (g), Locko Richter (bg) und Achim Gieseler (keyb)) die dritte Platte „Türkis“.

AeraIm November 1979 wurde in der Besetzung Klaus Kreuzeder, Helmut Meier-Limberg, Lutz Oldemeier, Locko Richter, Freddy Setz und Roman Bunka von „Embryo“ an der Gitarre die LP „Live“ aufgenommen, die dann im April 1980 erschien. Für diese Platte wurden Konzerte in Kiel, Isselhorst, Herford, Berlin und Hamburg mitgeschnitten.
Im gleichen Monat noch verließ Roman Bunka wieder die Band um wieder zu EMBRYO zurückzukehren und dann im darauffolgenden Jahr zusammen mit Freddy Setz und Gerald Luciano Hartwig von EMBRYO die LP „Dein Kopf ist ein schlafendes Auto“ aufzunehmen.

AERA spielten dann in der Besetzung Kreuzeder, Helmut und Ulrich Meier-Limberg, Peter Kühmstedt (Ex-GURU GURU) (bs) und Toni Danner (vorher Mitglied der Gruppen von Joachim Kühn, Toto Blanke, Jasper van’t Hoof und der Band CYKLUS) (dr). (Selbstdarstellung der Band)

Auch wenn auf dieser hervorragenden Liveaufnahme (ursprünglich ein Konzertmitschnitt des BayerischenRundfunks) der Gitarrist Muck Groh für alle Kompositionen verantwortlich ist, ein Klaus Kreuzeder hat einen entscheidenden Anteil daran, dass wir hier exquisiten Jazz-Rock der Spitzenklasse hören können/dürfen.

Der musikalische Lebensweg von Klaus Kreuzeder hatte dann noch etliche spannende Wendungen und Begegnungen zu bieten … Und auch davon wird in diesem blog wieder zu lesen sein.

Jetzt aber erstmal dieser musikalischer Leckerbissen, den man einfach nur genießen kann.

Eine Live-Aufnahme aus der St. Georg Kirche Freising (bei München), aufgezeichnet vom Bayerischen Rundfunk … Musik, die für meine Ohren zeitlos ist !

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Besetzung:

Dieter Bauer (bass)
Muck Groh (guitar)
Klaus Kreuzeder (saxophone, flute)
Wolfgang Teske (drums, percussion)

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Titel:
01. Papa Doing / Kyrie  8.05
02. Tagträume / Gloria  6.15
03. Hodibbel / Credo  6.22
04. Sax-Solo / Sanctus  2.28
05. Simaelarity / Agnus Dei 8.41
06. Jonas schläft / Frühling 5.22
07. Demmerawäng / Sommer 10.28
08. Mechelwind / Herbst  12.04
09. Sechs/Achtel / Winter 15.51

Alle Kompisitionen: Muck Groh

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KlausKreuzeder

Klaus Kreuzeder (* 4. April 1950 in Forchheim; † 3. November 2014 in München)

Peter Wolf Objective Truth Orchestra – André Heller Poetic Sound – Music For Lovers And Loosers (1975)

FrontCover1.JPGWenn man sich in so einer gedämpften Stimmung wegen einem Trauerfall in der Familien befindet, dann kmmt so eine Scheibe gerade recht …

Der Peter Wolf war ja in den frühen Jahren der verlässigliche  musikalische Partner an der Seite von André Heller und so erklärt er sich wohl auch, dass er auf die Idee kam, dieses ganz spezielle „André Heller“  aufzunehmen.

Speziell deshalb, weil dieses Album zwar den Heller im Titel hat, ab er kein irekt aktiver Heller beteiligt war:

Die Musik dieser LP aus 1978 stammt von Peter Wolf (einigen bekannt als Musiker bei Frank Zappa, oder von seinen frühen Krautrocktagen bei Gipsy Love – wo er zusammen mit Richard Schönherz spielte, dem späteren Rigoni-Partner der Rock-Oper Victor). In Teilen wurde sie von André Heller betextet und war Bestandteil dessen LPs „Bei Lebendigem Leib“ und „Neue Lieder“. Hier jedoch kommen sie als Instrumentals und André Heller ist überhaupt nicht an der LP beteiligt, außer als Namensgeber „André Heller poetic sound“ – ein Name, der auch heute noch zuverlässig verhindert die Platte als das zu entdecken, was sie tatsächlich ist: ein phantastisches Stück Krautrock-Geschichte mit einem Peter Wolf in toller Jazzrocklaune. (krautlounge)

Auch nicht ganz richtig, zumindest wenn man nun glaubt, den hoch energetischen Jazz-Rock jener Zeit zu hören.

Nein, ganz bestimmt nicht … viel eher sind hier die leisen Töne angesagt und mdie sind dann so geschmackvoll arrangiert, dass dieses Album in der Tat mehr als bemerkenswert ist.

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Peter Wolf

Besetzung:
Joris Dudly 8percussion)
Kurt Hauenstein (bass)
Costa Lucas (guitar)
Harry Sokal (saxophone, flute)
Jano Stoika (drums, percussion)
Peter Wolf (piano, synthesizer, clavinet, percussion)

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Titel:
01. Weit, Weit, Weit (Schönherz/Rigoni) 3.33
02. Was mir der Dichter Luis Rosalez in etwa erzählte (Schönherz/Rigoni) 3.37
03. Wenn i amal stirb (Traditional) 1.35
04. Anna (Schönherz/Rigoni) 4.35
05. Tribut To A Poet (Dedicated To André Heller) (Wolf) 6.26
06. Wer bin ich eigentlich (Schönherz/Rigoni) 2.50
07. Sei Poet (Schönherz/Rigoni) 3.03
08. Damals (Heller) 2.56
09. System (Schönherz/Rigoni) 2.41
10. Ugly New York (Heller) 3.55
11. Abschied (Schönherz/Rigoni) 4.04

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