Olaf Kübler – So war’s – voll daneben (2006)

FrontCover1Der Olaf Kübler . ein Unikum und mehr als das …

Wenn es sowas wie personifizierte Rockmusik-Geschichte in Deutschland gibt, dann ist Olaf Kübler auf jeden Fall eine ihrer markantesten Nasen.
In seiner musikalischen Laufbahn als Saxophonspieler und Produzent (für United Artists) hatte der ursprüngliche Jazzer mit Namen wie Amon Düül, Doldingers Passport, Udo Lindenberg, Eberhard Schöner samt seinen damaligen Schützlingen The Police, Marius Müller-Westernhagen, Cans Jaki Liebezeit oder Paul Millns zu tun. Es kreuzten aber mehr oder weniger heftig seinen Weg auch King Elvis, Ike Turner, Stefan Remmler von Trio, der leibhaftige ‚Bodo Ballermann‘ oder der schräge Münchner ‚Isarindianer‘ Willy Michl. Und Kübler war nicht nur dabei, sondern mittendrin, wenn es in der Hochzeit des Sex & Drugs & Rock’n’Rolls rund ging!
Mittlerweile längst diesen Niederungen entkommen, spielt der fast 70-jährige Kübler heute wieder Jazz. Allerdings hat er seine Erinnerungen an die wilden Jahre für die Nachwelt festgehalten. Zunächst als Buch (demnächst hier in RockTimes) und dann auch auf CD, die vor einem Jahr herauskam. Da auf dem deutschen Jazz-Label ACT veröffentlicht, blieb dieses Werk der Rockwelt bisher wohl weitestgehend verborgen.

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Höchste Zeit, diesen absolut unterhaltsamen Abriss über die Rockszene in Deutschland nun ausgiebig und gebührend vorzustellen und sie allen Fans wärmstens ans Herz zu legen!
Kübler ist ein glänzender, amüsanter und charmanter Plauderer, der gekonnt cool, aber pointiert, mit sonorer Stimme im korrekten Preußen-Deutsch seine Stories erzählt. Die haben es in sich, er nennt Namen und Orte und nimmt kein Blatt vor den Mund, was damals Sache war.
Das Ganze ist musikalisch ansprechend aufgepeppt, dafür hat sein langjähriger Mitstreiter Wolfgang Schmid als Komponist und Produzent gesorgt. Gemeinsam haben sie die Instrumente für die Begleitung eingespielt. Wohl aus Autorenlesungen stammen die meisten Textaufnahmen Küblers samt Publikumsreaktionen, die Schmid dafür ausgewählt und gesampelt hat. Teilweise mit Loops akzentuiert, rhythmisch angepasst und kombiniert mit den dazu gehörigen Sounds, wird daraus ein rockendes Hörbuch. So, wie wenn Lou Reed eine 50-minütige Monsterversion mit Variationen von „Walk On The Wild Side“ auf deutsch lässig raushauen würde.

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Ansonsten wird die Geschichte von leichtem Ambient-Jazz über messerscharfen R’n’R, Indianer-Stomp, Psychedelic Rock, Phillysound-Gedudel bis zu sattem Funk umspült, was bestens dazu passt und mordsmäßig groovt. Dazwischen tauchen bekannte Songs auf, die Kübler mit seiner früheren Gruppe, der Olaf Stiletti Band, eingespielt hat. Zum runden Gelingen haben noch einige Gastmusiker beigetragen, die z.T. für amüsante O-Töne sorgten. Zwar werden einige Stücke etwas abrupt ausgeblendet, aber insgesamt ist das eine abgedrehte Mischung aus Text und Musik. Der Soundtrack zu den wilden spätsechziger, siebziger und achtziger Jahren der Rockmusik in Deutschland (und darüber hinaus).
Neben Stories um die großen Namen und deren hartes Dasein im Showbiz gibt’s auch einiges an Lokalkolorit mit den kaputten Typen aus der Szene, vom internationalen Tourleben und auch vom heimatnahen, das oft nicht minder ’strange‘ war. Oder Skurriles aus zugekifften Hirnen und da sei ihm auch der zeitliche Lapsus mit Phallus Dei und Herrn Wojtyla verziehen. So interessant die Erzählungen beispielsweise vom Oberkokser Ike Turner oder Elvis aus deren verschiedenen Karrierestationen sind, getoppt werden sie jedoch alle von „Willy Michl und der Hirsch“. Was da eines Nachts auf dem Heimweg von einem Gig im Oberbayrischen passiert ist, das hätte sich ein Tom Sharpe oder ein Eckhard Henscheid auch nicht irrer ausdenken können. Vergesst die ganzen Comedy-Heinis – das ist der echte Stoff zum Ausflippen!
Fazit: Olaf Küblers „So War’s – Voll Daneben !“ ist eine Kultscheibe aus erster Hand. Daneben verblassen sämtliche Rock-Lexika und -Biografien, populär- und strengwissenschaftlichen Aufarbeitungen sowie Repräsentativ-Musiksampler samt deren Oberdurchblickern zur banalen Statistik. Der pure Rock’n’Roll in Wort und Sound (und von dem bisschen Jazz am Anfang braucht sich niemand zu fürchten). Wer den authentischen Wind voller Shit und Irrsinn jener Jahrzehnte spüren und sich dabei noch köstlich amüsieren will, der muss sich schleunigst „So War’s – Voll Daneben !“ reinziehen!
Das affenstarke Cover-Bild ist übrigens von Wigald Boning. (Norbert Neugebauer)

Oder auch: Olaf Kübler: Der komplette Wahnsinn .. wer´s nicht glaubt, sollte in dieses Album hineinhören !

Wolfgang Schmid

Besetzung:
Olaf Kübler (story teller + saxophones)
Wolfgang Schmid (bass + all other instruments)
+
Die Olaf Stiletti Band (bei 93., 07. 09. + 16.)
Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn
Dr. Lonnie Smith
Baldur Bockhoff, + Die Menzinger Chorknaben (bei 14.)

BackCover

Titel:
01. So war’s (Schmid/Kübler) 4.04
02. Elvis in Butzbach (Schmid/Kübler) 3.22
03. Jim Dandy (Lincoln/Chase) 1.97
04. Willy Michl und der Hirsch (Schmid/Kübler) 1.07
05. Gifteln in Kronwinkl (Schmid/Kübler) 3.28
06. Die 35 Gramm Woche (Schmid/Kübler) 1.03
07. Papa Was A Rolling Stone (Barrett/Whitfield) 1.04
08. Ike Turner (Schmid/Kübler) 4.20
09. Livin‘ For The City (Wonder) 1.21
10. Paranoia (Schmid/Kübler) 1.11
11. Moskau (Schmid/Kübler) 8.53
12. Das Bein blieb stehn (Schmid/Kübler) 2.32
13. Krüppel-Henry (Schmid/Kübler) 4.08
14. Das interplanetarische ‚A‘ (Schmid/Kübler) 4.29
15. Epilog (Schmid/Kübler) 1.58
16. It’s Only Rock’n Roll (Jagger/Richards) 2.00

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James Last – Hair (1969)

FrontCover1Und jetzt vergessen wir einfach mal alle unsere kollektiven Vorurteile gegen dem James „Hans“ Last und lauschen dieser LP.

Der James ließ ja kaum irgendeiner Musikrichtung aus, um sie seinem perfekten Sound zu „unterwerfen“.

Und der Begriff „perfekter Sound“ passt selten so gut, wie für diese LP,

Denn was wir hier hören wir perfekter Jazz-Rock im Sound jener Jahre. Mehr als einmal bildete ich mir ein, Herbie Mann zu hören … Stichwort „Memphis Underground“.

Die Melodien von dem Musical „Hair“ kennt wohl fast jeder (‚Stichwort: kollektives Bewusstsein), aber wie der James Last diese dann auf diesem Instrumental-Album interpretierte, ist aller Ehre wert.

Oder aber auch:

Funk-, Psych- and Groove-Record of the famous Hippie-Musical – one the best James Last LPs ever!!! (musicandarts.de)

Erwähnt sei noch, dass auf diesem Album der legendäre deutsche Bassist Benny Bendorff (ex- The Tonics) seinen Einstand im James Last Ensemble gab. Er blieb dabei bis in das Jahr 2002,  Am 29. März 2016 ist er dann im Alter von 69 Jahren verstorben.

BackCover

Besetzung:
James Last Band

USFront+BackCover

Titel:
01. Aquarius 3.15
02. Frank Mills 2.04
03. Colored Spade 1.52
04. Ain’t Got No 2.54
05. Good Morning Starshine 5.36
06. Hare Krishna 3.33
07. Let The Sunshine In 2:27
08. Walking In Space 3.28
09. Easy To Be Hard 1.58
10. Where Do I Go 3.55
11. Hair 4.18

Musik komponiert von

 

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MC2

AlternateFront+BackCoverCover

Alternatives Front + Back Cover

Hüllentext

Glatter Wahnsinn – Glatter Wahnsinn (1980)

FrontCover1jpgVon einem gewissem Bernd Strohm war hier schon mal die Rede und zwar hier.

Bernd Strohm wurde durch die Musik der Beatles zu seinen ersten musikalischen Gehversuchen angeregt. Schon in den späten 70ern sorgte der aus Duisburg stammende Gitarrist mit seiner Band GLATTER WAHNSINN, einer experimentierfreudigen Jazz-Rock Combo für Aufsehen.

Ca. 1978 gründete er dann diese Gruppe mit dem Namen „Glatter Wahnsinn“  und nahm dann gleich an dem POP ’78 – Nachwuchs Festival“ (ausgerichtet von der Deutschen Phono-Akademie)  und ist auf dem gleichnamigen Sampler mit dem Stück „T.A.F.“ zu hören.

Das damalige Quartett (Bern Strohm, Michael Strohm, Georg Mahr und Rainer Mackenthun) wurde dann verändert und erweitert. Für Mackenthun kam Waldo Karpenkiel und zusätzlich kam dann noch Klaus Dapper hinzu.

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Beide hatten bereits 1973 zusammen in der herausragenden Band Kollektiv gespielt, wirkten bei Peter Bursch (mit und ohne Bröselmaschine) mit und sollten später dann noch in der Jazz-Rock-Bigband Supersession weitermachen. (Heinz Geilich)

Und man kann ohne Übertreibung sagen, dass seine virtuosen, technisch perfekt inszenierten Improvisationen schon damals zum Besten gehörten, was die deutsche Musikszene zu bieten hatte.

Leider war dieser Formation kein langes Leben gegönnt. Nachdem Bernd Strohm sein Musikstudium beendete arbeitete er in den 80ern u.a. mit Klaus Doldinger und Supersession. Nach zahlreichen Gigs im In- und Ausland entdeckte der bis dato hauptsächlich auf der E-Gitarre tätige Musiker in den 90er Jahren seine Liebe zur Akustikgitarre.

Wir hören hier also das Erstlingswerk von Bernd Strohm. Das Album ist damals vermutlich wie Blei in den Verkaufs – Regalen gelegen. An der furiosen Musik, die dem Jazz-Rock jener Jahre huldigt kann es nicht gelegen haben, aber wenn ich mir das verunglückte  Cover anschaue, wundert mich der mangelnde Erfolg dieses Albums nicht mehr.

Aber 2009 kam es dann zu einem kurzfristigem Revival … und zwar mit Bernd Strohm (guitar), Klaus Dapper (saxophone, flute), Thomas Bettermann (keyboards), Waldo Karpenkiel (drums) und Stefan Rademacher (bass). Mehr davon kann man sich dann in dem interessantem Video von „Jazzrock TV“ anschauen.  In diesem Video gibt Bernd Strohm auch Auskunft über seinen musikalischen Werdegang.

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Bernd Strohm und Stefan Rademacher, 2009

Hier aber der Blick zurück … in das Jahr 1980 … und wie gesagt: Feinster Jazz-Rock.

Und von dem Bernd Strohm wird hier noch öfters die Rede sein … Mittlerweile lebt er wohl überwiegend von seiner Tätigkeit als Gitarrenlehrer.

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Besetzung:
Daniel Basanta (percussion)
Klaus Dapper (saxophone, flute)
Waldo Karpenkiel (drums, percussion)
Georg Mahr (keyboards, synthesizer)
Michael Strohm (guitar, bass)

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Titel:
01. Surprise 5:52
A2 Samba La Bamba 6:26
A3 Solo Für Landvogt 6:13
A4 Hallo Ollie 2:25
B1 Skateboard 4:34
B2 Kristallei (Crystal-Egg) 6:15
B3 Taff 6:00
B4 Unelectrified Guitarist 2:02

Musik: Bernd Strohm

Labels

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Susan Weinert Band – Crunch Time (1994)

FrontCover1.jpgKommt ja auch nicht alle Tage vor, dass einem hier ne versierte Jazz-Rock Gitaristin über den Weg läuft:

Susan Weinert (* 24. Juni 1965 in Neunkirchen (Saar)) ist eine deutsche Jazzgitarristin, Komponistin und Produzentin.

Susan Weinert geht in ihrer Geburtsstadt zur Schule und durchläuft im Anschluss eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Nach Erlernen des Gitarrenspiels als Kind und Jugendliche zeichnet sich jedoch bereits in den 1980er-Jahren eine professionelle Laufbahn als Jazz-Musikerin ab. Susan Weinert nimmt Unterricht bei den Jazzmusikern David Liebman, Richie Beirach sowie den Gitarristen John Abercrombie und Mike Stern. Außer der musikalischen Prägung durch ihre Lehrer hat sie sich von Gitarristen wie Pat Metheny, Scott Henderson und Allan Holdsworth, aber auch von traditionellen Jazzmusikern wie Charlie Parker, Miles Davis, Wes Montgomery oder Sonny Rollins beeinflussen lassen.
Wirken
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Susan Weinert erhält Einladungen als Gitarristin in die Band Steps Ahead von Mike Mainieri sowie zu Bandprojekten des Bassisten Jimmy Earl oder des Keyboarders Michael Ruff.

SusanWeinert01.jpg1985 gründet sie mit ihrem Mann Martin Weinert als Bassisten und dem Kölner Schlagzeuger Hardy Fischötter die Susan Weinert Band. Werden in der Anfangsphase überwiegend Fremdkompositionen gespielt, beginnt Susan Weinert 1990 eigene Kompositionen zu schreiben. Bereits mit der Veröffentlichung ihrer ersten CD Mysterious Stories 1992 spielt die Band nur noch Stücke aus der Feder Susan Weinerts. Die Musik der Susan Weinert Band bewegt sich im Spannungsfeld von Jazz, Rock und Funk und lässt improvisatorischen Freiraum für jeden einzelnen Musiker. Der Sound der ersten CD wird beeinflusst durch die Verwendung eines über die E-Gitarre angesteuerten Synthesizers. Auf der zweiten CD Crunch Time aus dem Jahr 1994 wird das Trio durch den Keyboarder Oliver Heuss verstärkt, dessen Spiel jedoch fast ausschließlich begleitenden Charakter hat. Insgesamt ist die Gangart im Vergleich zur ersten Veröffentlichung etwas härter und rockiger. Im Gegensatz dazu wird das Klangbild der dritten Veröffentlichung The Bottom Line (1996) deutlich ruhiger und wärmer, was hauptsächlich dem Pianospiel von Rachel Z geschuldet ist. Einen etwas jazzigeren Sound liefert die darauffolgende CD Point Of View aus dem Jahr 1999, die eine Tendenz zum Einsatz akustischer Instrumente erkennen lässt. Ausnahme bildet lediglich die E-Gitarre der Bandleaderin. Da Susan Weinert mit etwas größerer Besetzung experimentieren möchte, war ursprünglich der Einsatz einer Bläser-Gruppe aus Saxofon und Trompete geplant. Nachdem sie jedoch den Sänger Michael Schiefel kennenlernte, wurde die Trompetenstimme durch dessen menschliche Stimme ersetzt. Den Saxofon- und Klavierpart übernahmen die beiden Franzosen Pierre Bertrand und Jean-Yves Jung.

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Nach dem Wechsel der Plattenfirma von VeraBra Records beziehungsweise von dem zur Schott Music Group gehörenden Label Intuition zu Skip Records wurden 2002 die erste Live-CD der Susan Weinert Band und die erste akustische Duo-Aufnahme (Synergy) zusammen mit ihrem Mann Martin Weinert am Kontrabass veröffentlicht. Sie spielte dabei eine akustische Gitarre mit Nylonsaiten, die ihr die deutschen Instrumentenbauer Albert & Müller individuell angefertigt hatten.

2004 gründeten Susan Weinert und ihr Mann das eigene Musiklabel Tough Tone Records, auf dem die Mini-CD Coming Out sowie die CD Running Out Of Time veröffentlicht wurden. Auf letztgenannter CD stieß der saarländische Sänger Francesco Cottone zum Trio, der erstmals die Musik Susan Weinerts mit englischen Texten versah. Dessen Stimme verstärkte 2006 auch die nächste akustische Veröffentlichung Dancing On The Water. 2007 erschien mit Tomorrow’s Dream eine akustische Aufnahme in Duobesetzung. 2010 folgte mit Thought & Memories ein akustisches Album in Trio-Besetzung zusammen mit dem Percussionisten David Kuckhermann.

SusanWeinert03.jpgDurch das Zusammentreffen mit dem Philosophen und Psychotherapeuten Dr. Mathias Jung entstand die Idee zu der 2012 entstandenen CD „Die Liebe – eine Himmelmacht“. Auf dieser CD wurden 18 Liebesgedichte vertont. Danach folgte 2015 die Veröffentlichung der CD Fjord mit unterschiedlichen Musiker aus Deutschland, Polen, und Norwegen wie z. B. der Sängerin Torun Eriksen, dem Pianisten Leszek Możdżer, der Pianistin Julia Hülsmann, dem Saxophonisten Andrzej Olejniczak..u.a.

Sowohl mit dem Band- als auch mit dem aktuellen Duoprojekt ist Susan Weinert aktiv. Sie hat Konzert- und Festivalauftritte in Deutschland und Europa. Eine kleinere Konzerttournee machte sie mit ihrer Band in den USA. Einladungen des deutschen Goethe-Instituts verschafften ihr Auftritte in Afrika und in Asien.

2018 war Susan Weinert mit ihrem Susan Weinert Rainbow Trio mit dem jungen Pianisten Sebastian Voltz unterwegs, um ihre 13. CD Veröffentlichung unter dem Titel Beyond The Rainbow vorzustellen. Die Live-Aufnahmen dazu entstanden anlässlich eines Konzertes im Juli 2018 im Rahmen der Studio-Konzert-Reihe in den Bauer Studios in Ludwigsburg. Das Mixing des Albums übernahm Gérard de Haro im Studio La Buissonne in der Nähe von Avignon in Südfrankreich. Parallel dazu tritt Susan Weinert bei Festivals in speziellen Projekten in Erscheinung, so z. B. mit den polnischen Musikern Leszek Możdżer und Adam Bałdych sowie der deutschen Pianistin Julia Hülsmann.

Weinert gibt auch Workshops für Nachwuchsmusiker. (Quelle: wikipedia)

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Hier ihr zweites Solo-Album (veröffentlicht auf dem rührigen VeraBra Label; die hatten damals u.a. auch die großartige Saxophonistin Barbara Thompson im Programm !) Man packte die CD  als Gimmick – in eine blaue Jewel Case Hülle.

Gitarristin Susan Weinert und ihre Jungs haben den Jazz-Rock in den Fingern. Mit konsequenten Schlägen treibt Hardy Fischötter die Band an, und knochentrocken zieht Martin Weinert auf dem dunkel und knackig eingestellten Elektrobaß mit. Oliver Heuss unterlegt Keyboard-Klänge und schafft damit eine wohlige Umgebung für die dominante Gitarre der Bandleaderin. Diese wiederum greift feurig, harsch und aggressiv in die Saiten und entwickelt eine in der sonst eher betulichen deutschen Jazz-Rock-Landschaft einzigartige Spielpower. (Audio)

Technisch auf hohen, höchstem Niveau zelebriert sie mit ihrer hervorragend besetzten Band High Energy Jazz-Rock und kann dabei ein ums andere Mal ihre scvhon damals ausgereifte Klasse beweisen.

Andererseits ist diese Musik – wie bei vielen anderen Musikern dieses Genres – doch gelegentlich ehrkalt, wenn nicht gar seelenlos … Mir scheint, die Demonstration technischer Fähigkeiten stand eher im Vordergrund als die emotionale Tiefe, die Musik vermitteln kann.

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Besetzung:
Hardy Fischötter (drums)
Oliver Heuss (keyboards)
Martin Weinert (bass)
Susan Weinert (guitar)

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Titel:
01. Don’t Try That Again 5.03
02. Hopeless Case 6.21
03. Don’t You Guys Know Any Nice Songs? 3.19
04. One For George 6.11
05. Members Of The Syndicate 3.52
06. The Crown 4.29
07. He Knows 3.59
08. Pacific Palisades 5.13
09. Maybe 7.25
10 Guess Who Called 0.48

Music composed by Susan Weinert

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Front + Back Cover im blauen Jewel Case

Brainstorm – Smile A While (1972)

FrontCover1Also, das Cover von diesem Debütlabum ist ja nun wirklich grottenschlecht … Gott sei dank, kann man das von der Musik nun wahrlich sagen:

Brainstorm ist eine aus der Region Baden-Baden stammende Jazz-Rock-Band.

1968 gründete Roland Schaeffer zusammen mit Eddy von Overheidt, Rainer Bodensohn, Joachim Koinzer, Helmut Rusch und Jürgen Argast die Rock-Formation Fashion Pink. Nach dem Ausscheiden von Rusch und Argast benannte man sich 1972 in Brainstorm um.

Das Repertoire der Formation reichte von Progressive Rock bis zum experimentellen Jazz-Rock. Brainstorm hatte zahlreiche Live-, Rundfunk- und Fernsehauftritte und war weit über die Grenzen Baden-Badens bekannt. Ihren humoristischen Jazz-Rock könnte man als eine Mischung aus Frank Zappa und Canterbury Sound bezeichnen.

Die Band existierte von 1972 bis 1975 und gab 2 LPs (Smile a while 1972 und Second smile 1973) heraus. Postum erschien mit „Bremen 1973“ der Mitschnitt eines Konzertes am 23. Juni 1973 in der TH Bremen, außerdem noch der eines Auftritts von 1974 unter dem Titel Last smile. (Quelle: wikipedia)

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Brainstorm waren eine Jazzrock-Combo aus dem angeblich recht schönen Baden-Baden, die aus der Band Fashion Pink entstand. Deren Bandname war zwar von Pink Floyd abgeleitet, musikalisch hatten Fashion Pink allerdings nicht einmal ansatzweise etwas mit Floyd zu tun. Ihre Palette reichte vielmehr von jazzigem, verspieltem Rhythm&Blues bis hin zu vertracktem Jazzrock mit klarem Übergewicht auf der jazzigen Seite. Dieser jazzige Stil wurde auch von Brainstorm übernommen, die sich immerhin einen Status erarbeiten konnten, der ausreichte, um ein Album aufzunehmen. Dem sollten dann sogar noch zwei weitere folgen.

Stilistisch ist die Musik wie bereits erwähnt auf teils eher frickeligem und aggressivem, teilweise aber auch locker dahinfließendem Jazzrock aufgebaut. Das erinnert massiv an die jazzige Phase der Canterbury-Combo Soft Machine so um deren viertes Album herum. Dabei drängen die abwechslungsreichen Soli, bei denen eine Vielzahl von Instrumenten zum Einsatz kommt, trotz aller Virtuosität nie aufdringlich in den Vordergrund. Dafür scheinen Brainstorm gelegentlich einem Prinzip zu folgen, dem zu Folge nur auf Primzahlen beruhende Takte wirklich guten Musikgenuss versprechen. Die Zugänglichkeit leidet dann auch manchmal unter diesem Element, dafür bleibt die Musik auch langfristig interessant. Für einen Rockfan wird Smile a While jedenfalls nicht als Jazzrock, sondern eher als Jazz durchgehen. Das Ganze nimmt sich irgendwie absolut nicht ernst, wie auch die Songtitel recht gut belegen. Gesungen wird gelegentlich auch, und zwar in englisch, allerdings sollte man von den Texten nicht wirklich etwas erwarten. Bei all dem fehlt allerdings eines: das sozusagen typisch spacige Element, mit dem die deutsche progressive Musik der Zeit eigentlich immer in Verbindung gebracht wird.

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Angenehm dürfte sicherlich die Laufzeit des Albums auffallen. Diese resultiert daraus, dass die sechs Stücke des eigentlichen Albums ergänzt werden durch einige live aus dem Radio aufgenommene Stücke der Band Fashion Pink aus dem Jahre 1971 und zwei weitere Bonustracks ohne genauere Herkunftsangaben. Die Fashion Pink-Stücke rutschen auch mal Richtung Blues ab, was aber absolut nicht stört.

Fazit: Smile a While ist eine rundum absolut gelungene Scheibe, die Fans des Jazzrock- und der Canterbury-Szene absolut überzeugen dürfte. Solche Leute sollten sich auch vom kultig-hässlichen Cover nicht abschrecken lassen, dass die Herren in enganliegender Damenunterwäsche zeigt. Wer sich sonst eher für „klassischen“ Prog interessiert und mal in die jazzige Ecke reinfühlen möchte, greife lieber zu etwas einfacherem. (Jochen Lohr)

Ergänzen mag ich noch, dass auch hier – wie so oft bei „progressiven“ deutschen Bands dieser Epoche – der Gesang nicht immer meisterlich ist (so z.B. bei „Snakeskin Tango“) und von daher die rein instrumentalen Passagen deutlich mehr überzeugen. Und da waren Brainstorm wirklich ganz große Klasse !

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Besetzung:
Rainer Bodensohn (flute, bass)
Joe Koinzer (drums, percusion)
Eddy van Overheidt (keyboards, vocals)
Roland Schaeffer (saxophone, clarinet, bass, guitar, vocals)
+
Harold Wagner (bass bei 07. – 09.)

BackCover

Titel:
01.  Das Schwein trügt (Schaeffer/v. Overheidt) 4.40
02.  Zwick Zwick (Schaeffer)  4.40
03. Watch Time Flow By (Schaeffer/v. Overheidt) 1.29
04. Bosco Biati Weib alles 8.59
04.1. Bosco Biati (Schaeffer)
04.2. Weib (Koinzer)
04.3. Alles (Schaeffer/v. Overheidt)
05. Snakeskin Tango (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer) 2.19
06. Smile A While 15.34
06.1. Intro (Bodensohn/Schaeffer)
06.2. Brainstorm (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer)
06.3. These (v. Overheidt)
06.4. Antithese (Schaeffer)
06.5. Morning Tune (Bodensohn)
06.6. Smile A While (Schaeffer/v. Overheidt/Sobelman)
07. You Are What’s Gonna Make It Last (Schaeffer/Sobelman) 3.30
08. Don’t Forget (Schaeffer/v. Overheidt/Bodensohn/Koinzer) 0.25
+
09. Thesen & Antithesen (Schaeffer/v. Overheidt) 14.00
10. Einzug der Elefanten (Schaeffer/Bodensohn) 4.08
11. You knock me out (Schaeffer) 3.02

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Peter Herbolzheimer Rhythm Combination & Brass – Live im Onkel Pö (1975)

FrontCover1.jpgUnd wieder mal so ein Musiker, so ein Album aus der Kategorie “ … hätte ich schon längst hier mal präsentieren müssen“:

Peter Alexander Herbolzheimer (* 31. Dezember 1935 in Bukarest, Rumänien; † 27. März 2010 in Köln) war ein deutscher Jazz-Posaunist und Bandleader.

Peter Herbolzheimer kam als Sohn eines deutschen Vaters und einer rumänischen Mutter in Bukarest zur Welt. 1951 zog seine Familie nach Deutschland. Herbolzheimer lernte Gitarre und verbrachte vier Jahre in den USA, zunächst als Austauschschüler, später war er für General Motors in Detroit als technischer Zeichner tätig und gab nebenbei Gitarrenunterricht. 1956 kehrte er nach Deutschland zurück.

Nach einem Musikstudium in Nürnberg spielte er als Posaunist in verschiedenen Jazz-Formationen, unter anderem mit Udo Lindenberg in der 1969 gegründeten Formation Free Orbit. Lange Jahre gehörte er als Posaunist auch zum Orchester von Bert Kaempfert – zusammen mit Jazz-Größen wie Jiggs Whigham und Herb Geller, die er in seine Big Band, die 1969 gegründete Rhythm Combination & Brass, holte. In dieser Gruppe stand die Rhythmusgruppe (mit zwei Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Perkussion) den acht Bläsern (Allan Botschinsky, Dusko Goykovich, Palle Mikkelborg, Art Farmer, Herbolzheimer, Jiggs Whigham, Rudi Fuesers, Joe Gallardo usw.) gleichwertig gegenüber, während der Saxophonsatz meist auf einen einzigen Bläser (Herb Geller oder Heinz von Hermann, später Ferdinand Povel) reduziert war.

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Die Konzentration auf Blech ohne einen Saxophonsatz ermöglichte starke Kontraste zwischen präzisem Satz und solistischem Freiraum. Mit dieser Band trat er häufig in Funk und Fernsehen auf, unter anderem in Bio’s Bahnhof. Zunächst stand seine Musik für die Rhythm Combination & Brass eher dem Jazzrock nahe (und erschloss mit ihrer Verbindung von Latin, Straight-ahead-Jazz und Rock neue Hörerschichten). Später spielte er mit der Band auch andere Klangfarben und ein klassisches Big-Band-Repertoire.

Herbolzheimer arrangierte im Auftrag des Orchesterleiters Kurt Edelhagen mit Dieter Reith und Jerry van Rooyen die Einzugsmusik der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Von 1972 bis 1988 war Herbolzheimer immer wieder für die Bläsersätze in Udo Lindenbergs Panikorchester zuständig und spielte dort auch selbst Posaune.

Peter Herbolzheimer war in den 70erJahren festes, bestelltes Mitglied (Bass-Posaune) im Orchester von Bert Kaempfert (alle Aufnahmen im Polydor-Studio Hamburg 1970 – 1979 und auf Tourneen).

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Seit seiner Gründung im Jahr 1987 leitete Peter Herbolzheimer das Bundesjazzorchester mit großem Engagement bis Ende des Jahres 2006. Er war bis Ende 2006 erster Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ), die ihren Sitz in Bonn hat – und blieb bis zu seinem Tod Ehrenpräsident.

Neben seiner Tätigkeit als Bigband-Leiter war er einer der wohl besten deutschen Jazz-Arrangeure und schrieb auch für Herbie Hancock und Konstantin Wecker. Zur Eröffnung des Hauses der Geschichte arrangierte er 1994 das Deutschlandlied, die DDR-Hymne und die Europahymne zusammen in einem Stück.[2] Herbolzheimer war auch als Filmkomponist, etwa für Das Traumhaus (1980), Abgehauen (1998) und die Fernsehserie So lebten sie alle Tage (1984), tätig. Seinen eigenen Verlag betrieb er mit seiner Frau Gisela (3. September 1936 – 30. Mai 2017). Konzertreisen führten ihn quer durch Europa sowie nach Südafrika.

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Quincy Jones, Paul Kuhn & Peter Herbolzheimer

Herbolzheimer wurde für seine Arrangements zur Einmarschmusik der Olympischen Spiele 1972 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1974 gewann er den vom Fürstentum Monaco ausgeschriebenen Wettbewerb für Jazzkomponisten. Für sein Lebenswerk erhielt er 1998 den Frankfurter Musikpreis und 2001 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. 2007 erhielt er den Lehrer-Welsch-Sprachpreis. (Quelle: wikipedia)

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Peter Herbolzheimer, 1975

Und zum Einstieg in diese großartige Welt des Peter Herbolzheimer sein legendäres Live-Album aus dem nicht minder legendären Onkel Pö in Hamburg, eingespielt mit seinem international „Rhythm Combination & Brass“ Ensemble.

Heidewitzka (woher auch immer dieser Ausruf stammen mag) …. das nenn´ ich Jazz-Rock/Big Band Jazz vom Feinsten. Das Prädikat „zeitlos“ ist diesem Album gewiss !!!

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Alternatives Front + Back Cover

Besetzung:
Benny Bailey (trumpet)
Otto Bredl (trombone)
Todd Canedy (drums)
Rudi Fuesers (trombone)
Peter Herbolzheimer (trombone)
Sabu Martinez (percussion)
Palle Mikkelborg (trumpet)
Horst Mühlbradt (piano, clavinet, percussion)
Vincent Nilsson (trombone)
Ferdinand Povel (saxophone, flute)
Dieter Reith (keyboards, synthesizer)
Ack van Rooyen (trumpet
Ron Simmonds (trumpet)
Bo Stief (bass)
James Towsey (saxophone, flute)
+
Heinz Hobermann (trumpet bei 03.)
Jiggs Whigham (trombone bei 03.)

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Titel:
01. Corean Chick (Herbolzheimer) 5.34
02. P.M. (Herbolzheimer) 6.33
03. That’s Live (v.Rooyen) 5.55
04. The Catfish (Herbolzheimer) 6.48
05. Head-Egg (Reith) 5.46
06. Peyotl (Mühlbradt) 4.54

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Aera – The Bavarian Radio (BR) Recordings Vol. 2, 1977-1979 (2010)

FrontCover1Und hier Teil 2 der Live-Aufnahmen dieser großartigen Jazz-Rock Band aus Band, die mit Klaus Kreuzeder einen Ausnahmemusiker mit an Bord hatten:

Wie der Titel des 2010 veröffentlichten Archivalbums mit einem Radiokonzert von Aera aus dem Jahre 1975 (siehe „The Bavarian Radio recordings vol. 1, 1975“) schon vermuten lässt, gibt es dazu eine Schwester-CD. „The Bavarian Radio recordings vol. 2“ bietet drei verschiedene Aufnahmen, die im Zeitraum 1977-1979 entstanden sind und von einer ganz anderen Aera-Besetzung eingespielt wurden. Im Frühjahr 1977 hatte nämlich der Bandgründer, Leadgitarrist und Hauptkomponist Muck Groh Aera verlassen. Danach löste sich die Band im Grunde auf.

Klaus Kreuzeder, seit Anfang 1973 bei Aera, hielt das Projekt aber am Leben und rekrutierte neue Musiker, die zum großen Teil mehr oder weniger direkt von Missus Beastly kamen (Freddy Setz, Matz Steinke und Lutz Oldemeier). Die bayrisch-fränkische Jazzrockszene war in der zweiten Hälfte der 70er Jahre und Anfang der 80er überhaupt ziemlich promiskuitiv. Zwischen den Bands Embryo, Missus Beastly, Munju und eben Aera wechselten die Musiker jedenfalls häufig hin und her.

Zwei Konzertmitschnitte, oder Teile derselben (die Stücke der Auftritte, die vom Bayrischen Rundfunk dann auch gesendet wurden und deshalb im Archiv aufbewahrt wurden), sind auf „The Bavarian Radio recordings vol. 2, 1977-1979“ zu finden, aufgenommen am 17.11.1977 in Ungarn (die Tracks 1 und 2) bzw. am 20.03.1979 in Münnerstadt (die Tracks 3-5). Die letzten vier Nummern stammen von einer Radiosession vom Mai 1979. Der Klang des Ganzen ist durchweg exzellent.

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Zu hören ist hier die Besetzung, die auch das Studioalbum „Türkis“ eingespielt hat, von dem auch einige der Nummern stammen. Ein lockerer, leicht funkiger Jazzrock wird hier geboten, wie er eben für die oben schon umrissene süddeutsche Jazzrockszene der späten 70er typisch war. Munju und Missus Beastly, teilweise auch Embryo (wenn sie sich nicht gerade in weltmusikalischen Gefilden aufhielten) haben damals recht ähnliche Musik gemacht, wie auch dutzende andere weniger bekannte und heute fast schon wieder vergessene Formationen (wie z.B. die Real Ax Band, Moira, Sunburst oder Snowball).

Aera01Wie Kollege Thomas schon in seiner Rezension zu „Türkis“ feststellt, ist diese Musik zwar gut gemacht und virtuos vorgetragen, doch fehlt es dem Ganzen doch ein wenig an Kanten und Schmackes. Das kann man auch auf die hier zu findende Musik übertragen. Live wird diese zwar etwas rotziger und druckvoller vorgetragen, doch so richtig packen kann diese Musik nicht. In spieltechnischer Hinsicht gibt es natürlich nichts zu bemängeln. Vor allem Mats Steinkes Bassspiel ist hervorragend, der auch die meisten Stücke hier komponiert hat. Sein langes Solo in der Liveversion von „Draculas Frühstück“ ist sicher der Höhepunkt des Albums, was auch für eben jenes Stück gilt. Die am Ende des Albums zu findende Studioversion ist im Vergleich dazu deutlich unspannender ausgefallen. Ansonsten bestimmt Kreuzeder mit Sax und Flöte das Geschehen. Von Freddy Setz‘ Tasten ist nicht übermäßig viel zu hören, doch wirft auch er ab und zu (sehr prominent z.B. in „Rypdals Letzter Schrei“) ausladendere Soli ein. Erwähnenswert ist noch die doppelt besetzte Schlagwerkabteilung, die bisweilen ausgesprochen abwechslungsreich und druckvoll zu Gange ist.

„The Bavarian Radio recordings vol. 2“ ist ein unterhaltsames Album mit recht zeittypischem germanischen Jazzrock der späten 70er. Das ist alles toll gespielt und leidlich schwungvoll vorgetragen. So richtig spannend und mitreißend ist das nicht (bis auf ein paar Stellen der schon erwähnten Liveversion von „Draculas Frühstück“), flutscht aber recht gut durch die Gehörgänge. Wer die Musik von Aera und der anderen weiter oben erwähnten verwandten Bands schätzt und mehr davon möchte, der macht mit dieser Scheibe keinen Fehlkauf. Etwas packender als das Studioalbum „Türkis“ ist das hier Gebotene zudem auch! (Achim Breilling)

Und da widerspreche ich mal meinem Vorredner: Dieses Album ist so richtig spannend und mitreißend … eine Perle des deutschen Jazz-Rocks !

Liveaufnahme 17.11.1977, Nagykanizsa, Ungarn (01. + 02.)
Liveaufnahme 20.03.1979, Münnerstadt
Liveaufnahme 02.05.1979 im Studio Franken (Studio 1), Nürnberg, (08. – 09.)

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Besetzung:
Klaus Kreuzeder (saxophone, lyricon, flute)
Helmut Meier-Limberg (percussion, drums bei 06.)
Lutz Oldemeier (drums, guitar bei 06.)
Freddy Setz (organ, bass, percussion bei 06.)
Matz Steinke (bass)

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Titel:
01. Figerlink (Groh) 5.30
02. Hoffmanns – Tropfen (Richter)  6.30
03. Fetzenotto (Oldemeier) 5.50
04. You Need Some Speed (Steinke) 9.20
05. Dracula’s Frühstück (Steinke) 16.53
06. Rypdal’s letzter Schrei (Setz) 3.43
07. Rückwärts auf die Null (Steinke) 8:40
08. Annettchen (Steinke) 2.18
09. Dracula’s Frühstück (Steinke) 10.00

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