Lars Jessen – Am Tag als Bobby Ewing starb (2005)

Filmplakat1Ein Film aus den Zeiten der Alternative Bewegung, einFilm aus der Zeit des ganz aktiven Widerstands gegen AKWs/KKWs …. der mir sehr ans Herz gewachsen ist:

1986 – Die Protestbewegung gegen den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf ist in den letzten Zügen. Nur eine letzte Landkommune ist übrig geblieben. Peter (Peter Lohmeyer), Eckhard (Richy Müller), Gesine (Nina Petri), Walther, Elly und Bauer Hein leben in ihrem „Alternativen Wohnkollektiv Regenbogen“ gemütlich vor sich hin und denken nicht daran, den friedlichen Widerstand aufzugeben. Wäre da nicht der drohende Abschied ihrer Sozialarbeiterin Gesine.

Da kommen den Flachland-Kommunarden die beiden modernen Städter Hanne (Gabriela Schmeide) und ihr Sohn Niels (Franz Dinda) gerade recht. Während Hanne sich überraschend schnell an Schreitherapie und Gemüseaufzucht gewöhnt (und noch viel schneller an die Tantraspiele mit Kommunenguru Peter), hat Niels immer weniger Lust auf dogmatische WG-Regeln wie: kein Fleisch, keine Gewalt, kein Atomstrom. Schnell findet er Anschluss bei Dorfrocker Rakete und Martina, der Tochter des Bürgermeisters.

Mehr aus Trotz als aus Überzeugung schließen sie sich dem gewaltbereiten AKW-Widerstand an. Ihre Aktionen bringen das beschauliche Chaos der Kommune jedoch reichlich durcheinander und setzen sogar den Fortbestand der pazifistischen Gemeinschaft aufs Spiel. (Quelle: filmspiegel.de)

JessenLohmeyer

Lars Jessen mit Peter Lohmeyer

Und – weil nicht unwichtig für das Verständnis dieses Films ein par sehr persönliche Anmerkungen des Regisseurs Lars Jessen:

„Am Tag als Bobby Ewing  ist ein persönlicher Film über die 68er aus der Perspektive ihrer Nachkommen:
einer Generation, die ihre Kindheit in den Wohn- und Beziehungsexperimenten
ihrer Eltern verbrachte. Zu Zeiten, als Sitzblockaden wichtiger als Hausaufgaben
waren, Weihnachten als religiöse Verschwörung galt und freie Liebe mehr Pflicht
als Möglichkeit war.

Entstanden ist ein Film über Ideale und ihr Verfallsdatum, aber auch Zeugnis einer kaum 20 Jahre alten Bewegung, deren Grad an Mobilisierung und Aggressivität heute kaum noch vorstellbar ist. In der Tonart ist „Am Tag als Bobby Ewing starb“ keine oberlehrerhafte Abrechnung, sondern ein ironisch humorvolles Portrait einer seltsamen Generation.

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Es ist aber auch ein Film über meine ganz persönlichen Erfahrungen in dieser
Szene. Denn Anfang der 80er lebte ich tatsächlich ein paar Jahre mit meiner
Mutter in einer solchen Wohngemeinschaft in der Nähe von Brokdorf.

Ich war zwar viel jünger als unser Protagonist Niels, der Grundkonflikt mit meiner Mutter und ihrem Liebhaber sowie einige Figuren und Begebenheiten aus dieser Zeit finden sich aber in unserer Geschichte wieder.

Die Selbstverständlichkeit, mit der in unserem „Alternativen Wohnkollektiv“
(Kommune galt bei uns als Schimpfwort) jede noch so alltägliche Handlung in
einen politischen Kontext gestellt wurde, verfolgt mich bis heute. Als Kind war die Welt der Kommune für mich voll von Konflikten.

Meine erwachsenen Mitbewohner versuchten mit autoritären Maßnahmen, den verwöhnten Wohlstandsbengel (der ich auch tatsächlich war), in ein funktionierendes Mitglied der Gemeinschaft zu verwandeln – was meinerseits auf wenig Gegenliebe stieß.

Ich wollte keine Rechte und erst recht keine Pflichten. Ich sah einfach keinen Sinn darin, den Gong zu schlagen, um im Plenum mit allen Mitbewohnern meine Probleme bis ins letzte Detail auszudiskutieren.

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Insofern ist der Film auch eine ganz persönliche autobiographische Zeitreise
und eine Auseinandersetzung mit einschneidenden Erfahrungen meiner Kindheit
und Jugend.“ (Quelle: Presseheft; liegt dieser Präsentation bei).

 
Für Thomas Schlömer des Filmspiegels ist schon der Anfang des Films „wie eine fantasielose Kopie der entsprechenden Sequenz aus Wolfgang Beckers ‚Good Bye, Lenin!‘“, die für ihn „keinen Zweifel am Anspruch des Films aufkommen [lässt] und auf die folgenden 100min seichte Unterhaltung [einstimmt].“

Schnitt.de hingegen sieht die 1980er in einer Rückblende „unter der von ulkiger Ausstattung und nostalgischem Witz geprägten Oberfläche“, die besonders durch den „hervorragenden“ Peter Lohmeyer zur Geltung kommt, „um den Eindruck zu erwecken, daß die 80er irgendwie noch weiter entfernt wirken, als sie es eigentlich sind.“

Das Lexikon des Internationalen Films meint: „Eine unterhaltsame, präzis rekonstruierte und hervorragend gespielte Mischung aus Polit-Satire, Provinzkomödie und Coming-of-Age-Geschichte, die nie hämisch, sondern liebevoll und melancholisch einen Schwebezustand der Desorientierung beschreibt, der durch die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl durchgerüttelt wird und eine bis heute aktuelle Brisanz der Thematik offenbart.“

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Dem letztem Votum schließe ich mich dann nur zu gerne an … entspricht er doch auch meiner Einschätzung:

Da ist der schlurfende Muesli-Gang von Peter Lohmeyer (der nicht immer so friedfertig ist, wie er scheint), da ist die engagierte, aber so oft verzweifelte Sozialpädagogin Hanne mit ihrem Sohn (sowas von voll in der Pubertät) und sein Proll Freud „Rakete“ (einfach nur köstlich !), der gewaltbereite Richy Müller und, und , und …

Figuren, die mir allesamt so verdammt bekannt vorkommen, aus meinen Erfahrungen der 80er Jahre wenngleich ich damals vordergründig bereits in einer „bürgerlichen Ehe“ lebte.

Von daher …. wieder mal so ein Film aus der Serie „Talkin´`bout my Generation“ …

Premiere

Ein Teil der Schauspieler bei der Premiere, 2005

 

Besetzung:
Peter Heinrich Brix (Prestin)
Franz Dinda (Niels)
Luise Helm (Martina)
Peter Lohmeyer (Peter)
Richy Müller (Eckhardt)
Jens Münchow (Rakete)
Nina Petri (Gesine)
Gabriela Maria Schmeide (Hanne)

Regie: Lars Jessen

Und hier ne kleine Diashow mit einer Vorschau zu dem Film:

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