Erich Kästner: Weihnachtslied, chemisch gereinigt (Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!) (1927)

Weihnachtslied, chemisch gereinigt ist ein Gedicht des deutschen Schriftstellers Erich Kästner. Es erschien erstmals in der Weihnachtsausgabe 1927 der Zeitschrift Das Tage-Buch. Ein Jahr später nahm Kästner es in seine erste Gedichtsammlung Herz auf Taille auf. Seither wurde es in verschiedenen Anthologien abgedruckt und von zahlreichen Künstlern vorgetragen.

Das Gedicht parodiert das bekannte Weihnachtslied Morgen, Kinder, wird’s was geben und verkehrt dessen Inhalt in die Aussage, dass es für arme Kinder nichts geben wird. Es folgen satirische Begründungen, warum Geschenke und ein prachtvolles Weihnachtsfest für arme Kinder auch nicht notwendig oder erstrebenswert seien. Kästner reagierte mit dem Gedicht auf die sozialen Spannungen in der Weimarer Republik. Dazu unterzog er die Sentimentalität des Weihnachtsfestes einer „chemischen Reinigung“ im desillusionierenden und sprachlich nüchternen Stil der Neuen Sachlichkeit.

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch Eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden,
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden,
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heilge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit . . .
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Lesbos

Ein Flüchtlingskind – ertrunken vor der griechischen Insel Lesbos

Erich Kästner – Das fliegende Klassenzimmer (Film) (1954)

Filmplakat1ADieser Film rückt jedes Jahr im Dezember wieder in mein Bewusstsein und ja, wärmt jedes Jahr aus Neue mein Herz:

Der Kinderfilm Das fliegende Klassenzimmer ist ein deutscher Schwarzweißfilm des Regisseurs Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1954. Die literarische Vorlage zu einem der populärsten deutschen Filme der Nachkriegszeit stammt von Erich Kästner, Autor des gleichnamigen Romans. Neben den von damaligen Jungschauspielern, darunter Peter Tost, Peter Kraus, Axel Arens und Michael Verhoeven, verkörperten Schülern spielen Paul Dahlke, Heliane Bei und Paul Klinger die Hauptrollen.

Der Schriftsteller Erich Kästner schreibt im Sommer auf einer Almwiese an seinem neuen Roman Das fliegende Klassenzimmer. Bei 38 °C Hitze fällt ihm die Inspiration für eine Geschichte, die im Winter spielt, allerdings nicht leicht. Erich Kästner beginnt, die Geschichte zu erzählen. Es geht in erster Linie um einige Jungen, die im Alpenstädtchen Kirchberg in einem Internat leben und das Johann Sigismund-Gymnasium, eine Knaben-Oberschule, besuchen.

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In der Konditorei haben sich Uli und Matz getroffen. Sie probieren anschließend im Friseursalon eine Perücke an für die Rolle des Mädchens in dem Theaterstück Das fliegende Klassenzimmer. Dieses Stück hat Johnny geschrieben; es wird von den Schülern aufgeführt. Zu den Jungen gesellt sich noch Rudi. Er ist der Sohn von Professor Kreuzkamm, ihrem Deutschlehrer. Professor Kreuzkamm ist etwas zerstreut. Im Internat erzählt Johnny seinem Freund Martin seine Lebensgeschichte. Als dreijähriger Junge wurde er von einem Mann in New York auf ein Schiff gebracht, um allein nach Deutschland zu fahren. In Bremerhaven angekommen, sollte er angeblich von seinen Großeltern abgeholt werden. Diese Großeltern gab es allerdings gar nicht, die Adresse stimmte auch nicht, und die Adresse des Mannes in New York war ebenfalls falsch. So kam es, dass der Kapitän des Schiffes Johnny zu sich nahm.

Beispiel01

Erich Kästner

Die Jungen haben bei ihrem Lieblingslehrer Dr. Johannes Bökh, genannt Justus, Unterricht. Er gestaltet den Geographieunterricht so plastisch, dass die Kinder das Gefühl haben, die Welt wie aus einem Flugzeug zu sehen. Nur Ferdinand fehlt als einziger. Denn er interessiert sich nur für Musik und ist deshalb ständig im Musikzimmer – beim Klavierspielen. Uli fühlt sich von den anderen Jungen nicht ernst genommen, weil er wenig Mut hat. Sein bester Freund Matz dagegen ist sehr mutig, dafür aber im Denken langsamer. Uli würde dennoch gern mit Matz tauschen, was dieser für Blödsinn hält, denn: Seine Noten verbessern sich einfach nicht. Aber Uli könnte etwas gegen seine Angst tun, indem er mal etwas ganz Außergewöhnliches anstellt.

Beispiel02

Die Realschüler entführen Rudi Kreuzkamm, der die Diktathefte der Internatsschüler zu seinem Vater bringen sollte. Daraufhin suchen die Jungen Rat beim „Nichtraucher“. Dieser lebt in einem alten Eisenbahnwaggon, der als Nichtraucherwagen ausgewiesen ist. Sie berichten ihrem väterlichen Freund von dem erbitterten Streit der Realschüler mit den Internatsschülern. Dieser wird schon seit vielen Jahren ausgetragen.

Der „Nichtraucher“ will die Jungen als Schiedsrichter bei ihrem bevorstehenden Kampf gegen die Realschüler unterstützen. Er macht den Vorschlag, dass sich von den beiden Gruppen jeweils nur einer prügeln solle. Gewinnen die Internatsschüler, sollen sie Rudi sowie die Diktathefte zurückerhalten. Gewinnen die Realschüler, sollen die Internatsschüler sich schriftlich dafür entschuldigen, dass sie in der Vergangenheit die Fahne der Realschüler stark beschädigt haben. Den Zweikampf gewinnt Matz für die Internatsschüler. Die Realschüler weigern sich allerdings, Rudi herauszugeben. Daraufhin kommt es zu einer Schneeballschlacht zwischen den Internatsschülern und den Realschülern. Die Verwirrung während der Schneeballschlacht nutzen Johnny und Matz aus, um Rudi zu befreien. Dabei stellen sie fest, dass ihre Diktathefte von den Realschülern bis auf kleine Überreste verbrannt worden sind.

Beispiel03

Nach der Schlacht kehren die Jungen wieder ins Internat zurück. Dort werden sie am Tor von ihrem Tutor, dem schönen Theodor, abgefangen. Da sie keine Ausgangsgenehmigung hatten, bringt dieser sie zu ihrem Lehrer Justus. Dieser ist enttäuscht von den Jungen, dass sie ihn nicht ins Vertrauen gezogen haben. Zur „Strafe“ gibt es eine Stunde Hausarrest bei ihm im Turmzimmer. Er erzählt ihnen währenddessen eine Geschichte. Ein Junge lebte vor vielen Jahren im selben Internat. Seine Mutter wurde krank, und der Junge besuchte sie im Krankenhaus, ohne eine Erlaubnis zu haben, wofür ihm zur Strafe die Ausgangserlaubnis für den nächsten Tag gestrichen wurde. Er ging trotzdem und wurde von seinem Tutor am Tor erwischt. Da der Junge sich erneut dem Verbot widersetzt hatte, wurde er zu seinem Lehrer gebracht und bekam vier Wochen Ausgehverbot. Doch der Junge besuchte seine Mutter erneut. Daraufhin musste er in den Karzer. Doch ein anderer Junge ließ sich für ihn einsperren. Sie waren beste Freunde und trennten sich auch später nicht. Die beiden studierten und wohnten zusammen. Und auch als der eine heiratete, blieben sie enge Freunde. Dann jedoch starben Frau und Tochter des Freundes. Am Tag nach dem Begräbnis verließ er die Stadt, und sein Freund hat nie wieder etwas von ihm gehört. Der eine Junge war Justus selbst.

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In der Deutschstunde müssen die Jungen Professor Kreuzkamm mitteilen, dass die Diktathefte verbrannt sind. Davon ist dieser natürlich gar nicht begeistert. Zudem haben die Jungen Uli einen Streich gespielt und diesen in einem Papierkorb an der Decke aufgehängt. Nachdem Uli befreit ist, lässt Professor Kreuzkamm die Jungen ein sehr schweres Diktat schreiben. Zur Sicherheit nimmt er diesmal die Hefte selber mit. Nach dem Streich reicht es Uli nun endgültig. Er kündigt der Klasse an, dass er etwas Besonderes machen werde. Die Jungen sollen um 15.00 Uhr zur Eisbahn kommen. Inzwischen führen Johnny und Martin Dr. Bökh zum Nichtraucher, da sie vermuten, dass dieser sein verschwundener Freund ist. Und tatsächlich kommen die alten Freunde so wieder zusammen. Auf der Eisbahn steigt Uli auf ein hohes Klettergerüst und springt, ausgerüstet mit einem geöffneten Regenschirm, herunter. Dabei zieht er sich einige Verletzungen zu, im Großen und Ganzen geht es aber glimpflich ab. Seine Mitschüler machen sich große Sorgen um Uli.

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Zum Glück sind Justus und Dr. Uthoff, der Nichtraucher, in der Nähe. Robert Uthoff ist Arzt und leistet sogleich erste Hilfe. Der Abend gehört den beiden Freunden, die sich viel zu erzählen haben. Dabei versucht Justus auch, den Nichtraucher zu bewegen, wieder in seinem alten Beruf als Arzt zu arbeiten. Noch kann er Robert nicht davon überzeugen, seine Arbeit als Arzt wieder aufzunehmen und sein Domizil zu verlassen. Eine besondere Sympathie entwickelt sich zwischen Schwester Beate und Robert Uthoff.

Die Weihnachtsferien stehen kurz bevor. Die Jungen freuen sich schon darauf. Nur Martin ist traurig. Seine Eltern sind arm und können diesmal das Geld für eine Fahrkarte nach Hause nicht aufbringen. Doch bevor es soweit ist, wird in der Turnhalle der Schule noch das Stück Das fliegende Klassenzimmer in fünf Bildern aufgeführt. Es handelt von einem Klassenzimmer, das sich in einem Flugzeug befindet. Damit können die Schüler in alle Kontinente fliegen. In Ägypten geht ein „kleines Mädchen“ aus der Klasse verloren, als es von einer Mumie in eine Pyramide gelockt wird. Am Ende gelangt das Flugzeug in den Himmel. Und Petrus rettet das Mädchen. Damit endet das Theaterstück.

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Martin vertraut Justus an, dass er nicht zu seinen Eltern fahren kann. Martins Eltern begehen traurig den Weihnachtsabend alleine. Doch plötzlich klingelt es an der Tür, und zu ihrer großen Freude steht Martin draußen. Das Geld für die Hin- und Rückfahrt hat er von Justus bekommen. Und auch Justus verbringt ein schönes Weihnachtsfest zusammen mit dem Nichtraucher, dem Sanitätsrat und Schwester Beate. Mit seinem Weihnachtsgeschenk schafft er vollendete Tatsachen, da der Freund die Stelle als Schularzt, die er ihm besorgt hat, nun nicht mehr ausschlagen kann. Da stecke nicht nur er dahinter, lässt er Robert wissen und schaut bedeutungsvoll zum Sanitätsrat und zu Schwester Beate.

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Wieder zurück in den Sommer. Erich Kästner sitzt in einem Biergarten, als er eines Tages eine „merkwürdige Begegnung“ hat. Johnny und sein Ziehvater, der Kapitän, setzen sich zu ihm. Erich Kästner fragt Johnny nach dem Befinden „seiner“ Jungen im Internat, nach Martin und nach Uli und auch nach Justus und Dr. Uthoff, dem neuen Schularzt. Johnny erzählt von den Freunden und auch, dass Uthoff und Schwester Beate zu Ostern geheiratet hätten, und fragt dann erstaunt, woher er sie eigentlich alle kenne. Kästner zieht seinen Hut und meint, dass er nun leider gehen müsse, Johnny solle die Jungs und ganz besonders „Justus“ von ihm grüßen. Auf seine Frage, von wem er denn alle grüßen solle, bekommt er zur Antwort „von einem guten Freund, einem guten Freund guter Freunde.“ Beim Hinausgehen überreicht Kästner dem Ober ein Buch und deutet auf Johnny. Der Ober begibt sich zum Tisch und überreicht Johnny das Buch mit einem schönen Gruß „von dem Herrn, der eben hier war“. Das Buch trägt den Titel Das fliegende Klassenzimmer von Erich Kästner; von diesem kurz zuvor auf dem Umschlag handschriftlich um und Johnny Trotz ergänzt.

Beispiel08

Gedreht wurde der Film im März 1954 im Atelier der Bavaria Film in Geiselgasteig sowie im Carlton-Studio in der Tulbeckstraße. Die Außenaufnahmen entstanden in Kitzbühel, Kufstein und auf der Burg Marquartstein. Teile der Innenaufnahmen wurden im Staatlichen Landschulheim Marquartstein gedreht. Für die Filmbauten trugen Robert und Kurt Herlth die Verantwortung.

Erich Kästner schrieb nicht nur das Drehbuch, er spielte sich auch selbst und ist der Erzähler im Film. Diese erste Verfilmung des Romans Das fliegende Klassenzimmer hält sich am genauesten an die Romanhandlung. Erich Kästner hatte bereits 1933, kurz nachdem Hitler an die Macht gekommen war, mit der UFA Verhandlungen über die Verfilmung seines Buches geführt. Niemand wolle das Risiko eingehen, mit einem Schriftsteller zusammenzuarbeiten, der im Dritten Reich nicht gerade wohlgelitten war. Störend war wohl auch die „zutiefst menschliche Aussage des Buches“, die so gar nicht in diese Zeit der Willkür passen wollte. Auch dass es keine eindeutige Hauptfigur in diesem Film gibt, galt an der Kinokasse eher als hinderlich.

Beispiel09

Das musikalische Leitmotiv von Hans-Martin Majewski besteht vollständig aus Mundharmonikamusik des „Trio Raisner“, das auch in vielen weiteren Passagen des Films zu Gehör kommt. „Normale Filmmusik“ spielt das renommierte Orchester Kurt Graunke in verhältnismäßig wenigen Szenen. In diesem Film spielte der später erfolgreiche Sänger Peter Kraus seine erste Filmrolle. (Quelle: wikipedia)

„Vergnügliche und warmherzige Verfilmung des Kinderromans von Erich Kästner mit unaufdringlicher Pädagogik.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Erich Kästners vierter Kinderroman (1933) hält mit den Freunden ein prächtiges Spektrum jugendlicher Charaktere bereit, deren Solidarität und Mut, Missgeschicken tapfer zu trotzen, gefeiert wird. Die Verfilmung von Kurt Hoffmann, zu der Kästner das Drehbuch schrieb, fügt eine Liebesgeschichte zwischen Krankenschwester Beate und Nichtraucher hinzu. Zum vorzüglichen Jungen-Team gehören Peter Kraus und Michael Verhoeven. (kino.de)

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Und ja, der Film rührt mich heute noch an, so sehr, dass meine Augen mehr als einmal feucht wurden … das Buch aber auch dieser Film haben mich in dem, was ich inneres Wertesystem nenne, tief geprägt.

Beispiel10
Besetzung:
Heliane Bei (Schwester Beate)
Paul Dahlke (Dr. Johannes Bökh, genannt Justus)
Arno Ebert (Johnnys Ziehvater)
Ruth Hausmeister (Frau Thaler, Martins Mutter)
Bruno Hübner (Prof. Kreuzkamm)
Paul Klinger (Dr. Robert Uthoff, genannt „Der Nichtraucher“)
Herbert Kroll (Direktor Grünkern)
Erich Ponto (Sanitätsrat Dr. Hartwig)
Willy Reichert (Herr Thaler, Martins Vater)
Peter Vogel (der schöne Theodor)
Rudolf Vogel (Friseur Krüger)
+
die Tertianer:
Axel Arens (Sebastian Frank)
Max Bath (Kurt, Schüler)
Bert Brandt (Matthias „Matz“ Selbmann)
Horst Dieter Braun (Wawerka, Schüler)
Hartmut Högel (Fridolin, Schüler)
Peter Kraus (Jonathan „Johnny“ Trotz)
Knut Mahlke (Ulrich „Uli“ von Simmern)
Bernhard von der Planitz (Egerland)
Klaus Peter Pretzl (Bruno, Schüler)
Karl Schaidler (Fässchen, Schüler)
Peter Tost (Martin Thaler)
Michael Verhoeven (Ferdinand)
Michael von Welser (Rudi Kreuzkamm)
+
Erich Kästner (Erzähler)

Regie: Kurt Hoffmann
Drehbuch: Erich Kästner
Musik: Hans-Martin Majewski

Kamera: Friedl Behn-Grund

Beispiel11

Erich Kästner

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Beispiel12

Liegt der Präsentation bei (24 Seiten)

Verschiedene Interpreten – Es lag in der Luft – Chansons der 20er Jahre (1965)

FrontCover1Irgendwie tröstlich, dass „wir Deutschen“ gar nicht so tugendhaft waren, wie man sich das mal früher gedacht hat … denn diese Sammlung durchaus auch frivoler Chansons aus den 20er Jahren ist schon erstaunlich, bedenkt man, dass sie Mitte der 60er Jahre erschien, also zu einer Zeit, als ein Oswald Kolle erst in den Startlöchern stand.

Aber zurück zu dieser LP. Es handelt sich nicht um einen Sampler, sondern die Aufnahmen wurden eigenes für diese Produktion aufgenommen, die musikalische Leitung hatte Nils Sustrate (* 01.09.1931) … Auch wenn der Name nur wenigen geläufig ist, fast jeder hat seine Kompositonen schon mal gehört, denn er hat u.a. bei diversen Tatorten die Musik komponiert.

Und neben all den frechen Chansons kann man dann auch die bis heute witzig-sarkastischen Gedichte aus der Feder von Erich Kästner hören, gesprochen von dem Schauspieler Wilhelm Borchert.

Und man gab sich mit der Produktion wirklich viel Mühe … Das zeigt sich nicht nur daran, dass sie Spieldauerbei  über 55 Minuten liegt – bedenkt man mal, dass damals so manche Beat-LP´s knapp 30 Minuten dauerte … da staunt man dann schon wenig …

Ich kenne nicht alle der Interpreten, aber so manchen Namen sind mir schon noch geläufig: Hannelore Schroth, Martin Held, Theo Lingen, Victor de Kowa oder Heinz Reincke … das waren damals schon klangvolle Namen.

Ich wünsche also viel Vergnügen bei diesen pfiffigen Interpretationen … charmant, frivol, beschwingt … zuweilen bissig und sarkastisch … zuweilen ein wenig schräg … Herz, was willst Du mehr ?

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Besetzung:

Hannelore Schroth – Ursula Sieg – Karl John- Reiner Brönneke – Andrea Dahmen – Lore Calvies – Martin Held – Joana Maria Gorvin – Theo Lingen – Victor de Kowa – Elfriede Ott – Werner Riepel – Manfed Steffen – Carla Hagen – Christa Bernhardt – Heinz Reincke

Arrangements und musikalische Leitung: Nils Sustrate

Sprecher: Wilhelm Borchert

ReinckeSchroth

Heinz Reincke & Hannelore Schroth

Titel:
01. Es liegt in der Luft (Schiffer/Spoliansky) 2.34
02. Die Zeit fährt Auto (Kästner) 0.53
03. Die Trommlerin (Hollaender) 2.53
04. Koks (Markiewicz/Sustrate) 3.11
05. Die Zunge der Kultur reicht weit (Kästner) 1.08
06. Duett im Romanischen Café (Hollaender) 5.10
07. Hymne an die Zeit (Kästner) 1.18
08. Eine gewisse Republik (Kerr/Sustrate) 1.38
09. Berlin in Zahlen (Kästner) 1.25
10. Tamerlan (Tucholsky/Nelson) 3.58
11. In der Bar zum Krokodil (Beda/Fritz/Engel-Berger) 3.20
12. Wenn die beste Freundin (Schiffer/Spoliansky) 3.17
13. Meine Schwester liebt den Buster (Hollaender) 3.18
14. Legende nicht ganz stubenrein (Kästner) 1.49
15. Eine kleine Sehnsucht (Hollaender) 4.01
16. Besuch vom Lande (Kästner) 0.59
17. Robes, Modes (Beda/Jaffe/Bronx) 2.31
18. Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank (Kästner) 1.25
19. Die Kleptomanin (Hollaender) 2.19
20. Misanthropologie (Kästner) 1.13
21. Das Tauentzienmädel (Tucholsky/Hollaender) 4.01
22. Ballade vom Nachahmungstrieb (Kästner/Sustrate) 3.24
23. Finale (Schiffer/Spoliansky) 0.38

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Variete Silvester 1928 in Berlin

Verschiedene Interpreten – Kästner für Zuhörer (1969)

FrontCover1Ein für mich ganz besonderes Literaturprojekt ist diese mir vorliegende LP aus dem Jahr 1959.

Ein Bert Grund hat sich 16 texte von Erich Kästner vorgenommen, um diese zu vertonen un sie dann miz unterschiedlichen Mitstreitern als „16 Chansons“ zu veröffentlichen.

Bert Grund (* 21. Januar 1920 in Dresden; † 30. März 1992 in München) war ein deutscher Filmkomponist.

Nach einer Ausbildung an der Musikhochschule Dresden wurde er 1943 Assistent des Filmkomponisten Theo Mackeben. Er spezialisierte sich zunächst auf die Komposition von Filmmusiken und war in dieser Funktion an zahlreichen Produktionen des deutschen Nachkriegskinos beteiligt.

Grund komponierte später auch Ballette, Musik zu Einaktern und Chansons für Margot Werner. Er wirkte zudem als Arrangeur und leitete 1964 in Kopenhagen das Orchester bei Schallplattenaufnahmen, als Marlene Dietrich Alt-Berliner Lieder sang. Er schrieb die Musik zu den erfolgreichen Fernsehserien Funkstreife Isar 12 und Kommissar Freytag. Einige Zeit lehrte er an der Hochschule für Fernsehen und Film München. (Quelle: wikipedia)

Tja und der Erich Kästner … der hatte sehr viele Facetten … eine davon ist seine lyrische Ader: Melancholisch, ironisch, zärtlich, sarkastisch, hoffnungslos romantisch, bitterböse und zuweilen auch leicht frivol … – Erich Kästners Lyrik führt uns durch ein Universum der Emotionen.

KästnerEnderle

Erich Kästner und Luiselotte Enderle, frühe 50er Jahre

Bei seinen zuweilen sehr spöttischen Texten über das Uralt Thema „Mann-Frau“ zeigt sich auch durchaus deutlich, dass der Erich Köstner wohl zeitlebens eine „Lebemann“ war … wie das wohl früher ausgedrückt hätte.

Das Thema Erich Kästner und die Frau wäre wohl abendfüllend. Zeitweilig hatte er wohl 4 Geliebte zeitgleich … Vielleicht komme ich auf das Thema später nochmals zu sprechen (in der Präsentation befindet sich auch ein ausführlicher Artiekl über dieses Thema …)

Aber es gibt auch andere Texte, wie z.B. „Das Eisenbahngleichnis“

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft; ein andrer klagt;
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus, wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein
und lächelt vor sich hin.

Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,
und keiner weiß, warum.

Die erste Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr
Die Mehrheit sitzt auf Holz

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und viele im falschen Coupé.

Und dann auch noch die „Fantasie von Übermorgen“:

Und als der nächste Krieg begann
da sagten die Frauen: Nein
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus

Sie legten jeden über’s Knie
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab’s Geschrei,
doch nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen: der Krieg sei aus.

Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an…

Kästner

Nicht minder politisch „Das Spielzeuglied“ … Melancholie stellt sich bei „Gewisse Ehepaare“ (wunderbare das begleitende Saxophon) … „Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen … “ aber auch bei „Hotelsolo“ ein …

Vorgetragen werden die Texte durch eine Schar von damals sehr bekannten Unterhaltungskünstlern … von Helen Vita über Günter Pfitzmann und Rudolf Platte und, und, und.

Besonders bemerkensert ist die Musik … meist sehr sparsam und intim instrumentiert (außer bei „Eine Animierdame stösst Bescheid“), Chansons vorgetragen in einer kleinen Bar … *seufz* …

Ein kleines Meisterwerk … wenngleich meine Beschäftigung mit Erich Kästner mich schon auch ein wenig nachdenklich gemacht hat …

Große Hörempfehlung meinerseits ! Denn textlich wie musikalisch handelt es sich hier um eine Perle deutschsprachiger Chansons …

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Titel:
01. Uwe Friedrichsen: Das Eisenbahngleichnis 2.20
02. Helen Vita: Das Gebet keiner Jungfrau 2.29
03. Arno Assmann: Kleines Solo 2.32
04. Ursula Herking: Gewisse Ehepaare 2.49
05. Uwe Friedrichsen: Abschied in der Vorstadt 2.26
06. Edith Hancke + Helen Vita; Chor der Fräuleins 1.47
07. Günter Pfitzmann: Hotelsolo 3.14
08. Illo Schieder: Eine Animierdame stösst Bescheid 2.14
09. Ursula Herking: Plädoyer einer Frau 3.02
10. Arno Assmann: Sachliche Romanze 2.15
11. Kate Kühl: Fantasie von Übermorgen
12. Günter Pfitzmann: Polly oder das jähe Ende 1.27
13. Ursula Herking: Das Spielzeuglied 3.56
14. Arno Assmann: Exemplarische Herbstnacht 3.15
15. Illo Schieder: Ballgeflüster 2.04
16. Rudolf Platte: Die Existenz im Wiederholungsfalle 2.38

Texte: Erich Kästner
Musik: Bert Grund

LabelB1

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Ich sitze nachts auf hohen Hockern,
berufen, Herrn im Silberhaar
moralisch etwas aufzulockern.
Ich bin der Knotenpunkt der Bar.

Sobald die Onkels Schnaps bestellen,
rutsch ich daneben, lad mich ein
und sage nur: „Ich heiße Ellen.
Laßt dicke Männer um mich sein!“

Man darf mich haargenau betrachten.
Mein Oberteil ist schlecht verhüllt.
Ich habe nur darauf zu achten,
daß man die Gläser wieder füllt.

Wer über zwanzig Mark verzehrt,
der darf mir in die Seiten greifen
und (falls er solcherlei begehrt)
mich in die bessre Hälfte kneifen.

Selbst wenn mich einer Hure riefe,
obwohl ich etwas Beßres bin,
das ist hier alles inklusive
und in den Whiskys schon mit drin.
So sauf ich Schnaps im Kreis der Greise
und nenne dicke Bäuche Du
und höre, gegen kleine Preise,
der wachsenden Verkalkung zu.

Und manchmal fahr ich dann mit einem
der Jubelgreise ins Hotel.
Vergnügen macht es zwar mit keinem.
Es lohnt sich aber finanziell.

Falls freilich einer glauben wollte,
mir könne Geld im Bett genügen,
also: Wenn ich die Wahrheit sagen sollte,
müßt ich lügen!

GrabKästnerEnderle

Das Grab von Erich Kästner und Luiselotte Enderle