Peggy March & Jürgen von Manger – Hallo Partner dankeschön/Die Kunst Leute zu ärgern (1971)

FrontCover1Einerseits eine durchaus amüsante Episode deutscher Mediengeschichte, andererseits aber auch ein durchaus wichtiges Thema, das hier zur Sprache kommen wird.

Die Rede ist von dem „Deutschen Verkehrssicherheitsrat“ (DRV):

Der Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) ist ein 1969 gegründeter Verein zur Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Die Aufgabe des Vereins ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Schwerpunkte sind Fragen der Verkehrstechnik, Verkehrserziehung und -aufklärung, des Verkehrsrechts und der -überwachung. Leitbild ist der Partnerschaftsgedanke und die Stärkung der Eigenverantwortung aller Verkehrsteilnehmer. Der Verein koordiniert die Aktivitäten seiner Mitglieder und entwickelt Programme. (Quelle: wikipedia)

1970/71 konzipierte der DVR eine erste bundesweite Kampagne, die nachhaltige Erziehungs- und Aufklärungsarbeit auf dem gesamten Feld der Verkehrssicherheit leisten sollte. „Hallo Partner – danke schön“ wurde geboren. Das primäre Ziel der LogoKampagne bestand darin, die Grundhaltung der Verkehrsteilnehmer in Richtung eines gesteigerten Verantwortungsbewusstseins und einer stärker partnerschaftlichen Einstellung gegenüber ihren Mitmenschen zu beeinflussen. Leitbilder wie der „Könner“, Menschen, die „mit der Zeit gehen“, sollten gekoppelt werden mit den Eigenschaften „Partnerschaftlichkeit“ und „Verantwortungsbewusstsein“. Auf diese Weise wurde am Geltungsstreben der Menschen und ihrem Wunsch nach persönlicher Anerkennung angeknüpft und es gelang, diese Motive in den Dienst der Sicherheit zu stellen.

Markantes Erkennungszeichen der Kampagne war ein Logo, das aus mehreren Elementen bestand: Der Pfeil symbolisierte die eher rationalen Komponenten des Verkehrsverhaltens, während die orangefabige Blüte für die emotionalen Aspekte stand. Beide Elemente waren harmonisch miteinander verbunden. Dies sollte bedeuten: Vernunft und korrektes, rücksichtsvolles Verhalten lassen sich durchaus mit Lebenslust und der Freude am Fahren verbinden.

Eine erste Serie von „Könner“-Plakaten, die auf Autobahnen, an Bundesstraßen und Werksparkplätzen Verbreitung fanden, vermittelte die zentralen Botschaften: Gelassen fahren, Partner sein, Abstand halten, Gurt tragen, Pause machen.

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Zusätzlich wurden weitere Medien genutzt: Peggy March und Roberto Blanco sangen – damals noch auf Schallplatte – das „Partner-Lied“ und wurden so zu Botschaf­tern und Identifikations­figuren der Kampagne.

Hier also die Single mit Peggy March, die ein simples Liedchen mit passenden Text trällert … und zwar einmal in deutsch und einmal in englisch (warum man sich für diesen „Schachzug“ entschieden hat, erschließt sich mir allerdings nicht so recht).

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Weitaus amüsanter ist dann die B-Seite mit dem Unikum Jürgen von Manger, der mit seinem schrägen Humor so genau meiner Kragenweite entspricht. Der Text hat auch heute noch seine Aktualität und seinen Witz … empfehlenswert.

Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass die Single (die man ja auch als Werbeplatte kategorisieren kann) mit 2 unterschiedlichen Hüllen veröffentlich wurde.

Wer also seine Spaß an solchen Relikten früherer Jahrzehnte hat, wird hier eigentlich ganz gut bedient. Eine kleine Dokumentation über diese damalige Kampagne habe ich dann auch noch in mein Präsentationspäckchen gepackt.

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Titel:
01. Peggy March: Hallo Partner dankeschön (deutsche Version) (Krassmann/Urban) 1.56
02. Peggy March: Hallo Partner dankeschön (englische Version) (Krassmann/Urban) 1.55
03. Jürgen von Manger: Die Kunst Leute zu ärgern (v.Manger)  7.54

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Jürgen von Manger – Der Schwiegermutter-Mörder – Neue Folge (1964)

FrontCover1Ee war schlicht und ergreifend für viele Jahre das Ruhrpott Unikum schlechthin.

Jürgen von Manger-Koenig (* 6. März 1923 in Ehrenbreitstein; † 15. März 1994 in Herne; als Bühnenfigur Adolf Tegtmeier) war ein deutscher Schauspieler, literarischer Kabarettist und Komiker.

Jürgen von Manger wurde im späteren Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein als Hans Jürgen Julius Emil Fritz Koenig und als zweiter von drei Söhnen des Staatsanwalts Fritz Koenig und der einem katholischen Koblenzer Adelsgeschlecht angehörigen Ehefrau Antonia von Manger geboren. 1927 konnte seine Mutter dank einer Adoption durch ihren Onkel Martin von Manger wieder ihren ursprünglichen Namen annehmen. Die Kinder führten fortan den Familiennamen von Manger-Koenig. Mit zehn Jahren kam er nach Hagen. Der Vater bekam eine Anstellungen am Landgericht Hagen. Jürgen von Manger machte am Albrecht-Dürer-Gymnasium sein Abitur. Seine Schauspielkarriere begann er nach dem Krieg am Theater Hagen, später ging er auf die Bühnen in Bochum und Gelsenkirchen. Und dort war der ausgebildete Schauspieler und Sänger nicht nur in komischen Rollen zu sehen. 17 Jahre war er im komischen Charakterfach an Bühnen in Bochum (Schauspielhaus Bochum) (ab Sommer 1947) und Gelsenkirchen (ab Herbst 1950) tätig.

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Jürgen von Manger (zweiter von rechts), 1949

Daneben holte er von 1954 bis 1958 das ursprünglich angestrebte Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Köln und Münster nach, allerdings ohne Abschluss, und absolvierte zudem eine Schauspiel- und Gesangsausbildung.

Seine Auftritte mit kabarettistischen Solo-Programmen, hauptsächlich um die Figur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers Adolf Tegtmeier, die er ursprünglich für den Hörfunk entwickelt hatte, später aber auch auf zum Teil sehr erfolgreichen Sprechplatten (Stegreifgeschichten, zwei davon erhielten eine Goldene Schallplatte) und in zahlreichen Fernsehprogrammen verkörperte, begann von Manger in den 1960er Jahren zu vertiefen, nachdem seine erste Radiosendung Silvester 1961 beim NDR in ruhrdeutschem Dialekt ein unerwartet großer Erfolg geworden war. Daneben spielte er weiterhin Theater; unter der Regie von Helmut Käutner stand er Ende 1964 für die Deutsche Oper am Rhein als Frosch in der Operette Die Fledermaus auf der Bühne.

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Im Fernsehen hatte von Manger großen Erfolg mit der Reihe Tegtmeiers Reisen, die von 14. Juli 1972 bis zum 3. Juli 1980 vom ZDF ausgestrahlt wurde. Neben seiner klassischen Figur, die die bereisten Länder auf ihre gewohnt einfache Art analysierte, trat noch eine Art Co-Moderator auf, Professor Tegtmeier. Dieser ebenfalls durch von Manger verkörperte Wissenschaftler lieferte die korrekten Hintergrundinformationen der jeweiligen Reiseziele und machte sich dabei über die teilweise recht absurden Argumentationen seines Alter Egos lustig. Die Darstellung des Tegtmeier war von einer eigentümlichen Mimik begleitet, die für diese Kunstperson charakteristisch wurde. In der RTL-Sendung Die ultimative Chartshow: Die besten Comedians (Jürgen von Manger erreichte dort den ersten Platz) wurde als Ursache eine halbseitige Gesichtslähmung genannt, die von Manger in frühen Jahren erlitten haben soll.

Von Manger überzeichnete in seinen Darbietungen die Sprache des Ruhrgebiets-Bürgers bis ins Komische: „Wenn ich Sie mir so anguck, könnt ich mir vorstellen, dat die Fantasie von so mancher Herr ganz schön am Kochen fängt!“ 1966 veröffentlichte er unter dem Titel Bleibense Mensch einige seiner erfolgreichsten Tegtmeier-Geschichten, mit Illustrationen des Karikaturisten Hanns Erich Köhler, auch in Buchform; in einem Nachwort analysiert der Philosoph und Kunsthistoriker Heinrich Lützeler, damals Professor an der Universität Bonn, Sprachwitz und Weltsicht des Tegtmeier. 2013 gab der Germanist Joachim Wittkowski das Buch Der Abschied und andere Stückskes aus dem Nachlass heraus. In ihm werden bislang unveröffentlichte Manger-Texte aus den Beständen des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz publiziert.

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Jürgen von Manger als Werbeträger

Ferner war Jürgen von Manger auch als Sprecher in vier Hörspielproduktionen des WDR zu hören, unter anderem als Gollum in J. R. R. Tolkiens Der kleine Hobbit und mit polnischem Akzent als Kapitän Schikowski in dem Paul-Temple-Hörspiel Paul Temple und der Fall Lawrence. Die Hörspiele sind:

1958: Paul Temple und der Fall Lawrence (Regie: Eduard Hermann), mit René Deltgen, Annemarie Cordes und Kurt Lieck
1961: Das Appartementhaus (Regie: Friedhelm Ortmann)
1968: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (Regie: Heinz-Dieter Köhler)
1980: Der kleine Hobbit (Regie: Heinz-Dieter Köhler)

Daneben hat Jürgen von Manger Mitte der 1970er-Jahre zwei Schallplatten besungen:

JürgenVonManger05Bottroper Bier (1977), nach der Melodie von Udo Jürgens’ Griechischer Wein; mit dem Refrain: „Bottroper Bier, is so wie der Saft füürt Leben hier im Revier, tuuse manchmal gärn ein heben, und an so ein Tach kriech ich zu Hause meist noch Krach, datt ich nich lach.“ Auf der B-Seite befand sich die Moritat Der Bettler und sein Hund.
Dat bisken Frühschicht (1978); Pate stand bei diesem Lied der Song von Johanna von Koczian (Das bisschen Haushalt). Die B-Seite enthielt den Titel De kleine Kneipe, eine Ruhrpott-Persiflage auf Peter Alexanders Die kleine Kneipe.

Drei dieser Titel erschienen auch auf der 1978 veröffentlichten LP Tegtmeier für Millionen.

Er war seit 1952 verheiratet mit der Fotografin Ruth Stanszus. Jürgen von Manger lebte seit 1965 in seinem Herner „Häusken“ unweit des Herner Stadtgartens.[2] Nach einem Schlaganfall 1985, von dem auch sein Sprachzentrum betroffen war, konnte Jürgen von Manger den Schauspielberuf nicht mehr ausüben. Im März 1988 trat er anlässlich seines 65. Geburtstages nochmals vor die Kamera und bedankte sich bei seinen Fans für ihre Unterstützung. Als sein Gesundheitszustand so kritisch wurde, dass eine ärztliche Versorgung notwendig wurde, kam er schließlich ins Marienhospital in Herne, in dem er 1994 im Alter von 71 Jahren starb. Jürgen von Manger wurde auf dem Friedhof in Hagen-Delstern beigesetzt.

1987 wurde Jürgen von Manger mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und 1990 bekam er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Ihm ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. 1997 wurde in Herne eine Straße nach ihm benannt. (Quelle: wikipedia)

Hier sein zweites Album, das zu der Reihe „Stegreifgeschichten“ zählt.

von Manger mit seiner wunderbar verschrubbelten Sprache, er war ein Sprachgenie, er konnte im amüsanten Plauderton die herrlichsten Boshaftigkeiten erzählen (siehe „Die Delinquentenzelle“), und oftmals hatten seine nur vordergründigen Plattheiten eine stets aufs neue zu entdeckenden Tiefgang.

Von daher ist er – wie Helge Schneider (wobei die beiden natürlich in keinster Weise vergleichbar sind, außer dass beide letztlich absurdes Theater betreiben), ein Original, das nicht zu kopieren war.

Hörempfehlung !

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Besetzung:
Jürgen von Manger (Sprecher)

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Titel:
01. Der Schwiegermutter Mörder 13.52
02. Der Hiwi-Germane 7.20
03. Wilhelm Tell 13.32
04. Die Delinquentenzelle 9.24

Alle Texte: Jürgen von Manger

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Jürgen von Manger – Cowboys mit Spinat (1975)

FrontCover1Und weiter geht´s mit den Western … zumindest teilweise … denn auf Seite 1 dieser großartigen Jürgen von Manger Doppel-LP … geht‘ s um eine köstliche Posse um all jeden Klischees der traditionellen Westernfilme, die uns – früher mal – so fasziniert haben.

Ich habe mich neulich gefragt, ob der Ursprung mein harrscher Verriss der Elke Heidenreich LP mit Else Startmann meine baujawarische Herkunft sein könnte.

Dem ist nicht so, denn der Ruhrpott Humor des Jürgen von Manger ist schon ein ganz spezieller, bei dem mein Herz so richtig lacht. Der Jürgen von Manger hatte im kleinen Finger mehr Humor als Elke Heidenreich in der ganzen Hand.

Und was für eine Mühe sich der Jürgen von Manger mit diesem Soloprogramm gegeben hat … 20 Minuten und mehr dauern seine Beiträge und sein schlitzohriger Humor kommt dabei so richtig zur Geltung, zur Entfaltung.

Mache dich selbst – Schönheit ist heilbar: die wahren Probleme eines Gesangsvereins

Die „Antiautorisierte“ Kindererziehung: Der Spinat und seine Folgen …

Aschtronautik – Tegtmeiers Fahrt zum Mond: Der Alltag im All und der Einfluss des Mondes auf die Menschen …

Jürgen von Manger

Passend zur Jahrszeit

Jürgen von Manger war ein Unikum … mit seinem ganz speziellem Stil … bis heute unerreicht … Und welche Stellung er damals hatte wird auch dadurch unterstrichen, dass der große Dieter Hildebrandt einen speziellen und sehr schlauen Hüllentext, der letztlich eine Hommage an ihn ist, verfasst hat.

Und dann gab man diesem Album noch eine Beilage bei: ein „Kunstdruckblatt nach einem Ölgemälde von Prof. Marjan Vojska“.

Das hätte es ja eigentlich gar nicht gebraucht, denn dieses Album ist auch diese Beigabe einfach ne Wucht !

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Das Ölgemälde von Prof. Marjan Vojska

Besetzung:
Jürgen von Manger (Sprecher)

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Titel:
01. Die große Westernstory 20.04
02. Mache dich selbst – Schönheit ist heilbar 24.03
03. Die „Antiautorisierte“ Kindererziehung  20.54
04. Aschtronautik – Tegtmeiers Fahrt zum Mond 19.58

Alle Texte: Jürgen von Manger

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Ankündigung

Besprechung eines Auftritt im „Bade-Kurier“, Norderney, Juli 1975