Ania Jools – Bilder von mir (2009)

FrontCover1Als Ania Jools 2009 mit diesem Debütalbum auf den Markt kam, galt sie als eine der ganz großen neuen Hoffnungen in der deutschprachigen Musikszene.

So konnte man damals z.B. diese Zeilen lesen:

Gerade 21 Jahre alt ist Ania Jools aus München, die in diesen Tagen ihr Debutalbum Bilder von mir veröffentlicht. Zugleich wird sie bereits durch große Magazine wie den Focus und Zeitungen wie die SZ als „die neue deutsche Soulhoffnung“ gehandelt.

Auf den ersten Blick irritiert so manches. Zum einen der Nachname – gut, sehr schnell läßt sich feststellen, dass „Jools“ (sprich: „Dschuuls“) ein Künstlername ist, man also keinen imaginären Stammbaum wohin auch immer zu konstruieren braucht. Zum anderen das noch recht zarte Alter von Ania Jools, wenn man dieses auf einen recht großen Titel wie Bilder von mir bezieht. Und dann ist da noch dieser Sound, der seltsam vertraut und nach einer Mischung von Roger Cicero und Annett Louisan klingt.

Letzteres ist am schnellsten erklärt: Produziert wird Ania Jools nämlich von Gunnar Graewert, der eben auch für Annett Louisan und Patrick Nuo schreibt, dazu kam Frank Ramond, der Kopf hinter den Texten von Annett Louisan und Roger Cicero. Der Schaffensprozeß von Bilder von mir, so erzählten es beide dem „Focus“ in einem Interview, verlief derart, dass Ania Jools aus ihrem Leben erzählte und Graewert diese dann in Songs umwandelte.
An dieser Stelle kommt dann wieder Ania Jools als eigentlich Protagonistin ins Spiel: Die wunderschöne Münchnerin interpretiert diese durch die Brille eines Anderen gesehenen, aber trotzdem eigenen Lebensbilder mit ihrer Stimme quasi neu. Dieses Bild bekommt für den ganz gewöhnlichen Hörer jedoch durchaus seine Risse, wenn er etwa den Text zu „Egal“ hört und sich angesichts dieser „Dreiecksgeschichte“ fragt, ob das wirklich noch autobiographisch sein soll…

AniaJools01

Musikalisch entsteht bei dieser Zusammenarbeit Pop heraus, der sehr leicht konsumierbar, aber trotzdem (deswegen?) schön ist. Zahlreiche Stilelemente vom Chanson über den Soul bis hin zum Swing kommen dabei zum Tragen. Da machen der Opener „Schön Dich wieder zu sehen“ und auch sein Nachfolger „Viel zu weit weg“ schnell klar, wohin der Weg geht. „Bilder von ihr“ ebenso wie „Fang mich“ (für mich der beste Song des Albums!) unterscheiden sich durchaus wohltuend durch ein mehr an Gitarren oder Beat, und auch „Es geht vorbei“ ist eher lässiger Gitarrenpop.
Daneben finden sich eine ganze Reihe von balladesken Stücken wie „Egal“, das sehr zarte „Bei dir gehts mir gut“ oder auch „Du lebst“ und das abschließende „Fühl das Leben nur bei dir“, das sogar unaufdringliche Countryelemente enthälten. Einziger Totalausfall ist das Mambostück „Tanz mit mir“.
Mehr als erwähnenswert ist aber natürlich die großartige, variantenreiche Stimme von Ania Jools, die tief und warm und sehr, sehr, sehr sexy ist. Im Verlauf des Albums verlieren sich auch weitgehend die unnötigen Ausschmückungen, die etwa in „Schön dich wieder zu sehen“ in keinem guten Sinn noch äußerst dominant sind.

Bilder von mir ist ein überwiegend leichtes Sommeralbum geworden, das auch nebenher konsumierbar ist. Wer sich auf die (vor allem lyrischen) Untertöne einläßt wird angesichts der Person von Ania Jools bzw. dem, was man in der Regel von einer Frau ihres Alters zu wissen glaubt, an der einen oder anderen Irritation nicht vorbeikommen. Man darf wohl wirklich gespannt sein, was von ihr in nächster Zeit noch zu hören sein wird. (Andreas Matena)

Keine Frage: Ania Jools (natürlich ein Künstlername) hat eine beeindruckende Stimme und auch wenn mir die Texte wie so oft ein wenig auf den Keks gehen (als gäbe es nichts anderes als das Thema „Liebe“; ich weiss nicht wie oft ich das hier schon anmerken mußte !), so galt sie damals ganz sicher zu recht als großes Talent.

Und es ging auch weiter … diverse Auftritte etc. p.p … und ihre Facebook-webiste ist voll von solchen Events. Doch Ende 2013 enden dann die Einträge … und das hinterlässt bei mir irgendwie in verdammt ungutes Gefühl …

Live

Besetzung:
Gunnar Graewert (keyboards, vocals, ukulele, drums, percussion)
Anja Jools (vocals)
Mario Schönhofer (bass)
Titus Vollmer (guitar, lap-steel-guitar)
+
Heinrich Haas jr. (organ bei 01
Dirk Janoske (trombone bei 09.)
Peter Kraus (drums bei o2., 04., 08., 12)
Oscar Kraus (background vocals)
Manni Müller (drums bei o1., 06., 09., 10.)
Martin Kursawe (guitar bei 03., 04., 08., 11.)
Tom Reinbrecht (saxophone bei 09.)
Florian Sager (trumpet bei 09.)
Otto Schellinger (bass bei 04., 05., 06., 11.)
Thorsten Skrinner (saxophone bei o1., 09.)
Wolfgang Vetter (trumpet bei 09.)
Jan Zehrfeld (guitar bei o4., 11.)
+
Modern String Quartet (strings bei 11.)

Inlet1Titel:
01. Schön dich wieder zusehen (Graewert) 3.58
02. Viel zu weit weg (Graewert) 3.47
03. Bilder von ihr (Graewert/Koreck) 4.09
04. Es geht vorbei (Graewert/Kraus) 3.51
05. Egal (Graewert) 4.00
06. Amelie (Graewert) 3.02
07. Fang mich (Graewert/Koreck) 3.40
08. Bei dir geht’s mir gut (Graewert) 3.51
09. Tanz mit mir (Graewert) 3.25
10. Stell mir vor (Graewert) 4.47
11. Du lebst (Graewert) 3.50
12. Fühl‘ das Leben nur bei dir (Graewert/Rammond) 4.46

CD1

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