Lilac Angels – I´m Not Afraid To Say Yes (1973)

FrontCover1.JPGAlso … Lilac Angels ist eine alles anderes als bekannte Band der deutschen Rockmusik der 70er Jahre, aber die Band hatte was.

Da war zum einen die Musik … ein größeres Kontrastprogramm zu dem damaligen Trend der kosmischen Kuriere und all dem sonstigem Prog-Rock Kram gab´s wohl kaum, denn Lilac Angels gefielen sich in der lümmelhaften Hard-Rock Pose.

Gegründet wurde die Band so um 1971 und die Musiker stammten allesamt aus der Düsseldorfer Beat-Szene der 60er Jahre … die Geschichte der Düsseldorfer Beat Szene ist wohl noch nicht so ausführlich niedergeschrieben worden …

Und dann war zum anderen der Fakt, dass sie ihr Debütalbum ausgerechnet auf dem Privatlabel  eines Musiker namens Klaus Dinger veröffentlichten.

Ausgerechnet Klaus Dinger, denn der war geradezu der Prototyp jener Musik, die nun ganz und gar nicht den Lilac Angels passte, denn Klaus Dinger (* 24. März 1946; † 21. März 2008) war ein deutscher Schlagzeuger und Gitarrist, Mitglied bei Kraftwerk, Neu! und La Düsseldorf. Er gilt als Erfinder des sogenannten Motorik-Beats.

Nun gut … und genau auf seinem neu geschaffenem Label „Dinger-Land“ zelebrierte die Burschen von Lilac Angels ihren Proll-Rock … sie waren musikalisch sowas wie ne Mischung aus Sweet und Mott The Hoople für Arme … ziemlich straight, aber auch ziemlich schlicht … auch textlich setzten sie keine Glanzpunkte („Good lovin´, sweet lovin´, hard loving man“ oder aber „I´ll make you feel allright on a saturday night …“)

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Damit könnte ich es eigentlich belassen … nach dem Motto … hier ne weitere Rarität präsentiert zu haben  … aber halt, aufgepasst:

Denn da gibt es noch diesen Song namens „Automobile“ und urplötzlich zeigt die Band ein ganz anderes Gesicht:

Das Stück kommt daher wie ein Urknall … oder: Link Wray meets Mott The Hoople und die Pretty Things grinsen um die Ecke, aber nun auf einem Niveau, dass einem gelegentlich der Atem wegbleiben könnte und dies gilt nun insbesondere für den zentralen Riff des Songs … da stellen sich einem die Zehennägel auf, da wird man gepackt und mitgerissen …

Joe Stick

Joe Stick

Und ich schwör´s … sollte ich jemals wieder in einer Band spielen … diesen Riff werde ich zitieren und zelebrieren … und zwar wieder mal nach Motto „loud & proud“ !

Und ein gewisser Conrad Plank saß am Mischpult … those were the days, my friend …

Und dann noch ne kleine Episode, die mir wieder eingefallen ist. In den 80er Jahen schrieb ich für ein kleines Fanzine und hatte damals (woher auch immer) die Arsse von Joe Stick. Ich schreib ihn an, wegen einem Interview… seine Antwort erfolgte prompt, so nach dem Motto, das können wir gerne machen, aber er hätte für das Interview gerne eine Honorar …. und so kam es nie zu diesem Interview … irgendwo habe ich dieses Antwortschreiben noch (Stichwort: Keller) und auch noch das Fanzine mit dem Lilac Angels Portrait … könnte also eines Tages hier mal auftauchen … wenn ich denn fündig werde.

Und: die Geschichte der Lilac Angels ist mit diesem Album noch lange nicht vorbei … viele Jahre später traten sie dann sogar im Rockpalast auf … aber davon später mehr.

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Besetzung:
Horrex (guitar, slide-guitar, vocals)
Nappes Napiersky (drums)
Det Silverstein (bass, vocals)
Joachim „Joe“ Stick (vocals, guitar, keyboards)
+
Flibbé Lampé Danslepult (percussion)

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Titel:
01. True Love Baby 7.29
02. 2nd Rock 3.58
03. Hot Lovin‘ Man 4.59
04. Rock’n’Roll Band 2.44
05. Down 4.14
06. Saturday Night 4.32
07. Automobile 12.16

Musik: Horrex – Nappes Napiersky – Det Silverstein – Joachim Stick
Texte: Joachim Stick und Det Silverstein (bei 03.)

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