Eberhard Kraus – Orgelmusik aus sechs Jahrhunderten (1977)

FrontCover1Eberhard Kraus ? Kennt kein Mensch ! Aber so ganz unbedeutend war er dennoch nicht:

Eberhard Kraus (* 17. Februar 1931 in Regensburg; † 23. Oktober 2003 ebenda) war ein deutscher Organist, Cembalist und Komponist. Zu seinem Hauptschaffen zählte seine Tätigkeit als Domorganist am Dom zu Regensburg von 1964 bis 1996.

 

Eberhard Kraus absolvierte ein Orgel-, Klavier-, Cembalo- und Kompositionsstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik München bei Heinrich Wismeyer und Friedrich Högner (1950–1956). Er erhielt mehrere Ehrendiplome und Prämien bei internationalen Wettbewerben und wurde 1959 in die Bundesauswahl Konzerte junger Künstler des Deutschen Musikrates aufgenommen. Es folgten Koknzerttourneen als Organist und Cembalist in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, England, Irland, Schottland, Jugoslawien, Belgien, Österreich, in den Niederlanden und der Schweiz.

Sein kompositorisches Schaffen umfasst über 300 Werke verschiedenster Sparten im Gewand der Zwölftontechnik. Außerdem schuf er Orgeltranskriptionen[1] und Rekonstruktionen[2] von Werken anderer Komponisten. Kraus gründete im Alter von 21 Jahren (1952) die sogenannten „Sonntäglichen Orgelstunden“ in der Minoritenkirche zu Regensburg, eine Konzertreihe lebendiger Musikgeschichte aller Epochen einschließlich der Moderne, die er bis kurz vor seinem Tode als Mentor, Interpret und Organisator über 50 Jahre hindurch betreute (1.100 Konzerte).

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Der junge Eberhard Kraus

Kraus lehrte Musiktheorie an der Universität Regensburg sowie Orgel und Orgelbaukunde an der Fachakademie für katholische Kirchenmusik in Regensburg.[3] Er war Leiter des Collegium musicum Regensburg mit einer Oratorien- und einer Kammermusikreihe, und rief die Domkonzerte im Hohen Dom zu Regensburg ins Leben, auf denen im Laufe von 27 Jahren ca. 100 namhafte Gastorganisten internationaler Herkunft spielten.

Eberhard Kraus begründete die Bach-Woche Regensburg und die Konzertreihe „Studio Neue Musik Oberpfalz“. Zudem betrieb er musikgeschichtliche Forschungen, die er in vielen Artikeln und Büchern (z. B. in der vierbändigen „Orgeldokumentation“, in „Historische Orgeln der Oberpfalz“ u.a.m.) veröffentlichte.

Kraus realisierte zahlreiche Rundfunkaufnahmen bei in- und ausländischen Sendern. Ebenso gibt es viele Schallplatten- und CD-Produktionen mit seiner Beteiligung, insgesamt ca. 200 Werke von etwa 55 verschiedenen Komponisten (u.a. Johann Sebastian Bach „Das Orgelbüchlein“ sowie das gesamte Cembalowerk von Georg Friedrich Händel, eingespielt auf historischen Instrumenten der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg). Eberhard Kraus war Herausgeber der Editionsreihe „Cantantibus organis“ mit Kompositionen Alter Meister (24 Hefte).

Die Stiftung „Eberhard Kraus“ zur Förderung junger Organisten (gegründet 2004) bezweckt heute das Ziel, junge, talentierte Organisten, die der Stiftungsrat aussucht, durch Vermittlung und Honorierung von Konzerten in bedeutenden Kirchen oder Konzertsälen zu fördern. Sie ist dabei dem Auftrag verpflichtet, ein größeres Orgelwerk des Komponisten Eberhard Kraus in das jeweilige Programm aufzunehmen und zu interpretieren.

Eberhard Kraus erhielt mehrere Auszeichnungen, z. B. das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Kulturpreis Ostbayern und den Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ von Papst Johannes Paul II.

EberhardKraus02Er engagierte sich für zahlreiche Sozialprojekte im Heiligen Land. 1975 wurde er vom Kardinal-Großmeister Maximilien Kardinal de Fuerstenberg zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 2. Mai 1975 im Regensburger Dom durch Lorenz Kardinal Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, in den Orden investiert. (Quelle: wikipedia)

Hier eines seiner seltenen Alben und der Titel hält, natürlich was er verspricht: „Orgelmusik aus sechs Jahrzehnten.

Seit1 beeinhaltet eigentlich Klassiker der Orgelmusik (angefangen von dem furiosen Toccata d-moll von Bach bis hin zu Mozart und Max Reger).

Seite 2 enthält dann diverse Orgel-Miniaturen von eigentlich völlig unbekannten Komponisten (da ist einer ganz tief in den Keller der Musikgeschichte gestiegen …) oder z.B. aus dem „Buxheimer Orgelbuch“ (15. Jahrhundert):

Das Buxheimer Orgelbuch ist ein um 1460/1470 entstandener Codex mit 256 Originalkompositionen und Bearbeitungen für Tasteninstrumente für die Reichskartause Buxheim im heutigen Landkreis Unterallgäu. Dessen Stücke sind mehrheitlich anonym,

BuxheimerOrgelbuch

Buxheimer Orgelbuch

einige stammen aber auch von bedeutenden Komponisten der Zeit (z. B. John Dunstable, Guillaume Du Fay, Gilles Binchois, Walter Frye, Conrad Paumann, Baumgartner).

 

Neben Bearbeitungen von weltlichen Chansons, Tanzsätzen und Liedern enthält es etwa fünfzig Stücke geistlich-liturgischen Charakters und etwa dreißig Präludien, bei denen rhapsodisch-figurative und rein akkordische Teile abwechseln. Die Stücke sind teils zwei- und dreistimmig, aber auch Vierstimmigkeit ist anzutreffen.

Die Forschung ist sich noch uneins über Herkunft und Entstehung des Buxheimer Orgelbuchs, das keine Gebrauchsspuren aufweist und daher wohl als eine Abschrift zu Lehr- oder Repräsentationszwecken angesehen werden kann. Vermutlich stammt es von einem Schreiber aus dem süddeutschen Raum und gelangte über Nürnberg, München und Basel im 16. Jahrhundert in den Besitz der Reichskartause Buxheim bei Memmingen. Von dieser wurde es 1883 zur Auktion angeboten und befindet sich seitdem im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek in München. In der Literatur findet sich häufig eine Zuschreibung zu dem Kreis um Conrad Paumann. Dies würde bedeuten, dass die Handschrift aus München stammt, da Paumann von 1450 bis zu seinem Tod 1473 als baierischer Hoforganist in München wirkte. Von Paumann stammt das Orgellehrwerk Fundamentum Organisandi, das im Buxheimer Orgelbuch sowie im Lochamer-Liederbuch vollständig enthalten ist.

Die Tabulaturschrift des Buxheimer Orgelbuchs besteht aus einem Siebenliniensystem und Buchstaben, der sogenannten „älteren“ deutschen Orgeltabulatur. (Quelle: wikipedia)

Na ja … und dann gibt´s quasi als Zugabe eine eigene Orgelkompostion von Eberhard Kraus namens „Septenarium“ … das sind sieben Choralfantasien nach Bertholds Predigt von den sieben Planeten (ein Berthold von Regensburg hat diese Klosterpredigt wohl gehalten und auch niedergeschrieben).

Und auch hier hat sich Eberhard Kraus viel Mühe gegeben … das steckt wohl viel Herzblut drin …

Beigelegt habe ich dieser kleinen, aber freinen Präsentation (wie ich meine), ein ausführliches Werkverzeichnis von Eberhard Kraus (es umfasst 32 Seiten !).

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Besetzung:
Eberhard Kraus (organ)

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Titel:

Johann Sebastian Bach:
01. Toccata d-moll BMV 566 7.48

Wolfgang Amadeus Mozart:
02. Andante F-Dur KV 616 5.41

Max Reger:
03. Kyrie eleison op 59 Nr 7 5.01

Charles Maria Widor:
04. Tocatta F-Dur 4.58

Codex St. Emeram:
05. Tripellied 0.59

Buxheimer Orgelbuch:
06. Christ ist erstanden 3.08

Josquin Desprez:
07. Kyrie der Missa de Beata Virgine 2.19

Thomas Preston:
08. Introitus Resurrexi 2.45

Gregor Aichinger:
09. Ricercar (III) a 4 3.19

Nicolas le Bégue:
10. Une vierge pucelle 1.59

Domenico Scarlatti:
11. Sonate D-Dur 2.15

Simon Mayr:
12. Praeludium d-moll 1.24

Eberhard Kraus:
13. Septenarium 9.50

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