LaBrassBanda – Live Olympiahalle München (2011)

frontcover1Für mich ist diese Kapelle ein Phänomen:

LaBrassBanda ist eine aus Übersee am Chiemsee stammende Blasmusik-Gruppe um den Leadsänger und Trompeter Stefan Dettl. Der Bandname ist ein Portemanteau des italienischen la banda und des englischen brass band, was beides jeweils auf Deutsch „Blasmusikkapelle“ bedeutet. Die Musik zählt zum Genre der Neuen Volksmusik. Sie selbst bezeichnen ihre Musik ironisch auch als Bayerischen Gypsy Brass, Funk Brass oder Alpen Jazz Techno.
Stefan Dettl war bei einem Aufenthalt in New York davon fasziniert, wie Gruppen wie die Youngblood Brass Band traditionelle Blasmusik mit Hip-Hop-, Funk- und Jazzeinflüssen verbinden. Der Musikstudent fand am Richard-Strauss-Konservatorium mit Andreas Hofmeir (Tuba), Oliver Wrage (Bass), Manuel Winbeck (Posaune) und Manuel da Coll (Schlagzeug) vier Gleichgesinnte und gründete 2007 mit ihnen LaBrassBanda. Größere Bekanntheit erreichte die Band durch ihre Tour von ihrer Heimat zum Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Wien. Diese absolvierten sie mit Mopeds und einem Traktor mit Anhänger, auf dem sie Platzkonzerte spielten.
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Konzertankündigung des Goethe Instituts, 2009

2009 trat die Band auf Einladung des Goethe-Instituts beim Deutschen Kulturfestival sibSTANCIJA 09 in Nowosibirsk und Akademgorodok auf. Weitere Konzerte gab es in Omsk, Krasnojarsk und Moskau. Im gleichen Jahr trat LaBrassBanda beim Harare International Festival of Arts in Simbabwe, präsentiert durch die Deutsche Botschaft und die Zimbabwe German Society, und beim Roskilde-Festival auf. Ein Konzertfilm von Marcus H. Rosenmüller dokumentiert einen LaBrassBanda-Auftritt am 23. Oktober 2009 im ausverkauften Circus Krone in München. Mit „Habe di Ehre Übersee“ – Eine Band entstand 2009 ein Dokumentarfilm über die Band. Im Juli 2011 fanden auf Einladung der deutschen Botschaft 4 Konzerte in den USA statt, unter anderem im legendären Whisky a GoGo in Los Angeles.

In den Jahren 2007 bis 2015 spielte LaBrassBanda mehr als 700 Konzerte. Sie waren zu Gast auf verschiedenen Festivals, wie dem Hurricane Festival in Scheeßel, dem süddeutschen Schwester-Festival Southside in Neuhausen ob Eck, dem Highfield-Festival in Großpösna, dem Sziget Festival in Budapest, dem Haldern Pop am Niederrhein[10] und dem Chiemsee Reggae Summer in Übersee. Gleichzeitig machte die Band eine Promotour und trat in Schulen auf, bspw. im April 2011 in der Fachoberschule in Kempten (Allgäu), um ihr Konzert in der BigBOX Allgäu im Mai 2011 zu vermarkten. Am 4. Dezember 2011 beendeten sie die Tournee Übersee vor 12.000 Fans in der Olympiahalle München. Dieser Auftritt wurde aufgezeichnet und 2012 als Live Olympiahalle München veröffentlicht. In der Pause nach der großen Tournee widmeten sich die Mitglieder der Weiterentwicklung ihrer eigenen Projekte. Dettl veröffentlichte z.B. die Soloalben Rockstar (2011), Summer of Love (2012) und Soultrain (2016). Tubist Andreas Hofmeir ist seit 2006 als ordentlicher Professor an der Universität Mozarteum Salzburg tätig und gab 2012 diverse Konzerte und „Musikalische Lesungen“ und führte Workshops für Tuba durch.
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LaBrassBanda, 2009

LaBrassBanda erreichten beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 mit dem Titel Nackert den zweiten Platz hinter Cascada. Sie siegten dabei beim einwöchigen Radiohörer-Voting, belegten Platz zwei beim Fernsehzuschauer-Voting, erhielten aber von der Jury nur einen Punkt. 2015 erhielten sie von den Münchner Turmschreibern den Bayerischen Poetentaler.
Bassist Oliver Wrage verließ im Juni 2013 die Band, da er sich um seine Aufgaben als frischgebackener Vater und um seine Band „Weiter“ kümmern wollte. An dessen Stelle trat Mario Schönhofer.
Im Sommer 2013 traten LaBrassBanda als Vorband bei der Tournee der Die Ärzte auf. Seit der Tour 2013 werden sie zusätzlich von Jörg Hartl und Korbinian Weber an der Trompete und von Tobias Weber an der Perkussion unterstützt, die inzwischen auch fester Bestandteil der Band sind. Seit 2014 vertritt Stefan Huber Andreas Martin Hofmeir an der Tuba, und seit der Bierzelttour 2014 erweitert Gitarrist Fabian Jungreithmayr die Gruppe. Eine Einladung der Band zum 124. Gautrachtenfest 2014 in Ruhpolding durch den veranstaltenden Gauverband I erregte beim Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes Otto Dufter Unmut wegen des Traditionsbruchs: LaBrassBanda treten grundsätzlich zwar in Lederhosen aber barfuß auf.
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Ihr neues Album „Kiah Royal“ hat LaBrassBanda in einem Kuhstall eingespielt. Gastmusiker waren u. a. Christoph Well, Rocko Schamoni und Stephan Remmler.
Nachdem Gründungsmitglied Andreas Hofmeir 2014 bei den Konzerten meist durch Stefan Huber an der Tuba vertreten worden war, antwortete er im Dezember 2014 im Interview auf die Frage, war’s das jetzt für Sie mit LaBrassBanda: „Ja, das kann man jetzt so sagen“. Es überwiege doch die Neugier, wo es mit seinen „klassischen und kabarettistischen Projekten noch hingehen mag“.
Mario Schönhofer (Bass) und Tobias Weber (Percussion) haben seit Ende 2015 mit Ströme ihr eigenes Projekt und stiegen Anfang 2016 aus der Band aus. (Quelle: wikipedia)
Oder aber auch:
Ohne Musik-Diplom und Praxiserfahrung in renommierten Kombos wie dem Linzer Bruckner-Orchester oder den Berliner Philharmonikern rührt hier niemand das Blech oder das Schlagwerk an.Und trotzdem ist das Quintettt irgendwie Punk – denn was am Ende bei La Brass Banda rauskommt, lässt sich so wahrscheinlich in keiner Musikschule oder Uni lernen. Wolfi Schlick – Leader der Münchner Express Brass Band glaubt, dass das Epizentrum der neuen bayerischen Brass-Musik-Szene bei den Bandas im Chiemgau liegt.
Das Chiemgau als Brass-Schmiede
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La Brass Banda blasen zum Blech-Massaker. Balkan Sounds und Mariachi Fanfaren treffen auf bayerische Polka – Heimweh auf Fernweh – Trainingsjacken auf Lederhosen – unvermoikte Folklore aus der ganzen Welt auf die Beats von DJ N-Dee und seinem International Bohemia Soundsystem. (Quelle: br-online)
Wenn Menschen zu Trompeten und Tuba völlig ausflippen, Männern in Lederhosen ohne Socken und Schuhe zugejubelt wird und die Sprache kaum jemand versteht, dann ist man in Bayern. Oder bei einem LaBrassBanda-Konzert. Im besten Fall in und bei beidem.
Stefan Dettl (Gesang, Trompete) und seine brassbändischen Mitstreiter Andreas Hofmeir (Tuba), Manuel Winbeck (Posaune), Oliver Wrage (Bass) und Manuel da Coll (Drums) spielten im Herbst 2011 eine mehr als erfolgreiche Tour durch den deutschsprachigen Raum, die in Stürmen von Begeisterung und dunklem Weißbier unterging. Als Krönung buchte man sich nicht wie in den Vorjahren in den Circus Krone, sondern plante die große Abschlusssause gleich in der fulminanten Olympiahalle in München, die auch flugs ausverkauft war.
In Momenten absoluter Geistesgegenwart ließen die Männer den Rekorder mitlaufen und bringen nun ein Tondokument des Tourfinales vor knapp 10.000 Menschen. Ein längst überfälliger Streich, denn bei LaBrassBanda handelt es sich um eine leibhaftige Live-Band der allerbesten Güte.
Bestechend perfektes Musikantentum gepaart mit der Wirbelwindenergie von Stefan „Sepp“ Dettl und seinem sympathischen Umgang mit dem Publikum sind die Formel, mit der LaBrassBanda bestechen und ihr bläsergetriebenes Gemisch aus Ska, Pop und Reggae labrassbanda03mit ordentlichem Verständnis von elektronischer Tanzmusik versetzen.
Dabei werden auf solche Kleinigkeiten wie feste Song-Arrangements und Tempi gleich von Haus aus verzichtet. Kenner der beiden Studioalben werden so manchen Song in doppelter Geschwindigkeit, mit einigen Mitsing, -klatsch und –tanz-Passagen wiederentdecken. Der Band scheint es ein Vergnügen zu sein, auf Zuruf bzw. Geste von Frontsau Dettl viele Parts zu wiederholen oder sonst wie umzubauen. Meistens so, dass es schiebt, drückt und der Groove regiert.
Schon zu Beginn beim Eintritt ins „Bierzelt“ pumpt die Rhythmussection einen leichten Technobeat in die Menge, darüber schichten sich langsam die Bläser. „Leit, heit is endlich so weit, seit Wocha homma uns drauf gfreit, heit geh i, sovü is gwis, auf unsre schene Voiksfestwies.“ Nördlich des Weißwurstäquators wird hier mit dem Verständnis schon Schluss sein. Komplett egal. Wenn das explosive Groove-Gemisch loslegt, ist man einfach drin in der Masse, die hörbar gekommen ist, um zu tanzen und Spaß zu haben.
Schon in der zweiten Nummer „Schuikalier“ verlangt Dettl ein „Tubasolo“, das auch postwendend in einem Höllentempo durch die Halle fegt. Die Synkopen rasen in Perfektion um die Wette, tummeln sich längst in Sphären, die jeden Hobbymusikanten verständnislos den Kopf schütteln lassen.
Trotzdem lässt sich auch die notenreichste Melodie unter Anleitung mitsingen und mitjodeln, zur Not kann sich auch jeder mit Ausdruckstanz begnügen. Wie man sich zur Musik bewegt, ist egal. Hauptsache, man bewegt sich, das wissen auch LaBrassBanda. Spätestens bei der Entstehungsgeschichte des Bayrischen Technos („Tecno“) frisst die tanzwütige Menge der Band den letzten Stingl aus der Hand.
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Launige, durchaus lange Ansagen (natürlich im Chiemgauer Dialekt) zwischen den Songs vermitteln das einzigartige Gefühl, dass man mit dem Frontmann gemütlich in seinem Wohnzimmer die Wirkung von Weißbier erforscht. Deshalb kann er auch unzählige Kommandos und Befehle in die Olympiahalle schreien, und alle werden brav befolgt. LaBrassBanda bedanken sich mit Spiellaune der Extraklasse, die trotz der ganzen Partystimmung sogar Platz für andächtige Momente findet („El Paso“, „Doda Hos“), wobei man natürlich immer nur einen Fingerzeig davon entfernt ist, wieder brutal zu werden.
Dass man dieses Brutale auch noch einmal teuflisch steigern kann, lernten die studierten Orchestermusikers (und Techno-Produzenten) sicher nicht erst bei Wagners Ring. Dass die Männer früher nicht nur am Klassik-Vinyl der Eltern hingen, beweisen kleine Ausreißer in die Popkultur-Geschichte. Nach dem akustischen Stroboskop im „Tecno“ ergehen sie sich kurz in ein paar Takte von Daft Punks „Around The World“. Reel 2 Reals Klassiker „I Like To Move It“, Snap!s nicht minder legendäres „Rhythm Is A Dancer“ und sogar die TLC Parade-Schnulze „Waterfalls“ (dreimal so schnell, inklusive vollständigem Rap-Part) tauchen auch mitten in Songs auf. Von belederhosten Bayern mit Blechblasinstrument hat man eine Hymne der R’n’B-Music sicher noch nie gehört. Tatsache ist, dass der Laden bei allen Nummer Kopf steht vor lauter Energie und Freude an der Musik. Einfach schön.
Am Schluss kann man nur über die Power und das wahnwitzige Lungenvermögen dieser Jungs staunen. Dass Dettl nach jedem zweiten Lied ins Mikro schreit, wie unglaublich geil das Konzert eigentlich ist, glaubt man ihm gern. So eine Live-Scheibe ist ja im Grunde nichts anderes wie ein Ausgehbefehl für die nächste Gelegenheit, wenn LaBrassBanda die Gegend unsicher machen. Die Zeit als Geheimtipp ist nun endgültig vorbei. Darauf a Weißbier und geht dahi! (Josef Gasteiger)
Das Album ist der pure Wahnsinn …. das letzte Konzert der damaligen Tournee … und um es mal auf englisch zu sagen „… and the crowd went crazy … „
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Besetzung:
Manuel Da Coll (drums)
Stefan Dettl (trumpet, vocals)
Andreas Hofmeir (Tuba)
Manuel Winbeck (trombone, vocals)
Oliver Wrage (bass)
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Titel:
01. Intro / Bierzelt 5.16
02. Schuikalier 3.34
03. Tecno 9.20
04. Da Dub 8.39
05. Byindi 4.30
06. Hostasned 3.23
07. Ofree 4.25
08. El Paso 2.25
09. Rotes Hoserl 3.00
10. Autobahn 4.57
11. Ringlbleame 2.47
12. VW Jetta 3.09
13. Konned 6.30
14. Bauersbua 4.37
15. Arrabica 6.44
16. Doda Hos 3.47
Musik und Texte:
Manuel Da Coll – Stefan Dettl  – Andreas Hofmeir – Manuel Winbeck – Oliver Wrage
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10jahre

Heuer feiern sie ihr 10jähriges Bestehen … und noch immer spielen sie in der Olympiahalle, München