Wilhelm Krumbach – Die Klais-Orgel der Pfarrkirche St. Johannes-Nepomuk (1972)

FrontCover1Jetzt erstmal ein paar Fakten über die sog. „Klais – Orgel“.

Die Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Bonn ist eine weltweit führende Orgelbauwerkstatt in Deutschland mit einer Exportquote von ca. 40 %.

Das Unternehmen wurde 1882 von Johannes Klais (1852–1925) gegründet. Es hatte seinen Sitz zunächst in der Breiten Straße in der Bonner Nordstadt, 1894 entstand ein neues Wohn- und Betriebsgebäude an der Kölnstraße nach einem Entwurf von Gerhard Franz Langenberg, das im Frühjahr 1896 bezogen wurde. Heute wird das Unternehmen von seinem Urenkel Philipp Klais (* 1967) geführt.

Bei Neubauten vertritt die Orgelmanufaktur Klais in der Regel den Typus der Universalorgel, der innerhalb eines zeitgenössischen Konzeptes klangliche und konstruktive Elemente stilistisch unterschiedlicher Orgelepochen und -landschaften zu einer neuen Einheit zusammenzuführen sucht und auch Neuentwicklungen für sinnvoll erachtet. Dementsprechend strebt die Firma bei Prospekt, Gehäuse und Spielanlage ihrer Orgeln eine Gestaltung in modernen Formen an.

Weltweites Aufsehen erregte 1975 die Restaurierung der 1824 gebauten Bambus-Orgel aus der Pfarrkirche St. Joseph in Las Piñas auf den Philippinen. Das völlig verfallene Instrument, welches das Einzige seiner Art ist, wurde in Einzelteilen nach Bonn geflogen und dort aufwändig renoviert. Die Orgelmanufaktur Klais hat auch viele andere historische Orgeln restauriert.

Die Klais-Orgel in Peking wurde am 22. Dezember 2007 eingeweiht. Die ersten Teile wurden bereits im Mai 2006 nach China verschifft, wo die Orgel dann innerhalb von vier Monaten aufgebaut wurde. Die Intonation begann im Februar 2007 und dauerte ebenfalls vier Monate.

Auf der Website des Unternehmens findet man auch einen weltweiten Veranstaltungskalender mit Klais-Orgeln. Hermann Simon erwähnt die Orgelmanufaktur Klais in seinem gleichnamigen Buch als Beispiel für einen „Hidden Champion“. Soweit die Selbstdarstellung des Unternehmens.

LogoKlausOrgeln

Logo der Firma „Orgelbau Klais“, Bonn

Nun zur Orgel (Baujahr: 1907) der kath. Pfarrkirche St. Johannes-Nepomuk in der Gemeinde Hademar im schönen Westerwald. Diese befand sich Ende der 60er Jahre in einem wohl sehr schlechtem  Zustand:

„1968 war diese Orgel noch in einem bedauernswertem Zustand, als sie in Stücke aufgelöst, ihr Dasein im Pfarrkeller fristete … Der Klang der alten Orgel in Hademar war nicht mehr zu rekonstruieren. Die neue Disposition entwwaqrf Hand Gerd Klais …“ (aus dem Begleitheft zu dieser Schallplatte).

Und in den Analen der Firma Orgelbau Klais steht dann lapidar geschrieben: „1971 durch opus 1420 im alten Gehäuse ersetzt“. Die Kirche wurde in dieser Phase wohl insgesamt aufwendig renoviert und so freut sich Julius Hembus (Maler- u. Stuckwerkstätten) : „Von der farblichen Gestaltung ist zu sagen, daß glücklich auch die farbige Urfassung der Orgel zurückgefunden wurde. Ein köstliches Blau mit weiß und poliertem Gold schließt den Farbkreis mit dem Raum zur Einheit, die sich gegeneinander in Furm und Farbe zu einem Jubel steigert“

Orgel

Die Klais-Orgel der Pfarrkirche St. Johannes-Nepomuk, Hadamar/Westerwald

Und irgendwie kam man dann nach der sicherlich sehr feierlichen Einweihung auf die Idee, den Klang dieser neuen Orgel mittels einer Schallplattenaufnahme zu würdigen. Man engagierte den damals bekannten Organisten Wilhelm Krumbach und die Limburger Domsingknaben und enschied für eine Art „Best Of“ dr sog. „Italienischen Messe“:

„Gewissermaßen ineinander verwoben sind zwei Werkgruppen oder Werkzyklen; und zwar eine Vokalmesse, a capella (d.h. rein vokal) aufgeführt, und eine Orgelmesse. Hinzu kommen zwei vokale Motetten, die an der Stelle des Offertorium und der Postcommunio eingesetzt werden“.

Nun denn: Hier kann man nun dieses Gesamtwerk nachhören und der machtvolle Klang dieser Orgel beeindruckt dann schon. Am besten nachzuvollziehen bei „Canzoni quarti toni dopo il postcommunio“.

Über den Organisten Wilhelm Krumbach (der übrigens in späteren Jahren diverse Aufnahmen mit dem Jazzmusiker Eugen Cicero machte) sowie über die Firma „Orgelbau Klais“ habe ich zwei kleine informativen pdf-Päckchen beigelegt.

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Wilhelm Krumbach, 1969

Besetzung:
Wilhelm Krumbach (organ)
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Die Limburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkapellmeister Hans Bernhard

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Titel:
01. Tocatta avanti la messa delli apostoli (Orgel) (Frescobaldi) 2.40
02. Kyrie (Chor) (Croce) 1.48
03. Kyrie (Orgel) (Frescobaldi) 8.32
04. Gloria (Chor) (Croce) 3.41
05. Canzona dopo l´epistola (Orgel) (Frescobaldi) 3.43
06. Ricercare cromatico post il credo (Frescobaldi) 4.20
07. Motette „Justorum animae“ (Chor) (di Lasso) 2.39
08. Toccata avanti il ricercare (Orgel) (Frescobaldi) 1.33
09. Sanctus – Benedictus (Chor) (Croce) 1.33
10. Toccata per l´elevatione (Frescobaldi) 4.17
11. Agnus Dei (Chor) (Croce) 2.07
12. Canzoni quarti toni dopo il postcommunio (Orgel) (Frescobaldi) 4.26
13. Motette „Sicut cervus desiderat“ (da Palestrina) 3.04
14. Ricercare con obligo bass come appare (Frescobaldi) 3.20

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