Verschiedene Interpreten – Deutsche Schlager Mädels (2002)

FrontCover1So kann´s einem gehen … da kommt man doch ziemlich kaputt von der Arbeit nach Hause, sinkt in den Sessel, pfeffert die Schuhe in die Ecke und denkt sich: so, jetzt wäre leichte Schlagerkost erstmal ganz recht und dann schnappt man sich einen Sampler mit dem Titel „Deutsche Schlager Mädels“,läst sich von ein paar bekannten Namen wie Manuela, Hildegard Knef oder auch Daliah Lavi blenden … denn man denkt an eine kleine und nette Oldie-Zusammenstellung …

… und stellt dann fest, dass man einem Billig-Sampler auf den Leim gegangen ist … hinter steht dann auch noch ein wenig verschämt: „Mit Neuaufnahmen in verbesserter Klangqualität“. Aha … also mir ist der eigentliche Original-Sound (und sei er auch ein wenig knistern) dann immer noch deutlich lieber.

Aber, neben all den eher billigen Volksmusik-Schlagern gibt es ein paar rühmliche Ausnahmen, da braucht man allerdings nicht mal die Finger einer Hand:

Da sind z.B. Daliah Lavi mit ihrem „Wär‘ ich ein Buch im Leben“ (klingt ein wenig wie „If A Were A Carpenter“)  und insbesondere das Deutsche Fernsehballett mit dem piffigen „Berlin-Berlin. Ein wenig Abwechslung bringt auch „Kleiner Marcel“ und natürlich hebt sich auch Manuela wohltuend hervor, allerdings eher nur stimmlich … die Musik, na ja …

Und zum Abschluss gibt´s eine Live-Fassung von dem Hildegard Knef Klassiker „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ … na, dann hat sich ja diese CD doch zumindest ein wenig gelohnt. Vielleicht war ich heute dann doch eigentlich in einer anderen Stimmung.

BackCover1

Titel:
01. Daliah Lavi: Wär‘ ich ein Buch im Leben (If You Could Read My Mind) (Frances/Lightfoot) 4.03
02. Uta Bresan: Tausendundeine Nacht vorbei (Haselsteiner/Fransecky) 3.57
03. Das deutsche Fernsehballett: Berlin – Berlin (Olsen/Pockriss) 3.04
04. Irene Sheer: Amore, Amore (Niessen) 3.19
05. Ulla Norden: Ein bißchen Macho darf schon sein () 3.06
06. Severine: Olala l’amour (Jay/White) 3.31
07. Simone Christ: Wo eine Träne noch zählt () 3.04
08. Diana Leonhardt: Die Macht der Gefühle () 3.49
09. Mary Roos: Freunde für’s Leben (Berthold Kredinsky/Christiansen/Valbro/Tronhem) 3.15
10. Sandy Gold: Männer made in Germany () 3.34
11. Nadine Norelle: Kleiner Marcel () 3.25
12. Ute Freudenberg: Immer wieder (Freudenberg/Lach) 4.08
13. Elke Martens: Im Namen der Liebe (Martens/Peetz) 3.26
14. Britta Onnen: Insel der Liebe () 3.21
15. Manuela: Schwimmen lernt man im See (Buschor/Shayne/Segall) 2.22
16. Danielle: Du machst jede Frau verrückt () 3.31
17. Gaby Badinsky: Wer hat dir das Küssen beigebracht (Hammerschmidt/Bruletti) 3.35
18. Hildegard Knef: Für mich soll’s rote Rosen regnen (live) (Hammerschmidt/Knef) 6.57

CD1

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Verschiedene Interpreten – Beautiful Sunday (1972)

FrontCover1Passend zum Tag, auch wenn der Sonntag bald schon wieder vorbei ist.

Ein Sampler prall mit der bundesdeutschen Schlagerwelt des Jahres 1972 …
Und dieser Sampler ist insofern interessant, da Polydor alle ihre B und C Promis auftreten lassen … und so ist diese LP heute ein kleiner Schatz an raren Schlagertiteln dieses Jahr.

Oder kennt jemand Herman van Keeken oder Joachim Hübner ?

Na bitte …

Aber den Henner Hoier wird er eien oder andere kennen, denn der hat auch mal ne ganz andere Musik gemacht:

Henner Hoier (* 19. April 1945 in Adendorf) ist ein deutscher Komponist, Sänger und Gitarrist. 1998 widmeten die Rolling Stones ihm unter Henner Hoier & The Rivets in ihrem Buch sechs Seiten.Henner Hoier (* 19. April 1945 in Adendorf) ist ein deutscher Komponist, Sänger und Gitarrist. 1998 widmeten die Rolling Stones ihm unter Henner Hoier & The Rivets in ihrem Buch sechs Seiten.

TheRivetsHoier begann seine Karriere 1964 im Star-Club in Hamburg als Leadsänger und Gitarrist der Gruppe Rivets. Vier Jahre sang und spielte er mit dieser Gruppe und gestaltete mit ihnen die Vorprogramme berühmter Tourneen von Jimi Hendrix, The Who oder The Rolling Stones unter anderem auch in Europa. 1968 schloss er sich den Rattles an und unternahm mit ihnen Tourneen durch Europa. Hoier war der Leadsänger auf dem Rattles-Titel The Witch, der 1969 erstmals als B-Seite der Single Geraldine erschien. Bis Anfang 1970 blieb er der Sänger der Rattles.

Henner Hoier studierte acht Semester am Hamburger Konservatorium Kompositionslehre und Klavier und gründete mit Les Humphries 1970 die Les Humphries Singers. Danach beschloss Hoier, sich als Sänger selbstständig zu machen.

1972 erschien seine erste Solo-Single mit dem Hit Oh, la, la, la. Die deutsche Version des Hits Beautiful Sunday erreichte den ersten Platz der ZDF-Hitparade und auch der Titel Ich hör’ Musik platzierte sich in den Hitparaden.

Single1Mehrere Auftritte beim ARD und ZDF in Deutschland, SRF Schweiz, ORF Österreich und NOS Niederlande machten ihn bekannt. Seine Titel wurden auch in Französisch und englischer Sprache verkauft. Das Debüt in den USA gab er in Washington D.C., 1976 hatte er einen Auftritt in New York.Komponist und Produzent

Hoier komponierte und produzierte für „Die Galaktischen 2“, Jürgen Drews, Rattles, The Lords, Wencke Myhre, Hans Hartz und die Kastelruther Spatzen. 1988 formierte Achim Reichel die legendären Rattles wieder, mit denen Henner Hoier bis 1993 erfolgreich durch Deutschland und Europa tourte. Seit 1994 trat Hoier wieder mit der Neuformation der Rivets und auch als Solist auf.Musical
Ab September 1996 spielte Henner Hoier in Hamburg die Hauptrolle in 250 ausverkauften Veranstaltungen in dem Musical Only You, im Neuen Theater am Holstenwall und ging damit im November und Dezember 1997 erfolgreich auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit dem Musical Only You tourte Hoier im Januar und Februar 1999 weiterhin erfolgreich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, mit über 340 ausverkauften Veranstaltungen. Daraus entstand die LP-CD Only You – „privat collection“.

Die nächste Only You-Tour startete im November bis Ende Dezember 1999. Ab Januar 2000 war diese Rock-Tour wieder im Neuen Theater am Holstenwall in Hamburg zu sehen. Es folgte eine Only You-Tournee 2001 – 2002. Ab September 2003 spielte Henner Hoier im Theater am Holstenwall im neuen Musical Only You II Luna Hotel, mit dem er im Herbst auf Tournee ging. Hoier arbeitete anschließend an einen neuen Musicalkonzept und dessen Bühnenumsetzung für das Jahr 2004. Von 2005 bis 2006 war Hoier mit Only You II Luna Hotel in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tourneé.

HennerHoier

Henner Hoier in den 60er Jahren (als er noch Beat-Musik machte)

2007 hat Henner Hoier als Lead-Sänger und musikalischer Leiter der Original Singers zusammen mit einigen früheren Mitgliedern der Les Humphries Singers Auftritte in der Schaubude auf NDR III und Die Nacht des Deutschen Schlagers in Bad Segeberg absolviert. Unter der Leitung von Hoier wurde seit 2008 an einem musikalischen Konzept für weitere Produktionen im Sound der Les Humphries Singers gearbeitet. Hierzu gehört auch die mit Holger Bünning gemeinsam begonnene Arbeit an einem Musical, das sich auf die großen Hits der Les Humphries Singers stützt. (Quelle: wikipedia)

Hm …

Mit Ausnahme des Dalia Lavi Songs „Wohin gehör´ich“ (mit einem überraschend stark ausgeprägtem Bass … eher ungewöhnlich für Schlagr)waren alle Lieder 1972 auch als Single erschienen.

SinglePack1

Und wir hören ein paar ganz lustige Sache:

Barry Ryan versucht sich mit „Sanctus Sanctus Hallelujah“ als Friedenspoet, „Oh ich will betteln, ich will stehlen“ ist kein Song für asoziale Gammler, sondern eine besondere Form des Liebesbeweises (Klar, das Original hieß „Beg, Steel Or Borow“).

SinglePack2

„Daddy, geh doch nicht so schnell “ ist dann ein pädagogisch bemühter Väter-Song (quasi ein Herman van Veen für Arme) … herrlich schmachtend dann die Olivia Newton-John (ne Country-Gospel Ballade) … überhaupt fällt auf … deutsche Künsler interpretieren englischsprachige Lieder, die ausländischen Künstler singen in deutsch …

Der Song „Suzanne, Suzanne“ (gar nicht mal so schlecht) erschien auf Bellaphon … wie dieser Songs auf ein Polydor Album kam … das wissen nur die Götter.

„Amacing Grace“ ist die einzige Instrumentalversion auf diesem Album … die dazugehörige Singlehülle ist ein wenig rätselhaft.

SinglePack3

Ein Franz Panzer schreibt über dieses Album:
Durchschnittliche Polydor-Kollektion; da weiß ich irgendwie nicht, was ich davon denn nun zu halten hätte. Am Ende sind es zwei Sterne – irgendwie eine merkwürdige Auswahl! (Quelle: hitparade.ch)

Oder aber auch: ein rares Album mit vielen Kuriositäten … davon lebte dann später die Bear Family Edition „Amerikaner & Briten singen deutsch“ …

BackCover1
Titel:
01. Henner Hoier: Beautiful Sunday (Boone/McQueen/Thumeer) 2.42
02. Olivia Newton-John: Unten am Fluß, der Ohio heißt (Traditional/Welch/Farrar/Frances) 3.14
03. Barry Ryan: Sanctus Sanctus Hallelujah Ryan/Frances) 4.16
04. Michelangelo: Ein Tag mit Maria (Siegel/Holm) 3.37
05. Dawn feat. Tony Orlando: Vaya con dios (Russell/James/Pepper) 3.02
06. Daliah Lavi: Wohin gehör‘ ich (Jarrett/Charles/Frances) 3.44
07. Pop Tops: Suzanne Suzanne (Reddyhoff/Henning) 3.12
08. Greenfield & Cook: Vergiß das nie (Greenfield/Cook/Monro) 2.15
09. Joachim Hübner: Poppa Joe (Chapman/Chin/Feltz) 2.50
10. Herman van Keeken: Daddy, geh doch nicht so schnell (Stephens/Callender/Dahmen) 3.09
11. New Key: Oh ich will betteln, ich will stehlen (Cole/Wolfe/Hall/Lilibert) 3.10
12. Springwater: Amazing Grace (Traditional) 4.01

LabelB1
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SinglePack4

 

Daliah Lavi – Bei dir bin ich immer noch zuhaus (1978)

FrontCover1Auch so eine feste Größe der deutschen Schlagerszene – zumindest in den 70er Jahren … und jetzt ist sie im Alter von 72 Jahren gestorben.

Daliah Lavi (hebräisch ‏דליה לביא‎, geb. Daliah Levenbuch; * 12. Oktober 1942 in Schawei Zion, Völkerbundsmandat für Palästina – † 3. Mai 2017 in Asheville, North Carolina) ist eine israelische Filmschauspielerin und Sängerin.

Daliah Lavi wurde als Tochter ihrer deutsch-jüdischen Mutter Ruth, die aus Breslau/Schlesien stammte und in den 1930er Jahren nach Palästina emigrierte, und ihres russischen Vaters Reuben Lewinbuk in dem Moschaw Shavei Zion nahe der Hafenstadt Haifa im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina (heute Israel) geboren. Lavis Großeltern und viele ihrer Verwandten kamen im Holocaust ums Leben  Der jüdisch-amerikanische Schauspieler Kirk Douglas drehte Anfang der 50er Jahre einen Film in ihrem Heimatdorf und vermittelte Daliah Lavi ein Stipendium zur Ausbildung als Tänzerin an der Königlichen Oper in Stockholm. Aufgrund von Kreislaufproblemen und des Todes ihres Vaters musste sie diese Ausbildung allerdings nach vier Jahren abbrechen.

Nach kleineren Filmrollen in Schweden (Hemsöborna, 1955) absolvierte Lavi Ende der 50er Jahre ihren Wehrdienst in der israelischen Armee. Später arbeitete sie in Israel eine Zeit lang erfolgreich als Mannequin, was ihr 1960 zur ersten Hauptrolle in dem deutsch-israelischen Film Brennender Sand verhalf. Ein Jahr später spielte sie in Im Stahlnetz des Dr. Mabuse an der Seite von Gert Fröbe. Ihre erste Ehe mit dem französischen Kaufhausbesitzer Jacques Gerard führte die junge Lavi nach Paris, wo sie mit Erfolg in mehreren französischen Kinofilmen spielte. Beispielsweise war sie unter der Regie des französischen Filmpioniers Abel Gance in Cyrano und D’Artagnan (1964) zu sehen. Ihr großes Sprachtalent (neben ihrer Muttersprache Hebräisch spricht Lavi Englisch, Schwedisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Russisch) und ihr Aussehen ermöglichten ihr, als Schauspielerin über zehn Jahre lang in zahlreichen internationalen Filmproduktionen in Europa und Hollywood mitzuwirken.

 

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Die Lavi im Jahr 1966

Obwohl sie für die Rolle der Veronica in dem US-Melodram Zwei Wochen in einer anderen Stadt schon 1962 eine Nominierung für den Golden Globe als Beste Nachwuchsdarstellerin erhielt, mit Dean Martin (The Silencers, 1966), Christopher Lee (La Frusta e il Corpo, 1963), Lex Barker (Old Shatterhand, 1964) sowie als „Geheimwaffe James Bond“ (Casino Royale, 1967) auftrat, schaffte die vielseitige Künstlerin als Schauspielerin nicht den Durchbruch zum Star. Ihr letzter Kinofilm war 1971 der britische Western Catlow – Leben ums Verrecken mit Yul Brynner. Lavi selber meinte über ihre Filmkarriere in einem Interview in den 70ern resümierend, dass sie nur einen guten Film gedreht habe. Es handelt sich um die in Deutschland bislang nicht veröffentlichte italienisch-französische Co-Produktion Il Demonio (dt. Der Teufel) aus dem Jahr 1963. Unter der Regie von Brunello Rondi, der vorher als Drehbuchautor für Federico Fellini gearbeitet hatte, verkörperte sie in der Hauptrolle eine vom Teufel besessene junge Frau, die von den Bewohnern eines kleinen italienischen Dorfes gejagt wird.

 

Gegen Ende ihrer Filmkarriere wurde Lavis rauchig-markante Stimme von einem englischen Schallplattenproduzenten entdeckt. 1969 war sie zu Gast in der BBC-Fernsehshow des israelischen Musicalstars Topol (Anatevka) und sang einige hebräische Lieder. Daraufhin bekam sie ihren ersten Schallplattenvertrag bei dem englischen Label Festival Records. Doch erst als der Hamburger Produzent Jimmy Bowien sie bei der deutschen Polydor unter Vertrag nahm, begann ihre außerordentlich erfolgreiche Karriere als Sängerin. Bereits ihre erste veröffentlichte Single im Jahr 1970 (Liebeslied jener Sommernacht) wurde ein Hit. Mit der französischen Version (Prends l’amour) belegte sie noch im selben Jahr beim International Song Festival in Tokio den 13. Platz für Belgien, das Lied wurde auch ins Englische übertragen (Love’s Song) und als Single veröffentlicht. Lavi sang fortan auf Deutsch, Französisch, Englisch, Hebräisch, Italienisch und Spanisch.

Autogramm

Sie überzeugte besonders das Publikum im deutschsprachigen Raum mit ihren eigenwilligen und gut vorbereiteten Interpretationen anspruchsvoller Pop-Songs, die sich vom damaligen Schlagereinerlei deutlich absetzten. Bei einem Großteil von Lavis musikalischen Erfolgen handelte es sich zwar um deutschsprachige Coverversionen englischer Songs, die aber mit Hilfe neuer Arrangements und vor allem textlich, zumeist aus den Federn von Erfolgstextern wie Miriam Frances oder auch Michael Kunze hervorstachen. Diese speziell auf die Israelin zugeschnittenen Versionen waren in Verbindung mit ihrem dunklen Timbre oftmals in Deutschland weitaus erfolgreicher als die Originalversionen.

Das Lied Oh, wann kommst Du schaffte es 1970/1 bis auf Platz 4 der deutschen Single-Charts und ist bis heute ihr größter kommerzieller Erfolg. Weitere Single-Hits im Jahre 1971 waren Jerusalem, im Original ein Instrumental von Herb Alpert, sowie Wer hat mein Lied so zerstört, Ma?, im Original What Have They Done To My Song, Ma? von Melanie. Am Ende des gleichen Jahres hatte sie mit Willst du mit mir geh’n ihren zweiten und letzten Top-10-Erfolg in Deutschland (Platz 9). Im Gegensatz zu vielen anderen Schlagerstars konnte sie sich auch sehr hoch in den Alben-Charts platzieren: Die LPs Liebeslied jener Sommernacht (1970, Platz 19), Daliah Lavi (Platz 2) und Willst du mit mir geh’n (1971, Platz 7) gehören zu ihren erfolgreichsten Werken. In den folgenden Jahren war sie mit den Liedern Ich glaub’ an die Liebe („I believe in music“) Meine Art, Liebe zu zeigen (1972), Wär’ ich ein Buch (If You Could Read My Mind von Gordon Lightfoot) und Es geht auch so in den deutschen Charts vertreten. Neben regelmäßigen Studio-LPs erschienen nun auch unzählige Compilations, die ihren Katalog etwas unübersichtlich machten. Weniger kommerziell erfolgreich waren außerdem ihre englischsprachigen LPs, die bis 1973 ebenfalls regelmäßig erschienen, ihr allerdings international kaum Beachtung einbrachten.

Lavi1975Der Umstand, dass Lavi als eine Jüdin mit deutschen Wurzeln in dem Land auftrat, das nur wenige Jahre zuvor ihrer Familie großes Leid angetan hatte, wurde in der deutschen Öffentlichkeit nicht thematisiert. Neben Lavi verzeichneten auch andere israelische Sängerinnen in dieser Zeit Erfolge in Deutschland, so Carmela Corren, Esther Ofarim und Elisa Gabbai. Lavi sagte dazu später: „Für mich waren die Konzerte in Deutschland fantastisch. Ich konnte dadurch in Kontakt kommen zu den jungen Leuten. Und diese jungen Leute trugen keine Schuld am Holocaust.“ Sie habe nie Antisemitismus in Deutschland erlebt, weil sie dies auch nicht zugelassen habe, sie habe niemandem das Gefühl gegeben, dass man sie angreifen könne.

Mitte der 70er Jahre ließ der Erfolg von Lavis Platten etwas nach. Lediglich Nichts haut mich um – aber du (I Get A Kick Out Of You) wurde 1975 in den Charts notiert (Platz 38), danach verschwand die Sängerin für zwei Jahre aus den Hitlisten. Dennoch arbeitete Lavi weiter sehr ambitioniert an ihrer Gesangskarriere. 1974 erschien die LP I’m Israeli – I’m A Sabra ausschließlich mit hebräischen Liedern, darunter auch eine entsprechende Fassung von Jerusalem. Im darauf folgenden Jahr veröffentlichte sie gleich zwei LPs: Für große und kleine Kinder enthält populäre Kinderlieder wie Alle meine Entchen oder Der Mond ist aufgegangen, während Cafe Decadence Klassiker der 20er und 30 Jahre wie Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben? und Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre beinhaltet. Erst 1976 erschien mit dem programmatisch betitelten Album Neuer Wind wieder eine Sammlung von Schlagern und Chansons. Daraus wurden die Singles Das bleibt immer ein Geheimnis und Worte wie Pfeile ausgekoppelt. 1977 gelang Lavi noch einmal ein Hit in den deutschen Single-Charts: Das country-angehauchte Stück Weißt du, was du für mich bist? kletterte bis auf Platz 12. Ein Jahr später hatte sie mit Du bist mein Problem einen großen Erfolg im deutschen Radio (Airplay-Charts Platz 5). Auf der dazugehörigen LP Bei dir bin ich immer noch zuhaus jonglierte Lavi mit den unterschiedlichsten Genres. So mischte sie zwischen den üblichen Schlagern und Chansons auch Country- und Disco-Titel.

 

Lavi2008

Daliah Lavi während eines Konzertes im Gewandhaus zu Leipzig (März 2009)

Nach einigen Jahren Pause setzte Lavi 1981 mit der Single Flüster… ihre Karriere fort. Das nachlassende Interesse am Schlager im Allgemeinen und dessen ans Chanson angelehnter Spielart im Besonderen hatten den kommerziellen Erfolg von Lavis Platten deutlich reduziert. Auch die Cover-Version des damaligen Superhits Words von F. R. David, bei Lavi Mut, brachte nicht den erhofften Hit, und die Sängerin verließ die Plattenfirma Polydor, bei der sie über Jahre hinweg ihre größten Erfolge gefeiert hatte. Mit neuem Look und einem Vertrag bei der EMI zeigte die Erfolgskurve wieder langsam nach oben. Die LP …Wenn schon, dann intensiv (1983) war Lavis erste seit fünf Jahren, die ausgekoppelten Singles Jahresringe und Ich muß nur sterben (und sonst gibt es kein Muss) präsentierten einen moderneren Stil. Mit Ich wollt′ nur mal mit dir reden (I Just Called to Say I Love You von Stevie Wonder) gelang Lavi 1985 nach acht Jahren wieder ein Hit in den deutschen Charts (Platz 59). Die dazugehörige LP Herzblut ist bis heute ihr letztes Studio-Album, das ausschließlich neue Aufnahmen enthält.

 

Die Zusammenarbeit mit der EMI war nicht von langer Dauer. Noch 1985 nahm Lavi für Ralph Siegels Plattenfirma Jupiter Records die Single Wir sind gebrannte Kinder auf. Im Jahr darauf folgte ein erneuter Wechsel. Für Hansa nahm Lavi In deinen Armen (1986) und Love (1987) auf, ebenfalls ohne größeren Erfolg. 1990 veröffentlichte sie bei dem kleinen Label MCS das Album Lieder des Lebens mit Neuaufnahmen ihrer großen Erfolge sowie einigen neuen Titeln. Im Jahr darauf spielte sie an der Seite von Inge Meysel eine kleine Rolle in dem Fernsehkrimi Mrs. Harris und der Heiratsschwindler. Nach einem letzten Hit im Duett mit Karel Gott (1994, Ich bin da um dich zu lieben, im Original When You Tell Me That You Love Me von Diana Ross) beendete Lavi vorerst ihre Gesangskarriere. Seitdem lebt sie zurückgezogen mit ihrem vierten Ehemann, dem US-Industriellen Charles Gans, in Asheville, North Carolina.[3] Daliah Lavi ist Mutter von vier Kindern. Rouven, ihr Sohn aus zweiter Ehe mit dem Regisseur John Sullivan (Regisseur), strebte Mitte der 80er Jahre ebenfalls eine Gesangskarriere an. Seine Single Together (Flying on the Wings of Tenderness) wurde 1986 von Jack White produziert und erreichte Platz 53 in den deutschen Charts.

Im Oktober 2008 wurde nach einer Produktionszeit von über zwei Jahren eine neue CD mit dem Titel C’est la vie – So ist das Leben veröffentlicht. Mit diesem von Dieter Falk produzierten Album wollte sich Lavi von ihrem Publikum verabschieden. Es enthält neben fünf neuen Liedern hauptsächlich Neueinspielungen ihrer Hits, aber auch persönliche Favoriten wie Israel oder Mutter Erde weint. Am 25. Oktober 2008 trat Lavi in der Sendung Willkommen bei Carmen Nebel auf und präsentierte neben einigen ihrer bekannten Stücke auch das Titellied ihrer neuen CD sowie das erstmals 1994 veröffentlichte Duett mit Karel Gott. Auch bei folgenden Auftritten wurde oft behauptet, dass Lavi seit rund 15 Jahren nicht mehr in Deutschland aufgetreten sei, was allerdings nicht stimmte. So war sie 1997 bei der Welthungerhilfe-Gala aufgetreten, 1999 bei Boulevard Bio, und 2000 war sie Stargast beim SWR-Ball in Stuttgart gewesen.

Im November 2008 erreichte C’est la vie die deutschen Alben-Charts (Höchstplatzierung Platz 22). Erstmals seit 1980 war sie hier wieder notiert. Im Vorfeld promotete Lavi diese Platte in Deutschland; u.a. trat sie im Oktober 2008 in der TV-Talkshow „Beckmann“ auf. Bis März 2009 hielt sich C’est la vie insgesamt 16 Wochen lang in den Top 100 Charts der am meisten verkauften Alben in Deutschland und zählt damit zu einer von Daliah Lavis erfolgreichsten Veröffentlichungen. In Österreich blieb die CD ebenfalls mehrere Wochen lang in den Verkaufscharts und erreichte Platz 56. In den deutschen Airplaycharts/Deutscher Schlager landete das Lied C’est ca la vie sogar auf Platz 1. Ende Februar 2009 startete Lavi eine erfolgreiche Abschiedstournee, die sie durch 12 deutsche Städte führte. Im Herbst 2009 wurde ein Live-Mitschnitt ihres Konzertes in der Alten Oper in Frankfurt am Main als DVD veröffentlicht.

Am 28. November 2009 erhielt Daliah Lavi in der aus Suhl live übertragenen ARD-Sendung „Das Adventsfest der 100.000 Lichter“ für C’est la vie eine Goldene Schallplatte für über 100.000 verkaufte Exemplare in Deutschland.

Am 12. November 2011 hatte Daliah Lavi einen erneuten Auftritt in der ZDF-Sendung ‚Willkommen bei Carmen Nebel‘. (Quelle: wikipedia)

LaviOldShatterhand

Daliah Lavi in dem Film „Old Shatterhand“ (1963)

Es mag ja sein, dass dies hier eine ihrer schwächteren LP´s ist, aber bemerkenswert sind zweierlei Dinge:

Zum einen interpretiert sind Songs von Schwergewichtern wie Bob Seger oder Supertramp und zum anderen kann man hier wieder mal seufzend feststellen, dass eine Frau mit einer solchen Stimme einfach weitaus mehr hätte machen können … gar nicht auszudenken … wäre sie besser beraten worden im Laufe ihrer Karriere …

Lavi

Besetzung:
Daliah Lavi (vocals)
+
unbekanntes Orchester unter der Leitung von Bernhard Ebbinghouse

BackCover

Titel:
01. Hat der Teufel schon wieder die Hand im Spiel (Without Love)(Kongos/Leroy/Mürmann) 3.41
02. Heut‘ muss ich gehn (I’ve Got To Go) (Butler/Bowling/Zentner) 2.34
03. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß (Bowien/Mürmann) 2.42
04. Und du bleibst dir treu (Still The Same) (Seger/Mürmann) 3.03
05. Da warst du plötzlich hier (Bowling/Reissmann) 3.11
06. Keiner ist mir so nah wie du (Baby Don’t Change Your Mind) (McCoy/Müller-Schwanke) 2.57
07. Du bist mein Problem (Lonely Hearts Club) (Bowling/Butler/Simmons/Mürmann)
08. Wenn du mich nicht willst (If I Can’t Have You) (B.Gibb/R.Gibb/M.Gibb/Mürmann) 2.57
09. Bei dir bin ich immer noch zuhaus (River Road) (Tyson/Müller-Schwanke) 2.39
10. Viva La Noche (Bowien/Mürmann) 3.01
11. Gib ein wenig mehr (Give A Little Bit) (Davies/Hodgson/Mürmann) 3.38
12. Lang ist’s her (Michalsky) 3.10
+
13. Flüster … (Dalton/Sherrill/Mürmann) 3.47

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Lavi0212. Oktober 1942 – 03. Mai 2017