Jazzkantine – Heiß & Fettig (1995)

FrontCover1Und jetzt eine Band, die seit vielen, vielen Jahre nicht nur für Furore gesorgt hat, sondern auch wirklich ganz besonders bemerkenswert ist:

Die Jazzkantine ist eine Jazz-Rap-Band aus Braunschweig. Sie wurde 1993, inspiriert u. a. durch das Band-Projekt Jazzmatazz, von Ole Sander, Matthias Lanzer und Christian Eitner gegründet. Der Musikstil der Jazzkantine ist eine Synthese der Stilelemente von Jazz, Funk und Rap. Die Band arbeitete bisher mit so unterschiedlichen Künstlern wie Smudo, Götz Alsmann und Bands wie Such a Surge zusammen.

1994 bekamen die Band mit ihrem Jazzkantine betitelten Erstlingswerk einen Vertrag beim Plattenlabel BMG Hamburg und einen Einstieg in die Charts. 1996 erhielt die Band dafür den deutschen Musikpreis Echo in der Kategorie Beste Jazzproduktion;[5] die Gruppe erhielt weiterhin den German Jazz Award und das Goldene Ohr. Für das Album „Hell´s Kitchen“ war die Band ebenfalls für einen Echo nominiert.

Seit 1994 spielte die Band mehr als 2000 Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, unter anderem auf dem Montreux Jazz Festival. Am 6. April 2002 fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „hr3@night“ in den Kasseler Messehallen ein Konzert zusammen mit der hr-Bigband (Leitung: Jörg Achim Keller) statt. Mit den Projekten Tanzzkantine, Braunschweich, Braunschweich!, Ölper 12 Pöints, Ölper 12 Pöints – Die zweite Staffel, Ölper 12 Pöints – Die dritte Staffel, Unser Eintracht, DaDaDa und Hyper Hyper wurden sechs erfolgreiche Co-Produktionen mit dem Staatstheater Braunschweig abgewickelt.

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Ja, ja … all die jungen Leute …

2008 erschien die CD Hell’s Kitchen, auf der die Band Hardrocksongs im Jazzkantine-Sound neu interpretiert (unter anderem mit den Gastsängern Xavier Naidoo, Max Mutzke, Tom Gaebel und Pat Appleton von DePhazz). Das Album erreichte Platz 1 bei den iTunes-Jazz-Charts und im Juli 2008 auch Platz 1 der deutschen Media Control-Charts Jazz.

Seit April 2011 tritt die Rhythmus-Gruppe der Jazzkantine im Schauspiel Fleisch ist mein Gemüse als „Tiffanys“ im Staatstheater Braunschweig auf.

Ein weiteres Projekt der Jazzkantine ist die Blauhausband. Vier- bis fünfmal im Jahr jammt diese Band im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters. Neben Mitgliedern der Jazzkantine (Stammformation: Christian Eitner, Tom Bennecke, Andy Lindner, Christian Winninghoff, Heiner Schmitz) werden Gastmusiker eingeladen, unter anderem bislang Roger Cicero, Dr. Ring-Ding, Sam Leigh-Brown (Frank Popp Ensemble) und Tom Gaebel.

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Jazzkantine, 2012

Im Dezember 2011 hatte eine weitere Theaterproduktion unter Beteiligung der Jazzkantine Premiere: Die Braunschweiger Weihnachtsgeschichte. Gemeinsam mit dem langjährigen Weggefährten Peter Schanz (Autor und Regisseur) präsentierte die Band ein Krippenspiel in einem historischen Spiegelzelt auf dem Braunschweiger Martinikirchplatz.

Im März 2012 veröffentlichte die Jazzkantine ein neues Album bei Universal Music mit dem Titel Jazzkantine spielt Volkslieder. Erstmals interpretiert die Band klassische deutsche Volkslieder in neuem Stil, und vermischt sie mit Einflüssen aus Hip-Hop, Reggae und Soul in typischem Jazzkantinen-Gewand. Wie schon auf den vergangenen Alben, bedient sich dabei die Band der Hilfe von namhaften Gästen, wie Pat Appleton von DePhazz oder Sam Leigh-Brown vom Frank Popp Ensemble. Von August bis September 2012 folgte die dritte Ölperstaffel mit Ö 3.0 – das Ölperium kehrt zurück.

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Mitte September 2013 erschien das Album Ultrahocherhitzt, auf dem die Band zu ihren Wurzeln zurückgekehrt ist. Als Gastmusiker zu hören sind Joo Kraus (tp) und Nils Wogram (tb) sowie die Sängerin Nora Becker. Im Oktober 2014 veranstaltete die Band zum 20. Geburtstag der Jazzkantine ein Konzert in Zusammenarbeit mit der NDR Bigband im Staatstheater Braunschweig. Gleichzeitig wurde das Album Ohne Stecker in Zusammenarbeit mit der NDR Bigband veröffentlicht. Als Gäste wirkten u. a. Smudo, Aleksey und Segnore Rossi mit. Im September 2016 erschien das zwölfte Studio-Album mit Old´s Cool der Jazzkantine, ein weiteres Konzeptalbum: Jazzkantine begab sich auf eine Zeitreise zurück in die Achtziger und beleuchtet die Anfänge des Hip-Hop. Dabei kommt es zu Wiederbegegnungen mit Grandmaster Flash & The Furious Five, Eric B. & Rakim, EPMD, Public Enemy, NWA, Tone-Loc, Afrika Bambaataa und den Jungle Brothers. Im Spiel mit Beats und Scratches wurden Sounds und Samples collagiert und so Oldschool-Klassiker im brodelnden Sud einer Jam-Session aus Jazz, Funk und Rap neu interpretiert. Dazu meint Bandleader Christian Eitner: „Es war ein großer Spaß, in den alten Plattenkisten rumzustöbern – bei 1990 haben wir einen Cut gemacht. Herausgekommen ist ein Mix aus unseren Lieblingstracks, aber auch aus Songs, die harmonisch bzw. rhythmisch reizvoll erschienen, um sie in ein neues Gewand zu hüllen.“

In ihrem Album Mit Pauken und Trompeten vom August 2019 erzählt der Song Eine Ehre die 25-jährige Jazzkantine-Story – komprimiert in 4:15 Minuten. (wikipedia)

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Und ja, es gibt sie immer noch …  ein wenig ergraut, aber immerhin …

Mit ihrem selbstbetitelten Debutalbum hat die Multi-Kulti-Combo um Cappuccino und Alexey vorgemacht, daß sich Jazz und HipHop auch auf deutsch prima miteinander kombinieren lassen. Da war es auch nur eine Frage der Zeit, bis der Nachfolger dem bereits erworbenen Lob noch die Krone aufsetzen würde. Texte wie „Ich bin der kleine und ich meine, daß ich der eine bin für dich, für dich für dich bin ich deine kleine Nachttischlampe, die nun immer für dich brennt“ lassen zwar nicht gerade auf großen Einfallsreichtum schließen, doch die Herren Lyriker sind ja auch noch ein wenig jung. Sonniger sieht’s da schon bei der Bandbesetzung aus. Fast nur alte Hasen stehen hier für wohltuende Klänge ein. Grandios die Neuinterpretation von Dave Brubecks Evergreen „Take Five“, ebenso wie Track Nummer Sieben. Klar, daß auch diesmal wieder das produktionstechnisch talentierteste Viertel der Fantis, Smudo, seine Finger im Spiel hatte. Im Großen und Ganzen ist heiß & fettig ein sehr angenehmes Lounge-Album zum grooven, träumen, nachdenken und mitsprechen. (Sascha Mennel)

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‚Never change a winning JAZZKANTINE-Belegschaft‘ – Aleksey, Tachi, Olli, Phil I.P. und ein glücklicherweise nur eingangs kurz wütender Smudo verbreiten wieder mal ihre fettigen Reime über die lauwarmen Mainstream-Jazzklänge solcher Jazzmusiker wie George Bishop, die Belegschafts-Neuzugänge Barbara Dennerlein und US-Sängerin Romy Camerun. Popularität statt Tiefgang. Wenn beispielsweise Fred Wesley mit seiner Posaune dem BRUBECKschen ‚Take Five‘-Thema ein flatterhaftes, neues Leben einhaucht, Aleksey, Cappuccino (‚Du‘) und FRESH FAMILEE-Mitglied-Tachi (‚Bin Im Delirium‘) Liebeslieder und Beziehungsabenteuer in Reimform vortragen oder Olli von PHASE V auf ‚Ein Teil Von Dir‘ ins Land der schwelgerischen Träumereien entführt, dann schwebten den JAZZKANTINE-Betreibern Ole Sander und Christian Eitner drei (und nicht vier!) Buchstaben vor: POP! Dazwischen kurzes Gitarrengeschrammel und ‚Geht Ab!‘-Gegröhle (statt JAMES BROWNsches ‚Get Up‘!) von Aleksey und Tachi, willige Brunftschreie von Aleksey auf ‚Nimm Mich‘ oder auch … sechzehn Gänge mit Lean Cuisine, sozusagen.

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Ein Aleksey tut sich auf Songs wie ‚Tic, Tac, Das Leben Ist Mein‘ einzig durch die Plattheit seiner Texte hervor. Wer jedoch auf den Faktor ‚Zeit‘ setzt, wird in der neuen JAZZKANTINE durchaus ordentlich bedient: ‚Zeit Kommt, Zeit Geht‘ (Raps von Phil I.P. von STOD & Cappuccino), ‚Zu Spät‘ (mit Cappuccino) und ‚Tag Aus, Tag Ein‘ (Reime von Tachi & Olli) kann man als musikalisch wie textlich anspruchsvoll bezeichnen, und wenn man auch nicht auf das Fast-Food vom großen Rest des Albums abfährt, so wird man trotzdem die tiefe, warme Stimme von Romy Camerun aus Washington, D.C. in sein Herzen schließen – besonders auf ihrem großen lautmalerischen Solo ‚Skizzen‘. Also immer darauf achten, wer Dich in dieser heißen und fettigen JAZZKANTINE bedient, sonst könntest Du Dir an diesem Mahl noch den Magen verderben … Und so nett die Idee mit dem von Ernie und Bert eingeleiteten Belegschafts-Schlußsong der JAZZKANTINE auch ist, der versuchte Sprechgesang so manchen Musikers führt zu Durchfall statt Genuß! (Chris Maruhn)

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Nachdem ich weder Rap, noch Hip-Hop oder wie all das Zeug auch heißen mag, besonders mag oder gar ausstehen kann, ist dieses Album großartig … allerdings nur, wenn all diese Rap-Sänger die Klappe halten … dann wird es wirklich spannnd, aber nur dann …

Und dann noch dieses Begleitheft: Einfach nur wunderbar, wie all die Musiker vorgestellt werden und dann auch noch in geien Comic-Cartoons illustriert werden. Ein Hingucker nach dem anderen.

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Besetzung:
Tom Bennecke (guitar)
George Bishop (saxophone, clarinet, flute)
Christian Eitner (bass, background vocals bei 06.)
Dirk Erchinger (drums, percussion)
Jan-Heie Erchinger (keyboards)
Jörg Rump (saxophone)
Ole Sander (programming)
Bernhard Steinmetz (trumpet)
Nils Wogram (trombone)
+
Romy Camerun (vocals bei 09., background vocals bei 04., 07., 13. + 14.)
Barbara Dennerlein (organ bei 01. + 05.)
Christian Eitner (keyboards bei 11.)
Gunter Hampel (vibraphone mbei 06., 11., 15. + 16.)
DJ Air Knee (scratches bei 02., 03., 05., 10., 12., 15.)
Ingo Meyer (drum programming bei 11.)
Suse Möhle (vocals bei 10., background vocals bei 02., 05. – 07. + 11.)
Christian Neander (guitar bei  04., 08. – 10.)
Susanne Schätzle (background vocals bei 02.)
Leo Schmidt-Hals (bass bei  07. + 09.)
Fred Wesley (trombone bei 01., 0.3 + 11.),
+
Rap vocals:
Aleksey (bei 06.)
Aleksey – Cappuccino (bei 02., 05., 13.)
Aleksey – Tachi (bei 08.)
Cappucino (bei 11.)
Cappuccino – Phil.I.P. (bei 07.)
Olli (bei 12.)
Olli – Phil.I.P. (bei 10.)
Olli – Tachi (bei 14.)
Smudo (bei 01.)
Tachi (bei 04.)

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Titel:
01. Sprechstunde (Wir müssen was dagegen tun) (Schmidt/Eitner/Erchinger) 5.14
02. Du (Preik/Löwe/Eitner/Erchinger) 3.48
03. Take Five (Desmond) 3.52
04. Bin im Delirium (Cevik/Sander) 4.15
05. Boogaloo (Preik/Löwe/Rumohr/Eitner*, D.Erchinger/Bishop/J.-H. Erchinger/ Bennecke) 3.35
06. Nimm mich (Preik/Eitner/J.-H. Erchinger/Sander/Bennecke) 3.40
07. Zeit kommt, Zeit geht (Löwe/Sauer/Erchinger/Bishop/Bennecke) 5.14
08. Geht ab! (Preik/Cevik/Eitner/Sander) 4.18
09. Skizzen (Camerun/Eitner/Neander) 3.45
10. Spieglein, Spieglein (Schneider/Sauer/Bennecke) 5.03
11. Zu spät (Löwe/Eitner/Meyer) 3.44
12. Ein Teil von dir (Schneider/Eitner/Erchinger) 5.01
13. Tic, Tac, Das Leben ist mein (Preik/Löwe/Eitner/Sander) 4.02
14. Tag aus, Tag ein (Schneider/Cevik/Bennecke) 3.38
15. 12-Tony (Erchinger/Bishop/Bennecke) 3.38
16. Immergrün (Hampel) 10.47 (2.30)

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Jazzkantine – Spielt Volkslieder (2012)

FrontCover1.jpgAlso die von der „Jazzkantine“ sind ganz schön schräge Vögel … also: genau meine Kragenweite.

„Volkslied? Volksgut? Volksstimme?“ Diese Fragen stehen am Anfang des neuen Langspielers der Jazz-Rap-Formation aus Braunschweig. Nachdem sie bereits Heavy Metal-Klassiker mit einem Augenzwinkern unter ihre groovenden Fittiche genommen haben, sind jetzt Volkslieder an der Reihe.

Was mit ihrem vorletztem Album „Hell’s Kitchen“ im Vergleich zu Hellsongs eher in die Hose gegangen ist, versuchen die Niedersachsen im 20. Jahr ihres Bestehens mit volkstümlichen Klängen wieder gut zu machen.

Wanderlieder, Kinderlieder, aber auch politische Gesänge wie „Die Gedanken Sind Frei“ sind vertreten. Auch das Allerweltsthema Liebe kommt nicht zu kurz. Zusammen mit Autor Peter Schanz wird aus „Wenn Ich Ein Vöglein Wär“ eine wunderbar humorvolle Version eines Träumers: „Wenn du kein Faultier wärst und nicht am Baume hingst … hing ich an dir.“

Was einst als Crossover-Innovation galt, scheint sich leider aber zunehmend mit dem Drang zu vermischen, immer noch Neueres schaffen zu wollen. Sind wir ehrlich: Kinderlieder kann ja jeder – das wirklich Besondere hier ist der Einsatz der hochkarätigen Gäste.

Aber der lohnt sich durchaus. Wunderschöne Stimmen wie die von Pat Appleton von De-Phazz oder Sam Leigh-Brown vom Frank Popp Ensemble („Hip Teens“) erklingen neben den Worten des Rappers Tachi, der seinen türkischen Wurzeln in „Mutter Türkei“ nachtrauert. Außerdem hat Nils Landgren, eine der europäischen Jazzgrößen, auf diesem Album mit seiner Posaune zur Jazzkantine gefunden.

Höhepunkte bilden die Versionen von „Es Tanzt Ein Bi-Ba-Butzemann“ und „Im Frühtau Zu Berge“ von Cappuchino. Was einmal mehr beweist, dass es die großen Stimmen gar nicht braucht, um gute Stücke abzuliefern. Klar ist es toll, sich von souligen Frauengesang berieseln zu lassen. Aber die Jazzkantine muss kein wahnsinnig innovativer Verein sein, um anständige Musik zu produzieren.

Es entspricht wohl der allgemeinen Meinung, wenn man behauptet, Volksmusik hätte eine Verjüngungskur nötig. Die Jazzkantine zeigt leicht verständlich, dass man die Musik seiner Kindheit nicht unbedingt in volkstümlichen Schmalz ertränken muss. Man kann seiner Heimat auch einfach mit nett anzusehender Leichtigkeit seine Liebe bekunden. (Amelie Köppl)

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Oder aber auch:
Wie kommt der junge Mensch des 21. Jahrhunderts an die das allgemeine Kulturgut seines Volkes heran? Oder besser gefragt: Wer bringt dem jungen hippen deutschen Menschen von heute Volklieder nahe. Der Kindergarten? Möglich. Die Schule? Fehlanzeige. Coolness sieht anders aus. Die Großeltern? Wer heute 50 ist, pubertierte mit New Wave und gehörte damit auch schon zur Generation Verdrängung. Dass ausgerechnet eine Band, bei der Coolness schon auf den Mützenschirmen steht, sich des deutschen Volksgutes annimmt, ist nicht nur unerhört, sondern zudem ein unerhörter Glücksfall. Jazzkantine leistet gern Pionierarbeit, besonders wenn es um die Integration deutschsprachigen Raps in den Jazz geht.

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Zahlreiche Alben zeigen ihren eleganten Umgang mit den Stilen. Nun also suchen sie das deutsche Volkslied in die groovigen Klänge tanzbarer Clubmusik zu packen. Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig schwer tat beim Hören der CD, denn neben Spaß stand auch ganz dick „Botschaft“ in den Texten. Das Lied oder besser der Ansagetext „Fragebogen“ listet ausführlich auf, welche Probleme wir Deutschen mit dem Volksgut und unserem Selbstverständnis als Deutsche haben, wobei das Stilmittel des Fragebogens bereits eins der Probleme darstellt. Doch beim mehrmaligen Hören harmonieren einige der Volksweisen sehr gut mit dem Jazz. „Hoch auf dem gelben Wagen“, gesungen von Sam Leigh-Brown ist eine wunderbar groovige Nummer. „Wenn ich ein Vöglein wär“ gehört zu den romantischsten Volksweisen der Deutschen überhaupt. Peter Schanz und die hervorragende Pat Appelton machen daraus ein kleines Streitgespräch, das von einem Saxofonsolo unterbrochen wird. Und dass die Hymne der Gedankenfreiheit einen prächtigen Reggae abgibt, passt erstaunlich gut ins Verständnis dieses Textes. Der „Butzemann“ funktioniert musikalisch ganz ordentlich, textlich war er mir aber selbst im Kindergarten schon zu abgedreht. Ich wusste nie, was der Kerl im Schilde führte und habe mich vorsichtshalber immer gefürchtet, wenn von ihm die Rede war. Sehr gelungen finde ich „Am Brunnen vor dem Tore“, auch wenn hier der Jazz in den Hintergrund tritt und die Melodie recht traditionell wiedergegeben wird. Volkslieder sind Lieder eines Volkes. Wer hier aufgewachsen ist, versucht sich immer auf irgend eine Weise mit seiner Heimat zu identifizieren. Sei es durch eine besondere Naturverbundenheit oder durch das Grölen einer gemeinsamen Hymne beim Fußball. Deshalb passt das Gedicht „Mutter Türkei“, das von der Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen spricht ganz vorzüglich ins deutsche Kulturgut der Gegenwart. Doch wem das alles zu viel Botschaft ist, der begnüge sich mit „Im Frühtau zu Berge“. Das ist VolksHipHopJazz mit allerhöchstem Spaßfaktor. (Karsten Rube)

Also … anhören scheint ja fast ne Pflicht zu sein !

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Besetzung:
Air-Knee (dj)
Tom Bennecke (guitar)
Cappuccino (vocals)
Christian Eitner (bass)
Simon Grey (keyboards)
Andy Lindner (drums, percussion)
Heiner Schmitz, (saxophone)
Tachi (vocals)
Christian Winninghoff (trumpet, fluegelhorn)
+
Pat Appleton (vocals bei 02., 08.)
Michel Begeame (vocals bei o4.)
Carlos (vocals bei o4.)
Catrin Groth (saxophone, whistling bei 08., 12., 13.)
Nils Landgren (trombone bei 04., 06.
Sam Leigh-Brown (vocals bei 07.)
André Neundorf (saxophone bei 12.)
Peter Schanz  (vocals bei 03., 08., 15.)
Kai Wingenfelder (keyboards bei 12.)

Titel:
01. Am Anfang 1.57
02. Kein schöner Land in dieser Zeit (Zuccalmaglio) 3.12
03. Fragebogen (Jazzkantine/Frisch) 4.34
04. Ode an die Freude (Beethoven/Schiller) 5.30
05. Im Frühtau zu Berge (Ericson/Kothe) 3.30
06. Auf einem Baum ein Kuckuck (Traditional) 3.55
07. Hoch auf dem gelben Wagen (Höhne/Baumbach) 4.23
08. Wenn ich ein Vöglein wär (Abt/Dieffenbach) 4.28
09. Die Gedanken sind frei (Traditional) 3.36
10. Du, du liegst mir am Herzen (Traditional/Boehm) 3.45
11. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann (Traditional) 3.40
12. Dat du min leevsten büst (Traditional) 3.25
13. Am Brunnen vor dem Tore (Lindenbaum) (Schubert/Müller) 2.50
14. Mutter Türkei (Tachi) 3.57
15. Volxliedgut (Jazzkantine) 4.22

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