Montessori-Chor München + Preisträger von „Jugend musiziert“ – 30 Jahre Aktion Sonnenschein (1998)

FrontCover1Damals – also 1968 – kannte noch keiner das Wort Inklusion – und da startete Professor Theodor Hellbrügge (* 23. Oktober 1919 in Dortmund; † 21. Januar 2014 in München) die „Aktion Sonnenschein“:

Aktion Sonnenschein – Hilfe für das mehrfach behinderte Kind ist ein deutscher Verein aus München, der die Integration von Kindern mit und ohne Behinderungen fördert.

Im März 1968 wurde die Aktion Sonnenschein – Hilfe für das Mehrfach behinderte Kind e.V. von Theodor Hellbrügge in Form eines integrativen Montessori-Kindergartens gegründet. Anlass dafür waren seine Beobachtungen, dass ein gesundes Kind in Heimen in seiner Entwicklung zurückbleibt. Hellbrügge hatte sich in den 1960er Jahren intensiv mit der Früherkennung von Entwicklungsstörungen bei Kindern beschäftigt, wofür er neue Methoden der Frühdiagnostik und Frühtherapie entwickelte. Sein Konzept für die mehrdimensionale Diagnostik und mehrdimensionale Therapie sah die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung vor. Mit einer ersten Grundschulklasse 1970 entstand die Private Sonderschule für Lernbehinderte – Modellschule nach Maria Montessori. 1977 entstand die dazugehörige Heilpädagogische Tagesstätte. Letztendlich entstand 1985 das Kinderzentrum München, das heute unter der Trägerschaft des Bezirks Oberbayern steht. Zu diesem Zeitpunkt war es eine Institution, in der erstmals alle Fachkräfte zusammenarbeiten und ausgebildet werden konnten. Erst 1996/97 erhielt die Schule die Bezeichnung „Montessori-Schule der Aktion Sonnenschein e.V., Privates sonderpädagogisches Förderzentrum, Schule für Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf“ und somit die Genehmigung als sonderpädagogisches Förderzentrum. 2003 erfolgte die Gründung der Stiftung der Aktion Sonnenschein – Hilfe für das mehrfach behinderte Kind. Die pädagogischen Einrichtungen wurden dabei in eine Tochtergesellschaft, die gemeinnützige Schul-GmbH der Aktion Sonnenschein ausgegliedert.

LogoDen integrativen Montessori-Bildungseinrichtungen der Münchener Aktion Sonnenschein wird eine Schlüsselfunktion für die Ausbreitung gemeinsamer Erziehung im Elementarbereich und in der Schule zugewiesen: mit der Praxis der Münchener Integrativen Montessori-Grundschule (1970) und der Berliner Fläming-Grundschule wurde die bis dato in den bildungspolitischen Empfehlungen geltende Forderung „so viel Integration wie möglich und so wenig Segregation wie notwendig“ durch das „Gleichheitsrecht auf den Besuch der allgemeinen Schule“ und die Prämisse „Integration ist unteilbar“ ersetzt.

Die Gemeinnützige Schul-GmbH der Aktion Sonnenschein ist Träger mehrerer pädagogischer Einrichtungen. Die Betreuung und Förderung der Kinder erfolgt nach den Prinzipien von Maria Montessori.

Den Montessori-Integrationskindergarten der Aktion Sonnenschein besuchen zurzeit rund 45 Kinder mit und ohne Behinderung. Knapp ein Drittel der Kinder hat eine, bzw. mehrere Behinderungen oder ist davon bedroht. Die Kinder werden in Kleingruppen von zwei Pädagogischen Fachkräften, von denen mindestens eine/r eine Montessori-Ausbildung hat, betreut.

Die Montessori-Schule ist ein sonderpädagogisches Förderzentrum in privater Trägerschaft mit der Besonderheit, dass eine Hälfte der Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf hat und die andere Hälfte nicht. Das Sonderpädagogische Förderzentrum der Aktion Sonnenschein ist staatlich genehmigt. Es werden dort ca. 600 Schüler nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik unterrichtet. Die Schule besteht aus einer schulvorbereitenden Einrichtung, einer Grund- und Hauptschule (1. bis 9. Jahrgangsstufe) + M 10, sowie einem Zweig zur individuellen Lebensbewältigung (1.- 12. Jahrgangsstufe).

Eine schulbegleitende, zusätzliche Unterstützung und gezielte heilpädagogische Förderung erfährt ein Teil der Schüler mit Behinderung (ca. 65 Schüler) nach der Schulzeit in der Heilpädagogischen Tagesstätte. Die HpT betreut Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 7 und 20 Jahren. Dort werden sie speziell in den Bereichen gefördert, in denen sie, aufgrund ihrer Behinderung, besondere Unterstützung benötigen. Die Betreuung erfolgt durch zwei pädagogische Fachkräfte pro Gruppe.

Hellbrügge.jpg

Professor Theodor Hellbrügge

Die Aktion Sonnenschein hat sich dem Prinzip der gemeinsamen Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung verpflichtet. Unterstützt wird die soziale Integration der Kinder durch Montessori-Pädagogik. Eine der Leitideen von Maria Montessori war es, dass sich Lernen an den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes orientieren muss.

„Im gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder soll der unbefangene Umgang miteinander, der im Kleinkindsalter ganz natürlich vorhanden ist, erhalten und ausgebaut werden. Es geht nicht darum, die behinderten Kinder mitleidig zu verwöhnen und ihnen eine heile Welt vorzuspiegeln, und es geht nicht darum, mit ihnen Dressurkunststücke zu veranstalten. Es geht darum, ihre Menschenwürde zu stärken und ihre Selbstachtung zu entwickeln. Es geht darum, ihnen die nötige Hilfe zu geben, damit sie menschlich, intellektuell und praktisch das leisten, was sie leisten können und wollen. […] Förderung durch Fordern des dem einzelnen möglichen, ist einer der Grundsätze der Montessori-Pädagogik, um Achtung, Selbstachtung und Unbefangenheit im Umgang miteinander zu entwickeln.“

Insbesondere ist Ziel der Stiftung,

Behinderung möglichst zu vermeiden,
(drohende) Behinderungen möglichst frühzeitig zu erkennen und ihnen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken,
vorhandene Behinderungen oder deren Auswirkung durch medizinische, psychologische, therapeutische, pädagogische oder ähnliche Maßnahmen zu verringern, zu lindern oder soweit möglich zu beheben,
kompensatorische Fähigkeiten aufzubauen,
Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erlangen,

um damit zur Entfaltung aller Anlagen und Befähigung beizutragen, die Integration in die Gesellschaft und in das Arbeitsleben zu fördern, insbesondere die Grundlage für die soziale und berufliche Eingliederung zu schaffen. (Quelle: wikipedia)

Integration

Nun ja, und dann konnte man 1997 das 30jährige Bestehen feiern und dazu gehörte auch ein Konzert am 21. Dezember 1997 im Theater an der Leopoldstraße, München statt. Und man lasse sich von dem von Kinderhand gezeichnetem Cover ja nicht täuschen: Geboten wurden hochwertigen Interpretationen von eher unbekannten Meistern der klassischen Musik und wann dann die Preisträger von „Jugend musiziert“ aufspielen, dann ist eigentlich klar, dass auf hohem Niveau musiziert wurde. Und das gilt auch für die Klezmer Musik, die dann auch noch erklingt.

Und wenn dann der Kinderchor sich mächtig ins Zeug legt, wird mir so richtig warm ums Herz … Dem musikalischen Leiter des gesamten Projektes Heinrich Klug (langjähriger 1. Solo- Cellist der Münchner Philharmoniker) kann man da nur herzlich danken, und dass Heinrich Klug Ehrenmitglied der Bürgerinitiative „David gegen Goliath“ ist, wundert einen dann auch nicht mehr.

Booklet02A

Besetzung:
Carmen Ascher (flute bei 01., 04., 09., 11.)
Sophie Cohen (flute bei 01., 04., 09., 11.)
Martha Cohen (bassoon bei 03., 04., violin bei 09., 10., 11.)
Claudius Franz (clarinet bei 07., 09., 11.)
Cornelia Hellbrügge (vocals bei 05., 06.)
Anna Klie (flute bei o1., 04., 09., 11.)
Heinrich Klug (piano)
Christiane Ludwig (bass bei 10.)
Andreas Minsinger (trumpet bei 09., 11.)
Dominik Oczkowski (guitar bei 02., 04., 09.. 11.)
Wilhelm Ricchiuti (piano bei 05., 06.)
+
Kinder des Montessori Chors München (12. – 15.)

MontessoriChorMünchen.jpg

Lauter kleine Helden: Die Kinder des Montessori-Chors, München, 1997

Titel:
01. Trio in D – 3. Satz – Rondo (Hoffmeister) 2.35
02. Mrs. Winter´s Jump (Dowland) 1.17
03. Concerto No. 6 in B-Dur – 1. Satz (Bond) 2.49
04. Sonate g-moll – 3. Satz – Siciliana (Blavet) 2.01
05. Se Tu M´ami (Pergolesi) 2.46
06. Caro Mio Ben (Giordani) 2.57
07. Klarinettenkonzert No. 3 in B-Dur – 1. Satz – Allegro moderato (Stamitz) 4.39
08. Concerto San Marco – 2. Satz – Allegro (Albinoni) 2.38
09. Hanga (Traditional) 3.25
10. Romanian Fantasy (Traditional) 3.17
11. Nign (Traditional) 4.24
12. Träume (Zollinger) 2.06
13. Un èlephant (Traditional) 1.51
14. Himmel und Erde – Kanon (Traditional) 1.11
15. Muss i denn (Traditional) 2.13

CD1.jpg

*
**

PädagogischeKernaussagenMariaMontessori

Mame-Loshn – Der Rebe tanzt (2009)

FrontCover1Vielleicht gar keine so schlechte Idee, zum Osterfest 2014 eine CD vorzustellen, die sich aus den Wurzeln der Kelzmer Musik speist.

Ursprünglich ist Klezmer (sprich „Klesma“, mit weichem s) die jüdische Musik Osteuropas der letzten Jahrhunderte, die v.a. zu Hochzeiten und anderen Festen gespielt wurde. Klezmer hat also nichts mit israelischer Musik zu tun, wie manchmal vermutet wird, sondern ist zwar jüdisch, aber eben eine Musik aus Osteuropa, mit vielen Verbindungen zur rumänischen, russischen und zur Roma-Musik.

Im 19. Jahrhundert lebten an die 7 Millionen Juden in Osteuropa, vom Baltikum im Norden über Russland, Polen und die Ukraine bis nach Rumänien im Süden. Als Wiege der Klezmermusik wird Moldawien angesehen.

Die Juden lebten meist abgesondert, in eigenen Stadtviertel (den „shtetls“) oder Dörfern, mit ihrer eigenen Kultur, Religion, Sprache (dem Jiddischen) und Musik. Sie waren immer wieder politischer Willkür, wirtschaftlichen Benachteiligungen, Übergriffen, Pogromen und Vertreibungen ausgesetzt und so kam es schon lange vor dem Holocaust, v.a. in der Zeit zwischen 1880 und 1920, zu großen Auswanderungswellen.

Das Hauptziel der Auswanderer war Amerika, und hier v.a. New York. Für lange Zeit war New York die Stadt mit der weltweit größten jüdischen Bevölkerung. Die Musik veränderte sich hier natürlich allmählich, sie wurde urbaner, griff Jazz-Elemente auf, und die Klarinette, die schon in Osteuropa Anfang des 20. Jahrhunderts die Geige zu verdrängen begann, wurde endgültig zum typischen Hauptinstrument des Klezmer.

Aber hier fand die Klezmermusik eine Nische, wo sie überleben konnte. Denn die osteuropäische jüdische Kultur, so wie sie jahrhunderlang bestanden hatte, würde von den Nazis mit dem Holocaust vollständig ausgelöscht.

OldKlezmerBand

„Old Klezmer Band“ (Gemälde von Leon Zernitzky)

Mit dem Klezmer-Revival, das in den 60/70ger Jahren begann, machten sich amerikanische Klezmermusiker der jüngeren Generation auf, ihre Wurzeln in Osteuropa zu erforschen, letzte noch lebende Musiker kennenzulernen, die Musik aufzunehmen und zu notieren.

So haben wir heute doch einen ziemlich reichen Schatz an Noten- und Aufnahmematerial, sowohl des ursprünglichen europäischen als auch des neueren amerikanischen Klezmers. Und das Revival ist immer noch nicht zu Ende: Klezmer wird heute weltweit von jüdischen wie von nicht-jüdischen Musikern gespielt und hat sich fest in der Weltmusik-Szene etabliert. (Daniel Marsh)

Und hier nun ein Beispiel das vor allem dadurch besticht, dass der Bandleader Leonid Khenkin nicht nur über eine bewegte Vita zurückblicken kann, sondern zudem auch ein Virtuose auf seinem Instrument ist. Und das macht dann die Musik einfach noch mitreißender.

Und hier ein paar Informationen zu seiner Biographie:

LeonidKhenkinGeboren in Kemerovo in Russland. Abschluss der Musikschule und Musikfachschule in Tomsk im Fach Klarinette.

Abschluss der Musikhochschule in Novosibirsk . Sehr gute Musikalische Ausbildung brachte Leonid zu den besten Jobs in Sibirien. So spielte er im führenden Militär Orchester Sibiriens, im Opernhaus Nowosibirsk. Solierte mit Städtischem Philarmonieorchester Tomsk. Unterrichtete Klarinette an der Musikfachschule Tomsk und dirigierte im Musiktheater Sewersk.

Ab dem Jahr 2000 in Deutschland als Freiberuflicher Musiker tätig.

Verheiratet, hat fünf Kinder. (Selbstdarstellung)

Nun, ganz so einfach war es nicht in Deutschland:

„»Warum sollen wir auf der Couch liegen? Wir wollen spielen!« Für Leonid Khenkin war die Sache klar, als er 2007 beim Jobcenter vorsprach: Arbeitslose Musiker aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sollten sinnvoll tätig werden und beispiels­weise in Kindergärten und Altenheimen auftreten.

Aus der Idee wurde die Musikwerkstatt der gemeinnützigen Beschäftigungsgesell­schaft Noris Arbeit (NoA) geboren. Sie hat zeitweise 80 ausgebildeten Sängern und Instrumentalisten eine Anstellung auf Basis von Ein-Euro-Jobs geboten und organi­siert jährlich rund 2000 Auftritte. Weil nun die Eingliederungsmittel drastisch gekürzt worden sind, droht ihr Ende März 2012 das Aus – dies wäre das Ende für ein unge­wöhnliches Projekt, welches soziale Integration und gesellschaftlichen Auftrag auf vorbildliche Weise verbindet. (Quelle: medienpraxis.tv)

Das eben genannte Beschäftigungsprojekt gibt es noch, aber die dazugehörige Musikwerkstatt wurde eingestampft … Manchmal möchte ich ne Bombe sein und einfach explodieren …

Angesichts dieser traumhaft schönen Musik von Mame-Loshn (auf deutsch: Muttersprache) kann ich nur hoffen, dass Lenonid Khenkin und seine Gefährten ihren Weg einfach weitergehen können und werden …

Für mich ist diese Musik eher noch Neuland, aber ein Land das mich fasziniert … das es zu bereisen und zu entdecken gilt. Wer will kann sich ja dieser Reise anschließen.

Booklet1

Besetzung:
Lenonid Khenkin (clarinet)
Boris Kupin (bass)
Michael Winnizkij (accordeon)
+
Serafina Khenkina (vocals bei 06.)
Diana Liberova (vocals bei 02.)
Eugen Wasinger (guitar bei 02.)
Michael Winnizkij (vocals bei 04., 08., 10. 14.)

Live01

Titel:
01. Shalom Alechem (Traditional) 4.08
02. Guando El Rey (Traditional) 3.07
03. Besarabichr Bulgar (Traditional) 2.23
04. Tum – Balalaika (Traditional) 2.51
05. Sher – Budapest (Traditional) 1.42
06. Der Rebe (Traditional) 3.05
07. Street Melody (Traditional) 4.17
08. Chiri Bim – Chiri Bom (Traditional) 2.30
09. Josel – Josel (Traditional) 4.17
10. Ose Shalom (Traditional) 2.37
11. If I Were A Rich Man (Bock) 2.44
12. Klesmeron (Traditional) 2.59
13. Bei mir bist du schön (Skunda) 3.16
14. Hava Nagila (Traditional) 3.27
15. Israels Weinen (Traditional) 2.55

CD1

*
**