Loriot – Nimm´s leicht (1963 /1973)

NimmsLeicht_01AEin weiteres Schmankerl aus dem prallen Lebenswerk des Loriot:

„Schon beim flüchtigen Durchblättern dieses Bildbandes wird der Betrachter auf Darstellungen stoßen, die ihm seltsam vertraut sind … #Das erste Blatt, ein Knoten im linken Bundesbahngleis zwischen Celle und Lüneburg, beleuchtet einen ärgerlichen Zwischenfall, der, obwohl ungewöhnlich anmutend, fast täglich zur Verstimmung westdeutscher Streckenwärter führt.

Auch alle folgenden Beispiele sind aus dem Leben gegriffen und aus einem Personenkreis, dr für westdeutsche Verhältnisse als repräsentativ angesehen werden kann“ (Klappentext)

Nicht immer wird Loirot´s Humor verstanden bzw. geschätzt, wie folgender Leserbrief auf lovelybooks.de zeigt:

„Den Humor verstehe ich nicht immer, aber das ist auch nicht verwunderlich, da ich viele sarkastische Witze nicht so verstehe. Nicht immer geht es darum, dem Leser ein Lächeln zu entziehen, sondern darum, vertraut, bekannte Situationen vom Alltag jeder Person noch ein mal in Erinnerung zu rufen, um etwas darüber zu grübeln. Der Effekt: „Ach, das kenne ich! “

Ich seh das natürlich ganz anders. Und dieses Büchlein lenkt den Blick auf auf eine „andere Seite“ von Loriot:

AlternativesFrontCoverLoriot hat sich nicht nur als legendärer Unterhalter einen Namen gemacht. Vor allem zu Beginn seiner Karriere war er als Werbegrafiker aktiv. ie meisten Werbeaufträge nahm Loriot in den Jahren nach 1955 an. So arbeitete er unter anderem für die Tabakmarke Stanwell, für Paderborner Bier, für Agfa und für Scharlachberg.

Und der damalige Scharlachberg-Slogang lautet eben „Nimm´s leicht“ … von daher ist dieses Buch quasi ne Zeitverwertung seine damaligen Karikaturen für Schalarchberg.

Das Buch erschien erstmalig 1963, meine Ausgabe ist dann die 6. Ausgabe (76.-91. Tausend) aus dem Jahre 1973.

Bevor´s zur Präsentation geht noch 2 Gedanken aus der „Welt“, denen ich mit sehr gerne anschließe:

„Von-Bülow-Loriot versöhnte die Deutschen mit sich selbst. Nicht nur, dass er sie ausnahmslos alle auf irgendeine Art erreichte und zum Lachen brachte – er trat auch den Beweis an, dass das Deutsche per se irgendwie verschroben-sympathisch, ja sogar auf feinsinnige Art sturzkomisch sein kann. Eine Erfahrung, die nach zwei Weltkriegen und einer menschenverachtenden Diktatur für viele dann doch eher überraschend war. “

„Kaum auszudenken, was mit einer Gesellschaft geschehen soll, die sich irgendwann nicht mehr an Vicco von Bülow und sein erhabenes Werk erinnert . Wir müssen es in aller Deutlichkeit und in Anlehnung an ein großes Lob des Mopses an dieser Stelle sagen: Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

Hier ein paar Beispiele zum erinnern und dann geht´s – wie gewohnt – zur Präsentation:

 

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Das Büchlein ohne Schutzhülle

Das Büchlein ohne Schutzhülle

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Scharlachberg-Werbung

Scharlachberg-Werbung

Verschiedene Interpreten – Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (1973)

FrontCover1.JPGUnd wieder mal so ein kleiner Beitrag zum Thema bundesdeutsche Fernsehgeschichte:

Drei mal Neun war eine Donnerstag-Abend-Fernsehshow des ZDF, die von Wim Thoelke erdacht und präsentiert wurde.

Mit Auslaufen von Vergißmeinnicht musste Peter Frankenfeld seine Karriere als Showmaster vorübergehend beenden, da das ZDF nun auf den 14 Jahre jüngeren Wim Thoelke setzte. Dieser erfuhr während seines Sommerurlaubs 1970 im südholländischen Badeort Noordwijk, dass man ihn dringend suche: In Bild stand unter der Titelschlagzeile Wim soll Wellen machen, er sei die neue Showhoffnung des ZDF, man wisse aber nicht, wie man ihn erreichen könne. Ein Anruf ergab, dass Thoelke sofort zur Vertragsunterzeichnung nach Mainz kommen solle, da der Showstart bereits für September vorgesehen war. Für diese Show plante Thoelke dann viele Elemente, so dass, wenn jemandem etwas nicht gefiel, er nur fünf Minuten warten musste, um wieder etwas anderes zu sehen. Grundlage war ein Quiz mit vier Mitspielern.

Erst nachträglich nahm Wim Thoelke die Lotterie zu Gunsten der Aktion Sorgenkind in seine Planung auf, für die er 15 Minuten Platz schaffen musste: Diese Lotterie sollte eigentlich mit dem Ende von Vergißmeinnicht eingestellt werden. Da daraufhin aber viele Behinderteneinrichtungen hätten geschlossen werden müssen, wünschte sich der ZDF-Intendant Karl Holzamer ihre Fortsetzung. Thoelke bat im Gegenzug darum, Walter Spahrbier weiter auftreten zu lassen, um die Kontinuität zu wahren.

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Wim Thoelke mit Rabea Hartmann und Gabi Schnelle

Zur Teilnahme lagen in allen Banken, Sparkassen und Postämtern Lose aus, mit denen ein Betrag zwischen 1,11 DM und 9,99 DM einzuzahlen war, was stets mit allen Beträgen mehrfach geschah. In der Sendung wurden ein Betrag ermittelt und dann aus den betreffenden Losen die Gewinner gezogen.

Durch die dreistellige Glückszahl kam Thoelke auf den Namen Drei mal Neun. Dies hatte weitere Sendungen mit Zahlen im Namen zur Folge, darunter die Spielshow Acht nach 8 und insbesondere die Talkshow 3 nach 9 von Radio Bremen.

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Wim Thoelke hätte gerne ein Ende der Sendung gehabt wie jenes von Einer wird gewinnen mit Martin Jente. Allerdings wollte er es nicht direkt nachmachen, zumal solch ein Ideenklau seinerzeit nicht üblich war. Daraufhin beschloss er die Sendung mit der Zeichentrickfigur Wum, einem Hund, gezeichnet und gesprochen von Loriot, mit der er sich unterhielt. Bei den Kindern war Wum äußerst beliebt. Damit sie nicht bis zum Ende der Sendung aufbleiben mussten, verlegte man Wum dann auf einen frühen Zeitpunkt in der Sendung.

Zu Drei mal Neun gehörten neben Walter Spahrbier auch Max Greger mit seiner Bigband, das ZDF-Fernsehballett sowie die beiden Assistentinnen Gabi und Rabea, die stets passend zueinander gekleidet waren.

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Rabea Hartmann begegnete Thoelke erstmals als persönliche Assistentin und Referentin für Mode im Büro von Josef Neckermann. Thoelke hatte bei den beiden angefragt, ob Rabea bei seiner Show mitmachen würde. Rabea Hartmann betrieb später ein eigenes „Studio für Farbentwürfe“ auf Hof Iben bei Bad Kreuznach, das sie 1972 mit Friedrich-Ernst von Garnier gegründet hatte.

Gabi Schnelle war die Empfehlung der Kostümbildnerin; sie wollte eigentlich zum Radio und wurde später eine bekannte Moderatorin von Bayern 3.

Prominente Amateurmusiker:

In diesem Teil musizierten prominente Gäste, bei denen es sich nicht um professionelle Musiker handelte. Darunter waren häufig Politiker. So sangen in der ersten Ausgabe Richard Stücklen, Wolfgang Mischnick und Jockel Fuchs. Zwei Ereignisse dieser Rubrik sorgten dafür, dass Drei mal Neun noch lange nach seiner Einstellung bekannt blieb:

In der 8. Folge spielte der Verteidigungsminister Helmut Schmidt Gershwin-Melodien auf einer elektronischen Orgel. Thoelke hatte zuvor anfragen lassen, ob er ein Instrument zum Üben vorbei schicken sollte, Schmidt hielt dies aber nicht für nötig. In der Sendung verspielte er sich schließlich, so dass er noch einmal von vorne beginnen musste. Dass dies Schmidt passierte, der als Perfektionist galt und gewöhnlich keine Fehler beging, brachte ihm große Sympathie bei den Zuschauern ein.

Von den Musikdarbietungen in der Sendung erschienen mehrere Langspielplatten, von denen ein Teil des Erlöses an die Aktion Sorgenkind floss. Hinzu kam die Single Ich wünsch mir ’ne kleine Miezekatze von Wum.

Drei mal Neun geriet zu einem immensen Erfolg. Bereits die erste Ausgabe wurde in der telefonischen Umfrage mit +4 benotet, spätere Folgen dann sogar mit dem schon sehr guten Wert +5. Die Sehbeteiligung stieg bis auf 73 % an und übertraf sämtliche anderen Shows des ZDF sowie das beliebte Quiz Einer wird gewinnen. Von 1969, also noch zur Zeit von Vergißmeinnicht, bis 1971 stiegen der Lotterieerlös der Aktion Sorgenkind von 1,72 Mio. DM sprunghaft auf 7,29 Mio. DM und die Spendeneinnahmen von 3,92 Mio. DM auf 8,03 Mio. DM. Wim Thoelke erhielt für den überraschend großen Erfolg ein silbernes und ein goldenes Bambi, außerdem eine Honorarerhöhung von 15.000 DM auf 25.000 DM je Sendung für das zweite Jahr – allerdings inklusive Mehrwertsteuer, da er mit Beginn der Reihe seine Festanstellung beim ZDF aufgegeben hatte.

Drei mal Neun wurde wegen des großen Aufwands einer Liveshow aus verschiedenen Städten eingestellt. Es folgte der Der große Preis. Dieser behielt die Zeichentrick-Einspielungen mit Wum bei, ebenso die Aktion Sorgenkind einschließlich des Berichts am Anschluss der Sendung.  (Quelle: wikipedia)

Und hier eine dieser Schallplatten, von denen vorhin die Rede war:

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Und in der Tat, diese Scheibe ist ne Rarität, ganz sicher auch heute noch, speziell für Freunde des schrägen Humor.

Und nachdem etliche der Namen heute eigentlich nur noch Schall und Rauch sind, hier noch ein paar Erläuterungen, Erklärungen:

Dagmar Bergmeister, Irene Koss, Hilde Nocker waren damals populäre TV-Ansagerinnen („der ersten Stunde“) (sowas gibt´s heute nicht mehr…)

Die Schöneberger Sängerknaben spielen hier die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart auf dem Kamm !

Peter Müller, Heinz Neuhaus, Erich Schöppnerwaren damals populäre Boxer (und ja: Boxer können nicht singen)

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Wim Thoelke mit Max Greger und Helmut Schmidt an der Orgel

Helmut Schmidt, damals noch Bundesverteidigungsminister

Lauritz Lauritzen, ein Sozi war damals Bundesministers für Verkehr

Hans Herrmann, Karl Kling, Hermann Lang, damalige Rennfahrer-Asse

Klaus Schwarzkopf, ein von mir bis heute sehr geschätzter Schauspieler, nicht nur wegen seine Rolle als Kommissar Finke im Tatort. (der konnte ganz schön schmettern !)

Klaus Schwarzkopf

Klaus Schwarzkopf

Jochen und Almut Breiter, Mady Riehl, Heinz Wrobel, noch ein paar Nachrichten-Sprecher

Dan Blocker, na klar … der aus „Bonanza“ („Hoss Cartwright“)

Ingrid Mickler-Becker, Heide Rosendahl, Liesel Westermann waren erfolgreiche Leichtathletinnen.

Harry Boldt, Dr. Rainer Klimke, Dr. Josef Neckermann waren erfolgreiche Dressurreiter (einen Sport, den ich bis heute auf den Tod nicht ausstehen kann und dem Neckermann krieg ich grundsätzlich die Krise)

Raimund Harmstorf, na klar … der Seewolf

Raimund Harmstorf

Raimund Harmstorf

Jockl Fuchs, Wolfgang Mischnik, Richard Stücklen, Politiker, die mir schon damals supekt waren.

Und zum krönenden Abschluss dann der Werner Finck, über diesen Kabarettisten mit seinem sich permanent verhaspelnden Sprechweise kann ich mich heute noch schlapp lachen … 

Also, in der langen Reihe dieser „3×9“ Schallplatten-Serie ist dies ganz gewiss die interessanteste … denn wie gesagt, Freunde des schrägen Humor können sich hier getrost bedienen und für Loriot Sammler ist diese LP eh ein muss … hört man ihn doch in den Twischenmoderationen (Prädikat: bemüht humorvoll) mit seiner speziellen Wum-Stimme.

WernerFinck

Werner Finck

Besetzung:
Orchester Max Greger
+
Moderation:
Wim Thoelke & Wum (Loriot)

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Titel:
01. Dagmar Bergmeister, Irene Koss, Hilde Nocker:  Guten Abend (Morenau/Claus/ Hammerschmidt) 1.51
02. Die Schöneberger Sängerknaben: Die kleine Nachtmusik (Mozart) 1.04
03. Peter Müller, Heinz Neuhaus, Erich Schöppner: Weißt du wieviel Sternlein stehen (Traditional/Thoelke) 2.24
04. Helmut Schmidt: I Got Rhythm (Gershwin) 3.21
05. Wum-Chor (Techniker des 3  x 9 Teams): Du, du liegst mir im Herzen (Traditional/Claus) 2.32
06. Lauritz Lauritzen: Snuten und Pooten (Gröder) 2.58
07. Hans Herrmann, Karl Kling, Hermann Lang: Hoch auf dem gelben Wagen (Höhne/ Baumbach) 1.43
08. Klaus Schwarzkopf: Granada (Lara) / Ausklang 3.02
09. Jochen und Almut Breiter, Mady Riehl, Heinz Wrobel: My Fair Lady (Loewe) 1.51
10. Dan Blocker: Ich bin der Hoss (Claus) 1.59
11. Wim Thoelke: Spatzentanz (Claus) 1.31
12. Ingrid Mickler-Becker, Heide Rosendahl, Liesel Westermann: Gold und Silber lieb ich sehr (Schnetzler/Truhn) 1.58
13. Harry Boldt, Dr. Rainer Klimke, Dr. Josef Neckermann; She’ll Be Comin‘ Around The Mountain (Von den blauen Bergen kommen wir) (Traditional) 2.06
14. Raimund Harmstorf: Der Ghost (Claus/Thoelke) 2.53
15. Jockl Fuchs, Wolfgang Mischnik, Richard Stücklen: Oh, wie wohl ist mir am Abend (Traditional/Claus) 1.04
16. Werner Finck: Sketch (Finck) /Ausklang 6.36
17. Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (Teil 1) (ungeschnittene Version) 19.27
18. Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (Teil 2) (ungeschnittene Version) 20.06

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Loriot – Für den Fall … Der neuzeitliche Helfer in schwierigen Lebenslagen (1960)

TitelVictor von Bülow war ja bereits in den 50er Jahren mehr als aktiv … von daher lohnt sich ein kleiner Rückblick auf seine frühen Jahren:

Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow (* 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel; † 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See) etablierte sich von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Loriot betätigte sich auch als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und wurde 2003 von der Universität der Künste Berlin zum Professor für Theaterkunst ernannt.

Der Künstlername Loriot ist die französische Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. In der mecklenburgischen Heimat des Adelsgeschlechtes ist Vogel Bülow eine gängige Bezeichnung für den Pirol.

Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 als Sohn des Polizeileutnants Johann-Albrecht Wilhelm von Bülow (1899–1972) und dessen erster Ehefrau Charlotte Mathilde Luise, geborene von Roeder (1899–1929), Tochter Otto von Roeders (1876–1943), in Brandenburg geboren. Seine Eltern ließen sich 1928 in Gleiwitz scheiden.

Bei der Familie von Bülow handelt es sich um ein altes mecklenburgisches Adelsgeschlecht mit gleichnamigem Stammhaus im Dorf Bülow bei Rehna. Der Name Bülow wurde erstmals 1154 bei der Grundsteinlegung des Ratzeburger Doms urkundlich erwähnt. Die Stammreihe beginnt mit Godofridus de Bulowe (1229). Viele Mitglieder der Familie brachten es im Staatswesen, beim Militär und in der Kirche zu hohen Ämtern oder machten sich um das Kulturleben verdient. Zu Vicco von Bülows Verwandten zählt Bernhard von Bülow, Reichskanzler im Deutschen Kaiserreich.

Von Bülow war ab 1951 mit der Hamburger Kaufmannstochter und damaligen Modeschülerin Rose-Marie, geborene Schlumbom, genannt Romi (* 1929), verheiratet und war Vater zweier Töchter – Bettina und Susanne – sowie Großvater zweier Enkelkinder; er lebte von 1963 bis zu seinem Tod in Ammerland am Starnberger See.

Loriot, 1943

Loriot, 1943

Von Bülow wuchs mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder seit 1927 bei Großmutter und Urgroßmutter in Berlin auf. 1933 zogen die Geschwister wieder zu ihrem Vater, der im Jahr 1932 erneut geheiratet hatte. Von Bülow besuchte von 1934 bis 1938 das Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf[7]. Mit dem Vater zog die Familie 1938 nach Stuttgart. Von Bülow besuchte dort das humanistische Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das er 1941 siebzehnjährig mit Notabitur verließ. In Stuttgart sammelte er auch erste Erfahrungen als Statist in der Oper und im Schauspiel.

Er begann entsprechend der Familientradition eine Offizierslaufbahn, war drei Jahre mit der 3. Panzer-Division an der Ostfront im Einsatz und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet; er erreichte den Dienstgrad Oberleutnant. Sein jüngerer Bruder, der am 27. November 1924 ebenfalls in Brandenburg geborene Johann-Albrecht Sigismund von Bülow, fiel am 21. März 1945 als Leutnant bei Gorgast im Oderbruch.[8] Vicco von Bülows militärische Personalakte enthielt keinen Hinweis auf nationalsozialistische Gesinnung.

Auf die Frage, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei, antwortete er in einem Interview: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am 20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Nach dem Krieg arbeitete er nach eigener Schilderung für etwa ein Jahr als Holzfäller im Solling, um sich Lebensmittelkarten zu verdienen. 1946 vervollständigte er in Northeim am Gymnasium Corvinianum das Notabitur. Auf Anraten seines Vaters studierte er von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie (Landeskunstschule) in Hamburg.

Nach dem Abschluss legte Bülow erste Arbeiten als Werbegrafiker vor und entwarf das charakteristische Knollennasenmännchen. Von 1950 an war Bülow als Cartoonist zunächst für das Hamburger Magazin Die Straße, danach für die Zeitschrift Stern tätig. Seit dieser Zeit verwendete er den Künstlernamen Loriot.

Seine erste regelmäßige Serie im Stern sollte Auf den Hund gekommen werden. Einige der ersten Cartoons lösten bei den Lesern große Proteste aus:

In einem Strandkorb sitzt eine Hundedame – aufrecht, im Bikini und mit Badekappe. Vor ihr im Sand spielt ein kleiner Mensch, daneben steht ein Hund auf seinen Hinterbeinen. „Kurverwaltung“ steht auf seiner Armbinde, streng schaut er unter seiner Schirmmütze hervor. „Wenn nun jeder seinen Menschen an den Strand mitbrächte!“ blafft der Hund.
Zwei Hunde lehnen am Fenster und schauen hinaus; es regnet stark. Auf dem Fußboden liegt ein Mensch, zusammengerollt und schlafend. Sagt der eine Hund zum anderen: „Bei dem Wetter möchte man keinen Menschen vor die Tür jagen!“

Viele Leser drohten damit, den Stern nicht mehr zu kaufen bzw. ihre Abonnements zu kündigen. Henri Nannen, der damalige Chefredakteur, stellte die Serie nach sieben Folgen ein und beendete die Zusammenarbeit: „Ich will den Kerl nie wieder im ‚Stern‘ sehen!“ Nach der Einstellung im „Stern“ zeigte sich kein einziger Verleger in Deutschland interessiert, die Serie als kleines Buch zu drucken. Unter anderem lehnte Ernst Rowohlt ab.

Loriot sandte auf Anraten einer Bekannten dem Schweizer Daniel Keel die Zeichnungen; 1954 präsentierten die beiden auf der Frankfurter Buchmesse das Buch Auf den Hund gekommen: 44 lieblose Zeichnungen. So begann eine lebenslange Zusammenarbeit: Loriot publizierte fortan fast ausschließlich bei Keel. Für Keel – er hatte 1952 den Diogenes Verlag gegründet – war es das zweite Buch; für Loriot das erste.

Loriot
1953 startete der „Stern“ eine Kinderbeilage, das „Sternchen“. Loriot schlug die Serie „Reinhold das Nashorn“ vor und bekam den Auftrag, aus zunächst geplanten zwei Monaten wurden schließlich 17 Jahre. Es folgten weitere Arbeiten für Weltbild und Quick.

Er hatte 1959 eine kleinere Rolle als Schauspieler in Bernhard Wickis Film Die Brücke, sowie 1961 in Bernhard Wickis Film Das Wunder des Malachias. 1962 hatte er eine Mini-Rolle in Andrew Martons Kriegsfilm Der längste Tag. Im selben Jahr gestaltete er das Titelblatt der ersten Ausgabe der Satirezeitschrift pardon. 1963 zog Vicco von Bülow nach Münsing-Ammerland in die Nähe des Starnberger Sees. Dort wurde er als angesehenes Mitglied der Dorfgemeinschaft 1993 zum Ehrenbürger erhoben.

Vicco von Bülow starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See.  Er wurde am 30. August 2011[40] im engsten Familienkreis auf dem Waldfriedhof Heerstraße im Berliner Stadtteil Westend beigesetzt. In der evangelisch-lutherischen St.-Gotthardt-Kirche in Brandenburg/Havel, wo von Bülow am 30. Dezember 1923 getauft worden war, wurde ebenfalls ein Trauergottesdienst für ihn gehalten. Loriot hatte 1986 öffentlich zu Spenden für die Sanierung der Kirche aufgerufen.

Am 3. Januar 2011 erschienen vier Wohlfahrtsmarken mit Motiven aus bekannten Zeichentrickfilmen von Loriot: Das Frühstücksei, Herren im Bad, Auf der Rennbahn und Der sprechende Hund. Die Zeichnungen hat Vicco von Bülow alias Loriot selbst ausgewählt und als Motive für die Wohlfahrtsmarken zur Verfügung gestellt. Die Marken wurden am 10. Januar 2011 von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Herausgeber und Bundespräsident Christian Wulff als Schirmherr des Sozialwerkes Wohlfahrtsmarken der Öffentlichkeit vorgestellt: „Für mich ist Vicco von Bülow einer der ganz großen lebenden Deutschen im Kulturbereich, einer der ganz großen Kulturschaffenden unseres Landes“, sagte der Bundespräsident.

Wohlfahrtsmarken2011

Im März 2012 entschied das Landgericht Berlin zu Gunsten der Erben von Vicco von Bülow, dass Wikipedia im Gegensatz zu vielen anderen Websites und Zeitungen die Briefmarken nicht zeigen darf. Die Abbildungen waren bereits im Herbst 2011 nach einer einstweiligen Verfügung entfernt worden.

Der Art Directors Club trauerte um sein Ehrenmitglied in einer Zeitungsanzeige mit den Worten: „Lieber Gott, viel Spaß!“ (Quelle: wikipedia)

Hier nun ein Frühwerk von Loriot bei dem der Diogenes Verlag im Klappentext stolz verkündet: „Loriots Werke sind in einer Gesamtauflage von über zwei Millionen verbreitet“.

Um was geht es ?

„Für den Fall, daß das Wirtschaftsgeld nicht reicht, die Handwerker nicht kommen, Sie eine Panne haben, Sie einen Hund kaufen, eine Liebeserklärung machen oder zaubern lernen wollen, wenden Sie sich vertrauensvoll zu Loriots neuzeitlichem Helfer in schwierigen Lebenslagen. Es gehört in die Hände beiderlei Geschlechts, wie der Verfasser in seinem Vorwort bemerkt. „Ich möchte sagen, in die Hände aller Hausfrauen, Arbeiter, Angestellte, Offiziere, Beamten, Pädagogen, Mediziner, Politiker und aller Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens. Unbeantwortet ließ ich Fragen anstößiger oder krimineller Natur. Auf diesem Gebiert ist heute jedes Kind ausreichend unterrichtet.“ (Klappentext)

Genug der Vorrede … hier ein paar Beispiele und dann …

Beispiel01

Für den Fall, daß sie ihr Wohnzimmer einrichten:
Kenner erzielen oft erstaunliche Wirkungen durch die geschmackvolle Kombination von antikem und neuzeitlichem Mobilar.

Beispiel02

Für den Fall, daß das Wirtschaftsgeld nicht reicht:
Allein auf dem Gebiete der Werbung liegen ebenso vielfältige wie reizvolle Nebeneinnahmen. Kein fortschrittlicher Ehegatte wird sich Ihrem Wunsche verschließen. Merke: Auch Hausfrauen dürfen über ihren Körper frei verfügen.

Beispiel03

Neue Fahrzeuge weisen mitunter anfänglich kleine Fertigungsmängel auf, welche die Freude am Automobil beeinträchtigen können. Tempo verringern und Mitfahrende durch ein Scherzwort beruhigen.

Beispiel04

Auch erfolgsgewohnte Herren übersehen gelegentlich kleine, aber wichtige Umstände, die eine Liebeserklärung nicht ratsam erscheinen lassen.

Beispiel05

Oft rufen kleine Zwischenfälle allgemeine Verstimmung unter den Seereisenden hervor. Wer die Dinge von der heiteren Seite sieht, hat mehr davon.

Beispiel06

Ein bisschen Werbung für weitere Werke aus der Feder von Loriot darf schon sein …

Vorder+Rückseite

Vorder + Rückseite des Buches, wenn man den sog. Schutzumschlag entfernt.

… und nun: hinein ins Vergnügen:

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Loriot2

Vicco von Bülow (* 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel; † 22. August 2011 in Ammerland (Oberbayern)