Marion Maerz – Singt Burt Bacharach (1971)

LPFrontCover1Es gibt da ja Schlager-Kenner, die schnalzen bei diesen Aufnahmen nur so mit der Zunge,.

Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins ist ein Musikalbum der Sängerin Marion Maerz. Das Werk enthält 12 deutschsprachige Coverversionen des US-amerikanischen Komponisten Burt Bacharach. Arrangeur und Orchesterleiter der Studioproduktion war Ingfried Hoffmann. Das Album erschien 1971 als Langspielplatte auf dem Label Reprise Records und wurde 2009 unter dem Titel Marion Maerz – Burt Bacharach Songbook mit veränderter Titelreihenfolge erstmals auf CD wiederveröffentlicht.
Maerz mit dem Beat-Schlager Er ist wieder da einen großen Erfolg verbuchen. Der von Christian Bruhn komponierte Titel kletterte Anfang 1966 bis auf den sechsten Platz der deutschen Hitparaden. Die nachfolgenden Singles verkauften sich zunächst zufriedenstellend, konnten den Erfolg des Hits Er ist wieder da aber nicht wiederholen. In den ausgehenden 1960er Jahren war Marion, damals noch ohne Nachnamen vermarktet, zunehmend unzufrieden mit der Titelauswahl ihres Produzenten Peter Meisel. 1970 verließ die Interpretin das Musiklabel Hansa.

MarionMärzEinige Monate später wurde der Musikproduzent Siegfried E. Loch auf die Künstlerin, nunmehr ohne Plattenvertrag, aufmerksam. Loch war in den 1960er Jahren zu einem erfolgreichen Produzenten zeitgemäßer und anspruchsvoller Unterhaltungsmusik avanciert. Er produzierte unter anderem Schallplatten von Klaus Doldinger, Katja Ebstein, George Gruntz. den Rattles und Attila Zoller. 1970 wurde der erst dreißigjährige Plattenproduzent Gründungsgeschäftsführer der in Hamburg ansässigen Kinney Musik GmbH, die wenig später in WEA Records umbenannt wurde.

In Zusammenarbeit mit Marion Maerz entwickelte Siegfried E. Loch die Idee zur Produktion eines Konzeptalbums mit deutschsprachigen Coverversionen des erfolgreichen Songwriter-Duos Burt Bacharach und Hal David. Für die meisten Stücke lagen Liedtexte namhafter Texter wie Ernst Bader, Michael Kunze oder Günter Loose vor. Vereinzelt waren bereits textgleiche deutsche Versionen von Bacharach-Titel erschienen, darunter Ein Haus ist kein Zuhaus / A House Is Not a Home (Corry Brokken), Frag doch nur dein Herz / Trains and Boats and Planes (Die Five Tops), Warten und hoffen / Wishin’ and Hopin’ (Dusty Springfield), Wenn ich die Regentropen seh’ / Raindrops Keep Fallin‘ on My Head (Caterina Valente), Alles ist nun vorbei / Anyone Who Had a Heart (Petula Clark), Geh vorbei / Walk On By (Dionne Warwick) und So wie ich / Close to You (Gerhard Wendland).

Als Arrangeur und Orchesterleiter wählte Siegfried E. Loch den Organisten Ingfried Hoffmann, mit dem er bereits mehrere Jazz-LPs produziert hat, die international Beachtung fanden. Im März 1971 wurde das Album im Cornet-Studio in Köln unter der Leitung des Toningenieurs Wolfgang Hirschmann aufgenommen. Die Produktions-Koordination übernahm der aus Liverpool stammende Schlagzeuger Gibson Kemp (ex- Rory Storm Group)

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Das Album kam 1971 auf dem Label Reprise Records unter Verwendung des neuen Künstler-Nachnamens Maerz als LP mit dem Titel Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins in den Handel (Bestellnummer: REP 44135). Obwohl die Langspielplatte von der Programmzeitschrift TV Hören und Sehen ausgiebig beworben wurde und der NDR zu einigen Liedern Clips ausstrahlte, landete Maerz damit einen kommerziellen Misserfolg. Die ursprünglich von Siegfried E. Loch angedachte Produktion weiterer, ähnlicher Langspielplatten (Seite zwei, Seite drei,…) wurde nicht mehr realisiert. Es kam auch nicht zur Auskopplung einer Single. Im Zuge des Easy-Listening-Revivals seit den 1990er Jahren wurde die LP schließlich zu einem gesuchten Kultobjekt. Im Februar 2009 erschien bei dem Label Bureau B die Wiederveröffentlichung des Albums auf CD (Bestellnummer: bb 20) mit neuer Titelreihenfolge und neu gestaltetem Cover.
Kritiken

Die Wiederveröffentlichung des Albums erhielt überwiegend positive Kritiken. Für Philipp Schmidt von der Musikzeitschrift now! geriet die Umsetzung durch Arrangeur Hoffmann höchst ansprechend. Die Songs hätten diesen gewissen leichten Swing und würden von Maerz mit gutem Gespür interpretiert. Auch Stefan Weber lobte im Online-Magazin von Computer Bild das jazzige, üppig orchestrierte Easy-Listening-Gewand, das den Songs hervorragend stehe, und fügte hinzu: „Ihre wahre Stärken offenbaren Maerz und ihre Mitstreiter aber gerade jenseits dieser luftig-leichten Popsongs, das träumerische „Ein Haus ist kein Zuhaus“ („A House Is Not A Home“) etwa wird in ihrer Interpretation zum gravitätisch-schwermütigen Chanson.“

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Das vom Verlag SuKuLTuR betriebene Onlinefeuilleton satt.org kam zu der Schlussfolgerung: „Deutscher Schlager ist das alles nicht, sondern eher schwer einzuordnende, international ausgerichtete Musik zwischen Jazz, Musical, Easy Listening und Pop. […] Auch wenn es Marion Maerz nicht gelang, sich mit Bacharachs Songs als ernstzunehmende Chansonette zu etablieren, kann sie heute stolz darauf sein, dieses Wagnis unternommen zu haben.“ Mario Lasar von der Musikzeitschrift Intro fand hingegen, dass „der deutschsprachige Gesang die Stücke in Schlagernähe“ rücke, die „Brillanz der Kompositionen“ jedoch unangetastet lasse. Zudem hätte sich im Zuge der Übersetzung das Maß an Unmittelbarkeit erhöht, mit der man die Songinhalte wahrnehme.

Kevin Macneil Brown vom New Yorker Online-Magazin dusted schrieb: „Die Arrangements weisen oft eine fremdartige, traumhafte Qualität auf.“ Der von Maerz „mit einem Hauch von Brecht-Weill“ vorgetragene Track Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) klinge gar „bizarr, vielleicht sogar expressionistisch“. Der US-amerikanische Jazzkritiker Will Layman von PopMatters bemängelte hingegen, dass die deutschen Texte, die er inhaltlich nicht verstehe, für amerikanische Hörer einige „Ecken und Kanten“ aufwiesen. Die cleveren Arrangements der Bacharach-Originale seien nunmehr eine „blasse Nachahmung“. Maerz klinge „hell und melodisch“ und ungefähr so amerikanisch wie „Sängerinnen im Mickey Mouse Club“. (Quelle: wikipedia)

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Und auch in der WDR Schallplattenbar überschlug man sich angesichts dieser Aufnahmen:

1971 veröffentlicht der amerikanische Plattengigant Warner Brothers auf „reprise“ die erste von drei Langspielplatten mit Marion Maerz. Als „Marion“ hatte sie 1965 ihren ersten großen Hit gehabt: „Er ist wieder da“.

Die Platten, die folgten, schafften den Sprung in die Hitlisten meistens nicht. Dies war aber nicht der einzige Grund der Unzufriedenheit der Künstlerin. Marion Maerz wollte nicht nur beathafte Schlager singen, sie wollte sich weiter entwickeln. Anfang der 70er erhielt sie die Chance dazu. Siegfried E. Loch (bekannt als Beat und Jazz-Produzent, später Chef von Warner Brothers in Europa) suchte einen deutschen Star und war von Marion angetan. Für die zweite Karriere bekam Marion einen Nachnamen. Der Name „Marion Maerz“ sollte für zukünftige romantische Produktionen passen. 1971 produzierte Siggi Loch mit Marion Maerz eine LP, die ausschließlich mit Melodien von Burt Bacharach bestückt war.

MarionMärz5.jpgBacharach war in den 60er Jahren zu einem der bekanntesten Komponisten sanft arrangierter Popmusik („Easy Listening“) aufgestiegen. Seine Songs wurden mit Dionne Warwick, Marlene Dietrich, Aretha Franklin oder Tom Jones zu Hits und Evergreens.
Die LP „Seite eins“ war ein ehrgeiziges Projekt, denn die Melodien von Bacharach gelten als schwierig zu singen. Doch selbst Dionne Warwick, die viele der Bacharach-Kompositionen im Original gesungen hatte, war voll des Lobes für diese Marion-Maerz-LP. Die Arrangements stammen übrigens von Ingfried Hoffmann (früher: Klaus Doldinger-Quartett).

Auch in der Gestaltung der LP-Hülle gab man sich Mühe; zumindest was die Vorderseite anbelangt: Sämtliche Worte und Logos sind auf einer Folie gedruckt, die man beiseite blättern kann, sodass man das gezeichnete Portrait von Marion Maerz auch ohne Schrift genießen kann. Umso schmuckloser ist allerdings die Cover-Rückseite.

Insgesamt eine wunderbare Langspielplatte, aber sie wurde ein kapitaler Flop. Trotz der Werbe-Zusammenarbeit mit einer bekannten Fernsehzeitschrift wurde die LP wenig gekauft (Artikel in TV Hören und Sehen: „So romantisch sang sie noch nie“). Unter Umständen kam die Platte zu früh, denn heutzutage gilt sie als seltenes Kultobjekt. (Quelle: wdr.de/kultur/musik/schallplattenbar)

Diese LP wurde dann am 28.10.2006 als LP in voller Länge gespielt. Und stolz berichtete man damals:

Man sollte denken, dass die heutige Plattenindustrie reagiert und die Aufnahmen dieser LP auf CD wieder veröffentlicht. Da wird man aber wahrscheinlich ewig warten müssen, denn die Originalbänder gelten als verschollen. WDR 4 spielte diese LP komplett – und erinnerte so an eine der schönsten und seltensten Langspielplatten.

Auch wenn man sich vergegenwärtig, wie welchem Aufwand dieses Album produziert wurde (Ingfried Hoffmann erinnert sich da z.B. in dem Begleitheft der CD; dieses ist übrigens vorbildlich, einschließlich eines Interviews mit Marion Maerz), so erschließt sich mir der Kultstatus dieser LP nicht so ganz …

Dennoch präsentiere ich sie hier nur zu gerne … denn diese Aufnahmen sind ein wunderbares Beispiel für jenen Trend, Schlagersängerinnen von ihrem Image zu lösen. Dazu hätte allerdings auch einer anderen Hüllengestaltung bedurft: Diese LP Hülle gehört für mich in die Kategorie „schauderhaft“.

Aber das Album zeigt auch textlich ein wenig vom damaligen Zeitgeist: „Auf dieser Welt ist Platz für jeden“ … schön wär´s ja.

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CD Frontcover

Besetzung:
Marion Maerz (vocals)
+
ein kleiner Haufen Studiomusiker
+
Blechbläser der Kurt Edelhagen Band
+
Streicher und Holzbläser des Gürzenichorchester

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1974 erschien dann dieses Album in der Reihe „Star Collection“ …

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… und 1979 als MC

Titel:
01. Frag doch nur dein Herz (Trains and Boats and Planes) (Bader) 2.33
02. So wie ich (Close to You) (Kunze) 3.19
03. Warten und hoffen (Wishin’ and Hopin’) (Kunze) 2.46
04. Ein Haus ist kein Zuhaus (A House Is Not a Home) (Loose) 3.37
05. Geh vorbei (Walk On By) (Bader) 2.28
06. Auf dieser Erde (All Kinds of People) (Kunze) 2.34
07. Einsame Träume (Odds and Ends) (Loose) 3.15
08. Das Ende der Reise (Twenty Four Hours from Tulsa) (Baier) 3.17
09. Nimm nicht alles so schwer (Don’t Go Breaking My Heart) (Kunze) 2.27
10. Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) (Bradtke) 3.10
11. Alles ist nun vorbei (Anyone Who Had a Heart) (Bader) 2.32
12. Ich wünsche mir so viel von dir (I Say a Little Prayer) (Hertha) 2.51

Musik: Burt Bacharach
Original Texte: Hal David

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