Verschiedene Interpreten – Mauerfall – Das legendäre Konzert für Berlin ´89 (2014)

FrontCover1Das war ganz, ganz sicher ein mächtiges Zeichen in jenen Tagen des Mauerfalls:

„Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich meinen Vater weinen sehen. Ich konnte ja selbst kaum glauben, was ich am 9. November 1989 miterleben durfte.

Aber da stand es wirklich, zuerst nur in nüchterner Laufschrift: „Die Mauer ist offen.“

Gebannt saßen wir mitten in Hessen vor der Glotze, bis nach und nach endlich die ersten Bilder aus Berlin eintrudelten. Unsere Familie, die über 28 Jahre durch 3,60 Meter hohen Beton und einem Todesstreifen getrennt war, war von einem Moment auf den nächsten wieder eins.

Wie es Politbüromitglied Günter Schabowski so nett ausdrückte: „Das tritt … nach meiner Kenntnis, ist das sofort, unverzüglich.“

Ganz Deutschland befand sich im Freudentaumel. Ein Gefühl, das sich später Geborenen kaum vermitteln lässt. Bereits drei Tage später, am 12. November 1989, organisierte der Sender Freies Berlin (SFB) das ‚Konzert Für Berlin‘. Jeder will bei diesem historischen

LindenbergCocker

Udo Lindenberg + Joe Cocker

Moment dabei sein. Entsprechend ließen sich innerhalb kürzester Zeit neben ost- und westdeutschen Stars sogar Joe Cocker und Melissa Etheridge für einen Auftritt auf der Bühne der Deutschlandhalle verpflichten. David Hasselhoff und die Scorpions hatten wohl keine Zeit. Die Prinzen gab es zum Glück noch nicht, und „Wind Of Change“, die pfeifende Geißel der Wiedervereinigung, war noch nicht geschrieben.

Schon damals sollte eine Doppel-LP des Events, durch den der Fußballkommentator Stefen Simon als Moderator führte, erscheinen. Das Unterfangen scheiterte jedoch an Lizenzstreitigkeiten. 25 Jahre später schaffen es die Aufnahmen doch noch auf die CD „Mauerfall – Das Legendäre Konzert Für Belin ’89“.

SteffenSimon

Der Moderator Steffen Simon

Da der Zwist um die Rechte bisher jedoch noch nicht beigelegt wurde, schiebt man uns zu den Feierlichkeiten eben eine Mogelpackung unter. Der Einfachheit halber unterschlägt man uns Auftritte von Marius Müller-Westernhagen, den Toten Hosen, den Puhdys, Nena und anderen.

Die Stimmen verzerren, der Bass knarzt unschön aus den Boxen, der Sound ist eine einzige Matschepampe. Der ganze Mitschnitt versprüht den Charme einer Veranstaltung in der Aula der Gabriele-von-Bülow-Oberschule, auf der Steffen Simon ein Tischtennisturnier der Reinickendorfer Füchse moderiert. Dieses seltsame Ambiente durchfluten immer wieder die historischen Momente und Gefühle der damaligen Zeit, in denen der ehemalige Lockenkopf zum Beispiel bekannt gibt, dass soeben der Schießbefehl an der Mauer aufgehoben wurde.

Während Tamara Danz, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg und Konstantin Wecker den Background-Chor zu „With A Little Help From My Friends“ liefern, lässt Joe Cocker seine Hände munter im Takt der Mauerspechte schlackern. BAP geben zu reichlich Feedback und Mikrofonfiepen ihren damals noch gar nicht so alten Klassiker „Verdamp Lang Her“ und vergessen vor lauter Euphorie das finale Gitarren-Solo. Nina Hagen erdolcht „My Way“, und Melissa Etheridge bedankt sich feierlich und wünscht uns für die Zukunft Alles Gute: „As an American, I am very proud to be here at this time in history. But as a human being I wish you both – east and west – freedom und Freiheit – jetzt und für immer!“

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Der damalige SFB Musikchef: Helmut Lehnert

Über die Chronologie des Abends setzt sich „Mauerfall – Das Legendäre Konzert Für Berlin ’89“ hinweg. Das wirkt spätestens in dem Moment skurril, wenn Udo Lindenbergs erster Auftritt nach seiner Krankheit angesagt wird, nachdem er vorher bereits „Horizont“ zum Besten gab. Mit einem „Hallöchen, Freunde, Hallöchen“ betritt er die Bühne. Hatte ihn während „Hör mich“ von den Zöllnern eine Mittelohrentzündung erwischt? Angesichts des Beitrags der Ost-Berliner wäre dies verständlich.

Die nachdenklichen Stimmen kamen ausgerechnet von den befreiten Ost-Rockern. Andre Herzberg, Sänger der Band Pankow, stand der kritiklosen Begeisterung des Tages mit gemischten Gefühlen gegenüber: „Ich wollte so ein Stück Souveränität zurück haben. Ich wollte nicht, dass der Osten zum Westen geht, sondern der Westen zum Osten kommt und sich da freut, und der Osten selber die Freude der eigenen Mündigkeit ausdrückt.“ War wohl nichts.

Vor Deutschland lag in den nächsten Jahrzehnten ein langer Kater und ein zögerliches Zusammenwachsen, die neuen Bundesländer bluteten währenddessen langsam aus. Besonders hart traf es Silly, die nach der Wiedervereinigung den Weg ihres Landes gingen und erst in den letzten Jahren wieder auf die Beine kamen. Passend singt die inzwischen verstorbene Tamara Danz zum Abschluss des Albums: „Alles wird besser, aber nichts wird gut.“ (Sven Kabelitz)

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Auch meine Erinnerung an jene Tage verbinde ich stark mit meinem Vater. Er war ein stramm konservativ-katholischer Mann, der als Heimatvertriebener mir immer wieder gebetsmühlenartig prophezeite, dass es bei der „Teilung“ auf Dauer nicht bleiben werde.  Ich hatte für diese Prophezeiung nur ein müdes, mildes Lächeln übrig.

Ich hätte ihm die Freude, dass er recht behalten hatte, sehr, sehr gerne gegönnt, leider verstarb er dann schon 1986 …

Es mag ja sein, dass die Aufnahmen  nicht optimal waren, aber das spielt hier eigentlich so gar keine Rolle … bedenkt man unter welcher Hektik dieses gigantische Konzert vorbereitet wurde. Im Begleitheft wird darüber ausführlich berichtet.

Der Silly Gitarrist erinnert sich:

»Das ganze Land war auf den Beinen. Die Grenzübergänge, durch die wir mit unserer Anlage mussten, waren total überfüllt. Wir hatten Probleme, pünktlich in die Deutschlandhalle zu kommen«, erinnert sich Uwe Hassbecker. »Alles kehrte sich von unten nach oben. Die Tage der Maueröffnung waren das Beeindruckendste, was ich erlebt habe.« Fast klingt es, als könne der Silly-Gitarrist auch heute noch nicht fassen, dass damals die Mauer fiel. »Schon die Zeit zuvor war aufregend! Jeden Tag passierte etwas Neues! Es geschahen Dinge, die wir uns im Traum nicht hätten vorstellen können. Wir waren wie im Ausnahmezustand.«

Die Veranstaltung wurde vom Sender Freies Berlin (SFB) auf die Beine gestellt, der Eintritt war frei. »Die Organisation war mit heißer Nadel genäht. Es war alles total chaotisch, keiner wusste, wer wann dran war. Während des Tages strömten 50.000 Leute durch die Halle, es fühlte sich an wie auf ‘nem Bahnhof. Es war immer rappelvoll, die Leute wechselten ständig, die ganze Stadt war auf den Beinen.«

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Und ja, es ist ein pathetisches Konzert gewesen, aber wann verdammt noch mal, war diese Haltung jemals gerechtfertigter in den vergangenen Jahrzehnten, als bei so einem Konzert.

Und ich erwisch mich mit meinen feuchten Augen … aber hier hören wir einfach einen kleinen Ausschnitt von deutschen Klassikern der Rockmusik (Musik verbindet halt) und natürlich ist dieses „With A Little Help From My Friends“ (man stelle sich vor, dass bei den background vocals selbst ein Konstantin Wecker mit von der Partie war !) eine Hymne, die einfach nur passend war.

Und Udo Lindenberg nuschelt auf seine ganz eigene Art und stellt dabei u.a. folgendes fest:

„Dass wir jetzt so zusammen sind, verdanken wir ja wohl den Demonstranten und der Demokratie-Bewegung in der DDR.“

Und ja, das ist jetzt schon verdamp lang her …

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Titel:
01. Moderation 0.32
02. Joe Cocker: With A Little Help From My Friends (Lennon/McCartney) 8.46
03. Moderation 0.38
04. BAP: Verdamp lang her (Heuser/Niedecken) 7.47
05. Udo Lindenberg: Horizont (Lindenberg/Reszat/Applegate/Thatcher) 4.37
06. Die Zöllner: Hör mich (Zöllner) 4.52
07. Moderation (mit Udo Lindenberg) 2.55
08. Udo Lindenberg: Sonderzug nach Pankow (Mack/Warren/Lindenberg) 1.33
09. Udo Lindenberg: Wir wollen doch einfach nur zusammen sein (Mädchen aus Ost-Berlin) (Lindenberg) 2.31
10. Heinz Rudolf Kunze: Die offene See (Kunze) 4.55
11. Moderation 0.09
12. Nina Hagen: My Way (Francois/Revaux/Anka/Hagen/Niessen) 4.59
13. Moderation 0.30
14. Pannach und Kunert: Der Tag an dem die Mauer fiel (Kunnert/Pannach) 3.41
15. Moderation 1.08
16. Melissa Etheridge: Testify (Etheridge/McCormick) 4.35
17. Konstantin Wecker: Die weiße Rose (Wecker) 3.10
18. Moderation  0.11
19. Pankow: Gib mir’n Zeichen (Ehle/Herzberg) 4.28
20. Moderation (mit Tamara Danz ) 1.17
21. Silly: Alles wird besser (Danz/Hassbecker/Karma) 6.00

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Tagesschau

Verschiedene Interpreten – Das Herz von St. Pauli (1992)

FrontCover1Dieses blog hat ja – bedingt durch meine bajuwarische Herkunft –  eine spürbare Südstaaten-Tendenz. Umso mehr freut es mich immer, wenn ich auch Musik aus anderen Regionen Deutschlands in die Finger bekomme, einfach weil mich regionale Musikansätze schon heftig interessieren.

Und so kommt´s , dass ich nun einen St.Paui/Reepberbahn – Sampler präsentieren kann, der schon ein ganz besonderes Format aufweisen kann.

Die Konzeption und Realisation dieses Projekts lag bei Rita Flügge-Timm und Oliver Helwig; diese wurden wiederum von dem Autor Jürgen Stark konzeptionell unterstützt und Jürgen Stark schrieb auch ein paar Einführungsworte zum Mythos St. Pauli.  Und der Stark ist in der schreibenden Zunft der Musikjournalisten wahrlich kein Leichtgewicht:

Jürgen Stark (* 20. März 1957 in Hamburg) ist ein deutscher Autor, Journalist und Mitglied des Deutschen Musikrates.

Stark veröffentlichte zahlreiche Bücher zu kulturpolitischen und insbesondere popularmusikalischen Themen, darunter Biografien von Künstlern wie Udo Lindenberg und der Band Die Prinzen. Gemeinsam mit Thomas Böhm gab er von 1984 bis 2000 die Taschenbuchreihe „Rock Kalender“ heraus. Mit Dieter Gorny veröffentlichte er mehrere Jahrbücher zum Thema Popkultur.

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Jürgen Stark (und der sagt: „Pop und Politik gehören zusammen.“)

Als Journalist war er unter anderem als Konzertkritiker für Die Welt tätig und sieben Jahre Korrespondent für den Entertainment Media Verlag (Musikwoche, Blickpunkt:Film, musikwoche.de). Als freier Journalist schrieb er Reportagen für Musikzeitschriften, Magazine und Tageszeitungen. Darüber hinaus war er an der Konzeptentwicklung für die Zeitschrift Metal Hammer beteiligt und auch zwischenzeitlich Chefredakteur des Blattes.

Stark arbeitete wissenschaftlich für das rock’n’popmuseum der Stadt Gronau und konzipierte die Inhalte zur dortigen Dauerausstellung über „Die Kulturgeschichte der Popularmusik im 20. Jahrhundert“. Im Auftrag der Deutschen Phono-Akademie entwickelte Stark als Projektleiter in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung das Projekt SchoolTour, das 1999 als Kampagne für mehr Musik und Kreativität an Schulen gestartet wurde.

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Die Domenica Single

An der Hamburger Hochschule für Musik und Theater war Stark Gast-Dozent für den Fachbereich Medien und Design (Popkurs). Er ist berufenes Mitglied im Bundesfachausschuss Populäre Musik beim Deutschen Musikrat.

Stark unterrichtet als Lehrbeauftragter an Hochschulen (u.a. Hochschule der populären Künste, Berlin) in den Fachbereichen Medien und Kultur (u.a. Geschichte der elektronischen Medien, Geschichte der Popularmusik im 20. Jahrhundert) und ist Mitbegründer des Institut für kulturelle Kommunikation IKK an der Hochschule Offenburg. Beim IKK ist Stark stellvertretender Direktor für Medienjournalismus.

Jürgen Stark veröffentlicht monatlich seine “Kulturkolumne” im Offenburger Tageblatt.

Filmplakat

Doch zurück zu diesem köstlichem Sampler: Natürlich fängt er mit dem Hans Albers Klassiker „Das Herz von Stz. Pauli“ (1958; aus dem gleichnamigen Film) und dann geht es im Affentempo quer durch alle Stile weiter: Da interpretiert ein Joachim Witt souverän einen weiteren Klassiker dieser Stadt („Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“; ebenfalls ein Filmsong aus dem 1939 entstandenem Streifen „Das Junggesellenparadies“). Schmachtfetzen ala „Junge komm bald wieder“ oder „Seemann, deine Heimat ist das Meer“ wechseln sich mit FC St. Pauli Schlachtgesängen („1:0 St. Pauli vor“ und „Er gehört zu mir“) ab. Dann gibt´s noch die gute alte Rockmusik von Udo Lindenberg und Achim Reichel und selbst der Schauspieler Ulrich Tukur kann mit seiner Interpretation von „Meine kleinen Träume“

Historische  Postkarte: St. Pauli (Spielbudenplatz)

Das ist aber immer noch nicht alles. Zumindest zwei weitere Songs verdienen eine besondere Erwähnung:

Da ist zum einen der Song „Alle meine Freier (…hiessen alle Meier)“ von jener Domenica, die bereits zu Lebzeiten als ex-Domina und späteren Drogenberaterin Kultstatus hatte … Der Song kam auch als Single (in drei unterschiedlichen Versionen) auf den Markt.

Und dann noch jenes skuril-rätselhafte Projekt zwischen Pater Leppich und dem Duo Metallic Traffic: Diese unterlegten einen Original-Ansprache des religiösen Eiferers Pater Leppich (dem „Maschinengewehr Gottes“) mit einem stakattoartigen Sounds … Glaubt man dem booklet, so hat Pater Leppich dieser aberwitzigen Montage zugestimmt (könnte stimmen, denn Leppich ist erst im November 1992 verstorben).

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Und das bemerkenswerte Cover stammt von der Künstlerin Sigrid Wilke (1940 – 2000); das gleiche Bild wurde übrigens für oben erwähnte Domenica-Single verwendet.

Also: zugreifen und reinhören … dann kann man auch noch so schräge Vögel wie „Die Stammgäste featuring das Heiligengeist-Sextett“ die „Die Macht vom Millerntor“ hören.

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Titel:
01. Hans Albers:  Das Herz von St. Pauli (Jary-Herz) 2.09 (1958)
02. Joachim Witt & Maritim Intim: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (Balz/Jary) 3.20 (1992)
03. Gunslingers:  St. Pauli (Hervé/Rozoum) 3.50 (1990)
04. Lolita: Seemann, deine Heimat ist das Meer (Scharfenberger/Busch) 2.50 (1960)
05. Udo Lindenberg: Reeperbahn (Lindenberg) 3.50 (1989)
06. Domenica: Alle meine Freier (…hiessen alle Meier) (Menke/Gutowski) 3.30 (1992)
07. King Rocko Schamoni And The Explosions: Was kostet Liebe (Schamoni) 3.42 (1990)
08. Hannes Kröger: Der blonde Hans (Hoffmann) 4.11 (1988)
09. J. Of Barcelona & His Bar Bee Boom: I Want Your Money (St.-Pauli-Sample-Mix) (J. Of Barcelona) 3.46 (1992)
10. Big Balls & The Great White Idiot: Across The Ocean (A.Grund/P.Grund/Lorenz) 4.40 (1992)
11. Achim Reichel:  St. Pauli Blues (Reichel/Peers-Steil) 4.19 (1989)
12 . Bully Buhlan featuring MC Anker: Hab’n sie nicht ’ne Braut für mich? (1992 Remix) (Gaze) 2.52 (1992)
13. Ulrich Tukur: Meine kleinen Träume (Tukur) 2.53 (1989)
14 . Freddy Quinn:  Junge, komm bald wieder (Olias/Rothenburg) 3.05 (1962)
15. Metallic Traffic featuring Pater Leppich: Christus auf der Reeperbahn (Achtung! Achtung! Pater Leppich!) (M.T.P./Leppich) 3.00 (1992)
16. Die Stammgäste featuring das Heiligengeist-Sextett: 1:0 St. Pauli vor (live aus dem „Silbersack“) (Schwebel/Westermann) 3.58 (1987)
17 . Hans Albers: Ganz dahinten, wo der Leuchtturm steht (Gray/’Reisch) 3.20 (?)
18. Shanghai’d Guts: St. Pauli Girl (Kraft/Charlton/Lyn)     3:13 (1991)
19. Die Macht vom Millerntor: Er gehört zu mir (Heider/Heilburg) 3.58 (1992)

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Pater Leppich auf der Reeperbahn …

… und Achim Reichel zelebriert der St. Pauli Blues:

Mein Daddy war’n Sailorboy,
Und meine Mama stand am Kai – Ahoi.

Die war’n echtes Liebespaar,
Warum ich auch’n echtes Wunschkind war,
Oh oh oh mit’m St. Pauli Blues.
Die Schule war ne Sauerei,
Wir ham se abgerissen,
Heut steht da ne Brauerei.

Die erste Liebe hast du mir gegeben,
Und die letzte oh oh oh ist der St. Pauli Blues.

Du liegst mir im Blut,
Und das tut so gut,
Drück mich an dein Herz,
Ich vergess‘ mein Schmerz.
(und ich schenk dir’n Nerz)
.net/en/lyrics/achim-reichel-st-pauli-blues
Hier wird in den Straßen noch gelacht und gesungen,
Hier wird aber auch um jeden Freier gerungen.

Feine Pinkel wie Bauernpack,
Keine Angst, hier kommt ihr alle in den Sack.
Oh oh oh zum St. Pauli Blues.

Du liegst mir im Blut…..
Wir sind doch alle deine Kinder,
Ob Chinese, Italiener, Neger oder Inder
Und wenn dann alles mal zusammenfällt,
Was soll’s, hier bin ich doch gleich am Tor zur Welt,
Oh oh oh mit’m St. Pauli Blues.

Du liegst mir im Blut…..

Hey wenn du Nachts nicht schlafen kannst,
Wer hilft dir dann, und wenn nix mehr läuft.

Einer läuft immer, oh oh oh der ST. Pauli Blues

Udo Lindenberg & Das Panik-Orchester – Sister King Kong (1976)

FrontCover1Wird wieder mal höchste Zeit den Udo Lindenberg aus der Ecke zu kramen … denn, wie schon mehrfach erwähnt, die deutsche Rockmusik wäre ohne Lindenberg kaum vorstellbar. Und 1976 war schon ein ziemlich erfolgreiches Jahr für ihn.

1976 war für Lindenberg ein arbeitsreiches Jahr. Seine Fans beglückte er gleich mit
mehreren LP-Veröffentlichungen. Eine wie Sister King Kong ist wieder ein hervorragendes
Album geworden.
Nach einer balladenhaften Einführung (Die Bühne ist angerichtet) geht es dann mit
„Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne“ richtig rockig zur Sache. In „Rätselhaftes
Bielefeld“  beschreibt uns Udo den durch eine Haifischrangelei verursachten
Höllen – und Himmelstrip. Da er zum Schluss des Liedes zur Venus fliegt wird klar das
es dort „…geiler als in Bielefeld“ ist. Nach „Satellit City Fighter“ folgen drei rockige Songs hintereinander. Das Thema Exorzismus wird in „Der Teufel ist los“ abgehandelt. Sensationslüstern „..wurden Millionen Wecker gestellt..“ um die modernen
Gladiatorenkämpfe in Original mitzuverfolgen. Das wird alles im Titelsong „Sister King
Kong“  der CD tierisch bejubelt. Jenny  ist eine 16-jährige Schulbummelantin und weil es wie im Song geschildert sich bis heute nicht viel geändert hat dürfte es auch gegenwärtig noch so manche „Jenny“ geben. “ Meine erst Liebe“ ist Udos über 6 Minuten langes Liebesepos vom ersten Treffen bis zur Trennung. Selbst der Trennungsschmerz wird positiv verarbeitet und es erfolgte kein Selbstmord wie folgendes Textzitat „…aber mein Mut und das war sehr gut- hat dann doch nicht mitgemacht…“ belegt.

Alles in allem kann man zu dieser Scheibe sagen das Gasgeben seines Panik-
Orchesters hat sich gelohnt. Wenn durch seine frühere Arbeiten der Eindruck entstanden wäre, er sei ein verrockter Liedermacher hat er das hiermit glänzend widerlegt. (ein Amazon Kunde)

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Eigentlich sind nur 3 Klassiker von Lindi enthalten. `Sister King Kong`, `Rock `n` Roll Arena in Jena` und natürlich `Meine erste Liebe`. `Meine erste Liebe` (mit der tollen Jutta Weinhold; hier irrt der Schreiber, es war Ulla Meinecke, die da im Duett mit Udo singt) ist sein vielleicht bestes Lied überhaupt? Es wird sicher Leute geben, die den Song kitschig finden, ich finde ihn genial und leide jedesmal wieder mit.

`Jenny` ist auch ein gutes Stück. Bei `Rätselhaftes Bielefeld` ist der Text wieder mal genial. Gewisse Textzeilen kann eben nur `Uns Udo` verfassen. Bei `Udo on the rocks` erfindet er die Disco-Musik. Es ist schon fast unglaublich, dass hier Sounds vertreten sind, die eigentlich erst im Jahr 1977 richtig angesagt waren. (Double Trouble)

Was der Lindenberg damals drauf hatte, lässt sich z.B. an diesem brutal starkem Übergang von „Die Bühne ist angerichtet“ „Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne“ demonstrieren .. .da stellen sich einem doch glatt die Zehennägel auf auch wenn´s dann später ein wenig albern wurde.

Und auch „Jenny“ geht tierisch ab … textlich wie musikalisch …

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Und das Lied „Meine erste Liebe “ rührt mich heute noch zutiefst, denn hier singt der Udo Lindenberg auch meine Geschichte … von damals …

Und mit dem stillen „Rock’n Roll-Arena in Jena“ zeigt er, dass ihm bereits damals die Teilung Deutschland alles andere als gleichgültig war:

Ich würd‘ so gerne bei euch mal singen
meine Freunde in der DDR
’ne Panik-Tournee, die würd’s echt bringen
ich träume oft davon, wie super das doch wär‘

Doch die Funkionäre sind noch unentschlossen
diese „westliche Müllkultur“ sei nichts für die Genossen
wann sehen die Herren endlich mal klar
und bauen die Rock ’n‘ Roll-Arena in Jena?
(… oder bleibt die DDR
in Sachen Kulturaustausch weiterhin
die „Deutsche Desillusions Republik?“)

Ganz sicher nicht dass beste Udo Album (und was ist bitteschön das „beste Album“ von ihm ?) … und dennoch zeigt es, was für ein Potential der Bursche damals hatte …

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Besetzung:
Gottfried Böttger (piano)
Bertram Engel (drums)
Thomas Kretschmer (guitar)
Jean-Jacques Kravetz (keyboards)
Udo Lindenberg (vocals, percussion, bass, keyboards)
Paul Vincent (guitar)
+
Curt Cress (drums)
Claas Juster (keyboards)
Dave King (bass)
Thomas Immanuel Kuckuck (Tierstimme)
Olaf „Kicher“ Kübler (saxophone)
Ulla Meinecke (vocals bei 08.)
Kristian Schultze (keyboards)
Rico Vulkano (percussion)
Jutta Weinhold (vocals bei 03.)
+
vocals:
Christian – Inge Wellmann – Rale Oberpichler – Tobias – Udo Gerhard – Victor

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Titel:
01. Die Bühne ist angerichtet (Lindenberg) 2.40
02. Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne (Lindenberg) 4.29
03. Rätselhaftes Bielefeld (Lindenberg) 5.12
04. Satellit City Fighter (Königstein/O’Brien-Docker/Lindenberg) 4.07
05. Der Teufel ist los (Lindenberg) 4.32
06. Sister King Kong (Lindenberg) 4.11
07. Jenny (Kretschmer/Lindenberg) 4.08
08. Meine erste Liebe (Lindenberg) 6.09
09. Udo On The Rocks (Cress/King/Schultze/Kübler/Vincent/Lindenberg) 4.57
10. Rock’n Roll-Arena in Jena (Kravetz/Lindenberg) 1.10

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Udo Lindenberg „undercover“: 1976 mit Achim Mentzel (* 15. Juli 1946 in Berlin; † 4. Januar 2016 in Cottbus) im damaligen „Lindencorso“ Unter den Linden. Lindenberg reiste als Tourist ein.

Udo Lindenberg – Rock `n`Roll und Rebellion – Ein panisches Panorama (1981)

Es mag ja sein, dass der Udo Lindenberg mehr als einmal ne rechte Labertasche war.

Aber genauso richtig ist, dass der Udo Lindenberg mehr als einmal wichtige, wesentliche und richtige Statements zum Zustand unseres Landes gab.

So auch auf dieser EP, die als Beilage zu dem wirklich großartigem gleichnamigen Lindenberg Buch aus dem ambitioniertem Syndikat Verlag, Frankfurt, erschien.

Und darum geht es in dem Buch:

Wer die Geschichte des Rock’n’Roll erzählen will und es unterlässt, die Revolten der Jugend zu beschreiben, die Rock’n’Roll erst zu ihrer Musik machten, der verfälscht die Geschichte. (Günter Amendt)
Man ist wieder dabei, diese Zeit zu verfälschen, aber keine Panik: Wir haben ja Udo Lindenberg, der Anfang der 80er Jahre mit dem Syndikat Verlag ein Panorama der fünfziger und sechziger Jahre entwickelte, das in der Zuordnung seiner Texte zu eindrucksvollen Bildbeispielen die Panik deutlich machte, die die Adenauersche Spießergesellschaft ergriff, als die aus Amerika kommende Musik Bill Haleys, Elvis Presleys oder Mick Jaggers die deutsche Jugend in Ekstase versetzte. Diese Chronik einer Revolte liegt jetzt wieder vor mit einer Laudatio auf den homo panicus als solchen von Bazon Brock. (Werbetext)

Beispielseite

Und getreu dem Hinweis von Günter Amendt können wir hier 4 Lieder des politischen Udo Lindenbergs hören, leider wieder hochaktuelle Lieder (nicht nur Wozu sind Kriege da ?“)

Dass der Udo Lindenberg so seine ganz eigene Sprache entwickelte ict bekannt und auch hier finden wir viele seiner knackig-schnoddrigen Formulierungen und ja, ich mag diese direkt-unverblümte auf-den-Punkt kommende Kommentierung, gerade wenn es um all die widerwärtigen Themen geht, die einen schon ganz schön deprimieren können.

Also: schon fast eine Pflichtscheibe, die eine Sammlung von wesentlichen Beiträge des Udo Lindenberg enthalten.

Beispielseite2

Besetzung:
Udo Lindenberg (vocals, piano)
+
Das Panikorchester
+
Pascal Kravetz (vocals bei 02.)

BackCover1
Titel:
01. Grande Finale (Lindenberg/King) 5.13
02. Wozu sind Kriege da? (Lindenberg) 3.55
03. Big Brother’s Töchter (Lindenberg/Dostal) 3.22
04. No Future? (Lindenberg) 3.55

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Tommy Fortmann & Beat Hirt – Tell ! (Original Schallplatten-Fassung des Musicals) (1977)

FrontCover1Ich kann mich noch relativ gut an den Hype erinnern, als dieses Musical 1977 veröffentlicht wurde, denn allein die Mixture der Gastsänger ist irgendwie atemberaubend, schwindelerregend: Jürgen Drews, Alexis Korner, Udo Lindenberg, Su Kramer, Jackie Carter und Romy Haag gemeinsam auf einem Album … wann gab´s das denn schon mal ?

Aber: In der Sprache der Arbeitszeugnisse müsste man diesen Hype mit den Worten „man gab sich Mühe“ charakterisieren.

Ich weiss gar nicht, wo ich da aufangen und wo ich da aufhören soll.

Da ist ein Udo Lindenberg, der seinen gewohnt schnodrigen Gesangsstil zelebriert und sich insgeheim vor Lachen in die Hose machte, da ist ein Jürgen Drews, dem man – ausgerechnet ihm – den „besten“ Song des Albums geb („Amigo).

Und da ist ein Alexis Korner, der sich mal als Schlagersänger ausprobieren durfte … gar nicht so übel, wenn´s nicht so arg wehtun würde …

Neben eher simplen Rocksongs wurde natürlich auch der damalige Disco Sound der „Munich Scene“ zelebriert … damals wie heute mein bevorzugtes Abführmittel …

Und wenn man liest, dass sich Musiker wie Curt Cress, Kristian Schultze oder Frank Diez bereitschlagen ließen, an dieser Produktion mitzuwirken, dann könnte einem der Hut hochgehen ! Und wenn man bedenkt, dass Tommy Fortmann entscheidenden Anteil an der schweizerischen Rockband Demon Thor hatte (die nun wirklich eine gute Band waren), versteht man die Welt nicht mehr.

ImStudio

Tommy Fortmann, Beat Hirt & Dieter Dirks (Produzent)

Und dann die message dieses Musicals … Ich zitiere im Original:

„Tell ist ein junges, popiges Musical aus der Feder der beiden Schweizer Tommy Fortmann (Musik) und Beat Hirt (Text). Das Werk entstand in mehrjähriger Zusammenarbeit der Autoren. Hirt ist 37 Jahre alt, Fortmann 26jährig. Tell ! ist ihr Erstling.

Es geht im Musical Tell ! nur bedingt um Wilhelm Tell, es geht vielmehr zum Beispiel um Wilhelm Tell. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der menschliche Hang zur Glorifizierung von Helden, seien diese nun in der Sportwelt, derf Politik oder eben in der Geschichte zu Hause.

Am Beispiel Tells wird gezeigt, daß Helden auch menschliche (oder un-menschliche) Seiten und Schwächen haben. Daß sie sich in schillernden Heldenrollen nur bedingt wohlfühlen können, weil sie ihre eigenen Schwächen kennen.

Trotz der Infragestellung der Tellenfigur (auch aus der Sicht historischer Quellen) wird Tell nirgends heruntergemacht. Er wird nicht als Tölpel hingestellt. Im Gegenteil: er soll sympathisch und menschlich sein. Wir allen sollen uns im teilweise gequälten Erfolgsstrebens Tells wiedererkennen.“

Aha, alles klar !

Programmheft

Programmheft (Auszug)

Zu ergänzen wäre noch, dass dieses Musical tatsächlich auch live aufgeführt wurde (wie oft, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis); von den auf diesem Album mitwirkenden Musiker konnte allerdings nur Alexis Korner überredet werden, mitzuwirken.

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Tell live, mit Alexis Korner

Nun … reinhören lohnt sich dennoch … mit einer gewissen Prise Humor kann das durchaus amüsant sein: Ich vermute, dies ist die einzige Aufnahme, in der Alexis Korner deutsch singt. Und als Rarität kann man dieses Album durchaus bezeichnen … Und so kommt´s auch, dass Lindenberg auf seinem Raritäten Album auch den Song „Gitarrenlied“ aufgenommen hat …

CoverIllustration

Besetzung:
Jackie Carter (Gertrud Stauffacher)
Jürgen Drews (Wilhelm Tell)
Romy Haag (Werner Stauffacher)
Alexis Korner (Landvogt Gessler)
Su Kramer (Hedwig Tell)
Udo Lindenberg (Gitarrist)
+
Besetzung

Titel:
01. Intro (Wilhelm Tell-Melodie)
02. Sag uns 2.15
03. Gitarrenlied (Udo Lindenberg) 3.38
04. Amigo (Jürgen Drews) 2.40
05. Helden (Su Kramer) 2.58
06. Rock Tell 2.33
07. Tellenlied (Jürgen Drews) 3.10
08. Schüsse (Alexis Korner) 2.23
09. Unsere Welt will immer nur Gewinner sehen (Jackie Carter) 2.42
10. Tells Flucht 3.09
11. Tell, was wär´ passiert ? (Udo Lindenberg / Jürgen Drews) 2.48
12. Weiberrock (Romy Haag) 2.43
13. Liebeslied (Jürgen Drews / Jackie Carter) 4.30
14. Gesslerlied (Alexis Korner) 3.14
15. Hallo Uri Uno ! (Jürgen Drews / Udo Lindenberg) 2.13
16. Wilhelm Tell (Udo Lindenberg / Alexis Korner / Jackie Carter) 4.03

Musik: Tommy Fortmann
Text: Beat Hirt

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SpiegelKritik

Der Spiegel 33/1977 (08. August 1977)

Verschiedene Interpreten – Greenpeace (1984)

FrontCover1Es gab ja nicht nur diese Benefiz-LP´s der Aktion Sorgenkind & Co. Nein, auch die alternative, die linke „Szene“ hatte ihre Ideale, die es auch musikalisch zu unterstützen galt.

Die aufkeimenden Umwelt- und Ökobewegung (die „Grünen“ waren mittlerweile im Bundestag zu Bonn und verblüfften mit ihrem alternativen Verhaltensweisen die traditonellen Partein … und ich saß damals feixend vor dem Fernseher) hatte natürlich mit dem Flaggschiff „Greenpeace“ seine Helden.

Und das zu recht ! Mit ihren „radikalen“ Aktionen sorgten sie für die notwendige Aufmerksamkeit für den Zustand unserer Erde … Und diese Album sollte den Kauf eines Schiffes für Greenpeace unterstützen … immerhin 3 DM pro LP sollte Greenpeace zweckgebunden zufließen …

Fast 30 Jahre später macht dieses Album insofern weiterhin Freude, weil man damit auch einen Querschnitt der damaligen deutschsprachigen Rockmusik zu hören bekommt und erfreulich und überraschend kommt es mir vor, dass die meisten der damaligen Künstler sich bis heute halten konnten, bzw. bis heute nicht vergessen sind. Von BAP (mit ihrem brillianter „Kristallnaach“ über den gewohnt schnodrigen Udo Lindenberg bis hin ja, auch bis hin zu Peter Maffay, der durchaus was zu sagen hatte.

Und auf der Rückseite dieser LP kann man dann folgenden Text lesen:

Warum ...
Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017:

In Duschgels, Peelings oder Make-up finden sich winzige Plastikpartikel, beispielsweise als Schleifmittel, Filmbildner oder Füllstoff. Aber auch flüssige und wachsartige Kunststoffe werden in Kosmetik- und Körperpflege-Produkten eingesetzt. Mit dem Abwasser gelangen die vermeintlichen Helfer in Flüsse und Meere, kein Klärwerk kann sie vollständig aufhalten.

Die Folgen: Zanderlarven futtern Mikroplastik statt Plankton. Im Kot von Seehunden und Kegelrobben, in den Därmen von Dorschen und Makrelen, in den Körpern von Miesmuscheln und Nordsee-Garnelen – überall haben Wissenschaftler den quasi unverrottbaren Werkstoff bereits nachgewiesen. Im Mittelmeer ebenso wie in der Nordsee, selbst in den entlegenen Gewässern der Arktis und der Antarktis.

Microplastics Found in Fish

Mit Ihrer Hilfe kann Greenpeace Industrie und Politik zum Handeln auffordern: Studien und Laboranalysen beweisen den Einsatz von Plastik in der Kosmetikherstellung. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen von L’Oréal und Co., auf Plastik zu verzichten, entlarvt Greenpeace als Lippenbekenntnisse und setzt sich für ein gesetzliches Verbot in Deutschland ein. Mit unserem weltweiten Netzwerk unabhängiger Greenpeace-Büros arbeiten wir daran, grenzüberschreitende Lösungen für eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit zu finden: die schleichende Vergiftung des Meeres und aller Lebewesen, die aus ihm hervorgehen, mit Plastik.(Quelle: Greenpeace.de)

Der Kampf geht weiter ! Und ab dem heutigen Tage bin ich nun Mitglied bei Greenpeace.

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Titel:
01. BAP: Kristallnaach (BAP/Niedecken) 4.56
02. Udo Lindenberg: Commander Superfinger (Lindenberg/Kübler) 4.10
03. Ulla Meinecke: Zauberformel (Evans/Meinecke) 3.44
04. Novalis: Kleinwenig Mehr (live) (Job/Mühlböck) 3.15
05. Bots: Diese Nacht (Sanders/Lindenberg/Heirei/Walraff) 3.45
06. Konstantin Wecker: Noch lädt die Erde ein (Wecker) 3.03
07. Peter Maffay: Der Baum des Lebens (Schirmann/Zuckowski) 3.22
08. Ina Deter Band: Mit Leidenschaft (Deter) 3.39
09. Hans Hartz: Vor meinem Fenster steht ein Baum (Hartz) 3.08
10. Georg Danzer: Atlantis (Leitch/Danzer) 4.25
11. Ludwig Hirsch: Hobellied (Kreutzer/Raimund/Hirsch) 3.33
12. Marius Müller-Westernhagen: Laß uns leben (Müller-Westernhagen) 4.20
13. Hannes Wader: Reine Natur (Wader/Hoop) 3.13
14. Trio: W. W. W. (Wir wollen watt) (Remmler/Kralle/Czukay) 3.46

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PlastikmüllImMeer

Ohne Worte …

Band für Afrika – Nackt im Wind (1985)

FrontCover1Diese Aktion hat damals für ganz viel Furore gesorgt:

Die Band für Afrika war ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener deutscher Künstler, mit dem Ziel Spendengelder für Afrika zu sammeln. Vorbild dafür war das britische Projekt Band Aid, das Bob Geldof und Midge Ure 1984 in England organisierten.

Das Projekt wurde im Jahr 1985 initiiert. Der Text des Liedes Nackt im Wind stammt von Wolfgang Niedecken (BAP). Im Januar 1985 wurde in den Studios der FSM ein Videoclip für die Fernsehsendung Formel Eins aufgenommen. Alle beteiligten Künstler und Plattenfirmen verzichteten auf ihre Gage. Der Song erreichte Platz drei der Hitparade.

Band für Afrika trat am 13. Juli 1985 anlässlich des Live-Aid-Konzerts in Köln live auf, der Titel Nackt im Wind wurde weltweit übertragen. Außerdem wurde noch Deserteure von Wolf Maahn gemeinsam gesungen, was 1987 anlässlich der damals letzten Rockpalast-Nacht in der ARD gesendet wurde.

Nackt im Wind ist der Name eines 1985 von Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken geschriebenen Liedes. Es entstand für das Projekt Band für Afrika, das zum Ziel hatte, nach dem Vorbild des Band-Aid-Projektes um Bob Geldof (1984) ein vergleichbares deutsches Musikprojekt zu initiieren, um Geld für die Opfer der Hungersnot in Äthiopien 1984–1985 zu sammeln.

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Alternatives Frontcover

Um zu vermeiden, dass zu viel des eingenommenen Geldes durch die GEMA an einzelne Künstler gezahlt werden müsse (wodurch die für Spenden zur Verfügung stehende Summe gesunken wäre), kam der Song mit seinen Autoren unter dem Namen „Band für Afrika“ heraus. Tatsächlich hatten jedoch Herbert Grönemeyer (Musik) und Wolfgang Niedecken (Text) das Lied konzipiert. Niedecken hatte den Text ursprünglich für BAP geschrieben, als die Anfrage kam, ob er sich an dem Projekt beteiligen wolle. Er fand den Text passend und bot ihn bei einem Treffen in Frankfurt am Main an. Grönemeyer schrieb dann die Musik dazu.

Niedecken äußerte sich später kritisch zu seinem Text:

„Ich denke, dass man die eine oder andere Zeile überarbeiten müsste. Damals war der Text sehr stark festgemacht an den Sünden unserer Ahnen. Man kann aber auch nicht alles auf die Kolonialzeit zurückführen, was an Problemen vorhanden ist. Das ist der Kardinalfehler dieses Textes. Wenn ich ihn heute noch mal neu schreiben würde, würde ich wahrscheinlich ganz anders herangehen!“

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An den Aufnahmen beteiligten sich Künstler, die zu dieser Zeit eine besondere Popularität in Deutschland genossen. Hierzu zählten Alphaville, BAP, Ina Deter, Extrabreit, Geier Sturzflug, Herbert Grönemeyer, Gitte Haenning, Hans Hartz, Heinz Rudolf Kunze, George Kranz, Klaus Lage, Udo Lindenberg, Wolf Maahn, Peter Maffay, Ulla Meinecke, Marius Müller-Westernhagen, Münchener Freiheit, Nena, Rheingold, Rodgau Monotones, Spider Murphy Gang, Spliff, Trio und Juliane Werding.

Um dem Zweck der Platte zu dienen, verzichteten alle Beteiligten auf ihre Gagen und Tantiemen. Die Initiatoren gingen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie durch einen besonderen Aufdruck auf der Schallplattenhülle auch den Handel in die Pflicht nahmen:

„Die Künstler legen Wert auf die Feststellung, daß wirklich niemand außer den Spendenempfängern an dieser Schallplatte profitiert. Komponist, Texter, Musiker, Produzent, Schallplattenfirma und Verlag verzichten auf jeglichen Verdienst und führen mindestens 2,00 DM pro Single (plus nachträglich anfallende GEMA-Lizenzen) als Spende auf die o.a. Konten ab. Der Schallplattenhandel wird gebeten, diesem Beispiel zu folgen.“

Nackt im Wind wurde am 21. Januar 1985 als Single und Maxi-Single veröffentlicht, die jeweils die gesungene und eine Instrumentalversion des Liedes enthielten, und erreichte akzeptable bis gute Platzierungen in den Hitlisten in Österreich (Platz 18), der Schweiz (Platz 21) und Deutschland (Platz 3). (Quelle: wikipedia)

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Da sitzen sie … alle auf einen Haufen

Wie sähe es aus, wenn Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen und Peter Maffay zusammen einen Song machen würden? Vor allem, wenn sie dabei von BAP, Klaus Lage, Nena, der Münchner Freiheit und Trio begleitet werden? kann man sich gar nicht vorstellen?

Gab es aber! Initiert von Herbert Grönemeyer fanden sich 1985 über 30 deutsche Popmusikerinnen zusammen, um nach Bob Geldofs Vorbild ein Hilfsprojekt für Afrika einzusingen. komponiert von Grönemeyer und getextet von Wolfgang Niedecken erreichte „Nackt im Wind“ der Band für Afrika immerhin Platz 3 in den Charts. schwer vorstellbar, dass sich diese Musiker heute noch einmal zusammen finden würden, aber damals scheint es zumindest laut beobachtung des Zeit-Journalisten Tom R. Schulz geklappt zu haben:

„Selbst Nena, die gelangweilt wie eine unterbeschäftigte Verkäuferin in der Sportabteilung eines Warenhauses in die Pedalen eines Hometrainers trat, wenn es nichts für sie zu singen gab, oder Peter Maffay, der schweren Schritts im Cowboyanzug umherstapfte, fügten sich in die Gemeinschaft ein.“

Gitte

Gitte beim „Live-Aid“ Konzert in Köln, 1985

Ein solches Starensemble der deutschen Popmusik kann nur von einem angekündigt werden: Ingolf Lück präsentierte die Band für Afrika in der „Formel eins“-Show:

Das Highlight ist aber die Live-Version zum Live Aid-event ’85. der britische Moderator von Radio One schaltet stilecht zum Kölner Dom, wo die beiden Türme erst langsam verschwinden und auf die Bühne geschnitten wird. dort kündigt eine Moderatorin an, dass die 30 Musiker gestern nacht lange zusammen gesessen hätten, um eine Erklärung zu formulieren, die Udo Lindenberg vorträgt, „wir wollen das heute mal ein bisschen konkreter und nicht nur ein paar fromme Sprüche und deswegen steht das hier auf dem Zettel.“:

Als Ergänzung habe ich eine Interview mit Wolfgang Niedecken aus dem Jahr 2010 beigefügt, in dem er u.a. auch über dieses Projekt berichtet.

Ach ja … musikalisch finde ich „Nackt im Wind“ eher dürftig … aber was soll´s… wenn die Einnahmen tatsächlich ein wenig geholfen haben … dann soll´s mir recht sein.

Besetzung;
Alphaville – BAP – Extrabreit – Geier Sturzflug – George Kranz – Gitte Hænning – Hans Hartz – Heinz Rudolf Kunze – Herbert Grönemeyer – Ina Deter – Juliane Werding – Klaus Lage – Marius Müller-Westernhagen – Münchener Freiheit – Nena – Peter Maffay – Rheingold – Rodgau Monotones – Spider Murphy Gang – Spliff – Stefan Waggershausen
Trio – Udo Lindenberg – Ulla Meinecke – Uwe Fahrenkrog-Petersen – Wolf Maahn – Richard Wester

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Titel:
01- Nackt im Wind (Grönemeyer/Niedecken) 5.11
02. Nackt im Wind (Instrumental Version) (Grönemeyer) 4.10
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03. 03 – Interviw mit Wolfgang Niedecken – Gesellschaftspolitik, unbequeme Wege und Solidarität (2010) 23.57

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