Dieter Hildebrandt u.a. – Von Gau zu Gau oder die Wacksdorfidylle (1986)

TitelTja … Wackersdorf … der Name erinnert schlicht und ergreifend an jene Jahre, als die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAA) in den 80er Jahren in aller Munde war.

Wir erinnern uns:

Die WAA Wackersdorf war eines der politisch umstrittensten Bauprojekte der 1980er Jahre in der Bundesrepublik. Im Oktober 1985 wurde das WAA-Gelände (138 ha) für rund 3 Millionen DM vom Freistaat Bayern an die DWK GmbH mit Sitz in Wackersdorf verkauft.[1] Die Bauarbeiten im Taxöldener Forst begannen im Dezember 1985. Bei den heftigen Protesten kamen in der Folgezeit Erna Sielka am 2. März 1986 an Herzversagen, der asthmakranke Alois Sonnleitner am 31. März 1986 sowie der Polizeibeamte Johann Hirschinger am 24. September 1986 ums Leben. Am 31. Mai 1989 wurden die Bauarbeiten eingestellt, nachdem der Energiekonzern VEBA (heute E.ON) als wichtigster Anteilseigner der zukünftigen Betreibergesellschaft mit der Cogema, der Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague am 3. April einen Vertrag zur Kooperation unterzeichnet hatte und die WAA-Wackersdorf als „zu langwierig, zu teuer“ bezeichnete. Auch sah man „die Chance, die heißgelaufene Diskussion über die Kernenergie in der Bundesrepublik zu entlasten“

1994 ging in Cumbria (England) an der Irischen See im Atomkomplex Sellafield/Windscale die Wiederaufarbeitungsanlage THORP des Unternehmens British Nuclear Fuels in Betrieb. Dort wird vor allem die Aufarbeitung von ausländischen Brennelementen vorgenommen. Ein Großteil des Materials stammte aus Deutschland.

Baustopp1

In den 1980er Jahren waren Atomanlagen einerseits durch die Debatte um Atomrüstung und andererseits durch die Reaktorunglücke von Harrisburg und später Tschernobyl sehr stark umstritten. Seit den frühen 1970ern wuchs die Anti-Atom-Bewegung, durch die auch der Erfolg der Grünen beflügelt wurde.
Die „Wackersdorf-Koalition“ war ein Protest aus der breiten gesellschaftlichen Mitte. Pfarrer und Leute aus den bürgerlichen Parteien waren vertreten und das erschwerte den WAA-Befürwortern, die Protestler zu diffamieren.

Am 7. Oktober 1981 wurde die Bürgerinitiative Schwandorf gegründet und viele weitere folgten kurz darauf, die schließlich unter einem Dachverband geschlossen auftraten. Die erste Anti-WAA-Demonstration fand dann im Dezember 1981 mit etwa 3000 Personen in der Oberpfalzhalle in Schwandorf statt, wo versammelte CSU-Politiker auf die konsequente Pro-WAA-Linie eingeschworen werden sollten. Am 16. Februar 1985 demonstrierten bei eisigen Temperaturen rund 35.000 Menschen auf dem Schwandorfer Marktplatz friedlich gegen die WAA.

Nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am 10. Dezember 1985 die Genehmigung zur Rodung des Taxöldener Forst erteilte, errichteten die Atomkraftgegner dort am 14. Dezember das erste Hüttendorf („Freie Oberpfalz“), in dem etwa 1000 Menschen bei klirrender Kälte übernachteten. Dieses wurde zwei Tage später durch 3.700 Polizisten geräumt, 869 Demonstranten wurden festgenommen.
Doch bereits am 21. Dezember stand das nächste Hüttendorf („Freie Republik Wackerland“ mit 158 Hütten[, Zelten und Baumhäusern). Nach dem eingehaltenen „Weihnachtsfrieden“ wurde das Hüttendorf erst am 7. Januar 1986 von 2.000 Polizisten geräumt.[24] Bei der Räumung, die bis in die Nacht andauerte, wurden über 1000 Menschen zur erkennungsdienstlichen Erfassung festgenommen. (Quelle: Wikipedia)

Baustopp2

Aber damit ist natürlich die Geschichte von Wackersdorf noch längst nicht zu Ende …
Und ein Dieter Hildebrandt wäre nicht ein Dieter Hildebrandt gewesen … hätte er nicht dem Thema „Wackerdsdorf“ in seiner damaligen „Scheibenwischer“ Sende-Reihe nicht viel, ganz, viel Platz gegeben.
So geschehen in der „Scheibenwischer“ Sendung am 5. Februar 1986  … und dass das Manuskript dieser Sendung dann als Taschenbuch im Knaur Verlag im gleichen Jahr veröffentlicht wurde, zeigt, welche Brisanz dieses Thema damals hatte.
Und die Besetzung der damaligen Sendung liest fast wie das „Who´s who“ der damaligen Satire-Szene:

Wolfgang Franke – Dieter Hildebrandt – Hans Dieter Hüsch – Bruno Jonas – Gerhard Polt – Renate Küster – Konstantin Wecker … und nicht zu vergessen den Texter Klaus Peter Schreiner

Hier also die spitzfindige, bitterböse Sendung als Taschenbuch …. Leider habe ich keine Aufzeichnung dieser Sendung gefunden ….
Ergänzt wird dieses Sendemanuskript noch durch zwei wissenschaftliche Aufsätze zu den Gefahren der Kernenergie … damals, also als diese Sendung ausgestrahlt wurde, war von Tschernobyl noch keine Rede ….
Und weil Wackersdorf ein Lehrbeispiel für vieles ist …. demnächst mehr davon ….
Beispiel15

 

Beispiel01

Beispiel02

Beispiel03

Beispiel04

Beispiel05

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel08

Beispiel09

Beispiel10

Beispiel11

Beispiel12

Beispiel13
*
**

Wer an weiterführenden Informationen, die zur Vertiefung
der einzelnen blog-Beiträgen dienen, interessiert ist,  benötigt ein Passwort.
Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

Beispiel14

 

Bruno Jonas – Wir Enkelkinder (1992 (VHS rip)

frontcover1Der Bruno Jonas – ganz sicher einer der profiliertesten Kabarettisten der vergangenen Jahrzehnte- Zur Erinnerung: Seine Wurzeln liegen im damals erzkonservativen, pechschwarzem Passau/Niederbayern

Wenn man sich da keinen satirischen Humor zulegt … war man verratzt … Und ganz sicher erklärt sich auch so, dieser köstlich spöttische Film über die Entwicklung einer Generation, die wohl auch meine Generation ist.

Wir Enkelkinder ist eine deutsche Filmsatire aus dem Jahre 1992 von und mit Bruno Jonas. An seiner Seite treten eine Reihe von Kabarett-Kollegen aus der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf, allen voran Dieter Hildebrandt.

Der Film ist eine kabarettistisch-satirische Zeitreise durch die Bundesrepublik Deutschland der Jahre 1957 bis 1987. Im Zentrum der Geschichte stehen die beiden einstigen Schulfreunde Ulli Lasser und Willi Steiger. In vielem ähnelten sie sich, doch beide sollen in der alten Bundesrepublik sehr unterschiedliche Lebenswege einschlagen. Bei ihrer ersten Liebe, wo sie sich gleichermaßen schüchtern und gehemmt anstellten, waren sie auf gleicher Spur, doch schon hier traute sich der sanfte, progressive Ulli kaum mehr, als von dem Klassenschwarm Claudia nur zu träumen. Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter gingen ihre Wege eines Tages auseinander: Während sich der anpasserische, konservative Willi für eine Politikerlaufbahn bei der „CLU“, einer Verballhornung der CSU, entschied, studierte Ulli, der idealistische Weltverbesserer, lieber auf Lehramt. An der Universität wird er nolens volens von der Studentenbewegung nahezu aufgesogen und gerät, ganz unwillentlich, in die Fänge einer maoistischen Gruppierung. Fremdbestimmt, lässt sich Ulli sogar die zukünftige Frau vorschreiben: Renate.

kinoplakat

Filmplakat

Die Ehe wird prompt ein Reinfall, aber sein Studium schließt Ulli, der die ganze End-60er- und 1970er-Jahre-Entwicklung von Wohngemeinschaft und Antikriegsdemo über Maoismus bis Frauenbewegung und Ökopaxler-Szene durchlaufen hat, mit Erfolg ab. Jetzt aber sieht er sich mit neuen Problemen konfrontiert. Bei seiner „maoistischen Vergangenheit“ fällt er unter den Radikalenerlass und hat keine Chance auf die Übernahme als Lehrer in den Schuldienst. Ihm zum Verhängnis wird eine überdies Verurteilung wegen „Beleidigung der Bundesrepublik“ während seiner maoistischen Sturm-und-Drang-Zeit, und seine Teilnahme an diversen Demonstrationen brachte ihn gleichfalls in den Fokus des Staatsschutzes. Seit seiner Verurteilung gilt Ulli als vorbestraft. Nun aber ist Alt-Freund Willi zur Stelle und besorgt ihm einen Job als Redakteur bei dem CLU-Haussender Bayerischer Rundfunk, wo dieser unter dem linientreuen Intendanten Dr. von Wuest gerade Karriere zu machen beginnt. Zeitgleich beginnt Willis rasanter Niedergang, und er endet, wie weiland Uwe Barschel in einer Badewanne.

Wir Enkelkinder wurde am 5. November 1992 uraufgeführt.

Michael Fengler war Produktionsleiter. Die Bauten und Ausstattung entwarf Werner Achmann und wurde dabei von Rolf Zehetbauer beraten.

Mehrere bekannte Zeitgenossen traten in Gastrollen auf, darunter der Fälscher der Hitler-Tagebücher Konrad Kujau und die beiden einstigen „Jungfilmer“-Regisseure Klaus Lemke und Thomas Schamoni.

beispiel01
Die Besetzung von Hildebrandt als Chef des Bayerischen Rundfunks (BR), eine Art Helmut Oeller-Parodie, ist nicht ohne Pikanterie, hatte sich doch der CSU-nahe BR aufgrund von Hildebrandts unionskritischen Kabarettauftritten jahrzehntelang an diesem gerieben. Oeller hatte 1986 vergeblich versucht, Hildebrandts Satiresendung Scheibenwischer abzusetzen. Als ihm dies ARD-weit nicht gelang, klinkte sich der BR kurzerhand aus dem laufenden ARD-Programm aus.

„Nach dem ironischen Vorspiel hält Bruno Jonas Märchenstunde: Achtundsechzig, zu kurze Cordjacken, Maobibel, Uni-Mensa, Kommune 1. Clearasil und die Lenorfrau, Ashram in Poona, Feminismus, Berufsverbot, Latzhosen. Kohl, Stoiber, Barschel und noch mal Kohl – Jonas zählt auf, führt vor, klappert ab. Stationen im Leben eines Apo-Opas, Schulstunde im Imperfekt, fein säuberlich sortiert: Es war einmal, und es war doch ganz nett. Stammheim ist ein Slapstick mit Strick, das Nacktfoto der Kommunarden ein Witz über abzutrainierende Pfunde, der Marsch durch die Institutionen ein Klospruch in der Herrentoilette des BR. (…) Auch der Film traut sich höchstens heimlich. Im lockeren Bilderreigen entschärfen die Pointen sich gegenseitig, den Boden des Grundgesetzes verlassen sie höchstens im Fahrstuhl. Dort trifft Ulli auf den Intendanten (Dieter Hildebrandt), der um Stellungnahme zum gestern abgesetzten „Scheibenwischer“ bittet: eine Fangfrage. Ansonsten wird die Chronik der Ereignisse durch den humorigen Off-Kommentar in gehörige Distanz gerückt. Nicht mal die CSU wird beim Namen genannt und zur CLU verballhornt – München, wie es singt und lacht. (…) Bruno Jonas hat den Film gemacht, den Edgar Reitz uns mit der „Zweiten Heimat“ zum Glück ersparte. Nicht nur die jüngste deutsche Geschichte, auch die sechziger Jahre taugen bis heute offenbar nicht zum Witzemachen. Die Selbstkritik schwingt sich höchstens zur Witzelei auf. Jonas’ Humor fehlt der nötige Ernst.“ (Die Zeit, Ausgabe vom 30. Oktober 1992)

„Den Titel „Wir Enkelkinder“ wählte Bruno Jonas für sein Leinwand-Debüt in Anlehnung an die Klassiker der 1950er und 1960er Jahre „Wir Wunderkinder“ und „Wir Kellerkinder“. Damit hören die Ähnlichkeiten jedoch auf. Jonas‘ Film ist ein Parforce-Ritt durch das Leben eines Mannes, in dem auch das politische Geschehen dieser Jahre immer mal wieder gestreift wird. Die Story an sich tritt in den Hintergrund, einige Szenen bleiben in Erinnerung – besonders köstlich Hildebrandts Dialog mit Jonas im Fahrstuhl … Das Ergebnis ist am Ende uneinheitlich, nicht restlos überzeugend aber doch sehr unterhaltsam. Gastauftritte haben hier auch Jonas‘ Kabarettisten-Kollegen Jochen Busse und Rainer Basedow.“ (film-lexikon.com)

„Eine satirische Revue durch 30 Jahre Nachkriegsdeutschland (1957-1987). Ein hintergründiger Spaß, der eine Fülle von Themen aufgreift, auf seiner privaten Ebene liebevollen Spott treibt und in seinen parteipolitischen Bezügen auch brisante Vorfälle aufgreift. Durch Gespür für satirische Überhöhung am richtigen Objekt ist ein weitgehend vergnüglicher Rückblick entstanden.“ (Lexikon des Internationalen Films)

„Jonas’ Humor fehlt der nötige Ernst.“ fehlt der nötige Ernst … diesen Satz erkläre mir mal bitte einer !

Vermutlich fehlt mir die nötige kritische Distanz … denn, jener „Ulli Lasser“ , ja jener“Ulli Lasser“ … erinnert mich in vielen Bereichen an mich selbst … vom schüchternen Jungen bis hin zum politisierten Studenten (okay, die Maoisten waren mir schon damals suspekt). Und auch all die privaten Turbulenzen … ja … sie kommen mir wahrlich nicht unbekannt vor (bis hin zu jener Latzhosen Generation der Weiblichkeit). Öko, Bio, Anti AKW-Bewegung all das hat auch meinen Weg begleitet … und von daher ist diese satirische Zeitreise so ganz nach meinem Geschmack … denn wenn man darüber nicht auch mal schmunzeln dürfte, dann gute Nacht !

Verwunderlich ist eigentlich nur, dass dieser Film nie auf DVD erschienen ist …

aushangfoto01

aushangfoto02

aushangfoto03

aushangfoto04

beispiel02

aushangfoto07

aushangfoto08

aushangfoto09

aushangfoto10

aushangfoto11

aushangfoto12

Besetzung:
Michael Abelski (Kreuzträger)
Mario Andersen (Kommunarde)
Henry Arnold (Kommunarde)
Peter Baer (Faust)
Rainer Basedow (Polizist)
Richard Beek (alter Mann)
Arthur Brauss (Merklein)
Torsten Buchsteiner (Fritz Teufel)
Jochen Busse (Pfiffchen)
Susanne Czepl (Renate)
Florian Ernstberger (Fabrikleiter)
Veronika Fitz (Ulli’s Mutter)
Guenther Gross (Kommunarde)
Michael Habeck (Ober)
Dieter Hildebrandt (Dr. von Wuest)
Jonas (Baby)
Bruno Jonas (Ulli Lasser)
Jochen Kahn (Kritiker)
Rudolf Klaffenböck (Kreuzträger)
Andrea Lüdke (Inge)
Daniela Lukas (Kommunarde)
Thekla Mayhoff (Magda)
Heinz Meier (Vater Radunski)
Toni Netzle (Zuschauerin)
Volkmar Ohms (Standesbeamter)
Horst Pasderski (Moser Heini)
Christian Polito (Peter)
Karin Rasenack (Henriette)
Christiane Rheinfurt (Kommunarde)
Walter Richarz (Bhagwantyp)
Stefanie Richter (Gretchen)
Jophi Ries (Maoist Bernd)
Thomas Schamoni (Faust Regisseur)
Antje Schmidt (Claudia)
Heinrich Schmieder (Mephisto)
Klaus Peter Schreiner (Pater Schröder)
Johanna Schubert (Kommunarde)
Ilona Schulz (Gisela)
Angelika Sedlmeier (Kommunarde)
Hans-Jürgen Silbermann (Meter)
Manon Straché (Emanze)
Horst Tomayer (Bio-Lehrer)
Edith Volkmann (Ulli’s Tante)
Stephan Wald (Helmut Kohl Stimme)
Rainer Wiehr (Fälscher)
Dieter Woll (Ulli’s Vetter)
Michael Wüst (Kreuzträger)
Vitus Zeplichal (Willi Steiger)
Martin Zauner (Klaus)

Regie: Bruno Jonas
Musik. Nich Woodland

vhstape1

*
**

Wer an weiterführenden Informationen, die zur Vertiefung
der einzelnen blog-Beiträgen dienen, interessiert ist,  benötigt ein Passwort.
Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

gehtauchgunstiger

Geht auch günstiger …