Rudi Kellerer – Hast scho g´hört (1982)

FrontCover1.JPGUnd jetzt ganz sicher mal wieder ein Schmankerl aus der Münchner Kleinkunst-Szene der 80er Jahre … jenem Jahrzehnt, in dem ich musikalisch eher inaktiv war … aber auch wenn man den Rudi Kellerer heute kaum noch kennt … dafür gibt´s dann ja diesen blog.

Und wer sich diese mega-rare LP anhören möchte, sollte sich auf all die Facetten dieses Musikers einlassen können.

Da ist z.B. der Musiker mit dem großen komödiantischem Talent … man höre dazu „Blah, blah, blah“ oder gar sein „Wachsfigurenkabinett“ an. Und da kann er locker mit dem Fredl Fesl mithalten … Prädikat: hinterfotzig !

Aber darauf sollte man ihn wahrlich nicht festlegen … denn da gibt es z.B. das hintergründig-tiefsinnige „Im Wald is nix los“; gleiches gilt für „Heut geht ma alles naus“, eine Ballade an den boarischen Prahlhans … man achte allerdings auf die letzten Zeilen … hintergründig-tiefsinnig eben.

Da gibt es den feinsinnigen Musiker in „Frühling“ und spätestens hier habe ich seine musikalische Partnerin Elisabeth Krojer zu erwähnen, die mit ihren fundierten, sensiblen Instrumentalbeiträgen ei ums andere mal brilliert …

Und da istdann auch noch der eher rebellische Liedermacher („Bloß daß a Ruah is“ … das Gitarren- und Flötenspiel erinnert dabei stark an Traffic in ihrer „John Barlecorn“ Phase).

Und so ist eigentlich jedes Stück ein Kleinod der Musik, der Kleinkunst-Musik … und wenn ich dann noch auf einen weiteren Höhepunkt hinweisen darf, bitteschön: „Da Saurier“ ist eine bitterböse Abrechnung mit dem modernen homo sapiens mit all seinen Attributen, die gelegentlich nur lächerlich wirken.

Später treten die beiden dann viele, viele Jahre als Musikkabarett auf … da gäbe und gibt es noch viel zu entdecken … dann aber im Jahre 2010 war Schluß:

Abschied

Heute ist der Rudi Kellerer als „One Man Band“ unterwegs … (siehe unten).

Aber da gibt es noch viel zu entdecken … und ich glaub´ich werd´mich da mal als Telefon hängen …

Und freuen darf man sich, über weitere Alben vom Rudi Kellerer …

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Elisabeth Krojer + Rudi Kellerer, 2009

Besetzung:
Rudi Kellerer (vocals, guitar, harmonica, percussion)
Elisabeth Krojer (flute, mandoline, trotophone, percussion)

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Titel:
01. Blah, blah, blah 2.23
02. Des kann se ändern 4.05
03. Hast scho g´hört ? 3.31
04. Hochzeitslied 3.09
05. Wachsfigurenkabinett 2.41
06. Im Wald is nix los 4.22
07. Da Saurier 4.17
08. I hab’s ned so g’moand 3.12
09. Frühling 3.12
10. Bloß daß a Ruah is 4.20
11. Entstehungsgeschichte des Jodlers 2.24
12. Heut geht ma alles naus 2.25

Musik + Texte: Rudi Kellerer

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Und heute tritt er als „One Man Band“ auf und zelebriert all die Hits der 60er und 70er Jahre …

Pigor & Eichhorn – Im Club Existentialiste (1996)

FrontCover1So ziemlich einmalig sind sie schon, die schrägen Vögel, die den Namen Pigor & Eichhorn tragen:

Pigor & Eichhorn sind ein Berliner Kabarett- und Chanson-Duo (eigentlich „Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten“) mit Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn seit 1995.

Pigor & Eichhorn sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekannt geworden durch ihren Salon-Hip-Hop: eine moderne Spielart des kabarettistischen Liedes, ein deutsches „Chanson à texte“, das aktuelle Musik mit satirischen Inhalten zusammenbringt. Zwischen den Songs liefern sich der Sänger und der Pianist einen unterhaltsamen, intelligenten Kleinkrieg, der den roten Faden des Programms darstellt.

Ihre Texte „weisen dem Großstadtsong des ausgehenden 20. Jahrhunderts den Weg“, wie es in der Begründung für den Deutschen Kleinkunstpreis heißt, den sie 1999 in der Sparte Chanson erhielten.

PigorEichhorn2.jpgOder:
Seit 18 Jahren kann man das Duo Thomas Pigor und Benedict Eichhorn mit ihren Programmen: „Pigor singt und Eichhorn muss begleiten“ auf diversen Bühnen erleben.
„Die kabarettistischen unter den Musikern und die musikalischen unter den Kabarettisten“ – witzig, intelligent, bösartig, so werden sie beschrieben. Sie singen und spielen sich quer durch alle Musikgenres und beackern alles, was ihnen in die Quere kommt. (arte)

Hier nun ihr Debütalbum aus dem Jahr 1996, aufgenommen in dem nicht minder schrägen Club „Existentialiste“, Berlin.

„Bösartigkeiten, Gemeinheiten, intelligent getextet und brillant vorgetragen.

Musikalisch voll auf der Höhe der Zeit, das Chanson der 90er Jahre.
Hip Hop im Salonstil, Jazznummern, die das sperrige Deutsch zum Swingen bringen, lautmalerische Höhenflüge.“ (roof music)

Querdenker dieser Art braucht dieses Land … ich kann nur empfehlen: reinhören !

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Besetzung:
Benedikt Eichhorn (piano, vocals)
Martin Lillich (bass)
Rudi Neiwirth (drums)
Thomas Pigor (vocals)
+
Thomas Klemm (saxophone bei 01. + 11.)
Reiner Strahle (accordeon bei 01. + 05.)

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Titel:
01. Burschi (Eichhorn/Pigor) 2.45
02. Charme 45 (Rinnert/Pigor) 3.33
03. Bomben in Baden-Baden (Pigor) 3.12
04. Zigarette (Pigor) 3.28
05. Französische Frauen (Eichhorn/Pigor) 2.36
06. Ta Katie t’a quitté (Eichhorn/Pigor/Lapointe) 2.02
07. Sabine Christiansen Hu! (Pigor) 4.31
08. Toothbrush (Rinnert/Eichhorn/Pigor) 3.30
09. Geh bitte geh! (Eichhorn/Pigor) 4.12
10. Heinz (Eichhorn/Pigor) 2.40
11. Ulrike (Eichhorn/Pigor) 3.07
12. Zu spät (Pigor) 4.36
13. Ruth (Eichhorn/Pigor) 2.25
14. Mecklenburg-Vorpommern (Eichhorn/Pigor) 4.28
15. Hitler (Eichhorn/Pigor) 4.52

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Susanne Grütz & Hubertus Schmidt – Cafe Knax (1998)

FrontCover1Jetzt mal was ganz besonderes … irgendwie magisch … irgendwie altmodisch … irgendwie betörrend:

Das Duo Grütz/Schmidt, das seit 1985 für Furore und Innovation in der Chansonszene sorgte, führt uns in die heiter-frivole und seltsame Welt des Café Knax und überzeugt mit stimmgewaltiger Interpretation großer Literatur von gestern und heute. Dabei finden sie die entspannend-spannende Mischung aus Obszön-Deftigem mit Sentimental-Leichtem.
Live zieht Susanne Grütz das Publikum hinein ins Café Knax und verzaubert es mit ihrer erotisch bis deftigen Ausstrahlung.

… und die Reaktionen waren begeistert:

„Café Knax“ – bei wem assoziiert das nicht eine bestimmte Art von Großstadtcafé, in denen welche mit und ohne Knacks hocken, palavern, die Welt umstürzen und dies letztlich doch bloß mit der Kaffeetasse? Um ein solches Mit – und Gegeneinander von Leuten und Leidenschaften ging es in dem Liederprogramm „Café Knax“ mit Susanne Grütz und Hubertus Schmidt aus Leipzig. Sie kamen vorige Woche (9.3.1988) in die Schweriner Galerie am Pfaffenteich, die überfüllt war, so daß die Schlange draußen länger war als die des benachbarten Lesecafés (wo es Disco gibt). Ein äußerst seltener, ermutigender Anblick.
GrützSchmidtZwei Leute treffen sich: Sie, die Intellektuelle und zugleich Mädchen, er, der Aussteiger mit Lebensweisheit und Überlebensphilosophie. Um dieses Zufällige einer Cafébekanntschaft spinnt sich der Abend. Nicht nur singend, auch spielend schlüpfen das Mädchen und der Mann in verschiedene Häute. Balladen, Moritaten, Liebeslieder – die Texte sind geborgt von Ringelnatz, Fritz Grasshoff, Erich Kästner, Andreas Reimann, bis Wenzel und Mensching; die Musik ist von Hubertus Schmidt.
Hubertus Schmidt hat es: Er ist Musikant und Komödiant in einem. Das Sammelsurium von Liedern, die mit Pep vorgetragen wurden (am Klavier H. Schmidt, an der Gitarre Sigmund Kiesant, Schmidt und Grütz Gesang) ist Spiegel des Menschensammelsuriums im Café oder anderswo.
Dem einen “ kam die Liebe abhanden wie anderen Leuten ein Stock oder Hut“ (Kästner) ein anderer träumt von einer heilen Landschaft und „faltet sich einen Schmetterling aus einem Umwelterlaß“ (Reimann), die nächsten sind „die alten, wackligen Männer, mein Lieb, die ihr Tot-Sein verkünden als Lebensprinzip“ (Reimann), und wieder andere, auch nicht mehr ganz junge, fragen sich: „Was ist aus uns geworden, die wir schon lang die früheren Sätze morden, dass man uns nicht erkennt?“ (Reimann)
Die Lieder in ihrer Folge hatten etwas Wärmendes: Sie tolerieren den Menschen so, wie er ist. Man könnte den Abend auch mit einer Gedichtzeile von André Heller überschreiben: „Weil ich will, dass es das alles gibt, was es gibt.“  (Norddeutsche Zeitung 15.3.1988„)

Es ist einfach nur großartig, dass es Künstler abseits des mainstreams gibt … reinhören lohnt sich einfach …

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Besetzung:
Susanne Grütz (vocals)
Hubertus Schmidt (keyboards, vocals)

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Titel:
01. Die Minderwertigen (Bernauer/Grütz/Schmidt) 2.05
02. Der Henker von Paris (Grasshof/Schmidt) 3.12
03. Landschaftsgründung (Reimann/Schmidt) 2.50
04. Der Mann am Gürtel (Grasshof/Schmidt) 4.06
05. Rosshaar zerschnitten (Grasshof/Schmidt) 2.13
06. Träume eines Küchenmädches (Brecht/Weill) 4.19
07. Pizza extravaganza (Gruwe/Grütz/Schmidt) 4.42
08. Lied von der Unersättlichkeit (Bartsch/Schmidt) 2.30
09. Angenehme Dampferfahrt (Dege/Schmidt) 2.31
10. … und sprach des Noah Weib (Reimann/Schmidt) 3.44
11.  Ballade von der schiefen Käthe (Reimann/Schmidt) 2.54
12. Die guten Drogen (Hardekopf/Schmidt) 1.48
13. Madame Arthur (de Kock/Grütz/Schmidt) 4.34
14. Kitty, die Gangsterbraut (Grasshof/Schmidt) 4.52
15. Kleine Banditenballade (Grasshof/Schmidt) 2.30
16. Innocent When You Dream (Waits) 4.01
17. Shimmy in Grün (Hacks/Schmidt) 3.33
18. Moritat vom eiskalten Gasanstaltsdirektor (Traditional) 1.48

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Comeback

Leipziger Volkszeitung, 8,1.2016

 

Tiger Willi – Pfui deifi is des Leben schee (2003)

TigerWilliFrontCoverUnd jetzt hat uns ein bayrisches Original verlassen … und deshalb dieser kenntnisreiche und liebevolle  Nachruf:

Zum Tod von Tiger Willi:
Ordinär und derb, „weil das Leben auch so ist“

Musiker Tiger Willi, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Raabe, ist im Alter von 70 Jahren von der Bühne des Lebens abgetreten.

Leben heißt Leiden. Aber ohne Leid gäbe es keine Geilheit, keine Schönheit, keine Poesie – zumindest in der Philosophie eines Tiger Willi. Eines Künstlers, der für derb-brachialen Wortwitz ebenso stand wie für philosophischen Tiefgang. Ein Gratwanderer am Abgrund des Seins, wie er in Presseberichten genannt wurde. Ein Menschenfreund, ein Original und ein Gesamtkunstwerk. Eben ein Ereignis.

Vielleicht, weil er ein Mensch war, der in keine Schubladen passte. Ehrlich war er, authentisch und immer bizarr-komisch. Es konnte zum Beispiel gut passieren, dass sein Publikum Geduld haben musste, bis er sich seine Gitarre schnappte und die Vorstellung beginnen konnte: „I kumm glei, ich muaß ganz schnei no bies’ln“, murmelte er dann von der Bühne herunter und verschwand noch mal kurz. Weil er immer so nervös war, wenn er auftreten musste.

Schüchtern wirkte dieses kräftig gebaute Mannsbild manchmal, gerade in seinen Anfängen. Nachvollziehbar war das, wenn man bedenkt, dass das, was der Tiger Willi da so vor all den wildfremden Menschen herausließ, so etwas wie ein echter Seelenstriptease war. Ordinär, derb ging es in seinen Liedern zu, nicht, weil er selbst so gewesen wäre. Sondern „weil das Leben auch so ist“, sagte er immer wieder mal. Und widersprechen konnte man ihm da nicht.

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Der Tiger Willi mit Bonzo Keil

Der Tiger Willi begegnete Menschen stets mit Respekt, ausgesprochener Höflichkeit und Sensibilität. Er hatte ein großes Herz für die Schwachen, die Unterdrückten und die am Leben Gescheiterten – was auch Eingang in seine Texte fand. Zum Beispiel, wenn er in „Das Leben is a Schindermatz“ den Tod eines Heroinsüchtigen besang, dem der gesellschaftliche Absturz vorausging. Leise Töne schlug er da an. Ohne sich ein Urteil zu erlauben, weder über den Drogensüchtigen, den Dealer, die Prostituierte oder gar den Mörder, die ihn zu seinen Liedern inspirierten. Tiger Willi suchte vielmehr nach den Gründen, die Menschen dazu bringen, so zu handeln wie sie handeln.

Vielleicht war das so, weil er gar nicht anders konnte. Weil ihm selbst viel Schlimmes widerfahren ist. Der Tiger Willi, der im wirklichen Leben Wilhelm Raabe hieß, ist in Steinebach am Wörthsee aufgewachsen. Der „Kirchenwirt“ direkt im Zentrum des Ortes gehörte seiner Familie seit 1911. Tiger Willis Großvater Carl hatte das Lokal erworben, in dem später, 1947, der Tiger Willi geboren wurde. Im Alter von 15 Jahren verliert er den Vater, mit 18 die Mutter.

Der Tiger Willi hatte zu dieser Zeit schon fünf Jahre Kinderheim hinter sich: „Eine Folter war das“, erzählte er einmal. „Da hast erfahren, was Christentum heißt. Die Sünd’n haben’s dir da eingeredet, unglaublich.“ Nach dem Tod der Eltern wurde das Lokal verpachtet. Doch für den Tiger Willi blieb es sein Wohnzimmer, sein Zuhause. Oft saß er dort, erzählte von früher. Von prominenten Gästen wie Franz Beckenbauer oder dem RAF-Mitglied Günter Sonnenberg, der 1977 im Lokal übernachtete.

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Vielleicht war seine genaue Beobachtungsgabe seiner Kindheit, seiner Jugend, seinem Erwachsenenleben in einem Wirtshaus zuzuschreiben. Dort begriff er schnell, dass Menschen anders sind, als sie sein sollten. Sondern dass sie getrieben sind von ihren Begierden und besessen davon, kaputt zu machen, was sie eigentlich lieben.

So muss er es selbst empfunden haben, damals, als er sich gezwungen sah, den Beruf des Metzgers zu ergreifen. Einer wie er, der keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Zwischen Schinken und Kotelett hätten sich alle Belange des menschlichen Lebens abgespielt, hat er mal über diese Zeit gesagt. Er selbst überstand das alles mit Hilfe der Philosophie. Mit Schopenhauer maßgeblich. Und auch mit Nietzsche. Bisweilen stand er damals hinter der Theke, schnitt Bierwurst oder Schnitzel, erklärte dabei den dialektischen Materialismus oder rezitierte den Faust. Klar, dass so jemand eine andere Bühne als eine Fleischerei brauchte.

Mit 27 Jahren holte er das Abitur nach und studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Sozialpädagogik. Seine Metzgerei in Steinebach gab er ab und betreute stattdessen junge Handwerker im Wohnheim des Bayerischen Bauindustrie Zentrums in Stockdorf. Dort trat er auch auf – weil die Handwerker seine Lieder mochten. Vor allem den „Isele Rock“, den er schon mit 19 Jahren geschrieben hatte, benannt nach seinem Lehrherrn.

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Viele andere Lieder und Gedichte sollten folgen, die er in seinem Wirtshaus zum Besten gab, aber auch auf vielen Bühnen in der Stadt. Etwa dem Heppel&Ettlich oder dem Theater im Fraunhofer. Fünf CDs hat er aufgenommen. Kritiker lobten ihn als Philosophen, der die fleischliche Lust auf recht eigene, teils skurrile, teils recht direkte Art thematisierte. Gleich mehrmals wurde er dafür ausgezeichnet – unter anderem 2012 mit dem Tassilo-Preis der SZ.

2011 wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Am Sonntag ist der Tiger Willi von der Bühne des Lebens abgetreten. Er wäre am 9. April 71 Jahre alt geworden. Am Freitag, 11 Uhr, soll er in seiner Heimatgemeinde beerdigt werden. Er hinterlässt seine Ehefrau Andrea. (Astrid Becker, Süddeutsche Zeitung, 12.03.18)

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Der Tiger Willi mit seiner Ehefrau Andrea

Und natürlich auch ein wenig Musik von diesem Querdenker … Hier sein drittes Album „Pfui deifi is des Leben schee“ aus dem Jahr 2003:

Das weißblaue Bundesland hat ja in den letzten 20 Jahren eine ganze Reihe singender Individualisten hervorgebracht: Willy Michl, Ringsgwandl, Haindling — sie alle haben ihre eigene Vorstellung vom Leben, von der Wirklichkeit und davon, wie man Lieder darüber singt.

Tiger Willi, ursprünglich von Beruf Metzger und heute Dichter, Sänger und Philosoph, passt in diese Reihe gut herein: Irgendwo zwischen Elvis, Bukowski und Schopenhauer singt er zur Gitarre seine Lieder über das Leben an und für sich — selbstredend auf Bayrisch. „Wie ein Tiger“ schreit er seine Lebenslust heraus und bringt uns zum Lachen über sein „Tigerhosl“ oder den „Mo ohne Kopf“, dichtet eine Ballade über Verführungen der Macht („Herr der Welt“), die fast ein verschollenes Goethe-Fragment sein könnte, und lässt und an den etwas derberen Niederungen männlicher Lebenslust teilhaben („Arsch und Mond“, „Leberfleck“). Tiger Willi ist dabei, wie er ist, nichts ist gekünstelt, konstruiert oder gewollt: Dieser Mann singt uns seinen Blues vor, lässt uns an seinem Seelenleben teilhaben und sorgt dafür, dass wir einen Riesenspaß haben.

Wer die oben genannten Willy Michl, Ringsgwandl oder Haindling zu schätzen weiß, der wird mit Pfui Deifi, is des Lebn schee seine Freude haben. (Hanno Güntsch)

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Eine ganz außergewöhnliche CD, die in Richtung schwarzer Humor geht und die für Fans des skurillen Geschmacks gemacht ist. Einmal reingehört, läßt sie süchtig werden. Der Tiger Willi ist die wohl schillerndste Figur der bayerischen Kabarettlandschaft. Zwischen Elvis und Schopenhauer – unter diesem Motto faßt der Tiger Willi seine Erkenntnisse über Lust und Leid zusammen. Geschichten, über Geschundene und Betrogene, über Liebe, Gewalt, Geilheit und Tod. Aber bei aller Verzweiflung ist der Tiger Willi ein Verführer, seinen Liedern liegen eingängige Melodien zugrunde, bayrischer Blues und Rock, gewürzt mit einer gehörigen Portion Erotik, denn der Einfluß von Elvis ist nicht zu überhören. Bemerkenswert auch die geniale Begleitung durch Bonzo Keil, dem Mann an der Gitarre. (Polly Polster)

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Der Tiger Willi bei einem Benefiz-Konzert für Ecuador (rechts ein weiteres bayerisches Blues-Ur-Vieh:  Georg „Schorsch“ Hampel

Tiger Willi ist die herausragende Figur unter den deutschsprachigen Liedermachern, seine Musik und vor allem seine Texte kleben nicht an der Oberfläche, auch wenn es manchmal beim ersten Hören so scheinen mag. Hinter vordergründig lustigen Bildern werden Abgründe Schopenhauerscher Provenienz deutlich, da muss er „schrein wia a Tiger“, um den Widerspruch zwischen dem menschlichen Anspruch auf das Göttliche und der tierisch quälenden Realität auszuhalten.
Nicht nur die Auftritte Tiger Willis, die er mit humorigen Erzählungen aus seinem bewegten Leben würzt, sind einsame Spitze, auch die CD „Pfui deifi is des Leben schee!“ muss man unbedingt gehört haben. (Gustl M.)

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Besetzung:
Bonzo Keil (guitar)
Tiger Willi (guitar, vocals)

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Titel:
01. Schrein wia r’a Tiger 2.37
02. Herr der Welt 5.17
03. Tigerhoserl 4.23
04. Mo Ohne Kopf 6.12
05. Allergie 2.21
06. Wurstsalat 4.47
07. Leberfleck 2.23
08. Lisi 2.55
09. Florenze und Mausebär 6.10
10. Stalingrad 6.09
11. Arsch und Mond 4.23
12. I sitz auf d’Nocht alloa 4.28

Musik und Texte: Tiger Willi

CD

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Martin O. – … der mit der Stimme tanzt (2008)

FrontCover1Jetzt darf ich mal wieder etwas ziemlich außergewöhnliches präsentieren:

Martin O. (* 17. November 1975 bürgerlich Martin Ulrich) ist ein Schweizer Stimmartist, Beatboxer und Musiker.

Der Ostschweizer Martin Ulrich wuchs in Abtwil in einer musikalischen Familie auf. Als Kind schon wurden sein Geigen- und Klavierspiel und sein musikalisches Interesse gefördert. Kurz nach Abschluss der Ausbildung zum Primarlehrer entschied er, das Musikschaffen zu seinem Beruf zu machen. Sein Spektrum reicht von klassischen Gesangselementen bis hin zu rhythmischem Beatboxen. Er ist als Komponist für seine eigenen Programme, aber auch für Film, Schauspiel, Zirkus und andere Musikprojekte tätig.2007 gründete er die Firma «Stimmart GmbH».

Als Mitglied der A-cappella-Gruppe «hop o’my’thumb» war Martin Ulrich während mehrerer Jahre auf Bühnen im In- und Ausland unterwegs. Nach einigen erfolgreichen gemeinsamen Jahren hat sich die Gruppe 2006 aufgelöst und von der Bühne verabschiedet. Von 2006 bis 2011 war er musikalischer Leiter des «Hitzigen Appenzeller Chores».

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Seit 2007 ist Martin Ulrich als Martin O. unterwegs; es entstand sein erstes Soloprogramm, «Stimmentänzer». 2011 kam das «Cosmophon» dazu, und seit März 2016 gastiert er auch mit seinem dritten Bühnenprogramm, «Der Mausiker». Martin O. verwandelt seine Stimme mit Hilfe seines «Symphoniums», eines in Nussbaumholz eingearbeiteten Loop-Geräts, in ein Orchester samt Chor. (Quelle: wikipedia)

Unerwähnt bleibt in diesem wikipedie Beitrag sein 2. Programm „… der mit der Stimme tanzt“

Und was einem da zu Ohren kommt, ist schon schier unglaublich. Da ist nicht nur diese makellose Stimme, nein da ist ein Sänger, der sehr gerne und vor allem sehr gut mit der Kopfstimme arbeiten kann.

2012 erhielt er den Kleinkunstpreis 2012 (natürlich in der Sparte „Chanson/Lied/
Musik“ Und die Lautadto der Jury bringt das Schaffen von Martin O. auf den Punkt:

„Voller Körper und sparsamer Technikeinsatz zaubern ein multimediales
Kunstwerk. In einer universellen Sprache erzählt der Schweizer Martin Ulrich
wunderbare Geschichten und zieht  das Publikum in seine einzigartige Welt aus
Tönen und Bewegungen hinein.“

MartinO

Oder aber auch:

„Seit 2007 ist Martin O. unterwegs mit seinem ersten Solo-Programm «… der
mit der Stimme tanzt». Seine Darbietung ist einzigartig und lässt sich nicht einfach einem klassischen Genre zuordnen. Martin O. unterhält sein Publikum mit  klangvollen Geschichten aus Musik. Virtuos und präzise setzt er dabei seine Stimme, seinen
Körper und seinen feinen Humor ein. Sein einziges Instrument ist ein Gerät, das seine Melodien und Geräusche aufnimmt und in Endlosschlaufen wiedergibt. Stellenweise klingt das, als ob er einen Chor samt Orchester verschluckt hätte.

Und nicht nur das: Immer wieder packt er sein Publikum mit seinem lausbubenhaften Schalk und entlockt ihm ein liebevolles Schmunzeln oder ein heiteres Lachen. Martin O. schafft ein mehrdimensionales Hörerlebnis, das raffiniert inszeniert ist und ihm trotzdem Raum für spontane Improvisationen lässt.“ Laudatio anlässlich der Verleihung Schweierischen Innovationspreieses, 2010)

Genug der lobenden Worte: Anhören und staunen wie ein Kind !

Besetzung:
Martin O. (einfach alles)

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Titel:
01. Circle Song 2.26
02. Mundharmonika 3.35
03. Dr arabische Noa 3.17
04. Da draussen gibt es Welten
05. Morgenstimmung an der Autobahn 0.36
06. First Song 2.36
07. Japaner 0.56
08. Irisch 2.05
09. Rap 3.21
10. Espagniana 2.24
11. Vivaldi 3.20
12. Alp 4.35
13. Echos 4.16
14. Der Schatten 4.01
15. Hombre 5.30
16. Intro Song 3.18

Musikalische Einfälle: Martin O.

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Und hier kann man ihn live bewundern:

Musikalisches Unterholz (MUH) – Tollwood Programm 2013 (2013)

titelIn München gibt´s nicht nur das Hofbräuhaus, sondern auch das sog. „Tollwood Festival“ und das seit über 25 Jahren.

Allein die Geschichten, die sich alle um diese Festival drehen, könnten einen eigenen blog wert sein … hier aber nun eine ganz kleine Programmborschüre von einem wahrlich nicht unwesentlichen Teil des diesjährigen Festivals.

Denn ohne die führende Kleinkunstbühne der 70er Jahre hätte es das Tollwood-Festival nie gegeben.

Und so kam das:

Die Anfänge von Tollwood: voller Ideen, voller Gegenströmung zu den weit renommierteren kulturellen Veranstaltungen. Es war ein echtes Alternativ-Festival, mit Esoterik-Ständen aus Leidenschaft, das da vor genau 25 Jahren erstmals stattfand. Das ist lang passé. Mittlerweile ist Tollwood fest in professionellen Händen.

Rückblick: Die Gründer, Uwe Kleinschmidt und Rita Rottenwallner, betrieben das „Muh“ („Musikalisches Unterholz“), eine kultige Kleinkunst-Bühne, die längst geschlossen ist. Wer Talent hatte, konnte hier auftreten, egal, wie unbekannt er war. Aber weil das Muh nur 100 Plätze hatte, wollte man das Ganze größer aufziehen – und den Öko-Aspekt, in den 80ern im Schwang, aber vom Establishment belächelt, gleich integrieren.

Das MUH war damals in München eine feste Größe …

Und:
Geboren wurde die Tollwood-Idee in der Münchner Kleinkunstbühne »MUH«, dem sogenannten Musikalischen Unterholz. Viele der heute berühmten Bühnenkünstler hatten hier ihre ersten Auftritte. Auf dem Sommerfestival wird das MUH wieder entstehen mit Gästen wie Konstantin Wecker, Sissi Perlinger, Hannes Ringlstetter, u.v.m.

MUH-Zelt: Wo die Tollwood-Idee geboren wurde
Das Kürzel hieß »MUH«, und es stand für Musikalisches Unterholz. Zuhause war das MUH lange Zeit in der Hackenstraße in einem großen Raum mit schönem Tonnengewölbe. Hier trafen sich allabendlich die großen und kleinen Stars der Münchner Kleinkunstszene von Fredl Fesl über den Piano Paul bis zum Zither-Manä. Das MUH war damals typisch für die Kulturszene der Stadt: Man sang Bayerisches und Bellman, man dichtete Wildes und spielte Verrücktes. Viele der heute berühmten Bühnenkünstler hatten hier ihre ersten Auftritte. Bis das MUH, in dem die Tollwood-Idee geboren wurde, verschwand. Auf dem Jubiläumsfestival wird das MUH wieder entstehen, mit alten Recken und neuen Künstlern und zusammen mit den Autoren der famosen bayerischen Kulturzeitschrift MUH.

Hier nun kleine, ganz spezielle Programmbroschüre zum neu entstanden MUH-Zelt als Teil des  Tollwood-Festivals 2013.

Die Geschichte vom MUH wird erzählt, aber natürlich auch, wer in diesem Zelt auftritt und es liest sich wie das Who´s who der bayerischen Kleinkunst-Szene:

Sissi Perlinger – Lis aFitz – Sigi Zimmerschied – Josef Brustmann – Zwirbeldirn – Rudi Zapf – Zither Manä – Die Wellküren – Hans Well & Wellbappn – Konstantin Wecker – Willy Michl und, und und …

Weitere Infos eben in dieser kleinen Broschüre:

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(Diesmal ohne Passwort)