Conny Lens – Zug um Zug (1991/1995)

frontcover1Hach … ich liebe Radio-Hörspiele, insbesondere … wenn es sich dabei um Krimis handelt, bzw. wie hier, um einen Thriller …

Hier ein ganz besonderes Hörspiel, erstmalig ausgestrahlt beimWDR im Jahr 1991 …. vier Jahre später dann als MC im Goldmann-Verlag veröffentlicht:

Und darum geht´s :

Klaus Witte und Ulla Mehrbeck (Christian Berkel und Claudia Roxane Barthel) sind ehemalige Studienkollegen und sie wollen nicht nur im selben Feld in der Wirtschaft arbeiten, sondern sie konkurrieren sogar um eine Doktoranden-Anstellung. Klaus greift zu unlauteren Mitteln und sorgt dafür, dass Ulla ihr Vorstellungsgespräch verpasst und somit auch nicht die Stelle bekommt. Die sichert sich Klaus und damit nimmt das Drama seinen Lauf, denn das Fernschachspiel zwischen Ulla und ihm scheint mehr zu werden. Zug um Zug spitzt sich die Lage für Klaus zu und sein Leben steuert auf den Abgrund zu und wird immer mehr zur Hölle. Ist Ulla dafür verantwortlich?

Was Conny Lens alias Friedrich Hitzbleck hier verfasst hat, das ist einfach ein Kracher. Das Schachspiel der beiden ehemaligen Kollegen wird zu einem äusserst realen und fesselnden Psychospiel, das die Hörerschaft von Anfang bis Ende hervorragend unterhalten sollte. Spannender geht es einfach nicht und man fragt sich, wie diese Angelegenheit enden wird und vor allem auch, wer hier eigentlich überhaupt gut und wer böse ist. Das macht den Reiz aus und man kann rein theoretisch das Hörspiel auch in zwei Durchgängen hören und

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Christian Berkel als Klaus

mal auf der Seite des einen und dann der anderen sein und so bekommt die Produktionen einen neuen Aspekt. Wie dem auch sei, die Story hat das gewisse Etwas und sie ist packend inszeniert worden, mehr kann man nicht verlangen, inhaltlich wird hier jedenfalls schon mal mächtig vorgelegt.
Die Umsetzung zieht sprechertechnisch auf jeden Fall locker nach, das kann man alleine schon der Besetzung entnehmen, die einfach sensationell ausfällt. Christian Berkel geht als Klaus energisch zu Werke und präsentierte eine breite Palette von Emotionen, die er auch sehr überzeugend darbietet, wobei Claudia Roxane Barthel nicht so oft zu hören ist, sie operiert eher aus dem Verborgenen heraus und arbeitet recht subtil und lässt nicht nur Klaus, sondern auch den Hörer ihre Macht spüren. Um die beiden Schachspieler herum verteilen sich grossartige und namhafte Sprecher und Sprecherinnen, die man aus unzähligen Produktionen kennen dürfte und sie geben unter der Regie von Frank-Erich Hübner ebenfalls alles. Friedhelm Ptok, Christian Rode, Tilly Lauenstein, Klaus-Peter Grap, Gerd Wameling, Friederike Wagner und Ute Rosenbauer runden die tolle Besetzung genial ab und insgesamt bleiben hier zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Wünsche offen, das hier sind Performances auf höchstem Niveau.
Die Geräuschkulissen sind ebenfalls erstklassig und man könnte stellenweise sogar meinen, dass es sich hier um eine O-Ton-Aufnahme eines Filmes handeln könnte. So lebensecht und realistisch kommen die Szenen rüber, da wurde also auch in diesem Bereich hervorragende Arbeit geleistet.
Für mich einer der besten Fälle dieser Sammlung, wenn nicht sogar der beste! Hier stimmt es in allen Bereichen, die Story, die Sprecher, die Soundkulisse, all das ergibt einen sehr starken und empfehlenswerten Krimi, der in jede Sammlung eines Genrefans gehört und Hörspielfreunden allgemein viel Freude bereiten dürfte!

Und ich gestehe, ich hab´ an dem Autor Conny Lens meinen Narren gefressen:

Conny Lens wurde am 10.3.1951 unter dem Namen Friedrich Josef Hitzbleck in Kettwig geboren. Kein wirklich guter Start.

Mit 8 Jahren überwältigte ihn der Drang, sich literarisch zu betätigen, und so schrieb er seine ersten Geschichten. Krimis und Western, selten länger als zwei Seiten, wagemutig in Orthographie und Grammatik, unbelastet von störender Logik, dafür mit zahlreichen Schuss-, Stich- und Würgeopfern. Inspiration fand der junge Künstler dabei in Werken wie „Leichenwagen kommt gleich“.

connylens01Eine Steigerung war also denkbar, und mit den Jahren wurden die Stories zumindest länger. Das Bedürfnis, sich mitzuteilen, erfuhr 1973 einen ersten Höhepunkt beim Versuch der BBC eine Fernsehserie anzubieten. Bis heute bleibt es unverständlich, warum die Verantwortlichen in London diese einmalige Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließen.

1982 kam von Freund Bernd Karuseit der Vorschlag, einen Vertrieb für Kleinverlage zu gründen – den Pottwa(h)l. Einmal in Fahrt, beschloss man, auch eigene Romane zu verlegen. Der erste Krimi hieß „Roter Fingerhut“ und spielte – Richtig! – in Kettwig. Ein mieser Trick, aber die Kettwiger kauften die 195 vollgeschriebenen Seiten wie von Sinnen.

Ein weiterer genialer Gedanke bestand darin, den Autor hinter einem geschlechtsneutralen Namen zu verstecken, um so in die feministisch abgeschottete Welt der Frauen-Buchländen einzudringen. Ein mieser Trick, aber es funktionierte eine Weile und so entstand der Name Conny Lens.

Unter dem erschienen später im Hitzbleck-Verlag weitere Krimis, darunter die Detektivserie „Steeler Straße.“ Die schickte der geschlechtsneutrale Autor dem Kollegen Gisbert Haefs – diesmal allerdings nicht mit Hintergedanken an Protektion. Trotzdem landete die Serie auf dem Schreibtisch von Gerd Haffmans, der weitere Romane des Autors in sein Programm übernahm.

Davon gab es einige. Denn kurz vorher hatte es ihm seine Frau Angela ermöglicht, sich den ganzen Tag lang Verbrechen auszudenken, anstatt wie ein anständiger Mensch arbeiten zu gehen.

Um Geld zu verdienen schrieb er ab 1989 Stories für Fernsehzeitschriften unter Pseudonymen wie Frank Hillmann, John Xerro, Maike Timm oder Barbara Haas – den Friedrich Josef hat er nie verwunden. Wie man solche Stories baut, lernte er von hilfsbereiten Kollegen wie Heribert Bauer (†) oder Reinhard Jahn alias H. P. Karr. Reinhard Jahn war es dann auch, der ihm das Schreiben von Hörspielen beibrachte.

Um diese Zeit herum starb die TV-Serie „Liebling Kreuzberg“. Was seine Agentin Ilse S. Dörner auf den Gedanken brachte, die Grundidee für einen Fortsetzungs-Roman zu benutzen.

Dank seiner ausgeprägten Fähigkeit, Peinliches zu ignorieren, schuf der Autor daraufhin den Mehrteiler „Herzchen Neukölln“ – man beachte die feinsinnige Anspielung im Titel. Worauf tausende deutsche Leserinnen blind vor Tränen zum Taschentuch griffen. Von diesem Machwerk wiederum erfuhr der Bavaria-Produzent Georg Feil.

Von ihm ermutigt, schrieb sich der Autor die Eroberung der letzten Bastion auf seine Fahne: Das Verfassen von Drehbüchern. So begann ein zwei Jahre währender Albtraum. Er kapierte einfach nicht, wie ein Drehbuch funktioniert.

Das änderte sich erst, als ihn der Producer Alexander Steffen zu „Wollfs Revier“ mitnahm. Und dann ging alles sehr schnell. Kurz vor Weihnachten 1996 brachte ihn Jan Hinter von der Bavaria mit Ariane Krampe zusammen, die für die Ufa „Soko 5113“ produzierte. Dort blieb er sechzehn Jahre, bis er sich 2013 in den Vorruhestand verabschiedete.

Zwischen Thriller, Komödie und Abenteuer-Story schwankend, machte er sich nun an zwei Roman-Projekte. Einmal die Geschichte des Ex-Kriminellen Ben Rosvik, der zum Spielball eines kriminellen Think Tanks wird. Zum anderen die locker geschriebenen Abenteuer eines Dreier-Teams in einem fiktiven Europa des 19.Jahrhunderts.

Und da er nicht gestorben ist, schreibt er immer noch. (Selbstdarstellung)

Und nun wieder zurück zu diesem Hörspiel …  Prädikat: Genial !

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Besetzung:
Claudia Roxane Barthel (Ulla)
Christian Berkel (Klaus)
Klaus-Peter Grap (Ralf)
Tilly Lauenstein (Ältere Dame)
Friedhelm Ptok (Braun)
Christian Rode (Zschiedrich)
Ute Rosenbauer (Moni)
Friederike Wagner (Martina)
Gerd Wameling (Trainer)

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Titel:
01. Zug um Zug (Teil 1) 26.31
02. Zug um Zug (Teil 2) 26.31

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