Stowaways und andere – Sandkasten Beat Stories (1972)

FrontCoverPolyphon1Und wieder mal ne ganz exquisite Leihgabe (Mein Dank dafür geht an Mr. Yancy aus dem schönen Hessenland !).

Und hinter dem Titel „Sandkasten Beat Stories“ steckt eine wirkliche spannende Geschichte aus dem Kapitel „Rares und unterhaltsames“.

Hier aus dem erläuterndem Text, der mir ebenfalls zugeschickt wurde:

Volkslieder – Schlager – Protestsongs – Was singen Kinder? – Was singen sie am liebsten, wenn man sie läßt?

Heinrich Musiol schrieb über 50 Texte. Er zeigte sie dem Leiter des Kölner Kinderfunks. Georg Bossert hat sich in den populären Sendungen UNSERE MUSIKBOX und BETTY’S BEAT BOX HAUS viel mit Musik und Liedern für Kinder auseinandersetzen müssen. Georg Bossen gab die Texte weiter an die Beat-Gruppe THE STOWAWAYS. Sie sollte sich dazu was einfallen lassen. Vier Wochen später waren die Melodien erfunden. Nicht für alle 50 Texte, neun von Heinrich Musiol wurden ausgewählt. Ergänzt wurden sie mit einem eigenen MAUSFROSCH­-Ereignis, dem GUT NACHT-Einfall von Eva Rechlin und der STEINE AM MEER-Geschichte von Bettina Küntzel. Alle verkrochen sich dann für acht Tage in das Rhenus Studio nach Godorf: THE STOWAWAYS und die jungen Sängerinnen und Sänger ELKE, ROSEMARIE, BÄRBEL und CAY MICHAEL. Was sie mit Georg Bossen produ­ziert haben, ist schwer einzuordnen. So schwer, wie das, was Kinder eigentlich wollen. Aber da liegt auch der Reiz, das Neue: Sind das eigentlich Lieder für Kinder?

Herausgekommen ist zumindest musikalisch ein gefälliges Beat-Album und die Frage, „sind das eigentlich Lieder für Kinder“ stellte sich nicht zu unrecht. Witzig ist es allemal, und die Instrumentalpassagen sind durchaus hörenswert.

Aber bei der Beschäftigung mit dieser Rarität ging mir die Biographie des „Vaters“ dieser LP, Georg Bossert nicht aus dem Kopf:

„Georg Bossert (* 1939; † 23. Oktober 1995 in Düsseldorf) war ein deutscher Rundfunk- und Fernsehproduzent, Redakteur und Rundfunkmoderator.
Leben

Von 1965 bis 1976 war Bossert Kinderfunk-Redakteur beim WDR in Köln.

BossertVon 1968 bis 1970 produzierte er die erfolgreiche Kinder-Musikshow Bettys Beat-Box-Haus, die in unregelmäßigen Abständen im ersten Programm der ARD ausgestrahlt wurde. Inhalt der Sendung waren zeitgemäße Kinderlieder im Stil von Schlager und Beat, die überwiegend Christian Bruhn für diese Sendung komponiert hatte. Die Texte wurden eigens von Kinderbuchautoren wie Erich Kästner, James Krüss und Eva Rechlin geschrieben. Als Sänger traten unter anderem Gitte Hænning, Katja Ebstein, Graham Bonney, Chris Howland und die Marbles auf. Begleitband war die damals noch wenig bekannte Kölner Band „Stowaways“, die sich später in „Bläck Fööss“ umbenannte. Bossert selbst moderierte die Sendung zusammen mit der 1968 zwölfjährigen Sibylle Kirmess („Betty“).

Zusammen mit Ingeborg Oehme-Tröndle moderierte Georg Bossert 1971 im WDR-Hörfunk erstmals die Sendung Rotlicht, die einen redaktionell neuen Typ von Kindersendung darstellte. Hier wollte man von der harmlosen Biederkeit und dem „Heile-Welt“-Ideal, die bisher den Kinderfunk beherrschten, wegkommen und die Lebensumwelt der Kinder so darstellen, wie sie tatsächlich war, dabei auch kindliche Probleme bewusst thematisieren. Dieses Konzept zeigte sich zukunftsweisend, fielen doch die Kindersendungen der folgenden Jahre „vor allem durch ihre realistischen Hörspiele und journalistischen Formen wie Reportagen, Interviews und live-Gespräche“ auf.

Mit Wirkung zum Januar 1977 wurde Bossert von Programmdirektor Frank Elstner zu Radio Luxemburg geholt, wo er das beim WDR begonnene Konzept des Kinderfunks erfolgreich fortsetzte. ( „Bossert lebt gern aus dem Augenblick, ist gern vor Ort, setzt Kinder als Reporter ein, lässt sie schreiben, malen, mitspielen. (…) Er spricht mit Kindern über Familienprobleme, Schulsorgen, Drogenängste.“ ) Hier führte er auch die „Kindertage“ ein, wo an einem Sonntag im Jahr unter seiner Leitung Kinder das gesamte Programm von 8 bis 16 Uhr gestalteten. Neujahr 1978 fand der erste Kindertag statt, mit Desiree Nosbusch, Anke Engelke, Tommi Elstner, Birgit Hoff u. a. Von 1977 bis 1981 war er Redakteur und Moderator unter anderem der Sendungen die 10 vor sieben Sache und Moment mal. Vor allem letztgenannte erlangte bei Kindern und Jugendlichen große Popularität. Als Entdecker von Désirée Nosbusch und Anke Engelke setzte er beide auch als Co-Moderatorinnen dieser Sendung ein.

Als Bossert im Frühjahr 1981 bekanntgab, sich von seiner Ehefrau getrennt zu haben, um mit seiner damals 16-jährigen Protegée Désirée Nosbusch zusammenzuleben, hielten die Verantwortlichen bei Radio Luxemburg ihn nicht mehr für geeignet, weiter Leiter des Kinder- und Jugendfunks zu sein, so dass er in gegenseitigem Einvernehmen den Sender verließ. Anschließend war er als freier Medienproduzent Bossert2sowie als Manager von Nosbusch tätig, die bis 1990 seine Lebensgefährtin blieb. Sein Nachfolger als Moderator von Moment mal wurde 1981 Rolf Zuckowski.

1995 wurde Georg Bossert von seinem erwachsenen Sohn erstochen.“ (Quelle: wikipedia)

Da hält man schon erstmal inne …

Aber auf einen Titel dieser LP mag ich dann schon noch ganz besonders hinweisen. Es ist der atypischste Song und wurde von Bettina Küntzel getextet. Als Komponist wird ein „Hoock“ genannt.

Aber nachdem dieser stark gospelhaltige Song durchaus Hitpotential hatte, wurde er eigens als Single veröffentlicht und bei dieser Singe wird Christian Bruhn als Komponist genannt.

Wie auch immer: „Steine am Meer“ ist so einer dieser Songs, die sich wie magisch in die Gehörgänge schrauben und sich dort festsetzen … für lange, lange Zeit ! Man hat ja fast das Gefühl, dieser Song ist versehentlich auf die „Sandkasten Beat Stories“ gelandet, weil er eber gar so atypisch ist.

Und die Frage, wer sich hinter den Sängerinnen verbirgt kann zumindest teilweise beantwortet werden:SingleSteineAmMeer

„Elke Drosard, Elke Kohlund alias Elke Best geboren am 18.12.1956
in Duisburg …erste öffentlicher Auftritt im „Salzmann-Chor“. Von 1972-1974 Mitglied der Band „Sandwich“ „The Stowaways“ die teilweise 9 Mitglieder umfassende Band davon 3 Frauen, Elke, Rosemarie und Bärbel zu hören auf der LP „Sandkasten Beat Stories“1972 …

Elke Best ist zu hören mit dem Titel „Mister Bim“ ein Detektiv, kriegt einen langen Brief …später de Bläck Fööss …Solo-Debüt „Du bist die erste große Liebe“…

Erst die Zusammenarbeit mit Gunter Gabriel und Peter Maffay brachte Ihr die gewünschte Anerkennung … “ (soweit die Auskunft der Black Föös auf einer Forumsseite zu dieser Band)

BackCoverPolyphon1

Besetzung:
Thomas „Tommy“ Richard Engel (vocals)
Günther Antonius „Bömmel“ Lückerath (guitar, banjo, violin, vocals)
Franz Peter Schütten (guitar, vocals, percussion)
Ernst „Erry“ Josef Stoklosa (guitar, percussion, vocals)
Hartmut Reinhold Priess (bass, guitar, mandoline)
Dieter „Joko“ Jaenisch (piano, accordeon, vocals)
+
Bärbel (vocals)
Cay-Michael (vocals)
Elke Best (vocals)
Rosemarie (vocals)

FrontCoverKarussell1

Alternatives Frontcover

Titel:
01. Stowaways: Ein großer Elefant (Priess-Braschoß/Musiol) 3.33
02. Rosemarie: Insel irgendwo (Priess-Braschoß/Musiol) 2.29
03. Stowaways: Liebe Schnecke Langsambein (Priess-Braschoß/Musiol) 2.29
04. Stowaways: Flug zum Mond (Priess-Braschoß/Musiol) 2.54
05. Bärbel: Texas Tante (Priess-Braschoß/Bossert) 2.01
06. Cay-Michael: Äpfelchen Paul (Priess-Braschoß/Musiol) 2.33
07. Elke Best: Mister Bim (Priess-Braschoß/Musiol) 3.01
08. Stowaways: Die Fahrt nach Bremen (Priess-Braschoß/Heinz Musiol) 2.44
09. Rosemarie: Gute Nacht (Priess-Braschoß/Rechlin) 2.37
10. Stowaways und Solisten: Das Telefon (Priess-Braschoß/Musiol) 3.53
11. Stowaways: Mausfroschhochzeit (Priess-Braschoß) 3.03
12. Rosemarie: Steine am Meer (Hoock/Küntzel) 4.22

LabelB1

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Stowaways+Co

Stoaways & Co.